Wie bewältigen Menschen herausfordernde Lebensereignisse und -erfahrungen, wie etwa den Tod eines geliebten Menschen, eine Trennung, den Verlust des Arbeitsplatzes oder die Diagnose einer schweren Krankheit?
Die meisten von uns reagieren auf solche Situationen zunächst mit starken negativen Gefühlen und einem Gefühl des Unbehagens oder mit Angst, doch mit der Zeit gelingt es uns irgendwie, uns anzupassen und zurechtzufinden. Dank unserer Resilienz können sich die meisten von uns von Widrigkeiten, Traumata, Tragödien, Bedrohungen oder Verlusten erheblichen wieder weitgehend erholen.
Was ist Resilienz?
Resilienz wird definiert als der Prozess, die Fähigkeit oder das Ergebnis einer erfolgreichen Anpassung trotz herausfordernder Umstände. Resilienz ist die Fähigkeit, mit allem fertigzuwerden, was das Leben uns entgegenwirft, und gestärkter als zuvor daraus hervorzugehen. Resiliente Menschen bewältigen Herausforderungen des Lebens mithilfe persönlicher Ressourcen. Dazu gehören soziale Unterstützung, Bewältigungsstrategien, Besonnenheit, Werte und Weisheit und Einsicht, die wir uns bewahren, sowie eine lösungsorientierte Haltung. Resilienz geht mit innerer Stärke, Kompetenz, Optimismus, Flexibilität und der Fähigkeit zur effektiven Bewältigung von Widrigkeiten einher.
Zudem stärkt die Minimierung von Risikofaktoren wie belastende Lebensfaktoren, eine Umgebung, oder Menschen, die uns nicht gut tun und selbstschädigende Gewohnheiten unsere Fähigkeit die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
Resilienz ist keine Eigenschaft, die man entweder besitzt oder nicht besitzt. Sie umfasst Verhaltensweisen, Gedanken und Handlungen, die nahezu jeder Mensch erlernen und entwickeln kann.
Eine Möglichkeit, Resilienz zu entwickeln, besteht darin, auf Erfahrungen aus früheren, ähnlichen Herausforderungen zurückzugreifen und sich an Dinge zu erinnern, die man zwar weiß, aber vielleicht vergessen hat.
Wir können uns fragen:
Was genau hat es mir in der Vergangenheit ermöglicht, einen Verlust, eine Trennung, eine Krankheit oder eine Kündigung zu überstehen?
Auf welche Unterstützung habe ich zurückgegriffen?
Welche Menschen in meinem Leben haben mich dabei unterstützt, durchzuhalten und weiter zu gehen, als es einfacher gewesen wäre, aufzugeben?
Welche Strategien habe ich angewandt, um mit den negativen Gedanken und Gefühlen umzugehen, die als Reaktion auf die Schwierigkeit auftraten? An welches Wissen und an welche Weisheiten habe ich mich gehalten?
Welche „Weisheit“ hat mir Hoffung gegeben geholfen, diese Schwierigkeit zu überwinden? Mit Weisheit ist jene Einsicht gemeint, an der wir uns festhalten. Sie kann aus Liedtexten, Romanen, Gedichten, spirituellen Schriften, Zitaten berühmter Persönlichkeiten, Sprüchen der Großeltern oder aus eigenen Erfahrungen stammen.
Welche Lösungen habe ich gefunden?
Welche lösungsorientierten Verhaltensweisen habe ich gewählt, um das Problem aktiv anzugehen? Haben ich beispielsweise neue Informationen gesucht oder andere um Hilfe gebeten?
All das sind Resilienzressourcen und damit können wir uns einen persönlichen Resilienzplan erstellen, wenn wir in einer Krise stecken.
Wichtig ist: jeder von uns hat seine eigenen Ressourcen.
Das Entscheidende ist, dass wir Vertrauen in unsere inneren und äußeren Resilienzressourcen haben, da viele sich bereits in der Vergangenheit bewährt haben.
Ganz gleich, wie abwegig oder seltsam es auf andere wirken mag, immer wieder dieselbe Musik zu hören, ein Kinderbuch zu lesen, zu malen, Serien zu schauen, stundenlang zu laufen, Sport zu treiben, uns immer schöne Blumen auf den Schreibtisch zu stellen, ein Manta aufzusagen, zu Meditieren, regelmäßige Atemübungen machen, ein Dankbarkeitstagebuch zu führen, Journaling, expressiv Schreiben, Menschen helfen, denen es schlecht geht, mit vertrauten Menschen sprechen oder ob wir eine Therapie zu beginnen: Wir selbst wissen ziemlich genau, was uns hilft. Auf diese Weise sind die Resilienressourcen nichts, was andere uns vorgeben oder predigen, sondern höchst individuell und somit von persönlicher Bedeutung und großem Nutzen wenn wir uns daran erinnern und darauf zurückgreifen.

