was uns nicht entspricht
engt uns ein
was uns nicht versteht
kostet uns kraft
was uns nicht hält
macht uns schwach
was wir aus anderen beziehen
ist nicht das unsere
was wir nicht leben
bringt uns um
was uns nicht loslässt
erdrückt uns
was uns nicht gehört
verlieren wir
was uns nicht verbindet
trennt uns
was wir nicht teilen
spaltet uns
was wir nicht aussprechen
belügt uns
Samstag, 10. März 2012
Donnerstag, 8. März 2012
W E L T F R A U E N T A G
du, heute ist weltfrauentag.
sie sah zu ihm hin, sah seine augen nicht, die wie jeden morgen hinter der zeitung versteckt waren, sah die hand, die wedelte, hörte sein "gib mal die butter" und griff nach der butterdose um sie ihm in die hand zu drücken.
hey, gehts noch, schnauzte er sie an, du sollst sie vor mich hin stellen, was drückst du sie mir in die hand! er warf die zeitung auf den teller. sie blieb am marmeladebröthen kleben. dumme kuh, setzte er nach.
sie fühlte sich schuldig und klein. sie fühlte sich immer klein, seit sie mit ihm war. wie lange sie mit ihm war, hatte sie vergessen. ein leises, entschuldige bitte, kam über ihre schmalen lippen.
ha, weltfrauentag, so was weißt du. er sah sie herausfordernd an. lass mal sehen. ne, ne frau biste ja nicht grade, oder sieht so ne frau aus? sie kannte den ton, die stimme, die sich leicht überschlug, in ein krächzen kippte, wenn er laut wurde. wie immer wenn er laut wurde machte sie sich noch kleiner. sie senkte den blick. er fiel auf die braunen kaffeeflecken im grauen frottier ihres morgenmantels. sie machte den versuch sie mit den fingern wegzureiben, sah ihre rissigen hände mit den altersflecken und die kurzen abgeknabberten fingernägel.
guck dich doch mal an, wie du aussiehst, schlampe! er wischte die zeitung vom teller. sie flog mitsamt dem brötchen zur mitte des tisches. sofort stand sie auf um sie herunterzunehmen.
gehts noch!, brüllte er sie an, lass verdammt noch mal deine dreckigen finger von meiner zeitung.
sie spürte den kloß in ihrem hals, versuchte ihn runter zu schlucken. er blieb dort, verklebte ihre mundhöhle wie das brötchen die zeitung.
weißt du überhaupt was eine richtige frau ist?, fuhr er sie an. sie nickte zaghaft mit dem kopf.
weißte nicht, schrie er. da guck! er griff nach der zeitung, das brötchen fiel ab und landete auf der wachstischdecke. er blätterte hektisch die seiten durch, fand was er suchte und hielt ihr die zeitung direkt vors gesicht. auf der mitte der seite räkelte sich eine nackte blondine auf einem schwarzen diwan. ein himbeerrot geschminkter mund nahm das halbe gesicht ein, blaue augen blickten lasziv aus dichten langen wimpern, ein praller busen reckte sich aus einem nichts von oberteil provozierend mitten in ihr gesicht.
siehste das, guck hin, so sieht ne richtige frau aus, grinste er triumphierend. die hat alles, was ne richtige frau haben muss. also, vergiss das mit deinem weltfrauentag mal ganz schnell wieder!
er warf die zeitung auf den tisch, griff nach der zigarrettenschachtel und zündete sich eine an. er nahm einen tiefen zug und blies ihr den rauch ins gesicht. sie musste husten.
grau biste, schnauzte er sie an, ne graue maus. ne, ratte, ratte is besser, ne graue fette ratte. mann, du kotzt mich an.
er nahm einen schluck kaffee, zog ihn schlürfend durch seine gelblichen zähne. ein tropfen lief ihm aus dem mund über das unrasierte kinn und landete auf seinem weißen unterhemd, das sich über seinen fetten bauch spannte.
