Donnerstag, 12. Februar 2026

Innere Blockaden, die dich am Leben hindern

 

Malerei: A.Wende

Innere Blockaden, die dich am Leben hindern ...

 

Angst, weil du überall Gefahr und Bedrohung siehst, dein Nervensystem ständig im Alarmzustand ist, bereit für Kampf, Flucht oder Erstarren.  

Wenn du nichts mehr versuchst, dich nicht mehr öffnest, wenn du Situationen und Handlungen vermeidest, weil du Angst hast wieder verletzt zu werden oder es nicht zu schaffen.  

 

Schuld, weil du denkst du hast fatale Fehler begangen, anderen oder dir selbst Schaden zugefügt, denkst, du hättest es besser machen können und glaubst nichts Gutes mehr verdient zu haben, sondern Strafe und Sühne.

 

Scham, weil du beschäm wurdest, gedemütigt, belogen, betrogen und verraten, und am liebsten im Erdbodden versinken willst, weil du gefühlt dein Gesicht und deine Würde.  verloren hast.

 

Groll, weil du stillen Ärger oder stummen Hass in dir trägst, du unverzeihlich bist, mit dem was war, immerzu mit dem Leben haderst und Kränkungen nicht verarbeiten kannst.

 

Wut, weil du Ungerechtigkeit, Grenzverletzungen und Ohnmacht erleben musstest und dich nicht wehren konntest.

 

Verbitterung, weil du eine schwere Enttäuschung, Ungerechtigkeit, Kränkung, Vertrauensbruch oder eine massive Verletzung deiner Werte erleben musstest und ein anhaltendes, tief sitzendes Gefühl von Groll, Wut und Hilflosigkeit in dir trägst, es dir nicht gelingt die Erfahrung zu verarbeiten, du dich machtlos und als Opfer fühlst und das Leben anklagst, dass es nicht gut mit dir meint, obwohl du Besseres verdient hast und du nicht die Verantwortung übernimmst das Geschehene zu verarbeiten.

 

Opferhaltung, weil du dich als machtloses Opfer der äußeren Umstände, des Schicksals oder anderer Menschen empfindest, in Klage, Jammern und Selbstmitleid versinkst, dich mit der Opferrolle identifizierst und keine Verantwortung übernimmst da raus zu kommen, weil du glaubst keine Kontrolle über dein Leben zu haben oder dass es unmöglich ist sie zurückzugewinnen.

 

Nostalgie, weil deine Erinnerungen dich als Geisel halten, du wehmütig in die Vergangenheit blickst, sie idealisierst und alles Ungute ausblendest oder beschönigst und davon überzeugt bist, dass es nie mehr gut oder besser sein kann als Damals.

 

Bedauern, weil du ein Gefühl der Schuld über vergangene Taten hast, die dir selbst oder einem anderen Schaden zugefügt haben und den tiefen Wunsch nach Wiedergutmachung verspürst, der jedoch nicht erfüllt wird.

 

Bereuen, weil du ständig dieses "Was wäre wenn“ Denken hast. „Wenn ich anders gehandelt hätte, wenn ich es besser gemacht hätte, wenn ich anders entscheiden hätte, wenn ich diese Chance genutzt hätte, wenn ich das nicht getan hätte …" und nicht fähig bist zu akzeptieren was war und dir keine Chance gibst nach vorne zu blicken. 

 

Chronische Trauer, weil du über eine extrem lange Zeit eine extreme Sehnsucht nach dem Verlust oder dem Verstorbenen hast, dich ständig mit dem Verlust beschäftigst, er dein ganzes Fühlen und Leben dominiert, deinen Alltag massiv beeinträchtigt, du Wut und Schuldgefühle in dir trägst, emotional taub bist, dein Leben als absolut sinnlos empfindest und unfähig bist, den Verlust zu akzeptieren und ihn zu integrieren.

 

 

Angelika Wende

www.wende-praxis.de 

Mittwoch, 11. Februar 2026

Es ist Trauma

 

Zeichnung: A.Wende

 
Es ist Trauma
Es ist nicht deine Schuld!
Nicht, was dir widerfahren ist.
Nicht, was du ertragen musstest.
Nicht, was du tun musstest, um zu überleben.
Nicht, was du noch heute tust, um zu überleben.
Es ist nicht deine Schuld, dass sich deine Seele und dein Nervensystem an Dinge anpassen mussten, die nie hätten sein sollen. Es ist nicht deine Schuld, dass du immer noch an etwas leidest, das von Anfang an unheilsam war.
 
