Mittwoch, 13. März 2019

IDENTITÄT IST DIE ANTWORT AUF ERFAHRUNG



Wahrheit ist nichts was wir irgendwo finden können. Auch wenn wir das gerne glauben wollen. Wahrheit ist etwas was wir erfahren, jeder von uns für sich selbst, in der Dynamik des Lebens, wie es uns als Individuum widerfährt. Aus dem was wir erfahren erschaffen wir uns unsere Wahrheit und stehen damit alleine da, in einer Welt, die unberechenbar ist und keine messbaren Garantien für uns bereit hält. Unsere Wahrheiten anderen mitzuteilen ist nicht selten ein schweres Unterfangen. Wie oft haben wir das Gefühl nicht verstanden zu werden. Gefühlt erfasst in dem, was wir vermitteln wollen, als der, der wir sind. Das ist selten. So selten, das viele von uns immer wieder die Erfahrung existentieller Einsamkeit machen.

Wir spüren, im Tiefsten sind wir allein. Wir spüren, wenn wir ein Problem haben, müssen wir es alleine lösen. Egal wie viele Menschen wir befragen - die Antworten finden wir nur in uns selbst. Und dann haben wir noch immer nicht die Garantie, das sie richtig sind. Weil es kein richtig und kein falsch gibt, sondern nur Erfahrung.

Aus dieser Erfahrung heraus werden wir zu dem Menschen, der wir sind. Aus dieser Erfahrung heraus bilden wir unsere Identität immer wieder neu.
Identität ist die Antwort auf Erfahrung und das was wir aus dieser Erfahrung heraus zu sein entscheiden.

Nichts ist feststehend, alles wandelt sich.
Auch unsere Wahrheiten wandeln sich. Und damit unsere Identität. Was heute für uns Gültigkeit hatte, kann morgen anders sein. Was wir heute sind oder zu sein glauben, kann morgen anders sein. Es ist in Ordnung, denn das ist Entwicklung. Zugleich ist es die Erkenntnis unserer fragilen Existenz in dieser Welt, in der nur eins sicher ist: Nichts ist ein für alle Mal sicher.

Namaste Ihr Lieben

Montag, 11. März 2019

Eine ohnmächtige Wut


Heute morgen wache ich auf und spüre eine ziemliche Wut im Bauch. Ich setze mich auf mein Meditationskissen und versuche die Wut einzuatmen und Frieden auszuatmen. Ich mache das eine ganze Weile und spüre keine Veränderung. Das Gefühl bleibt hartnäckig, es verwandelt sich nicht. Es stockt, sitzt fest, Gut, es will, dass ich es da sein lasse. 

Okay ich bin wütend, sage ich zu mir selbst, jetzt mache ich mir erst mal einen Kaffee. Die Maschine will nicht, sie ist blockiert. Ich werde noch wütender. Ich bin so wütend, dass ich das Gefühl habe, gleich platze ich vor Wut. In meiner Brust baut sich ein unangenehmer Druck auf. Ich versuche es ein zweites Mal mit dem Kaffeemachen. Wieder funktioniert es nicht. Plötzlich fließen die Tränen. Ich lasse sie fließen. Eine lange Weile. Die Wut löst sich auf, die Wut, die Schmerz ist, Schmerz über so vieles was in letzter Zeit in meinen Leben an kleinen und großen Unglücken geschehen ist. Der Tod des Vaters meines Sohnes, der vor einem Jahr plötzlich von uns ging, das Leid eines geliebten Menschen, der dabei ist sich selbst zu zerstören und den ich nicht mehr erreichen kann. All der Schmerz fließt in meine Tränen. Meine Wut kann gehen. Die Wut über das Leid, das ich nicht erleben will, das keiner von uns will, und immer wieder erleben muss. Die Wut über die Ohnmacht einem geliebten Menschen nicht helfen zu können, weil er Hilfe nicht annehmen will oder weil wir emotional viel zu nach dran sind um etwas zu bewirken. Dieses Gefühl von Ohnmacht macht uns wütend. Ohnmacht zeigt uns unsere Grenzen auf, die wir so gerne nicht spüren wollen, weil sie uns daran erinnern, wie wenig wir doch wirklich beeinflussen können, wenn das Schicksal, Gott oder ein Mensch nicht mitspielen. 

