Sonntag, 14. Februar 2021

Gedankensplitter


Die Rose 

Von der Blüte erfahren wir etwas über ihre Schönheit und ihre Reifung. 

Von den Dornen etwas über ihre Schmerzen und etwas über ihre Fähigkeit anderen Schmerz zuzufügen. 

Nur so ist sie ganz.

Mittwoch, 10. Februar 2021

Aus der Praxis – Gewohnheiten

 

                                                                         Foto: www


Der amerikanische Pädagoge Horace Mann sagte einmal: „Gewohnheiten sind wie Kabel. Wir flechten jeden Tag einen Strang dazu, und bald können sie nicht mehr reißen.“
Gewohnheiten sind machtvolle Faktoren. Es sind gleichbleibende, oft unbewusste Verhaltensmuster und verinnerlichte Prinzipien nach denen wir unser Leben einrichten und nach denen wir handeln. Wir sind es gewohnt dies und das zu tun, dies und das zu denken. Wir sind es gewohnt, so oder so zu reagieren. Gewohnheiten spulen sich ab wie Automatismen. Und sie formen zum Teil unseren Charakter. Gewohnheiten werden erlernt und was wir erlernen, können wir wieder verlernen. Insofern stimme ich Horace Mann nicht ganz zu. Aber, es ist verdammt schwer unsere Gewohnheiten zu ändern, denn sie geben uns auf eine gewisse Weise Halt. 
 
Gewohnheiten ändern wir meist erst dann, wenn wir seelisch leiden oder am eigenen Leib spüren - also auf der Körperebene, erfahren - dass sie uns schaden. Dann erst denken wir überhaupt darüber nach sie zu ändern.
Um unsere Gewohnheiten zu ändern, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass dies ein Prozess ist, der viel Anstrengung erfordert. Und genau diese wollen wir in den meisten Fällen vermeiden, das Leben ist schließlich anstrengend genug. Also essen wir aus Gewohnheit weiter das ungesunde Zeug, wir trinken weiter täglich Alkohol um am Abend runterzukommen, wir bewegen uns weiter nicht, auch wenn wir es unserer Gesundheit zuliebe eigentlich dringend tun sollten. Wir leben weiter im selben Trott, auch wenn er uns zu Tode langweilt. Wir führen weiter Beziehungen, die uns nicht glücklich machen und vieles mehr. 
 
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wie das Tier handelt er gewohnheitsmäßig in vielem instinktiv nach dem, was er schon immer so macht und vor allem - was ihm Lust verschafft.
„Wir werden zu dem, was wir wiederholt tun“, sagte Aristoteles einmal. Es macht also durchaus Sinn uns die eigenen Gewohnheiten einmal genau anzuschauen und was sie aus uns machen, also wie sie unsere Persönlichkeit und unser Leben beeinflussen und formen.
 
Wie aber können wir unsere Gewohnheiten ändern?
Wir können uns zunächst einmal unsere Gewohnheiten genau anschauen und uns fragen, WAS wir tun und WARUM wir es tun?
Das verschafft uns einen klaren Überblick über unsere Gewohnheiten.
Jetzt wissen wir mehr über sie.
Wir sind uns bewusst, warum wir tun, was wir tun und auf einmal erkennen wir die unsere Bedürfnisse die dahinter stecken und die durch diese Gewohnheiten befriedigt werden.
Wenn wir z.B. die Gewohnheit haben jeden Abend Alkohol zu trinken um abzuschalten, dann ist unser Bedürfnis die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, also gar nicht so sehr der Alkohol, den wir konsumieren – er ist lediglich eine Abkürzung, aber keine Lösung.
Und schon gar keine gesunde.
Tut uns also dieses Warum gut? Bringt es uns das, was wir wirklich brauchen, oder schadet es uns mehr mehr als es uns nützt?
Entscheidend um eine Gewohnheit dann auch zu verändern ist das WOLLEN – also die Motivation: „Ich will“.
Dann kommt das WIE: „Wie will ich etwas verändern?“
Und zwar ganz konkret – was will ich stattdessen tun?
Es genügt also nicht eine Gewohnheit einfach abzulegen, denn legen wir sie ab, fehlt uns etwas. Die Folge: Wir suchen schnell nach einem Ersatz – wir kompensieren das Fehlende mit etwas anderem ohne klar zu entscheiden WAS das andere ist.
Diesen Ersatz sollten wir daher sehr bewusst wählen, denn „funktioniert“ er nicht, werden wir sehr schnell wieder in die alte Gewohnheit zurückfallen.
 
