Donnerstag, 11. Mai 2023

Aus der Praxis: Selbstsabotage

 

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„Ich kann nicht, geht nicht, wird eh nichts!“
Heißt: Du glaubst nicht an deine Fähigkeit, etwas zu erreichen. Du zweifelst daran, dass du es überhaupt verdienst, dein Ziel zu erreichen. Du schiebst ein Projekt, das dir am Herzen liegt, ewig vor dir her, weil du Angst vorm Scheitern hast. Du gehst auf Niemanden zu, weil du Angst vor Zurückweisung hast. Du bleibst an einem Ort, der dir nicht gut tut, du haftest an Menschen, die dir nicht guttun, du machst den Job, den du dich magst, weil du denkst, du hast eh nichts Besseres zu erwarten.
 
Traumafolgen, negative Glaubensmuster, unheilsame Erfahrungen, Komplexe und ein geringes Selbstwertgefühl sind die Ursache für dieses selbstblockierende Verhalten.
Selbstsabotage ist ein Paradoxon, ein unbewusst offenkundiges Versagen, um ein mögliches Nichtgelingen zu vermeiden. Dabei ist es egal, ob es „Sinn macht“, es geht um Vorhersagbarkeit. Der Sinn deiner Selbstsabotage liegt darin, dass sie dir erlaubt zu prognostizieren, was sein wird, um dir das Gefühl von Kontrolle zu vermitteln.
 
Wenn du damit aufhören willst, fang klein an.
Mach kleine Schritte. Jeden Tag einen kleinen Schritt.
Erfolge sind Erfolge, egal wie klein oder wie groß sie sind.
Schreib dir jeden noch so kleinen Erfolg auf.
Sag dir immer wieder: Du machst das jetzt und du schafftst das!
Je öfter dir etwas gelingt, desto mehr gewinnt dein Nervensystem an Kapazität und Sicherheit. Du nimmst der Angst vor dem Versagen den Wind aus den Segeln. Du traust dir immer mehr zu. Dein Selbstvertrauen wächst.
Was könnte dein heutiger kleiner Schritt sein?

Dienstag, 9. Mai 2023

Vergebung

 

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Wir wurden verletzt und wir haben verletzt.
Manche verletzen absichtslos und manche absichtsvoll.
Wir wurden belogen, betrogen, ausgenutzt, gedemütigt und emotional misshandelt. Am Ende spielt es keine Rolle, was genau davon geschehen ist. Wir sind verletzt, wir sind gekränkt, unser Vertrauen ist zerbrochen. Aus Zuneigung wird Angst. Angst, der Mensch, der uns verletzt hat, könnte es wieder tun. Und wo Angst ist, ist wenig Raum für Liebe.
Jede tiefe Verletzung kränkt und verfolgt uns.
Vielleicht ziehen wir uns in uns selbst zurück und lassen niemanden mehr an uns heran. Oder wir geben, dem, der uns verletzt hat die Schuld und fühlen uns ohnmächtig. Vielleicht sind wir wütend, voller Groll und wollen Vergeltung. Wir würden es gerne ungeschehen machen, weil der andere uns wichtig war und wir nicht ertragen können, dass dieser wichtige Mensch uns so enttäuscht und weh getan hat. Warum gerade er, der uns so am Herzen lag, er, von dem wir das nie erwartet hätten?
Wir sind traurig und wütend zugleich. Unsere Gefühle fahren Achterbahn. Wir warten auf eine Entschuldigung, ein klärendes Gespräch, aber nichts geschieht. Und je länger wir warten, desto wütender, trauriger und verzweifelter werden wir. Wir wünschen uns, dass der andere genauso leidet wie wir selbst. Wir wünschen ihm mieses Karma. Es tritt ein. Jeder bekommt irgendwann zurück, was er an Gutem und Ungutem getan hat. Es ist nur eine Frage der Zeit. Da bin ich mir sicher.
 
Egal was wir fühlen, es sind negative Gefühle, die uns vergiften und verbittern, wenn wir sie nicht auflösen können. Damit sorgen wir für mieses Karma an uns selbst.
Wir leiden an einem Wiedergutmachungswunsch.
Wir sind in der Opferrolle gelandet.
Wir begreifen, wenn wir da wieder raus wollen, müssen wir etwas tun.
Aber was?
Das Erste was wir tun müssen: Erkennen, dass an dem, was geschehen ist, absolut nichts mehr zu ändern ist, durch nichts und niemanden. Der Mensch, der uns bis ins Mark verletzt hat, könnte morgen vor der Tür stehen und sagen: „Es tut mir leid.“ Es würde nichts ändern. Wir würden uns nicht wirklich besser fühlen. Vielleicht wären wir ein wenig erleichtert, vielleicht würde es uns ein wenig Genugtuung verschaffen, aber nichts wäre wirklich besser oder gar wieder gut. Es würde das, was geschehen ist, nicht ungeschehen machen. Es würde unser Vertrauen nicht wiederherstellen können. Wir würden vielleicht wieder mit diesem Menschen reden, aber die Beziehung würde nie mehr so sein wie sie einmal war. Das Band ist zerrissen, die tiefe Zuneigung, die herzliche Verbundenheit ist ein für alle Mal verloren. Das ist nicht mehr unser Mensch.
Eine Entschuldigung würde unsere Wunde also nicht heilen.
Es ist jetzt wie es ist.
 
