Meine Angst nimmt bei Hitze zu.
Das betrifft viele Menschen mit psychischen Erkrankungen. Hitzewellen sind nicht nur eine körperliche Belastung, sie wirken sich auch auf die psychische Gesundheit aus. Studien zeigen, dass längere Hitzeperioden die Symptome psychischer Erkrankungen verstärken können.
Warum ist das so?
Extreme Hitze bedeutet Stress für den Körper.
Durch die anhaltende Belastung können sich Angststörungen, Depressionen, Psychosen, Alkoholsucht, Demenz, Erschöpfungszustände, gedrückte Stimmung sowie aggressive Verhaltensweisen verschlimmern oder teilweise sogar neu auftreten. Zudem ist wissenschaftlich belegt, dass während Hitzeperioden die Suizidrate ansteigt.
Der Körper verbraucht bei hohen Temperaturen viel Energie für die Thermoregulation. Dadurch steht dem Gehirn weniger Energie zur Verfügung.
Der Organismus ist permanent damit beschäftigt, die Körpertemperatur zu stabilisieren.
Die Blutgefäße weiten sich, die Herzfrequenz steigt, der Blutdruck sinkt, es kommt zu vermehrtem Schwitzen und der Cortisolspiegel erhöht sich. Mein Zahnarzt spricht sogar von "Entzündungswetter". Zahnprobleme wie z.B. Zahnfleischentzündungen können sich verschlimmern, es kommt zudem vermehrt zu Abzessen. Bei Hitze erweitertet sich das Gewebe, kommt es zu Mundtrockenheit verstärkt sich das Bakterienwachstum. Wenn es lange heiß ist können zudem Kreislaufbeschwerden wie Schwindel oder Ohnmachtsgefühle auftreten. Der Schlaf wird schlechter und die Fähigkeit, Stresshormone abzubauen, nimmt ab. Das Nervensystem gerät aus der Balance.
Viele körperliche Symptome ähneln den Sensationen von Angststörungen oder Panikattacken. Das Nervensystem interpretiert körperliche Stresssignale als Gefahr.
Dadurch steigt die Angst weiter an, ein Teufelskreis entsteht, in dem sich körperliche Anspannung und Angst gegenseitig verstärken. Häufig kommt zusätzlich ein Gefühl von Kontrollverlust hinzu: Ich kann der Hitze nicht entkommen.
Gleichzeitig können hohe Temperaturen auch dämpfend auf die Psyche wirken.
Die durch Hitzestress entstehende Erschöpfung zeigt sich oft in Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung und verminderter Konzentrationsfähigkeit. Bei Menschen mit Depressionen können sich diese Symptome dadurch verstärken.
Leider gibt es nicht viel, was du
als Betroffener tun kannst. Aber einige Maßnahmen können entlasten.
Dazu gehört: Viel trinken, leichte Kost essen, Alkohol und Koffein vermeiden, nicht in die pralle Sonne gehen, leichte, helle Kleidung tragen, alles was körperlich sehr anstrengt vermeiden, die Wohnung kühl halten, Ventilatoren aufstellen.
Zur Regulation des Nervensystems:
Achtsam sein! Was mache ich gerade? Beobachte ich den Körper wieder?
Dann laut STOPP sagen.
Nicht ständig körperliche Signale kontrollieren oder überinterpretieren. Dich gezielt ablenken, wenn du wahrnimmst, dass die Angstspirale beginnt.
Kleine Kältereize setzen: Dir immer wieder die Handgelenke kühlen oder ein feuchtes Tuch in den Nacken legen. Das signalisiert dem Nervensystem Beruhigung
Dir bewusst machen: Das Herzklopfen und der Schwindel kommen von der Hitze, dem Stress und der Angst, ich bin nicht in Lebensgefahr.
Dich nicht überfordern. Bewusst Pausen machen.
Wenn Panik hochkommt: Die 4-7-8-Atmung anwenden.
Auch wenn extreme Hitze Körper und Psyche stark belastet, erinnere dich daran: Du bist diesen Zuständen nicht hilflos ausgeliefert, mit kleinen, bewussten Schritten kannst du dein Nervensystem unterstützen und dir selbst durch die heißen Tage helfen, bis es wieder kühler wird.




