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Donnerstag, 11. Mai 2023
Aus der Praxis: Selbstsabotage
Dienstag, 9. Mai 2023
Vergebung
Sonntag, 7. Mai 2023
Aus der Praxis: Die Arbeit an uns selbst
Mittwoch, 3. Mai 2023
Ein erfülltes Leben
Foto: A.W.
In meiner Praxis habe ich es überwiegend mit Menschen zu tun, denen es nicht gut geht.
Manche von ihnen sind zutiefst unglücklich. Und viele von ihnen sind auf der Suche nach sich
selbst. Unsere gemeinsame Arbeit besteht darin den
Ursachen für die Belastungen und das Unglücklichsein auf den Grund zu gehen
und Wege und Werkzeuge zu finden, um ein besseres, im besten Falle
glücklicheres Leben zu führen. Natürlich kann niemand immer glücklich sein, aber es gibt Wege, die uns dabei
helfen, unsere Wahrnehmung, was Zufriedenheit und Glücksempfinden angeht zu
verändern.
Womit verbinden wir Glück?
Wir verbinden es mit einem erfüllten Leben, mit erfüllenden Beziehungen und dem Erleben von Sinn.
Was die entscheidenden Faktoren sind, die Menschen glücklicher machen und ihr positives Lebensgefühl steigern und welche Aspekte zu einem erfüllten Leben beitragen hat nach Maslow mit seiner Bedürfnispyramide in den 1990er Jahren Martin Seligman in einem Konzept zusammengefasst. Seligman ist ein US-amerikanischer Psychologe, der viel zur Depression geforscht hat. Bekannt sind vor allem seine Idee der „erlernten Hilflosigkeit“ und seine Arbeit auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Diese beschäftigt sich mit den Grundlagen eines „guten Lebens“, mit dem, was unser Leben lebenswert macht und mit begünstigenden Eigenschaften sowie den Bedingungen für Wohlbefinden.
Aufgrund seiner Forschungsergebnisse hat Seligmann das PERMA-Modell erstellt. PERMA steht als Akronym mit 5 Buchstaben für die folgenden Elemente:
P - Positive Emotions
E- Engagement
R- Relationships
M- Meaning und Achievement
Zu deutsch: Positive Emotionen: Erleben von positiven Gefühlen. Engagement: Einsetzen von Stärken und Erleben von Flow. Relationships: Zugehörigkeit erleben und gesunde Beziehungen aufbauen.
Positive Emotionen
sind ein entscheidender Faktor für unser emotionales Wohlbefinden. Dazu gehört das Erleben positiver Gefühle wie z.B. Freude, Leichtigkeit, Genuss und Dankbarkeit. Freude und Leichtigkeit stellen sich nicht auf Kommando ein, das wissen wir alle, aber wir können einiges dafür tun sie in unser Leben einzuladen. Besonders hilfreich dabei ist das Üben von Dankbarkeit. Wir können zum Beispiel den Blick auf das Gute in unserem Leben wenden, wenn wir ein Dankbarkeitstagebuch schreiben, in dem wir jeden Abend drei positive Dinge notieren, die wir am Tag erlebt haben. Diese Gewohnheit hilft nachweislich, wenn wir sie kontinuierlich pflegen, den Blick weg von Negativität hin zu den kleinen Glücksmomenten zu lenken. Zudem trainieren wir unsere Wahrnehmung im Hinblick auf das Gute und damit verändert sie sich mit der Zeit: Wir fühlen uns besser.
Engagement
indem wir unsere Stärken und Talente erkennen und richtig einsetzen gelangen wir leichter in den Flow-Zustand, ein Zustand in dem wir vollkommen in einer Beschäftigung aufgehen und alles um uns herum vergessen. Dieser Zustand lässt sich herstellen. Z.B. beim Sport oder indem wir eine kreative Tätigkeit ausüben.
Dazu müssen wir allerdings wissen, was unsere Stärken sind. Also macht es Sinn sich diese bewusst zu machen. Und sie dann umzusetzen in Tun.
Relationships, positive Beziehungen
Gesunde, erfüllende Beziehungen lösen positive Gefühle in uns aus. Dazu brauchen wir Menschen, denen wir vertrauen können und in deren Nähe wir uns gesehen, wertgeschätzt und geliebt fühlen und umgekehrt. Gesunde Beziehungen sind entscheidend um uns verbunden und wohl zu fühlen. Daher ist es wichtig uns einmal genau anzuschauen mit welchen Menschen wir uns wohl fühlen und welche Menschen uns nicht guttun. Mit Ersteren sollten wir die Beziehung bewusst pflegen. Dazu gehört auch, dass wir ihnen gegenüber immer wieder einmal unsere Wertschätzung und Dankbarkeit ausdrücken.
