Sonntag, 6. Juli 2014

GEDANKENSPLITTER



NICHTS
IST 
SO 
WIE 
ES 
SCHEINT

ALLES
IST 
SO 
WIE 
DU 
ES 
FÜHLST


Beschwichtiger






Ich habe es schon als Kind nicht ertragen, wenn meine Gefühle nicht ernst genommen wurden. Wenn meine Angst, meine Zweifel und meine Unsicherheit heruntergespielt,  ignoriert oder sogar verurteilt wurden.

"Du musst keine Angst haben, dass ist alles nicht so dramatisch, du schaffst das schon, es gibt Schlimmeres, stell dich nicht so an ... ", und so weiter.

Dieses Beschwichtigen, dieses Kleinreden oder lächerlich machen meiner Gefühle, halfen mir nichts, ich fühlte weder anders noch fühlte ich mich besser – im Gegenteil ich fühlte mich verlassen, allein und innerlich einsam. Irgendwann hörte ich auf anderen meine Gefühle mitzuteilen, denn das Kind hatte begriffen – es nützt dir überhaupt nichts, die nehmen dich nicht ernst. 

Gut fühlte ich mich damit nicht. Ich hatte das Gefühl falsch zu sein, denn wenn das, was ich fühlte, in den Augen der Großen nicht so schlimm, nicht wahr war oder nicht wahr sein durfte, dann musste doch etwas mit mir nicht stimmen. Ich war also falsch, nicht normal, ich war anders als die Großen und die mussten ja Recht haben, weil sie groß waren.

Aus mir wurde ein kleiner Mensch, der sich in sich selbst zurückzog und lernen musste, alles mit mir selbst auszumachen, wenn er nicht ständig an der glatten Wand des Nichtangenommenseins abrutschen wollte und sich nicht immer neue Enttäuschungen abholen wollte. Ich fühlte mich getrennt von den Menschen und der Welt. Aus dieser einsamen Hilflosigkeit heraus wuchs in mir ein Gefühl trostloser Wut. Wut auf die Großen, die mich und meine Gefühle klein machten, indem sie sie nicht ernst nahmen, Wut auf ihre Beschwichtigungen, die mir das Gefühl gaben eine Versagerin zu sein, die alles dramatisierte, die schwach war und lebensunfähig.

Mit der Wut, die ich ja nicht ausdrücken durfte, denn das hätte einen Riesenärger gegeben, wuchsen meine Angst, meine Zweifel an mir selbst und meine Unsicherheit wuchs ins Unermessliche. Ich traute mir nicht mehr viel zu.

Mittlerweile habe ich nach langen mühsamen Jahren der Arbeit an mir selbst begriffen und gelernt: Alles was ich fühle hat seine Berechtigung und alles was ich fühle darf sein, egal was andere darüber denken – ich bin mein eigenen Mensch und ich habe meine eigenen Gefühle und für mich sind sie wahr.

Aber was das Kind in mir heute noch wütend macht, sind Menschen, die genauso reagieren wie damals meine Bezugspersonen, diese Beschwichtiger, die mir erzählen wollen alles ist gut, wenn ich doch genau spüre, es ist nicht gut und wenn ich doch genau spüre: Du glaubst das doch auch nicht, du willst dich nur selbst beschwichtigen und darum beschwichtigst du mich, damit du Verstärkung für deine Selbstbelügerei bekommst.

Das würde ein Beschwichtiger aber niemals zugeben, denn dann bekäme er auf einmal selbst ungute Gefühle und die wollen solche Menschen partout nicht aushalten, denn das würde ja bedeuten das ihr Konstrukt von „alles ist gut“ wie ein Kartenhaus zusammenfällt. Das macht Angst und diese Angst könnte dazu führen, dass die Beschwichtiger einmal genauer hingucken müssten, was sie denn wirklich fühlen und nicht, was sie sich zurechtdenken, damit das mentale Kartenhäuschen ihres Wunschdenkens nicht umfällt und sie mit ihm.

Beschwichtigung ist das Nichtachten der Gefühle und Wahrnehmungen anderer Menschen. 

Wer die Gefühle anderer nicht achtet, achtet auch seine eigenen Gefühle nicht. Sie können nicht anders, sie haben es nicht anders gelernt, sie wurden als Kinder auch nicht ernst genommen. Aber sie können etwas dafür, nichts anderes dazulernen zu wollen. Und das macht mich dann trotz des Verstehens, das ich ja immer habe, nicht weniger wütend. 
Was ich fühle darf sein!

Was aber wenn man immer wieder mit Beschwichtigern konfrontiert wird.
Sie zeigen dir wie ein Spiegel, dass du noch etwas zu lernen hast – nämlich deine Wut auf ihre Ignoranz nicht nur zu fühlen, sondern sie auch auszudrücken und zwar deinem beschwichtigenden Gegenüber mitten ins Gesicht. Jetzt darfst du das nämlich, denn du bist erwachsen und kannst dich wehren.

