Sonntag, 27. April 2025

„Nicht warum die Sucht, sondern warum der Schmerz?“

 


 

 

Was lässt Menschen in ungesunden und unausgeglichenen Beziehungen bleiben, in denen sie Liebe, Zuneigung und Fürsorge geben, aber nichts von all dem zurückbekommen?

Was lässt sie in diesem unheilsamen, toxischen Konstrukt bleiben, obwohl sie leiden?

 

Es ist Angst. Meistens ist es die Angst vor der Einsamkeit, die sie fürchten, wenn sie die Beziehung verlassen. Die Angst niemanden mehr zu finden, den sie und der sie lieben könnte, auch wenn sie genau wissen, dass das, was sie in dieser Beziehung bekommen, alles andere ist als Liebe. Sie wissen es, sie spüren es, aber sie wollen es nicht wahrhaben. Sie machen Konstruktionen um es sich schön zu reden und leben in einem Zustand permanenter kognitiver Dissonanz - ein Abwehrmechanismus, der ihnen ein gutes Gefühl vorgaukelt. Sie ignorieren oder leugnen das Problem, sie spalten es ab und rationalisieren es.

 

Sie haften an und halten fest, weil sie endlich geliebt sein wollen, weil sie das kleinste Zeichen von Interesse und Zuneigung aufsaugen wie die Luft zum Atmen. Sie halten fest, weil sie die Hoffnung nicht aufgeben wollen, dass sie doch noch irgendwann bekommen, wonach sie ich so sehr sehnen – und zwar genau von diesem einen, für sie unerreichbaren, Menschen. Genau das macht ihn für sie so interessant. Etwas, das sie aus der Kindheit kennen, was ihnen aber nicht bewusst ist.

Sie kämpfen einen Kampf, den sie nie gewinnen können, aber das Kämpfen scheint ihnen leichter als aufzugeben, denn dann sind da nur noch sie selbst – und das scheint ihnen unerträglicher als der Schmerz und das Leid in der toxischen Beziehung. Sie haben eine Beziehung und die Vorstellung keine Beziehung zu haben, ist furchteinflößender als in einer unheilsamen Beziehung zu leben, denn hier können sie sich auf einen anderen beziehen und sind nicht mit sich selbst und ihrer inneren Leere konfrontiert. Sie glauben fest daran, dass ihr pathologischer Partner sich eines Tages ändert und ihnen endlich die Liebe schenkt, die sie sich so sehr wünschen. Sie alle versuchen, den Partner zu kontrollieren und zu manipulieren, damit er sie endlich liebt.  

Vergeblich.  

 

Das, was ich hier beschreibe wird als emotionale Ahängigkeit oder Co-Abhängigkeit bezeichnet. Und ich kann es nicht nur beschreiben, ich habe es selbst gefühlt.

Menschen die zur emotionalen Abhängigkeit neigen, haben alle eins gemeinsam: Sie leiden unter einem Defizit an Selbstliebe. Die emotionale Abhängigkeit ist lediglich ein Symptom dafür, sich selbst nicht lieben zu können, sich selbst nicht genug zu sein, mit sich selbst nicht gut zu sein, mit sich selbst nichts anfangen zu können, was innerlich tief erfüllt, sich selbst nicht der beste Freund zu sein. Dieses emotionale Defizit ist die Ursache für co-abhängiges Verhalten und das muss behandelt werden und nicht das Symptom – die Co-Abhängigkeit.  

 

Abhängigkeit ist emotionale Sucht und wie jede Sucht kann sie nur geheilt werden, wenn die ihr zugrunde liegenden Ursachen erkannt und gelöst werden.

Gabor Maté bringt es mit einem Satz auf den Punkt : "Not why the addiction, but why the pain?"

 

„Nicht warum die Sucht, sondern warum der Schmerz?“

 

Wenn man nicht versteht, dass emotionale und Co-Abhängigkeit nur ein Symptom eines tiefen seelischen Schmerzes ist, kann das Problem nicht gelöst werden.

