Montag, 7. Oktober 2013
Sonntag, 6. Oktober 2013
An alle Ungläubigen
wie können wir uns ein leben aufbauen, wenn wir denken, es nicht verdient zu haben?
wie können wir gut für uns sorgen, wenn wir glauben nicht wertvoll zu sein?
wie können wir ja zu uns sagen, wenn wir uns nicht ganz annehmen?
wie können wir leuchten, wenn wir das dunkel nicht kennen?
wie können wir groß sein, wenn wir uns klein machen?
wie können wir erwarten respektiert zu werden, wenn wir uns selbst nicht achten?
wie können wir anderen vertrauen, wenn wir uns nicht selbst vertrauen?
wie können wir uns wünschen, dass sich unsere träume erfüllen, wenn wir glauben, wir haben sowieso kein glück?
wie können wir gutes erleben, wenn wir glauben nicht gut genug zu sein?
wie können wir treue erfahren, wenn wir uns selbst nicht treu sind?
wie können wir ehrlichkeit erwarten, wenn wir uns selbst belügen?
wie können wir achtung erfahren, wenn wir unsere würde nicht spüren?
wie können wir stärke entwickeln, wenn wir glauben schwach zu sein?
wie können wir handelnde sein, wenn wir uns als opfer fühlen?
wie können wir vergeben, wenn wir uns selbst nicht vergeben?
wie können wir mitfühlen, wenn wir uns selbst nicht fühlen?
wie können wir mutig sein, wenn wir die angst nicht kennen?
wie können wir siegen, wenn wir glauben verlierer zu sein?
wie können wir bewusst werden, wenn wir das unbewusste verdrängen?
wie können wir gott vertrauen, wenn wir nicht glauben, dass wir das göttliche in uns tragen? wie können wir schöpfer sein, wenn wir den schöpfer verneinen?
wie können wir lehren, wenn wir nicht lernen?
wie können wir liebe finden, wenn wir glauben nicht liebenswert zu sein?
wie können wir glauben, dass nicht alles, was wir über uns glauben, alles, was uns je über uns beigebracht wurde, in unserem leben lebendig wird?
Samstag, 5. Oktober 2013
Die Andere in mir
da sind zwei in mir, mindestens zwei. schon als kind gab es da die andere in mir, namenlos aber spürbar, wenn ich mich wieder mal in die letzte ecke der wohnung verkrochen hatte, weil es um mich herum laut war und angsteinflößend. es war zuviel für mich, dieses ewige streiten der eltern, die keine rücksicht nahmen auf meine kinderohren. da nützte es auch nichts, sie mir zuzuhalten, es brüllte und schrie und donnerte eine lange ewigkeit und am ende knallte die haustür. mit dem knallen verstummte das brüllen des vaters und das weinen der mutter setzte ein.
meine ohren waren trotz des lauten nicht taub geworden und meine seele schon gar nicht. die weinte mit der mutter aus der ecke heraus und ich wünschte mir, die mutter würde sich um mein weinen kümmern und nicht um das ihre und zu mir kommen und mich halten und trösten und sagen: alles wird wieder gut, ich bin da und passe auf dich auf.
aber so war es nicht. die mutter weinte und klagte und stand am fenster und hatte angst, dass der vater nicht mehr wieder kommt und sie allein lässt mit ihren kindern, einsam und brotlos, weil sie doch keine arbeit hatte. irgendwann kam sie zu mir in die ecke und wie sie da vor mir stand in ihrem weinenden elend, erhob sich wie von ganz alleine, die andere in mir und nahm die mutter in den arm um sie zu trösten. ich wusste genau, dass es ihr nicht gelingen würde, denn der einzige trost für die mutter war die rückkehr des vaters, aber die ließ meist lange auf sich warten.