sie dachte an die kaffeeflecken auf ihrem morgenmantel. ohne es zu wollen, musste sie lächeln.
sie sah zu ihm hin, sah seine augen nicht, die wie jeden morgen hinter der zeitung versteckt waren, sah die hand, die wedelte, hörte sein "gib mal die butter" und griff nach der butterdose um sie ihm in die hand zu drücken.
hey, gehts noch, schnauzte er sie an, du sollst sie vor mich hin stellen, was drückst du sie mir in die hand! er warf die zeitung auf den teller. sie blieb am marmeladebröthen kleben. dumme kuh, setzte er nach.
sie fühlte sich schuldig und klein. sie fühlte sich immer klein, seit sie mit ihm war. wie lange sie mit ihm war, hatte sie vergessen. ein leises, entschuldige bitte, kam über ihre schmalen lippen.
ha, weltfrauentag, so was weißt du. er sah sie herausfordernd an. lass mal sehen. ne, ne frau biste ja nicht grade, oder sieht so ne frau aus? sie kannte den ton, die stimme, die sich leicht überschlug, in ein krächzen kippte, wenn er laut wurde. wie immer wenn er laut wurde machte sie sich noch kleiner. sie senkte den blick. er fiel auf die braunen kaffeeflecken im grauen frottier ihres morgenmantels. sie machte den versuch sie mit den fingern wegzureiben, sah ihre rissigen hände mit den altersflecken und die kurzen abgeknabberten fingernägel.
guck dich doch mal an, wie du aussiehst, schlampe! er wischte die zeitung vom teller. sie flog mitsamt dem brötchen zur mitte des tisches. sofort stand sie auf um sie herunterzunehmen.
gehts noch!, brüllte er sie an, lass verdammt noch mal deine dreckigen finger von meiner zeitung.
sie spürte den kloß in ihrem hals, versuchte ihn runter zu schlucken. er blieb dort, verklebte ihre mundhöhle wie das brötchen die zeitung.
weißt du überhaupt was eine richtige frau ist?, fuhr er sie an. sie nickte zaghaft mit dem kopf.
weißte nicht, schrie er. da guck! er griff nach der zeitung, das brötchen fiel ab und landete auf der wachstischdecke. er blätterte hektisch die seiten durch, fand was er suchte und hielt ihr die zeitung direkt vors gesicht. auf der mitte der seite räkelte sich eine nackte blondine auf einem schwarzen diwan. ein himbeerrot geschminkter mund nahm das halbe gesicht ein, blaue augen blickten lasziv aus dichten langen wimpern, ein praller busen reckte sich aus einem nichts von oberteil provozierend mitten in ihr gesicht.
siehste das, guck hin, so sieht ne richtige frau aus, grinste er triumphierend. die hat alles, was ne richtige frau haben muss. also, vergiss das mit deinem weltfrauentag mal ganz schnell wieder!
er warf die zeitung auf den tisch, griff nach der zigarrettenschachtel und zündete sich eine an. er nahm einen tiefen zug und blies ihr den rauch ins gesicht. sie musste husten.
grau biste, schnauzte er sie an, ne graue maus. ne, ratte, ratte is besser, ne graue fette ratte. mann, du kotzt mich an.
er nahm einen schluck kaffee, zog ihn schlürfend durch seine gelblichen zähne. ein tropfen lief ihm aus dem mund über das unrasierte kinn und landete auf seinem weißen unterhemd, das sich über seinen fetten bauch spannte.
sie dachte an die kaffeeflecken auf ihrem morgenmantel. ohne es zu wollen, musste sie lächeln.