Meaning, Sinn
Das Erleben von Sinnhaftigkeit ist von elementarer Bedeutung für ein erfülltes Leben.
Dabei geht es nicht darum den großen übergeordneten Sinn zu finden. Es geht darum, unseren persönlichen Sinn zu finden, die eigene Bestimmung, und danach zu leben. Das kann z.B. eine Arbeit sein, die uns erfüllt oder eine Vision, die wir haben oder schöpferisches Tun. Den tiefsten Sinn gibt uns, wenn wir etwas tun, was wir über uns selbst hinaus in die Welt geben, zu anderen hin.
Wer sich mit dem Sinn des Lebens beschäftigt, kommt an Viktor Frankl nicht vorbei. Als Psychologe und Erfinder der Logotherapie hat er die Sinnfrage in den Mittelpunkt seiner Arbeit gestellt. Er war überzeugt davon, dass es auch noch unter inhumansten Bedingungen möglich ist, einen Sinn im Leben zu sehen: „Wer um einen Sinn seines Lebens weiß, dem verhilft dieses Bewusstsein mehr als alles andere dazu, äußere Schwierigkeiten und innere Beschwerden zu überwinden.“ Und weiter: „Jene Einmaligkeit und Einzigartigkeit, die jeden einzelnen Menschen auszeichnet und jedem einzelnen Dasein erst Sinn verleiht, kommt also sowohl in Bezug auf ein Werk oder eine schöpferische Leistung zur Geltung, als auch in Bezug auf einen anderen Menschen und dessen Liebe.“, so Frankl.
Achievement, Ziel erreichen
Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir ein Ziel erreichen, das uns am Herzen liegt und auf das wir hingearbeitet haben. Das muss nichts Weltbewegendes sein. Schon das Erreichen kleinerer Ziele gehört dazu. Eine klare Richtung im Leben und das Erreichen von Zielen steigert unser Selbstwertgefühl. Wie erfahren Selbstwirksamkeit und persönliche Zufriedenheit.
Deshalb ist es wichtig uns eine sinnvolle Richtung im Leben zu geben und uns Ziele zu setzen, die wir auch wirklich erreichen können. Dazu sollten wir wissen, wo wir hinwollen und wer wir sein wollen. Dazu gehört zu wissen, welche Potentiale und Fähigkeit wir haben und vor allen: welche Werte wir haben, für die wir stehen und nach denen wir leben wollen.
Wenn wir uns das Ganze jetzt einmal anschauen, scheint es gar nicht so schwer, ein erfülltes Leben zu fühlen, möchte man denken, auch wenn nicht alle Elemente in unserem Leben vorhanden sind. Es reichen schon einige davon um uns glücklicher zu fühlen.
Traurigerweise haben viele von uns aber Blockaden, Traumata oder tiefsitzende destruktive Glaubensmuster, die uns daran hindern ein erfülltes Leben zu gestalten. Diese zu erkennen, zu lösen und zu wandeln, ist dann der erste Schritt. Dazu gehört die unbedingte Bereitschaft es zu wollen und der Wille etwas dafür zu tun, jeden Tag ein bisschen etwas von dem, was uns guttut.
Was zum Erfolg führt um die Dinge zum Besseren zu wenden ist meiner Erfahrung nach: Vertrauen ins uns selbst und unsere Schöpferkraft und vor allem Kontinuität.
Montag, 17. April 2023
Aus der Praxis: Was hindert uns daran für uns selbst so fürsorgend und hilfreich zu sein wie für andere?
Was hindert uns daran für uns selbst so fürsorgend und hilfreich zu sein wie für andere?
Es ist die Ablehnung uns selbst gegenüber. Der Widerwille gegen regressive Zustände, der Widerwille gegen unsere verletzten inneren Kinder. Wenn wir immer wieder von den Verletzungen unseres inneren Kindes dazu verleitet werden wie dieses Kind zu fühlen handeln, wenn wir uns weiter ohnmächtig, bedürftig und hilflos fühlen, dann hassen wir das. Das wollen wir nicht fühlen – daraus entsteht Ablehnung uns selbst gegenüber. Je öfter wir diese Ablehnung spüren und zulassen, ohne bewusst dagegen zu regulieren, desto mehr manifestiert sie sich. Wir werden zu dieser Ablehnung.