es war eine lange zeit in der die andere in mir ihre ganze kraft aufwenden musste um die mutter zu bewahren, vorm kippen in die dunkle nacht ihrer angst, die sie begleitete seit sie ein kind war und mit der großmutter unter dem bombenhagel des krieges in den luftschutzkeller hatte flüchten müssen, nacht für nacht. der bombenhagel des donnernden vaters war da eigentlich nichts dagegen, die mutter war das drohend laute ja gewohnt. aber die angst, die das drohend laute ihr als kind gemacht hatte, hatte nur ein anderes gesicht bekommen, das schrie und tobte und sie dann allein ließ. so allein wie damals im luftschutzkeller, muss sich das angefühlt haben für die mutter, aber das wusste ich damals noch nicht und was man nicht weiß, kann man nicht verstehen und was man nicht versteht, macht angst.
da saßen wir also, eng umklammert, die mutter und ich und hatten beide angst, aber die andere in mir tat alles um sie nicht zu zeigen, sie musste stark sein, für die mutter und für mich.
irgendwie hat das bis heute nicht aufgehört, dieses stark sein müssen für andere. die andere in mir ist das so gewöhnt seit kindesbeinen und was uns seit kindesbeinen begleitet, verschindet nicht mehr, auch wenn das leben längst anders geworden ist und wir erwachsen.
auch wenn sich das leben verändert, das alte ich, das in schweren zeiten für uns da war und uns half zu überleben, kämpft um seine existenz. es kennt unsere geschichte, es hat sie in jeder zelle, in jedem neuron verinnerlicht und es reagiert, wenn seine knöpfe gedrückt werden. das weiß ich, aber die andere in mir weiß das nicht. auch wenn ich sie immer wieder zu überzeugen versuche und ihr sage: du musst nicht immer für andere stark sein, du musst nicht immer für andere alles geben, damit sie sich besser fühlen - das alte ich, die andere in mir, glaubt mir das nicht. sie macht sich an die arbeit, sobald es arbeit gibt, die für andere zu tun ist, und ich muss ganz schön kämpfen um die arbeit die für mich zu tun ist zu tun, und das macht mir doppelt arbeit. ich muss mich durchsetzen, für mich selbst und das gegen eine verdammt harte gegnerin, die bis heute meistens immer noch als siegerin dieses inneren kampfes hervorgeht.
und wenn es dann mal wieder so weit ist, dass ich von diesem anstrengenden kampf völlig erschöpft bin und keinen panzer mehr habe, den ich in den krieg schicken könnte, dann zückt mein körper die letzte waffe und wird krank und ich ergebe mich. dann kann die andere mich mal, dann ist endlich ruhe und ich bekomme die auszeit für mich, die schon lange überfällig war. ich nehme sie mir dann auch, weil ich viel zu schwach bin um weiter gegen die andere zu kämpfen. wo kein kämpfer, da kein kampf. so einfach ist das.
auf dauer ist das natürlich keine befriedigende option immer im kollisionskurs gegen das alte zweitich durchs leben zu gehen. auf dauer muss ich mir eine wirklich gute strategie zulegen, die die andere in mir davon überzeugt, dass sie mir nicht mehr ins leben pfuschen darf. ich muss sie davon überzeugen, dass sie ruhig etwas neues ausprobieren darf und ihr auch noch die angst vor dem neuen nehmen. ich denke, ich könnte ihr mit viel mitgefühl kar machen, dass sie sich nicht mehr um alles und jeden, der sie um hilfe bittet, kümmern muss, sondern, dass sie sich, mit mir gemeinsam um uns kümmert.
wie mir das gelingt, weiß ich noch nicht so genau. aber ich weiß, verjagen kann ich die andere niemals, sie bleibt, solange ich lebe, also sollte ich sie ab jetzt noch besser beobachten und sie genau in dem moment dabei ertappen, wenn sie mir wieder den kampf ansagt und mich genau darauf nicht mehr einlassen. ich werde es üben. mal sehen wie sie reagiert ...
meine ohren waren trotz des lauten nicht taub geworden und meine seele schon gar nicht. die weinte mit der mutter aus der ecke heraus und ich wünschte mir, die mutter würde sich um mein weinen kümmern und nicht um das ihre und zu mir kommen und mich halten und trösten und sagen: alles wird wieder gut, ich bin da und passe auf dich auf.
