Mittwoch, 7. Oktober 2020
Gedanke für den Tag
Foto: A. Wende
Bewusst einatmen, ausatmen.
Pausen machen.
Dir Zeit nehmen für dich.
Dich nicht nur den anderen widmen.
Mit deinen Kräften haushalten, sie sind nicht unendlich.
Dich selbst nicht vergessen.
Du bist nicht weniger wichtig als die Anderen.
Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.
Gut für dich sorgen, gut zu dir sein.
Dann bist du auch gut zu anderen.
Dich um deinen Körper kümmern.
Er ist der Tempel deiner Seele.
Ihn wertschätzen, ihn pflegen, auf ihn achten.
Dir Selbstmitgefühl schenken.
Dir gute Gedanken schenken.
Und gute Gefühle.
So oft du kannst: Gut zu dir sein.
Dich nicht antreiben.
Dich nicht überfordern.
Dich nicht runtermachen.
Du kannst nur über dich selbst verfügen.
Du entscheidest auf welche Weise du es tust.
Dienstag, 6. Oktober 2020
Mit der Angst gehen ...
Foto: Angelika Wende
Ich denke an
meine Klienten, an die, denen auch mulmig ist, an die mit der
großen Angst, die zu mir kommen und mich bitten: Nehmen sie mir die
Angst. Das kann ich nicht, sage ich dann. Die Angst kann man
nicht wegnehmen. Es wäre schön, wenn man das könnte. Was man kann ist
damit umgehen lernen. Im Umgang mit der Angst geht es immer um das Gelingen von Gelassenheit. Es geht darum über der Angst stehen
zu lernen. Es ist Zeit die Angst zu enttabuisieren, denke im
Wartezimmer und versuche das Husten zu ignorieren. Wir müssen drüber
reden, sie aussprechen, miteinander reden über unsere Angst. Und
aufhören uns dafür zu schämen, denn das macht sie nur größer. Ich
spreche mit dem Arzt. Ich frage ihn, ob er Angst hat. Ja, sagt er, seit
Corona jeden Tag.
„Die Angst besiegt mehr Menschen als irgendetwas anderes in der Welt", schrieb Ralph Waldo Emerson. So ist es jetzt. Die Angst scheint uns besiegen zu
wollen. Uns immer kleiner machen zu wollen. Wenn Angst autorisiert wird,
wird sie bedrohlich und sehr gefährlich. So ist es jetzt. Man macht uns
Angst, legt immer mehr nach. Wir müssen auf uns achten, sonst sind wir
verloren. Angst ist eine Erlebens- und Verhaltensweise, die der
Bewältigung äußerer und innerer Bedrohung dient. Und jeder Mensch geht
anders damit um. Manche haben mehr Angst, manche weniger. Aber jeder
kennt sie. Und jeder empfindet sie mehr oder weniger stark. Angst ist
eine der vielen BewohnerInnen im unendlichen Land unserer Seele. Sie
kann schreckliche Abgründe haben, dann wenn sie ganz groß wird, so groß,
dass sie das Leben zum Gefängnis macht. Dann wird sie zu einem
reißenden Wolf, der die Seele auffrisst. „Angst essen Seele auf“, lautet ein afrikanisches Sprichwort.
Wenn
das geschieht empfinden wir den totalen Weltverlust, es reißt uns ins
Bodenlose – wir trudeln ins Nichts. Die Daseinsangst führt geradewegs
ins existenzielle Vakuum. Kommt es soweit braucht der Mensch dringend Hilfe. Er kommt an eine Grenze, in der alle Selbsthilfe versagt. So weit soll es nicht kommen. Wir müssen auf uns achten.
Um die Angst nicht größer als uns selbst werden zu lassen gibt es Hilfen.
Beginnen wir mit der Wahrnehmung.
Wie
gehe ich mit meiner Angst um? Immer dann wenn unbekannte Situationen
auftreten. Immer dann, wenn die Erinnerung mich triggert. Immer dann
wenn ich in die nicht fassbare Zukunft blicke.