Darum ist es wichtig uns dessen erst einmal bewusst zu sein und es zu akzeptieren, um es verändern zu können. Um den ablehnenden Umgang mit uns selbst zu verändern bedarf es der Übernahme von Eigenverantwortung. Damit sind viele Menschen überfordert, besonders dann, wenn sie in einer Krise stecken. Wir wollen gerettet, gehalten, versorgt, ja sogar geheilt werden von anderen. Damit geben wir unsere Eigenverantwortung ab und die Ablehnung wird bleiben. Wieder stecken wir in der Regression fest.
Natürlich kann jeder von uns in eine Lage kommen, in der er sich selbst nicht mehr helfen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Das kenne auch ich. Dann ist es sinnvoll sich Unterstützung zu suchen.
Aber in weniger krisenhaften Zeiten können wir kontinuierlich an uns arbeiten. Wir können daran arbeiten unsere Eigenverantwortung und unsere Selbstfürsorge bewusst auszuweiten. Mit dem Ziel immer seltener in emotionale Krisen zu geraten. Mit dem Ziel und all unsere Gefühle und inneren Zustände anzunehmen und angemessen damit umzugehen. Mit dem Ziel einen erwachsenen und mitfühlenden Umgang mit unserem verletzten Inneren Kind zu pflegen und es nicht als Boykotteur abzulehnen, der uns das Leben erschwert. Mit dem Ziel diesem Kind in uns eine hinreichend gute Mutter und ein hinreichend guter Vater zu sein. Dazu ist die Vorrausetzung, dass wir zu diesem Inneren Kind einen personalen Bezug bekommen wie zu einem realen Kind.
Wir können die Geschichte unserer Kindheit nicht ändern.
Gut, wenn wir das akzeptieren können, aber wir können unser Jetzt ändern, im Jetzt. Wir haben Einfluss darauf wie wir mit unserer Geschichte umgehen ohne sie ewig als Erklärung oder Entschuldigung dazu zu verwenden, warum es uns jetzt nicht gut geht oder warum wir das, was wir uns wünschen nicht können. Wir können uns ein Leben lang sagen: Ich kann nicht anders, weil ich als Kind so schlechte Erfahrungen machen musste – wir können uns auch sagen: Weil ich diese Erfahrungen machen musste, will ich neue positivere, heilsamere Erfahrungen machen. Ich bin dazu bereit und ich werde das Notwendige dafür tun.
Wir können lernen HerrIn im eigenen Haus zu werden indem wir, nachdem wir begriffen haben, was in uns verletzt ist, dafür sorgen, dass wir uns nicht weiter selbst antun, was man uns als Kind angetan hat.
Das ist das Ende der Selbstablehnung und der Beginn der Selbstakzeptanz.
Warum ist das so schwer, warum dauert das so lang?, fragen mich KlientInnen oft.
Ich antworte dann: Wie lange glauben Sie, dass es dauert zu verändern, was sie über Jahrzehnte so getan haben wie sie es tun und ihnen in Fleisch und Blut übergegangen ist?
Wie lange denken Sie, braucht ein Trauma um davon zu genesen?
Wie lange denken Sie brauchen tief sitzende innere Überzeugungen um sich zu wandeln?
Es dauert so lang wie es dauert.
Es dauert weniger lang, wenn wir weniger denken und mehr in Handlung umsetzen, was wir bereits wissen und gelernt haben und nicht mehr dem alten Narrativ zu folgen, sondern unsere Geschichte ab jetzt neu zu schreiben. Das bedeutet: Kontinuierliche Arbeit mit uns selbst mit all den Werkzeugen, die wir an der Hand haben – und sie zu mögen, anstatt davon genervt zu sein, denn dann rutschen wir nur wieder in der Selbstablehnung. Es bedeutet Eigenverantwortung!
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Donnerstag, 13. April 2023
Aus der Praxis: Über den Schmerz
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Die erste edle Wahrheit im Buddhismus lautet: „Leiden gehört zum Leben dazu.“
Es muss Leid geben, denn ohne Leid würden wir den Unterschied zur Freude und zum Glück nicht wahrnehmen können. Nur wo Schatten und Dunkelheit ist, können wir das Licht überhaupt erst erkennen. Kein Mensch leidet freiwillig. Wenn es möglich wäre, würden sich viele von uns ein schmerzfreies, glückliches Leben wünschen. Doch das Leben sieht anders aus. Niemand von uns ist vor Schmerz, sei er emotional oder körperlich, gefeit und niemand von uns wird davon verschont. Schmerz ist ein Teil unserer Existenz, ebenso wie Wohlgefühl, Freude und Glück. Es gibt nur das ganze Paket Leben. Wissen tun wir das zwar alle, aber dieses Wissen hilft wie so oft nichts, wenn unser Erleben etwas anderes sagt.
