Dienstag, 8. Januar 2013

Unsere eigene Schöpfung V


Hilfreich um in die Stabilität in uns selbst zu kommen ist, dass wir lernen, uns selbst gegenüber aufmerksam zu sein - uns selbst zu beobachten. Und zwar die Signale, die unser Körper uns vermittelt. Es lohnt sich nachzuspüren, was sich wie an fühlt, in uns und wo wir es spüren. Auch in Begegnungen mit anderen. Der Körper spürt vieles. Und was sich ungut anfühlt, ist es auch.

Unser Körper lügt nicht, unsere Gedanken können es durchaus. Wenn wir beginnen unsere körperlichen Empfindungen fühlen zu lernen, beginnen wir auf einem höheren Energieniveau zu schwingen. 
Viele von uns haben die Beziehung zum eigenen Körper verloren oder nie entwickelt oder sie leben sie falsch. Sich im Sportstudio schinden heißt nicht den Körper achten. Mit jedem Schinden, ob physisch oer psychisch, überfordern wir ihn. Wir machen ihm Stress, wir schütten wahllos Adrenalin und Cortisol aus. Stresshormone, die auch Angstzustände ausschütten, die den Körper vergiften, weil wir uns antreiben und uns keine innere Ruhe gönnen udn suchen. Sogar wenn wir krank sind hören wir nicht auf den Körper, sondern schlucken Pillen, damit er schnell wieder funktioniert. Er verlernt dabei sich selbst zu heilen.

Unser Körper umhüllt unsere Seele. Er ist das Gefäß, das die Seele ummantelt.
Und damit bin ich wieder am Anfang. Wir hören nicht auf uns selbst, wir schenken uns keine Zeit in der Stille mit uns selbst, um zu lauschen. Genauso machen wir es mit unserem Körper und seinen Botschaften. Wir missachten ihn. Wir zerstören ihn und unsere Seelen.

Der Mensch ist nicht vollkommen. Aber gerade aus der Unvollkommenheit erwächst das Potential jeder individuellen und kollektiven Entwicklung.
Daraus erwächst das Streben nach Vervollkommnung, nach Vollkommenheit, die einzig und allein die Vollkommenheit für uns selbst sein kann. Vollkommen sein - so sein, wie wir sind, das entfalten, was in uns angelegt ist. Und wir sind erst einmal gut und wir sind schöpferisch. Das Gute und das Schöpferische sind in uns angelegt. Wenn wir es glauben ist es so. Und wenn wir in diesem Glauben auch die weniger "guten" Seiten in uns annehmen, ohne sie zu verurteilen, abzuspalten oder gar zu verteufeln, setzt sich das höhere Niveau durch.

Wenn ich von Engel spreche, kann ich nicht umhin von Luzifer, dem gefallenen Engel zu sprechen. Dazu ein kleiner Ausflug in das zentrale Thema unseres Daseins: Die Polariät.

Wir leben in einer polaren Welt, in einer Welt der Gegensätze. Indem wir "ich" sagen grenzen wir uns von allem ab, was wir als "nicht ich" empfinden. Wir sind Gefangene der Polarität. 
Die Welt spaltet sich auf in Gegensätze. Das eine ist ohne das andere nicht begreifbar und existenzfähig. Löschen wir das eine aus, verschwindet das andere. Die Gegensätze stehen in hoher Abhängigkeit zueinander. Diese Abhängigkeit beweist, dass hinter jeder Polarität auch eine Einheit existiert, die wir nur nicht als gleichzeitig wahrnehmen können. Unser Bewusstsein ist nicht fähig Einheit wahrzunehmen, es spaltet und zerlegt. Wir müssen unterscheiden und wir müssen entscheiden.

Hinter der von uns Menschen wahrgenommenen Polarität steht die Einheit, in der alles eins ist. Diese Einheit ist reines Sein.
Der Urgrund allen Seins ist das Nichts, gleichbedeutend mit dem Tao der Chinesen. Wir können uns das Nichts nicht vorstellen. Wir sind so nicht angelegt. Aber diese Einheit ist zugleich der andere Pol zur Polarität. Unser Denken reicht da nicht hin, weil menschliche Erkenntnis ohne Trennung und Spaltung nicht möglich ist. In Wahrheit aber liegen in der Polarität zwei Aspekte der selben Wirklichkeit - zwei Seiten der Medaille, die wir Menschen eben nur nacheinander sehen können.

Wir sind Menschen sind Halbierte, erkannte schon Platon. Wir sind Halbierte, die sich nach Ganzheit sehnen, ohne sie mittels unseres Bewusstsein überhaupt wahrnehmen zu können, aber mit dem Drang danach, weil unsere Seele, im Tiefsten, um die ganze Wirklichkeit weiß.
Luzifer ist also der Gegensatz zum Göttlichen, zum Engelhaften. Der Antagonist des Guten, dessen dunkle Seite der Hellen gegenübersteht und doch - in Wirklichkeit sind beide eins. Er ist Symbol der Schatten und er hat seine Berechtigung - er gibt uns die Möglichkeit, zu erkennen, was das Helle ist und so lässt er uns unterscheiden und entscheiden. Er ist ein Bild für das, was wir alle tun - wir spalten das Schattenwesen, das wir auch sind, ab und projizieren es ins Außen. Wir entfernen damit einen Teil unserer eigenen Ganzheit und damit spalten wir wiederum uns selbst.

Aber die Schatten lassen sich nicht so leicht abspalten wie wir es immer wieder versuchen. Sie begegnen uns nach dem Gesetz der Resonanz so lange im Außen, bis wir sie wieder in uns hineinnehmen - dahin, wo sie hingehören. Das nennt man integrieren - ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Ganzheit.

