Unangenehme Gefühle sind nichts Schönes und schwer auszuhalten. Darum neigen viele Menschen dazu diese Gefühle zu unterdrücken. Ein unangenehmes Gefühl kommt hoch und wir drücken es weg, es soll uns in Ruhe lassen, weil wir gerade null Bock darauf haben uns schlecht zu fühlen. Wir lenken uns ab, beschäftigen uns mit etwas anderem oder betäuben uns mit dem Konsum von Dingen oder Substanzen.
Doch was passiert, wenn wir das immer wieder tun?
Verdrängte Emotionen verschwinden nicht einfach, sie kommen oft mit doppelter Wucht zurück und zwar genau dann, wenn wir es nicht erwarten. Es ist wie mit einem Ball, den wir immer wieder unters Wasser drücken und der, sobald wir den Druck nachlassen, nach Oben ploppt.
Dieses Phänomen bezeichnet man in der Psychologie als Rebound-Effekt, zu Deutsch: Rückprall-Effekt. Je mehr wir versuchen, bestimmte Gedanken oder Gefühle zu unterdrücken, desto präsenter werden sie in unserem Bewusstsein. Es gibt sogar Studien, die herausfanden, dass Personen, die versuchen einen bestimmten Gedanken zu verdrängen, diesen Gedanken häufiger und präsenter erleben als Personen, die sich bewusst darauf einlassen. Diese Beobachtungen legen nahe, dass der Versuch, Gedanken und Gefühle zu unterdrücken als Selbstkontrollstrategie paradoxe Auswirkungen hat, was bedeutet: Unterdrückung ruft genau das hervor wogegen sie gerichtet ist.
Die verdrängten Gedanken sind nicht weg, wenn wir sie nicht denken wollen. Die Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, brechen irgendwann unkontrolliert aus. Und das kann gerade bei belastenden Gefühlen unangenehm werden. Oft kommen sie umso vehementer zurück. Sie zeigen sich in Angst und Panikattacken, in Zwängen und/oder in Körperreaktionen sowie in psychosomatischen und körperlichen Erkrankungen.
Gefühle zu unterdrücken ist also keine gute Strategie.
Im Gegenteil, es führt zu einer hohen emotionalen Stresssituation.
Das Nervensystem ist innerlich ständig im Alarmzustand. Es kommt zu innerer Unruhe und zu muskulärer Anspannung. Und plötzlich triggert eine scheinbar harmlose Situation ein lang unterdrücktes Gefühl und wir wissen gar nicht was jetzt los ist, warum wir plötzlich eine Panikattacke haben oder weshalb wir wie aus heiterem Himmel auf einmal tieftraurig oder wahnsinnig wütend sind. Aufgestaute Emotionale Energie fließt immer irgendwohin und wenn wir sie nicht rauslassen und lernen sie zu regulieren, sucht sie ihren eigenen Weg – in eine unheilsame Richtung.
In meiner Arbeit begegne ich oft Menschen, die innerlich leiden wir ein Hund, aber alles dafür tun, sich das nicht anmerken zu lassen, weder vor ich selbst und schon gar nicht vor anderen. Sie wollen einfach nicht fühlen was da ist. Sie wollen die Trauer nicht fühlen, die Angst, die Verzweiflung. Viele sagen das sogar: „Ich will das nicht „oder „Das soll endlich weggehen“. Sie tun alles Mögliche um sich abzulenken in der irrigen Annahme - dann schmerzt es weniger. Manche verbergen sogar in den Sitzungen ihre Gefühle, oft weil sie meinen, sie nicht aushalten zu können oder weil sie meinen, ihre Gefühle hätten keine Berechtigung da zu sein. Diese geistige Anstrengung zehrt enorm an unseren seelischen und körperlichen Kräften. Wir schaden uns damit massiv selbst.
Das Unterdrücken von Gefühlen raubt unglaublich viel Energie. Und: wir machen uns selbst etwas vor.
Gefühle wollen ausgedrückt und nicht unterdrückt werden.
Was sich nicht ausdrückt, drückt sich ein.
Und irgendwann drückt sich das Eingedrückte auf eine Weise aus, die wir mit Sicherheit nicht haben wollen.