Was können wir also tun?
Wir können entscheiden, ob wir das, was geschehen ist weiter mit uns herumschleppen oder es sein lassen und uns von der Last befreien. Wir brauchen keine Vergeltung und keine Entschuldigung, wir brauchen unseren Seelenfrieden. Und wenn wir klug sind, machen wir ihn nicht mehr vom Verhalten des anderen abhängig.
Wir vergessen nicht was geschehen ist. Wir heißen nicht gut, was geschehen ist, denn es war ungut. Wir machen uns nichts vor. Wir müssen nicht vergeben, aber wir können es tun. Wir leiten sie ein und entscheiden uns zu vergeben, wenn es soweit ist, dass wir es können. Wenn unser Herz dazu bereit ist.
Es fällt leichter zur Vergebung zu gelangen, wenn wir die Perspektive wechseln und Mitgefühl üben. Wenn wir dem anderen zugestehen, dass er, aus welchen Motiven auch immer, getan hat, was er getan hat, weil er nicht anders konnte. Nicht weil er ein schlechter Mensch ist, sondern weil er selbst Verletzungen in sich trägt, die ihn zu Handlungen verleiten, die er nicht kontrollieren kann. Weil er die Arbeit nicht macht, um zu genesen. Weil er nicht über die emotionale Fähigkeit verfügt, zu erkennen, wo die Grenzen sind und womit er andere verletzt. Weil er vielleicht unglücklich ist und uns attackiert hat, um sich besser zu fühlen, weil er vielleicht traumatisiert ist, voller Selbsthass, psychisch gestört oder ein Suchtproblem hat, das ihn unberechenbar macht.
Wir vergeben ihm seine Schwäche, weil wir wissen, auch wir haben Schwächen und auch wir haben andere schon verletzt. Wir lassen diesen Menschen und was uns an ihn bindet los, auch wenn es schwer ist. Wir wünschen ihm Genesung.
Wir hören auf zu wüten, zu urteilen und zu grollen und üben Mitgefühl. Dann wird aus Wut und Groll Trauer. Wir trauern um diesen Menschen, den wir lieb hatten und der uns so verletzt hat und wir trauern um die Beziehung, die zerbrochen ist.
Wut ist die Brücke zur Trauer und über diese Brücke gehen wir.
 
Er konnte nicht anders.
Aber ich kann anders.
Indem ich mich zum Opfer anderer mache, gebe ich mich selbst auf. Ich habe die Bereitschaft die Opferrolle zu verlassen und die volle Eigenverantwortung zu übernehmen. Ich bin bereit zu verstehen. Das ist der Beginn des Verzeihens. Anderen und mir selbst. Vergebung ist nie leicht. Sie bedeutet, dass wir über unseren Schatten springen müssen. Wenn wir inneren Frieden finden wollen, müssen wir springen. 
 
„Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.“
Buddha
 
„When we do not take care of our grief, when we do not call it by its true name, it leaves us as anger and does more harm to others, perpetuating our pain externally.“
Thich Nhat Hanh

 
 

Sonntag, 7. Mai 2023

Aus der Praxis: Die Arbeit an uns selbst



Genesung, Lernen, die Vergangenheit aufräumen, emotionale Wunden heilen, Wachstum, Selbstliebe, innerer Frieden – die Arbeit an uns selbst ist manchmal mühsam, schwierig und unangenehm. Sie kostet Zeit und Kraft. Ich habe mir vor vielen Jahren versprochen diese Arbeit zu tun, fest entschlossen, bis zum Gelingen, egal wie lange es dauert.
Ich habe mir versprochen zu lernen und nach dem zu handeln, was heilsam sind, anstatt mich immer nur im Kreis der Wiederholung des Alten zu drehen und zu leiden.
Anfangs fühlte ich mich unsicher. Anfangs hatte ich Zweifel, manchmal war ich müde, aber ich habe weiter gemacht, fest entschlossen, es zu schaffen. Wieder fühlte ich mich unbehaglich und unsicher. Wieder kamen Gedanken: Das wird doch nichts. Viel zu anstrengend. Wieder kamen Rückfälle: Das schaffst du nie. Lass es. Manchmal kamen tiefe Täler, kurz nachdem ich dachte, alles ist gut. Trotzdem machte ich weiter. Auf dem Weg meiner Genesung lernte ich, nicht aufzugeben. Ich blieb immer dabei. Heute weiß ich, es wirkt, wenn ich etwas dafür tue. Ich weiß, wenn ich dranbleibe, wenn ich mich von traumatischen Erfahrungen, destruktiven Überzeugungen, von Menschen und Situationen löse, die mir nicht gut tun, wenn ich mit dem Unveränderbarem abschließen kann, wenn ich fähig bin zu unterscheiden, welche Erfahrungen und Gedanken mir nützen und welche ich getrost sein lassen kann, lebe ich ein friedvolleres Leben.
Darüber hinaus arbeite ich heute täglich mit Menschen, denen es ähnlich geht und helfe ihnen dabei alten Ballast loszulassen und sich mehr Lebensqualität zu schaffen. Einfach weil wir es alle verdient haben ein sinnvolles, zufriedenes Leben zu leben, anstatt ein Dasein im Schatten einer unheilsamen Vergangenheit und einer destruktiven Denkweise zu fristen. 
 
