Tag frür Tag nehme ich wahr, wie verschieden Menschen die Dinge sehen, fühlen, wahrnehmen und interpretieren. Ganz gleich, welche anderen Sichtweisen man ihnen näherzubringen versucht. Eine ganze Welt voller Interpretationen. Und jede davon ist eine eigene Welt. Unendlich viele innere Welten, die mit der äußeren manchmal wenig, manchmal gar nichts zu tun haben. Und so ist jeder Mensch auf seine Weise in seiner inneren Welt gefangen. Immer wieder stelle ich fest, wie schwer es ist, den Denkrahmen zu verändern. Den meiner Klienten. Und manchmal auch meinen eigenen. Da ist so vieles, was an und in uns klebt wie zäher Leim. Und es gibt kein Lösungsmittel, das sicher funktioniert, um ihn zu lösen. Keine Methode, die allen Menschen gleichermaßen hilft. Es gibt unendlich viele Methoden. Und ebenso unendlich viele Menschen, bei denen keine davon wirklich hilft. Manchen Menschen ist nicht zu helfen. Auch das ist eine traurige Wahrheit. Manchen gelingt es nicht, aus ihrem inneren Gefängnis auszubrechen. Und auch das hat einen Grund. Es ist kein Versagen. Es ist, wie es ist.
Dann bleiben nur zwei Möglichkeiten: Man verzweifelt. Oder man akzeptiert die eigene innere Gefangenschaft und hört auf, sich dafür zu verurteilen. Denn oft haben wir uns längst selbst verurteilt. Uns selbst lebenslänglich gegeben, ohne überhaupt noch zu wissen, warum. Und auch das ist okay.
Man kann nicht alles und jeden retten.
Und manchmal kann man auch sich selbst nicht retten. Man kann sich so annehmen, wie man ist. Unrettbar. Ja, auch unrettbar.
Ich will hier keine Illusionen zerstören. Ich spreche aus meiner Erfahrung mit vielen Menschen. Ich kenne die Unrettbarkeit. Ich habe einen Menschen geliebt, der unrettbar war. Ich habe Menschen unterstützt, die unrettbar waren. Sie haben gekämpft und den Kampf nicht gewinnen können. Es ist wie es ist.
„Heilt Zeit Wunden?“, fragte mich jemand. Nein. Zeit heilt nicht alle Wunden.
Sie macht manche vielleicht weniger schmerzhaft. Weniger störend. Man lernt, mit ihnen zu leben. Aber jede Wunde hinterlässt eine Narbe. Und wenn sie grob berührt wird, kann sie wieder schmerzen. Manche brechen sogar wieder auf. Dann verbinden wir sie wieder. Versorgen sie, so gut wir können. Und manchmal können wir es nicht. Manchmal reicht die Kraft nicht. Manchmal reicht Hilfe nicht. Manchmal verbluten Menschen daran. Und auch damit müssen wir leben lernen.
Nicht alles ist heilbar. Nicht jeder ist rettbar. Und das ist kein Versagen.
Manchmal ist es einfach das Ende dessen, was ein Mensch tragen konnte.

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