Mittwoch, 5. Mai 2021
Veränderung in einer veränderten Welt
Dienstag, 4. Mai 2021
Es sind Veränderungen nötig, aber keine Zerstörungen
Es gibt keinen stabilen Zustand der Ordnung. Weil keine Energie unendlich ist, kann Ordnung nicht ewig währen. Autos gehen zu Schrott, Menschen sterben, Sonnen verlöschen. So triumphal der sieg des Lebens über die Unordnung auch sein mag - er ist nur vorrübergehend. Am Ende gewinnt immer der Zufall.
Stefan Klein aus: Alles Zufall
Sonntag, 2. Mai 2021
Gedankensplitter
Was ist ein erfülltes Leben?
Die größte Erfüllung ist, den Sinn im Leben selbst zu sehen.
Die eigene Lebendigkeit, die mit den Sinnen erfahrbar ist, wahrzunehmen.
Mittwoch, 28. April 2021
Corona - Die aus der Ohnmacht geborene Erschöpfung der Menschen
Foto: A. Wende
Ohnmacht: rare Phase von totalem Bewußt-Geworden-Sein.
Andreas Egert
Nach einem Jahr Pandemie geht es den meisten von uns nicht gut. Die Erschöpfung und die Überlastung werden größer, bei vielen liegen die Nerven blank und das Konfliktpotenzial unter den Menschen steigt. Wie geht das weiter, wie lange halten wir diese Erschöpfung noch aus bis wir innerlich ausgebrannt sind oder gar seelisch und körperlich erkranken?
Wie lange ist ein Leben im Katastrophenzustand aushaltbar ohne an die Substanz zu gehen? Diese Frage stellen sich viele Menschen.
Jeden treffen die Auswirkungen der Pandemie auf irgendeine belastende Weise. Jeder hat seine eigenen Probleme und jeder geht mit dem Ausnahmezustand anders um. Wie dieser Umgang aussieht hat viel mit den individuellen Lebensbedingungen zu tun. Je ärmer Menschen sind, je hoffnungsloser der Blick auf die Zukunft ist, je größer die Verluste, desto schwerer trifft es sie in allen Lebensbereichen. Es ist leichter das Schwere zu tragen, wenn Existenzangst und Existenzverlust nicht treffen. Wer sich finanziell abgesichert auf seine persönliche Insel zurückziehen kann, in der alles zur Verfügung steht, was er braucht, der wird die Sorgen und Nöte der am härtesten Betroffenen nicht nachvollziehen können. Was aber alle Menschen eint ist eine tiefe Erschöpfung gepaart mit dem Gefühl von Abhängigsein und Ausgeliefertsein.
Wir sind müde. Müde vom Hoffen, müde vom Aushalten, müde von der Sehnsucht nach Besserung der Lage, müde von den Einschränkungen, müde von der Angst und müde von der Ungewissheit. Wir trauern um den Verlust unserer alten Normalität und fürchten uns vor dem was noch kommt. Mit all diesen Gefühlen verwoben ist eine subtile Wut, die am liebsten herausschreien würde: Es reicht jetzt!
Wenn sich Erschöpfung, Trauer und Wut mischen, entsteht ein ungesunde emotionale Melange in der Seele, die auf Dauer zermürbt.
Es kommt zu einem tiefen Gefühl von Ohnmacht. In der Ohnmacht fühlen wir uns ausgeliefert, macht- und hilflos. Ohnmacht ist das Gefühl das eigene Leben nicht mehr beeinflussen zu können. Dem Erleben von Selbstbestimmung und Ich-Orientierung steht auf der unbewussten Seite das verdrängte Erleben von Hilflosigkeit gegenüber. Ohnmacht bedeutet: Kontrollverlust.
Wie fühlt sich diese psychologische Ohnmacht an?
Machtlosigkeit kann bei jedem, je nach psychischer Struktur und Charakter, andere Gefühle auslösen. Beim einen sind das Trauer, Resignation und Depressivität, beim anderen sind es Angst, Aggression und Wut.
Ohnmacht ist das am meisten abgewehrte und verdrängte Gefühl. Es ist so unangenehm und existentiell bedrohlich, dass Menschen alles Mögliche zu glauben und zu tun bereit sind, um das Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen mittels der unterschiedlichsten Bewältigungsmechanismen.
