Samstag, 11. November 2017
Wir werden kein Anderer
Was war ist geschehen. Es ist vollkommen sinnlos auf Erlösung zu warten von dem was war.
Es geht nicht um Erlösung, denn es gibt sie nicht.
Es geht um Akzeptanz - es geht um Akzeptanz in dem Sinne, dass wir nicht akzeptieren was war, sondern, dass wir nicht ändern können was war.
Es geht darum zu akzeptieren: Das ist meine Biografie.
Das bin ich, der Mensch, der diese Geschichte hat.
Es geht nicht ums Wegmachen, es geht um das Annehmen dessen, was war und ist.
Es geht darum zu verstehen, warum wir sind, wie wir sind und unser Sosein mitfühlend und liebevoll anzunehmen.
Wir werden kein Anderer, wir werden im besten Falle der Beste, der wir sind - mit der Kenntnis all der Teile in uns, wie sie sind.
Das ist genug.
Das ist das JA zu uns selbst.
Das ist die Arbeit an uns selbst, die zu machen ist.
Dieses JA, ist es wirklich gelungen, verändert unser Leben.
Freitag, 10. November 2017
Veränderung findet im Jetzt statt und nicht irgendwo, wo etwas erreicht werden muss.
Im Erreichen wollen liegt immer die Unzufriedenheit mit dem, was jetzt ist. Was macht diese Unzufriedenheit mit uns? Sie hindert uns daran, das, was gerade ist, wahrzunehmen, zu fühlen und wertzuschätzen.
Etwas erreichen wollen macht Anstrengung im Kopf. Und je hartnäckiger wir uns auf das Erreichen versteifen, desto mehr Anstrengung und desto mehr Stress im Kopf. Die meisten Menschen wollen alles schnell erreichen und am Liebsten ohne viel dafür tun zu müssen. Sie bemühen sich gedanklich auf ihr Ziel zuzusteuern. Und während sie sich verbissen auf das zu Erreichende hindenken, übersehen sie was jetzt ist. Dabei übersehen sie: Nur im Jetzt liegt das, was wir haben und was wir sind. Im Erreichen wollen erfährt das Jetzt keine Aufmerksamkeit und wenn dann nur negative, weil das, was jetzt ist, wollen wir ja so nicht haben.
Mit dieser Haltung sitzen wir im Ungewissen, unzufrieden mit dem was ist und unwissend in Bezug auf das, was noch nicht ist. Wir sitzen im Ungewissen, allein wissend, was wir so nicht wollen und anders wollen, aber nicht wissend wie da überhaupt hinkommen. In diesem Zustand fühlen wir uns verloren.
Grundsätzlich ist das Setzen von Zielen natürlich nichts Ungutes. Wir brauchen Ziele. Wie fände Entwicklung statt, wo bliebe Sinnhaftigkeit, wo Wachstum, ohne dass wir Ziele verfolgen? Das Problem ist das unbedingte erreichen Wollen.
Im unbedingten Wollen geschieht nichts. Es hält den Status Quo aufrecht, schafft Schwere anstatt Leichtigkeit. Aber es ist gerade die Leichtigkeit, die wir benötigen um uns dem Prozess zu überlassen, der Veränderung überhaupt erst bewirken kann.
Der Klient der zum Coaching kommt will etwas erreichen. Und ich frage natürlich nach seinem Ziel. Ich frage um eine Vorstellung davon zu bekommen, was es ist, womit es ihm besser gehen würde. Der Prozess der gemeinsamen Arbeit dient auch dazu dieses Ziel immer wieder zu überprüfen. Ein Beispiel: Der Klient kommt mit dem Ziel: „Ich möchte endlich eine glückliche Beziehung haben“. Gut.Aber, wieso ist da im Jetzt keine glückliche Beziehung? Gründe dafür gibt es viele. Der Urgrund aber liegt meist in uns selbst.
Im Laufe des Coachingprozesses könnte sich für den Klienten herausstellen: „Jetzt bin ich nicht bereit für eine Beziehung. Ich bin gar nicht in der Lage eine glückliche Beziehung zu führen, weil ich zu mir selbst keine erfüllende Beziehung habe. Wie also sollte es mir mit einem anderen dann gelingen?
Solange der Klient mit sich selbst nicht in einer hinreichend guten Beziehung ist, ist das Ziel in einer glücklichen Beziehung zu sein, also nur der Ausdruck des inneren Mangels, der Probleme, die er in der Beziehung zu sich selbst hat – sprich: Ausdruck der unglücklichen Beziehung mit sich selbst. Also will er eine Beziehung, die ihn glücklicher machen soll - mit sich selbst. So traurig es erst einmal ist: Es wird nicht gelingen, weil das Ziel nicht erreicht werden kann, solange das Problem im Jetzt nicht gelöst ist. Er wird entweder weiter alleine bleiben oder in Beziehungen landen, die ihn nicht glücklich machen. Das Ziel im Jetzt müsste sein - mit sich selbst gut zu werden.