Und wenn sie dich dann immer noch nicht und immer wieder nicht ernst nehmen, sprich, dich wieder beschwichtigen – dann ist es an der Zeit dich selbst in der Tat Ernst zu nehmen, gut für dich zu sorgen und dich von diesen Menschen ein für alle Mal zu verabschieden. Ach, und wenn sie dann jammern: „Das darfst du mir nicht antun, ich halte nicht aus, wenn du gehst“, dann kannst du ihnen antworten: „Ist doch alles nicht so schlimm, mach kein Drama draus!" 

Samstag, 5. Juli 2014

Menschenkind



Kein Baby ist schlecht.
Wir alle sind Kinder der liebevollen schöpferischen Kraft des Universums, wir sind Liebe, geboren aus der allumfassenden Liebe Gottes.

Wir kommen auf die Welt mit der schöpferischen Kraft dieses wunderbaren, liebevollen, natürlichen Kindes. C. G. Jung nannte dieses natürliche Kind, das „göttliche Kind“ und damit meinte er das natürliches Potenzial in uns, das uns fähig macht, die Welt neugierig zu erforschen, zu staunen und schöpferisch zu sein.

Aber manche Babys sind unglücklich, weil sie emotional oder körperlich Schmerzen leiden.

Und manche Kinder sind unglücklich aus den selben Gründen.

Menschenkinder fangen an schlecht zu denken oder schlecht zu werden, wenn man ihnen schlechte Dinge antut.





Freitag, 4. Juli 2014

Es will gefühlt werden




Wenn etwas in dir sich schlecht anfühlt, will es wahrgenommen werden.
Es will gefühlt werden.
Aber weil du glaubst, es nicht aushalten zu können, denkst du, du musst dich ablenken.
Du denkst, du musst etwas Positives denken.
Also versuchst du dich abzulenken und denkst an etwas Schönes.
Ja, das fühlt sich für eine Weile ganz schön an.
Aber damit verändert sich dein Gefühl nicht, es wird nur unterdrückt.
Immer wenn du ein Gefühl unterdrückst, signalisierst du ihm: Du darfst nicht da sein.
Aber das interessiert dein Gefühl nicht.
Es lässt sich nicht wegdenken.
Es kommt wieder.
Immer wieder.
Und wieder und wieder denkst du es weg.
Anstatt anzuerkennen, etwas in mir fühlt sich schlecht, etwas in mir hat Angst, etwas in mir ist wütend, anstatt zu fühlen was es ist, vermeidest du es wahrzunehmen, indem du es zerdenkst.
Und so wird was ist, nicht erspürt und so kann es sich nicht verändern.
Es wird durch deine Gedanken verdrängt und so kann es dir nichts erzählen, es kann dich nicht auf dein wahres Empfinden und nicht auf dein wahres Bedürfnis hinweisen – es bleibt ungehört.
Und nichts kann sich verändern.
Veränderung beginnt da, wo du anerkennst: Alles was ich fühle darf sein!
Erst wenn du dich deinem Gefühl übergibst, kann es sich verwandeln.
Niemals wird es sich über deine Gedanken verwandeln, die eine bloße Konstruktion sind, um die Gefühle in dir nicht aushalten und anschauen zu müssen.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Gedankensplitter

 



Wir wollen eine Liebe, die nur Gutes verspricht, die uns glücklich machen soll. Aber das ist eine Illusion, eine unreife Erwartungshaltung, die sich nie erfüllt. Wenn wir lieben, müssen wir bereit sein das Ganze zu lieben, die Verletzungen, die Schwächen und die Abgründe des anderen, auch wenn sie uns erschrecken. Aber genau in dem Moment wenn wir das erkannt haben, wollen wir davonlaufen, weil es uns Angst macht, weil wir glauben, das halten wir nicht aus. Wir haben alle unsere schönen und unschönen Seiten berührt. Wir haben uns tief auf einen Menschen eingelassen und die Wahrheit des anderen hat uns verschreckt. Sie ist uns zu viel geworden, wir wollen zurück in die Wüste unseres Selbst, in der uns keiner berühren und uns nichts verletzen kann.

Mittwoch, 2. Juli 2014

es ist einsam






es will gesehen werden
aber du siehst es nicht
es will gespürt werden
aber du spürst es nicht
es will gehört werden
aber du hörst es nicht
es will gehalten werden
aber du hälst es nicht
es will getröstet werden
aber du tröstest es nicht
es will verstanden werden
aber du verstehst es nicht
es will spielen
aber du spielst nicht
es will umsorgt werden
aber du umsorgst es nicht
es will geliebt werden
aber du liebst es nicht

es ist einsam in dir
dein inneres kind
so einsam wie du selbst 
in dir






Zeichnung (c) A.Wende