Mittwoch, 7. März 2012
nicht teilbar
das leben geht weiter, es wird wieder besser, sagte er.
anna wollte ihm glauben. es fiel ihr schwer. alles fiel ihr schwer. das schwerste war sie selbst. zentnerschwer schleppte sie sich seit wochen durch den tag.
sie, die gedacht hatte, zu wissen, warum sie tat was sie tat, stand nach all der zeit des tuns vor einem abgrund, der ihr nichts weiter zeigte als ein schwarzes loch. kein licht unten, wo es doch sein sollte, das licht, von dem sie sprachen, das immer dann erscheint, wenn es am dunkelsten ist. vielleicht war es noch nicht dunkel genug, dachte anna.
ihre gedanken schweiften ab, so wie sie es immer öfter taten in letzter zeit.
sie sah ihn an, sah durch ihn hindurch und sah nur das schwarze loch.
ich bin da, sagte er, den sie nicht sah.
er nahm ihre hand.
anna spürte die berührung. sich selbst spürte sie nicht.
er verstehe sie, sagt er, weil er es kenne, das gefühl, das ein nichtgefühl war.
ein nichtgefühl, dachte anna und dass es sich genauso anfühlte, nach nichts. nichts war übrig von dem, woran sie geglaubt hatte, wofür sie gelebt hatte. anna, eine gefangene ihrer eigenen wahrheit, die sie gelebt hatte, verteidigt hatte, gegen alle widerstände, um am ende daran zu scheitern? hat ein mensch einmal seine wahrheit erkannt, kann er sich nicht mehr von ihr frei machen. ein mensch, der einmal seine wahrheit gefunden hat, bleibt an sie gebunden. anna saß in der falle.
was nutzt eine wahrheit, die für das leben nicht taugt? fragte er, als habe er ihre gedanken gelesen.
sie dachte nach über ihre wahrheit, kam zu dem schluß, dass die tatsachen der erfahrungen mit niemandem teilbar waren.
vielleicht, antwortete sie, taugt das leben nicht für meine wahrheit.
Dienstag, 6. März 2012
AUS DER PRAXIS: Burn-out
Burn-out entsteht durch jahrelange Überforderung von Körper, Geist und Seele.
Zu viel Stress, der aus zu hohen Anforderungen an uns selbst, zu viel Anspannung und zu wenig Entspannung resultiert, führt auf Dauer dazu, dass der gesamte Organismus permanent auf Hochtouren fährt und folgerichtig irgendwann wie ein überhitzter Motor "ausbrennt". Das ist nichts Neues.
Was viele Burn-Out Betroffene nicht wissen:
Der Burn-out ist nicht ausschließlich die "Sieger- oder Managerkrankheit" wie die Volkskrankheit gern bezeichnet wird, also nicht nur eine Folge permanenter Überforderung und Überarbeitung, zum Burn-out kommt es auch dann, wenn das Verhältnis von Arbeit und Anerkennung aus dem Gleichgewicht gerät.
Zu viel Arbeit und zu wenig Wertschätzung über Jahre führt zu steigender Frustration. In der Folge kommt es zu schleichender Erschöpfung, zu körperlichen Symptomen wie Magen-Darm Erkrankungen und/oder Schlafstörungen, Erkrankungen des Immunsytems, trauriger Herabgestimmtheit, Freudlosigkeit, Interesseverlust und schließlich zum Burn-out.
Der betroffene Mensch befindet sich in der sogenannten Gratifikationskrise.
Nach dem Modell der Gratifikationskrise von Johannes Siegrist, erkrankt eine Person dann psychisch, wenn sie sich über lange Zeit stark verausgabt und dafür nicht in angemessener Weise belohnt wird.
Wenn der eigene Einsatz in Form von Engagement, Wissen, Zeit, Identifikation, Leistung und Persönlichkeit nicht durch entsprechende Belohnung in Form von Einkommen, adäquater Beschäftigung oder Karriere- und Einflussmöglichkeiten kompensiert wird, entsteht so das als „Gratifikationskrise“ bezeichnete Krankheitspotential.