Für manche erhöht sich das Gefühl von Kontrolle bzw. der eigenen Wirksamkeit, indem sie ihre wütende Ohnmacht in Macht umwandeln. Das kann soweit gehen, die Macht über andere erlangen zu wollen, was sich bis zur Gewaltausübung steigern kann. Ohnmächtige Wut hat ihr Ziel nicht in der zielgerichteten Vernichtung eines konkreten Feindes, sie ist viel vager, aber auch viel destruktiver gegen die Außenwelt gerichtet. Sie entlädt sich unkontrolliert an den verschiedensten Stellen, was man am steigenden Aggressionspotenzial im Netz und angesichts des immer respektloseren und feindlicheren Miteinanders der Menschen beobachten kann.
Andere wiederum fallen in depressive Passivität. Nach dem Motto: „All i can do is sit and wait“ versinken sie in eine träge Lähmung und verlieren jegliche Motivation und Antrieb.
Wiederum andere verfallen in erhöhte Geschäftigkeit. Hier wird das Gefühl der Ohnmacht unterdrückt, indem man besonders aktiv ist, um vor sich selbst und anderen als das Gegenteil eines ohnmächtigen Menschen zu erscheinen.
Auch der Glaube an den Faktor Zeit ist eine Form der tröstenden Rationalisierung angesichts der Erfahrung von Ohnmacht. Beim Glauben an die Zeit besteht die Erwartung, dass sich mit der Zeit schon alles regeln wird, dass Dinge, zu deren Lösung man selbst nicht fähig ist, vom Vergehen der Zeit gelöst werden.
Weitere
tröstende Rationalisierungen sind der Glaube an eine Obrigkeit, die die Dinge
schon regeln wird oder der religiös spirituelle Glaube an ein Wunder, das die Erlösung bringt.
Die Ursache all dieser Bewältigungsmechanismen ist jedoch die gleiche: Kontrollverlust.
Halten Ohnmachtsgefühle zu lange an kommt es zum Phänomen der erlernten Hilflosigkeit. Der Mensch zweifelt an der Wirksamkeit seiner Handlungen und stellt das Handeln ein. Erlernte Hilflosigkeit führt dann dazu, dass Menschen passiv bleiben, auch wenn sie wieder handeln könnten. Das Resultat ist ein Selbstgefühl absoluter Wertlosigkeit, begleitet von tiefer Angst und Sinnlosigkeit.
Erlernte Hilflosigkeit ist ein Teufelskreis, an dessen Ende das Gefühl steht, sich durch eigenes Handeln nicht aus einer Situationen befreien zu können. Der Glaube Herausforderungen aus eigener Kraft meistern können stirbt. Das anhaltende Gefühl von Ohnmacht ist der Anfang einer destruktiven Abwärtsspirale – sei es die der Gewalt, der Angst, des Ausbrennens oder der Depression.
Wie gelingt ein in produktiver Umgang mit der Ohnmacht?
Sie gelingt dann, wenn eine radikale Anerkennung der Realität stattfindet. Die äußere Wirklichkeit muss anerkannt und akzeptiert werden, ebenso wie die Grenzen des menschlich beeinfluss- und machbaren. Die Ambivalenzen, die Unwägbarkeiten und die Polaritäten des Lebens müssen akzeptiert werden. Eigene Kompensationsmechanismen und Bewältigungsstrategien dürfen hinterfragt werden. Erst wenn diese als das, was sie sind – nämlich untaugliche Versuche um die Kontrolle über das Unkontrollierbare wiederzuerlangen – bewusst geworden sind, kommt es zur inneren Bereitschaft die eigene Ohnmacht anzuerkennen. Dies führt dazu, dass die Erschöpfung, die sich im Widerstand gegen das was ist, weiter verstärkt, auflösen darf.
Ja, wir sind erschöpft, ja wir sind ohnmächtig. Und ja, es ist ok, denn das, was wir gerade erleben ist ein kollektiver Ausnahmezustand, den wir nicht ändern können. Was wir ändern können ist unsere Haltung zu dem was ist. Diese Veränderung beginnt damit uns zu erlauben, was wir fühlen und es mitzuteilen – einander, einer dem anderen. Teilen wir uns wahrhaftig mit, sind wir nicht nur authentisch und menschlich, wir schaffen Verbindung. Und das ist genau das, was wir jetzt dringend brauchen.