Aus der Hirnforschung wissen wir, dass Menschen Gewohnheiten und Verhalten nur dann ändern, wenn neues Verhalten eine Belohnung verspricht. Also können wir uns fragen: Was ist die Belohnung, wenn ich eine Gewohnheit sein lasse und sie durch eine andere ersetze?
Solange es diese Belohnung nicht gibt, solange wir nicht den Wunsch danach haben die Veränderung zu einer Eigenschaft in unserem Leben werden zu lassen, die wir zur Gewohnheit machen, machen wir weiter wie gewohnt und der Strang kann tatsächlich nicht mehr reißen.

Mittwoch, 3. Februar 2021

Warum Betrug so vernichtend ist

 

                                                                        Foto: www


„Ich glaubte zu wissen, wie ich bin, wie er ist, und auf einmal erkenne ich uns nicht mehr, weder ihn noch mich. Mein früheres Leben ist zusammengestürzt, spurlos verschwunden, wie bei einem jener Erdbeben, wo der Boden sich selbst verschlingt. Hinter dem Flüchtenden bliebt nichts zurück als ein Abgrund. Es gibt keine Rückkehr“, schreibt Simone de Beauvoir in ihrem Buch „Eine gebrochene Frau“.

Die Entdeckung eines Betrugs ist vernichtend.
Wenn man eine Liebe auslöschen will und das Vertrauen eines Menschen zerstören will, ist der Betrug das Mittel der Wahl. Betrug ist Verrat auf vielen Ebenen: Lüge, Täuschung, Zurückweisung, Demütigung, Beschämung, Kränkung, innerliches Verlassen des anderen. All das sind Erfahrungen vor denen uns die Liebe ja bewahren soll. Wenn aber der Mensch, dem man vertraut hat, derjenige ist, der einem all das zugefügt hat, lässt das bei besonders sensiblen Menschen eine Welt zusammenbrechen. Das Leben zerbricht in viele Teile, die sich nicht mehr zusammenfügen lassen.

Werte und Grundannahmen, die einen Menschen ausmachen, machen ihn genau dort auch verwundbar. Es sind vor allem diese Menschen, die noch Jahre nach dem Betrug leiden. Der Betrogene steht, wie es Simone de Beauvoir so eindringlich beschreibt, vor einem Abgrund. Hinter ihm liegt der Trümmerhaufen eines Lebens, das so wie es war nie mehr sein wird. In ihm sind Fassungslosigkeit, Wut, Ohnmacht, Schmerz, Trauer und Orientierungslosigkeit. Der Fassungslosigkeit folgt eine niederschmetternde Gewissheit.

Untreue erschüttert den ganzen Menschen.
Die Wucht an Gefühlen ähnelt den Symptomen eines psychischen Traumas. Es kommt zu exzessivem Grübeln, überhöhter Wachsamkeit, automatisch wiederkehrenden Erinnerungsbilden, Schlafstörungen, Albträumen, unerklärlichen Wutausbrüchen, Ängsten, unangemessenen Reaktionen, Panik, Dissoziation, Überaktivität oder sozialem Rückzug, emotionaler Erstarrung und/oder Depressionen. Eine solche Erfahrung ist für manche Menschen derart zerstörerisch, dass sie die emotionalen Folgen oft nicht mehr loswerden. Noch Jahre nach dem Betrug leiden sie unter den Folgen der erschütterten Seele.

Wird das Ereignis nicht verarbeitet, kann es zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung kommen, eine chronisch verlaufende Störung, die nach extrem belastenden Ereignissen auftreten kann. Wird diese nicht behandelt, kann sie die Lebensqualität massiv einschränken. 