Die meisten abhängigen Menschen, die mir in meiner Arbeit begegnen, haben ein Bindungstrauma. Alles beginnt in Beziehung und wie die frühe Beziehung zu unseren Bindungspersonen war, heißt wie wir sie gefühlt wahrgenommen haben, bestimmt unsere späteren Beziehungsmuster. Kinder, die sich geliebt, respektiert, umsorgt und sicher gefühlt haben, haben gesunde Bindung erfahren dürfen und werden im späteren Leben gesunde Beziehungen erleben. Wer aber keine bedingungslose Liebe erfahren hat, sondern eine „Liebe“ die er sich erkämpfen musste und trotzdem nie bekam, wer eine „Liebe“ erfahren hat, die an Bedingungen geknüpft und abwertend war, wird das für Liebe halten. Dieses Kind lernt: Ich muss etwas dafür tun, um geliebt zu werden. Dieses Kind wird ein Leben lang nach dieser bedingungslosen Liebe suchen, im Versuch seine Wunde zu heilen.

 

Das Bindungstrauma erzeugt im Kind zudem eine Kernscham. Es schämt sich seiner selbst, es verinnerlicht die Überzeugung, nicht liebenswert, schwierig, unsichtbar, schlecht ungewollt oder wertlos zu sein. Diese Scham führt dazu, dass sich der erwachsene Mensch später nur dann „geliebt“ fühlt, wenn er sich selbst vergisst und alles für andere tut.

Betroffene können sich im Leben und im Beruf durchaus als wertvoll, begabt und erfolgreich empfinden und es sein – auf der Beziehungsebene fühlen sie das aber nicht.

In ihren Beziehungen erleben sie einen tiefen emotionalen Schmerz. Sie werden trotz ihrer „Leistungen“ zurückgewiesen, benutzt und nicht wertgeschätzt. Sie strengen sich an, denn Leistung ist ihnen vertraut, aber was im Beruf oder in der Karriere funktioniert, funktioniert in Beziehung nicht.

Je mehr sie leisten desto weniger Erfolg haben sie, desto mehr werden sie emotional ausgebeutet. Sie ertragen diesen emotionalen Schmerz aufgrund des verzweifelten Bedürfnisses nach einer Beziehung, die den Schmerz der inneren Einsamkeit und der mangelnden echten Selbstliebe lindert. Die pathologische Sucht nach Liebe und Beziehung wird zu ihrer Droge, die die Einsamkeit und das lebenslange Streben nach Liebe jedoch nicht lindert. Solange dieses Defizit an Selbstwertschätzung, Selbstliebe und emotionaler Autonomie nicht aufgefüllt werden kann, bleiben sie emotional Abhängige.

 

Hier der Link zu meinem Buch: Weil ich endlich geliebt sein will: Aus der Innenwelt einer Co-Abhängigkeit

https://www.amazon.de/Weil-endlich-geliebt-sein-will/dp/3769323904/ref=sr_1_1?crid=1NU65KQKMSM16&dib=eyJ2IjoiMSJ9.P64XriiLqIP2Da5GIkbFrR9km-UETHaSwavLcy7RxUNz6g1yfibneLwfg4xJy3CDP5dyr0DDa7CRW6V7Lcl1poubipW35dnR7ze6c40i68rnqBOworMiOxiMc7wF_vsGKee_83ufophxIRBH8LetDgRXpQEXdKat5j6n3oRCYobetCg-RzYyPVd2DY7KChRUiG8O-RVBchdo9AwIu4gII1vaQJ7GWk2aj-uWOxXSoVE.-OgnbR8GGhcJBiCQ4quoRsxWd46qZconi6hXTOP5qjI&dib_tag=se&keywords=angelika+wende+weil+ich+endlich+geliebt+sein+will&qid=1745743835&sprefix=weil+ich+endlich+%2Caps%2C125&sr=8-1

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 24. April 2025

Durchschauen

 

                                                                   Foto: A.Wende


„Ich habe es satt, die Menschen zu durchschauen. Es ist so leicht, und es führt zu nichts.“
Diese Worte sind von Elias Canetti.
Man kann sie anzweifeln und man kann ihnen zustimmen. Je nachdem wie sehr wir selbst fähig sind andere zu durchschauen. Wenn wir jemanden zu durchschauen glauben, können wir uns natürlich täuschen. Wir beurteilen Menschen oft nach dem, was sie sagen, aber um einen Menschen zu durchschauen, sind seine Worte allein nicht hilfreich. Worte sind gefügig, man kann so viel sagen und es nicht meinen und es nicht fühlen. Im Laufe meines Lebens habe ich eins gelernt: Ich halte mich nicht an die Worte, die man mir sagt, ich achte auf die Handlungen, die den Worten folgen. 
 
