Dienstag, 23. August 2016

maul couché

                                                             Malerei AW 2016


                        .... les "je t'aime" un brouillon

Guilt

Malerei AW

Freitag, 19. August 2016

Gedankensplitter

im außen schauen in der gewissheit nichts verändern zu können. wie sinnlos das ist. wieviel kraft das bindet, wieviel energie das verbraucht. es nützt nichts zu hinterfragen, wenn es von vornherein nur eine antwort gibt: nichts im außen kannst du verändern. 
das liegt nicht in deiner macht.

was deine versuche des hinschauens bewirken? nichts. wenn du veränderung anstrebst, so gilt: nur im eigenen inneren kannst du es tun. damit hast du genug zu tun. 
nur das liegt in deiner macht.

Donnerstag, 18. August 2016

Aus der Praxis – Süchtige Beziehung

Foto AW

Sucht ist die Anhaftung an eine Substanz oder ein Objekt, körperlich, geistig oder seelisch. Jede Art von Sucht spaltet den Süchtigen von seinem Selbst ab, von seinen Gefühlen, seiner Wahrnehmung und seiner Lebensenergie. Die meisten Süchtigen haben oder finden Jemanden, der ihnen hilft die Sucht aufrecht zu erhalten: den Co-Abhängigen. Der Co-Abhängige sitzt im selben Boot wie der Süchtige. Er schwimmt mit dem Süchtigen auf dem Fluss, auf dem sein Boot dahintreibt und in den meisten Fällen im Sumpf des Siechtums strandet.

Sucht ist Siechtum und weit entfernt von der Romantisierung so mancher Süchtiger, die sich ihre Sucht mit der Sehnsucht nach einer besseren Welt oder einer schöneren Existenz in dieser Welt erklären, rechtfertigen oder sich schön reden.

Sucht ist nicht schön. Sucht ist zerstörerisch. Zerstörerisch für den Süchtigen, der der Substanz, an der er hängt, vollkommen ausgeliefert ist. Sein Wille ist gebrochen, er leidet unter Kontrollverlust, was jede Art von Sucht letztlich kennzeichnet. Sein Leben entgleitet ihm wie das dahintreibende Boot im Fluss. Ausgeliefert, wie der Süchtige seiner Sucht, leidet der Co- Abhängige ebenso am Kontrollverlust. Mit anderen Worten: die Substanz hat die Kontrolle über das Subjekt und nicht umgekehrt. Sucht führt zum Verlust der Klarheit und der Selbstkontrolle und schließlich zum Verlust der Kontrolle über das eigene Leben.

Die Beziehung zwischen dem Süchtigen und den Co-Abhängigen basiert auf gegenseitiger Abhängigkeit.
Sie brauchen sich. Ihr Leben ist ineinander verflochten und gaukelt ihnen die Illusion der Sicherheit. vor. Es herrscht Kontrolle auf vielen Ebenen: Die Substanz hat die Kontrolle über den Süchtigen, der Süchtige mit seinem Suchtleiden hat Kontrolle über den Co-Abhängigen, der Co-Abhängige kontrolliert den Süchtigen.
Wo Kontrolle herrscht gibt es keine Individualität.
Dieses Arrangement führt dazu, dass keiner mehr ohne den anderen leben kann – und das ist Sucht.

Die Art Frau, die sich in eine solche Beziehung begibt, bezieht ihre Identität von außen, sie hat keine Selbstachtung und kein Selbstwertgefühl, meist sie ist abgespalten von ihren Gefühlen und unfähig ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Sie lebt für andere. Sie definiert sich über andere. Immer geht es darum zu sein, wie andere sie haben wollen und deren Erwartungen erfüllen. Das gibt ihr das Gefühl etwas wert zu sein. Im Tiefsten ist sie einsam, weil sie sich selbst nicht findet und damit keinen Halt in sich selbst. Das Haltlose des Süchtigen wirkt wie ein Magnet auf ihren inneren seelischen Kompass, der immer in Richtung „ich muss gebraucht werden“ ausschlägt.

Der Typ Mann, der sich in eine solche Beziehung begibt ist meist schwach, er ist gierig und maßlos, ob im Trinken und/oder im Essen oder sexuell. Er ist maßlos weil das Loch in seinem Innersten mit nichts zu füllen ist.
Der Co-Abhängige Mann belügt sich selbst, er belügt andere, er lügt in der Beziehung. Im Grunde ist sein ganzes Leben ist auf einer Lüge aufgebaut. Er lebt nur scheinbar und betreibt Selbstzerstörung auf Raten. Angezogen von der Maßlosigkeit der Süchtigen fühlt er sich geborgen, findet er seine "Seelenverwandte", die ihm Halt vorgaukelt, wo er sich selbst nicht halten kann.