Es ist nicht deine Schuld …
dass du etwas trägst, was nicht deins ist
dass du dich für etwas schämst, was nicht deins ist
dass dich Dinge triggern, die im Jetzt keine Bedrohung sind
dass du Dinge und Situationen aus Angst vermeidest
dass du manchmal nichts oder zu viel fühlst
dass du dich oft überfordert und unendlich erschöpft fühlst
dass du dich manchmal ohnmächtig und hilflos fühlst
dass dein Nervensystem überreagiert und Alarm schlägt
dass es du noch immer im Überlebensmodus feststeckst
dass dein Herz rast, du zitterst, dir der Atem stockt und dein Bauch weh tut
dass du dich schlecht konzentrieren kannst, reizbar bist und überempfindlich
dass du keine oder nur schwer Grenzen setzen kannst
dass du dich oft einsam fühlst, auch unter Menschen
dass du dich manchmal von dir selbst und anderen getrennt fühlst
dass du nicht immer gut für dich sorgst und dich selbst nicht genug liebst
Es ist nicht deine Schuld, dass du seit Jahren an dir arbeitest, versuchst zu heilen und es nur langsam vor sich geht, mit Rückschlägen oder bisher nicht. 
 
Es ist nicht deine Schuld!
Es ist Trauma.
Es ist Deine Stärke und dein Mut, dass du nicht aufgibst und lernst damit zu leben.
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Montag, 9. Februar 2026

Schreibworkshop: „Schreib es dir von der Seele“

Ein Raum für Dich. Deine Worte. Deine Wahrheit.

 


 

Manchmal sind Gedanken zu laut, Gefühle zu schwer oder Worte zu lange unausgesprochen geblieben. In diesem Schreibworkshop bekommst du die Möglichkeit, dir alles von der Seele zu schreiben – ohne Druck, ohne Bewertung, ohne literarischen Anspruch.

In diesem Workshop steht das freie Schreiben als Ausdruck innerer Prozesse im Mittelpunkt, jenseits von Leistungsdruck, Bewertung oder Erwartungen. Durch angeleitete Schreibimpulse erhalten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, Gedanken und Gefühle zu ordnen, sich selbst achtsam zu begegnen und emotionalen Ballast loszulassen.

Der Workshop richtet sich an alle Interessierten – unabhängig von Schreiberfahrung.
Wir scheiben in einer wertschätzenden, geschützten Atmosphäre.
Ein Austausch in der Gruppe ist möglich, aber nicht verpflichtend.

„Schreib es dir von der Seele“ ist eine Einladung, innezuhalten, nach innen zu hören und aufzuschreiben, was gehört werden will.

Manches will nicht gedacht, sondern geschrieben werden.
In diesem Workshop darf alles aufs Papier, was dich bewegt – ungefiltert, ehrlich, nur für dich. Deine Texte gehören dir – sie dürfen wachsen, ruhen oder auch gehen. Und wenn du magst, in der Gruppe geteilt werden.

Kein „richtig“.
Kein „schön“.
Nur du & deine Worte.

Geschützter Raum. Sanfte Schreibimpulse. Freiwilliger Austausch, kein Teilen müssen.

Für alle, die sich selbst zuhören möchten.

 

Was dich erwartet

  • geführte, sanfte Schreibimpuls
  •  freies, intuitives Schreiben
  •  Übungen zum Loslassen und Klären
  •  ein geschützter Raum in wertschätzender Atmosphäre
  • Schreiben als Ventil für Emotionen & Klarheit
  • freiwilliger Austausch – oder stilles Bei-sich-Bleiben

 

Für wen

Für alle, die

  • sich selbst besser verstehen möchten (Selbstkenntnis)
  • Gedanken und Gefühle sortieren wollen
  • Klarheit gewinnen wollen
  • Innere Stabilität gewinnen wollen
  • Neues entdecken wollen
  • Innere Blockaden lösen wollen
  • einen kreativen Zugang zu sich selbst suchen
  •   Kreative Selbstfürsorge im Alltag fördern wollen
  •  keine Schreiberfahrung mitbringen (oder sie vergessen wollen)

 

Muss ich vorlesen?
Nein. Teilen ist immer freiwillig.