Persönlichkeitsentwicklung ist etwas Wunderbares.
Ich mache das nicht nur für mich, ich mache das für alle Menschen die mir begegnen. Wenn wir an uns selbst arbeiten, tun wir das auch für andere. Für unsere Nächsten, für die, die wir lieben, für das Gedeihen gesunder Beziehungen. Diese brauchen wir mehr denn je in diesen Zeiten. Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir alle Teile eines großen Ganzen sind und jeder Teil, sei er noch so klein, hat einen Einfluss auf das Ganze. Alles was wir tun, wirkt sich nicht nur auf uns selbst, sondern auch auf unser Umfeld aus. Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir einander brauchen und dass Spaltung und Vereinzelung uns allen schaden. Was wir brauchen ist Freundlichkeit, Mitgefühl, Unterstützung und Güte von Mensch zu Mensch. Darum ist die Arbeit an uns selbst mit dem Ziel zu genesen und uns selbst wertzuschätzen und zu lieben, niemals egoistisch. Im Gegenteil - sie ist die tragende Basis für ein empathischeres und liebevolleres Miteinander.
 
The goal of life is to make your heartbeat match the beat of the universe, to match your nature with Nature.
—Joseph Campbell
 

 

Mittwoch, 3. Mai 2023

Ein erfülltes Leben

                                                                           Foto: A.W.
 

In meiner Praxis habe ich es überwiegend mit Menschen zu tun, denen es nicht gut geht. 

Manche von ihnen sind zutiefst unglücklich. Und viele von ihnen sind auf der Suche nach sich selbst. Unsere gemeinsame Arbeit besteht darin den Ursachen für die Belastungen und das Unglücklichsein auf den Grund zu gehen und Wege und Werkzeuge zu finden, um ein besseres, im besten Falle glücklicheres Leben zu führen. Natürlich kann niemand immer glücklich sein, aber es gibt Wege, die uns dabei helfen, unsere Wahrnehmung, was Zufriedenheit und Glücksempfinden angeht zu verändern.

 

Womit verbinden wir Glück?

Wir verbinden es mit einem erfüllten Leben, mit erfüllenden Beziehungen und dem Erleben von Sinn.

Was die entscheidenden Faktoren sind, die Menschen glücklicher machen und ihr positives Lebensgefühl steigern und welche Aspekte zu einem erfüllten Leben beitragen hat nach Maslow mit seiner Bedürfnispyramide in den 1990er Jahren Martin Seligman in einem Konzept zusammengefasst. Seligman ist ein US-amerikanischer Psychologe, der viel zur Depression geforscht hat. Bekannt sind vor allem seine Idee der „erlernten Hilflosigkeit“ und seine Arbeit auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Diese beschäftigt sich mit den Grundlagen eines „guten Lebens“, mit dem, was unser Leben lebenswert macht und mit begünstigenden Eigenschaften sowie den Bedingungen für Wohlbefinden.

Aufgrund seiner Forschungsergebnisse hat Seligmann das PERMA-Modell erstellt. PERMA steht als Akronym mit 5 Buchstaben für die folgenden Elemente:

P - Positive Emotions

E- Engagement

R- Relationships

M- Meaning und Achievement

Zu deutsch: Positive Emotionen: Erleben von positiven Gefühlen. Engagement: Einsetzen von Stärken und Erleben von Flow. Relationships: Zugehörigkeit erleben und gesunde Beziehungen aufbauen.

 

Positive Emotionen

sind ein entscheidender Faktor für unser emotionales Wohlbefinden. Dazu gehört das Erleben positiver Gefühle wie z.B. Freude, Leichtigkeit, Genuss und Dankbarkeit. Freude und Leichtigkeit stellen sich nicht auf Kommando ein, das wissen wir alle, aber wir können einiges dafür tun sie in unser Leben einzuladen. Besonders hilfreich dabei ist das Üben von Dankbarkeit. Wir können zum Beispiel den Blick auf das Gute in unserem Leben wenden, wenn wir ein Dankbarkeitstagebuch schreiben, in dem wir jeden Abend drei positive Dinge notieren, die wir am Tag erlebt haben. Diese Gewohnheit hilft nachweislich, wenn wir sie kontinuierlich pflegen, den Blick weg von Negativität hin zu den kleinen Glücksmomenten zu lenken. Zudem trainieren wir unsere Wahrnehmung im Hinblick auf das Gute und damit verändert sie sich mit der Zeit: Wir fühlen uns besser. 