Beide schwanken. Beide sind haltlos. Beide haben keine klar formierte Ich-Identität. Frauen und Männer, die in einer Suchtbeziehung zueinander finden, werden in dieser Beziehung zugrunde gehen, sie siechen dahin an einer höchst unromantischen Krankheit, die man Suchtprozess nennt.

Mittwoch, 17. August 2016

Aus der Praxis – Borderline

Zeichnung: AW

Sie ist voller Lebensangst und zugleich will sie nur leben. Sie sehnt sich nach Nähe und Zärtlichkeit und zugleich ist sie nach innen und außen abgeschottet. Sie sehnt sich nach Zuneigung und Liebe und zugleich hat sie panische Angst fallen gelassen zu werden. Ihr Bedürfnis nach Halt kippt um in die Angst vor Einengung. Ihr Bedürfnis nach Anlehnung kippt um in die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung. Ihre Angst vor Zurückweisung mündet in das Zerstören jeder Beziehung.

Sie ist eine kluge, aufrichtige, starke, mitfühlende, stolze Frau und gleichzeitig wohnt ein kleines trauriges Mädchen in ihr, das resigniert hat und sich vor der Welt, dem Leben und den Menschen fürchtet. Sie sehnt sich nach Menschen und wagt es nicht, sich auf sie einzulassen. Sie fürchtet sich vor Nähe, weil Nähe erfahrungsgemäß immer Verletzung bedeutet. Sie führt Freundschaften nur zaghaft, weil sie es nicht ertragen kann zu tief in das Fremde hineingezogen zu werden. Sie kann reale Gefahren und das Gefühl von Angst nicht trennen. Sie hält es nicht gut mit sich alleine aus und kann sich selbst kaum aushalten. Sie steht unter permanenter innerer Spannung, die sich nur beruhigt, wenn sie sich körperlich auspowert. Sie kann sich schwer selbst beruhigen. Ihr Mangel an innerer Geborgenheit treibt sie von einer Stimmung in die nächste. Sie ist ständig am Kippen und fällt von einem Extrem ins andere. Es fällt ihr unsagbar schwer aus destruktiven Stimmungen wieder herauszufinden.

Sie weiß nicht, wie sie mit dem Leben umgehen soll und oft denkt sie, sie wird daran zerbrechen. Sie braucht jemanden, der ihr hilft, kann aber Hilfe nicht zulassen. Sie nimmt die Welt zutieftst widersprüchlich und fragmentarisch wahr, das schafft Verwirrung und Orientierungslosigkeit. Unfähig die Wirklichkeit in all ihren Facetten einzuschätzen, ist sie gefangen in ihrem zerstückelten Bild von Welt. Sie ist voller Angst, weil es ihr nicht gelingt die widersprüchliche Welt zu erfassen, sie zu verstehen und die Dinge angemessen einzuordnen. Für sie ist das Leben eine Ansammlung von Splittern, die keinen Zusammenhang ergeben.

Sie ist ständig in Hab-Acht-Stellung vor allen möglichen Missklängen und Gefahren. Sie hat eine erhöhte Sensibilität und ein ausgeprägtes Frühwarnsystem seit sie klein ist. Sie hat es gebraucht um zu überleben. Dass sie es heute nicht mehr braucht weiß sie nicht.

Aus Selbstschutz trägt sie eine Rüstung im Wissen, dass sie voller Risse ist und sie nicht schützen kann Sie führt ständig einen inneren Kampf zwischen Liebe und Hass in sich selbst und mit der Welt. Sie kann Gut und Böse nicht zusammenbringen. Sie lebt in der Spaltung und sieht und fühlt nur Schwarz oder Weiß. Ein Grau gibt es für sie nicht. Das kostet unheimlich viel Kraft und verbraucht unsagbar viel Energie. In ihrer Zerrissenheit weiß sie nicht, was sie braucht und was sie nicht braucht. Sie weiß nicht wo die Grenze zwischen sich selbst und den Anderen beginnt und wo sie endet. Sie kann sich oft selbst nicht spüren und dann verletzt sie sich selbst. Sie leidet darunter wie zerstörerisch ihr Leben war und ist. Am Meisten leidet sie unter dem zersetzenden Gefühl in sich selbst keinen Halt zu finden. Sie ist eine Verlorene in sich selbst. Unsicherheit, Wertlosigkeit, Misstrauen, Angst und der Schmerz grenzenloser Einsamkeit sind ihre Begleiter.

