Der
Wunsch Angst loszuwerden führt zu den verschiedensten, meist
unangemessen und wenig hilfreichen Lösungsmustern. Vom Versuch der
Verdrängung über Betäubungsversuche mit Alkohol und Tabletten, bis zur
Vermeidung. Ängste werden so nur stärker. Aber wie kann man den Umgang mit Angst verändern? Wie ihr angemessen begegnen?
Ein Patentrezept gibt es nicht, aber viele Möglichkeiten um einen angemessenen Umgang mit der Angst zu lernen.
Dazu gehört: Die Angst nicht mehr bekämpfen. Leicht gesagt und schwer getan. Es geht im ersten Schritt um:
Akzeptanz
Es
ist hilfreich, wenn wir unsere Angst zunächst einmal akzeptieren.
Akzeptanz führt dazu, dass man den Druck rausnimmt. „Es ist okay, Angst
zu haben.“
Das bedeutet nicht, dass die Angst kleiner wird, es
bedeutet mit der Angst besser zurechtzukommen, obwohl man sie hat und
sie ein wenig zu entkräften.Je mehr wir gegen die Angst ankämpfen, desto
mächtiger bäumt sie sich nämlich auf.
Mit der Angst gehen, anstatt gegen sie angehen. Sie darf da sein, aber ich mache es trotzdem - mit der Angst.
Die Realität prüfen
Angst
wird weniger bedrohlich, wenn wir unterscheiden lernen, ob sie
realistisch ist oder irrational. Heißt: zu unterscheiden, ob sie
begründet oder unbegründet ist, also ob eine echte oder eine
eingebildete Gefahr oder Bedrohung besteht.
Angst wird oft von einer inneren Stimme gefüttert und aufrechterhalten. Diese
Stimme gilt es zu identifizieren. Also herauszufinden, was der Urgrund
der Angst ist. Wie alt sie ist, aus welcher Zeit sie stammt. Viele
erlebte Gefühle im Jetzt stammen aus unserer Kindheit und ziehen uns wie
in einem Sog nach Hinten in die alte Gefühlswelt, die mit dem Jetzt
nichts zu tun hat. Jetzt sind wir keine Kinder mehr und haben ganz
andere Möglichkeiten mit Angstgefühlen umzugehen. Dies gilt es bewusst
zu machen. Das ist oft ein langer Prozess. Wenn wir den Grund gefunden
haben, heißt es noch nicht, dass diese alte innere Stimme aufhört uns
Angst zu machen.
Hilfreich ist es dann diese Stimme jedes Mal zu hinterfragen:
Was
will sie? Was will sie mir sagen? Was genau ist die Bedrohung? Wovor
will sie mich schützen? Wozu ist die Stimme der Angst vielleicht gut?,
im Sinne von: Was muss ich nicht tun, waskann ich vermeiden, wenn ich
ihr glaube? Und dann: Was braucht mein ängstlicher Teil jetzt um sich zu
beruhigen?
Gesunde innere Anteile erkennen
Auch wenn wir
Angst haben, es gibt, außer bei extrem pathologischen Angststörungen,
immer noch einen inneren Anteil, der klar denken kann und handlungsfähig
ist, sonst wären viele Angstpatienten schon längst verrückt geworden.
Diesen inneren Anteil gilt es zu stärken indem wir erkennen: "Ich bin nicht meine Angst, ich habe Angst". Sobald
wir begreifen, dass das Gefühl der Angst nur ein Teil unserer inneren
Anteile ist und es auch noch einen gesunden Anteil gibt, kann dies die
beiden Teile aneinander rücken und die inneren Machtverhältnisse in eine
gewisse Balance bringen. Das bedeutet: Wir erkennen, wir sind nicht
kleiner als unsere Angst. Das macht Mut.
Ungewissheit aushalten
Ungewissheit aushalten lernen ist ein weiterer Faktor um mit Angst besser umzugehen.
Ungewissheit
ist eine Realität des Lebens. Wir haben nicht alles unter Kontrolle.
Die Dinge geschehen, auch wenn wir es nicht wollen. Krieg, die Corona
Pandemie, Unfälle, Krankheiten, Verluste, Sterben und Tod sind Teile des
Lebens auf die wir keinen Einfluss haben. Wer meint alles kontrollieren
zu können ist mit dem Leben und all dem, was es ausmacht, nicht
verbunden.
Wir sind nicht alleinige Schöpfer unseres Lebens, das ist
menschlicher Größenwahn. Diese Sichtweise führt dazu, dass
wir Ungewissheiten immer weniger tolerieren, und damit entfernen wir uns
vom Menschsein. Wenn wir dann merken, dass wir doch nicht alles unter
Kontrolle haben, spüren wir Hilflosigkeit und dann kommt Angst.
Leben
bedeutet auch: mit Unsicherheit und bedrohlichen Situationen umgehen zu
lernen. Das sollten wir verinnerlichen. Um mit dem Unwägbaren umzugehen
hilft es sich selbst zu vertrauen, dass man im Falle des Falles damit
umgehen kann.
All das sind nur einige Möglichkeiten angemessener mit Angst umzugehen. Wie bei anderen psychischen Gesundheitsproblemen kann Angst nicht immer durch Ändern der Denkmuster überwunden werden, und es ist wichtig zu erkennen, dass verschiedene Behandlungsmethoden wiederum bei verschiedenen Menschen funktionieren.
Grundsätzlich aber geht es
bei der Angst immer darum die Angst vor der Angst loszulassen, die
Vermeidung sein zu lassen, mit der Angst auf Augenhöhe zu kommen und ihr
ihre Übermacht zu nehmen, damit sie nicht weiter am Leben hindert. Und:
Letztlich kann Angst auch eine Chance sein uns zu entwickeln und zu
wachsen, denn sie hat auch positive Seiten: Sie zeigt uns wo in unserem
Leben etwas nicht stimmt und dass wir das ändern dürfen.
"Angst
wurde im selben Moment wie die Menschheit geboren. Und da wir sie
niemals meistern können, müssen wir lernen, mit ihr zu leben - so wie
wir gelernt haben, mit Stürmen zu leben."
Paul Coelho
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen