Sonntag, 26. Dezember 2010

Türkis

Türkis,
wie der meeresblaue Streifen des Regenbogens,
wo kein Raum ist für schwarz und grau,
wo die Hoffnung sich über den Regen erhebt.

Blau

Blau,
die Farbe des Meeres,
Himmel, der sich darüber breitet,
Sehnsucht, die tief ist,
tief und blau wie das Meer
unbewegt
dem Ertrinkenden gegenüber ...

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Weihnachtsgedanken


Was ist das, dass ich in der Weihnachtszeit noch nachdenklicher, noch dünnhäutiger und noch melancholischer werde? Was ist das, was mich an all die Menschen denken lässt, die ich liebe, die ich geliebt habe und sie mehr als sonst vermisse? Was ist es, das mich mit Gefühlen der Traurigkeit und der Hilflosigkeit an all die denken lässt, denen es nicht gut geht? Was ist es, was in mir diese sentimentale Stimmung macht?

Ganz gleich wie sehr ich mich dagegen zur Wehr setze, meine Bemühungen mich auf Weihnachten zu freuen sind alle Jahre wieder erfolglos. Es holt mich ein mein trauriges Weihnachtsgefühl, es lässt sich nicht ignorieren. Etwas in mir fühlt so, ob ich will oder nicht. Es ist da, dieses Etwas, das mich noch sehnsüchtiger, noch mitfühlender, noch trauriger macht als in irgendeiner anderen Zeit im Jahr. Es ist da, weil sie in mir ist, die Sehnsucht nach Frieden, weil ich mir, wie viele andere Menschen auch, Frieden und Liebe wünsche unter den Menschen, in meiner kleinen Welt und auf diesem Planeten.

Weihnachten ist die Zeit der Geburt Jesus, der kam und zeigte, wie ein Blitzlicht, für einen Moment in der Zeit, was ein Mensch sein könnte. Es ist dieses Blitzlicht, das an Weihnachten aufleuchtet, heller als im übrigen Jahr. 

Vielleicht geht es anderen auch so, vielleicht wissen sie, es sind nicht die Dinge, die wir kaufen und verschenken, es sind auch nicht der Gänsebraten und der schwere Rotwein, die uns dieses seltsam milde Gefühl verschaffen, das wir teilen möchten. Es sind die Menschen, die wir lieben, mit denen wir diese Zeit verbringen und uns freuen, dass sie da sind, wissend, dass es nicht selbstverständlich ist, dass sie unser Leben begleiten und es reicher machen. Bei aller Schenkerei ist es da, das Wissen, dass diese Menschen das wertvollste Geschenk sind, das wir haben und dass es nicht käuflich ist.

Aber es gibt auch diejenigen unter uns, die niemanden zum Lieben haben, niemandem zum Teilen, nicht in der Vorweihnachtszeit und nicht an diesem 24. Dezember. 

Da ist die alte Frau in der Nachbarschaft, deren Familie irgendwo ist, nur nicht bei ihr. Da sind die Menschen, die verlassen wurden von einer Liebe, da sind Mütter und Väter, die sich ihre Kinder teilen müssen über die Weihnachtstage, zersplitterte Teile eines Ganzen. Da sind Kinder, die sich von ihren Müttern oder ihren Vätern abgewendet haben, das sind die Menschen, die in Kinder- und Jugendheimen sind, in Gefängniszellen und in Krankenhäusern. Da sind die, die Kriege machen und die, die darunter leiden, da sind die, die auf den Tod warten und die, die Hunger haben und keinen Platz, wo es warm ist und feierlich. 

