Mittwoch, 5. August 2015

Wut auf die Welt




Ich bin wütend auf die Welt, sagte sie. 
Ich sah sie an: Nun, was glauben Sie welches Ihrer Bedürfnisse nicht erfüllt ist?
Was möchten Sie und bekommen es nicht?
Liebe, antworte sie, wie aus der Pistole geschossen.

Frust und Wut entstehen, wenn wir nicht bekommen, was wir dringend brauchen oder uns wünschen.
Wenn wir uns fragen, welche unserer Bedürfnisse unerfüllt sind, kommen wir zu dem, was wir brauchen. Wir kommen dann bei uns an und hören auf unsere Wut und unseren Frust ins Außen zu projizieren. Wir hören auf, andere für unsere Wut verantwortlich zu machen, wir hören auf, unsere Wut auf die böse Welt da draußen zu richten. Wir begreifen dann, dass die Verantwortung für die Wut bei uns selbst liegt, wir begreifen dann, dass für die Erfüllung unserer Bedürfnisse nur einer verantwortlich ist - wir selbst. Wir begreifen dann, dass es allein an uns ist, für die Erfüllung unserer Bedürfnisse zu sorgen und zu handeln.


Die Erfahrung des Feststeckens

Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 100, AW 2015

Dienstag, 4. August 2015

Angst XX





Es ist völlig sinnlos einem Menschen, der Angst hat zu sagen - du brauchst keine Angst zu haben. 
Er hat Angst. 
Es ist hilfreich seine Angst ernst zu nehmen und ihm zu vermitteln, dass sie ein Gefühl ist, das zum Menschsein gehört. 
Und weil sie ein Gefühl ist, vergeht sie auch wieder. 
Angst löst sich auf, wenn wir ihr die Achtsamkeit zollen, die sie so dringlich verlangt. 
Angst hat immer einen Grund. 
Und deshalb geht es niemals darum, die Angst zu bekämpfen, sondern den Grund der Angst herauszufinden, dann erst kann sie sich wandeln.

Sonntag, 2. August 2015

AUS DER PRAXIS – Unsere Knöpfedrücker, unsere Lehrmeister

 

Jeder von uns hat in seinem engsten Umfeld Menschen die immer wieder Gefühle wie Ärger, Wut, Hilflosigkeit oder Ohnmacht in ihm auslösen. Oft sind es sogar die Menschen, die uns nahe stehen. Der Chef, der Arbeitskollege, die Eltern, die Kinder oder der Partner. Mit blinder Treffsicherheit schießen sie immer wieder genau die Pfeile ab, die uns ins Mark treffen, oder wie man sagt: Sie drücken unsere inneren Knöpfe.
Sie können sie drücken, weil sie uns gut kennen, sie können sie nur deshalb drücken, weil sie unsere empfindlichsten Stellen kennen, Stellen, die, wenn man auf sie schießt oder drückt, so richtig weh tun. Und weil sie das wissen, drücken sie diese auch, bewusst oder unbewusst. Manchmal weil sie sich selbst schlecht fühlen und das schlechte Gefühl an uns weitergeben wollen, manchmal aus Unachtsamkeit oder aus Ignoranz, und manchmal aber auch um irgendeine Art von Macht oder Kontrolle über uns auszuüben oder zu behalten, denn – womit kann ich den anderen besser kontrollieren, als wenn ich ihn in einen Zustand drücke, in dem er sich verletzt, hilflos und ohnmächtig fühlt? Der andere ist dann klein und ich kann mich wieder größer fühlen. Letzteres ist ein besonders ungesundes Knopfdrückspiel. Aber es ist nun mal menschlich, die eigenen Kleinheitsgefühle vermeiden zu wollen, und wie geht das vermeintlich effektiver, als andere kleiner zu machen, als man sich selbst fühlt.  

Es gibt Beziehungen da läuft dieses sinnlose und schmerzhafte Machtspiel des Knöpfedrückens über Jahre, solange bis einer von beiden keine Lust mehr an der Unlust des sich schlecht Fühlens hat und das sich selbst verstärkende Spiel beendet, meist indem er die Beziehung abbricht und den emotional kontaminierten Spielplatz verlässt.

Nun kann man aber nicht alle ungesunden Beziehungen radikal abbrechen und auch wenn man das könnte, es wird immer wieder Menschen geben, die unsere Knöpfe drücken - solange sie da sind. Man kann nämlich nur etwas auslösen, was bereits da ist, man kann nur drücken, was drückbar ist. 

