Dienstag, 4. Mai 2021

Es sind Veränderungen nötig, aber keine Zerstörungen

                                                                 Foto. A. Wende
 
 

Es gibt keinen stabilen Zustand der Ordnung. Weil keine Energie unendlich ist, kann Ordnung nicht ewig währen. Autos gehen zu Schrott, Menschen sterben, Sonnen verlöschen. So triumphal der sieg des Lebens über die Unordnung auch sein mag - er ist nur vorrübergehend. Am Ende gewinnt immer der Zufall.

 

Stefan Klein aus: Alles Zufall

 
Diese Zeit kann vieles bewirken. Entweder wir werden kreativ und gestalten unser persönliches Leben zu einem Ausdruck unserer Einmaligkeit, oder wir verfallen in einen Zustand extremer innerer Spannungen oder gar in die Lähmung, durch die unser Selbstausdruck gehemmt wird.
Manchmal schwanken wir auch zwischen beidem. Wir haben Tage an denen wir uns sagen – so jetzt mache ich das und ich bleibe dran und dann wieder gibt es Tage, an denen jegliche Motivation fehlt und wir nur noch eine große Erschöpfung spüren und uns in den engen Lebensordnungen gefangen fühlen.
Die meisten Menschen, die ich kenne, berichten von letzterem Zustand. Auch ich kenne ihn gut. Nur wenige von uns glauben so felsenfest an sich selbst, dass sie die jetzt wirksamen Energien zwischen Starre und Umbruch, in der bestmöglichen Weise für sich nutzen können. 
 
Leben ist Veränderung
Da wir Menschen keine statischen Wesen sind, brauchen wir, um lebendig zu bleiben, kreative Veränderungen. In dieser Zeit fühlen wir das mehr als je zuvor, denn wir stoßen im Außen an harte Grenzen und menschenfeindliche Lebensstrukturen, die so sehr auf uns lasten, dass sie uns mit ihrem Gewicht unsere kreative Energie rauben können.
Die Elemente des Lebens sind in langweiliger Routine erstarrt. Gleichzeitig kommt es zu nie dagewesenen gesellschaftlichen und ethischen Umwälzungen, auf die wir als Einzelne keinen Einfluss haben. Der Impuls zu rebellieren, alles stehen und liegen zu lassen und sich aus dem Staub zu machen, weg von all dem, kann entstehen.
Während dieser Zeit zerbrechen nicht nur äußere Strukturen sondern auch Beziehungen und Projekte, die starr und belastend geworden sind. Es kommt kollektiv und individuell zu Spaltungen und Trennungen. Vieles, was das Leben ausmachte, endet jetzt. Altes verschwindet und wofür es Platz macht, wissen wir nicht. Wir spüren, dass sich eine neue Ordnung durchsetzen will, aber ob sie gut oder ungut für unser Leben ist, wissen wir nicht. 
Dieses Nichtwissen ist eine ständige Quelle der Unruhe in uns. Viele von uns kommen an ihre Grenzen. Sogar die Resilientesten sind an einem Punkt an dem sie mit bewährten Bewältigungsstrategien nicht so recht weiter kommen. Was wir gerade erleben ist etwas so Surreales, so Unbegreifliches, dass wir noch keinen tragenden Umgang damit finden. Das Weltgeschehen schleudert uns aus dem Rahmen unserer personalen Sicherheit heraus, wir haben das Gefühl keine Kontrolle mehr zu haben. Wir fühlen uns als kämpften wir wie der kleine David gegen den großen Goliath. 
 
Das Ego, der verblendete Teil, der glaubt, die Fäden in unserem Leben zu ziehen, tut alles um in zu besiegen um letztlich immer wieder zu erkennen – dieser Goliath ist stärker als jede Anstrengung.
Was könnten wir an diesem Punkt erkennen?
Wir könnten erkennen: Es sind Veränderungen nötig, keine Zerstörungen.
Wir könnten erkennen, dass es Dinge gibt, mit denen wir leben müssen. Und für uns selbst entscheiden, was wir verändern können um damit leben können. 
 
Neuordnung
Wie Außen so Innen - unser aller Leben bedarf jetzt einer gründlichen Neuordnung. Dieser Prozess wird dauern, er wird nicht ohne Ängste, Schmerzen, Verluste, Irrungen und Wirrungen zu bewältigen sein, aber wenn wir wissen - auch ohne zu wissen wohin es uns führt - wer wir sind, wer wir sein wollen, wofür wir stehen und was wir in die Welt geben wollen, haben wir einen Wegweiser, an den wir uns halten können, mitten im Umbruch.

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