Und ich frage mich, was geht in diesen Menschen vor? Wieviel Einsamkeit müssen sie fühlen, wieviel Schmerz und wieviel Ohnmacht? Und auch wenn ich weiß, dass meine Ohnmacht und mein Schmerz überhaupt nichts an ihrem Leben ändert, mein Schmerz legt sich zu ihrem Schmerz, weil all das auch in mir ist. Ich weiß, dass ich daran nichts, aber auch nichts ändern kann, dass es völlig sinnlos ist mich mit diesem fremden Schmerz zu beschäftigen, weil ich nichts für diese Menschen tun kann. Aber er ist da, in einem Teil von mir. Und wenn ich mich in meiner kleinen Welt umsehe, sehe ich auch da so viel Unfrieden in Beziehungen und Familien, so viel Krieg und Unversöhnlichkeit, so viel was nachgetragen wird und nicht verziehen. Und ich denke, alle schreien nach dem Weltfrieden und nach der Liebe und schaffen es nicht einmal Frieden, Liebe und Güte in ihr eigenes Leben zu bringen. Auch ich schaffe es nicht, denn ich habe keine Macht über andere Menschen. Ich kann nur versuchen den Frieden in mir selbst zu finden. Und für Momente gelingt es mir, denn mitten in all diesen unguten Gefühlen ist auch ein gutes Gefühl von Dankbarkeit, weil ich weiß, dass die Menschen, die ich liebe, auch wenn sie nicht bei mir sind, an diesem 24. Dezember nicht leiden müssen, außer an sich selbst. Tja, und jetzt ist der Moment schon wieder vorbei.









Mittwoch, 22. Dezember 2010

Loslassen

Immer wieder beschäftigt mich der Gedanke was bedeutet es nicht loslassen zu können und wie lerne ich loslassen.


Loslassen ist das Gegenteil von Festhalten.


Was bedeutet Festhalten?

Es bedeutet:

Festhalten an Dingen und Menschen, die waren. Festhalten an der Vergangenheit. Festhalten an Überzeugungen, Festhalten an Zielen. Festhalten an Enttäuschungen. Festhalten an dem, was nicht mehr zu ändern ist. So in etwa ist Festhalten.


Was bedeutet dann Loslassen?

Vielleicht bedeutet es einfach im Hier und Jetzt zu leben. Einverstanden sein mit dem, was Jetzt ist. Egal wie es jetzt gerade ist.


Ich lebe jetzt in diesem Moment. Die Vergangenheit ist unveränderbar, die Zukunft eine unbekannte Größe. "Der Mensch denkt und Gott lenkt", oder das, was größer ist als wir.


Wir planen und haben Ziele und dann kommt alles anders als gedacht. Nur was jetzt ist, kenne ich. Nicht fähig zu sein im Hier und Jetzt zu leben, heißt den Ist -Zustand nicht akzeptieren zu können. Es bedeutet immer in der Zukunft zu leben oder in der Vergangenheit.


Aber das Leben findet nicht in der Vergangenheit statt und es findet auch nicht in der Zukunft statt.


Das Leben findet jetzt statt, genau in diesem Moment.

Das Leben ausserhalb des Hier und Jetzt ist nämlich total unsicher. In jedem Augenblick kann alles anders sein. Ausserhalb des Hier und Jetzt gibt es keine Sicherheit.


Vielleicht bedeutet Loslassen nichts anderes als zu erkennen: Es genügt zu leben, jeden Augenblick und sich keine Fragen zu stellen was morgen ist.

Denn wer weiß das schon ...


Dienstag, 21. Dezember 2010

Eier abschneiden, oder über die Natur des Bösen

Vom Bösen sprechen bedeutet von der Gefährlichkeit des Menschen für den Menschen sprechen. Wenn wir verstehen wollen, warum Menschen anderen Menschen "Böses" antun, müssen wir uns mit dem auseinandersetzen, was wir in uns selbst verabscheuen. Diesen Teil von uns wollen wir nicht sehen. Wir neigen dazu ihn zum Schweigen zu bringen, indem wir den bösen Fremdem "vernichten", weil er uns ähnlich ist.

Doch die Neigung zum Bösen entspricht der Natur des Menschen. Es ist eine Empfindung wie das Gute. Das Böse ist das, was uns nicht lieb ist. Wir spalten es ab.

Ob Völkermorde, Gewaltverbrechen, die alltägliche Demütigung von Kindern durch ihre Eltern, von Frauen durch Männer - und das sind nur Beispiele für Hass und Gewalt - alle haben eine Gemeinsamkeit: das Gefühl, das sie erzeugen: das Gefühl der Abscheu vor dem anderen, dem Fremdem, der Böses tut.

Die mit dem Finger auf das Böse zeigen, sehen sich selbst als "gute" Menschen. Das böse Gegenüber verdient ihres Erachtens diese Bezeichnung nicht. Der andere wird zum Unmenschen degradiert, zum wertlosen, schlechten Subjekt, das nichts Gutes mehr verdient, nicht einmal eine Chance es zu versuchen. Es ist als würde man sich durch diese Anklage selbst reinigen.

