Dienstag, 27. September 2011

Kopfgeficke

das ist da den ganzen tag, dieses kopfgeficke und ich habe angst, dass es schlimmer wird. der junge sieht mich an, lächelt dabei, nimmt sich aber ernst dabei, das spüre ich. das lächeln, ein hilfloses lächeln gegen das, was er kopfgeficke nennt, anlächelnd.

ich lächle zurück, eine ebenso hilfloses lächeln, das nichts ändert. ich kenne es, sage ich. ich nenne es anders aber es ist das gleiche. ich kenne es gut. das ist wie wenn teile eines ganzen, das man nicht zusammenbekommt durcheinanderwirbeln, ständig, unaufhaltsam, selbst der schlaf fällt schwer. das ist wie eine innere zersplitterung, die konzentration schwer macht, das ist zerstreutes denken ohne ziel. ein durcheinander, das nach ordnung schreit und sie nicht findet.

das macht unruhig, sagt der junge. ja, sage ich. das ist zu viel und doch zu wenig. das ist suchen ohne zu wissen wonach, vielleicht das und auch zu viele ideen, die sich einander bedingen und wieder nicht. das ist ein anfang ohne ein ende und doch ein ende, weil es ausbremst, ein handeln schwer macht, weil nicht wissen wie und wonach handeln. nicht sicher sein, was sinn macht, vielleicht ist es auch das?

auch das ist keine antwort. ich weiß es und lächle wieder. wir lächeln beide, einverstanden.

ruhe ist das gegenteil davon. ruhe ist aufmerksamkeit auf das was ist, jetzt, ohne die gedanken an anderes, vor oder nach der jetztzeit. das kopfgeficke, ich suche die ursache schon lange, sage ich. manchmal denke ich, ich weiß. der junge sieht mich fragend an, er weiß es nicht, weiß die ursache nicht, vielleicht hat er wie ich darüber nachgedacht, denke ich, und findet den grund nicht, den ich auch nicht finde und nur vermuten kann.

vielleicht, sage ich, kommt das kopfgeficke daher, dass man seine bestimmung nicht gefunden hat. ich kenne wenige, die sie gefunden haben, ich meine wirklich gefunden und sie dann leben. das sind die, die eine tiefe liebe zu ihrem tun haben, es niemals hinterfragen, das ist erfülltsein, das ist ruhe und konzentration auf das wesentliche, ablenkung nicht zulassend.
möglicherweise ist es das, möglicherweise, oder auch nicht.

der junge lächelt wieder. da ist so viel, was ich machen will, so viel inspiration, die von aussen kommt und die aus mir selbst raus will. ja, das ist viel, antworte ich und dass ich auch das kenne, dieses zuviel des möglichen und sich nicht entscheiden können, auch das. und dann das alte, das im kopf wummert, das uns nicht loslässt, das sicher auch, das gewesene, das sich einmischt in alles andere. bei mir ist es so.

der junge sieht mich an, ich weiß nicht ob er versteht. ich verstehe selbst nicht und dann doch und ich weiß, dass das seinem und meinem kopfgeficke rein gar nichts hilft.

Samstag, 24. September 2011

Vom Lügen




Was sind Lügen? Lügen sind bewusst ausgesprochene Unwahrheiten um andere zu täuschen. Scheinbar bequeme Konstrukte um mit Vorsatz dem Unbequemen zu entgehen.

Machen wir uns nichts vor, wir alle lügen und es gibt sogar Leute, die behaupten wir lügen jeden Tag mindestens ein Mal. Ob das so ist? ich weiß es nicht. ich will nicht lügen, andere wollen das auch nicht.

An sich ist eine Lüge nichts weiter als eine Unwahrheit unter all den Unwahrheiten dieses Lebens. Was wahr ist, wer weiß das schon? Wer das Wahre bewusst verdreht weiß es, wenn es um die Lüge geht, ist das so.

Lügen sind ungut, weil jede Lüge eine weitere Lüge nach sich zieht, weil Lügen täuschen und jede Täuschung zu Enttäuschung führt.

