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| Malerei: A.W. |
Ich sitze im Sessel in der Buchhandlung und lese. Ein Mädchen, vielleicht zwölf Jahre alt, setzt sich auf den Sessel neben mir. Was machst Du? fragt sie mich.
Ich lese antworte ich.
Sie sagt: Gut, lies weiter. Ich wende mich wieder meinem Buch zu. Ich spüre ihren Blick.
Ich frage sie, ob die auch gerne liest. Ja, sagt sie, springt auf, holt ein Buch, setzt sich, schlägt es auf und liest laut vor. Ihr Gesicht ist vollkommen ausdrucklos. Ihre Worte sind schwer verständlich.
Ich sage, du kannst schön lesen. Ja, sagt sie.
Ich frage sie, wie sie heißt. Das darf ich nicht sagen, kommt die Antwort.
Wo ist deine Mama?, frage ich weiter. Dort hinten, sagt sie und zeigt mit dem Finger auf eine junge Frau. Die Frau ruft: Anna komm, wir gehen. Anna schüttelt fast unmerklich den Kopf, sieht mir tief in die Augen, wendet sich ihrem Buch zu und liest weiter vor.
In diesem Moment habe ich ein so tiefes Gefühl von Verbundenheit mit diesem Mädchen, wie es lange nicht gespürt habe. Da ist etwas zwischen Anna und mir, für das ich keine Worte finde.
Als die Mutter kommt um Anna zu holen, wehrt sich Anna mit einem lauten „Nein!“
Anna will nicht gehen. Sie will bleiben. Ich will, dass Anna bleibt, noch eine Weile. Anna wehrt sich immer lauter. Ich stehe auf und sage: Anna, ich muss jetzt gehen.
Ja, sagt sie plötzlich ganz ruhig. Ich verlasse die Buchhandlung. Heute Morgen denke ich noch immer an Anna und so seltsam es klingt, ich vermisse sie.

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