Warum ist das so?
Die mit dem Trauma in Verbindung stehenden Sinneseindrücke, körperlichen Empfindungen und Gefühle werden im sogenannten Mandelkern im Gehirn gespeichert. Sie zerfallen bei oder nach einem Trauma wie die Splitter eines zerbrochenen Spiegels in viele Einzelteile und können daher nicht mehr als sinnvolles Ganzes wahrgenommen und zugeordnet werden. Aus diesem Grund können sie nicht als Lernerfahrung in die Gesamtheit der Persönlichkeit integriert werden. Es nützt also nichts, wenn man diesen Menschen sagt: „Jetzt zieh endlich mal einen Schlussstrich unter das Ganze und leb dein Leben!“ Sie wollen es ja, nichts lieber als das, aber sie können es nicht. Diese Fragmente beginnen ein Eigenleben. Sie überlagern  das Jetzt. Das Zusammenspiel von teilweisem Erinnern, Erinnerungslücken und immer wieder auftauchenden Bildern und den damit ausgelösten Gefühlen stellt für Betroffene eine große Belastung dar. Sie sind nicht mehr Herr/Frau im eigenen Haus.
Sie brauchen professionelle Hilfe um die Traumafolgen zu verarbeiten. 



Montag, 1. Februar 2021

Aus der Praxis – Der Psychopath oder: Ziel allen Denkens und Handeln ist das eigene Ich


                                                            Malerei: Angelika Wende

Man erkennt sie nicht auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten, oft dauert es lange bis man begreift, dass man es mit einem Psychopathen zu tun hat, manchmal begreift man es erst, wenn es zu spät ist, dann, wenn man an sich selbst zweifelt und sich innerlich gebrochen fühlt.

Warum ist es so schwer einen Psychopathen zu erkennen?

 

Psychopathen sind Maskenträger

Der ICD 10 beschreibt die dissoziale/ psychopathische Persönlichkeitsstörung wie folgt:



Eine Persönlichkeitsstörung, die durch eine Missachtung sozialer Verpflichtungen und herzloses Unbeteiligtsein an Gefühlen für andere gekennzeichnet ist. Zwischen dem Verhalten und den herrschenden sozialen Normen besteht eine erhebliche Diskrepanz. Das Verhalten erscheint durch nachteilige Erlebnisse, einschließlich Bestrafung, nicht änderungsfähig. Es besteht eine geringe Frustrationstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten, eine Neigung, andere zu beschuldigen oder vordergründige Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch das der betreffende Patient in einen Konflikt mit der Gesellschaft geraten ist.




 

Eine Psychopathie ist oft schwer zu erkennen, selbst für Experten.

Dissoziale Persönlichkeiten sind Schauspieler, die die Gabe haben Gefühle zu simulieren. Was wie Zuneigung oder Empathie erscheint, ist erlerntes Verhalten, das zu rein selbstsüchtigen Zwecken eingesetzt wird. Gene und Umweltfaktoren , z. B. ein Unglück oder ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit, tragen zur Herausbildung der antisozialen Persönlichkeitsstörung bei. Aus der Hirnforschung weiß man, dass bestimmte Gehirnareale, nämlich jene für Mitgefühl und Impulskontrolle, stark unterentwickelt sind.

  

Das Muster der Spaltung

Das Wesen des Psychopathen wird durch einen weiteren psychischen Mechanismus gekennzeichnet - den der Spaltung. Psychopathen teilen Menschen in wertvoll und nicht wertvoll ein - je nachdem welchen Nutzen sie für sie haben. Bei männlichen Psychopathen unterliegt z.B. das Frauenbild der Trennung zwischen der "guten Mutter“ -  schützend und versorgend und der „bösen Mutter“ - vernachlässigend, kalt, emotionslos, ablehnend und strafend. 

Ein weiteres typisches Merkmal der psychopathischen Charakterstruktur ist die misstrauische Grundhaltung. Sie haben eine fast schon zwanghafte Angst belogen und ausgenutzt zu werden. Sie fühlen sich stets beobachtet und schnell angegriffen. Schon bei der kleinsten Kritik sind sie misstrauisch und rechnen damit, dass man ihnen schaden will. Sie lassen sich auf keinen Fall  zu etwas bringen und tun unter allen Umständen nur das, was ihrer Meinung nach das Beste für sie selbst ist.

 

Psychopathen haben eine ausgeprägte Neigung zu antisozialem Verhalten.  