Ich frage mich, ob es so etwas wie gute und schlechte Lügen gibt. Ich frage mich das, weil ich verletzt bin von den vielen Lügen anderer, sogar derer, die ich liebe. Alles was verletzt ist ungut, und Lügen, die ausgesprochen oder aufrecht erhalten werden, in der Gewissheit, dass man andere damit verletzt, sind die ungutesten. Lügen zerstören Vertrauen und Vertrauen ist die basis jeder Beziehung, ohne Vertrauen zerbrechen Beziehungen.

Da lügt einer einen anderen an, weil er zu feige ist die Wahrheit zu sagen, weil er glaubt, dass die Wahrheit ihm selbst schadet. Das ist ungut. Da lügt einer einen anderen an, im Wissen, dass er durch die Lüge den anderen, der ihm nahe steht, in eine Lage bringt, die diesem schadet. Da lügt einer, weil er sich einen Vorteil verspricht. Da lügt einer und spinnt sich selbst in ein Netz von lügen, das ihn am Ende derart erdrückt, dass sein Leben erstickt. Da lügt einer so lange, bis er die Welt seiner lügen nicht mehr von der Realität trennen kann und sein Leben auf dem wankenden Untergrund der Lügenkonstrukte die Bodenhaftung verliert. Er katapultiert sich ins Aus und verliert sich selbst und die, die ihm nichts mehr glauben können. Da belügt sich einer selbst und  dass ist die schlimmste aller Lügen, denn die Selbstlüge zieht alle anderen Lügen nach sich. 

All diese Lügner wägen ab, bevor sie lügen. Das ist berechnendes Lügen. Sehr ungut. Solche lügen schaffen Leid, bei den Belogenen und beim Lügner, der sich in Sicherheit wähnt. Aber Lügen haben, wie man sagt, kurze Beine. Sie tragen nicht lange, auch und gerade den Lügner nicht. Zur Lüge gesellen sich immer Berechnung und Taktieren. Und das ist immer ungut, nicht zuletzt, weil das Taktieren auch den, der taktiert, in eine innere Schieflage bringt. Wenn die Lüge dann ans Licht kommt, und Lügen kommen immer ans Licht, ist dieser Jemand nicht mehr glaubwürdig. Er hat sein Glück verspielt auf das er mit gezinkten Karten gesetzt hat.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, hat meine Großmutter, gott, hab sie selig, immer gesagt. Sie hat Recht. Die Entscheidung die Lüge erst gar nicht zu benutzen hat mit Aufrichtigkeit zu tun,  mit Mut und mit Achtung dem Menschen gegenüber, dem sie schaden würde. Es gibt nicht viel Mutige unter den Menschen. Es ist nicht mutig zu lügen, aber es ist mutig nicht zu lügen.

Ich denke nach, noch immer ...  und komme zu dem Schluss, dass die schlimmste Lüge die ist, die eine Wahrheit in die Welt setzt, die die Wirklichkeit verdunkelt, auf Kosten anderer, um den eigenen Arsch zu retten.

Freitag, 23. September 2011

krank

ich bin krank. ich hasse kranksein.
jeder mensch hasst es. wir wollen keinen schmerz, nicht körperlich und nicht seelisch.

krank werde ich immer dann, wenn mir alles zu viel wird, wenn meine seele ruhe will und ich sie ihr nicht gebe, ich mich weiter antreibe, weil da so viel ist was zu tun ist und nicht verschoben werden kann.

ich muss funktionieren, wir alle müssen dass, weil da so viel zu tun ist. was ist eigentlich wirklich zu tun? aber jetzt bin ich krank und ich funktioniere nicht mehr, ich muss es nicht, weil ich krank bin, sein darf.

das ist schlecht und das ist gut. gut weil ich ausruhen darf, weil meine seele jetzt die entscheidung meinem körper überlassen hat. gut ist das. die reißleine gezogen. nichts geht mehr.

das nächste mal werde ich früher ausruhen. dann muss ich nicht krank werden.

