Donnerstag, 24. September 2026

Resonanz

 



Einige von uns kennen das. Du fühlst viel. Du nimmst Zwischentöne wahr, spürst Veränderungen in der Stimmung eines Raumes, hörst, was zwischen den Worten schwingt, lässt dich von Menschen, Musik, Natur oder einem einzigen Satz tief berühren. Und trotzdem erlebst du manchmal erstaunlich wenig Resonanz. Du gibst etwas von dir in eine Beziehung, in ein Gespräch, eine Begegnung, einen Text und hoffst darauf, dass etwas zurückschwingt. Nicht unbedingt große Worte, nicht einmal dieselbe Intensität, nur ein kleines Zeichen, dass das, was in dir lebt, den anderen erreicht hat.
Doch oft kommt nichts zurück.
Du erzählst etwas, das dich bewegt und bekommst eine beiläufige Antwort. Du zeigst dich verletzlich und triffst auf Distanz. Du hörst aufmerksam zu, spürst den anderen, versuchst zu verstehen und merkst irgendwann, dass diese Bewegung fast ausschließlich in eine Richtung geht. Das kann einsam machen. Und das ist eine der schmerzhaftesten Erfahrungen für die, die viel fühlen: Nicht, dass sie zu viel fühlen, sondern dass das, was sie fühlen, so selten auf etwas trifft, das zurückschwingt.
 
Dann beginnst du irgendwann, an dir selbst zu zweifeln. Du fragst dich, ob du zu empfindlich bist, zu tief, zu kompliziert. Ob du weniger fühlen solltest, weniger von dir zeigen. Und am Besten: Nichts erwarten.
Nein. Es geht nicht darum weniger zu fühlen. Du musst nur aufhören, deine Tiefe dort zeigen zu wollen, wo keine Resonanz entstehen kann. Resonanz lässt sich nicht erzwingen. Du kannst dich öffnen, ehrlich sein, zuhören, dich berühren lassen und antworten, aber du kannst nicht beeinflussen, ob etwas zurückkommt. Und genau darin liegt ihre Schönheit und ihre Zumutung: Du kannst Resonanz nicht herstellen. Du kannst nur Räume schaffen, in denen sie möglich wird.
Manche werden dir dort begegnen. Andere nicht.
Es geht darum, den Unterschied zu erkennen, ohne deshalb dein eigenes Fühlen kleiner zu machen.


Angelika Wende
www.wende-praxis.de

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