Je klarer wir uns über unsere Schatten werden, desto mehr stehen wir zu uns als ganzen Menschen.
Je mehr wir sie in unser Bewusstsein integrieren, desto weniger muss unser Unterbewusstsein sich mit ihnen befassen. Die dunklen Seiten unseres Wesens bekommen dann genügend Beachtung und brauchen die Resonanz im Außen nicht mehr, weil sie integriert sind. Damit minimiert sich die Abspaltung. Es ist nicht mehr nötig, dem zu begegnen, was wir noch nicht bearbeitet haben.

Alles, was nicht bearbeitet und integriert ist sucht sich den Spiegel in Gestalt einer Person, einer Situation oder einer Erfahrung.
Und zwar zum Zweck der Bewusstmachung und mit der Forderung nach Er - lösung. Es ist also nicht Luzifer und die böse Welt das draußen, die und das Böse liefert - es ist das unbearbeitete Böse in uns - individuell und kollektiv - was uns mit dem "Bösen" konfrontiert. Es ist das Gesetz der Resonanz, das sogar über Generationen wirkt, das Prinzip von Aktion und Reaktion. Es ist unser Höheres Selbst, dass sich Erfahrungen sucht. Das Unbewusste sucht sich Ausdruck, um uns aufmerksam zu machen, auf das, was nicht stimmt - eben auch durch körperliche Symptome, wenn wir nicht auf uns achten und uns nicht zuhören.

Ein wildes Tier ist nicht gefährlich, wenn wir es in seiner Wildheit achten. Wenn wir seine Kreise nicht stören, nicht versuchen es einzusperren oder zu zähmen und es seines Wesens zu berauben, wird es uns nichts tun. Das heißt, wenn wir Abstand von der dunklen Seite nehmen - sie anschauen,  achten und an ihr arbeiten - ziehen wir das Dunkle im Außen nicht an. Es wird es vielleicht versuchen, aber es wird merken, dass es keine Chance hat uns in seinen Sog zu ziehen.

Das Dunkle dockt am Dunklen an, wie das Leid am Leid, die Gewalt an der Gewalt, der Hass am Hass, die Angst an der Angst, Schuldgefühle an der Schuld und umgekehrt - die Liebe an der Liebe, die Güte an der Güte, usw.

Wenn wir dunkle Gedanken wie Hadern, Vergeltung und Rache, Neid und Gier in uns tragen verbinden wir uns mit der dunklen Energie und sie verschluckt uns. Alles, dem wir Aufmerksamkeit schenken wächst.

Fortsetzung folgt ...


Montag, 7. Januar 2013

Unsere eigene Schöpfung IV



Fortsetzung ...




Jedes Kind weiß im Moment seiner Inkarnation auf dieser Erde, wozu es gekommen ist. Wir tragen dieses tiefe innere Wissen um unsere Lebensaufgabe in uns. Es ist die Tragödie des Menschen, dass er dieses Wissen im Laufe des Lebens verliert. Und je mehr von diesem Wissen verloren geht, je mehr es uns ausgetrieben wird, desto verantwortungsloser werden wir uns selbst gegenüber.

Wir verlieren den roten Faden unserer Seele im Labyrinth des Lebens. Und dann erinnert uns das Schicksal daran. Es "schlägt zu" wenn wir dem Leben etwas schuldig geblieben sind, wenn wir die Fähigkeiten und Potentiale unserer wahren Natur nicht entwickeln und nicht einsetzen -  zum eigenen Wohl und damit auch zum Wohl anderer.

"Um ein guter Schicksalsspieler zu werden müssen wir von der Vogel-Strauss-Taktik Abstand nehmen und unsere nicht entwickelten Anlagen erkennen", schreibt der Schicksalsforscher Herrman Meyer.
Er meint damit - das zu erkennen, was in uns angelegt ist, um es zu entfalten und ins Leben zu holen. Viele Menschen fragen sich, besonders in der Lebensmitte: Was ist meine Lebensaufgabe? Was ist der Sinn meines Daseins? Irgendjemand soll ihnen die Antwort geben. Manche legen Engelskarten oder lesen im Tarot, um dort die Antwort zu finden, wenn sie gar nicht mehr weiter wissen. Und dann lesen sie die Antworten, die ihnen ihr eigenes Unbewusstes, das sich in den Karten spiegelt gibt - und machen weiter wie vorher. Sie gehen den Holzweg weiter, der mit Leid und Angst gepflastert ist.

Eine häufige Erkrankung in der Krise der Lebensmitte ist die Depression. Deren Ursache darin liegt, dass die Betroffenen innerlich spüren, dass es in ihrem Leben so nicht weiter gehen kann, dass ein Richtungswechsel erforderlich ist - und zwar: Blickrichtung nach Innen.
Anstatt zu versuchen krampfhaft das Versäumte nachzuholen - ein Nachholen steht im Widerspruch zu der notwendigen Umkehr im Leben - macht es Sinn, das Wesentliche aus sich selbst herauszuholen. Wir aber verlängern künstlich Lebensphasen, weil wir glauben zu kurz gekommen zu sein, oder nie satt zu werden.  Östrogengaben in der Menopause beispielsweise, sind nichts anderes als ein Festhalten an einer längst überlebten Lebensphase, der klägliche Versuch biochemisch an der Peripherie des Gewesenen zu haften. Der natürliche Prozess des Alterns wird aufgehalten, aus dem Gefühl heraus, das Leben nicht genug gelebt zu haben. Und doch spüren wir, dass der Weg langsam zum Ziel des Todes strebt.