Menschen mit dieser Störung verhalten sich impulsiv, sind verantwortungslos sich selbst und anderen gegenüber und missachten die sozialen Normen. Die Gefühle anderer Menschen berühren sie nicht, Schuldgefühle sind ihnen fremd. Sie manipulieren und handeln, ohne Reue zu empfinden. Sie lügen, betrügen und nutzen ihre Mitmenschen geschickt aus. Sie handeln ständig verantwortungslos, was sich beispielweise darin zeigt, dass sie einfach ihren Arbeitsplatz kündigen, ohne eine neue Arbeit zu haben, indem sie ihre Rechnungen nicht zahlen, Kredite aufnehmen, von denen sie wissen, dass sie nicht zurückzahlen können oder andere für sich sorgen lassen. Auch Alkohol-und Drogensucht kommt bei dieser Persönlichkeitstörung häufig vor.

 

Der maligne Narzissmus

Eine Form der Psychopathie ist der "maligne Narzissmus". In der Psychologie versteht man darunter eine Kombination aus narzisstischer Persönlichkeitsstörung, antisozialem Verhalten, sadistischer Aggression sowie eine extrem misstrauische Grundhaltung.

Maligne Narzissten gelten als äußerst charmant. Durch ihre manipulativen Fähigkeiten gelingt es ihnen schnell das Vertrauen ihrer Mitmenschen zu gewinnen, obwohl es ihnen an Mitgefühl und emotionaler Bindungsfähigkeit fehlt. Sie haben die Gabe andere um den Finger zu wickeln und sie mit ihrem gespielten Charme zu beeindrucken und an sich zu binden. Sie wirken überzeugend und sind einschmeichelnd. Sie schmeicheln andern um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Dabei erscheinen sie oft zugeneigt, souverän, beherrscht und kultiviert. 

All das ist gespielt, eine Rolle, ebenso wie die Maske der Freundlichkeit, die sie aufsetzen um ihre Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Aber es ist eben nur eine Maske. In Wahrheit sind sie Blender und zudem sehr gut darin, die Schwachstellen und Wunden anderer zu erkennen und diese auszunutzen um mittels Täuschung und Betrug ihr egoistisches Ziel zu erreichen – und das heißt: Macht erlangen. 

 

Einseitige Kommunikation

Wer es erlebt hat weiß, wenn der Psychopath kommuniziert, fühlt es sich an, als ob er Worte sendet, aber selbst keine empfängt. Das liegt daran, dass er schlicht und einfach kein Interesse daran hat, mehr vom anderen zu erfahren. Er ist ein schlechter Zuhörer, unterbricht oft und hört nur hin, wenn etwas Positives oder Anerkennendes über ihn selbst gesagt wird. Die Kommunikation mit diesen Menschen ist daher immer einseitig.

Auch hier suchen sie immer nach dem größten Vorteil für sich selbst. 

Der Psychopath wirkt emotional unbeteiligt, selbst wenn tiefe Gefühle angebracht wären. Man hat das Gefühl, als stehe man vor einer gläsernen Wand durch die es kein Durchdringen gibt. Ein solcher Mensch ist unfähig die Bedürfnisse und Gefühle selbst derjenigen Personen wahrzunehmen, die ihm nahe stehen. Entscheidend sind nur seine eigenen Bedürfnisse.

Er neigt dazu anderen das Gefühl zu geben, sie müssten sich um ihn kümmern. Kritisiert man ihn, ist er sofort verunsichert und reagiert ausfallend, aggressiv, mit Kränkung, Herabsetzung oder mit Ignoranz. Gibt es Konflikte, glaubt er sich stets im Recht und alle anderen im Unrecht. Ohne die geringste Reue zu zeigen, tut und sagt er Dinge, die zutiefst verletzen. Selbst eine Bestrafung ändert nichts an seiner Überzeugung, im Recht zu sein. Im Gegenteil: Er schieben dem Opfer die Schuld wegen ihrer Dummheit oder Hilflosigkeit zu, nach dem Motto: „Dein Problem!“

 

Das Ziel allen Denkens und Handelns ist das eigene Ich

Der Psychopath interessiert sich nur sich selbst. Er hält sich für intelligenter, besser, attraktiver oder begabter als alle anderen. Menschen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung nehmen sich das, was sie wollen, ohne die Folgen für sich selbst oder andere zu berücksichtigen. Menschen sind nur dann von Interesse, wenn sie etwas für ihn tun können, wenn sie ihm nützlich sind, wofür auch immer. Sieht er keinen Nutzen mehr im anderen, lässt er ihn fallen und sucht sich das nächste Opfer, das er ausbeuten kann. Er ist ein gefühlloser, kaltblütiger, egoistischer Narzisst, der wenn es sein muss, auch über Leichen geht.