Indem man andere als böse bezeichnet, befreit man sich vom Verdacht des eigenen Schmutzigseins.

Das Sauber sein, das Gutsein wird auf diese Weise zum Unterscheidungsmerkmal vom "Nichtmenschen". Dieser wird nicht einmal mehr in seiner individuellen Menschlichkeit wahrgenommen. Er wird vernichtet, ausradiert, zum Teufel gemacht. Er gehört nicht mehr zur Gruppe Mensch. Er wird zum Subjekt des Hasses. "Aufhängen!", "Eier abschneiden!", wie oft hören wir das, wenn ein Täter nicht die von der Gruppe als gewünscht gerechte Strafe bekommt.

Die Gruppe der "Guten" mit ihren individuellen Mitgliedern solidarisiert sich. Im Kollektiv verschwinden die konkreten Gefühle des Einzelnen, seine Einstellungen, Moral und Ethik aus dem Blickfeld. Die Persönlichkeit wird auf eine einzige Eigenschaft reduziert: die Zugehörigkeit zur Gruppe und ihren Zielen. Besonnenheit und Empathie verschwinden.

Besonnenenheit, die Fähigkeit zu reflektieren, die Fähigkeit zur Empathie ist eine Grundanlage des Menschseins. Letztere ist abhängig von den Spiegelneuronen im menschlichen Gehirn. Frauen haben mehr als Männer, Gewalttäter, nach einer Untersuchung des Hirnforschers Gerhard Roth, weniger davon. Das nur nebenbei.

Empathie ist die Schranke zur Unmenschlichkeit. Diese zu übertreten ist in der Gruppe leichter.

In der Gruppe verliert der Mensch seine moralischen Hemmungen. Die Gruppe, stets angeführt von einem Ersten, der Impulse setzt, der agiert, baut sich ein gemeinsames Feindbild auf. Gerichtet auf das Fremde, auf dessen Unreinheit, dessen Böses, verfällt der Mensch in die Projektion. Er hat endlich ein Aussen, in das er das eigene Fremde, das eigene Böse und die eigene Wut auf die eigene Unreinheit ergießen kann. Carl Gustav Jung nannte das: die Projektion des Schattens auf das Gegenüber mit dem Ziel das eigene verdrängte Dunkle, Böse nicht sehen zu müssen.

Hitler war ein Meister der Instrumentalisierung diese Phänomens der menschlichen Unterbewussten. Er machte die Juden zum bösen Fremden, das sein Volk zersetzen würde. Er schuf ein kollektives Feindbild um ein Kollektiv zu beherrschen. Die Masse der Deutschen wurde zu Mittätern.

Das ist Geschichte? Nein, es funktioniert noch heute. Heute ist es ein Sarrazin, der Migranten zum Feindbild erhebt, heute sind es Gruppenzusammenläufe, die sich einen Feind aussuchen, um all das eigene Abgespaltene abzugeben. Das Ziel: In der Gestalt des Feindes kann man den eigenen abgewiesenen Teil des Selbst, das eben nicht rein und gut ist habhaft werden.

Um sich auf diesem Weg vom verbotenen Eigenen zu befreien beschwören solche Menschen den Gehorsam. Eine teuflische kollektive Psychose, die zum Selbstverrat des Menschlichen führt und zur inneren Entfremdung des Individuums.

Fremdenhass hat auch immer mit Selbsthass zu tun. Indem wir den anderen "töten" töten wir die Menschlichkeit in uns selbst.

Unter dem Deckmantel einer Law and Order Gesellschaft, die Gehorsam, Moral und Macht glorifiziert, wird der Mensch zum freiwilligen Knecht, im Zweifel zum Schergen einer faschistischen Ideologie. Das beschrieb schon der Philosoph Ètienne de la Boétie im Jahr 1550. Zitat:" Sie leiden darunter Knecht zu sein, aber diese Verlorenen, diese von Gott und den Menschen Verlassenen lassen sich das Unrecht gefallen und geben es nicht dem zurück, er es ihnen antut, nein, sie geben es an die weiter, die darunter leiden, wie sie und sich nicht helfen können."