Es schmerzt mich die tiefe innere Verlassenheit und die ohnmächtige Wut der Verzweiflung dieses zutiefst beschädigten Selbst zu spüren. Es rührt mich in die Augen dieses einsamen kleinen starken Mädchens zu blicken, das, seit es geboren ist, unermüdlich seinen Platz in der Welt sucht, den Platz dem man ihm nicht geben wollte. Es rührt mich zu sehen, wie dieses verletzte Menschenkind trotz allem, eine scheinbar unzerstörbare Widerstandfähigkeit in sich trägt.
Sie ist eine Grenzgängerin. Man nennt das Borderline.


Samstag, 13. August 2016

Über das Glück





Wir alle wollen Glück haben. Aber was heißt das: "Glück haben"?
Glück haben bedeutet, durch einen glücklichen Zufall begünstigt zu sein. Zum Beispiel: Es fällt uns etwas Glücklichmachendes zu: Ein Lottogewinn, ein schöner Vorteil, den wir erreichen, die Tatsache, dass wir gesund sind oder vom Unglück verschont sind. Glück haben heißt, vom Leben begünstigt zu werden.

Aber da ist noch ein anderes Glück - das Glück der Empfindung, im Sinne von Glück empfinden, es fühlen, egal wie begünstigt wir vom Leben sind, egal ob wir gerade Glück haben oder nicht. Und dieses Glück ist ein viel tieferes als das "Glück haben".

Glück empfinden ist unabhängig von äußeren Umständen oder objektiven Tatsachen, die unser Leben schöner machen. Die Empfindung von Glück hängt einzig und allein von unserem subjektivem Erleben ab. Es ist so wenig was als Glück empfunden werden kann gegen das Viel, was das "Glück haben" ausmacht. Sicher, wenn wir unglücklich sind wollen wir wieder Glück haben und so mancher setzt alles daran es zu erreichen, ganz nach dem Motto: Du bist deines Glückes Schmied!

Glück haben und Glück schmieden. Beides beinhaltet etwas dafür zu tun, damit das Glück ins Haus kommt. Und dann macht man es so wie der Hans im Glück, der auszieht um sein Glück zu finden. Nehmen wir an, eine Liebe hat uns verlassen, welch ein Unglück! Und schwups setzt so ein Unglücklicher alles daran wieder eine neue Liebe zu bekommen. Er will wieder Glück haben, weil er das Unglück nicht haben will. Er tut viel dafür um schnell wieder Glück zu haben. Was für ein Glück ich habe!, denkt er sich dann, wenn er es in menschlicher Gestalt in eine Singelebörse oder sonstwo, wo er sucht, findet.

Das ist das zu habende Glück, das Glück, das wir an äußeren Umständen, an Dingen und an anderen Menschen festmachen. Aber ist das Glück, wenn wir unser Wohlbefinden an Dingen oder gar an einem Anderen festmachen? Der Andere, der dann für unser Glück sorgen soll, dass wir selbst und alleine mit uns nicht empfinden können? Das Ding, das uns glücklich machen soll, weil wir es ohne es nicht sein können? "Glück haben" kann man auch kaufen. Viele Leute kaufen sich viele Dinge um sich glücklicher zu fühlen. Oder sie machen eine Reise um sich glücklicher zu fühlen. Menschen tun viel um das Glück zu haben, das sie nicht haben. Und dann, nach einer Weile, wenn sie das Glück haben, merken sie, dass es sie gar nicht viel glücklicher macht, als sie es vorher waren oder dass sie  genauso unglücklich sind wie vorher, dann, wenn der erste Glückhabenrausch vorbei ist. Ja, so ist das mit dem zu habenden Glück, es macht nicht dauerhaft glücklich. Es ist eine Hatz nach immer mehr und schafft niemals das Gefühl genug zu haben.