Entzieht man ihm die Loyalität oder wendet man sich von ihm ab, ist er zutiefst frustriert und fühlt sich innerlich vernichtet. Doch wenn ein Psychopath verlassen wird, heißt das noch lange nicht, dass das Ganze damit beendet ist. Wenn er erkennt, dass er keine Rolle mehr im Leben des Anderen spielt, wird er zunächst alles tun um ihn zurückzugewinnen. Aber „Alles“ ist nur gespielt und hat nur einen Zweck: wieder Macht über den Anderen zu erlangen und das eigene gekränkte Selbstwertgefühl auzupolieren. Gelingt ihm das nicht wird er zum Aggressor und genießt es, den Anderen zu demütigen und emotional zu zerstören, um sich selbst besser zu fühlen.

 

Wer einmal die Bekanntschaft mit einem Psychopathen gemacht weiß, selbst nach vielen Jahren ist da dieses Gefühl der Fassungslosigkeit, das Gefühl diesen Menschen nicht zu kennen.

Psychopathen kann man nicht heilen. Diese Persönlichkeitsstörung ist sehr schwer zu behandeln. Es gibt keine Nachweise dafür, dass bestimmte Therapien langfristig zu einer Verbesserung führen.

 

Die beste Möglichkeit, sich vor  einem Psychopathen zu schützen, ist sein Machtspiel als Kompensation für seine Minderwertigkeitskomplexe zu durchschauen , sich von ihm abzuwenden und sich der tiefen Kränkung zuzuwenden, die ein solcher Mensch in der eigenen Seele hinterlassen hat. Oft braucht es dazu eine Therapie, denn die Wunden, die der Psychopath hinterlassen hat, sind einschneidend und tief.

 

Du hast das erleben müssen oder steckst mitten drin?

Lerne mich kennen und lass mich dir helfen.


 Kontakt: aw@wende-praxis.de

 

www.wende-praxis.de

 

 

 

 

Sonntag, 31. Januar 2021

Zuneigung

 

                                                                    Foto: A. Wende

 
Auf die Zuneigung anderer zu hoffen, sie vielleicht sogar zu erwarten, sie vielleicht sogar einzufordern, weil sie für unser Wohlergehen so gut ist, ist nicht gut.
Eine solche Anspruchshaltung schafft Mangel, wo kein Mangel nötig wäre. Sie trennt uns von den Ressourcen, die wir in uns tragen um uns diese Zuneigung selbst zu geben. Oder um sie dort zu finden und zu empfangen, wo man sie uns aus freien Stücken schenkt.
Einer, der keine Zuneigung in sich trägt, wird sie uns nicht geben.
Wir richten uns an den Falschen.
Wir tun uns damit nichts Gutes.
Und wir spüren das auch. Wir werden vielleicht bitter und verfallen dem Glauben es nicht wert zu sein, dass man uns Zuneigung schenkt.
Aber so ist es nicht.
Es ist nur die Blickrichtung, die wir ändern dürfen.
Wir blicken nicht mehr in leere Herzen, die uns nichts zu geben haben. Wir blicken in unser Herz und schauen wo dort Zuneigung ist – für uns selbst und für andere und denen schenken wir sie. So wird Mangel zur Fülle.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Der Wind des Wandels


                                                                          Foto: www

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen", heißt es in einer chinesischen Weisheit. Der Wandel ist eine Zeit die viel von uns fordert. Während alles um uns herum in äußerer Starre verharrt können wir innerlich auch erstarren und einfach abwarten, aber das hilft uns nicht weiter. Warten bedeutet, dass wir in die Zukunft wollen. Wir wollen das, was wir jetzt haben, nicht. Aber indem wir uns auf das Warten begrenzen, schaffen wir einen inneren Konflikt zwischen dem Jetzt, in dem wir nicht sein wollen und einer projizierten Zukunft, von der wir rein gar nichts wissen. Im bloßen Warten verlieren wir die Gegenwart. Verlieren wir die Gegenwart, haben wir das Gefühl nicht präsent zu sein. Sind wir nicht präsent, fühlen wir uns nicht lebendig. Wir verpassen die Möglichkeiten die im gegenwärtig Vorhandenen liegen. Anstatt zu warten ist jetzt vielmehr mutiger Veränderungswille gefragt. Wenn wir den aufbringen, können wir einen Nutzen aus den Erfahrungen ziehen, die uns im Moment vielleicht nur schmerzhaft oder gar sinnlos vorkommen.