Veränderung findet im Jetzt statt und nicht irgendwo, wo etwas erreicht werden muss. Der Weg ist das Ziel, bekommt so einen Sinn. Und der Weg beginnt im Jetzt. Der Weg im Jetzt ist Ausgangspunkt für das Ziel des Zukünftigen. Es ist immer dieses Jetzt, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Alles was wir im Jetzt nicht erreichen wird uns das Ziel im Morgen niemals erreichen lassen.
Mittwoch, 8. November 2017
Say no to drama
Du
musst nicht alle Antworten wissen oder für alles Lösungen haben, du
musst nicht immer den Retter spielen, du musst nicht immer helfen bis
zur Selbstaufgabe, du musst dich nicht für alles verantwortlich fühlen,
was andere anrichten um sich selbst zu schaden.
Du musst dich nicht in das Drama anderer ziehen lassen,
das nur Chaos und Leid in dein Leben bringt.
Hab keine Angst davor Grenzen zu setzen.
Grenzen setzen ist ein
notwendiger Schritt in Richtung Selbstfürsorge
und
Verantwortungsübernahme für dein Seelenheil.
Dienstag, 7. November 2017
Selbstbestrafung und Selbstmissbrauch
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| Foto AW |
Was bringt Menschen dazu sich
selbst zu bestrafen? Was führt dazu, dass manche Menschen immer wieder in
Beziehungen landen, die schädlich sind und verletzend? Was zieht diese Menschen
immer wieder auf scheinbar magische Weise in destruktive Beziehungskonstrukte? Was ist das, was sie dazu bringt, sich selbst nicht gut zu behandeln?
Selbstbestrafung und Selbstmissbrauch sind Ausdruck der Sehnsucht nach Wiederherstellung einer Liebe,
die man urprünglich mit Lieblosigkeit, Zurückweisung, emotionaler Mangelversorgung, Demütigung,
Ignoranz, Verlassen, Hass oder Gewalt durch geliebte Bezugspersonen erfahren hat. Die
lieblose Person wird durch Introjektion zu einem Schattenanteil der Psyche (Eltern-Introjekt). Sie wird zu einer inneren Repräsentanz, welche die ursprünglich reale lieblose
Situation zwanghaft aufrecht erhält.
Das innere Kind versucht
wieder und wieder die ursprüngliche Situation zu reproduzieren, in der unbewussten
Hoffnung die nicht erhaltene Liebe der Eltern doch noch zu bekommen.
Das Eltern-Introjekt aber suggeriert
ihm, dass es die Lieblosigkeit selbst verschuldet hat. Dieses, von Kindheit an verinnerlichte Schuldgefühl,
führt zu einem sich ständig wiederholenden Mechanismus der Selbstbestrafung aus diesem unbewussten Schuldgefühl heraus. Ein weiterer Aspekt der
Selbstbestrafung ist das unbewusste „Abstrafen wollen“ der lieblosen Eltern. Indem das ungeliebte Kind
im erwachsenen Menschen sich immer wieder selbst verletzt, richtet es die Aggression nicht nur gegen
sich selbst, sondern gegen die Eltern, um sie quasi im Nachhinein zu bestrafen:
Sieh her, was du mir angetan hast! Mir geht es schlecht! Das ist deine Schuld!
Sich diesem
Selbstbestrafungsagieren aus Schuldgefühlen heraus bewusst zu werden und sie
aufzuarbeiten, ist ein wesentlicher und wichtiger Schritt aus der Falle, in die
diese Menschen immer wieder tappen. Solange die Schuldgefühle unbewusst bleiben
und eine Bearbeitung nicht statt findet, geht das Muster der destruktiven
Wiederholung weiter.
Was ist ein Introjekt?
Montag, 6. November 2017
Da ist ein Fremder wo ein Vertrauter war – Leben mit einem Depressiven
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| Foto AW |
Die Depression macht alles Leben sinnlos. Wen sie in ihren Fängen hat, der ist in einem scheinbar ewigen Dunkel gefangen. Die Depression liegt auf ihm wie eine schwere Decke. Der Depressive ist für niemanden mehr erreichbar – weder für sich selbst, noch für die Menschen, die ihn lieben. Die Depression nimmt dem Depressiven die Liebe zu denen, die ihn lieben. Er fühlt nichts mehr außer Leere. Da ist kein Raum, für Niemanden. Er spaltet alles ab, kann nicht mehr an seine Gefühle herankommen. Er ist gefühlstaub.
