Donnerstag, 30. September 2021

Entfremdung


                                                                  Foto: A.Wende

Schon immer wurden Beziehungen zu Menschen, die unseren Erwartungen nicht gerecht werden und deren Ansichten und Lebensweise nicht in unser Weltbild passen, stillschweigend beendet oder auf Eis gelegt, ohne dass ein echter Abschied stattfindet. Der Rückzug ins Eigene wird angetreten und der andere weiß gar nicht, warum wir uns zurückziehen und meistens fragt er auch nicht. Eine stille Übereinkunft zwischen Menschen, die sich nicht trauen zu sagen und sich nicht trauen zu fragen.
Mir scheint die Pandemie hat diese Art von Rückzug verstärkt.
 
Viele Menschen ziehen sich zurück. 
In die kleine Zelle der Beziehung, in das kleine Feld der Familie oder in sich selbst, wenn sie allein sind. Offen bleiben, zugewandt bleiben, neugierig bleiben, empathisch sein, hilfsbereit sein, auch wenn es nicht der direkte Nächste ist, Interesse zeigen am anderen, gelingt vielen nicht mehr in diesem neuen Normal, das so unnormal ist, das ein normaler Mensch damit nicht klar kommt. In einer abnormalen Situation ist eine abnormale Reaktion das normale Verhalten. Ein Mensch, je normaler er ist, desto abnormaler wird er auf die Tatsache reagieren, dass er in die abnorme Situation geraten ist. 
 
Wir alle sind in eine abnorme Situation geraten und wir alle sind auf gewisse Weise traumatisiert. Die wenigsten aber sind sich dessen bewusst. Sie entwickeln unbewusst Überlebensstrategien, die alles, was das eigene Wohlbefinden gefühlt bedroht, vermeiden. Sie haben aufgehört sich für andere, die nicht zum engsten Kreis gehören, zu interessieren. 
 
Ausschluss statt Einschluss.
Menschen verpuppen sich in das, was ihnen noch sicher und kontrollierbar erscheint, halten es fest und verschließen sich dem Außen. Sie öffnen sich nichts und niemanden, was diese scheinbare Sicherheit ins Wanken bringen könnte. Da war zu viel Bedrohung, da ist zu viel Bedrohung. Immer noch ist die Welt da draußen unsicheres Gebiet. Und alles was die kleinste Unsicherheit bedeuten könnte, wird abgewehrt. 
 
Viele haben verlernt den anderen zu sehen.
Sie sehen nicht mehr über den eigenen Tellerrand hinaus. Das Sichtfeld ist eingeschränkt vom Ego, dass sich ängstlich nur noch um sich selbst dreht.
Mitmenschlichkeit hat eine neue Bedeutung bekommen.
Mitmensch ist nur der, der direkt neben uns ist, den wir brauchen, um emotional zu überleben. Die anderen sind uns gleichgültig. In dieser neuen Gleichgültigkeit zählen nur noch die eigenen Interessen und dass es uns gut geht, so gut es uns gehen kann in diesen unguten Zeiten. 
 
Trennung wohin man sieht.
Trennung nicht nur vom für uns unbedeutenden Nächsten, Trennung von allem und jedem, was dem egozentrischen Motiv „Ich bin mir selbst der Nächste“ im Wege steht.
Wir alle sind auf uns allein gestellt. Das ist nichts Neues. Aber nie war es so fühlbar wie heute. Nie war die Fiktion eines menschlichen Miteinanders so zerbröselt wie heute. Nie haben Menschen andere Menschen so radikal ausgeschlossen wie heute. Nie wurde Narzissmus so offen und unverdeckt gelebt wie heute.
 
Die Pandemie wird diesen Narzissmus weiter füttern.
Aus der Anfangs gebotenen Distanz zum Selbstschutz ist ein Dauerzustand geworden. Eine Distanz, die unweigerlich, gelingt es uns nicht sie aufzuweichen, in die totale Entfremdung des Menschen vom Menschen und damit - und das ist der springende Punkt: zur Entfremdung des Menschen von sich selbst führt.