Menschen sind oft leichter zu durchschauen, als man glaubt. 
Trotz ihrer komplexen Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen gibt es bestimmte Muster und Hinweise, die Aufschluss über ihre wahren Absichten oder Emotionen geben können. Körpersprache, Mimik und Tonfall zum Beispiel sind Indikatoren, die Einblick in das Innere eines Menschen gewähren. Auch wiederkehrende Verhaltensmuster oder bestimmte Reaktionen in bestimmten Situationen sagen viel über einen Menschen aus. Und wie gesagt: Vor allem – wie sie handeln.
 
Je achtsamer man ist, desto leichter fällt es, den Menschen hinter der Maske zu erkennen. 
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie viel man über jemanden erfahren kann, wenn man nur genau hinsieht – in den kleinen Gesten, im Blick, in der Art, wie sie sprechen, indem was sie tun und wie sie es tun. Oft verraten auch die Augen mehr als Worte es je könnten. Ein Blick in die Augen kann viel offenbaren. Es braucht Erfahrung, Einfühlungsvermögen und Sensibilität, um hinter die Fassade blicken zu können. Menschen sind zwar vielschichtig, doch ihre Eigenheiten machen sie auch vorhersehbarer und damit durchschaubarer. Manchmal versuchen Menschen, ihre wahren Gefühle und Absichten zu verstecken. Doch ihre Körpersprache und Mimik erzählen eine andere Geschichte. Sie sind wie ein offenes Buch. Je achtsamer man zwischen den Zeilen liest und je aufmerksamer man ist, desto leichter ist es einen Menschen zu durchschauen. Menschen sind komplex und doch sind sie, wie Canetti schreibt, oft viel einfacher zu durchschauen, als sie es selbst glauben.
"Ich habe es satt die Menschen zu durchschauen", schreibt Canetti und er begründet es damit, dass es zu nichts führt. Oh doch, es führt zu etwas: Man lässt sich nicht mehr so leicht täuschen und damit erspart man sich Enttäuschungen. 


Mittwoch, 23. April 2025

Kontrolle versus Loslassen

 

 

 

Angst sagt: 

"Ich brauche die Kontrolle. Ich brauche absolute Sicherheit."

Kontrolle hat immer mit Angstreduktion zu tun.

Es gibt keine absolute Sicherheit. 

Die absolute Sicherheit ist eine Illusion. Perfekte Kontrolle ist eine Illusion.

Loslassen sagt:

"Unsicherheiten gehören zum Leben. Ich lerne damit umzugehen und mich vertrauensvoll auf das Leben einzulassen."

Dienstag, 22. April 2025

Okay, heute ist kein guter Tag, und ich werde trotzdem das Beste für mich tun!

 


 

Heute ist einer dieser Tage, an denen es dir nicht gut geht.

Schon beim Aufwachen hast du dich mies gefühlt.

Beim Blick in den Spiegel hast du dich wieder selbst verurteilt.

Dein Leben in Frage gestellt, dich in Frage gestellt, dich nach dem Wozu gefragt.

 

Du machst dir einen Kaffee und versuchst diese Gedanken zu verdrängen, aber das miese Gefühl bleibt.

 

Lass es da sein.

Akzeptiere, was du fühlst.

Okay, heute ist kein guter Tag.  

Dann geh ins Selbstmitgefühl.

Frag dich: Was kann ich heute trotzdem tun?

Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Vielleicht einen Kaffee irgendwo draußen trinken, ein Spaziergang machen, eine Atemübung, einen guten Freund anrufen, die Wohnung ausmisten, einen frischen Strauß Blumen kaufen oder in der Mittagspause etwas Leckeres essen.