Mittwoch, 21. September 2011

noch

herr der sommer war sehr groß ... so beginnt das herbstgedicht von rainer maria rilke, das schönste herbstgedicht, dass ich kenne. es kam mir in den sinn heute morgen, am frühen morgen, als es noch nicht hell war und auch nicht mehr dunkel und ich aus dem fenster sah wie jeden morgen nach dem aufstehen, es kam mir in den sinn, als ich die die blätter der platanen auf dem sand sah. da lagen sie und da liegen sie noch jetzt, braungraugelb verstreut, eins vom anderen getrennt, aneinander liegend, übereinander gefallen. gefallenes das vergeht. bald wird man sie wegrechen und damit den sommer endgültig.

wieder ein sommer, dachte ich und das denke ich immer noch während ich hier sitze und schreibe um den sommer zu fassen, der anders war als viele sommer davor. anders, weil ich nicht allein war in diesem sommer und es noch immer nicht bin, allein. und es ist gut so, nicht allein gewesen zu sein und es noch nicht zu sein.

und das noch begann in meinem kopf zu tanzen und es tanzt noch immer in meinem kopf, weil es die endlichkeit in sich trägt. aus dem noch kann immer ein nicht mehr werden und ich weiß es.

aber noch ist es und auch das weiß ich. und es ist gut dieses noch und ich beschließe über ein nicht mehr nicht mehr nachzudenken an diesem morgen und ich schaue noch einmal auf die blätter auf dem sand draußen vor meinem fenster und ich weiß an diesem morgen, dass da wieder blätter an den platanen sein werden, andere, aber wieder blätter und ich weiß auch - ein nicht mehr bedeutet immer auch ein wieder neues.

Dienstag, 13. September 2011

gedankensplitter 28


zerbrochenes zusammenkitten

ein neuer ein bruch im zerbrochenen
leicht möglich
zu leicht

fragil

behutsamkeit
vorsicht
tasten statt fassen

um zusammengekittetes nicht endgültig zu zerbrechen

die mondin




der mond und verbringen die nacht miteinander. er voll und hell am schwarzen nachthimmel, ich blass und mit verheultem gesicht am fenster sitzend, weil ich wieder einmal darüber nachdenke, dass ich einen menschen, den ich liebe, einmal sehr verletzt habe, ohne es zu wollen.

ich sitze da, schlaflos, und starre ihn an, diesen vollen runden mond, der so stille steht, dabei steht er gar nicht, aber auch egal, man sagt so. seit ich ein kind bin, sagt man so und es ist mir auch nicht wichtig, was der mond genau macht, ich muss  nicht alles wissen. ich schau ihm gern dabei zu wie er da oben steht am schwarzen nachthimmel und dann bilde ich mir ein, dass er mir dabei zuschaut wie ich da unten sitze und es macht mir auch nichts aus, dass es ihm egal ist, was ich mache.

ein gutes gefühl ist das, einfach sein zu dürfen, denke ich beim da sitzen. nebenbei fällt mir ein, dass die deutschen die einzigen sind, die der mond zur mondin sagen. in italien ist es die mondin und in frankreich ebenso, la luna, la lune und das ist wahrer, denn der mond entspricht dem weiblichen prinizip und das macht ihn mir noch sympatischer.

wie eine große mutter strahlt die volle mondin von da oben auf mich herunter und ich fühle mich nicht klein, weil sie so groß ist in dieser nacht und ich es nicht bin. ihr großsein machte mich nicht kleiner wenn ich mich in ihr spiegele, mich, die ich auch eine mutter bin und mich selbst oft klein mache, weil ich so viel großes tun will und es nicht schaffe. dass ich das nicht schaffe schafft mich manchmal und dann tut es mit leid, dass ich noch immer nicht über mich hinauswachsen kann wie die mondin, bis sie ganz voll und rund und hell ist.

