Mittwoch, 25. April 2012

A N G S T III





angst ist das gefühl das wir haben
wenn es um unsere existenz geht

angst ist das gefühl
das andere uns machen
wenn wir anders sind

angst ist das was sich einstellt
wenn wir glauben falsch zu sein

angst ist
wenn wir glauben zu verlieren
was uns wichtig erscheint

angst ist das was wir fühlen
wenn unsere wahrheit angegriffen wird

angst ist das was wir haben
wenn alles wankt worauf wir vertraut haben

angst ist unser ständiger begleiter
wenn wir schlimme erfahrungen nicht bewältigt haben

angst ist das was sich einstellt
wenn der mut klein ist

angst ist das was uns kraft gibt
wenn wir wissen
dass der mut hinter der angst steht und immer wieder hervortreten kann

angst ist ein gefühl das angenommen werden will
weil es niemals weggehen wird

angst zulassen und trotzdem handeln
ist das was uns hilft um mit ihr zu leben 

weiter gehen ...



am anfang

ein hinwenden
ein erfreuen
ein erkennen von gleichem

dann
ein verbinden

später
ein sich selbst erkennen im hinwenden
erschrecken manchmal

dann 
ein abwenden
ein alleinsein

irgendwann 
ein neues hinwenden
nicht aufgeben
sich selbst und einander verstehen
anders
weitergehen



Dienstag, 24. April 2012

verdammt ...



der mensch ist zur freiheit verdammt - gelesen gerade irgendwo.
nachgedacht
der mensch ist zur freiheit verdammt
er hat die wahl
jede wahl bedeutet
eine entscheidung
jede entscheidung
heißt verantwortung übernehmen
jede verantwortungsübernahme
macht unfrei
nachgedacht
der mensch ist zur freiheit verdammt ...

Montag, 23. April 2012

allein


ich
eine mir vertraut bekannte unbekannte
du 
ein mir vertrauter unbekannter
zwischen uns vertraut unbekanntes

grenzen

nichtverstehendes verstehen wollen
ein abgleichen 
nichts weiter

erkennen
ich, du, jeder
ist allein.

Samstag, 21. April 2012

In eigener malerischer Sache



Angelika Wende ist keine staatlich lizenzierte Künstlerin. Sie hat keinen Abschluss einer Kunsthochschule oder ähnliches vorzuweisen. Doch sie hat etwas das vielen "Meisterschülern" fehlt: innere Notwendigkeit. Der Trieb, die Ereignisse der Welt malerisch zu verarbeiten, ist tief in ihr verwurzelt.
 
Ihr Werk konfrontiert den Betrachter mit einer ungeschönten aber auch zugleich unumstößlich notwendigen Bildwelt. Diese lockt durch ihre Intensität. Wir sehen Figuren. Einzelne, im Paar, im Drei-Mensch-Verhältnis. Gemalt in einem Stil, der sich von der Individualität des abgebildeten Subjekts entfernt und als Stilmittel die Reduktion der Form zu nutzen weiß.

In dieser Reduktion wird von dem konkreten Menschen, von der konkreten Situation, auf das Allgemeine abstrahiert. Als Heroen der Malerei begegnen uns die ewig immer wiederkehrenden Konfliktpfeiler menschlicher Existenz. Der Betrachter sieht sich mit einem ernüchterten Weltbild konfrontiert.

Der Verlust der paradiesischen Unschuld durchzieht das Werk, ebenso wie die Sehnsucht nach eben diesem. Wir sehen die Bereitschaft den Finger in die Wunde zu legen. An manchen Stellen sogar eine gewisse Lust den Finger noch tiefer in die Wunde zu stecken als vielleicht nötig.

Ein Durst nach Erfahrung und intensivem Leben wird uns zuteil. Weit davon entfernt dekorativ oder gefällig zu sein, widmet sich Wende intensiv der Entwicklung der Psychologie durch die Malerei. Ein Modigliani verwandter Stil macht sich die Wirklichkeit untertan.

Angelika Wende hat einen Standpunkt, Ihre Sicht der Dinge. Wo Modigliani lasziv-ursprünglich arbeitet und die Naivität der Darstellung durch Details, wie lediglich angedeutete Augen bricht, invertiert Wende dieses Vorgehen.

Sie bricht die Naivität als erstes, die Hoffnung liegt bei ihr im Detail und treibt daraus eine Blüte, die bei einem ersten, oberflächlichen Blick einer Blume des Bösen gleicht, aber deren wahres Selbst die Liebe ist.

Christian Felder

ja sagen

sie dachte an die worte der mutter.
"sag niemals aus erschöpfung ja." 
worte, die die mutter gesagt hatte, als sie im sterben lag, vor langer zeit.

und sie dachte an all die jas, die sie gesagt hatte, dort wo sie nein gemeint hatte, gesagt, weil sie erschöpft gewesen war.

sie war erschöpft vom ja sagen.

Freitag, 20. April 2012

klage


ich treffe den mann auf der vernissage. 
ich begrüße ihn.

meine frau ist heute gestorben, klagt er.
um vier ist sie eingeschlafen, in meinen armen. 
die alten augen des mannes schwimmen in tränen.

die frau ist tot. die frau, die er jahrelang gepflegt hat, die frau über deren dasein sich der mann beklagt hat.
 immer wieder.
die kranke frau, die ihm sein leben schwer gemacht hat, sein leben, das er jahrelang beklagt hat, von dem er sagte, er wolle es nicht mehr leben - so wie es sei. 
immer wieder.

es tut mir sehr leid, sage ich.
wofür soll ich jetzt noch leben, klagt der mann.