C.G. Jung sagte, dass Menschen, die die Spiritualität nach der Lebensmitte nicht finden, in schwerste Sinnkrisen fallen. So wird Leid zum Ersatz für das Entwickeln der eigenen Potentiale. Seltsamerweise scheint das Leiden bequemer zu sein, als das Verändern der eigenen Lebensituation. Leid ist eine passive Haltung. Im Leid erstarrt die Bewegung, Leid bremst aus und blockiert uns.

Wo ist der Gewinn? 
Der Gewinn ist wieder eine scheinbare Sicherheit, eine scheinbare Stabilität, weil es bleibt wie es ist und wir den Ist-Zustand berechnen können. Warum bleiben Partner beieinander, die sich nichts mehr zu geben haben? Warum machen wir weiter den Job, der ausbrennt, warum müllen wir uns mit Ablenkung und Dingen zu, warum fallen wir immer wieder auf die gleichen Mechanismen herein?
Weil das alles bekannt, vertraut und berechenbar ist -  weil die Berechenbarkeit sicherer scheint und erträglicher anmutet, als die Angst vor Veränderung.

Das Streben nach Berechenbarkeit dominiert unser Denken und unsere Welt und vor allen sorgt es dafür, dass wir funktionieren.
Kalkulieren und Risiken ausschließen vermitteln uns Stabilität. Aber nur aus der Instabilität heraus entsteht echte Stabilität in unserem Inneren. Wenn wir bereit sind, das Instabile zuzulassen und uns selbst ehrlich zu begegnen, wenn wir das Risiko eingehen unserer Schatten anzuschauen, wenn wir bereit sind die Täuschungen, denen wir anhaften zu ent- täuschen, begegnen wir der Wahrheit, und zwar der eigenen. Dann beginnen wir uns mit unserem ureigenen Wesen auseinanderzusetzen.

Wenn wir in diesem Prozess alle Seiten unserer Person kennen lernen, sie achten lernen, als einander bedingende Teile des Ganzen, sind wir auf dem Weg in eine Stabilität, die sich echt anfühlt. Dann folgt authentisches Handeln, was nicht anderes bedeutet, als dass unsere Gedanken, Gefühle und Taten übereinstimmen. Das wäre das Ende der Selbstlüge. Dann folgt authentisches Handeln und die Angst vor der Veränderung wird zum Motor um mit der Veränderung zu beginnen. Das ist der Moment wo wir begreifen: Lass die Angst zu, nimm sie mit und handle trotzdem!

Wir haben die Wahl. Wir können die Dinge so sehen und wir können sie anders sehen. Jedes Ding, jede Erfahrung, jede Begegnung, jedes Tun hat zwei oder mehrere Seiten. Entscheidend ist, welcher Seite wir Beachtung schenken. Es ist gut zu wissen: Dem, dem wir Aufmerksamkeit schenken, schenken wir Energie - das wird wachsen und sich in unserem Leben erfüllen. Im Guten, wie im Unguten.

Fortsetzung folgt ...




Sonntag, 6. Januar 2013

Unsere eigene Schöpfung III







Alles logisch, mag jetzt so mancher denken, aber - für mich gilt oder funktioniert das nicht. Ich muss funktionieren und dabei stehen mir meine Träume im Weg. Das sind eben Träume, sie sind nicht real und ich lebe nun mal in der Realität. Ich muss zur Arbeit, ich muss mich um die Familie kümmern, ich habe keine Zeit, sinnlosen Träumen nachzuhängen. Das ist was für Künstler.

Die nächste Assoziation, die diesem Denkrahmen folgt: Künstler sind meist brotlos. Und schon fühlen sich die alten Denkmuster bestätigt. Wunderbar. Nein nicht wunderbar. Langweilig und ermüdend ist diese Art des Denkens.

Die Angst unseren Träumen Raum zu geben ist gespeist von Verlustangst.
Wenn wir träumen und unsere Träume in die Tat umzusetzen versuchen, wenn wir versuchen, sie in die Realität zu bewegen, bewegen wir uns. Und zwar auf unsicherem Terrain. Und Angst ist immer da präsent, wo wir ins Unbekannte gehen, bei allen Menschen.  

Das Fatale ist: Unsere Gehirn interpretiert die Angst als Alarm zum Rückzug und nicht als grünes Licht um voran zu schreiten. Die Kunst wäre zu gehen - trotz der Angst.
Das ist Mut schöpfen und der steht hinter der Angst. Und je mehr wir ihm zutrauen, desto öfter werden wir erleben, dass er uns Kraft gibt mit der Angst zu leben und trotzdem zu handeln. Jeden Tag ein bisschen. Das ist schon viel. Und viel vom bisschen ist immer mehr als wir uns zutrauen. 

Verlustangst hindert am Gewinnen.
Wenn wir beginnen unseren Träumen Raum zu geben, glauben wir, wir verlieren etwas. Etwas, das mit Sicherheit zu tun hat. Und dabei ist es scheinbar völlig unwichtig, ob wir emotional wirklich so sicher sind, oder nur an scheinbar sicheren Gewohnheiten haften. 

Aber - wie sicher macht uns unsere Sicherheit? So sicher, dass wir Angst haben sie zu verlieren? Also überhaupt nicht sicher. Wahre Sicherheit denkt nicht an Unsicherheit. Sie schließt sie aus. 
Was nehmen wir für unsere scheinbare Sicherheit alles in Kauf? Das sollte uns Angst machen.
Die große Angst des Menschen ist die Angst vor dem Unbekannten, dem Unberechenbaren, dem Neuen. So wie wir Angst vor dem Sterben haben und vor dem Tod. Er ist absolut unbekannt. Und genau dadurch macht er uns Angst - er ist das absolut Neueste, was wir erfahren werden.

