Mittwoch, 9. Februar 2011

Schuld ...

Wir werden nicht mit Schuldgefühlen geboren, sondern nur mit der Fähigkeit uns Schuldgefühle machen zu können. Wir erlernen die Fähigkeit Schuldgefühle in uns zu erzeugen durch unsere Eltern und Lehrer. Der Gedanke von Schuld ist eine uralte Konstruktion der Religion und des Staates, ein Instrument von Menschen um Macht auszuüben.

Schuld und Schuldgefühle haben immer auch mit Macht zu tun.

Solange ich Vergebung will, hat die Schuld Macht über mich, sie lähmt.
Schuld ist auch eine Ent - Schuldigung um nicht die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen zu müssen.
Solange wir uns schuldig fühlen, sind wir abhängig von Vergebung.
Solange wir vom anderen einfordern, dass er seine Schuld uns gegenüber abträgt, geben wir dem anderen Macht über uns.

Schuld ist ein schreckliches Gefühl. Es wird weniger schrecklich, wenn wir anstatt von Schuld von Fehlbarkeit sprechen ... und diese ist zutiefst menschlich.

Fehlbarkeit beeinhaltet die Möglichkeit der Akzeptanz dessen, was wir nicht ungeschehen machen können. Fehlbarkeit enthält echte Reue. Fehlbarkeit trägt in sich, die Möglichkeit der Korrektur von Fehlern.

Schuld ist ein schwerer Rucksack, den wir uns selbst aufladen oder einem anderen hinterhertragen. Schuld tragen oder hinterher tragen beugt uns den Rücken.

Wenn wir um unsere eigene Fehlbarkeit und die der anderen wissen, werden wir den Rucksack ablegen. Wir werden mit geradem Rückgrat weiter gehen ... getragen von der Entscheidung und dem Willen ein besserer Mensch zu werden.


Montag, 7. Februar 2011

Herz

einer sagt ich 
habe 
mein herz 
verloren. 
ein anderer sagt ich 
habe 
ein herz 
gewonnen.

Sonntag, 6. Februar 2011

Angst


Sie spürte es im ersten Moment. Es war etwas Altes, Vertrautes. Ein Gefühl, das ihr den Magen verknotete, ihr Inneres wie ein Brennen überfiel, ein Brennen, das sich ausbreitete, bis in den Kopf, der weh tat, plötzlich. Zu viel Druck, der nicht hinaus konnte, alle Kontrolle in ihr überstieg. Die Frau wollte das nicht.

Dann der Versuch es abzuschütteln. Abschütteln, war der Gedanke, der erste nach dem ersten Gefühl, sie hatte es gewusst immer schon, zuerst war das Gefühl, dann erst kam der Gedanke, die Psychologie irrte sich. Auch das half ihr nicht weiter.

Also abschütteln. Ein untauglicher Versuch. Längst waren sie ineinander verknotet. Ja, sagten seine Augen während sein Mund etwas anderes sagte. Was es war, daran erinnerte sie sich später nur bruchstückhaft.

Sein plötzliches Dasein warf sie mit Wucht auf sich selbst zurück. Sie hatte geglaubt es unter Kontrolle zu haben. Abgelegt hinter der Rüstung, die sie angelegt hatte, vor langer Zeit.

Es war der Riss. Er war durch den Riss in der Rüstung gekommen. Dieser für die anderen unsichtbare Riss, der sie von allen trennte, war die Tür, die ihn in ihr Leben ließ. Mit einem Ungesagten, ich will dich kennen, das, was ich noch nicht von dir kenne. Auch das, was ich nicht kennen lernen werde, drückte der Mann die Klinke nach unten.

Die erste Tür. Und dann? Wie viele gab es, die sie beide nicht kannten, dachte die Frau und spürte das Brennen. Es war schrecklich und schön. Sein Name war Angst. Angst vor ihm und vor sich selbst. Das Alte, Vertraute, das in allen Zellen ihres Körpers klebte begann sich abzulösen, schoss in ihr Blut. Es wirkte wie freigesetzes Gift. Sie hatte sich immun geglaubt. Auch das. Sie war es nicht.

Die Vorsicht mahnte sie zu gehen. In diesem ersten Moment hätte sie gehen sollen. Den Willen aufbringen sollen. Was man alles soll, dachte die Frau und dass es von dem Sollen schon zu lang, zu viel in ihrem Leben gab und von Wollen schon zu lang, viel zu wenig.