Ich kann wählen.
Mich fragen: Wähle ich Angst oder Neugier?
Sehe ich die Gefahr oder die Chance?
Welche Selbsthilfemöglichkeiten habe ich?
Ich kann die Angst abatmen. Durch Atemübungen, die ich lerne und anwende, wenn die Angst kommt.
Ich kann mich bewegen, wenn sie kommt. Ich kann laufen, singen, tanzen.
Ich kann den Realitätscheck machen, wenn sie kommt.
Ich kann Mediation erlernen, Achtsamkeit, Progressive Muskelentspannung, Autosuggestion und vieles mehr.
Das Elementarste aber ist: Ich muss meine Angst um ihr auf Augenhöhe begegnen zu können, radikal akzeptieren. Ja
ich habe Angst! Und so ist es. Und das ist okay. Und das heißt nicht,
das ich meine Angst BIN. Ich habe Angst, ein Teil in mir hat vielleicht
sogar große Angst, aber andere Teile sind mutig und bewältigen das
Leben. Und das ganze bin ich. Und wieder: Ich bin okay auch mit der
Angst. Und jetzt gebe ich der Angst einen Namen. Meine heißt Frau Klein.
Und
ich gehe mit ihr. Aber ich gehe nicht dahin, wohin die Angst will,
sondern ich gehe dahin wo ich hin will, trotz und mit der Angst. Und
wenn ich gegangen bin, belohne ich mich, dann bin ich stolz auf mich,
weil ich es wieder geschafft habe.
Jeden Tag. Schritt für Schritt. Und ich nutze meine Selbsthilfemöglichkeiten. Angst, die nicht zum Wolf geworden ist, damit lässt sich leben. Ist
sie dabei die Seele aufzuessen, ist sie krankhaft und das ist sie dann,
wenn sie den Boden des Nachvollziehbaren verlässt, brauchen wir
professionelle Hilfe.
Aber bis dahin gilt: Es ist okay Angst zu haben.
„Wer keine Angst hat, hat keine Fantasie.“ (Erich Kästner).
Montag, 5. Oktober 2020
Sprechen dürfen
Sonntag, 4. Oktober 2020
Ein paar Monate ...
Sonntag, 27. September 2020
Wenn die Möglichkeiten begrenzt sind
Foto: A. Wende
In der alten Normalität stand uns eine Unendlichkeit von Möglichkeiten zur Verfügung. Das ist jetzt anders. Wir müssen das Leben in der neuen Normalität neu lernen. Jetzt stehen wir alle so ein bisschen im Nichts. Was selbstverständlich war ist zerbröckelt oder verloren.
Wir müssen uns vieles wieder neu erarbeiten. Wir müssen vieles überarbeiten und vieles überdenken. Wir müssen selektieren was nicht mehr möglich ist und was noch machbar ist, optimieren was uns noch bleibt und kompensieren, was wir verloren haben durch die Krise. Wir müssen uns klar darüber werden worauf unser Leben beruht und was wir zum Leben wirklich dringend brauchen.
Wenn die Möglichkeiten begrenzt sind, müssen wir uns fragen: Was sind meine Möglichkeiten, die ich realisieren kann um dem Leben Sinn zu geben, so wie es jetzt ist.
Samstag, 26. September 2020
Die Pandemie, die Psyche und wie wir uns stabil halten
Es hört nicht auf. Corona zieht durch die Welt und reißt alle für uns sicher geglaubten Säulen des vertrauten Lebens mehr und mehr nieder. Acht Monate nach Beginn der Krise müssen wir erkennen: Für die Corona-Krise fehlt jede Referenz. Der Virologe Christian Drosten spricht von einer Naturkatastrophe. Die kämpferischer Vokabel der Medien lautet: Wir führen einen Krieg gegen einen unsichtbaren Gegner. Wir sind nicht im Krieg, aber wir erleben eine Krise, in der es um die Bedrohung der Gesundheit und zugleich um die Bedrohung der wirtschaftlichen und finanziellen Existenz aller geht. Wir erleben Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ohnmacht und Hilflosigkeit führen zu Dauerstress.