Muss ich gut schreiben können?
Nein. Es geht nicht um Stil, sondern um Ehrlichkeit.

Ist das therapeutisch?
Nein, aber es kann sehr entlastend wirken.

Was, wenn Gefühle hochkommen?
Du darfst jederzeit pausieren oder still bleiben.

 

Was du mitnimmst

  • Kreative Erfahrung
  • Emotionale Entlastung
  • Neue Perspektiven
  • Tiefe Verbindung mit dir selbst
  • Texte, die nur dir gehören

Vorkenntnisse sind nicht nötig. Alles darf, nichts muss.

 

Über mich


 


 

 

 

Ich bin Autorin und Coach. Ich leite Schreibworkshops mit dem Fokus auf intuitives, persönliches Schreiben. Ich begleite Menschen im Schreiben, um loszulassen, sich zu spüren und Worte als Kraftquelle zu nutzen. Schreiben ist für mich ein stiller, ehrlicher Weg nach innen. Ein Weg, um dem Raum zu geben, was oft keinen Platz findet – Gedanken, Gefühle, Zweifel, Sehnsüchte, Träume, Erinnerungen, Fragen. In meinen Workshops schaffe ich einen geschützten Rahmen, in dem nichts geleistet werden muss.

Es geht nicht darum, schöne Texte zu schreiben, sondern wahre. Nicht darum, etwas zu erklären, sondern sich selbst zuzuhören. Ich glaube daran, dass Worte entlasten können. Ich weiß, dass Schreiben heilsam ist. Und dass jeder Mensch seine eigene Sprache in sich trägt, auch oder gerade dann, wenn sie leise ist. Als Autorin weiß ich um die Kraft von Sprache – und um ihre Zerbrechlichkeit. Deshalb begleite ich achtsam, ruhig und ohne Bewertung. 

Alles darf entstehen. Nichts muss geteilt werden.
Deine Worte gehören dir.
Ich halte Räume für Schreiben ohne Druck.
Für Menschen, die sich selbst zuhören möchten.

 

Schreib dich frei. Schreib dich leer. Schreib dich zu dir selbst.

 


Leitung: Angelika Wende
Dauer: ca. 3 Stunden an 4 aufeinanderfolgenden Samstagen

Beginn: 28. Februar 2026 von 14 Uhr bis 17 Uhr

Ort: WfK Wiesbadener Freie Kunstschule, Friedrichstrasse 7, 65185 Wiesbaden

Teilnahmegebühr: 200 €    

 

Gerne kannst Du mit dabei sein - melde dich einfach hier an:

Mob. 0171 9322364

Mail:  aw@wende-praxis.de oder unter: info@w-f-k.de

 

 

Donnerstag, 5. Februar 2026

Dämonen

 



„Ich kämpfe gegen die Dämonen, sie sollen nicht bei mir wohnen, sie sollen gehen", lautet eine Zeile in einem Lied von Ich & Ich. Die Dämonen, das sind alle unerwünschten Gedanken und Gefühle. Das sind unsere inneren Reaktionen, unsere Schatten, Triebe und Süchte, unsere traumatischen Erlebnisse und Erinnerungen, alles, was wir in uns nicht haben wollen. 
 
Die Betonung liegt auf:„in uns“.
Die Dämonen sind in uns, nicht außerhalb von uns.
In uns leben sie ihr Eigenleben, das uns vermeintlich an einem gelingenden Leben hindert. Also denkt unser Hirn: Die müssen weg! Ich muss sie loswerden, vernichten, zerstören. Und wir kämpfen und kämpfen gegen sie an, während die Dämonen ruhig dasitzen und denken: Was macht der Mensch da eigentlich für eine selbstzerstörerische Anstrengung? 
 