Angst wächst im Bewerten dessen, was wir nicht kennen.
Sie wächst durch Unberechenbarkeit. Der Tod ist der Tod. Basta. Allein durch unsere Bewertung macht er uns Angst. Und es macht auch Angst zu sterben, ohne das Gefühl gelebt zu haben.


Die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten, ist keine angeborene Angst. Sie ist eine konditionierte Angst. 
In seinem innersten Wesen trägt der Mensch die Sehnsucht nach schöpferischer Freiheit und Selbstverwirklichung in sich. Und doch sind wir seit Jahrhunderten darauf konditioniert uns freiwillig in Käfige zu begeben. Der Käfig ist ein geschlossener berechenbarer Raum, der uns das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Da drin ist alles übersichtlich. Berechenbar eben. Der Käfig verspricht uns Sicherheit, weil er einen Rahmen vorgibt. Er bietet uns Schutz, uns, die wir Angst vor der freien Wildbahn und ihren potentiellen Gefahren haben. Das was uns da draußen erwartet ist in der Tat unsicher und nicht berechenbar, die Gitterstäbe unserer Käfige aber sind es. Illusion! Sind sie nicht, denn auch da drinnen wird passieren, was passieren soll. Nur, dass wir dann die Verantwortung nicht tragen müssen, für das, was uns passiert - denn es kommt ja von Außen.

Kein Tier begibt sich freiwillig in einen Käfig. Jedes Tier wehrt sich bis zur Erschöpfung vor dem Eingesperrtwerden. 
Wenn wir an Engel glauben, glauben wir an das Unbekannte, das nicht Beweisbare, das nicht Überprüfbare. Genauso ist es, wenn wir an einen Schöpfer glauben. Engel haben Flügel, die sich ausbreiten, sich erheben, unabhängig von jedem menschlichen Bedürfnis nach Macht, Geld, Sicherheit, Beziehung und all den anderen Dinge, die uns als Stabilität erscheinen. Engel wecken die Sehnsucht in uns nach los lassen, nach nicht anhaften, nach nicht bedürftig sein, nach Freiheit und Schöpfertum. All das, was wir nicht haben, oder nicht in dem Maße, dass wir es so ernst nehmen, um dafür zu kämpfen. Man hat es uns ausgetrieben im Laufe der Evolution. Man hat uns domestiziert und gefügig gemacht und wir tragen es weiter, von Generation zu Generation. Die schöpferische Freiheit ist etwas, deren tiefen Sinn wir nicht mehr begreifen.

Freiheit bedeutet nicht vogelfrei sein, nicht alles tun, wonach uns gerade der Sinn steht. Freiheit bedeutet sich selbst sein, das zu werden, was wir uns einmal erträumt haben und von dem wir träumen und sie bedeutet Risiken einzugehen, etwas zu wagen.
Wir allein tragen die Verantwortung dafür, ob wir es wagen oder nicht. Diese Verantwortung kann uns kein Engel und kein Schöpfer abnehmen. Diese Verantwortung können wir irgendwann keinem mehr in die Hände legen oder in die Schuhe schieben. Nicht unseren Eltern, nicht der Gesellschaft und schon gar nicht Gott.

Wir sind in der Lage selbstständig zu denken. Dazu gehört, dass wir unterscheiden können, dazu gehört, dass wir lernen können, dazu gehört, dass wir wählen können.
Mir scheint, wir sind darauf programmiert uns als Opfer zu fühlen. Ein Opfer der Umstände, ein Opfer der Erziehung, ein Opfer des sozialen Umfelds usw. , oder ein Opfer des Schicksals. Das ist dann der letzte Grashalm an dem wir uns festhalten, wenn wir nichts ändern und unsere Angst siegen lassen. Es ist Schicksal, es ist mir bestimmt, ich ergebe mich meinem Schicksal. Wie oft höre ich das, wie oft, sage ich mir das selbst in meinen mutlosen Stunden. Wie oft bin ich Opfer, statt Täter - im Sinne von Handeln, trotz der Angst und mit ihr.

Ja, es gibt ein Schicksal, es ist das, was wir die Unberechenbarkeit des Lebens nennen. 
Aber egal, wann und wie es uns trifft - wir haben die Wahl, wie wir mit ihm umgehen, wie wir gestalten, was es von uns fordert oder uns auferlegt. Insofern sind wir die Kreateure unseres Seins.


Fortsetzung folgt ...










Samstag, 5. Januar 2013

Unsere eigene Schöpfung II







Mit Beziehung zu uns selbst, meine ich nicht das egoistische Lebensgefühl, dem es nur darum geht die eigenen Bedürfnissen zu befriedigen. Ich meine auch nicht die splendid isolation, als Rückzug in die eigene Wirklichkeit, die sich nur noch um sich selbst dreht und uns zum Mittelpunkt des eigenen starren Universums macht. Die Folge von beidem ist Vereinsamung. Aber genau diese zunehmende Vereinsamung können wir beobachten, wenn wir genau hinschauen. Sie ist Zeitgeist.

Die zunehmende Vereinzelung des modernen Menschen ist der Ausdruck eines kollektiven Narzissmus, der Humanität und Empathie zunichte macht. Narzissismus ist geprägt von einem falschen Selbst -  ein Selbst, das einer Maske gleicht, eine Fassade, die wir aufbauen, um nicht hinschauen zu müssen, wer wir wirklich sind und das, was wir sind zu entdecken verhindert, auch wenn es weh tut.