Vielen von uns geht es manchmal so. Wir sind absolut machtlos und das macht absolut wütend. Diese Wut ist okay. Wir dürfen wütend sein. Und wir sollten uns dafür nicht verurteilen. Wut ist ein starkes Gefühl. Sie ist sogar hilfreich, wenn wir ihren Urgrund verstehen und sie als Energiequelle nutzen um das zu verändern, was wir verändern können, nämlich das, was jetzt für uns selbst ansteht: Uns gut um uns selbst und unseren Schmerz zu kümmern. Fürsorglich und mitfühlend auf uns selbst zu schauen und uns selbst liebevoll behandeln, auch wenn wir diese Liebe gerade nicht spüren können. Uns um uns selbst kümmern, nach einer schweren Zeit. 

Dazu ist es wichtig den Focus von dem abzuziehen, was wir ums Verrecken nicht ändern können und ihn dahin zu richten wo wir etwas zum Besseren wenden können. Denn alles andere, das hat uns die Erfahrung der Ohnmacht gezeigt, ist Vergeblichkeit.
Das zu akzeptieren ist eine schwere Aufgabe, aber es bleibt uns manchmal nichts anderes übrig als Akzeptanz, sonst bleiben wir in unserer ohnmächtigen Wut stecken und damit stagniert unser Leben.
Es ist blockiert wie die Kaffeemaschine, die nicht funktioniert.
Sie geht wieder. Das Wasser fließt. Der Kaffee ist fertig. Ich gehe in den Tag und tue mein Bestes für mich selbst und die Menschen, die es annehmen wollen.


Namaste Ihr Lieben

Sonntag, 10. März 2019

Gedankensplitter




If someone has seen your soul, he will never be a stranger.

Donnerstag, 7. März 2019

Wenn verletzte innere Kinder sich verlieben


Foto: A.W.

Wenn wir das verletzte innere Kind in uns angenommen haben, haben wir die Verantwortung für seine Verletztheit und seine Verletzungen übernommen. Wir haben uns verpflichtet es zu beeltern. Das bedeutet auch: Wir schützen es künftig davor, das es sich wieder an einen Menschen bindet, von dem es erwartet, dass es einen oder gar beide Elternteile ersetzen soll. Der innere Erwachsene weiß nämlich allzu gut, dass es nicht gesund und zudem nicht möglich ist von einem anderen zu erwarten, dass er uns das gibt, was uns die Eltern nicht geben konnten. 

Eine gesunde Beziehung ist nur dann möglich, wenn beide Partner die Verantwortung für das verletzte innere Kind in sich übernommen haben. Beziehungen in denen die Partner diese Verantwortung für sich selbst nicht übernommen haben, zerstören sich mit der Zeit selbst.
Warum ist das so? Am Anfang geben uns Beziehungen in denen sich zwei verletzte Kinder begegnen das Gefühl von Seelenverwandtschaft. Da ist endlich einer, der unseren Schmerz spüren kann, weil er ihn selbst spürt, da ist einer, der unsere Ängste fühlen kann, weil er sie selbst fühlt, das ist einer, der unsere Trauer fühlt, weil er sie selbst fühlt. Da ist einer, bei dem es sich so vertraut anfühlt als seien wir endlich zu Hause angekommen. All das sind Gefühle unseres inneren Kindes, das sich danach sehnt einen von seiner Art zu finden um endlich heil zu werden. Es sieht in dem anderen etwas, das es selbst gut kennt und zugleich hat es die Hoffnung, dass Verstanden werden auch bedingungslose Liebe bedeutet, eine Liebe, die es nicht bekommen hat und sein Leben lang verzweifelt sucht. 

Das innere Kind fühlt sich angekommen. Mit diesem Gefühl des Angekommen seins glaubt das verletzte Kind, dass der andere sich jetzt endlich um seine tiefsten Bedürfnisse kümmern wird.  
Er wird zu der Mutter oder dem Vater, den es nie hatte. Es werden Ansprüche an den Partner gestellt hinter denen sich unbewusste Erwartungen verbergen, die mit jenen unerfüllten Sehnsüchten beladen sind unter denen beide verletzten Kinder leiden. Die innere Leere, der Schmerz, die Hoffnung gerettet zu werden, überfrachtet die Wirklichkeit und macht blind. Es heißt nicht umsonst Liebe macht blind. Sie macht blind, in dem Sinne, dass wir im anderen etwas sehen, was wir selbst nicht haben und so nötig brauchen. Das was er ist, sehen wir nicht. 