Mittwoch, 29. September 2021

Sorgsam mit uns selbst umgehen

 


 
Was müssen wir tun um sorgsam mit uns selbst umzugehn?
Wir müssen hören, was unsere innere Stimme immer wieder zu uns sagt.
Was macht dich wütend?
Was macht dich traurig?
Was erscheint dir als falsch?
Wodurch und mit wem fühlst du dich unwohl?
Wobei und mit wem fühlst du dich wohl?
Was kannst du nicht mehr ertragen?
Welche Bemühungen sind vergeblich?
Was zieht dir Energie ab?
Was schenkt dir Energie?
Was brauchst du?
Und was brauchst du nicht?
Was hast du gründlich satt?
Was vergiftet deine Seele und dein Leben?
Was wirft dich immer wieder aus der Balance?
Was oder wer stört deinen Frieden?
Was macht dich zufrieden?
Was macht dich unglücklich?
Was macht dich glücklich? 
 
Indem wir lernen auf unsere innere Simme zu hören, wächst unser Vertrauen in uns selbst. Wir beginnen uns selbst mehr zu achten. Wir achten auf uns selbst. Wir sind uns klarer über uns selbst. Wir behandeln uns selbst besser. Wir lassen uns nicht mehr zu etwas machen, was wir nicht sein wollen. Wir lassen die Finger von dem, was Gift für uns ist.
Wir gesunden im sorgsamen Umgang mit uns selbst.

Dienstag, 28. September 2021

Probleme und Lösungen

 

                                                                  Foto: www


Manche Probleme sind vermeidbar. Manche Krisen sind vermeidbar. Manche Probleme sieht man kommen. Manche Krisen sieht man kommen. Andere Probleme und Krisen überfallen uns.
Manche Probleme bleiben uns.
Der Gedanke, dass es ein problemloses, krisenfreies Leben geben könnte, sollte uns nicht erstaunen. Der Gedanke, dass es ein problemloses, krisenfreies Leben geben sollte, schon.
Probleme gehören einfach zum Leben. Und doch ist da bei vielen Menschen dieser Anspruch auf Problemlosigkeit und dauertüchtiges Glück, was sie dann auch noch vom Außen erwarten.
„Das Leben soll dafür sorgen, dass es mir gut geht. Es soll mich glücklich machen, er, du, es, sie, soll mich glücklich machen.“
Manche von uns verschwenden mehr Zeit darauf, sich damit zu beschäftigen, warum sie ein Problem haben, anstatt es zu lösen. Sie beklagen und sie bemitleiden sich. Sie fragen sich: Warum passiert mir das? Warum ist das Leben so ungerecht zu mir? Das ist so gemein, immer trifft es mich. Anstatt sich nur ein einziges Mal zu fragen: Warum nicht mich?
Und so drehen sie sich weiter um ihr Problem, versuchen zu ergründen, warum es ist wie es ist und nichts ändert sich, außer, dass das Problem immer weiter wächst und sogar neue dazukommen und damit wachsen Frust und Unzufriedenheit.
 
Die gute Nachricht ist: Probleme sind da, um sie zu lösen!
Sie sind eine Herausforderung.
Für jedes Problem gibt es eine Lösung.
Nur passen tut sie manchen von uns nicht.
Immer soll es die perfekte Lösung sein, am Besten noch das Wunder, das über Nacht geschieht und alles ist wunderbar. Es gibt eine Lösung für jedes Problem.
Nur, wenn wir nicht bereit sind die Lösung anzuerkennen und anzunehmen, die für uns in diesem Moment in der Zeit möglich und hilfreich ist, sind wir auf verlorenem Posten.
 