 

Engagement

indem wir unsere Stärken und Talente erkennen und richtig einsetzen gelangen wir leichter in den Flow-Zustand, ein Zustand in dem wir vollkommen in einer Beschäftigung aufgehen und alles um uns herum vergessen. Dieser Zustand lässt sich herstellen. Z.B. beim Sport oder indem wir eine kreative Tätigkeit ausüben.

Dazu müssen wir allerdings wissen, was unsere Stärken sind. Also macht es Sinn sich diese bewusst zu machen. Und sie dann umzusetzen in Tun.

 

Relationships, positive Beziehungen

Gesunde, erfüllende Beziehungen lösen positive Gefühle in uns aus. Dazu brauchen wir Menschen, denen wir vertrauen können und in deren Nähe wir uns gesehen, wertgeschätzt und geliebt fühlen und umgekehrt. Gesunde Beziehungen sind entscheidend um uns verbunden und wohl zu fühlen. Daher ist es wichtig uns einmal genau anzuschauen mit welchen Menschen wir uns wohl fühlen und welche Menschen uns nicht guttun. Mit Ersteren sollten wir die Beziehung bewusst pflegen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen gegenüber immer wieder einmal unsere Wertschätzung und Dankbarkeit ausdrücken.

 

Meaning, Sinn

Das Erleben von Sinnhaftigkeit ist von elementarer Bedeutung für ein erfülltes Leben.

Dabei geht es nicht darum den großen übergeordneten Sinn zu finden. Es geht darum, unseren persönlichen Sinn zu finden, die eigene Bestimmung, und danach zu leben. Das kann z.B. eine Arbeit sein, die uns erfüllt oder eine Vision, die wir haben oder schöpferisches Tun. Den tiefsten Sinn gibt uns, wenn wir etwas tun, was wir über uns selbst hinaus in die Welt geben, zu anderen hin.  

Wer sich mit dem Sinn des Lebens beschäftigt, kommt an Viktor Frankl nicht vorbei. Als Psychologe und Erfinder der Logotherapie hat er die Sinnfrage in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Er war überzeugt davon, dass es auch noch unter inhumansten Bedingungen möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen: „Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.“ Und weiter: „Jene Einmaligkeit und Einzigartigkeit, die jeden einzelnen Menschen auszeichnet und jedem einzelnen Dasein erst Sinn verleiht, kommt also sowohl in Bezug auf ein Werk oder eine schöpferische Leistung zur Geltung, als auch in Bezug auf einen anderen Menschen und dessen Liebe.“, so Frankl.

 

Achievement, Ziel erreichen

Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir ein Ziel erreichen, das uns am Herzen liegt und auf das wir hingearbeitet haben. Das muss nichts Weltbewegendes sein. Schon das Erreichen kleinerer Ziele gehört dazu. Eine klare Richtung im Leben und das Erreichen von Zielen steigert unser Selbstwertgefühl. Wie erfahren Selbstwirksamkeit und persönliche Zufriedenheit.

Deshalb ist es wichtig uns eine sinnvolle Richtung im Leben zu geben und uns Ziele zu setzen, die wir auch wirklich erreichen können. Dazu sollten wir wissen, wo wir hinwollen und wer wir sein wollen. Dazu gehört zu wissen, welche Potentiale und Fähigkeit wir haben und vor allen: welche Werte wir haben, für die wir stehen und nach denen wir leben wollen.

 

Wenn wir uns das Ganze jetzt einmal anschauen, scheint es gar nicht so schwer, ein erfülltes Leben zu fühlen, möchte man denken, auch wenn nicht alle Elemente in unserem Leben vorhanden sind. Es reichen schon einige davon um uns glücklicher zu fühlen.

Traurigerweise haben viele von uns aber Blockaden, Traumata oder tiefsitzende destruktive Glaubensmuster, die uns daran hindern ein erfülltes Leben zu gestalten. Diese zu erkennen, zu lösen und zu wandeln, ist dann der erste Schritt. Dazu gehört die unbedingte Bereitschaft es zu wollen und der Wille etwas dafür zu tun, jeden Tag ein bisschen etwas von dem, was uns guttut. 

Was zum Erfolg führt um die Dinge zum Besseren zu wenden ist meiner Erfahrung nach: Vertrauen ins uns selbst und unsere Schöpferkraft und vor allem Kontinuität.

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 17. April 2023

Aus der Praxis: Was hindert uns daran für uns selbst so fürsorgend und hilfreich zu sein wie für andere?

 


Was hindert uns daran für uns selbst so fürsorgend und hilfreich zu sein wie für andere?