Dämonen kennen sich aus mit Zerstörung.
Sie sind aus Zerstörung geboren, es liegt ihnen sozusagen im Blut. Sie sind geboren aus all dem Unheilsamen, was wir von Kindesbeinen an erfahren mussten. Ihr Name ist: Überlebensstrategie. Ihre Wahrheit ist: Sie wollen uns nicht schaden, sie glauben uns mit ihrem dämonischen Gehabe zu schützen. Leider sind sie ziemlich dumm und haben noch nicht begriffen, dass wir keine kindlichen Schützlinge mehr sind. Manche von uns übrigens auch nicht, auch wenn wir längst erwachsen sind.
Lange Zeit in meinem Leben habe ich gegen meine Dämonen gekämpft. Doch jeder kurzfristige Sieg war ein Pyrrhussieg, jedes Vertreiben wollen führte nur dazu, dass sie noch mächtiger zurückkamen. Auch der Versuch Kontrolle über meine Dämonen zu erlangen, klappte nicht. Genau das, was ich nicht wollte, wuchs an, weil ich meine ganze Aufmerksamkeit darauf richtete. Und alles worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, verstärkt genau das. Ich gebe ihm Futter und nähre es. Kontrolle, meint unser Gehirn, ist ein gutes Prinzip. Aber es denkt oft nicht weiter, nämlich indem es fragt: Wann funktioniert Kontrolle und wann nicht? Wann geht sie nach hinten los und verschlimmert was ist? Dämonen und die Gefühle, die sie in uns auslösen, lassen sich nicht kontrollieren, sie lassen sich bestenfalls regulieren und zwar nicht mittels Kontrolle, sondern indem wir sie da sein lassen ohne sie zu bewerten.
Keine gute Strategie also, das mit dem „Sie sollen gehen!“ oder das mit dem Kontrollieren. Der Holzweg sozusagen. Ich musste ziemlich alt werden, um das zu akzeptieren und das Entscheidende: Es auch zu verinnerlichen. 
 
Wie wollen wir denn etwas zerstören, was zu uns gehört, was wir selbst erschaffen haben, als wir keinen anderen Ausweg sahen um emotional zu überleben? Dann müssten wir unsere Ganzheit zerstören.  
So wie in der Matrix, wo der gute Neo gegen den bösen Agent Smith kämpft. In „Matrix Revolutions“ endet der Kampf zwischen Neo und Smith übrigens damit, dass Neo sich opfert um Smith auszulöschen. Schluss, aus Ende. Endlich Ruhe. Kein Dämon mehr und kein Neo mehr. Und umgekehrt. Jeder Kampf gegen unsere inneren Dämonen ist ein sinnloser und kraftzehrender Kampf - ein Kampf gegen uns selbst. Viele wissen es sogar, allein es fehlt der Glaube oder das Hirn weigert sich vehement es zu verinnerlichen.
Und damit bin ich am springenden Punkt: Es geht um das Verinnerlichen. Das, was innerlich ist, alles, auch unsere Dämonen, will integriert werden. Und das bedeutet sie in uns hineinnehmen, sein lassen, akzeptieren, uns in unserer Ganzheit mit liebvoller Güte annehmen und aufhören mit dem selbstdestruktiven Widerstand, und hinterfragen warum ein innerer Dämon sich gerade wieder aufbläst und wovor er uns schützen will. Unsere Dämonen wollen einfach nur da sein dürfen, sie wollen, dass wir uns um sie kümmern, sie möchten mitkommen dürfen auf unserem Weg. Dann werden sie sanfter und hören auf gegen uns zu kämpfen und wir gegen sie.
 
Es geht nicht um Loswerden oder Zerstören, weil das sowieso nicht geht - es geht um Entwicklung. Es darum ganz, integriert und damit innerlich stabil zu werden. 
Wenn wir aufhören gegen uns selbst zu kämpfen, geschieht etwas Erstaunliches: Friedliche Koexistenz aller inneren Anteile. Also, nicht gegen die Dämonen, sondern mit den Dämonen. Mit der Bereitschaft sie mitzunehmen auf unserem Weg. Wir haben die Wahl, ob wir das tun oder nicht. Tun wir es nicht, geben wir ihnen die Macht über uns, dann sagen sie wo es lang geht. 
 