Wir Menschen handeln im Wesentlichen aus zwei Motiven: Wir wollen Freude erleben und Schmerz vermeiden. Wobei Schmerz vermeiden das stärkere Motiv ist. Dabei ist emotionaler Schmerz erst einmal nur Schmerz, wenn wir nicht bewerten.
Wir könnten also sagen: Ja, ich empfinde Schmerz. Und ihn einfach da sein lassen. Könnten, die Wenigsten von uns können das. Wir wollen, dass er weg geht, am Liebsten schnell und ohne, dass wir etwas dafür tun müssen. Er geht aber nicht weg, weil wir das wollen. Schmerz bleibt solange bis wir uns emotional daraus gelöst haben. Das braucht bei jedem von uns mehr oder weniger viel Zeit. So wie jeder von uns anders auf schmerzvolle Erfahrungen reagiert. Je sensibler ein Mensch ist, desto intensiver fühlt. Es ist nicht das, was uns geschieht, sondern wie wir aufgrund unserer Sensibilität darauf reagieren. Mancher Schmerz ist so groß, dass er sich mächtiger anfühlt als wir selbst, es ist als würde er die totale Herrschaft über uns übernehmen. Mancher Schmerz ist sogar so groß, dass er nicht weg geht, dann dürfen lernen damit zu leben. Wie bitte, geht’s noch, wie kann sie so etwas sagen?, höre ich jetzt schon. Ich kann. Ich spreche aus Erfahrung, meiner eigenen und der einiger meine KlientInnen. Schmerz, der nicht weggeht, wird irgendwann breiter und leiser, aber er bleibt Teil unseres Lebens. Es ist möglich damit zu leben indem wir ihn akzeptieren. Und da liegt das Problem der Mehrzahl der Menschen: In der Nicht-Akzeptanz dessen, was wir nicht ändern können, im Widerstand gegen das, was unveränderbar ist und sei es Schmerz.
Wann immer wir emotionalem Schmerz ausweichen, wird der Schmerz größer und wir selbst werden immer kleiner und schwächer.
Wenn wir aber den Schmerz akzeptieren und durch den Schmerz hindurchgehen, wird der Schmerz irgendwann kleiner und wir selbst werden größer und stärker. Wir haben die Wahl: Wir geben den Widerstand auf und lassen uns auf den Schmerz ein. Das heißt auch, dass wir uns der Ursache unseres Schmerzes stellen. Der pragmatische Weg im Buddhismus lautet: Verstehe die direkten Ursachen in dir selbst für dein Leiden. Und hör auf, zu den Ursachen beizutragen. Dann verschwindet auch dein Leiden. Klingt krass stimmt aber.
Wir blicken dem Schmerz also ins Gesicht, anstatt ihn weghaben zu wollen.
Wir fühlen wo im Körper er sitzt und atmen ruhig ein und aus. Immer wieder, bis sich unser Körper durch den Atem beruhigt und damit unsere Seele. Wir hören auf mit dem untauglichen Versuch den Schmerz zu betäuben mit allem Möglichen oder uns abzulenken mit allem Möglichen, was dann doch nicht funktioniert. Ich kenne Menschen, die sich den Schmerz Tag für Tag wegtrinken. Je mehr sie trinken, desto größer wird ihr Schmerz. Sie trinken dann noch mehr und der Schmerz wird noch größer und noch dazu zerstören sie sich selbst und ja, dann hat der Schmerz auch ein Ende. Aber zu welchem Preis? Ich kenne sensible Menschen, die aus ihrem Schmerz heraus kreativ werden, Menschen, die Großartiges schaffen, ein Kunstwerk, eine Lebensaufgabe oder eine Vision. Sie wachsen an ihrem Schmerz und stehen auf wie Phönix aus der Asche.
Wer seinen Schmerz mit Betäubung oder Ablenkung verarbeiten möchte, wird schnell spüren, dass es nicht funktioniert. Wer seinen Schmerz nicht akzeptiert, ihn nicht zulässt, dem wird es nicht gelingen ihn aufzulösen und zu verarbeiten.