Jeder innere Knopf, der beim Drücken weh tut, ist etwas, was in uns selbst weh tut. Eine alte Verletzung oder ein Gefühl von Unzulänglichkeit, das wir spüren und mit dem wir nicht zurecht kommen oder sogar darunter leiden.
Solange dieser Knopf nicht berührt wird spüren wir ihn nicht, was nicht heißt, dass er nicht da ist. Er ruht sich nur aus, bis zum nächsten Drücken. Unsere Knöpfe sind Verletzungen, Erfahrungen, Gefühle und Gedanken über uns selbst, die alle nur eins wollen: Sie wollen angeschaut und erlöst werden. Wenn uns das bewusst ist, können wir das mit den Knöpfedrückern um uns herum anders sehen, entspannter nämlich. 


Menschen, die unsere Knöpfe drücken sind enorm wichtig für unser seelisches Wachstum. Sie sind unsere Lehrmeister, denn ohne, dass es ihnen selbst bewusst ist, weisen sie uns auf etwas in uns hin, das danach ruft verwandelt zu werden.   
Und damit tun sie uns eigentlich einen Gefallen. Wir brauchen genau diese Menschen, damit wir in uns selbst Frieden machen können und alte Dinge erledigen, die diesem inneren Frieden im Weg stehen. Menschen, die unsere Knöpfe drücken, sind wichtig für unser inneres Wachstum. Sie zeigen uns auf, was wir uns nicht mehr antun sollten. Immer wenn ein Anderer bei uns den schmerzauslösenden inneren Knopf drückt, könnten wir uns als erstes klar machen: „Ich lasse ihn diesen Knopf drücken, noch!“ Das Bewusstsein: „Ich lasse ihn“, ist der Moment, der die Sachlage völlig verändert. Wir sind bei uns selbst und nicht mehr beim Anderen, wir sind nicht mehr in der Fremdbestimmung, sondern wir bestimmen selbst – nämlich indem wir nicht mehr unbewusst reagieren, sondern bewusst reflektieren, was da eigentlich wirklich abläuft.

Wenn einer unseren inneren Knopf drückt, dann kann er das nur, wenn seine Worte oder sein Verhalten bei uns auf Resonanz stoßen. Und wenn diese Resonanz da ist, dann ist da etwas in mir, was auf diese Resonanz antwortet.  
Übrigens funktioniert das auch bei angenehmen Begegnungen so. In der Quantenphysik treten zwei Teilchen nur dann in Resonanz, wenn Sie in enger Verbindung zueinander stehen. Mit anderen Worten: hätten wir diesen bestimmten Knopf nicht, könnte der andere mit diesem Knopf keine Verbindung aufnehmen. Es gäbe keine Resonanz auf verletzendes Verhalten oder verletzende Worte, wenn da nicht unser wunder Punkt wäre. Resonanzen können wir ändern. Wir können es schaffen mit emotionalen Stressituationen besser umzugehen. Zugegeben, das ist keine leichte Sache, denn „unsere Gefühle haben große Macht über uns. Sie beherrschen unseren Verstand mehr als umgekehrt“, sagt der Hirnforscher Gerhard Roth, der ein sehr interessantes Buch darüber geschrieben hat, warum es Menschen so schwer ist fällt, sich zu verändern.

Fakt ist: Unsere Gefühle steuern unser Verhalten, sie beeinflussen unsere Gedanken, unsere Persönlichkeit und damit unsere die Beziehungen zu anderen Menschen. Dennoch sind wir ihrer Macht nicht auf Gedeih und Verderb hilflos ausgeliefert. Es ist zwar nahezu unmöglich die eigene Persönlichkeit zu verändern, das ist auch nicht Sinn der Sache, aber es ist möglich, selbstschädigende Gefühle, Gedanken, Glaubens- und Handlungsmuster zu erkennen und durch hilfreichere zu ersetzen. Es ist möglich, sich mit sich selbst vertraut zu machen, sich selbst gut kennen und verstehen zu lernen und schließlich das Beste zu entfalten, was im Innersten angelegt ist. Wer die Ursachen seiner Schwachstellen kennt, wer weiß, was da in ihm ist, was „gedrückt“ wird, ist also klar im Vorteil, denen gegenüber die seine Knöpfe drücken.