„Der Mensch kann immer noch nicht zwischen Entwicklung und Zerstörung unterscheiden.“
Stefan Rogal
 
 
Angelika Wende
aw@wende-praxis.de

Dienstag, 3. Februar 2026

Kein richtiges Leben im Falschen

 



Unruhe, Hektik, Menschen, die dicht nebeneinander stehen, aneinander vorbeigehen, ohne den Blick zu heben. Der klebt am Handy. Der alte Mann fällt, als er in den Bus steigen will. Niemand reagiert. Keiner nimmt ihn wahr. Ich bitte einen jungen Mann mir zu helfen ihn vom Boden aufzuheben. Genervt steckt er sein Smart Phone in die Jackentasche und erbarmt sich schließlich. Dem alten Mann ist nichts passiert.
 
Endlich wieder zuhause, raus aus der Masse, frage ich mich zum hundertsten Male in welcher Welt ich lebe. Ich weiß es doch längst, was wundere ich mich noch und trotzdem lässt mich das Gefühl nicht los: Ich will hier weg, ganz weit weg. Weltflucht, aber wohin? Nach Vietnam zu meinem Sohn, der es hier auch nicht mehr ausgehalten hat. Ja, vielleicht mache ich das, wenn ich es hier überhaupt nicht mehr aushalte.
Aber jetzt bin ich hier. Das ist mein Jetzt.
Jetzt muss ich meinen Geist beruhigen. Ohne ein Werkzeug um unseren Geist zu beruhigen, schlägt er mit Gedanken nur so um sich. Als Folge davon machen uns Probleme, Ängste, Unsicherheiten, Befürchtungen, Verwirrungen und Vorstellungen benommen oder sie überwältigen uns. Das ewige Affengeschnatter im Kopf lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Aber Ruhe ist entscheidend für einen klaren Geist und ein mitfühlendes Herz. Sie ist entscheidend um im Chaos gelassen zu bleiben. Sind wir ruhelos sind wir nicht bei uns selbst, wir sind anfällig für alles, was von Außen auf uns einströmt, wir lassen uns manipulieren und verführen, wir schweifen ab aus dem, was ist, wir sehen nicht einmal was direkt vor unseren Augen geschieht. Ich denke an den alten Mann.
 
Ruhelosigkeit sucht nach immer mehr Unruhe.
Sie schwingt in der Resonanz unruhiger Energie und bäumt sich immer weiter auf. Wir werden nervös und fahrig, uns zu konzentrieren fällt uns schwer. Achtsamkeit geht vollends flöten.
Sind wir ruhelos, sind wir nicht im Jetzt.
Ruhelosigkeit verschlingt die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ruhelosigkeit steckt fest in der Anspannung und lässt Entspannung nicht zu. Sie führt dazu, dass wir uns in ein geistiges Gefängnis einsperren.
Die Folge davon: Unser Wahrnehmung ist fixiert auf das, was wir schon immer wahrnehmen, wir spulen das immer gleiche alte Programm ab, wir leben in Wiederholungen, Gewohnheiten, Projektionen, Kompensationen und Zerstreuungen, in virtuellen Welten, die uns abzulenken von uns selbst und uns vom Nächsten trennen.
Wir verpassen dabei eine ganze Menge Leben, das anders sein könnte, als das, was uns unser Gedankengefängnis als Realität vorgaukelt. Wir verpassen dabei die kostbaren Augenblicke des Guten, Wahren und Schönen, das es auch gibt, würden wir es nur wahrnehmen können. Wir leben in Achtlosigkeit dem Jetzt gegenüber und anderen gegenüber. Wir sind getrieben vom Wollen und Haben all dessen, was jetzt nicht ist. Wir schwanken ohne festen Boden unter den Füßen und fühlen uns unsicher, orientierungslos und ängstlich. Wir verlieren die innere Freiheit und unsere Lebendigkeit erstickt. Alles fühlt sich hohl und fad an. Wir schlafen, anstatt wach das Leben in seinem ganzen Reichtum zu erfahren. Und das Gefühl im falschen Leben zu sein wächst.
"Es gibt keine richtiges Leben im Falschen", schreibt Adorno.