Zu viel Stress, der aus zu hohen Anforderungen an uns selbst, zu viel Anspannung und zu wenig Entspannung resultiert, führt auf Dauer dazu, dass der gesamte Organismus permanent auf Hochtouren fährt und folgerichtig irgendwann wie ein überhitzter Motor "ausbrennt". Das ist nichts Neues.
Was viele Burn-Out Betroffene nicht wissen:
Der Burn-out ist nicht ausschließlich die "Sieger- oder Managerkrankheit" wie die Volkskrankheit gern bezeichnet wird, also nicht nur eine Folge permanenter Überforderung und Überarbeitung, zum Burn-out kommt es auch dann, wenn das Verhältnis von Arbeit und Anerkennung aus dem Gleichgewicht gerät.
Zu viel Arbeit und zu wenig Wertschätzung über Jahre führt zu steigender Frustration. In der Folge kommt es zu schleichender Erschöpfung, zu körperlichen Symptomen wie Magen-Darm Erkrankungen und/oder Schlafstörungen, Erkrankungen des Immunsytems, trauriger Herabgestimmtheit, Freudlosigkeit, Interesseverlust und schließlich zum Burn-out.
Der betroffene Mensch befindet sich in der sogenannten Gratifikationskrise.
Nach dem Modell der Gratifikationskrise von Johannes Siegrist, erkrankt eine Person dann psychisch, wenn sie sich über lange Zeit stark verausgabt und dafür nicht in angemessener Weise belohnt wird.
Wenn der eigene Einsatz in Form von Engagement, Wissen, Zeit, Identifikation, Leistung und Persönlichkeit nicht durch entsprechende Belohnung in Form von Einkommen, adäquater Beschäftigung oder Karriere- und Einflussmöglichkeiten kompensiert wird, entsteht so das als „Gratifikationskrise“ bezeichnete Krankheitspotential.
Betroffen sind vor allem Freiberufler.
Sie sind hoch motiviert, arbeiten viel, verausgaben sich stark, erhalten aber nur geringe Belohnungen wie Geld oder Anerkennung. Das Gefühl " mühsam ernährt sich das Eichhörnchen" wird mit der Zeit abgelöst vom Gefühl "wie ein Hamster im Rad rennen" und trotz aller Anstrengung nichts zu bewirken, was durch die Erfolglosigkeit in der gesellschaftlichen Realität, bzw. auf dem Arbeitsmarkt, bestätigt wird.
Die Erfahrung der ewig sinnlosen Bemühungen und das daraus wachsende Gefühl von Minderwertigkeit und Nutzlosigkeit für die Allgemeinheit führt zu chronischer seelischer und körperlicher Erschöpfung und endet schließlich im Ausgebranntsein. Das Leben erscheint sinnlos. Dies trifft auch auf arbeitslose Menschen zu, sowie auf Jugendliche, die keine Perspektiven haben, als auch auf Hausfrauen und alleinerziehende Mütter.
Gefährdet sind demnach alle Menschen, die viel leisten und keinen adäquaten Ausgleich erfahren oder Menschen, die etwas leisten wollen und es aufgrund der Umstände nicht können.
Die Dynamik dieser Spirale, die in vielen Fällen vom Burn-out in die Depression führt, ist wesentlicher schwerer zu durchbrechen als der Burn-out eines Angestellten oder eines Managers, der um gesund zu werden lernen sollte loszulassen, also "weniger" zu tun, weniger von sich selbst zu fordern und für regelmäßige Entspannung zu sorgen, um dann in einer gelernten Work-Life- Balance Haltung sein Leben bewusster und aufmerksamer für sich selbst und seine Bedürfnisse weiter zu führen.
Der Burn-out, welcher aus der Gratifaktionkrise entsteht ist eine existentielle Herausforderung für den Betroffenen.