Accept it
Leave it
or change it
Klingt einfach. Ist es aber nicht.
Besonders Akzeptanz fällt den meisten von uns schwer. Einfach mal zu akzeptieren, was ist, auch wenn es nicht perfekt ist, auch wenn es schwierig ist oder vielleicht sogar schmerzhaft. Es muss weggemacht werden, und wenn das nicht gleich klappt, werden wir wütend auf uns selbst oder die, die es wegmachen sollen. Es wird gezerrt an sich selbst, es wird Druck ausgeübt auf sich selbst und andere, nur weil es nicht gelingt einfach einmal auszuhalten, dass es jetzt genauso ist, wie es ist.
Anstrengend ist das und nicht hilfreich.
 
Manchmal ist die Lösung unseres Problems damit verbunden, etwas sein zu lassen oder etwas loszulassen. Das heißt, eine Situation zu verlassen, die nicht lösbar ist. Zum Beispiel eine toxische Beziehung, einen Job, der uns fertig macht, eine destruktive Überzeugung, die uns immer wieder in die Falle laufen lässt, eine Idee, die sich partout nicht realisieren lässt oder das Selbstbild, das wir uns zurechtgelegt haben und das uns in Wahrheit überhaupt nicht entspricht.
Manchmal liegt es allein an uns selbst das Problem zu lösen, indem wir beispielsweise unsere Glaubenssätze, unsere Selbstgerechtigkeit und unsere Vorstellung davon wie alles zu sein hat, überprüfen und relativieren. Oder indem wir uns der Herausforderung stellen, unseren Ängsten und Süchten zu begegnen und alles Nötige dafür tun, was hilfreich ist um zu heilen und anstatt eine schnelle Lösung zu erwarten, damit beginnen Demut und Geduld zu üben - mit uns selbst, unserer Angst oder unserer Sucht. 
 
Mal ehrlich, wer glaubt denn wirklich, was seit Jahrzehnten besteht und seit einer gefühlten Ewigkeit unheilsam ist, in ein paar Wochen oder Monaten auflösen zu können?
Und manchmal gehört das Problem einfach zum Leben.
Es ist einfach da. Dann dürfen wir lernen, dieses Problem als Bestandteil unseres Lebens anzunehmen. Und uns nicht von unserem Problem zum Opfer machen zu lassen, indem wir glauben, es will uns Böses. Wir können lernen uns mit der Lösung zu beschäftigen, statt mit dem Problem, wir können lernen auf Lösungen zu vertrauen.
Manche Probleme lösen sich sogar von selbst, man darf sie nur nicht dabei stören.

Donnerstag, 23. September 2021

Rückzug

 

                                                             Malerei: A.Wende

 
Um uns selbst zu schützen, machen wir manchmal dicht. Wir verschließen uns sogar Menschen gegenüber, die uns viel bedeuten. Wir ziehen uns emotional zurück. Das geschieht oft dann, wenn der andere uns auf uns selbst und unsere Schatten zurückwirft. Auf Gefühle, die wir nicht haben und vermeiden wollen. Wir schützen uns, indem wir uns nicht weiter einlassen und die Beziehung vorrübergehend oder sogar ganz verlassen.
Manchmal ist das angemessen oder sogar gesund. Jeder von uns muss seine Grenzen schützen, jeder von uns braucht seinen unantastbaren eigenen Raum und jeder von uns hat ein Recht auf Rückzug, wenn es uns zu viel wird. Es ist gesund bisweilen auf Distanz zu gehen, wenn uns die Nähe zu viel wird oder seelisch zu sehr belastet.
 
Aber ein Rückzug kann auch eine unheilsame Wirkung haben.
Dann nämlich, wenn wir nicht mehr fähig sind aus unserer eigenen Realität auszusteigen, wenn wir nicht mehr offen sind für die Menschen, die anders fühlen, denken und leben als wir. Dann können wertvolle Beziehungen, an denen wir wachsen könnten, in die Brüche gehen. Der andere hat keine Chance mehr an uns heranzukommen, unser Rückzug ins Eigene macht uns unerreichbar. 
 
