Dienstag, 30. Januar 2024

Niemals ohne Liebe

 

                                                                                                                      Foto: www

 
Ein wesentlicher Aspekt unserer inneren Kraft ist die Fähigkeit, uns unserem Bedürfnis nach Liebe selbst zuzuwenden, indem wir lernen, wie wir uns dieses Bedürfnis selbst erfüllen können, anstatt uns zu sehnen, nach der oder dem Einen, der es uns dieses Bedürfnis nach Liebe erfüllt.
Es ist schön, wenn wir Liebe erfahren mit einem anderen Menschen. Es ist schön, wenn es diesen anderen gibt, aber es gibt ihn gerade nicht oder nicht mehr oder vielleicht nie mehr. Die Liebe eines anderen kann man nicht haben wollen. Man kann sie nicht anknipsen und nicht kaufen. Man kann sie nicht halten, wenn sie uns verlassen will. 
 
"Ohne Liebe aber ist alles nichts", steht in der Bibel.
Also wen lieben, wenn da keiner ist zum lieben?
Uns selbst. Uns selbst lieben so wie wir es können. Uns selbst lieben, wie wir es uns wünschen geliebt zu sein. Uns selbst lieben, wie wir den anderen lieben, wenn wir lieben.
 
Liebe ist ein Bewusstseinszustand.
Warum fällt uns das so schwer, uns selbst Liebe zu geben, sie in uns selbst zu fühlen, für uns selbst? Diese Frage kann man ,solange man will, psycholgisch zu ergründen versuchen, eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Aber brauchen wir immer eindeutige Antworten um zu handeln, zu fühlen? 
Nein, brauchen wir nicht. Ich jedenfalls brauche sie nicht. 
 
Wissen und Heilung ist nicht dasselbe. Antworten zu haben, ist nicht dasselbe wie heilen. Wir heilen indem wir heilsam denken und handeln.
Wir können lernen uns unserem Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung zuzwenden, indem wir uns nach Innen wenden, indem wir beginnen zu lauschen um die Stimme unseres inneren Kindes zu hören, seine Bedürfnisse wahrnehmen, es ernst nehmen. Wir können handeln und diesem Kind in uns hinreichend gute Eltern sein, bessere als wir vielleicht hatten. Wir können lernen gut zu diesem Kind zu sein, es bedingungslos annehmen und es lieben, ihm Dinge sagen, die seinen Selbstwert, seinen Mut und sein Vertrauen in sich selbst stark machen. Wir können es trösten, schützen und behüten und es nicht dafür tadeln oder es ablehnen, wenn es uns manchmal mit seinem Trotz, seiner Wut, seiner Angst, seiner Traurigkeit und seiner Einsamkeit überfällt, wenn wir es doch gerade nicht brauchen können. All das können wir tun. Wir müssen nicht. Wir dürfen. 
 
Wir alle tragen dieses Kind in uns. Egal wie alt wir sind.
Es ist da, auch wenn wir es nicht wahrnehmen, uns ihm nicht zuwenden, es nicht sehen und hören können oder wollen.
Es lebt und wirkt in uns. Meistens ist es ein verletztes Kind, das aufgrund seiner Wunden, sein Leuchten verloren hat. Dieses Innere Kind ist ein wesentlicher Teil von uns.
Es ist zugleich der fragilste und der stärkste innere Anteil.
Stark, weil es überlebt hat bis heute, trotz all dem Unheilsamen, was ihm einst widerfahren ist und widerfährt. Es braucht unsere Liebe, unsere Wertschätzung, unsere Achtung und unsere Zuwendung. Es braucht Liebe und zugleich braucht es Grenzen um uns nicht zu dominieren. Wir dürfen ihm verständlich machen, dass es nicht all seine Bedürfnisse immer erfüllt bekommt, es darf verstehen lernen, dass es sich nicht an andere zu binden braucht, um sein Bedürfnis nach Liebe erfüllt zu bekommen, dass es das bedauern darf, aber nicht daran zerbrechen wird, wenn da kein anderer zum Lieben ist, weil wir für es da sind und es aus ganzem Herzen lieben.
Mit diesem Kind, für das wir jeden Tag in liebevoller Güte präsent sind, sind wir niemals ohne Liebe. 
 
 
"Ich hoffe, du gehst raus und lässt dir Geschichten, die das Leben sind, passieren, und du arbeitest mit diesen Geschichten aus deinem Leben - nicht mit denen eines anderen - und tränkst sie mit deinem Blut und deinen Tränen und deinem Lachen, bis sie blühen. Bis du selbst blühst. Das ist die Arbeit.
Die einzige Arbeit."
 
Clarissa Pinkola Estés

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