 

Es geht nicht darum deine Gefühle wegzumachen, es geht darum deinen Gefühlen zu erlauben da zu sein, anstatt dagegen anzukämpfen. Es geht darum deine Gefühle zu verändern, anstatt sie zu verdrängen.

 

Okay, heute ist kein guter Tag, und ich werde trotzdem das Beste für mich tun!

 

 

 

Montag, 21. April 2025

Mitleid

                                                                       Foto: A.Wende
 


"Die Ehrfurcht vor dem Leben, zu der wir Menschen gelangen müssen, begreift alles in sich, was als Liebe, Hingebung, Mitleiden, Mitfreude, Mitstreben in Betracht kommen kann, schrieb einst Albert Schweizer.
Wahrscheinlich werden manche diesen Worten zustimmen.
Nur heute würde man sagen: Mitleiden ist ungut.
Aber ist es das wirklich? Ist es ungutoder gar falsch mitzuleiden?
Hilft es dem anderen, wenn wir sein Leid fühlen, mit ihm sein Leid teilen oder vergrößert es sein Leid?
Oder schenkt Mitleid sogar Trost?
Und ist es nicht zutiefst menschlich, wenn wir das Leid anderer so sehr mitfühlen, dass wir auch leiden?
Was wenn es so wäre?
Vielleicht gäbe es weniger Leid in der Welt.
Weniger Menschen, die dem Leid anderer gleichgültig gegenüberstehen. Weniger Menschen, die den Massackern des Krieges mitleidslos gegenüberstehen und dem unermesslichen Leid, das Kriege anrichten.
Weniger Menschen, die einen Krieg als Option überhaupt in Betracht ziehen. Weniger Menschen die sich mitleidslos mit einem rießigen Leid still einverstanden erklären.
Und mehr Menschen, die bereit sind für den Frieden aufstehen.

Sonntag, 20. April 2025

Auferstehen

 


Heute feiern wir Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Die Wiedergeburt des Gottessohnes als Sieg über den Tod. Mit dem Auferstehungsglauben verbindet sich für viele gläubige Menschen die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben hat, dass unser Dasein nicht endlich ist, dass es mehr gibt als das eine Leben, das mit dem Tod endet.

Christus selbst ist das Licht der Welt, das mit der Osterkerze in die Kirche hineingetragen wird.

 

Die Welt hat sich verdunkelt. Das Dunkel greift um sich, auch wenn wir es verdrängen, es ist da, spürbar, für uns alle. „Ich dachte nicht, dass ich vielleicht noch einen Krieg erleben werde“, sagte gestern die Lebensgefährtin meines Sohne zu mir. Die beiden verlassen dieses Land, ziehen nach Thailand. „Dort sind die Menschen anders“, sagt mein Sohn, freundlicher, friedlicher, irgendwie liebevoller im Umgang miteinander.“

Frieden, daran denke ich an diesem Ostersonntagmorgen und wie fragil er geworden ist. Und an die Liebe denke ich. 

Wo ist die Liebe? Die Menschenliebe, die Nächstenliebe?

 

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“, steht im Korinther 13 zu lesen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es von diesen dreien immer weniger in dieser Welt gibt.  

Da ist zu viel, was die Liebe in Frage stellt, zu viel, was den Glauben erschüttert und zu wenig um die Hoffnung hoch halten zu können, angesichts dessen, was wir in diesen Zeiten erleben müssen. Es herrscht Krieg in der Welt. Wir befinden uns in einer Ära der Aufrüstung. Eskalation statt Deeskalation. Kriegsvorbereitung statt Friedensbemühungen. Das ist unsere Jetztzeit. Das zerstört mehr und mehr die Zuversicht, dass die Zerstörung des Friedens, ein Ende hat. Nichts ist mehr sicher, wir sind nicht sicher. Wir alle wissen es und spüren es und wir fühlen uns machtlos ob des Zerstörerischen, was in dieser Zeit sein Unwesen treibt. Die Angst wächst und mit ihr verlieren viele Menschen den Glauben und die Hoffnung, dass all das ein gutes Ende haben kann. Der Boden auf dem wir gehen ist brüchig, der Glaube an das Gute bröckelt, die Hoffnung ist eine fragwürdige Größe.