Auf diese Weise funktioniert die Identifikation mit dem Agrressor, dem, der das Feindbild aufbaut. Mit dieser Identifikation fällt der Mensch jedoch nicht nur auf seine eigenes inneres Nichtgutsein zurück, sondern auch auf die Wunden, die Verletzungen, die Demütigungen, die ihm im Laufe seines Lebens zugefügt wurden. Verletzungen, die er vermeidet wahrzunehmen, vermeidet zu fühlen, denn die Ohnmacht auszuhalten ist unerträglich. Also spaltet er ab und übt den Gehorsam, den ihm die Idealisierung der Macht auferlegt, aus dem einen Grunde - um seine scheinbare Integrität zu sichern.

Wer will schon hinschauen auf das eigene Schlechte?

Es schmerzt. Zudem wäre es ein Verstoß gegen das Gebot des Gehorsams, das die Idealisierung der Macht ihm auferlegt.

Der lebenslange Versuch, das eigene Böse zu verdrängen, den eigenen Schmerz nicht zulassen zu wollen, macht den Menschen zum Opfer, dass sich immer wieder Täter sucht, um sich selbst nicht bestrafen zu müssen.

Die Unvernunft, die Blindheit sich selbst im Ganzen erkennen und begreifen zu wollen, das mangelnde Bewusstsein über die Komplexität des Menschseins mit all seinen Defekten - darin besteht das Prinzip des Bösen.

Und es besteht in der Dummheit, der Gedankenlosigkeit und der Kulturlosigkeit von Menschen. Wenn die Menschen zugrunde gehen, gehen sie an ihrer Dummheit zugrunde. Und wie heißt es so schön: Gegen die Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens.





Montag, 20. Dezember 2010

Weihnachten




Straßen im kalten Glanz der Neonlichter
künstliche Sterne vom Himmel gefallen
Kitschigbuntes um die Wette glänzend
Bunte Plastikkugeln verloren im Geäst von Tannen
Menschen zünden Kerzen an
Heller Schein

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt
Alle Jahre wieder
Beginn der immer wiederkehrenden Zeit, in der man die Lüge Wahrheit nennt
und die Wahrheit eine Lüge ist
Fest des Friedens, in einer Welt, die Frieden verloren hat

Heilige Nacht
Ein vergessener Gott wird aus der Erinnerung geholt
Feierliche Gesichter
Sprachlosigkeit in buntes Papier gewickelt
Goldglänzendes Band um Wünsche geschnürt
Weihnachten
das Fest der Liebe ...

Sonntag, 19. Dezember 2010

Bist du glücklich?



Zeichnung: ich


Gestern bekam ich eine E-Mail von einem Menschen, den ich sehr schätze. Er fragte mich: "Bist du glücklich?" Mein erster spontaner Gedanke war: die Möglichkeit von Glück ist nur dort möglich, wo es keinen Raum und keine Zeit gibt, wo der Moment zählt, das Augenblicksglück. So gesehen bin ich nicht glücklich, nicht in dem Sinne, wie seine Frage das wohl meinte. Zeit ist dem Glück fundamental entgegengestellt, denn mit dem Ablauf der Zeit ist der Aspekt der Vergänglichkeit verbunden. Ich leide an der Vergänglichkeit, am Wissen, dass wir nichts halten können, weder das Glück des Augenblicks, noch das Leben selbst. Vielleicht ist die Vergänglichkeit der Zeit der Urgrund des menschlichen Leidens.

Wir alle sind nicht nur Individuen, wir sind Teil der Gesellschaft in der wir leben. Alle Ereignisse, alle Dinge, alle Begegnungen, einfach alles, was um uns herum geschieht, nimmt Einfluss auf unser Leben und auf das, was wir tun. Was wir tun, beeinflusst unser Fühlen und andersherum. Tun wir was wir gerne tun, etwas, das uns Sinn schenkt, sind wir glücklicher, als wenn wir das, was wir tun, tun, weil wir es tun müssen, ohne es zu wollen. 

Zu tun was wir nicht wollen, macht nicht glücklich, weil es für uns keinen Sinn macht.