Die Sehnsucht nach nach Geliebt - und Angenommensein ist ein Zeichen des Wunsches ein ganzer Mensch zu sein.
Diesen Wunsch haben alle Menschen, mehr oder weniger bewusst. Was uns alle verbindet ist die Sehnsucht nach dem Gefühl von Ganzheit. Das zu erreichen gelingt jedoch nicht über das Verbinden mit einem anderen. Es gelingt, wenn wir lernen, uns mit uns selbst zu verbinden bevor wir in der Sehnsucht nach einem Gegenüber schwelgen, weil wir uns mit uns selbst innerlich leer fühlen. Die nach außen gerichtete Suche nach dem oder der idealen Geliebten, ist getragen von einer regressiven verzehrenden Sehnsucht, die meistens unerfüllbar bleibt und unsere Lebensenergie verbrennt.

Uns selbst unser bester Gefährte zu werden ist eine gesunde Sehnsucht. Sie ist nährend.
Sie macht uns unabhängig vom anderen und führt dazu, dass wir uns bewusst uns selbst zuwenden. Nicht dem Fremden, sondern dem Eigenen. Zunächst. Gesunde Sehnsucht ist die Sehnsucht nach seelischer und geistiger Entfaltung, nach spiritueller Entwicklung und Selbstliebe. All das können wir uns nur selbst erfüllen, und nur, indem wir den Zugang zu unserem wahren Selbst suchen, auch wenn es ein Leben lang dauern mag. Dazu braucht es Stille, Alleinsein und innere Einkehr. Dazu braucht es den Mut, was wir in uns selbst hören, sehen und fühlen, auszuhalten. Und es braucht einen liebevollen Umgang mit unserer Angst, unserer Fehlbarkeit, unserer Schwäche, unserer Zweifel und unseren Wunden.

Wer zur Wahrheit wandert, wandert allein. Das ist wahr, denn nur wir allein spüren unsere eigene Wahrheit, keiner kann sie uns weißmachen, wenn sie uns nicht entspricht. Von außen Aufgedrücktes ist immer ein Aufgedrücktes und nichts von innen Ausgedrücktes.
Zurück zu den Engeln.
Der Glaube an Engel beeinhaltet auch das Vertrauen in die Verbundenheit mit der Schöpferkraft und die Überzeugung, dass es ein Universums gibt, das in der Stille mit uns kommuniziert. Wenn wir glauben und unsere Antennen ausfahren, empfangen wir Unglaubliches. Ist das nicht den Versuch wert? Ist es nicht leichter, als nicht zu glauben und die Chance auf Zeichen und Antworten zu negieren? Ist es nicht sinnvoller?

Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, dem Glauben immer und in jeder Lebenslage zu vertrauen und sich selbst treu zu sein.
Wir dümpeln oft jahrelang in unserem Leid vor uns hin und werden dabei immer handlungsunfähiger und resignierter. Unsere Kreativität erstickt langsam und wir sehen die Möglichkeiten eines Ausweges nicht mehr. Wir kleben an unseren Konditionierungen und unsere Überzeugungen kleben an uns wie schwarzes Pech. Wir kleben an der Vergangenheit, an ungesunden Beziehungen, unbefriedigenden Arbeitstellen, alten Verstrickungen und alten Wunden. Wir kleben an Dingen und Süchten, die uns nicht gut tun und wir kleben an einem falschen Selbst, das man uns ein halbes Leben lang eingeredet hat. Wir kleben an so vielem, was uns nicht gut tut.

Wie sich bewegen, wenn man festklebt?
Wie kreativ und damit schöpferisch sein, wenn wir glauben:  Es ist wie es ist und weil es so ist, bleibt es so. Es war halt immer so, das ist mein Leben. Am Destruktivsten ist es, wenn wir glauben, dass die Eltern oder sonst jemand, der uns tief verletzt hat, die Schuld an unserem Leid tragen und wir nach Vergeltung oder Entschuldigungen hecheln, anstatt die Verantwortung für das Jetzt zu übernehmen und zu handeln. Schuld ist der härteste Klebstoff in Beziehungen. Schuld klebt fester aneinander als Liebe.

Wir kleben an Gewohnheiten und glauben irrsinniger Weise, dass sie uns Halt geben.
Wir kleben an unseren Problemen und halten sie aufgrund des Kontextes in dem sie auftreten, in genau diesem Kontext weiter aufrecht und übersehen beharrlich die Lösung, die im Problem verborgen ist. Alles, weil wir uns im Außen orientieren und nicht lange und nicht intensiv genug nach Innen hören.

Die Erfahrungen, die wir machen können wir nicht ändern - aber wir können ändern, wie wir damit umgehen.
Damit sind die Erfahrungen nicht veränderbar, aber unsere Haltung ist es und damit unser Lebensgefühl. Solange wir dazu nicht fähig sind, dreht sich das Rad weiter, in der gleichen Spur. Solange wir das Gleiche denken, das Gewohnte tun, handeln wir nach den alten Mustern und fühlen und erleben - es bleibt gleich. Damit verabschieden wir uns, manchmal ohne es zu merken, von unseren Träumen. Doch unsere Träume sind der kreative Teil in uns, der geradezu nach Leben schreit. Wir hören diesen Schrei nur nicht mehr, weil wir ständig mit dem Außen beschäftigt sind, mit dem Funktionieren, den Erwartungen an andere, dem Kompensieren und der Ablenkung, die uns von uns selbst weglenkt.

Es ist der  kreative Teil in uns, den wir in der Stille spüren. Und dann kommt die Wehmut, ihn nicht leben zu können.
Wir verdrängen unser wahres Selbst mitsamt unseren Träumen. Und da liegt es - auf dem tiefen Grund unserer Seele und wir leben etwas gänzlich anderes - nämlich an uns selbst vorbei und über uns selbst hinweg. Wir missachten unsere Träume bis sie verdorrt sind wie eine keimende Pflanze, die wir ab und an betrachten und die wir wunderschön finden und doch vergessen zu pflegen. Wie soll sie wachsen und blühen, wenn wir ihr keine Aufmerksamkeit schenken? Unsere Träume sind ein  kreativer Teil in uns, jeder einzelne Traum enthält jede Menge kreative Energie.

