Freitag, 5. September 2014

Gedankensplitter




Es ist töricht, die Vergangenheit loslassen zu wollen, denn du bist deine Vergangenheit. 
Es ist weise, deine Vergangenheit zu achten und zu akzeptieren, denn nur aus den Erfahrungen deiner Biografie heraus bist du der, der du bist.
Die Vergangenheit loslassen wollen, heißt Teile deines Lebens abzuspalten und damit spaltest du dich selbst, du bist zerrissen.
Die Vergangenheit annehmen heißt: Dich selbst annehmen, dich wertschätzen, mit allem, was dein Sein ausmacht.

Dienstag, 2. September 2014

twilight


Aus der Praxis – Vom Wiederholungszwang in Beziehungen


Malerei: Angelika Wende

Siegmund Freud nannte es „Wiederholungszwang“. Was er damit meinte ist: Wir wiederholen alles Alte, Ungelöste solange, bis wir es gelöst haben. Es ist als ob wir den gleichen Film, das gleiche Drehbuch immer wieder von vorne bis hinten abspielen. Dazu suchen wir uns unbewusst die passenden Mitspieler aus, um gemeinsam unsere alten Verletzungen zu reinszenieren. So funktionieren Paarbeziehungen. 

Auf einer zweiten Ebene sind Sie sind immer ein Nachspielen unserer eigener Kindheit. Und das ist möglich, weil sich stets Menschen ineinander verlieben, deren alte Filme zueinander passen. Solange wir uns nicht bewusst sind, dass in jedem Erwachsenen auch ein verletztes inneres Kind an der Beziehung beteiligt ist, das nach Wiederholung "schreit" - und zwar im Wunsch die alten Verletzungen endlich zu heilen - verlaufen unsere Beziehungen nicht erwachsen. Der andere wird zur Projektionsfläche all dessen, was wir nicht bekommen haben oder was uns angetan wurde. Er wird zum Platzhalter von Mutter- und Vaterbild, an dem wir uns vergeblich abmühen, wie damals als Kind. 


Der Partner bekommt so eine Rolle zugewiesen, die wir ihm unbewusst auf den Leib schreiben und umgekehrt. Solange bis wir die Verantwortung für uns selbst und unsere Kindheit nicht übernommen haben und uns selbst das geben, was wir damals so nötig gebraucht haben, nämlich Liebe, Verstehen, Fürsorge und Freude, ist eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe nicht möglich.

Deshalb beginnt das Lernen von Liebe bei uns selbst.

Donnerstag, 28. August 2014

Gedankensplitter





ich liebe das schöne und be schreibe das unschöne, 
weil im unschönen die möglichkeit der wandlung liegt.

Mittwoch, 27. August 2014

Two Face



Es war wieder da. Es kam von unten nach oben, von hinten nach vorne, von innen nach außen. Wenn er trank war es da. Schluck für Schluck schälte es sich heraus, wurde größer und mächtiger, dieses zweite Gesicht, das sich vor sein erstes Gesicht schob, allmählich und sicher und jedes Mal anders, aber das Erste, jedes Mal wieder der Lüge strafend. Was sie ansah war Streitlust, die sich steigerte und zur Wut wurde, dann, wenn aus den Schlucken Gläser wurden, die er hinunterschüttete, schnell und gierig,  als sei es klares Wasser, um einen Durst zu löschen, der unstillbar war.

Das sonst gut Versteckte entglitt seiner Kontrolle, schwappte über das Weinglas zu ihr herüber, spukte sie an mit giftiger Galle und roher Sprache. Das Klare, Kontrollierte löste sich in der Süße des Weines auf und die bittere Essenz, die blieb, war abschreckend wie die Züge seines Gesichts, die ihm entglitten, ihm alle Milde nahmen, Sympathie in Abscheu verwandelten, die sich ihr entgegenstellte wie eine Drohgebärde, bereit jederzeit die Hand zu heben und zuzuschlagen, vielleicht ohne sie zu meinen, und es gab kein Schild, das sie hätte schützen können.

Sie bekam es mit der Angst zu tun und mit den Zweifeln, die immer da waren, aber gut versteckt und unausgedrückt wie seine Wut, wenn er nicht trank. Janus dachte sie, dass er ein Two Face besaß und sie fragte sich, welches sein wahres Gesicht war. Dann kam die Traurigkeit, weil sie es längst wusste und blieb, obwohl sie es wusste. Ihr war klar, dass sie wie er zwei Gesichter besaß, von denen das eine mit klaren Augen sehen konnte und das andere die Augen verschloss vor der Wahrheit, weil sie die Hälfte dessen, was sie lebten als Lüge entlarven würde.


Dienstag, 26. August 2014

Der rote Faden



Anna wusste, es war falsch immerzu an die Vergangenheit zu denken, aber etwas in ihr konnte nicht anders, auch wenn sie sich dagegen wehrte. Für kurze Zeit gelang es ihr sich abzulenken, aber dann war sie wieder da, die Erinnerung. Sie lief wie ein Film in ihrem Kopf ab. Zum hundertsten Mal schaute sie sich Szene für Szene an und suchte nach einer Erklärung, warum alles so gekommen war und nicht anders. Sie war überzeugt davon, dass es für jedes Leben einen Plan gab, ein Drehbuch, das man nicht selbst schrieb, basierend auf den Gaben, die man besaß und die es zu entfalten galt. Solange man dem Plan folgte verlief das Leben ohne Hindernisse und ohne Katastrophen. Sobald man aber vom Plan abwich griff das Schicksal ein, es traf einen gewissermaßen wie eine Korrektur. Dann war der Plan unterbrochen, der Film stand still, das Drehbuch funktionierte nicht mehr. Übrig blieb Chaos und die geringe Chance den roten Faden wieder zu finden. 

Anna hatte den Faden endgültig verloren. Dem ersten Verlust folgten der zweite und der dritte. Sie hatte aufgehört zu zählen. Sie nahm es hin wie man das Wetter hinnimmt. Anna wusste, dass sie so nicht denken sollte. Sie wusste vieles und tat nicht, was sie hätte tun sollen. Manchmal glaubte sie, dass sie aus Angst nicht mehr handelte, aber wenn sie das Gefühl von Angst suchte fand sie es nicht. Was sie fand war eine bleierne Müdigkeit, eine Unlust an allem und jedem, eine unüberwindbare träge Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit ist das Gegenteil von Liebe, dachte Anna und dass sie die Liebe verloren hatte, zu sich selbst oder diese Liebe niemals wirklich gefühlt hatte. Eine ungelebte Liebe tut weh. Was blieb war die Sehnsucht, eine schmerzhafte unstillbare Sehnsucht. Unerfüllte Sehnsucht verzehrt die Seele. Angst frisst sie auf. Sie wusste nicht was besser war oder schlechter. Also war es gleichgültig.

Montag, 25. August 2014

Verschlossenes Glück