Montag, 2. Februar 2026

Warum KI keine Therapie ersetzt

 


Immer mehr Menschen wenden sich an ChatGPT um über ihre intimsten Gedanken und ihre seelischen Probleme zu sprechen, besser: zu schreiben. Und sie bleiben hängen. Sie haben das Gefühl endlich verstanden zu werden. Wozu also noch eine Therapie machen, wenn der Therapeut so greifbar nahe ist, immer dann wenn ich den PC hochfahre?
 
Der freundliche Fake-Therapeut hört geduldig zu, wirkt empathisch, wohlwollend, zugeneigt und geradezu herzlich. Er tut so, als hätte er eine Ahnung wie es einem geht. Er erklärt und strukturiert das Thema und gibt Hilfestellungen. Er setzt sogar an den passenden Stellen Emojis. Der Eindruck, der entsteht: Endlich habe ich einen echten Gesprächspartner, auf den ich mich zu jeder Tages -und Nachtzeit beziehen kann, der verlässlich ist und der mir bei meinen Problemen hilft. Dass das Gegenüber nicht echt ist, sondern künstlich und darauf programmiert wie ein Mensch zu reden, wird dabei von den meisten Nutzern ausgeblendet. 
 
Stellt sich die Frage: kann Künstliche Intelligenz eine Therapie ersetzen? 
 
Klares Nein. Chat CPT ersetzt keine Therapie und keinen Therapeuten. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass Therapie nicht allein aus Worten besteht, sondern aus lebendiger Beziehung.
"Was in Beziehung krank wurde, kann nur in Beziehung heilen“ ist ein Leitsatz der Psychologie und beschreibt etwas sehr Essenzielles: Heilung braucht neue Beziehungserfahrung.
Eine, in der jemand bei uns bleibt, obwohl wir unsere Gefühle zeigen. Heilung braucht eine Beziehung in der unsere Grenzen respektiert werden, in der Konflikte ausgehalten und gelöst werden, in der wir nicht funktionieren müssen, keine Rolle spielen müssen um wertfrei angenommen zu sein, in der wir alles sagen dürfen, ohne Angst zurückgewiesen zu werden. Erst durch wiederholte, korrigierende positive Erfahrungen mit einem lebendigen Gegenüber lernt unser Nervensystem: "Nähe ist nicht gefährlich. Ich darf ich selbst sein. Ich werde nicht bewertet, beschämt oder verlassen. "
Dabei geht es um Co-Regulation. 
 
Ein Therapeut hilft dabei, unsere Gefühle zu halten, bis wir sie selbst halten können, bis wir uns selbst halten können.
Die therapeutische Beziehung bietet dafür den geschützten Raum. Sie ist im besten Falle eine Beziehung mit Klarheit, Verlässlichkeit, in der alte Muster sichtbar werden und sich verändern dürfen. Ein menschlicher Therapeut ist ein echtes Gegenüber. Er zeigt Präsenz, Empathie und Mitgefühl, er besitzt Verantwortung und die Fähigkeit, eine tragfähige emotionale Bindung aufzubauen. Diese tragende Beziehung ist der wichtigste Wirkfaktor in jeder Therapie und in jedem Coaching.
Therapeuten nehmen weit mehr wahr als das Gesagte.
Sie achten auf Gestik, Mimik, Körpersprache, Tonfall, Pausen, Widersprüche und erspüren unausgesprochene Gefühle. Sie reagieren nicht nur logisch, sondern auch intuitiv, und passen sich an die jeweilige Situation und ihr Gegenüber an.
Eine KI hingegen erkennt Muster in Worten und Sprache, nicht aber die tiefere Bedeutung dahinter, vor allem nicht in emotional hochbelasteten Situationen. In Krisen, bei Selbstgefährdung oder Traumata tragen Therapeuten eine fachliche und ethische Verantwortung. Sie können Risiken einschätzen, Notfallpläne erstellen und für konkrete Hilfe sorgen. Eine KI kann das nicht leisten, außer der Nummer der Telefonseelsorge hat sie nicht viel zu bieten. Eine KI bleibt immer ein künstliches Werkzeug ohne echte Handlungsmöglichkeiten und vor allem: ohne Haftung.
 