Glück kommt zu dem, der warten kann. Zu dem, der ihm nicht hinterherjagt. Es lässt sich nicht jagen und nicht erreichen. Glück ist bei dem, der es empfinden kann, auch wenn er gerade nicht viel von dem hat, was er gern hätte. Die Fähigkeit Glück zu empfinden ist etwas, das in uns selbst angelegt ist oder nicht. Glück ist auch, wenn wir uns unserer Sorgen und Entbehrungen bewusst sind und dennoch Freude und Dankbarkeit verspüren können. Da reichen kleine Dinge um Glück zu empfinden. Wer Glück empfindet braucht nicht immer mehr, um immer größere Glücksgefühle haben zu müssen oder um Glück überhaupt zu bemerken. Er weiß, das Glück wohnt nicht da draußen, es wohnt auch nicht in einem anderen, es wohnt in der eigenen Seele. Und darum kann man es auch nicht schmieden oder es haben wollen und man kann es schon gar nicht erzwingen oder festhalten. "Sich glücklich fühlen, auch ohne Glück - das ist Glück", schrieb Marie-Ebner-Eschenbach einst. Sie hat Recht.

Freitag, 12. August 2016

Vom Denken was andere über uns denken




Viele Menschen sind mit ihrem Denken immer im Außen. Sie beziehen sich auf das Außen und sie beziehen ihr Selbstbild aus dem Abgleich mit dem Außen. Sie machen sich Gedanken über das, was andere über sie denken könnten. Sie machen sich Gedanken, wie andere sie wahrnehmen und beurteilen, sie glauben zu erkennen, wenn sie gut Acht geben, wie andere auf sie reagieren und sie glauben so zu sein, wie man sie wahrnimmt und auf sie reagiert.

Um all das machen sie sich Gedanken, aber sie machen sich kaum Gedanken darüber wie sie selbst sich wahrnehmen, wie sie sich selbst fühlen und sich behandeln. So leben sie in der Abhängigkeit von den gedachten Gedanken über andere und den Gedanken, von denen sie denken, dass andere sie über sie haben.
 
So ein Denken ist wie der Satz, der über diesem steht, man muss ihn zwei Mal lesen, um ihn zu begreifen, und so viel Verwirrung wie dieser Satz schafft, schafft solch ein Denken in den Köpfen von Menschen, die ständig darüber nachdenken was andere über sie denken, und sich dann genauso fühlen wie sie denken, dass man über sie denkt. 

Es ist klar, wie wenig klar wir mir diesem Denken in unserem Sein sind, wie wenig selbstabhängig und wie fremdbestimmt wir mit einem solchen Denken durch das Leben gehen. Und tief drinnen ist da der Wunsch: Ich will ich sein, ich will mich entfalten und ich will frei sein für all das, was in mir lebt und was sich ausdrücken will. Ein frommer Wunsch, ein Wunsch, der sich nicht erfüllen wird für die, die so sehr vom Außen abhängen und vor lauter Abhängigkeit vom möglichen Denken anderer über sie das Denkstübchen ihn ihrem eigenen Kopf mit so viel Unsinnigem überfrachten, dass das, was es für sie über sich selbst zu denken gibt, keinen Raum findet.

Raum finden im Denken für sich selbst, sich abwenden vom fremden Denken und sich dem eigenen Denken zuwenden und damit ins Fühlen kommen. Und dann: Denken und Fühlen, was das Eigene ausmacht. 

Man hat uns diese Art des Denkens nicht beigebracht. Darum ist es so schwer und so eine große Herausforderung. Ich denke, es macht Sinn sie anzunehmen um aus dem Hamsterrad der tausendfachen Abhängigkeiten vom Außen herauszuspringen, es macht Sinn anzufangen selbst zu denken, um dann anzufangen uns selbst zu verstehen, um dorthin zu gelangen wo wir uns erlauben unsere eigenen Gefühle zu fühlen und jedes einzelne davon ernst nehmen und achten, um irgendwann bei uns selbst anzukommen. Wenn das gelungen ist, gelingt es das Außen als das zu begreifen, was es ist: Ein Spiegel dessen, was wir denken und was wir aufgrund dieses Denkens wahrnehmen. Und je respektvoller wir über uns selbst denken, je mehr wir uns selbst Beachtung und Achtung schenken, desto mehr können wir anderen davon zurückgeben. Dann erst werden wir etwas von dem bekommen, was wir uns wünschen.

...

Der Mensch hat verlernt zu handeln, er reagiert bloß noch. Er ergreift die Möglichkeiten des Lebens nicht, sondern lässt sich von ihm treiben. Er passt sich den Verhältnissen an, statt sie zu zwingen. Er lässt sich vom Leben formen, statt es wie ein Kunstwerk zu gestalten. Der moderne Mensch ist dekadent geworden, beherrscht von der Krankheit des Ressentiments, des reaktiven Gefühls schlechthin. 

Friedrich Nietzsche