Je enger unser Lebensradius wird, desto mehr bekommen wir zu spüren, wo es in uns selbst eng ist. 

Vielleicht erkennen wir, dass falsch angelegte Dinge nie von Bestand sind. Vielleicht zeigen sich jetzt Themen und Probleme, von denen wir glaubten, wir hätten sie längst überwunden. Vielleicht werden unbewusste Überzeugungen, Ängste und Verhaltensweisen aktiviert, die aus unserer Vergangenheit stammen und uns in bestimmten Situationen möglicherweise zwanghaft oder falsch reagieren lassen. Vielleicht halten wir an Vorstellungen fest, die in unser Jetzt nicht mehr passen und uns auf der Stelle treten lassen. Vielleicht geraten wie emotional oder mental an unsere Grenzen und fühlen uns hilflos. Vielleicht werden wir, je mehr wir auf uns selbst reduziert sind, mit den eigenen Schatten konfrontiert. Vielleicht begegnen wir etwas in uns, das uns nicht bewusst war und uns jetzt zu schaffen macht. Vielleicht wendet sich unsere Aufmerksamkeit dem zu, was für uns von emotionalem, geistigem, materiellem oder intellektuellem Wert ist. Vielleicht entdecken wir das Bedürfnis unser wahres Selbst zu leben.

All das sind Erfahrungen, die uns ungeahnte Tiefen offenbaren.
Es sind Erfahrungen, die uns weiter bringen und an denen wir wachsen können.

Wir brauchen Mut um der Tendenz zu widerstehen diesen Erfahrungen aus dem Weg zu gehen. Sind wir mutig, können wir uns, uns selbst stellen und uns bewusst machen, was in unserem Leben nicht gelöst ist, was an Altem uns noch immer belastet, was uns innerlich blockiert und was uns an dem, was jetzt ist, nicht mehr dient. Wenn wir dazu bereit sind, führen uns die Erfahrungen während dieser Zeit unsere eigene Menschlichkeit überdeutlich vor Augen. Sie fordert uns auf inmitten des Windes des Wandels ein liebevolleres Verhältnis zu uns selbst zu finden. Und das ändert vieles. 

 

www.wende-praxis.de

Montag, 25. Januar 2021

Aus der Praxis - Emotionale Abhängigkeit

 

                                                                Zeichnung. A. Wende

 

Wer emotional abhängig ist hängt wie eine Klette am Partner. Er braucht das Gefühl der Symbiose um sich lebendig zu fühlen und um sich selbst zu spüren. Der andere beherrscht sein ganzes Sein im Denken und Fühlen  - er ist der Mittelpunkt des Lebens.

Die abhängige, auch dependente Persönlichkeit genannt, hat ein geringes Selbstbewusstsein, wenig Durchsetzungsvermögen und damit einhergehend wenig Eigeninitiative. Viele Dependente leben in einer depressiven Grundstimmung, beladen von Gefühlen der Schwäche, der Wert- und Hilflosigkeit. Anderen gegenüber geben sie sich passiv, sind unterwürfig und anhänglich. Die Verantwortung für wichtige Bereiche des eigenen Lebens wird nicht selbst übernommen, sondern abgegeben. Ihre Meinung äußern sie oft nicht, aus Angst verlassen zu werden, ebensowenig wie sie die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, sondern sie - ausgerichtet auf die Bedürfnisse der anderen - verdrängen und unterordnen. Alleinsein fällt diesen Menschen schwer, denn unbewusst haben sie die Überzeugung verinnerlicht: Ich kann nicht für mich selbst sorgen. Ihre größte Angst ist es verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu sein. Andererseits löst das Gefühl des Verlassenseins wiederum diese existentiell bedrohliche Angst aus. 