Er stößt dich weg, wenn du für ihn da sein willst, wenn ihm deine Hilfe anbietest, deine Liebe, deine Zärtlichkeit. Er kann nichts davon mehr nehmen.Was du spürst ist eine Eiseskälte und du glaubst daran zu erfrieren. Nichts was du tun kannst um das Herz des Depressiven erwärmen. Und das deine fürchtet sich, ihn zu verlieren.
Irgendwo hinter dieser Eiswand, denkst du, ist er doch, der Mensch, der dich liebte, es dir zeigte, es dir sagte, es dir fühlbar machte. Aber du findest ihn nicht mehr. Er, der dir so vertraut war, du erkennst ihn nicht mehr wieder. Er ist verloren für alles, was du von ihm erhofftst, für alles, was du mit ihm geteilt hast, für alles, was du zu geben hast. Er kann nichts mehr nehmen. Da ist ein Fremder wo ein Vertrauter war. Ein Lebloser wo ein Lebendiger war.
Das schmerzt und du willst nicht einsehen, dass du diesen Schmerz nicht lindern kannst mit deiner Liebe, nicht für ihn und nicht für dich. Deine Hilfe wird als Angriff abgewiesen, deine Apelle als Vorwurf abgewehrt, dein Kümmern ist Belastung, dein Bitten ist Druck. Der Depressive lebt in seiner Welt. Es ist eine Welt hinter Stäben, zu der du keinen Zutritt mehr hast.
Das schwarze Jetzt der Depression kennt kein Gestern und kein Morgen. Es kennt keine Erinnerung und keine Zukunft. Es ist Stillstand im Jetzt - Lähmung, die jede Bewegung unmöglich macht.
Es gibt keine gemeinsamen Tage mehr, keine gemeinsamen Pläne, keine gemeinsamen Träume. Die Depression verschlingt alles, saugt es ab, zieht es in ihr schwarzes Loch. Dort auf dem Grund haust weidwunde Einsamkeit, tiefe Verlassenheit, stumme Taubheit.
Und du ... bist einsam wie der Depressive. Du bist allein mit deinem Leid wie der Depressive. Dieses Leid ist unteilbar. Jeder ist allein.
Die Depression kostet Kraft, für den, der an ihr leidet und für den, der unter ihr leidet.
Die Depression ist eine Krankheit, die du nicht heilen kannst. Sie ist eine Krankheit bei der deine Liebe versagt. Sie ist eine Krankheit, die nur dann Heilung findet, wenn der Depressive es will. Ob er das will, ob er es kann, kannst du nicht beeinflussen. Nicht mit deinen Tränen, nicht mit deinen Bitten, nicht mit deiner Wut, nicht mit deiner Liebe, nicht mit deinem Kämpfen.
Du kämpfst gegen eine Macht, die größer ist als du. Vergeblich.
Du kannst beeinflussen wie du damit umgehst. Wenn du alles getan hast um dem Depressiven eine Tür zu öffnen und er sie nicht durchschreitet, wenn du alles getan hast um ihn zu halten und er dich wegstößt, hast du alles getan. Du kannst bleiben, da sein - ohne zu erwarten. Und gut für dich selbst sorgen. Dir selbst Hilfe suchen.
Mehr ist nicht möglich.
Freitag, 3. November 2017
Den Zirkel der Anhaftung durchbrechen
| Foto AW |
Ich komm an dir nicht weiter.
Ich komm nicht an dich heran.
Ich kann tun, was ich will, du lässt mich nicht zu dir.
Ich verbiege mich.
Ich tue Dinge, die ich nur für dich tue.
Ich vergesse mich dabei und die Dinge, die ich für mich tun sollte.
Ich versuche es immer wieder.
Ich komm an dir nicht weiter.
Ich verliere mich dabei.
So in etwa ist es, wenn wir vergeblich versuchen einen Menschen zu erreichen, der uns viel bedeutet. Aber alle Versuche sind sinnlos, wenn der andere uns nicht zu sich lässt. Weil wir das aber so sehr wollen, wollen wir sie nicht begreifen diese Vergeblichkeit, weil sie uns ohnmächtig macht und dieses Gefühl schmerzt. Ein Schmerz, den wir nicht fühlen wollen, und wir versuchen es weiter. Minderwertigkeitsgefühle, Selbstzweifel und Versagensgefühle führen dazu, dass wir es immer wieder versuchen, weil wir nicht zulassen können, dass es nicht geht.
Vergeblich.
