Malerei: A.WendeHeute feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Die Wiedergeburt des Gottessohnes – ein Sieg über den Tod. Mit dem Auferstehungsglauben verbindet sich für viele gläubige Menschen die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben behält, dass unser Dasein nicht endlich ist, dass es mehr gibt als dieses eine Leben, das mit dem Tod endet. Jesus selbst ist das Licht der Welt, das mit der Osterkerze in die Kirche hineingetragen wird. Jesus ist Liebe und Frieden – ein Licht im Dunkel.
Liebe und Frieden.
Diese Worte erscheinen mir an diesem Ostersonntagmorgen wie etwas Zerbrechliches. Wo ist die Liebe ? Die Menschenliebe, die Nächstenliebe? Die Selbstliebe? Wo ist der Frieden?
„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“, steht im Korinther 13 zu lesen. Zweifel legen sich über diesen Satz, wie ein Schatten, der immer länger wird. Diese drei werden immer leiser in unserer Welt.
Zu viel stellt die Liebe in Frage. Zu viel erschüttert den Glauben. Zu wenig nährt die Hoffnung. Es herrscht Krieg in der Welt. Aufrüstung, Worte verhärten sich, Grenzen ebenso. Eskalation statt Deeskalation. Zerstörung statt Frieden. Es ist, als hätte sich etwas verschoben in der Welt – und in uns. Die Hoffnung tastet im Dunkeln. Sicherheit wird zu einer Erinnerung. Wir spüren es, auch wenn wir es nicht immer laut aussprechen. Eine Unruhe, die bleibt. Eine Angst, die wächst. Der Glaube wird brüchig. Der Boden unter uns gibt nach.
Was bleibt?, frage ich mich, dort, wo Dunkelheit sich ausbreitet.
Was bleibt, ist die Liebe … „die Liebe ist die größte unter ihnen“.
Sie ist kein Versprechen. Kein schneller Trost. Eher ein leises, beharrliches Dagegenhalten. Die Liebe ist das Einzige, woran wir uns halten können, wenn das Verlässliche zerfällt und das Dunkle wütet.
Aber reicht sie?
Kann sie retten? Kann sie heilen, was zerbrochen ist? Kann sie das Leid abwenden, den Frieden hervorbringen?
Unsere Wirklichkeit sagt: nein. Nicht in dem Maße, wie wir es uns ersehnen. Nicht so, dass das Dunkel weicht. Und dennoch - ohne Liebe ist alles nichts.
Sie stellt sich der Angst entgegen. Still, sanft aber unnachgiebig. Die Liebe setzt dem Dunkel kein Ende, aber sie setzt ihm etwas entgegen. Vielleicht liegt darin ihre stärkste Kraft, dass sie bleibt, auch wenn nichts mehr sicher ist und die Angst wächst wie eine giftige Pflanze und uns betäubt, mutlos und ohnmächtig macht. Liebe zeigt sich im Kleinen: im ersten Grün der Bäume, in der Schönhei der Dinge, in unserem Atem, der kommt und geht, ohne unser Zutun. Im Lächeln eines Kindes. In der Wärme einer Umarmung. In einer Geste der Güte und Menschlichkeit. Sie zeigt sich in dem, was uns trägt und hält, in dem, was wir lieben. In geliebten Menschen, in Verbundenheit, in einer Vision, die wir nicht aufgeben. In jedem „Trotzdem“, das in uns lebt, selbst dann, wenn alles dagegen spricht.
Das ist Liebe zum Leben. Solange wir leben.
Liebe zum Leben ist ein Ja.
Kein lautes, aber ein entschiedenes. Ein Ja, das auf(er)steht. Immer wieder. Auch im Dunkel. Gerade dort. Und was das Leben über den Tod hinaus angeht – es entzieht sich uns. Was bleibt, ist das Hier und Jetzt. Und die Frage, wie wir darin leben wollen. In Liebe, oder ohne sie. Im Krieg oder im Frieden, mit uns selbst und unseren Nächsten. Liebe nimmt hier ihren Anfang - in uns selbst, für uns selbst. Weil wir nur weitergeben können, was in uns lebendig ist. Weil ein Herz, das sich sich selbst verschließt, auch dem Anderen nicht offen begegnen kann. Weil Güte, die wir uns selbst verweigern, nicht dem Anderen gegeben werden kann. Erst wenn wir uns selbst mit liebevoller Güte annehmen, mit Nachsicht statt Härte, mit Mitgefühl statt Urteil, entsteht ein Raum, in dem Liebe wachsen kann - über uns selbst hinaus, hin zum Nächsten. Aus unserem Inneren heraus wird Liebe lebendig, sie ist und sie bleibt, auch dann, wenn es schwer wird.
Jesus kam und zeigte, für einen Moment in der Zeit, was ein Mensch sein könnte. Jesus ist Liebe. Gelebte Liebe. Gelebter Frieden. Möge dieses Osterfest uns daran erinnern.
"They may say i'm a dreamer but i'm not the only one ..."
John Lennon
Angelika Wende
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