ich bin nicht hell, ich meine ich halte das nicht durch mit dem hell sein, weil ich so viel dunkles in mir spüre und weil ich dazu neige, das dunkle oft mehr zu gewichten als das helle, obwohl mir das helle lieber ist das das dunkle, aber irgendwie zieht mich das dunkle magisch an.ich suche nach und in den schatten um mich dann mit ihnen zu befassen, weil  es mich fasziniertund weil ich weiß, wo viel schatten ist, ist auch viel licht. das ist das helle im dunklen und das erkenne ich und dann fühle mich wie eine schatzsucherin, die eine kiste mit glänzendem gold gefunden hat. aber manchmal leuchte ich, das spüre ich, das ist wie ein warmes glühen von innen nach aussen. das spüre ich, wenn ich tue was ich liebe. ja, dann leuchte ich und für einen moment in der zeit bin ich dann voll, so voll und hell wie die mondin.

Montag, 12. September 2011

pläne ...

er hatte pläne gemacht, immer wieder, immer neues auf blättern festgeschriebenes, in den dateien des pc s gespeichertes, eine flut von ideen und konzepten. für dich, hatte er gesagt und ziele gesetzt und vorstellungen geschaffen im kopf, sie ihr geschildert in den schönsten farben an den langen abenden zu zweit.

sie war froh, dass da endlich einer war, der an sie glaubte, wo sie doch den glauben an sich nur schwer halten konnte, der glaube der ihr immer wieder wie feiner sand durch die finger ihrer schmalen hände ran. vielleicht weil sie so schmal waren, hatte sie gedacht, nach einem grund suchend, warum ihr das so schwer fiel, das mit dem glauben an sich selbst. das schmale ihrer hände war kein grund, das wusste sie.


sie hatte so etwas wie glück gefühlt, dann, als er ihr alles genau erklärte, so genau, dass da bilder in ihrem kopf tanzten, von dem was sie tun würden, gemeinsam. am morgen ging er dann zur arbeit um anderen ideen und konzepte zu verkaufen und sie saß da, allein an ihrem schreibtisch mit den gedanken im kopf, an das was sie tun würden gemeinsam und die gedanken tanzten so wild in ihrem kopf, dass es ihr schwer fiel zu tun was zu tun war.

die tage vergingen wie sand der durch finger rinnt. es war längst herbst. die blätter vergilbten an den bäumen vor ihrem fenster. die pläne, festgeschrieben auf blättern und in den dateien des pcs waren noch immer da, schwarz auf weiß. manchmal fiel ihr blick auf das schwarz auf weiße, ihre finger klickten auf die dateine des pcs um sie zu öffnen, damit sie den glauben nicht verlor an das was sie gemeinsam tun wollten, an den mann und an sich selbst. das machte sie glücklich, so glücklich wie an den langen abenden wo sie es gewesen war mit dem mann.

die tage wurden kürzer und der mann hatte viele pläne und konzepte, die er umsetzen musste für andere, die ihm geld dafür gaben. an den abenden erzählte er ihr vom umgesetzten und sie hörte ihm zu und sah, dass es ihm gut ging und sie war froh, dass es dem mann gut ging und wollte ihn nicht stören in seinem gutgehen über das er die pläne, die sie gemeinsam hatten wohl vergessen hatte.

manchmal fragte sie den mann dann doch, wann sie denn beginnen wollten mit dem was festgeschrieben war und das leben wollte, irgendwie.

aber der mann hörte das nicht und erzählte ihr von einem neuen plan, den er gemeinsam mit ihr hatte und den schönen farben all der bilder in seinem kopf und den gedanken die er im kopf hatte, an sie und wie voll sie ihn machten die gedanken an das, was sie gemeinsam tun würden. sie hörte ihm zu an den langen abenden der tage die kürzer wurden, so wie sie ihm immer zugehört hatte an den langen abenden vorher.

aber obwohl sie ihm zuhörte wurden seine worte immer leiser, so leise bis sie sie nicht mehr hörte.