 

Das Grundthema der dependenten Persönlichkeit besteht darin, dass die Ambiguitätstoleranz - ein steuerndes Regulativ der Aufnahme-, Verarbeitungs- und Speicherungsprozesse von Informationen in widersprüchlichen Situationen, um logische Bewältigungsformen von Widersprüchen situationsadäquat einzusetzen - schwach oder gar nicht ausgebildet ist.

Daher kopieren diese Menschen nicht selten den Willen anderer und setzen ihn an die Stelle, wo der eigene Wille gefragt ist. Es geht also nicht, wie man denken könnte, um eine emotionale Bindung zu einem anderen Menschen, sondern im Grunde um die Hinwendung zu einem Objekt, das als Mittel zur Meinungsfindung und Selbstkonstitution gebraucht wird. Eine emotionale Bindung reicht bei diesen Menschen über die einer kindlichen Abhängigkeit nicht hinaus.

 

Abhängigkeit von einem anderen Menschen führt in extremen Fällen dazu, dem anderen ausgeliefert zu sein. 

Oft geht sie mit einem Gefühl ständiger innerer Unruhe, chronischer Unsicherheit, Ängsten und depressiven Stimmungen einher. Besonders dann, wenn sich der Partner entzieht. Bei sich selbst zu sein gelingt dependenden Persönlichkeiten nur schwer oder gar nicht. Meist ist es ihnen gar nicht bewusst, dass sie emotional abhängig ist – sie halten es für die große Liebe.

 

Die Symptome der Abhängigkeit sind sehr unterschiedlich und zeigen sich auf vielerlei Ebenen. 

Ein Beispiel: Der Abhängige will vom Partner bedingungslos geliebt und wertgeschätzt werden und tut dafür alles, bis hin zur Selbstaufgabe. Eine weiteres Beispiel: Der Abhängige braucht die permanente Verfügbarkeit oder Nähe des Partners, er tut alles um die Verbindung aufrecht zu erhalten. Nach dem Motto: „Hold the line“ muss er sich ständig vergewissern, was der andere tut, wo er ist und dass er für ihn erreichbar ist. Das ganze Denken ist auf den Partner ausgerichtet. Wenn dieser einmal nicht erreichbar ist, und sei es nur gefühlt, überfällt den Abhängigen unangemessene Verlustangst.  Mit Drohungen, Lügen und emotionaler Erpressung wird versucht den anderen  an sich zu binden, sobald dieser sich zurückzieht.

 

Emotional Abhängige brauchen den Partner als Objekt zur Auffüllung des eigenen Mangels an emotionaler Autonomie. Allen Abhängigen ist eins gemeinsam: Sie sind abhängig von einer ungesunden Vorstellung von Liebe. Abhängigkeit in Beziehungen schwelt oft lange Zeit im Verborgenen, bevor es zu Dauerkonflikten und schließlich zur Eskalation kommt, die die Beziehung endgültig zerstören kann.

 

Warum werden Menschen abhängig von anderen?

Das Urmuster beginnt fast immer in der Kindheit. Kinder sind von den Menschen, die sie versorgen, existentiell abhängig. Wenn es in dieser Ur-Beziehung an Liebe, Halt und emotionaler Zuwendung mangelt, versucht das Kind dieses Defizit an Zuneigung irgendwie auszugleichen. Sexueller und/oder emotionaler Missbrauch erhöht dieses Zuwendungsdefizit weiter. Wird das Zuwendungsdefizit nicht ausgeglichen, bzw. fehlt dieser Ausgleich ganz, sucht auch das erwachsen gewordene Kind weiter nach diesem ehemals misslungenen Ausgleich.

Emotionaler Abhängigkeit liegt in den meisten Fällen eine traumatische Erfahrung im Kindesalter zugrunde, also eine Situation, in der sich das Kind an etwas anpassen musste, dem es emotional nicht gewachsen war. 

Oft ist es eine Form der anhaltenden Kränkung, die das Kind durch Abspaltung als Form der Ich-Abwehr zu bewältigen versuchte. Abhängige sprechen daher oft von einem Gefühl des Abdriftens in emotional belastenden Situationen.

Menschen, die derart leidvolle Erfahrungen machen mussten, suchen sich später in einer Art Wiederholungszwang unbewusst einen Partner, der sie diesen früh erlebten Mangel wieder fühlen lässt, in der Hoffnung: Dieses Mal wird alles gut, wenn ich mich nur genug anstrenge.