Unser Gehirn strebt nach Kontrolle und findet sie nicht. Das Gewohnte ist brüchig, der Boden auf dem wir gehen wackelt, planen können wir nichts mehr sicher und auch nur kurzfristig, unsere Lebensmöglichkeiten und unsere persönliche Freiheit ist eingeschränkt. Wir leben mit Geboten und verboten. Unsere persönliche Selbstbestimmtheit ist fragmentiet und bedroht.
Und jetzt kommt der Herbst. "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen“, befürchtet Christian Drosten. Ein zweiter Lockdown scheint nicht ausgeschlossen. In München tragen Menschen jetzt auf vollen Plätzen und Straßen Masken.
Herbst 2020
und wir stehen einer düstern Vorhersage gegenüber, die eine Flut von Gefühlen,
die uns zwar schon die ganze Zeit begleiten, in ihrer Intensität
verstärkt. Je nach Persönlichkeit und persönlicher Lebenssituation
reagieren Menschen mit Ängsten und Panik, mit Depression, Trauer, sozialem
Rückzug, Selbstisolation, Ignoranz, Leugnen, Resignation, Aggression oder Wut.
Der Alkoholkonsum ist gestiegen, ebenso die Selbstmordrate. Häusliche Gewalt
und Aggression nehmen drastisch zu. Manche Menschen gehen auf die Straße und
rebellieren. Manche verweigern sich den Regeln.
Alles untaugliche Versuche um die gefühlte Kontrolle über das eigene Leben wieder herzustellen. Und hinter all den Gefühlen liegt als Urgrund: Todesangst. Todesangst bedeutet den Verlust des Lebens, den Verlust der Lebendigkeit, das Ende des Seins und damit das Ende aller Möglichkeiten. Täglich konfrontieren uns die Medien mit dem Tod. Todesangst ist die Angst, die wir alle haben, aber bisher erfolgreich verdrängt haben, die meisten jedenfalls. Aber jetzt gibt es kein Ausweichen mehr. Wir sind konfrontiert mit dem Tod, auch wenn wir nicht alle an Corona sterben – wir erleben Verluste, Abschiede, Trennungen, im schlimmsten Falle Krankheit und Leid. All das sind Erfahrungen, die dem Sterben gleichen. Sterben im Leben.
Leben ist auch Sterben, aber das haben wir lange verdrängt. Vieles um uns herum, vieles in unserem persönlichen Leben, vieles an Vertrautem, an Gewohntem, an Möglichkeiten stirbt oder ist bereits gestorben. Wir müssen gezwungenermaßen von Vielem Loslassen was uns liebt und teuer ist. Sogar von liebgewonnen Gewohnheiten und sei es nur der Theaterbesuch. Die Folge: Ein chronisch erhöhter Angstpegel. Verluste machen Angst und die Aussicht auf weitere Verluste macht noch mehr Angst.
Angst führt zu Dauerstress. Dauerstress entsteht wenn wir keine Lösungsmöglichkeiten sehen und demzufolge mit der Situation oder dem Problem komplett überfordert sind. Hinzu kommt ein weiterer Stressfaktor: Das Ausmaß und das Ende der Krise ist nicht abzusehen. Der Ausgang ungewiss. Wir erleben ein so hohes Maß an Machtlosigkeit wie wir es nicht kennen. Wir erleben Kontrollverlust auf vielen Ebenen.
Manche Menschen kompensieren Stress indem sie sich Kontrolle vorgaukeln um ihre Gefühle von Unsicherheit und Hilflosigkeit zu kompensieren. Bei anderen wiederum stellt sich unter emotionalem Stress mehr und mehr eine selektive Wahrnehmung ein, die nur noch die bedrohlichen Aspekte des Lebens aufnimmt und andere positive ausgeblendet. Das Gefühl der Unsicherheit und Ungewissheit führt bei Menschen mit einer Disposition zu Ängsten zur Verstärkung dysfunktionaler Denkmuster. Es kommt zu katastrophisierendem Denken.