Da er kein Licht am Ende des Tunnels sieht, ist es schwer diesen Menschen zu motivieren gesund zu werden, denn sein Verstand und seine Erfahrung sagen ihm, dass er nach der Gesundung ja wieder vor dem gleichen Problem steht wie vor dem Burn-out.
Wer keine Perspektive hat brennt nicht nur aus, er sieht keinen Sinn darin wieder zu gesunden, er fragt sich, bewusst oder unbewusst: wofür denn eigentlich?
Ein möglicher Weg aus dieser Negativspirale herauskommen ist eine neue Haltung dem Leben gegenüber zu finden, die darin liegt die eigenen Fähigkeiten und Potentiale anzuerkennen, sie wert zu schätzen und zu achten, auch wenn vom Außen keine Bestätigung folgt.
In der Theorie eine Möglichkeit - in der Praxis ein langer, schmerzhafter Weg der Bewusstseinsänderung.
Montag, 5. März 2012
vom sinn der sinnsprüche
sinnsprüche überfluten das soziale netzwerk.
sinnsprüche wohin das auge blickt. sinnsprüche überfluten uns in einem solchen übermaß, dass sie einem zum halse heraushängen. so sehr, dass kürzlich einer meiner "freunde" im sozialen netzwerk an die sinnspruchpostergemeinde appellierte, sich selber zu ficken und mit dem posten sinnhafter sprüche, die, davon abgesehen, bereits nach einer minute vergessener sind als die zeitung von gestern, aufzuhören und stattdessen etwas authentisches zu kommunizieren.
na ob das sinnvoller ist, frage ich mich und andererseits, wenn ich weiter darüber nachdenke, muss ich sagen: recht hat er! bis auf die aufforderung dem f... wort nachzukommen. ja, selber denken würde sinn machen, für so manchen jedenfalls, der ständig von anderen gedachtes wiederkäut wie die kuh das gras der wiese.
wie wir aber wissen ist es so, dass selberdenken mühe macht und sinnvolles selber denken noch mehr. das kann sogar richtig anstrengend werden, wenn man damit erst einmal anfängt.
da ist es doch viel einfacher einen sinnigen spruch im world wide web einzufangen, ihn zu kopieren und in die große weite welt der facebookgemeinde rauszublasen. wohl wissend - the answer my friend, also dein gefällt mir - ist mitsamt sinnspruch, sekunden später blowing in the wind. hm, macht also so gesehen gar keinen sinn das sinnspruchposten, denn - ob bei derart kurzer halbwertzeit etwas hängen bleibt vom sinnhaften? ich wage es zu bezweifeln.
was also dann ist der sinn dieses scheinbar sinnlosen tuns und warum machen wir das denn?
ich mache das auch recht gern, ich habe ordner voll mit sinnvollem, das meiner weltsicht entspricht. darunter sind auch sinnsprüche. die poste ich gern, neben allem, was ich mir selbst ausdenke oder ich nehme sie als anstoß um weiter zu denken, um mir selbst darüber hinaus etwas auszudenken oder um das von mir selbst ausgedachte zu untermauern. ich finde dazu sind sinnsprüche richtig sinnvoll. außerdem: das rad können wir nicht neu erfinden. es ist alles gesagt, alles gedacht und eigentlich kann man es sinnvoller weise von daher gesehen lassen überhaupt etwas zu sagen. ich habe den leisen verdacht - es gibt nichts mehr zu finden was einen absolut innovativen, die welt erhellenden, sinn machen würde.
ich bin daher geneigt zu behaupten, dass so ein einsam dahin gesetzter sinnspruch so ziemlich das sinnloseste ist, was ich machen kann wenn ich etwas sinnvolles erreichen will, wie zum beispiel die menschen an das erinnern, was wirklich wichtig ist, wozu auch das selber denken zählt.
verdammt, warum mache ich das trotzdem immer wieder und warum machen es all die anderen, die das auch machen, obwohl sie merken, dass das ganze sinnspruchposten gar nichts nutzt?