 

Unbewusstes erkennt Unbewusstes.

Zu einer Beziehung gehören immer zwei. Der Partner, der sich als Versorger zum Ausgleich der unbewussten Zuwendungsdefizite zur Verfügung stellt war in vielen Fällen als Kind selbst emotional unterversorgt. Er gibt die schmerzlich vermisste Fürsorge später dem Partner. 

Damit treffen zwei Bedürftige aufeinander. Einer der versorgt werden will und einer, der (ver)sorgen will.

So entsteht eine unheilsame Beziehungskonstellation, denn keiner von Beiden kann die kindlichen Bedürfnisse des Partners erfüllen, weil er ja selbst bedürftig und emotional unerfüllt ist. Beide bleiben dort stecken, wo sie schon als Kind steckten, in der emotionalen Unterversorgung, in der Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe.

 

Jede Art von Abhängigkeit führt zu Leiden und schließlich zur Fragmentierung eines falschen Selbst, das seit jeher keine Kontur und keine innere Stabilität hat.

Im Halt suchen beim anderen verliert sich der Haltsuchende im anderen und wird im Zweifel hörig. In seinem Gefühlsleben lebt auf, was er als Kind so schmerzlich empfunden hat: Die Unerreichbarkeit der Bezugsperson, die damals die für das Kind lebensnotwendige Beziehung nicht herstellen konnte. 

Emotional Abhängige leben dieses ungesunde Beziehungsmuster in den verschiedensten Variablen ein Leben lang, ohne sich dessen jemals bewusst zu sein. Verzweifelt versuchen sie anzukommen im Paradies symbiotischer Liebe, aus dem die Eltern sie verstoßen haben oder niemals hineinließen. Durchdrungen vom bedrohlichen Gefühl ohne Zuwendung vom Leben abgeschnitten zu sein, haben sie nur wenig Bezug zur eigenen Lebendigkeit. Sie spüren ihre wahren Bedürfnisse nur schemenhaft und sind emotional blockiert. Sie misstrauen sich selbst und damit auch dem anderen, am meisten aber misstrauen sie dem, was ihnen als Kind gefehlt hat, der Liebe.  Zu reifer Liebe sind sie nicht fähig, weil sie diese nie gefühlt haben. Das einzige was sie kennen ist in der Tat Abhängigkeit von anderen, etwas, die sie für Liebe halten.

 

Emotionale Abhängigkeit ist eine Entwicklungsaufgabe des Selbst.

Unternimmt der Abhängige nichts gegen die Ursachen seines neurotischen Musters wird jede Beziehung, die er eingeht in irgendeiner Form einen abhängigen Charakter haben. Er darf lernen (und das geht nicht ohne eine Therapie), ein gesundes Selbst zu formieren.

Hilfreiche Therapieansätze sind das ressourcenorientierte Vorgehen als auch die Arbeit mit dem Inneren Kind. Das verlassene Innere Kind darf lernen, dass es alleine lebensfähig ist. Es darf lernen, seine Verlassenheitsgefühle auszuhalten, sich selbst eine hinreichend gute Mutter und ein hinreichend guter Vater zu sein, um seine Abhängigkeit von anderen Menschen auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Wer lernt sich selbst und sein inneres Kind gut zu versorgen, muss das Zuwendungsdefizit nicht mehr von anderen einfordern und ausgleichen lassen und findet so mit der Zeit zu echtem Selbstwertgefühl. Um eine gelingende Beziehung zu führen, muss er schließlich akzeptieren, dass kein Mensch ihm jemals das geben kann, was ihm die Eltern damals nicht geben konnten. Er muss Abschied von den Eltern nehmen.

Und lernen sich selbst zu geben was er braucht.  

Dann findet die neurotische Spirale der Abhängigkeit ein Ende.

 

Abhängigkeit von Menschen ist eine Sucht, es ist die SEHNSucht gebraucht und geliebt zu werden.

Und das Suchtmittel sind andere Menschen.

Das ist die entscheidende Wahrheit, die der Abhängige für sich selbst anerkennen darf.

Es geht um Heilung von innen nach außen.

Und dieser Weg beginnt im Erkennen, dass er sich erst einmal selbst braucht und liebevoll annehmen darf.