Bevor wir uns aus einer Beziehung zurückziehen, könnten wir uns fragen: Was will ich damit  erreichen?
Will ich mich schützen um meine Komfortzone nicht verlassen zu müssen?
Will ich in meiner Wahrnehmung der Welt, wie ich sie sehe, nicht irritiert werden?
Will ich mich verschließen, um nicht wachsen zu müssen?
Ziehe ich mich zurück, weil ich meine Angst vor Konflikten vermeiden will?
Ziehe ich mich zurück, weil wir geteilter Meinung sind?
Ziehe ich mich zurück, um das Gefühl im Recht zu sein, haben zu können?
Ziehe ich mich zurück, weil ich den anderen nicht mehr verstehe und mich nicht verstanden fühle?
Ziehe ich mich zurück,weil ich mich verletzt fühle und mich nicht traue es auszusprechen?
Oder ziehe ich mich zurück, weil der andere nicht mehr meinen Weg mitgeht, weil er irgendwann abgebogen ist, in eine Richtung, die meinen Werten nicht mehr entspricht?
Weil er mich unter Druck setzt?
Weil ich mein Vertrauen in diesen Menschen verloren habe?
Weil er nicht loyal ist?
 
Ziehe ich mich zurück, um meine Seele zu schützen?
Weil der andere emotional nicht mehr präsent und nicht mehr erreichbar ist?
Weil er es nicht ehrlich mit mir meint, weil er mich benutzt, belügt, manipuliert, abwertet, schlecht behandelt oder durch seine unheilsame und zerstörerische Lebensweise mit in das Unheilsame zieht? 
 
Sich zurückziehen hat viele Gründe. Und jeder Rückzug hat Folgen. Für uns selbst und für den Menschen, von dem wir uns abwenden. Darum ist es wichtig behutsam, achtsam und verantwortungsvoll zu sein und uns bewusst zu machen, warum wir einen radikalen Schlussstrich ziehen und eine Beziehung beenden.

Dienstag, 21. September 2021

Was können wir für den Frieden in der Welt tun

 



Spaltung, Trennung, Aufruhr, Unfrieden unter den Menschen wohin man sieht. Das reicht hinein bis in die Familien, selbst in jene, die bisher in Harmonie miteinander lebten. Mehr denn je gehen Meinungen auseinander, existentielle Bedürfnisse kollidieren, nicht einmal über Zahlen und Fakten herrscht Einigkeit. Es ist schwer geworden, aufeinander zuzugehen und ganz leicht, einander anzugreifen und zu verurteilen. 
 
Statt Frieden herrscht Unfrieden – außen wir innen. Der äußere Unfrieden erfasst unser Inneres, denn jeder von uns ist in Teil des Ganzen und damit unabdingbar mit allem verbunden.
Wenn wir unseren inneren Unfrieden besänftigen wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig als hinzuschauen. Hinzuschauen auf den Teil in uns, der Unfrieden fühlt und dazu beiträgt, dass er wächst. Das ist mühsam, das bedeutet die Bereitschaft zu haben, unsere Schatten sehen und akzeptieren zu wollen, aber es ist der einzige Weg um die Trennung aufzulösen und in Verbindung und Frieden zu kommen – zunächst mit uns selbst.
 
Frieden ist eine innere Verfassung, die wir nicht delegieren können, ein Zustand, der in uns selbst beginnt und sich dann erst in unser Umfeld ausbreiten kann. Innerer Frieden und innere Verbundenheit führen zu äußerer Harmonie. Da können wir ansetzen.
Um Frieden nach außen zu tragen, dürfen wir uns also zuerst um unseren inneren Frieden kümmern. Und zwar indem wir uns an den Ort begeben, an dem jeder Krieg beginnt - unser eigenes Inneres.
Das ist leichter gesagt als getan. Auch mir gelingt das nicht in dem Maße wie ich es mir wünsche. Ruhe und Frieden in einer Zeit zu finden, die so ruhelos, so anstrengend, so befremdlich, so beängstigend ist, in der eine Entwicklung stattfindet, die wir uns so niemals hätten vorstellen können, ist wahrlich eine Kunst. Sie zu leben erfordert viel Bereitschaft und einen starken Willen. 
Mich selbst befrieden um friedlich zu anderen zu sein, das ist die Herausforderung, die ich mir jeden Tag stelle. Das erfordert einen ruhigen Geist. Das erfordert die Anstrengung emotionale und geistige Stabilität inmitten des Chaos zu behalten um unsere Aufgaben trotz der anhaltenden „äußeren Unruhe“ und der „inneren Unruhe“ weiterhin hinreichend gut bewältigen zu können.
 