der einzige sinn, den ich darin finden kann: weil es die sehnsucht in uns menschen gibt.
die sehnsucht verstehen zu wollen, die sehnsucht gedanken zu finden, die den unseren gleichen, unser denken und fühlen bestätigen, die sehnsucht zustände herbeizurufen, die wir uns wünschen und in diesem leben nicht finden, die sehnsucht nach dem mehr als dem, was da ist in dieser schnöden wirklichkeit, die bisweilen sinnloser ist als jeder noch so kurze sinnspruch.
wir machen das, weil wir einen sinn suchen in einem universum, in das wir ungefragt hinein geworfen wurden, nackt, ohne kompass und vor allem, ohne, dass man uns verbindlich sagen kann, warum und wofür. also suchen wir, denn - das ganze muss doch verdammt noch mal einen sinn haben, sonst wäre ja in der tat alles sinnlos.
ist es auch, da bin ich einig mit albert camus, der die sinnlosigkeit erkannte und sich trotzdem nicht das sinnlose leben nahm, sondern den sinn darin sah, das sinnlose anzuerkennen und aus dem anerkennen selbst seinen sinn zog. ein guter ansatz, finde ich. übrigens, camus hat eine menge sinnsprüche verfasst, die ein ganzes werk ausmachen. er hat, wie viele denker und kreative, etwas aus sich selbst heraus erschaffen in diesem sinnlosen dasein und ihm damit sinn gegeben. sehr sinnvoll! jedenfalls sinnvoller als nur wiederzukäuen. da gebe ich dem wütenden kritiker uneingeschränkt recht. selber kreieren, ansatt konsumieren.
sinnvolle erkenntnis! sie nutzt aber nichts, denn wir menschen können es nicht lassen zu konsumieren, zu zitieren und zu rezitieren. und, mal im ernst: muss denn ein jeder sinnvolles produzieren und posten, um beim thema zu bleiben?
wo kämen wir denn da hin, wenn eine ganze menschheit aus "sinnvolle gedanken schöpfenden denkern" bestehen würde. ich behaupte: das wäre der kollektive untergang.
immerzu sinnvoll denken kostet zeit und energie und es erfordert vor allem den willen und den geist es zu tun. das ist luxus und denen vorbehalten, die die zeit haben, weil sie nichts anderes zu tun haben, oder sich den luxus leisten können sie sich zu nehmen, weil sie es geschafft haben davon zu leben oder reich geerbt haben. letztere sind allerdings eher selten zu finden. die anderen müssen ganz profan arbeiten um das system am leben zu halten. sie haben keine zeit sich sinnsprüche auszudenken und vermutlich auch nicht den inneren drang es zu müssen. und das ist völlig in ordnung. und außerdem, wer immerzu versucht sinnvoll zu denken bewegt sich nahe am rande des wahnsinns. ich weiß es aus erfahrung.
da ist es doch ganz schön, wenn sich der "normale" mensch besinnt und sich sinnsprüche auf die seite postet, weil sie ihm den moment verschönern oder ihn anregen an das sinn- und wertvolle im leben zu denken und wenn er es verbreitet via facebook um es zu teilen mit seinen "freunden". jeder nach seiner facon bitteschön! ups, auch ein sinnspruch und sehr sinnvoll!
hin und hergedacht komme ich zu dem schluß: ich für meinen teil lese so manchen sinnspruch lieber als die kunde: ich bin grade beim shoppen in der city oder: heute gibts lecker eintopf oder gar das f...wort. derartiges macht für mich als emfänger gar keinen sinn.
dann doch lieber ein sinnspruch?
sinnsprüche wohin das auge blickt. sinnsprüche überfluten uns in einem solchen übermaß, dass sie einem zum halse heraushängen. so sehr, dass kürzlich einer meiner "freunde" im sozialen netzwerk an die sinnspruchpostergemeinde appellierte, sich selber zu ficken und mit dem posten sinnhafter sprüche, die, davon abgesehen, bereits nach einer minute vergessener sind als die zeitung von gestern, aufzuhören und stattdessen etwas authentisches zu kommunizieren.