Übervoll mit dem Wunsch: Jetzt soll es endlich gut werden, retardieren wir. 
Wir fühlen kindlich.  
Dieses kindliche Gefühl sagt: Es soll vervollkommnet werden was unvollendet geblieben ist: Das Gefühl bedingungslos und um unserer selbst willen geliebt zu werden. Was das Kind in uns nicht weiß: Was wir als Kinder von den Eltern nicht bekommen haben, kann uns der andere nicht mehr geben. Er ist eben nicht die Mutter, er ist nicht der Vater. Er trägt wie wir selbst ein verletztes Kind in sich, das von uns erhofft, was wir uns von ihm erhoffen.

Beziehungen zwischen zwei Menschen, die ein verletztes Kind in sich tragen um das sie sich selbst nie gekümmert haben, scheitern in der Regel an einer dysfunktionalen Dynamik, die sich, ist der erste Liebesrausch vorbei, schleichend entwickelt und beiden nicht bewusst ist. 
Im Zustand des Verliebtseins und im weiteren Verlauf der Beziehung entwickelt sich eine Wiederholung der früheren Eltern-Kind-Beziehung. Beide übernehmen hier genau das Verhalten und die Rolle, die sie als Kind übernommen haben um emotional zu überleben. Nicht selten kommt es auch dazu, dass der eine den anderen oder beide sich gegenseitig so provozieren, dass sie beginnen sich wie der Vater oder die Mutter zu verhalten. Das, was der andere uns vermeintlich „antut“,  wird so verzerrt, dass er uns mehr und mehr an den jeweiligen Elternteil erinnert. Es kommt zu Kämpfen. Verzweiflung macht sich breit: Das kann doch nicht sein, dass es schon wieder nur weh tut. Er, sie, sollte mir doch gut tun. Und wieder und wieder holen sich beide neue Verletzungen ab, die die alten Wunden nach Oben bringen. 

Aber es wird nicht aufgehört, der Schmerz ist so vertraut, das fühlt sich so nach Heimat an. Dieses Mal, sagt sich das innere Kind, muss es gut werden und es kämpft weiter, wo es längst mit dem Kämpfen aufhören sollte. Die Wunde kann nicht heilen, wenn sie immer wieder neu aufgerissen wird. Und genau das geschieht durch die Dynamik einer solchen Beziehung. Sie wirft uns in die dunklen Erinnerungsräume der Kindheit. Diese Dynamik aber hat auch ihr Gutes: Sie zeigt uns, dass wir uns auf hartem Parkett bewegen. 

Ein hoch komplexer Tanz beginnt, in dem zwei innere Kinder eine destruktive Choreografie entwickeln und an dessen Ende beide Tänzer ermüdet und enttäuscht voneinander am Boden liegen. 
Der alte Schmerz ist nicht geheilt, er ist wieder ganz groß da. Die alte Wunde ist aufgerissen. Die Hoffnung nach dieser einen Liebe hat sich in das Gefühl von Vergeblichkeit gewandelt. Wir fühlen uns wieder verlassen und ungeliebt.

Ist eine Beziehung an diesem Punkt angekommen, kommt es in den meisten Fällen zur Trennung. In Wahrheit aber gab es diese Trennung von Anfang an. Was sich begegnete waren zwei getrennte Individuen, die ihre Individualität nicht verstanden und nicht geachtet haben, sondern den anderen für sich und das Füllen ihres inneren Mangels brauchten. Anstatt ihn als das wahrzunehmen was er ist: Ein selbstständiges eigenes, hoch komplexes, wunderbares Individuum, wollten sie sich ihn einverleiben um die Wunde es Ungeliebtseins nicht mehr spüren zu müssen.

Unendlich viel Herzeleid ist darauf zurückzuführen, dass wir Menschen kein ausreichendes Maß an Verantwortung für das verletzte Kind in uns zu übernehmen bereit sind.
Eine Partnerschaft sollte eine Begegnung zwischen zwei Menschen sein, die beiden hilft, sich klarer als bisher zu erkennen und zu verstehen. Wenn wir uns selbst helfen wollen, müssen wir dem inneren Kind erlauben mit all seinen Bedürfnissen und Gefühlen da zu sein. Wir müssen ihm die Chance geben, es kennen zu lernen und wir müssen, ja, ich sage „müssen", es lieben lernen, auch wenn es uns so viele Probleme bereitet und wir es manchmal am liebsten in die Wüste schicken möchten. 
Erst wenn wir uns um dieses Kind in uns gekümmert haben und jeden Tag neu kümmern, werden wir Beziehungen eingehen können, in denen es nicht um Bedürftigkeit und Kampf geht, sondern um eine Liebe, die nichts einfordert, was sie selbst nicht besitzt.