Es ist die Ablehnung uns selbst gegenüber. Der Widerwille gegen regressive Zustände, der Widerwille gegen unsere verletzten inneren Kinder. Wenn wir immer wieder von den Verletzungen unseres inneren Kindes dazu verleitet werden wie dieses Kind zu fühlen handeln, wenn wir uns weiter ohnmächtig, bedürftig und hilflos fühlen, dann hassen wir das. Das wollen wir nicht fühlen – daraus entsteht Ablehnung uns selbst gegenüber. Je öfter wir diese Ablehnung spüren und zulassen, ohne bewusst dagegen zu regulieren, desto mehr manifestiert sie sich. Wir werden zu dieser Ablehnung.

Darum ist es wichtig uns dessen erst einmal bewusst zu sein und es zu akzeptieren, um es verändern zu können. Um den ablehnenden Umgang mit uns selbst zu verändern bedarf es der Übernahme von Eigenverantwortung. Damit sind viele Menschen überfordert, besonders dann, wenn sie in einer Krise stecken. Wir wollen gerettet, gehalten, versorgt, ja sogar geheilt werden von anderen. Damit geben wir unsere Eigenverantwortung ab und die Ablehnung wird bleiben. Wieder stecken wir in der Regression fest.

 

Natürlich kann jeder von uns in eine Lage kommen, in der er sich selbst nicht mehr helfen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Das kenne auch ich. Dann ist es sinnvoll sich Unterstützung zu suchen.

Aber in weniger krisenhaften Zeiten können wir kontinuierlich an uns arbeiten. Wir können daran arbeiten unsere Eigenverantwortung und unsere Selbstfürsorge bewusst auszuweiten. Mit dem Ziel immer seltener in emotionale Krisen zu geraten. Mit dem Ziel und all unsere Gefühle und inneren Zustände anzunehmen und angemessen damit umzugehen. Mit dem Ziel einen erwachsenen und mitfühlenden Umgang mit unserem verletzten Inneren Kind zu pflegen und es nicht als Boykotteur abzulehnen, der uns das Leben erschwert. Mit dem Ziel diesem Kind in uns eine hinreichend gute Mutter und ein hinreichend guter Vater zu sein. Dazu ist die Vorrausetzung, dass wir zu diesem Inneren Kind einen personalen Bezug bekommen wie zu einem realen Kind. 

 

Wir können die Geschichte unserer Kindheit nicht ändern.

Gut, wenn wir das akzeptieren können, aber wir können unser Jetzt ändern, im Jetzt. Wir haben Einfluss darauf wie wir mit unserer Geschichte umgehen ohne sie ewig als Erklärung oder Entschuldigung dazu zu verwenden, warum es uns jetzt nicht gut geht oder warum wir das, was wir uns wünschen nicht können. Wir können uns ein Leben lang sagen: Ich kann nicht anders, weil ich als Kind so schlechte Erfahrungen machen musste – wir können uns auch sagen: Weil ich diese Erfahrungen machen musste, will ich neue positivere, heilsamere Erfahrungen machen. Ich bin dazu bereit und ich werde das Notwendige dafür tun. 

 

Wir können lernen HerrIn im eigenen Haus zu werden indem wir, nachdem wir begriffen haben, was in uns verletzt ist, dafür sorgen, dass wir uns nicht weiter selbst antun, was man uns als Kind angetan hat. 

Das ist das Ende der Selbstablehnung und der Beginn der Selbstakzeptanz.

Warum ist das so schwer, warum dauert das so lang?, fragen mich KlientInnen oft.

Ich antworte dann: Wie lange glauben Sie, dass es dauert zu verändern, was sie über Jahrzehnte so getan haben wie sie es tun und ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist?

Wie lange denken Sie, braucht ein Trauma um davon zu genesen?

Wie lange denken Sie brauchen tief sitzende innere Überzeugungen um sich zu wandeln?

Es dauert so lang wie es dauert.

Es dauert weniger lang, wenn wir weniger denken und mehr in Handlung umsetzen, was wir bereits wissen und gelernt haben und nicht mehr dem alten Narrativ zu folgen, sondern unsere Geschichte ab jetzt neu zu schreiben. Das bedeutet: Kontinuierliche Arbeit mit uns selbst mit all den Werkzeugen, die wir an der Hand haben – und sie zu mögen, anstatt davon genervt zu sein, denn dann rutschen wir nur wieder in der Selbstablehnung. Es bedeutet Eigenverantwortung!

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

 

 

 

Donnerstag, 13. April 2023

Aus der Praxis: Über den Schmerz

 

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Die erste edle Wahrheit im Buddhismus lautet: „Leiden gehört zum Leben dazu.“

Es muss Leid geben, denn ohne Leid würden wir den Unterschied zur Freude und zum Glück nicht wahrnehmen können. Nur wo Schatten und Dunkelheit ist, können wir das Licht überhaupt erst erkennen. Kein Mensch leidet freiwillig. Wenn es möglich wäre, würden sich viele von uns ein schmerzfreies, glückliches Leben wünschen. Doch das Leben sieht anders aus. Niemand von uns ist vor Schmerz, sei er emotional oder körperlich, gefeit und niemand von uns wird davon verschont. Schmerz ist ein Teil unserer Existenz, ebenso wie Wohlgefühl, Freude und Glück. Es gibt nur das ganze Paket Leben. Wissen tun wir das zwar alle, aber dieses Wissen hilft wie so oft nichts, wenn unser Erleben etwas anderes sagt.