Wenn unser Tun für uns keinen Sinn macht, beschneiden wir uns selbst. Wir machen uns unglücklich. Es ist wichtig, dass wir unsere Möglichkeiten anerkennen, denn damit erkennen wir uns selbst an. Das Entfalten unserer Möglichkeiten, das Verfolgen unserer Träume und Ideale, das Ausleben unserer Kreativität, bedeutet uns selbst gegenüber gerecht zu werden, im Sinne unserer Individuation als Mensch, und es bedeutet wiederholbares Augenblicksglück. Aber anstatt ihre Energie darauf zu verwenden herauszufinden was sie glücklicher macht und das auch zu tun, neigen die meisten Menschen dazu, zu tun was sie glauben tun zu müssen, um zu überleben. Der Kampf um die eigene Existenz, das Geldverdienen wird zum Mittelpunkt des Seins. Dabei wäre es sinnvoller, sich der eigenen Seele und den eigenen wahren Bedürfnissen zu öffnen. Geld ist wichtig, keine Frage, ohne Geld geht in dieser Gesellschaft nichts, doch die Übermacht, die es hat, beschränkt die Freiheit, der Mensch zu sein, der wir sein könnten und sein wollen. Das Streben nach Besitz und monitärer Sicherheit beschränkt die Fähigkeit nach dem Glück zu suchen, das wir schmerzlich vermissen, enorm. Die Mehrzahl der Menschen sitzt in der Falle, oder läuft im viel zitierten Hamsterrad. Ich kenne das gut und das fühlt sich nicht nach Glück an - es schmerzt in der Seele.

Die Kompensationsmöglichkeiten um diesen Schmerz nicht zu spüren sind so unterschiedlich wie die Menschen. Der eine kauft Dinge um die innere Leere zu füllen, der andere arbeitet ständig, der nächste ertränkt das Gefühl der Leere im Alkohol und die, die nicht mehr kompensieren können fallen in Depressionen oder landen im Burn Out. Beispiele, die zeigen, wie wenig das erfüllt, was uns als glückliche Erfüllung in den Medien vorgegaukelt wird. Egal wie wir es anstellen: Das Glück ist nicht käuflich. Aber wir sind es und damit verkaufen wir unser Glück. Paradox und doch verständlich und irgendwie ein Problem, das für viele unlösbar ist und am Ende sind viele unglücklich und fragen sich: Ist das wirklich mein Leben?

Der Schwerpunkt der Frage nach dem Glück hat sich längst auf die Einbildungskraft verschoben und somit auf das Bild vom Glück. Das Glück existiert in der Adaption an das Bild unserer Fantasie, es ist ein Gedankenkonstrukt unseres Verstandes, es ist das Glück der Hoffnung auf ein besseres Morgen. letzlich bleibt für viele nur noch die Sehnsucht nach dem Glück, jene hoffnungsvolle Erwartung auf ein Zukünftiges.

Aber was ist Glück?

Ist Glück nicht im Wesentlichen die Abwesenheit von Leid und Schmerz? Ist Glück nicht die Harmonie von subjektiver Empfindung und objektiv existierenden Faktoren des "Nichtmangels"? Ist Glück nicht auch Selbstverwirklichung und das Streben danach, ja überhaupt die Möglichkeit, sich im eigenen Tun selbst zu "er-leben"?

Glück ist für uns Menschen immer auf eine positive vollständige affektive Erfüllung bezogen. Glück ist das Modell der vollkommenen Harmonie. Wann gibt es diese Harmonie, außer, wenn wir eins sind mit dem, was wir lieben, oder wenn wir eins sind mit uns selbst?

Finden wir diese Erfüllung in den Dingen? Die Erfahrung sagt nein. Finden wir sie "durch" einen anderen? Die Erfahrung sagt nein. Ist es möglich, dass wir anhaltende Gefühle von Glück nur in uns selbst finden, unabhängig von Dingen, die wir kaufen können, von Menschen, die uns "glücklich machen sollen", von Anerkennung, Geld, Macht oder Ruhm?

Ob ich glücklich bin, war die Frage.

Anders gefragt: Woraus nährt sich das Gefühl des "Nicht-Glücks"?
Es nährt sich aus dem Gefühl des Mangels. 
Ist also die Fülle Glück? 
Die Fülle, die wir in uns tragen und aus uns heraus in das Leben hinein?
Wenn das Glück ist, bin ich immer dann, wenn ich diese Fülle spüre und ausdrücken kann, augenblicksglücklich.