Therapie ist nicht immer angenehm.
Veränderung erfordert auch das Ansprechen schmerzhafter Themen. Ein Therapeut kann diesen Prozess halten und begleiten, auch wenn es emotional belastend wird. KI hingegen ist darauf programmiert, konfliktarm und unterstützend zu bleiben, sie vermeidet bewusst Druck und Konfrontation.  
Genau das empfinden aber viele Nutzer als angenehm, es wird ihnen quasi nach dem Mund geredet.
Echte Selbstreflexion und tiefgreifende Veränderung kann so nicht stattfinden, geschweige denn kann eine KI Angststörungen, Zwänge, Borderline-Störungen oder Depressionen behandeln.
Veränderung in der Therapie entsteht eben nicht allein durch Verständnis, Bestätigung, wohlwollende Worte und freundliche Tipps. So wichtig Empathie und Akzeptanz auch sind – nachhaltige Entwicklung braucht Konfrontation.
Gute Therapie bedeutet nicht, jedes Verhalten zu bestätigen, sondern auch unangenehme Wahrheiten zu erkennen und sie anzusprechen. Ein Therapeut spricht Widersprüche an, macht auf selbstschädigende Muster aufmerksam und benennt Vermeidungsstrategien, selbst wenn das im ersten Moment beim Klienten Widerstand, Scham oder Wut auslösen kann. Er lässt sich nicht in destruktive Dynamiken hineinziehen Er spiegelt seine Klienten, wenn Grenzen überschritten oder Verantwortung abgegeben wird. All das wirkt heilsam, weil Beziehung auf eine neue, gesunde Weise erlebbar wird.
Tiefgreifende Veränderung geht immer mit emotionaler Reibung einher.
Wenn alte Schutzmechanismen hinterfragt werden, vertraute Überlebensmuster und alte Bewältigungsstrategien wegfallen, entstehen zunächst Unsicherheit und Angst. Ein guter Therapeut hält diese Reibung aus, ohne sie zu glätten. Er bleibt präsent, auch wenn es schmerzhaft wird, er unterstützt den Klienten dabei, belastende Gefühle zuzulassen und zu verarbeiten. Er hilft ihnen aktiv dabei sie zu regulieren, statt ihnen mit wohlwollenden Worten und küchenpsychologischen Ratschlägen auszuweichen.
 
Künstliche Intelligenz hingegen ist bewusst darauf ausgelegt, unterstützend, validierend und konfliktreduzierend zu reagieren. Sie vermeidet Druck und direkte Konfrontation, weil sie keine Verantwortung übernehmen kann und darf. Sie ist unfähig emotionale Belastung zu halten. Dadurch werden problematische oder selbstschädigende Muster kurzzeitig beruhigt und nachhaltig verfestigt, anstatt sie prozesshaft zu verändern. Was sich kurzfristig entlastend anfühlt, führt nicht zu langfristigem Wachstum und schon gar nicht zur Heilung psychischer Probleme oder Persönlichkeitsstörungen.
 
Therapie nutzt Konfrontation gezielt und verantwortungsvoll als Werkzeug. Nicht um zu verletzen, sondern um eine Entwicklung in Gang zu setzen und sie so zu ermöglichen. Gerade in Momenten, wenn es irritiert oder schmerzhaft wird, entsteht oft tiefgreifende Veränderung. Genau das: Beziehung, Spannung, Korrektur und Aushalten kann eine KI nicht leisten.
Fazit: KI ist nicht völlig nutzlos. Sie kann informieren, beim Sortieren von Gedanken helfen, Reflexion anstoßen und Menschen dabei unterstützen, Worte für ihre Probleme zu finden. Sie ist ein Hilfsmittel, aber sie ist kein Ersatz für die tiefgreifende Arbeit an uns selbst. Heilen kann eine KI nicht. Heilung braucht ein menschliches Gegenüber, sie braucht eine echte, sichere, tragfähige menschliche Beziehung. Eine Therapie ist viel mehr als ein gutes Gespräch, sie braucht Verantwortungsbewusstsein und echte emotionale Resonanz – und genau das kann eine herz- und seelenlose Maschine nicht ersetzen.
 