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Dienstag, 5. März 2019

Alles, alles geht vorrüber ...






Foto: A.W.
 

Manchmal sind wir untröstbar. Wir stehen vor einem Verlust, der uns den Boden unter den Füßen wegreißt, wir haben verloren, was wir geliebt haben, was uns Halt gab und glücklich machte und alles andere schenkte, was wir so sehr brauchen. 

Wir wehren uns dagegen, das es ist wie es ist. 
Wir leiden und unser Alltag ist beherrscht von einem großen Kummer, der jede Bewegung, jedes Tun so schwer macht, dass wir glauben, wir schaffen es nicht mehr. Wir möchten uns verkriechen und weinen oder wir möchten schlafen und erst dann wieder aufwachen, wenn es nicht mehr weh tut. Wir versinken in eine tiefe verzweifelte Trauer. 
Aber wir wissen, wir müssen weiter machen, mit dem Schmerz und wir wissen nicht wie.

Mir hilft in diesen Momenten ein Satz aus der Vipassana Meditation: 
„Alles, alles geht vorrüber ...“
Diesen Satz sage ich mir, wenn es weh tut im Herzen. 
Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und wiederhole ihn. 
Ich wiederhole ihn innerlich solange bis ich spüre, dass es ruhiger in mir wird.
Und irgendwann fühlt es sich nicht mehr so schlimm an was da ist.

Alles, alles geht vorrüber. 
Auch der Schmerz.
Er wird weniger werden.
Und ja, vielleicht geht er nie ganz weg.
Aber er wird sich wandeln.
Aus der Verzweiflung wird ein stilles Bedauern, eine leise Trauer, ein tiefes Akzeptieren ... 
mit dem Vorrübergehen der Zeit.
Die Zeit wird uns Neues bringen ... 
und auch das geht vorrüber. 




Montag, 4. März 2019

AMBIVALENZ

Foto: A.W.

Manchmal sind beide Gefühle wahr, sowohl Abneigung, als auch Zuneigung. Wenn ich sage, ich mag dich, aber ..., ist das: "Ich mag dich", ausgelöscht durch das was folgt. Dieses Aufspalten ist oft der erste Schritt zur Entfremdung vom Gegenüber und zugleich der Verleugnung eines Teiles in mir, der auch anders fühlt.
Wenn ich im selben Satz das "aber" durch ein "und" ersetze, bleiben beide Gefühle verbunden.
Mit dem Wort "und" halte ich die Gefühle zusammen, die Empfindung wird nicht abgespalten, die Entfremdung verhütet. Mit dem Wort "und" halte ich die Wahrnehmung im Gleichgewicht. Beide Gefühle sind wahr und dürfen sein. Es ist okay.

Samstag, 2. März 2019

WIEDERHOLUNG



Foto: A. W.

Manchmal müssen wir erleben, dass sich bestimmte Dinge wiederholen. Dann sehen wir uns vor Situationen gestellt, die wir schon einmal in ähnlicher Weise erlebt haben oder wir machen Erfahrungen mit einem Menschen, die wir in ähnlicher Weise mit einem anderen Menschen gemacht haben. Und vielleicht ist es dieses Mal noch schlimmer als es zuvor war.

Dann sind wir traurig, wütend, verzweifelt oder niedergeschlagen. Wir machen uns vielleicht Vorwürfe, weil wir denken, das kann doch nicht sein, wieder dasselbe, wieder muss ich mit denselben Problemen kämpfen. Das ist wie ein deja vu, das kenne ich doch schon, das habe ich doch schon mal erleben müssen. Ich dachte, das habe ich hinter mir. Wie kann mir das schon wieder passieren? 

Ja, das haben wir schon mal erleben müssen. Aber wir haben es nicht überwunden. Wir haben diese Erfahrung nicht gelöst, damals. Wir haben nichts daraus gelernt. Darum wiederholt sie sich. Wir haben wieder die Chance zu lernen und es dieses Mal zu lösen.