Kreativität heißt erschaffen. 
So wie die Schöpfung uns Menschen erschaffen hat, ist unsere Kreativität ein Akt des Erschaffens. Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild, heißt es -  und damit ist das göttliche Prinzip gemeint, genauer - das schöpferische Prinzip. Weil wir ein Teil dieses Prinzips sind, besitzen wir genau dieses schöpferische Potential - es ist in uns angelegt und wartet nur darauf zu fließen - von innen nach außen.

Kreativität ist eine Gabe und jede Gabe ist eine Verpflichtung, uns selbst und unserem Schöpfer gegenüber.
Auch daran erinnern uns die Engel. Sie helfen, sie erschaffen, was uns als Menschenunmöglich erscheint, sie erfüllen Wünsche, sie begleiten uns, sie senden uns heilende Energie und - sie fliegen, allein, aus eigener Kraft. Letztlich sind wir es selbst, die durch unseren Glauben all das erschaffen. Man sagt, ohne dass wir sie darum bitten, greifen die Engel nicht ein. Wenn wir das göttliche Prinzip in uns nicht aktivieren - wie soll es dann etwas für uns tun? Wenn wir nicht offen sind - wie sollen wir dann empfangen?

Alles im Leben ist Aktion und Reaktion. Und ebenso ist es mit dem Empfangen - ohne Sender, kein Empfänger.


Fortsetzung folgt ...




Unsere eigene Schöpfung I



Wir sprechen von Schutzengeln, wenn eine lebengefährliche Situation gut aus ging. Dann sagen wir, da hatte ich, du, er, sie, es .... einen Schutzengel. Aber glauben wir wirklich, dass es Engel gibt. Und wenn es sie gibt, was sind sie ihrem Wesen nach?

Ich bin mir sicher, in meinem Leben ist mir mindestens einer von ihnen in Menschengestalt begegnet. Jedenfalls habe ich diese Begegnung, die vor vielen Jahren in einem Moment stattfand, nachdem ich Gott eindringlich um Hilfe gebeten hatte, als solche intuitiv wahrgenommen. Beweisen kann ich es nicht und das muss ich auch nicht. Es ist meine Wahrheit und das ist das Entscheidende. Es ist dieses tiefe innerere Wissen, das uns Kraft gibt und uns hilft, auf unserem Weg durch das eigene Leben, den kein anderer für uns geht.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott, so steht es geschrieben.
Ich bin mir sicher, Gott ist es egal, wie und auf welche Weise wir uns helfen.
Was zählt ist - dass wir es tun. Also Engel hin oder her, wenn uns der Glaube an Engel hilft, uns selbst zu helfen, so ist allein das das Entscheidende, weil es einen Effekt hat - einen heilsamen nämlich. Und wer heilt hat Recht und heilsame Energie.

Das Wesen der Engel ist das Wesen von Energie, angesiedelt auf einem sehr hohen Niveau. Diese engelhafte Energie entspricht der resonanten Antwort unseres Dialoges mit dem Göttlichen, mit unserem Höheren Selbst. Eine Instanz, der wir uns oft nicht bewusst sind, oder an die wir nicht glauben wollen, oder zu der wir den Zugang verloren haben, oder die wir verleugnen, weil wir Angst haben vor unserer eigenen Macht. Die Macht die wir nicht anerkennen, weil unsere Glaubensmuster, gesellschaftliche, emotionale und soziale Prägungen und Konditionierungen unsere spirituelle Kreativität blockieren. Dabei sind wir sind alle Geschöpfe des Schöpfers, auch wenn manche von uns Störungssymptome aufweisen.

Was würde Gott sich für uns wünschen?
Das Beste! 
Unsere schöpferische Energie würde Gott uns wünschen, denn in ihr liegt das gestalterische Potential von Lebenskraft, von Liebe, von Vitalität und Energie.

Alles ist Energie in Bewegung. Sie fließt immer und überall, in uns und um uns herum. Auch unsere Gedanken sind Energie, die fließt. Wir haben die Fähigkeit Energie in Materie zu verwandeln - das ist Schöpfertum. Alles basiert auf Aktion und Reaktion, nicht nur unsere Handlungen, auch, was wir denken, unterliegt diesem Prinzip.

Was wir bewusst und unbewusst an starker Energie aussenden trifft auf einen Resonanzboden. Je stärker ein Gedanke ist, destö stärker schwingt sein Resonanzboden, im Guten wie im Bösen. Entscheidend für die Wirkung der Gedanken und für die Art der Resonanz ist das Unbewusste. Unsere Gedanken und Gefühle werden zu neunzig Prozent aus den Unbewussten gespeist. Nur etwa zehn Prozent von dem, wie wir als Person agieren, ist vom Bewusstsein gesteuert. Dies hat die Hirnforschung längst hinlänglich erwiesen.