na ob das sinnvoller ist, frage ich mich und andererseits, wenn ich weiter darüber nachdenke, muss ich sagen: recht hat er! bis auf die aufforderung dem f... wort nachzukommen. ja, selber denken würde sinn machen, für so manchen jedenfalls, der ständig von anderen gedachtes wiederkäut wie die kuh das gras der wiese.
wie wir aber wissen ist es so, dass selberdenken mühe macht und sinnvolles selber denken noch mehr. das kann sogar richtig anstrengend werden, wenn man damit erst einmal anfängt.
da ist es doch viel einfacher einen sinnigen spruch im world wide web einzufangen, ihn zu kopieren und in die große weite welt der facebookgemeinde rauszublasen. wohl wissend - the answer my friend, also dein gefällt mir - ist mitsamt sinnspruch, sekunden später blowing in the wind. hm, macht also so gesehen gar keinen sinn das sinnspruchposten, denn - ob bei derart kurzer halbwertzeit etwas hängen bleibt vom sinnhaften? ich wage es zu bezweifeln.
was also dann ist der sinn dieses scheinbar sinnlosen tuns und warum machen wir das denn?
ich mache das auch recht gern, ich habe ordner voll mit sinnvollem, das meiner weltsicht entspricht. darunter sind auch sinnsprüche. die poste ich gern, neben allem, was ich mir selbst ausdenke oder ich nehme sie als anstoß um weiter zu denken, um mir selbst darüber hinaus etwas auszudenken oder um das von mir selbst ausgedachte zu untermauern. ich finde dazu sind sinnsprüche richtig sinnvoll. außerdem: das rad können wir nicht neu erfinden. es ist alles gesagt, alles gedacht und eigentlich kann man es sinnvoller weise von daher gesehen lassen überhaupt etwas zu sagen. ich habe den leisen verdacht - es gibt nichts mehr zu finden was einen absolut innovativen, die welt erhellenden, sinn machen würde.
ich bin daher geneigt zu behaupten, dass so ein einsam dahin gesetzter sinnspruch so ziemlich das sinnloseste ist, was ich machen kann wenn ich etwas sinnvolles erreichen will, wie zum beispiel die menschen an das erinnern, was wirklich wichtig ist, wozu auch das selber denken zählt.
verdammt, warum mache ich das trotzdem immer wieder und warum machen es all die anderen, die das auch machen, obwohl sie merken, dass das ganze sinnspruchposten gar nichts nutzt?
der einzige sinn, den ich darin finden kann: weil es die sehnsucht in uns menschen gibt.
die sehnsucht verstehen zu wollen, die sehnsucht gedanken zu finden, die den unseren gleichen, unser denken und fühlen bestätigen, die sehnsucht zustände herbeizurufen, die wir uns wünschen und in diesem leben nicht finden, die sehnsucht nach dem mehr als dem, was da ist in dieser schnöden wirklichkeit, die bisweilen sinnloser ist als jeder noch so kurze sinnspruch.
wir machen das, weil wir einen sinn suchen in einem universum, in das wir ungefragt hinein geworfen wurden, nackt, ohne kompass und vor allem, ohne, dass man uns verbindlich sagen kann, warum und wofür. also suchen wir, denn - das ganze muss doch verdammt noch mal einen sinn haben, sonst wäre ja in der tat alles sinnlos.