Unsere Frustrationstoleranz wird geprüft. Jeden Tag aufs Neue.
Umso mehr gilt es jetzt, sich um Verständnis, um Empathie, Akzeptanz und Frieden zu bemühen – für uns selbst und andere, denn letztlich versucht jeder auf seine Weise, sich in dieser unheilsamen Welt zurechtzufinden und sein Leben zu meistern. 
 
Versuchen wir den Menschen hinter seiner Haltung zu erkennen. Reden wir miteinander um einander zu verstehen.
Friedlich.
In einer Zeit, in der Angst geschürt und Feindbilder geprägt werden, ist es mehr denn je notwendig, sich in Erinnerung zu rufen: Was für ein Mensch will ich sein?
Und: Will ich Krieg oder Frieden?

Samstag, 18. September 2021

So bin ich halt. Ich kann nicht anders, weil ich halt so bin.

 

                                                                Zeichnung: A. Wende

 
"So bin ich halt. Ich kann nicht anders, weil ich halt so bin."
Solche Sätze haben einen wahren Kern. Aber sie sind nur die halbe Wahrheit über dieses ICH.
Ein Ich ist nicht nur eine Person mit einer Veranlagung, ein Ich ist ein komplexer Organismus, ein psychischer und seelischer Apparat zu dem auch eine geistige Person gehört, eine Person nämlich, die sich entscheiden kann und die verantwortlich für ihre Entscheidungen ist.
 
"Ich kann nicht anders", das klingt als hätten wir nicht die Freiheit, Dinge zu tun, die wir willentlich entscheiden, die wir als wahr, gut, sinnvoll, heilsam und vernünftig empfinden, weil wir halt so sind und uns von den inneren, unkontrollierten Impulsen, Launen, Gewohnheiten, Süchten, Glaubensmustern und Überzeugungen über dieses Ich leiten und dominieren lassen müssen. 
 
Je unfreier wir innerlich sind, umso leichter ist es unsere Freiheit von außen zu beschränken. Umso leichter geraten wir unter den Einflussbereich von Manipulationen und in Abhängikeit.
Das unfreie Ich, das meint über Entscheidungs- und Handlunsgfreiheit nicht verfügen zu können, wird sich den Außenbedingungen ebenso widerstandslos anpassen wie den eigenen Innenbedingungen.
Wie Innen so Außen. 
 
Freiheit wird vollzogen indem wir sie wahrnehmen, nutzen und verwirklichen. Das macht einen geistig wachen und klaren Menschen aus – er nutzt die Freiheit der Entscheidung über sich selbst, sein Denken, sein Fühlen, sein Verhalten und sein Handeln. Erkennt er seine Freiheit nicht, ist er von inneren und äußeren Zuständen abhängig und damit unfrei, im Glauben „nicht anders zu können“. 
 
Freiheit bedeutet: Ich kann auch anders!
Denn nicht auf die Stärke der Veranlagung kommt es an, sondern auf die Bereitschaft Anlagen zu erkennen und zu verändern, falls sie zu nichts Gutem führen und unser Leben und das unserer Mitmenschen, erschweren oder sogar vergiften.

Dienstag, 14. September 2021

Vertrauen in dich selbst

 



Ein wichtige Frage ist: Wem vertraust du?
Und warum?
Eine noch wichtigere Frage ist: Vertraust du dir selbst?
 