Was bleibt?, frage ich mich, dort wo Zerstörung, Dunkelheit und Angst herrschen.

 

Was bleibt ist die Liebe, ...die Liebe ist die größte unter ihnen ... 

Die Liebe ist das Einzige an das wir uns halten können, wenn alles zusammenbricht.

Aber kann sie heilen, kann Liebe diese Welt heilen, kann Liebe all das Leid, das tagtäglich im Großen und im Kleinen geschieht und geschehen wird, von uns nehmen? Kann die Liebe den Frieden erschaffen? Unsere Wirklichkeit zeigt uns: sie kann es nicht. Nicht einmal jetzt kann sie es, wo wir längst begreifen müssten, dass wir so lieblos uns selbst, unserem Nächsten und unserer Welt gegenüber, nicht weiter machen könne, weil wir uns sonst im Zweifel selbst zerstören. 

 

Dennoch, ohne Liebe ist alles nichts. Liebe ist stärker als Angst. Stärker als das Dunkel.

Liebe ist die stärkste Kraft, auch in Zeiten des Unfriedens ist sie das. Sie ist das, was uns am Leben hält – die Liebe zum Leben selbst, jetzt in diesem Moment in der Zeit, mit allem, was ist, denn Alles ist mehr als das Dunkel, alles ist auch das, was außer dem Dunkel ist – das Licht, die Schönheit einer Blume, das Grün der aufblühenden Bäume, der Spaziergang im Wald, das Lächeln unserer Kinder, die Umarmung eines Menschen, den wir lieben, liebevolle Güte unserem Nächsten gegenüber, unser Atem, der fließt, ohne unser Zutun und, über all diese kleinen Dinge hinaus – das, was wir lieben, eine Vision, die wir in uns tragen und verfolgen, egal wie unmöglich sie uns in Momenten der Dunkelheit erscheinen mag – das ist Liebe zum Leben. Solange wir leben.

 

Liebe zum Leben ist ein Ja zum Leben.

Sie kann auf (er) stehen, jeden Tag aufs Neue, so lange wir leben, auch in dunklen Zeiten. Und was das Leben über den Tod hinaus angeht, darüber nachzudenken macht keinen Sinn. Wir werden sehen oder nicht. Entscheidend ist, was wir im Hier und Jetzt tun, in Liebe - für den Frieden in uns selbst. Dafür ist Jesus ein Beispiel, er ist gelebte Liebe. Er ist Frieden. 

 

Ich wünsche Euch friedvolle Ostern!

 

Samstag, 19. April 2025

Langsam, ganz langsam

 



Du hast dich gerirrt und eigentlich wusstest du es die ganze Zeit, aber du hattest Angst wieder allein zu sein. Aus Angst davor hast du dich wieder verletzen lassen, um am Ende nur wieder allein zu sein. Du fängst an zu begreifen wie viel sinnlose Energie du verbraucht hast, wie sehr du gelitten hast, nur um zu versuchen, für jemanden wertvoll genug zu sein, der niemals wirklich erreichbar war.
Du erkennst, wie sehr du deine eigenen Grenzen verletzt hast, deine Wünsche und Bedürfnisse unterdrückt hast, deine Würde verloren hast, dich schlecht behandeln hast lassen, Platz für jemanden gemacht hast, der kaum da war und es nie sein wollte.
Du vergibst dir selbst dafür.
Du hast nur versucht zu lieben und geliebt zu werden.
Du hast nur gehofft endlich angekommen zu sein.
Gesehen und gehört zu werden.
Und jetzt lernst du, was es bedeutet, dir selbst diese Liebe zu geben.
Du hörst auf, dich für dein Sosein zu entschuldigen, du hörst auf an deinem Wert zu zweifeln und du fängst an, deine Würde zu schützen und auf deine Bedürfnisse zu achten.
Du lernst klare Grenzen zu setzen.
Du lernst für dich selbst da zu sein.
Du lernst dich selbst gut zu behandeln.
Du lernst das Beste für dich selbst zu tun.
Schritt für Schritt. In Babyschritten.
Tag für Tag.
Und langsam, ganz langsam fühlt sich die Leere, die sich einst wie Verlassensein angefühlt hat, wie Freiheit an.
 
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de