Dienstag, 27. April 2021
Angst und Mitgefühl vertragen sich nicht
Der Mensch ist von Natur aus egoistisch, so etwas wie Mitgefühl muss er sich mühsam abringen, und das tut er– wenn überhaupt – nur, wenn es ihm letztlich einen Vorteil bringt.
Herbert Spencer
Mitgefühl gehört zur seelischen zur Grundausstattung des Menschen. Nicht zu verwechseln mit Empathie. Empathie bedeutet, dass man in der Lage ist, sich mit den Gefühlen eines anderen zu verbinden, sprich, dass man fühlt, was der andere empfindet. Und es dann dabei belässt ohne zu handeln. Mitgefühl hingegen hat immer den Impuls dem anderen zu helfen.
Die nie Zusammengebrochenen können das Leid, die Schwäche und die Gebrochenheit ihres Nächsten nicht verstehen.
Mitgefühl besteht nur dann, wenn ich vom Leiden des Anderen selbst eine Erfahrung habe, wenn ich das, was der Gebrochene fühlt, selbst gefühlt habe oder gerade fühle. Mitgefühl entsteht über das erfahrene eigene Fühlen, nicht über Gedanken. Es kann nicht hergedacht werden, auch wenn manche das glauben, eben weil es ein Gefühl ist und kein Gedanke.
Mitgefühl ist wichtig für das Bestehen einer Gesellschaft, denn mit anderen zu empfinden, stärkt unser soziales Miteinander.
Ein bisschen mehr Mitgefühl könnte uns allen in dieser schweren Zeit nicht schaden. Aber leider ist genau das Gegenteil zu beobachten. Immer mehr Menschen ziehen sich in sich selbst zurück, sie drehen sich um sich selbst, versumpfen in ihren eigenen Gefühlen und verlieren das bisschen Mitgefühl, das sie einst vielleicht hatten, mitsamt der Empathie. Mit diesem Rückzug zieht sich der Blick auf das große Ganze zurück, der Blick über den eigenen Tellerand geht verloren und fokussiert sich auf die eigene kleine Welt. Diese ist gefühlt umso bedrohter, je mehr Angst Menschen verspüren. Angst spaltet unsere Psyche und uns selbst von anderen.
Wer Angst kennt weiß: Angst macht eng und kreist immer um sich selbst.
Je mehr Angst, desto weniger Raum für Mitgefühl. Angst legt sich wie ein dunkler Schatten über alles Lebendige und lässt uns erstarren. Ängstlich wird festgehalten, ängstlich wird vermieden, ängstlich wird verteidigt, ängstlich wird der Zaun um das ängstliche Selbst immer enger gezgen und die Welt da draußen wird klein und kleiner. So klein, dass damit auch das Gefühl für andere Menschen klein und kleiner wird. Der Andere zählt nur noch als Verstärker für die eigene Wahrnehmung und die eigene Sicht der Dinge. Wer ähnlich denkt ist Freund, wer anders denkt ist Feind. Die Angst braucht Feindbilder um sich selbst zu begründen und zugleich ist das Feindbild das Futter, das sie nährt, am Leben hält und verstärkt.
Angst und Mitgefühl vertragen sich nicht.
Angst essen Seele auf, besagt ein afrikanisches Sprichwort. Die ängstliche Seele wird zu einem zerfressenen Etwas, das nichts mehr zu geben hat. Je mehr wir uns von der Angst beherrschen lassen, desto unmenschlicher werden wir im Fühlen und Denken und im Handeln. Wir verlieren nicht nur das Mitgefühl für die Anderen, wir verlieren am Ende das Mitgefühl für uns selbst. Und damit verlieren wir das Wesentliche, was uns hilft Leid zu lindern.
Sonntag, 25. April 2021
Aufmerksamkeit unserer Aufmerksamkeit gegenüber
Foto: A. Wende
Donnerstag, 22. April 2021
Schweigen
Foto: A. Wende