Je länger die Bedrohung anhält, umso unberechenbarer sie ist, desto mehr versagt letztlich bei fast allen Menschen die Fähigkeit zur Selbstregulation. Selbstregulation und Selbstberuhigung sind das, was wir jetzt nötig brauchen um diesen Herbst ohne größere psychische Schäden zu bewältigen. Selbstregulation ist die Fähigkeit, mit der es uns gelingt unsere Emotionen, unsere Aufmerksamkeit, unsere Impulse und Handlungen zu steuern um nicht zum Opfer der Umstände zu werden. Zur Selbstregulation gehört auch die Kompetenz, kurzfristige Befriedigungswünsche längerfristigen Zielen unterzuordnen. Und das müssen wir jetzt gerade alle notgedrungen.
Die Medizinsoziologie definiert Selbstregulation als „eine permanente, flexible, bedürfnisorientierte Eigenaktivierung in Bezug auf den Körper und die physische und soziale Umwelt mit dem Ziel, dort Bedingungen und Zustände zu erreichen, die sowohl eine kurzzeitige Bedürfnisbefriedigung ermöglichen als auch eine Selbstorganisation derart stabilisieren, dass eine Entwicklung und Integration unterschiedlicher Bereiche für eine effektive Problemlösung gewährleistet wird.“ Eine gute Selbstregulation besteht dann, wenn wir fähig sind uns auf Gegenwärtiges auszurichten, das Wohlbefinden, Lustgewinn und Sicherheit ermöglicht oder als Sinnerfüllung erlebt wird. Dann spricht man von einer Situations- und bedürfnisangepassten flexiblen Selbstregulation.
Das Erlernen der Fähigkeit zur Selbstregulation ist ein Autonomietraining, das uns hilft auch in Krisenzeiten und Phasen emotionaler Überflutung bei uns selbst zu bleiben. Wenn wir lernen uns selbst zu regulieren stärken wir unsere Fähigkeit durch Eigenaktivität unser mentales und emotionales Wohlbefinden zu steigern, uns selbst zu beruhigen und wieder Sicherheit zu erreichen. Je besser uns die Selbstregulation gelingt, desto mehr fühlen wir wieder das gerade jetzt so lebenswichtige Gefühl von Kontrolle über uns selbst, wir erfahren, dass wir allen äußern Umständen zum Trotz unsere eigenen Gefühle und unser Verhalten aktiv selbst regulieren können. Selbstregulation ist somit ein entscheidender Faktor für die Prävention seelischer und körperlicher Krankheiten. Zur Selbstregulation gehört sich selbst achtsam wahrzunehmen und zu erkennen, was uns hilft unser Wohlbefinden im gegenwärtigen Moment steigern.
Alle
Entspannungsmethoden, insbesondere Achtsamkeitsübungen, Yoga und
Mediation, die wir regelmäßig praktizieren, sind hilfreiche und effektive
Methoden um uns selbst zu beruhigen. Auch alle kreativen Beschäftigungen und
Aktivitäten helfen uns dabei im Moment zu bleiben und geben uns das Gefühl
autonom etwas zu gestalten und Herr im eigenen Haus zu sein. Durch Achtsamkeit
wird übrigens nicht nur die Selbstregulation gesteigert, auch die
Konzentrationsfähigkeit nimmt zu. Wir lernen uns auf den Augenblick zu
konzentrieren und destruktive Gedanken und angstbesetzte Befürchtungen nicht
permanent an uns herankommen zu lassen uns unsere Psyche stabil zu halten.
Darüber haben wir noch die Kontrolle.
Montag, 21. September 2020
Liebe braucht nicht
Foto: A. Wende