Mein innerer Knopf jault immer dann auf, wenn in mir einer das Gefühl auslöst, ich sei schuld, dass es ihm nicht gut geht. Der Knopf ist ungefähr fünf Jahre alt. So alt war ich, als man mich für ein Unglück in meiner Familie verantwortlich machte. „Du bist schuld!“ Noch heute löst deshalb alles was nur im geringsten nach Schuld riecht, bei mir das Gefühl von Schuld und der damit verbundenen Ohnmacht und Wut aus, die die Fünfjährige damals empfand und nicht ausdrücken durfte. Und noch heute reagiert, obwohl ich mir seiner bewusst bin, dieser Knopf doch immer wieder. Das liegt daran, dass sich besonders aufwühlende emotionale Erfahrung in jeder Zelle unseres Seins speichern. Gefühle bleiben, aber dennoch kann man lernen, sich nicht mehr von ihnen überfluten zu lassen und das ist möglich, indem man sie annimmt und um ihre Entstehungsgeschichte weiß. 
Heute ist mir bewusst, warum das mit dem Knopf „Schuld“ so ist. Und das bedeutet: Er funktioniert zwar hin und wieder noch, aber die Gefühle von Wut und Ohnmacht reißen mich nicht mehr in den Sog der Selbstanklage oder der tiefen Traurigkeit, die lange braucht um mich wieder zu verlassen. Ich weiß, dass ich diesen Knopf habe und die mich gut kennen wissen das auch, und weil ich weiß, dass sie das wissen, weiß ich, wenn sie ihn drücken, drücken sie ihn bewusst oder unbewusst, um mich in genau diese kindliche Gefühlslage zu bringen, um etwas für sich selbst damit zu erreichen. Weil ich es zulasse. Allein dieses Wissen hilft mir daher mich von meiner Wut und meinen Gefühlen von Ohnmacht relativ schnell wieder zu distanzieren. Ich bin mein eigener Beobachter. Ich beobachte meine Reaktion und was sie in mir auslöst und damit bin ich selbstmächtig, was heißt: Ich entscheide ob ich mich von alten Gefühlen im Jetzt überfluten lasse oder mir die Metaebene des Geschehens anschaue und denke: Hm, Knopf gedrückt, aber ich weiß warum und wozu das gut ist: Ich muss noch an mir arbeiten. Danke für die Erinnerung, Knopfdrücker!

Eine hilfreiche Übung wenn mal wieder ein innerer Knopf gedrückt wird, ist: Halte inne. Schau dir die Situation als Beobachter an. Hinterfrage - was geschieht da wirklich? Entscheide - wie willst du angemessen reagieren?

Innehalten in Gedanken führt dazu, dass wir bewusst aus der gerade hochsteigenden Emotion aussteigen. Wir sagen „Stopp“ und nehmen Distanz ein. Wir werden innerlich ruhiger und können wieder klarer denken, anstatt wie der Pawlowsche Hund kopflos auf den Reizauslöserknopf zu reagieren. Innehalten, bewusst innerlich „Stopp“ sagen ist hilfreich in Sachen Selbstberuhigungskompetenz. Und jetzt können wir, anstatt vor Wut zu explodieren oder uns schlecht, schuldig oder klein zu fühlen, nachforschen: Auf welche Verletzung oder auf welches alte Gefühl trifft das Verhalten oder der Angriff meines Gegenübers gerade? Wie würde ich reagieren, ohne in Resonanz zu sein mit dem, was da auf mich abzielt? Wie würde ich reagieren, ohne diese Verletzung oder dieses Gefühl zu haben?

Wenn diese Fragen beantwortet sind können wir entscheiden, welche Reaktion sinnvoll und hilfreich für uns selbst ist. Mit der Zeit und sehr viel Übung verlieren damit die Knöpfe und damit die Knöpfedrücker ihre Macht über uns. Wir gewinnen mehr von dem, was uns heiler macht – inneren Frieden nämlich. Und womit dieser in Resonanz tritt ist klar.



Samstag, 1. August 2015

Gedankensplitter




Jeder Widerstand genau hinzusehen, 
lässt den alten Film in deinem Kopf anhalten, mit der Folge, dass du wieder und wieder nur das selbe siehst.




Vom Leid des Anhaftens


nichts, aber auch nichts, ist es wert sich selbst zu verleugnen, nichts, von dem, was wir glauben zu brauchen. nichts, aber auch nichts, rechtfertigt den selbstverrat an unserer seele.
dieser satz kam mir heute früh, als ich meine morgenseiten schrieb.
ein satz, der uns allen nicht neues ist, auch mir nicht. aber ein nutzloser satz für viele menschen, denn, obwohl sie das ganz tief drinnen wissen, danach handeln ist schwer.

ich erlebe jeden tag leid. meine arbeit hat mit leid zu tun, mal mehr mal weniger schwer, wobei ich mich hüte zu beurteilen, was mehr und was weniger ist schwer ist. manche menschen leiden unter dingen, die für andere kein problem sind und manche menschen haben schwerwiegende probleme und leiden weniger darunter. leid ist nicht messbar, und auch nicht verhinderbar, aber in all den jahren meiner arbeit mit menschen (dazu gehört auch auch die arbeit an mir selbst), kann ich sagen - viel leid schaffen wir uns selbst.