Wenn wir also bewusst positiv denken wollen, in unserem tiefsten Unterbewussten aber von etwas ganz anderem überzeugt sind, wird uns das Positive nicht begegnen, sondern vielmehr das, was wir unbewusst glauben.
Glaube versetzt Berge. Fragt sich nur welcher Glaube? Der, den wir denken wollen oder der, der uns denkt. So gesehen stimmt das mit der Kraft der Gedanken. Wir erfahren im Leben, was wir von uns selbst denken und woran wir im tiefsten Unbewussten glauben - das Schicksal außen vor gelassen. Was mit enormer Energie im Außen wirkt und wie ein Bumerang zu uns zurückkommt, sind unsere unbewussten Überzeugungen. Die Glaubensmuster, die tief in uns verankert sind, suchen sich resonante Erfahrung um sich selbst zu bestätigen und sich zu erfüllen. Übertragen auf den Glauben an Engel als hilfreiche Wesen, bedeutet das: Wir erschaffen diese hoch schwingende Energie selbst und zwar mittels unserer tiefen inneren Überzeugung, dass sie existieren. Wir treten in Resonanz mit dem schöpferischen Prinzip. Täten wir das öfter, wären wir weiter in unserer individuellen und kollektiven Entwicklung. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch alle Antworten auf die wesentlichen Fragen, die ihn selbst angehen, in sich trägt. Es sind Bewusstsein, Ratio und Ego, die uns ablenken, damit wir die Botschaften unseres Wesenskerns und das Wissen unseres Höheren Selbst, nicht hören.  

Man stelle sich das einmal vor - es sind neunzig Prozent, die wir überhören, überfühlen, überdenken, überreden. Es sind neunzig Prozent von dem, was uns ausmacht, die wir ignorieren und denen wir zuwider handeln.
In einer immer lauter und fordernder werdenden Welt kein Wunder. Aber wenn es uns gelingt, uns immer wieder aus dieser lauten Welt zurückzuziehen, in die Stille mit uns selbst, lernen wir in Kontakt mit dem schöpferischen Prinzip zu treten. Wenn wir es zulassen und in unserer göttlichen Energie schwingen, finden uns alle Antworten. Sie finden uns, wenn wir in den Dialog mit dem Universum treten, was nicht mehr und nicht weniger bedeutet - als die All-Eins Energie, das Ganze, das allumfassende Wissen, die schöpferische Energie -  spüren und zulassen wollen.

Aber das geschieht nicht einfach so. Das bedeutet nicht, eine Entscheidung zu treffen, nach dem Motto - so jetzt verbinde ich mich mal mit dem Universum. Es bedeutet Arbeit in Form von Übung. Jeden einzelnen Tag. Wir können unser Bewusstsein trainieren wie einen Muskel. Wir können lernen, darauf zu achten, was aus der Stille nach oben dringt, aus der Stille in uns selbst. Es kann Jahre dauern,bis wir das können und wenn wir es können, braucht es wiederum Zeit, die wir uns nehmen, um "auf" diese Stimme zu hören.


Erst wenn wir uns mit unserem Höheren Selbst verbinden, denn aus ihm spricht diese Stimme, sind wir im Vertrauen und in "Sicherheit" - und damit meine ich: Sicher in und bei uns selbst.


Unser Bestreben nach Beziehung steht uns dabei nicht selten im Weg. Es steht zwischen uns und uns selbst. Wir suchen Beziehungen primär im Außen, zu anderen Menschen, sogar zu Beschäftigungen und Dingen -  und verwenden viel zu wenig oder gar keine Zeit um eine Beziehung mit uns selbst aufzubauen. Die meisten von uns halten das Alleinsein nicht besonders gut aus. Sie beschäftigen sich immerzu mit etwas, sie schalten den Fernseher oder Musik, surfen im Netz, gehen ins Sportstudio, in die Kneipe oder nebeln sich mit Alkohol und Zigarettenqualm ein, und, und. Und alles, um nicht bewusst mit sich selbst sein zu müssen, alles, um die innere Stimme nicht hören zu müssen.

Zu viel Beziehung zum Außen und zu viel Ablenkung vom eigenen Inneren führt mit der Zeit zum Überfremdet werden.
Je mehr Fremdes wir ins Eigene lassen, desto fremder werden wir uns selbst.
Die Folge ist Selbstverlust. Um uns mit der Schöpferkraft zu verbinden, ist es notwendig eine Beziehung zu uns selbst zu haben.



Fortsetzung folgt ...




Donnerstag, 3. Januar 2013

fairy tales




ich habs ja nicht so mit dem vertrauen. das liegt schlicht und einfach daran, dass meins zu oft missbraucht wurde. ich versuche es trotzdem immer wieder und falle immer wieder auf die schnauze. ich bin ganz gut im fallen und ziemlich gut im aufstehen, also klopfe ich mir regelmäßig den verlogenen erfahrungsdreck vom kleid und verschenke wieder mein vertrauen.

natürlich suche ich mir die, denen ich das schenke, mittlerweile gut aus. manche haben sogar ein abonnement auf mein vertrauen, das sind, die von denen ich weiß, dass sie mein vertrauen gar nicht mit vorsatz missbrauchen wollen, sondern einfach nicht anders können. dafür habe ich verständnis.

was das vertrauen in meine männlichen mitmenschen angeht, habe ich allerdings keine bonuspunkte mehr zu verschenken. die haben es, was die erfahrung meiner selbst und die vieler meiner weiblichen mitmenschen angeht, doch übertrieben. was mich angeht, liegt es vielleicht daran, dass ich ein bisschen sehr naiv bin. nichts desto trotz, ich kenne mein kindheitstrauma und meinen herzmagneten und weiß warum mir das passiert, und zwar solange bis ich es endlich kapiert habe. aber so weit ist es noch nicht, ich übe noch, wie viele von uns.

und jetzt - nicht für alle von uns, sondern für alle weibsbilder unter uns die immer noch an den prinzen auf dem weißen roß und die ewige liebe glauben, ausnahmen im bereich dieser spezies ignoriere ich schlicht und einfach mal: es gibt gewisse männliche eigenschaften und verhaltensweisen, die den vertrauensbonus von vorne herein ausschließen sollten.