Wir Menschen handeln im Wesentlichen aus zwei Motiven: Wir wollen Freude erleben und Schmerz vermeiden. Wobei Schmerz vermeiden das stärkere Motiv ist. Dabei ist emotionaler Schmerz erst einmal nur Schmerz, wenn wir nicht bewerten.

Wir könnten also sagen: Ja, ich empfinde Schmerz. Und ihn einfach da sein lassen. Könnten, die Wenigsten von uns können das. Wir wollen, dass er weg geht, am Liebsten schnell und ohne, dass wir etwas dafür tun müssen. Er geht aber nicht weg, weil wir das wollen. Schmerz bleibt solange bis wir uns emotional daraus gelöst haben. Das braucht bei jedem von uns mehr oder weniger viel Zeit. So wie jeder von uns anders auf schmerzvolle Erfahrungen reagiert. Je sensibler ein Mensch ist, desto intensiver fühlt. Es ist nicht das, was uns geschieht, sondern wie wir aufgrund unserer Sensibilität darauf reagieren. Mancher Schmerz ist so groß, dass er sich mächtiger anfühlt als wir selbst, es ist als würde er die totale Herrschaft über uns übernehmen. Mancher Schmerz ist sogar so groß, dass er nicht weg geht, dann dürfen lernen damit zu leben. Wie bitte, geht’s noch, wie kann sie so etwas sagen?, höre ich jetzt schon. Ich kann. Ich spreche aus Erfahrung, meiner eigenen und der einiger meine KlientInnen. Schmerz, der nicht weggeht, wird irgendwann breiter und leiser, aber er bleibt Teil unseres Lebens. Es ist möglich damit zu leben indem wir ihn akzeptieren. Und da liegt das Problem der Mehrzahl der Menschen: In der Nicht-Akzeptanz dessen, was wir nicht ändern können, im Widerstand gegen das, was unveränderbar ist und sei es Schmerz.

Wann immer wir emotionalem Schmerz ausweichen, wird der Schmerz größer und wir selbst werden immer kleiner und schwächer. 

Wenn wir aber den Schmerz akzeptieren und durch den Schmerz hindurchgehen, wird der Schmerz irgendwann kleiner und wir selbst werden größer und stärker. Wir haben die Wahl: Wir geben den Widerstand auf und lassen uns auf den Schmerz ein. Das heißt auch, dass wir uns der Ursache unseres Schmerzes stellen. Der pragmatische Weg im Buddhismus lautet: Verstehe die direkten Ursachen in dir selbst für dein Leiden. Und hör auf, zu den Ursachen beizutragen. Dann verschwindet auch dein Leiden. Klingt krass stimmt aber.

Wir blicken dem Schmerz also ins Gesicht, anstatt ihn weghaben zu wollen.  

Wir fühlen wo im Körper er sitzt und atmen ruhig ein und aus. Immer wieder, bis sich unser Körper durch den Atem beruhigt und damit unsere Seele. Wir hören auf mit dem untauglichen Versuch den Schmerz zu betäuben mit allem Möglichen oder uns abzulenken mit allem Möglichen, was dann doch nicht funktioniert. Ich kenne Menschen, die sich den Schmerz Tag für Tag wegtrinken. Je mehr sie trinken, desto größer wird ihr Schmerz. Sie trinken dann noch mehr und der Schmerz wird noch größer und noch dazu zerstören sie sich selbst und ja, dann hat der Schmerz auch ein Ende. Aber zu welchem Preis? Ich kenne sensible Menschen, die aus ihrem Schmerz heraus kreativ werden, Menschen, die Großartiges schaffen, ein Kunstwerk, eine Lebensaufgabe oder eine Vision. Sie wachsen an ihrem Schmerz und stehen auf wie Phönix aus der Asche.

Wer seinen Schmerz mit Betäubung oder Ablenkung verarbeiten möchte, wird schnell spüren, dass es nicht funktioniert. Wer seinen Schmerz nicht akzeptiert, ihn nicht zulässt, dem wird es nicht gelingen ihn aufzulösen und zu verarbeiten.