ist es auch, da bin ich einig mit albert camus, der die sinnlosigkeit erkannte und sich trotzdem nicht das sinnlose leben nahm, sondern den sinn darin sah, das sinnlose anzuerkennen und aus dem anerkennen selbst seinen sinn zog. ein guter ansatz, finde ich. übrigens, camus hat eine menge sinnsprüche verfasst, die ein ganzes werk ausmachen. er hat, wie viele denker und kreative, etwas aus sich selbst heraus erschaffen in diesem sinnlosen dasein und ihm damit sinn gegeben. sehr sinnvoll! jedenfalls sinnvoller als nur wiederzukäuen. da gebe ich dem wütenden kritiker uneingeschränkt recht. selber kreieren, ansatt konsumieren.
sinnvolle erkenntnis! sie nutzt aber nichts, denn wir menschen können es nicht lassen zu konsumieren, zu zitieren und zu rezitieren. und, mal im ernst: muss denn ein jeder sinnvolles produzieren und posten, um beim thema zu bleiben?
wo kämen wir denn da hin, wenn eine ganze menschheit aus "sinnvolle gedanken schöpfenden denkern" bestehen würde. ich behaupte: das wäre der kollektive untergang.
immerzu sinnvoll denken kostet zeit und energie und es erfordert vor allem den willen und den geist es zu tun. das ist luxus und denen vorbehalten, die die zeit haben, weil sie nichts anderes zu tun haben, oder sich den luxus leisten können sie sich zu nehmen, weil sie es geschafft haben davon zu leben oder reich geerbt haben. letztere sind allerdings eher selten zu finden. die anderen müssen ganz profan arbeiten um das system am leben zu halten. sie haben keine zeit sich sinnsprüche auszudenken und vermutlich auch nicht den inneren drang es zu müssen. und das ist völlig in ordnung. und außerdem, wer immerzu versucht sinnvoll zu denken bewegt sich nahe am rande des wahnsinns. ich weiß es aus erfahrung.
da ist es doch ganz schön, wenn sich der "normale" mensch besinnt und sich sinnsprüche auf die seite postet, weil sie ihm den moment verschönern oder ihn anregen an das sinn- und wertvolle im leben zu denken und wenn er es verbreitet via facebook um es zu teilen mit seinen "freunden". jeder nach seiner facon bitteschön! ups, auch ein sinnspruch und sehr sinnvoll!
hin und hergedacht komme ich zu dem schluß: ich für meinen teil lese so manchen sinnspruch lieber als die kunde: ich bin grade beim shoppen in der city oder: heute gibts lecker eintopf oder gar das f...wort. derartiges macht für mich als emfänger gar keinen sinn.
dann doch lieber ein sinnspruch?
Montag, 27. Februar 2012
solange ...
ich weiß auch nicht, woran das liegt, sagt der junge, alle wissen, dass es so, wie es ist, nicht gut ist, aber alle machen mit. er schaufelt sich eine gabel spaghetti in den mund und schüttelt den kopf. der junge ist elf.
ich frage ihn: was glaubst du denn, warum sie alle mitmachen?
weil sie angst haben.
wovor haben sie denn angst?
sie haben angst anders zu sein.
was ist denn schlimm daran anders zu sein?
na ja, dann gehörst du nicht dazu.
dann bist du ein außenseiter. im schlimmsten fall, dizzen sie dich.
du meinst, du wirst ausgegrenzt, sage ich.
ja, sagt der junge, und das hält keiner aus.
also bleibt alles wie es ist? sage ich.
ja, sagt der junge, solange sie angst haben, bleibt es so.
ich frage ihn: was glaubst du denn, warum sie alle mitmachen?
weil sie angst haben.
wovor haben sie denn angst?
sie haben angst anders zu sein.
was ist denn schlimm daran anders zu sein?
na ja, dann gehörst du nicht dazu.
dann bist du ein außenseiter. im schlimmsten fall, dizzen sie dich.
du meinst, du wirst ausgegrenzt, sage ich.
ja, sagt der junge, und das hält keiner aus.
also bleibt alles wie es ist? sage ich.
ja, sagt der junge, solange sie angst haben, bleibt es so.
Samstag, 25. Februar 2012
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