Manche von uns glauben, wir können uns selbst nicht vertrauen, weil mit uns etwas nicht stimmt. Weil wir Fehler machen, weil wir nicht gut genug sind, weil wir nicht stabil genug sind, weil wir nicht erreichen, was wir uns wünschen, weil wir keinen haben, der mit uns durchs Leben geht, weil wir immer wieder an unseren Ängsten und Neurosen scheitern, immer wieder in die gleichen Fallen tappen, weil wir psychisch angeschlagen sind, weil wir unglücklich sind oder was auch immer wir an Ungutem wir über uns denken. Wir haben Scham-und Schuldgefühle, weil wir nicht souverän, selbstsicher, glücklich und in allen Lebenslagen erfolgreich sind und dann glauben wir noch weniger an uns selbst.
 
Es gibt Menschen, die das ausnutzen, wenn sie spüren, dass wir kein Vertrauen zu uns haben. Wenn uns das Vertrauen in uns selbst fehlt, sind wir im Tiefsten allein und unsicher – uns selbst, anderen und dem Leben gegenüber. Wir wackeln, sobald man uns angreift, wir glauben, was andere uns über uns sagen, wir lassen uns aus der Mitte bringen. Wir sind leicht zu verunsichern, emotional ausbeutbar und manipulierbar. Ohne Selbstvertrauen sind wir die Marionetten anderer, die mit genau den unheilsamen Überzeugen spielen, von denen wir glauben, sie sind der Grund dafür, dass wir uns nicht vertrauen können.
 
Ohne Vertrauen in uns selbst sind wir bodenlos.
Angst, Zweifel und Verwirrung sind unsere Begleiter.
Vertrauen in uns selbst ist ein Geschenk, das wir uns selbst machen.
 
Wie machen wir das?
Wir lernen es und wir üben es.
Wir akzeptieren uns so wie wir sind, mit all unseren Macken und Fehlern. Wir wissen, wir arbeiten an uns. Und schenken uns weiter Vertrauen. Denn nur wir allein wissen, was wir fühlen, was wir brauchen, was gut für uns ist und was nicht.
Wenn wir uns irren, wenn wir Fehler machen, wenn wir scheitern, versuchen wir zu korrigieren, was möglich ist. Wir akzeptieren unsere Fehler als Erfahrungen, aus denen wir lernen dürfen und schenken uns weiter Vertrauen. Wir können darauf vertrauen, dass wir unserer eigenen Wahrheit vertrauen können.
Wenn wir uns selbst vertrauen, sind wir sicher in uns selbst und aufgehoben.
Wenn wir uns selbst vertrauen, wissen wir wann wir Unterstützung brauchen und holen sie uns.
Wenn wir uns selbst vertrauen, übernehmen wir dir die Kontrolle über unser Leben und finden Lösungen, anstatt Energie für Entschuldigungen, Selbstbeschuldigungen und Rechtfertigungen zu verschwenden.
Wenn wir in uns selbst vertrauen wissen wir: Niemand ist perfekt und wir müssen es auch nicht sein.
Wenn wir uns selbst vertrauen, vergleichen wir uns nicht mit anderen.
Wenn wir uns selbst vertrauen, wissen wir um unser Warum und was uns wichtig ist. Wir sind uns selbst und unseren Werten treu und leben sie.
Wenn wir uns selbst vertrauen, gestehen wir uns unsere Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse ein und sprechen sie aus.
Wenn wir uns selbst vertrauen, laufen wir keinem hinterher, dem wir nicht wichtig sind. Wir verbiegen uns nicht, nur um anerkannt und geliebt zu werden.
Wenn wir uns selbst vertrauen, lassen wir uns nicht unter Druck setzen und nicht unterdrücken.
Wenn wir uns selbst vertrauen, lassen wir von allem, was toxisch für uns ist.
Wenn wir uns selbst vertrauen, lassen wir uns nicht von unserer Angst daran hindern, unser „bestes Selbst“ zu werden. Egal wie lange es dauert.