Schmerz holt uns ein, wenn wir seine Ursache nicht begreifen. Es ist hilfreich ihm auf den Grund zu gehen. Schmerz kann auch ein Hinweis auf etwas sein, was wir vielleicht ohne ihn nicht sehen konnten und nicht erfahren hätten. Eine meiner Klientinnen durchlebt gerade die Trennung von einem Partner, der sie immer wieder abgewertet, belogen und betrogen hat. Sie leidet unvorstellbar unter der Trennung. So sehr, dass sie nicht mehr leben will. Die wahre Ursache ihres Schmerzes ist jedoch nicht die Trennung an sich, das haben wir mit der Zeit herausgefunden, sondern die Tatsache, dass sie sich über Jahre hinweg schlecht behandeln ließ und ihre Würde missachtet hat. Sie hat keine Grenzen gesetzt, sich selbst nicht wertgeschätzt und diesem Mann ihre Liebe hinterhergetragen, nur um das Gefühl zu bekommen geliebt zu werden, was sie aber nur dann bekam, wenn sie in seinem Sinne funktioniert hat. Ihr tiefer Schmerz weist auf die Ursache hin, die in ihr selbst und ihrer Biografie liegt. Meine Klientin erkennt die Zusammenhänge. Sieht klar. Hat Einsichten. Sieht, was Sie künftig ändern kann, was sie tun wird und nicht mehr tun will, damit es anders wird. Sie lernt sich nach und nach selbst wertzuschätzen und sich selbst würdevoll und fürsorglich zu behandeln. Sie lernt Mitgefühl mit sich zu haben, liebevoll und voller Güte und Verständnis auf sich selbst zu schauen. Das ändert zunächst nichts an dem Schmerz, den sie empfindet, aber Selbstgefühl hilft ihn leichter zu ertragen ,es ändert etwas am Umgang damit und vor allem an ihrem zukünftigen Leben.

Schmerz hat auch etwas Reinigendes. Das sollten wir nicht unterschätzen. Er hat etwas Klärendes, indem er uns klar macht, wo wir unheilsam uns selbst gegenüber handeln oder anderen gegenüber. 

Im Schmerz ist es wichtig ehrlich zu uns selbst zu sein. Uns zuzugestehen, dass wir jetzt durch die dunkle Nacht der Seele gehen. Uns zu erlauben, dass wir nicht wie gewohnt funktionieren und das zu achten. Wir müssen das jetzt nicht, weil wir es nicht können. Wir dürfen traurig sein, wir dürfen weinen, wütend und verzweifelt sein. Wir dürfen Angst haben. Wir dürfen all den Emotionen, die hochkommen, Raum geben, ohne uns dafür zu schämen oder zu verurteilen. Und zugleich dürfen wir gut für uns sorgen, auch wenn es schwer ist. Jetzt dürfen wir uns selbst wie eine hinreichend gute Mutter umsorgen und tun, was uns tröstet und wenn wir mit dem Teddy aus Kindertagen ins Bett gehen und ihn nass heulen. Wir gehen da durch - immer nur diesen einen Tag im Blick, die nächsten 24 Stunden.

Alles was tröstet, außer dem Unheilsamen, hilft den Schmerz zu lindern. Wir müssen uns selbst und anderen jetzt nichts beweisen, wir müssen nicht stark sein. Gerade in der Fähigkeit unsere Schwäche zuzugeben, liegt für mich eine große Stärke. Wir nehmen uns ernst.  

Zum Menschsein gehört Schmerz. Wer etwas anderes glaubt hat das leben nicht verstanden. Unser Schmerz ist nichts wofür wir uns schämen sollten oder uns verstecken, damit die anderen es nicht bemerken. Wenn wir den Mut haben ehrlich zu uns selbst und zu anderen zu sein, können auch die anderen ehrlich zu uns sein. Sie dürfen sich öffnen und ihren eigenen Schmerz anerkennen und ihn aussprechen. Jeder von uns kennt ihn und mach einer von uns durchlebt ihn gerade. Reden hilft, mit Jemand, der keine guten Ratschläge gibt, mit Jemand, der uns ernst nimmt und uns wirklich zuhört, ohne zu bewerten. Mit Jemand, der uns Trost schenkt, der uns Mut macht und uns erkennen lässt, was wir gerade nicht sehen können, nämlich wie sinnvoll und wertvoll unser Leben ist, wie liebenswert wir sind, mit dem Schmerz. Eines sollten wir nicht vergessen: Wir sind nicht unser Schmerz, wir haben Schmerz. Andere Teile in uns sind durchaus fähig auch Momente der Freude, der Ruhe, des Friedens zu fühlen und bedacht und verantwortungsvoll zu handeln. 

Alles, alles geht vorüber. Das Leben verläuft nicht linear. Das Leben trägt alles in sich. Und wir sind Lebendige. Und ja, auch der Schmerz, der bleibt, geht in gewisser Weise vorüber. Indem er sich wandelt und uns. Im besten Falle werden wir mitfühlender und gütiger uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber.

 

„Our lived lives, might become a protracted mourning for, or an endless tantrum about, the lives we were unable to live. But the exemptions we suffer, whether forced or chosen, make us who we are.”

 Adam Phillips

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Sonntag, 9. April 2023

Auferstehung

 

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Osterhasen, Ostereier, Osteressen, Geschenke. Das ist für viele große und kleine Menschen Ostern. Dass Ostern das Fest der Auferstehung Jesu ist, scheint fast vergessen. Irgendwie haben viele das nicht mehr auf dem Schirm. Der Glaube an Gott ist so eine Sache. Religion ist so eine Sache. Nicht jedermanns Sache. Glaube ist etwas wozu der moderne Mensch keine große Affinität mehr hat.
Das ist okay. Aber es ist ebenso okay zu glauben. 
 