dazu gehören: typen, die die dir sterne vom himmel holen wollen oder dich gar zum mondflug einladen, frei nach dem motto fly me to the moon. die meinen natürlich, dass du sie gefälligst zum mond fliegen sollst, denn dieses abenteuer zu wagen, dazu haben sie selbst nicht die eier in der hose, geschweige denn die nötige fantasie, selbiges auf erden zu simulieren. diese unbegabten schönredner schießt frau am besten gleich auf den mond und zwar ohne mit der getuschten wimper zu zucken, die sind nicht mal die von mir hoch geschätzte und gelebte weibliche empathie wert.

fragwürdig sind auch jene, die ständig an ihrem handy kleben, als sei es die substituierte nabelschnur von muttern, zu der sie übrigens zeitlebens kein gutes verhältins hatten oder haben. also männer, die alle zehn minuten, egal ob an wochentagen, aber besonders an samstagen und sonntagen, in permanenter unruhe schweben und ständig nachgucken, ob sie nicht eine nachricht oder einen anruf oder eine pn in facebook verpasst haben könnten. was mich allerdings wundert, macht es doch ständig ein nerviges "plonk" auf dem smart oder i-phone, was eindeutig verkündet - du hast post. ne, die kann er nicht verpassen, es sei denn, er lullt dich gerade mit einem flieg mich zum mond gesäusel ein und ist daher kurzzeitig abgelenkt.

diese spezies hat auch die eigenart sein handy entweder niemals aus der hosentasche zu nehmen, sprich es beim ausziehen der hose in der tasche zu lassen, es beim aufladen direkt am nachtisch zu positionieren und es beim duschen auszuschalten, aber auch nur da. was schon der selbstquälerei gleichkommt, denn in den fünf bis zehn minuten wo nix mehr geht, könnte mann ja etwas wichtiges weibliches, was mit dir nichts zu tun hat, verpassen. diesem exemplar verpasst die kluge frau am besten umgehend einen tritt in des körpers mittchen, bevor es kostbares wasser verbraucht. es verbraucht frauen nämlich genauso rücksichtlos wie wasser.

tja, jene denen man sein vertrauen schenken kann sind rar gesät mädels, aber es gibt sie. ich weiß es. man muss nur lange genug suchen.

und wenn ich jetzt alle männlichen leser meines blogs vergrault habe - dann hab ich wieder einmal recht gehabt.




Mittwoch, 2. Januar 2013

auf ein neues ...



das alte jahr ist vorbei, endgültig. wir haben auch noch die reste seiner letzten nacht in die luft gedonnert. laut und krachend haben wir es verabschiedet, es noch ein mal so richtig krachen lassen. abschied gefeiert, als wollten wir es vertreiben, es austreiben aus unseren gedanken und den mehr oder weniger müden knochen.

jetzt ist es weg, das alte. und jetzt? jetzt ist ein ganz normaler mittwoch in einem ganz jungen jahr. ich bin nicht mehr jung. ich werde sogar noch ein jahr älter in diesem jahr. dass ich mich darüber nicht unbedingt freue, liegt zum einen an meiner höchst ambivalenten beziehung zur vergänglickeit,  zum anderen an meiner eitelkeit. andererseits wird mir, wenn ich glück habe, ein ganzes neues jahr leben geschenkt.

ich habe mir etwas vorgenommen für dieses neue lebensjahr, etwas für mich ganz persönlich, wie wir alle das wohl tun. auch die, die dabei nicht im lauten der silvesternacht laut vorsätze formulieren, damit sie sich die selbst glauben. aber sie sind dennoch da, die vorsätze. irgendwo im hinterkopf sind sie da, bei uns allen, da bin ich mir ziemlich sicher. ich habe mir leise vorgenommen, mit dem weiter zu machen, was ich mache. ein bisschen besser als im alten jahr und bitte etwas erfolgeicher. erfolgreich im sinne von - lieber gott, bitte lass blühen, was ich säe und mich nicht schneller verblühen als nötig, damit ich es erleben kann, das erblühen.

was das alte angeht werde ich es weder vergessen, noch als ein in luft aufgelöstes betrachten und empfinden. so geht das nämlich nicht. es hat einen sinn das alte. auch wenn mir so manches nicht gepasst hat, es hat mich doch in gewisser weise wieder ein stück weiter gebracht. lebenserfahrung nennt man das. die ist unbezahbar, die kann man sich nicht anlesen und die ist, gemessen an der knappen summe der zeit, die wir leben, etwas höchst wertvolles und eben nur durch die summe der gelebten zeit zu haben. das ist das gute am älter werden.

aber ich bin nicht blauäugig - es gibt auch junge menschen, die eine menge erfahrungen gemacht haben, die vielleicht sogar etwas erlebt haben, was manche alte in ihrem ganzen leben nicht zu erleben bekommen, auch sachen, die man nicht unbedingt erleben will.

sachen, die man nicht erleben will, will keiner. aber da der mensch wollen kann, wie er will und seinem willen eben nicht immer folge geleistet wird, macht es sinn, sich auch im neuen jahr und überhaupt jeden einzelnen tag klar zu machen, dass es etwas gibt, das größer ist als wir.

also, wenn es im neuen jahr wieder mal nicht so geht, wie wir das wollen, oder wir, egal ob jung, älter oder alt, erfahrungen machen, die wir überhaupt nicht machen wollen, sollten wir nicht enttäuscht sein, weil wir es eben ganz und gar nicht allein in der hand haben, das neue jahr.

das zu wissen, beruhigt mich an diesem ersten normalen mittwoch des neuen jahres.