 
 
Zur besseren Lesbarkeit habe ich das generische Maskulinum verwendet, alle Geschlechter sind jedoch eingeschlossen. 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Sonntag, 1. Februar 2026

Der Rebound-Effekt

 



Unangenehme Gefühle sind nichts Schönes und schwer auszuhalten. Darum neigen viele Menschen dazu diese Gefühle zu unterdrücken. Ein unangenehmes Gefühl kommt hoch und wir drücken es weg, es soll uns in Ruhe lassen, weil wir gerade null Bock darauf haben uns schlecht zu fühlen. Wir lenken uns ab, beschäftigen uns mit etwas anderem oder betäuben uns mit dem Konsum von Dingen oder Substanzen.
Doch was passiert, wenn wir das immer wieder tun?
 
Verdrängte Emotionen verschwinden nicht einfach, sie kommen oft mit doppelter Wucht zurück und zwar genau dann, wenn wir es nicht erwarten. Es ist wie mit einem Ball, den wir immer wieder unters Wasser drücken und der, sobald wir den Druck nachlassen, nach Oben ploppt.
Dieses Phänomen bezeichnet man in der Psychologie als Rebound-Effekt, zu Deutsch: Rückprall-Effekt. Je mehr wir versuchen, bestimmte Gedanken oder Gefühle zu unterdrücken, desto präsenter werden sie in unserem Bewusstsein. Es gibt sogar Studien, die herausfanden, dass Personen, die versuchen einen bestimmten Gedanken zu verdrängen, diesen Gedanken häufiger und präsenter erleben als Personen, die sich bewusst darauf einlassen. Diese Beobachtungen legen nahe, dass der Versuch, Gedanken und Gefühle zu unterdrücken als Selbstkontrollstrategie paradoxe Auswirkungen hat, was bedeutet: Unterdrückung ruft genau das hervor wogegen sie gerichtet ist.
 Die verdrängten Gedanken sind nicht weg, wenn wir sie nicht denken wollen. Die Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, brechen irgendwann unkontrolliert aus. Und das kann gerade bei belastenden Gefühlen unangenehm werden. Oft kommen sie umso vehementer zurück. Sie zeigen sich in Angst und Panikattacken, in Zwängen und/oder in Körperreaktionen sowie in psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen.
 
Gefühle zu unterdrücken ist also keine gute Strategie.
Im Gegenteil, es führt zu einer hohen emotionalen Stresssituation.  
Das Nervensystem ist innerlich ständig im Alarmzustand. Es kommt zu innerer Unruhe und zu muskulärer Anspannung. Und plötzlich triggert eine scheinbar harmlose Situation ein lang unterdrücktes Gefühl und wir wissen gar nicht was jetzt los ist, warum wir plötzlich eine Panikattacke haben oder weshalb wir wie aus heiterem Himmel auf einmal tieftraurig oder wahnsinnig wütend sind. Aufgestaute Emotionale Energie fließt immer irgendwohin und wenn wir sie nicht rauslassen und lernen sie zu regulieren, sucht sie ihren eigenen Weg – in eine unheilsame Richtung.
 
In meiner Arbeit begegne ich oft Menschen, die innerlich leiden wir ein Hund, aber alles dafür tun, sich das nicht anmerken zu lassen, weder vor ich selbst und schon gar nicht vor anderen. Sie wollen einfach nicht fühlen was da ist. Sie wollen die Trauer nicht fühlen, die Angst, die Verzweiflung. Viele sagen das sogar: „Ich will das nicht „oder „Das soll endlich weggehen“. Sie tun alles Mögliche um sich abzulenken in der irrigen Annahme - dann schmerzt es weniger. Manche verbergen sogar in den Sitzungen ihre Gefühle, oft weil sie meinen, sie nicht aushalten zu können oder weil sie meinen, ihre Gefühle hätten keine Berechtigung da zu sein. Diese geistige Anstrengung zehrt enorm an unseren seelischen und körperlichen Kräften. Wir schaden uns damit massiv selbst.  
 
Das Unterdrücken von Gefühlen raubt unglaublich viel Energie. Und: wir machen uns selbst etwas vor.
Gefühle wollen ausgedrückt und nicht unterdrückt werden.
Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein.
Und irgendwann drückt sich das Eingedrückte auf eine Weise aus, die wir mit Sicherheit nicht haben wollen. 
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de