Schmerz holt uns ein, wenn wir seine Ursache nicht begreifen. Es ist hilfreich ihm auf den Grund zu gehen. Schmerz kann auch ein Hinweis auf etwas sein, was wir vielleicht ohne ihn nicht sehen konnten und nicht erfahren hätten. Eine meiner Klientinnen durchlebt gerade die Trennung von einem Partner, der sie immer wieder abgewertet, belogen und betrogen hat. Sie leidet unvorstellbar unter der Trennung. So sehr, dass sie nicht mehr leben will. Die wahre Ursache ihres Schmerzes ist jedoch nicht die Trennung an sich, das haben wir mit der Zeit herausgefunden, sondern die Tatsache, dass sie sich über Jahre hinweg schlecht behandeln ließ und ihre Würde missachtet hat. Sie hat keine Grenzen gesetzt, sich selbst nicht wertgeschätzt und diesem Mann ihre Liebe hinterhergetragen, nur um das Gefühl zu bekommen geliebt zu werden, was sie aber nur dann bekam, wenn sie in seinem Sinne funktioniert hat. Ihr tiefer Schmerz weist auf die Ursache hin, die in ihr selbst und ihrer Biografie liegt. Meine Klientin erkennt die Zusammenhänge. Sieht klar. Hat Einsichten. Sieht, was Sie künftig ändern kann, was sie tun wird und nicht mehr tun will, damit es anders wird. Sie lernt sich nach und nach selbst wertzuschätzen und sich selbst würdevoll und fürsorglich zu behandeln. Sie lernt Mitgefühl mit sich zu haben, liebevoll und voller Güte und Verständnis auf sich selbst zu schauen. Das ändert zunächst nichts an dem Schmerz, den sie empfindet, aber Selbstgefühl hilft ihn leichter zu ertragen ,es ändert etwas am Umgang damit und vor allem an ihrem zukünftigen Leben.
Schmerz hat auch etwas Reinigendes. Das sollten wir nicht unterschätzen. Er hat etwas Klärendes, indem er uns klar macht, wo wir unheilsam uns selbst gegenüber handeln oder anderen gegenüber.
Im Schmerz ist es wichtig ehrlich zu uns selbst zu sein. Uns zuzugestehen, dass wir jetzt durch die dunkle Nacht der Seele gehen. Uns zu erlauben, dass wir nicht wie gewohnt funktionieren und das zu achten. Wir müssen das jetzt nicht, weil wir es nicht können. Wir dürfen traurig sein, wir dürfen weinen, wütend und verzweifelt sein. Wir dürfen Angst haben. Wir dürfen all den Emotionen, die hochkommen, Raum geben, ohne uns dafür zu schämen oder zu verurteilen. Und zugleich dürfen wir gut für uns sorgen, auch wenn es schwer ist. Jetzt dürfen wir uns selbst wie eine hinreichend gute Mutter umsorgen und tun, was uns tröstet und wenn wir mit dem Teddy aus Kindertagen ins Bett gehen und ihn nass heulen. Wir gehen da durch - immer nur diesen einen Tag im Blick, die nächsten 24 Stunden.
Alles was tröstet, außer dem Unheilsamen, hilft den Schmerz zu lindern. Wir müssen uns selbst und anderen jetzt nichts beweisen, wir müssen nicht stark sein. Gerade in der Fähigkeit unsere Schwäche zuzugeben, liegt für mich eine große Stärke. Wir nehmen uns ernst.
Zum Menschsein gehört Schmerz. Wer etwas anderes glaubt hat das leben nicht verstanden. Unser Schmerz ist nichts wofür wir uns schämen sollten oder uns verstecken, damit die anderen es nicht bemerken. Wenn wir den Mut haben ehrlich zu uns selbst und zu anderen zu sein, können auch die anderen ehrlich zu uns sein. Sie dürfen sich öffnen und ihren eigenen Schmerz anerkennen und ihn aussprechen. Jeder von uns kennt ihn und mach einer von uns durchlebt ihn gerade. Reden hilft, mit Jemand, der keine guten Ratschläge gibt, mit Jemand, der uns ernst nimmt und uns wirklich zuhört, ohne zu bewerten. Mit Jemand, der uns Trost schenkt, der uns Mut macht und uns erkennen lässt, was wir gerade nicht sehen können, nämlich wie sinnvoll und wertvoll unser Leben ist, wie liebenswert wir sind, mit dem Schmerz. Eines sollten wir nicht vergessen: Wir sind nicht unser Schmerz, wir haben Schmerz. Andere Teile in uns sind durchaus fähig auch Momente der Freude, der Ruhe, des Friedens zu fühlen und bedacht und verantwortungsvoll zu handeln.
Alles, alles geht vorüber. Das Leben verläuft nicht linear. Das Leben trägt alles in sich. Und wir sind Lebendige. Und ja, auch der Schmerz, der bleibt, geht in gewisser Weise vorüber. Indem er sich wandelt und uns. Im besten Falle werden wir mitfühlender und gütiger uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber.
„Our lived lives, might become a protracted mourning for, or an endless tantrum about, the lives we were unable to live. But the exemptions we suffer, whether forced or chosen, make us who we are.”
Adam Phillips
Sonntag, 9. April 2023
Auferstehung