Der Mann nahm die Hand der Frau in die seine. Still legte sich ihre Angst zu einander. Daneben lag etwas Neues.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Anziehung ...

Ziehen wir das Unglück an, oder geschieht es uns?

Findet das Unglück an uns Gefallen, oder wir an ihm?

Wer will denn unglücklich sein, bewusst oder unbewusst?

Alle wollen glücklich sein, die Begabung dazu haben die wenigsten.

Manche sagen, alles ist Zufall, so etwas wie die Anziehung von Dingen gibt es nicht.

Wenn uns die dramatischen Vorfälle im Leben nicht willkürlich treffen, wenn sie eine Ursache haben, die allein in uns selbst liegt - dann gibt es keine Zufälle, sondern nur Aktion und Reaktion.

Dienstag, 1. Februar 2011

Nichts Besseres ...


Man lernt sich selbst zu genügen, wenn man erfährt, dass kein anderer einen versteht, kein anderer einem etwas abnehmen kann, kein anderer den eigenen Schmerz fühlen kann.

Schmerz wird nicht kleiner, wenn man ihn teilt. Und er wird größer, wenn man versucht ihn nicht zu zeigen, weil man den anderen nicht belasten will. Den Schmerz teilen zu wollen ist ein sinnloses Unterfangen. Ihn allein zu tragen zehrt die Seele auf.

Durchdrungen von Sprachlosigkeit benutzte sie geschriebene Worte, um ihm zu erzählen, oder sich selbst zum tausendsten Mal. Sie wusste, sie konnte sich nicht an Worten festhalten, Worte konnten sie nicht retten, sie hatten es noch nie gekonnt, aber sie versuchte es weiter, weil ihr nichts Besseres einfiel...

Montag, 31. Januar 2011

Muss?

Muss alles ein Grund haben?
Muss alles eine Erklärung haben?
Muss alles verstanden werden?
Muss alles durchdacht werden?
Muss alles Bedeutung haben?
Muss alles Folgen haben?
Muss alles Sinn haben?
Muss ich alles wissen?
Muss ich gewinnen?
Muss jede Frage eine Antwort haben?
Muss jedes Gefühl analysiert werden?
Muss ich suchen um zu finden?
Muss ich finden um anzukommen?
Muss ich aufhören um zu beginnen?
Muss ich Eins beenden um ein Anderes zu leben?
Muss ich?
.........................................................................Nein?
.........................................................................Nein!

Sonntag, 30. Januar 2011

Tatort



Lena hat ein Bild gemalt. Interessiert keinen. Etwas gegessen. Essen ist gut, macht warm innen. Kurz. Dann wieder kalt. Lena guckt Nachrichten. Wird viel gestorben in den Nachrichten. Im Krieg.Im Auto. In der U-Bahn Station. Vor Hunger. Auch Kinder sterben. Viele Kinder sterben vor Hunger. Lena ist satt. Im Bauch. Im Kopf verhungert. Lena guckt Tatort. Sonntag und Tatort. Da wird gestorben. Alle sterben. Lena wird auch sterben. Lena hat keine Angst. Guckt Lena Odental an. Die wird auch einmal sterben. Lena liegt auf dem Sofa. Müde vom Rotwein. Warm innen. Denkt an nichts. Guckt nur. Gucken und nichts denken ist gut. Besser als denken und gucken. Guckt die Leiche im Tatort an. Leiche gucken und an den Tod denken. Ein Mädchen ist tot. Die Eltern müssen ins Leichenschauhaus um sich das tote Mädchen anzuschauen. Die Mutter sagt, das ist nicht meine Tochter. Die Mutter will nicht, dass ihre Tochter tot ist. Sie schreit. Lena will auch schreien. Will mit der Mutter schreien. Lena ist zu müde zum schreien.Trinkt noch einen Wein. Schaltet die Glotze aus. Geht ins Bad und lässt Wasser in die Wanne laufen. Zieht sich aus. Steigt in die Wanne. Das Wasser ist warm. Lena nimmt den Föhn vom Regal über der Wanne. Schaltet ihn an. Der Fön ist warm. Warm ist gut. Lässt den Föhn ins Wasser fallen. Warm ist es beim Sterben.