Ja, ich weiß, es ist schwer diese untauglichen Versuche aufzugeben.
Auch wenn wir wissen, dass es genau das ist, was wir tun müssten, damit das endlose Ringen um den Anderen und seine Liebe oder sein Seelenheil, aufhört.
Aufhören ist schwer. Etwas aufgeben wohin unsere Kraft, unsere Liebe und unsere Energie geflossen ist, vielleicht über lange Zeit, ist schwer.
Das reißt eine Lücke, das nicht mehr Versuchen. Das macht den Raum leer. Schafft Raum in dem erst einmal nichts mehr ist, außer wir selbst und der Schmerz über die Vergeblichkeit unseres Tuns. Und dann diese quälenden Fragen: Woran bin ich gescheitert? An ihm? An mir selbst? Habe ich nicht das Richtige getan? Habe ich nicht genug getan? Nicht genug geliebt? Warum war alles so wirkungslos?
Und wir sind müde und entkräftet und suchen weiter nach Antworten und die Schuld vielleicht bei uns. Versagt könnten wir haben.
Aber wir haben nicht versagt, und wenn es so wäre, was für eine Rolle spielt das?
Wir haben unser Bestes getan.
Wir haben Untaugliches versucht am untauglichen Objekt.
Wir sind nicht weiter gekommen an ihm, an ihr, mit ihm, mit ihr, mit dem, was unsere Vorstellungen waren von einem Miteinander, das gut ist für ihn, für sie, für uns.
Es ist nicht gelungen.
Es ist nicht gelungen, weil es nicht sein sollte.
Denn hätte es sein sollen, wäre es leicht gewesen und nicht schwer. Es wäre kein Ringen gewesen und kein Kampf und kein ewiges Versuchen ohne Gelingen.
Sind wir nicht in der Lage das zu akzeptieren entsteht ein Zirkel, aus dem es nur schwer einen gesunden Ausgang gibt. Es bleibt bei der Anhaftung an den, den wir nicht erreichen konnten, auch dann, wenn er schon längst aus unserem Leben gegangen ist. Darum ist es wichtig diesen Zirkel zu durchbrechen. Der erste Schritt dazu besteht darin zu erkennen und anzunehmen, dass außerhalb dieser Welt der Anhaftung eine andere Welt existiert: Die unsere und all das was in ihr ist, ohne den, dem wir vergeblich anhaften.
Ich bin liebenswert - nicht für das, was ich tue, sondern, für das, was ich bin.
Dieser Satz ist ein Kompass auf dem Weg zurück in unsere Autonomie - wenn wir ihn uns selbst glauben.
Donnerstag, 2. November 2017
Der Schmerz alter Verletzungen
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| Malerei Dirk Arlt |
Ich spüre ihn jeden Tag bei meiner Arbeit mit Menschen, den Schmerz der alten Verletzungen. Ich erlebe in meinen Beziehungen, wie er das Miteinander beeinflusst und beengt, wie er den Raum für Angst und Distanz weitet, wo Raum für Nähe und Liebe sein könnte. Ich erlebe wie er uns beherrscht und ich sehe wie wir ihn weg denken wollen. Aber alter Schmerz lässt sich nicht wegdenken.
Die Verletzung mag alt sein und wir wissen, es ist unmöglich sie ungeschehen zu machen. Dazu ist es zu spät. Aber es ist nicht zu spät, dem Schmerz im Jetzt Raum zu geben. Er ist real, er ist jetzt.
Damals als wir Kind waren gab es diesen Raum nicht. Wir mussten den Schmerz abspalten um emotional zu überleben. Wir mussten die Wut, die Ohnmacht, die Trauer, die Hilflosigkeit, den Ekel, die Scham, abspalten. Alle diese Gefühle haben wir konserviert, sie leben in uns wie Blüten, die sich um unser Wollen ranken. Dem Wollen, dass es doch endlich gut sei. Aber das Konservierte beherrscht uns, egal wie sehr wir es weg haben wollen. Es beherrscht unser Denken, unsere Gefühle und unser Handeln. Es beherrscht unsere Beziehung zu uns selbst und anderen. Es trennt uns von uns selbst und von unserer Sehnsucht ganz zu sein.
Der alte Schmerz ist keine Einbildung. Er ist real. Er ist jetzt.
Solange wir den Schmerz der alten Verletzung nicht zulassen, wird er zu einer unerledigten Sache, die uns Tag für Tag bedrückt wie eine schwere Last, die uns Rückgrat und Seele krümmt. Alter Schmerz muss abfließen, damit wir für das Heute bereit und aufnahmefähig sind - ein Heute, das nicht durch unterdrückte Gefühle beeinflusst und verdunkelt wird.
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