es ist unvorstellbar was menschen sich alles selbst antun, und das, wider besseres wissen.
unsere seele weiß genau, was wir brauchen und was uns schadet, aber kaum ein mensch lebt danach. die facebookseiten sind voll von hilfreichen lebensweisheiten für die seele, die täglich gepostet werden. mittlerweile braucht man die auch nicht mehr selbst in den status einzutippen, es gibt sie auf bunten bildchen, auf schwarzem oder auf weißem grund. sie lassen sich per copy and paste ganz einfach in knapp einer sekunde in den status kopieren. schwups steht die weisheit da und die nächste folgt auf dem fuße. schwups, und die vorher gepostete ist schon vergessen. zack, zack, zack, so geht das, schnell, mühelos und ohne selbst etwas tun zu müssen, denn zeit ist kostbar und weiter gehts mit dem, was man eigentlich zu tun hat, arbeiten zum beispiel. die lebensweisheit fällt in sekundenschnelle der vergänglichkeit der achtsamen wahrnehmung anheim. na ja, hauptsache ich habs mal gepostet auf meiner timeline und damit ausgedrückt, was ich wirklich fühle, was ich wirklich will oder wonach ich mich sehne oder was mein tiefstes bedürfnis ist und gut ists.

hm, ich frage mich, wozu ist das gut? wozu ist das gut, wenn da täglich die immer gleichen dinge stehen und wozu ist das gut, das immer gleiche in minimalen varaitionen wieder zu posten?

weil das posten die handlung simuliert und weil es so leicht ist, etwas zu posten, viel leichter als die eigenen gedanken und gefühle dahin zu tippen. und wozu ist es noch gut? wenns von anderen, meistens bekannten und gescheiten leuten kommt, denen man einfach glauben muss, weil sie sicher gescheiter sind als man selbst, kann sich der poster sicher fühlen mit dem, was er postet. wozu ist es noch gut? wenn man das mal so hin postet, muss man ja nicht gleich machen, was da steht. oh ja, lebensweisheiten und kluge sprüche gescheiter menschen gibt es wie sand am meer und die beliebtesten sind die, die uns aus der seele sprechen. wie schön, dann müssen wir nicht selbst für unsere seele sprechen. das fatale dabei ist - wir werden immer abhängiger vom vorgekauten und immer mehr zum wiederkäuer, der den ganzen infowust unverdaut in sich aufnimmt. dabei bleibt es dann auch bis wir vielleicht eines tages platzen vor lauter unverdautem, das explosive gase im innersten bildet. nichts gegen lebensweisheiten, ich stehe drauf und poste sie hin und wieder auch gerne, aber nur dann, wenn mir selbst in der sache nichts einfällt, was wahrer oder eindringlicher formuliert sein könnte.

aber, allen fremden, uns zu eigen gemachten lebensweisheiten zum trotz: unsere seele spricht aus uns zu uns. und damit bin ich wieder beim anfang, sorry für den den kleinen ausflug, es kam gerade so über mich.

was ich sagen will - meine erfahrung ist: das meiste leid ensteht durch anhaftung. anhaften an etwas,  an einen glaubenssatz, an überzeugungen und an menschen. letzteres hat viel damit zu tun, welchen glaubenssätzen wir anhaften, zum beispiel dieserm ich brauche jemanden, der mich hält, sonst schaffe ich das alles nicht. so halten sich menschen an menschen um sich nicht alleine halten zu müssen und viele halten in beziehungen aus, die sie letztlich allen inneren halt verlieren lassen. sie halten sogar manchmal so lange aus, bis sie körperlch krank werden und dann halten sie noch immer am anderen fest, weil krank und allein sein, das, glauben sie, halte ich schon gar nicht aus.

das größte leid ensteht wenn wir in beziehungen aushalten, die unsere tiefsten sehnsüchte und unsere wahren bedürfnisse nicht erfüllen. die seele spürt das und sendet immer wieder kleine hilferufe, die geflissentlich überhört werden, damit da auch nichts von dem, was man sich alles so schön redet, und meist scheint alles schöner als das alleine sein, kratzer bekommt. ich kenne menschen, die wie ein hund unter ihrem herrchen partner leiden und dann vor mir sitzen und sagen: aber ich liebe ihn doch und er gibt mir halt. so wie der facebookpost, an den ich mich halten kann, wenn ich ins wanken gerade? pardon, das war zynisch.

liebe? tut die weh, schafft die leid, macht die krank?
darüber kann jetzt jeder mal selbst nachdenken ...

manchmal bin ich versucht zu sagen: wissen sie, es mag zwar jetzt bitter klingen, aber die tatsache, dass sie die vorstellung ohne den anderen zu leben nicht ertragen, heißt nicht, dass sie ihn lieben, es bedeutet nur, dass sie ein süchtiger auf entzug sind.

nun, ich sage das nicht, denn seine antworten muss jeder in sich selbst finden, mein job ist es ihn auf diesem weg in seinem tempo zu begleiten. aber ich schreibe das hier mal, als lebensweisheit, die sich der, der sie brauchen kann kopieren kann, am besten mitten ins herz, damit es von dort in die seele gelangen kann.