"Das Individuum, das nicht in Gott verankert ist, vermag der physischen und moralischen Macht der Welt auf Grund seines persönlichen Dafürhaltens keinen Widerstand zu leisten. Dazu bedarf der Mensch der Evidenz seiner inneren, transzendenten Erfahrung, welche allein ihn vor dem sonst unvermeidlichen Abgleiten in die Vermassung bewahren kann."
Dieses Zitat stammt von C.G.Jung.
Es ist nachdenkenswert, finde ich.
Und es war Jung, der in einem Interview auf die Frage: Glauben sie an Gott?, antwortete: Ich muss nicht glauben. Ich weiß.
Mich beeindruckt und beruhigt diese klare Antwort. „Ich weiß.“
Dieses Wissen trägt. Es trägt, wann immer ich den Mut und die Kraft verliere.
Zu Gott beten trägt. Beten wirkt.
In schweren Krisen, in der dunklen Nacht der Seele.
Im Angesicht des Todes beten Menschen auf einmal wieder. Sogar jene, die es nie getan haben, entdecken das Gebet. Sie bitten für sich selbst oder für andere. Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, hieß es: Pray for Ukraine. 
 
Manche von uns haben Probleme mit dem Beten.
Sie glauben es ist sinnlos, sie glauben Gott greift sowieso nicht ein, nicht in das persönliche Schicksal und nicht in das Geschehen in der Welt. Sie sind kritisch oder glauben einfach nicht an die Wirkung des Gebetes. Aber es wirkt, auch wenn Gott nicht der ist, der unser Schicksal lenkt. Auch wenn Gott uns das Leben geschenkt hat, er „macht“ es nicht für uns. Wir selbst sind es, die die Verantwortung dafür tragen, wie wir leben. So sehe ich es. 
 
Indem wir uns an Gott wenden und im Gebet voller Hoffnung für das sind wofür wir beten, verwandelt sich das Feld, in dem wir leben. Wir können die Wirkung des Gebetes auch psychologisch verstehen. Wenn ich für etwas bete, sehe ich es anders. Wenn ich für mich oder einen den anderen bete, sehe ich mich und den anderen anders. Ich bekomme Hoffnung und Zuversicht und gestalterische Kraft. Ich fühle mich getragen. Ich spüre, ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
 
Glaube versetzte Berge, sagt man.
Dabei ist es im Grunde egal woran ich glaube. Glaube gibt Kraft. Er kann uns erden, wenn wir in die Bodenlosigkeit fallen. Glaube ist ein geistiger Akt und er hat eine geistige Kraft. Und diese Kraft spüren wir in unserem Herzen. Wir drücken unsere Liebe zum Leben, zu uns selbst, zu anderen, im Gebet aus und vertrauen darauf, dass durch unser Gebet die Liebe Gottes schützend und heilsam wirkt. Und wir vertrauen darauf, dass es wirkt. Unser Gebet drückt ein Beziehungsgeschehen aus: unsere Beziehung zu Gott und unsere Verbundenheit mit dem, was größer ist als wir. In dieser Verbundenheit sind wir niemals allein. Wenn wir beten sind wir mit uns mit selbst in Kontakt. Wir nehmen wahr, was wir fühlen, wer wir sind, wir sind uns unserer selbst gewahr, all der Sorgen, der Fragen, der Ängste, der Sehnsucht in uns. Indem wir all das in unser Gebet einbringen, halten wir die Sehnsucht nach dem Guten, dem Wahren und dem Schönen wach. Und nein, Gott ist kein Wunscherfüller. Er ist einfach da, als beständiges Gegenüber, als eine Bindung, eine Beziehung, die uns nie verlässt, wenn wir glauben. 
 
Heute feiern wir Christen Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Den Tag an dem am frühen Morgen das leere Grab entdeckt wurde. „Als aber Jesus auferstanden war früh am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria Magdalena. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren, die da Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und ihr erschienen sei, glaubten sie nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie aufs Feld gingen. Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die Elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen. Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“
So steht es in Markus 16 in der Lutherbibel. 
 
Natürlich übersteigt das unser menschliches Vorstellungsvermögen. Aber was sagt es uns?
Es könnte uns sagen, dass Jesus den Tod überwunden hat und das mit dem Tod ein neues Leben beginnt. Es könnte uns sagen, dass alle kleinen Tode, die wir im Leben sterben müssen, nicht das Ende sind. Dass jeder kleine Tod, jedes Sterben im Leben, auch die Möglichkeit in sich trägt aufzu (er) stehen - ein neues Werden. Aufstehen, für uns selbst einstehen, mehr und mehr wir selbst werden. Weiter gehen im Vertrauen und dem Glauben daran, dass eine Kraft, die größer ist als wir, uns trägt.
Das ist für mich die persönliche Auferstehung.