aber so war es nicht. die mutter weinte und klagte und stand am fenster und hatte angst, dass der vater nicht mehr wieder kommt und sie allein lässt mit ihren kindern, einsam und brotlos, weil sie doch keine arbeit hatte. irgendwann kam sie zu mir in die ecke und wie sie da vor mir stand in ihrem weinenden elend, erhob sich wie von ganz alleine, die andere in mir und nahm die mutter in den arm um sie zu trösten. ich wusste genau, dass es ihr nicht gelingen würde, denn der einzige trost für die mutter war die rückkehr des vaters, aber die ließ meist lange auf sich warten.
es war eine lange zeit in der die andere in mir ihre ganze kraft aufwenden musste um die mutter zu bewahren, vorm kippen in die dunkle nacht ihrer angst, die sie begleitete seit sie ein kind war und mit der großmutter unter dem bombenhagel des krieges in den luftschutzkeller hatte flüchten müssen, nacht für nacht. der bombenhagel des donnernden vaters war da eigentlich nichts dagegen, die mutter war das drohend laute ja gewohnt. aber die angst, die das drohend laute ihr als kind gemacht hatte, hatte nur ein anderes gesicht bekommen, das schrie und tobte und sie dann allein ließ. so allein wie damals im luftschutzkeller, muss sich das angefühlt haben für die mutter, aber das wusste ich damals noch nicht und was man nicht weiß, kann man nicht verstehen und was man nicht versteht, macht angst.
da saßen wir also, eng umklammert, die mutter und ich und hatten beide angst, aber die andere in mir tat alles um sie nicht zu zeigen, sie musste stark sein, für die mutter und für mich.
irgendwie hat das bis heute nicht aufgehört, dieses stark sein müssen für andere. die andere in mir ist das so gewöhnt seit kindesbeinen und was uns seit kindesbeinen begleitet, verschindet nicht mehr, auch wenn das leben längst anders geworden ist und wir erwachsen.
auch wenn sich das leben verändert, das alte ich, das in schweren zeiten für uns da war und uns half zu überleben, kämpft um seine existenz. es kennt unsere geschichte, es hat sie in jeder zelle, in jedem neuron verinnerlicht und es reagiert, wenn seine knöpfe gedrückt werden. das weiß ich, aber die andere in mir weiß das nicht. auch wenn ich sie immer wieder zu überzeugen versuche und ihr sage: du musst nicht immer für andere stark sein, du musst nicht immer für andere alles geben, damit sie sich besser fühlen - das alte ich, die andere in mir, glaubt mir das nicht. sie macht sich an die arbeit, sobald es arbeit gibt, die für andere zu tun ist, und ich muss ganz schön kämpfen um die arbeit die für mich zu tun ist zu tun, und das macht mir doppelt arbeit. ich muss mich durchsetzen, für mich selbst und das gegen eine verdammt harte gegnerin, die bis heute meistens immer noch als siegerin dieses inneren kampfes hervorgeht.
und wenn es dann mal wieder so weit ist, dass ich von diesem anstrengenden kampf völlig erschöpft bin und keinen panzer mehr habe, den ich in den krieg schicken könnte, dann zückt mein körper die letzte waffe und wird krank und ich ergebe mich. dann kann die andere mich mal, dann ist endlich ruhe und ich bekomme die auszeit für mich, die schon lange überfällig war. ich nehme sie mir dann auch, weil ich viel zu schwach bin um weiter gegen die andere zu kämpfen. wo kein kämpfer, da kein kampf. so einfach ist das.
auf dauer ist das natürlich keine befriedigende option immer im kollisionskurs gegen das alte zweitich durchs leben zu gehen. auf dauer muss ich mir eine wirklich gute strategie zulegen, die die andere in mir davon überzeugt, dass sie mir nicht mehr ins leben pfuschen darf. ich muss sie davon überzeugen, dass sie ruhig etwas neues ausprobieren darf und ihr auch noch die angst vor dem neuen nehmen. ich denke, ich könnte ihr mit viel mitgefühl kar machen, dass sie sich nicht mehr um alles und jeden, der sie um hilfe bittet, kümmern muss, sondern, dass sie sich, mit mir gemeinsam um uns kümmert.
wie mir das gelingt, weiß ich noch nicht so genau. aber ich weiß, verjagen kann ich die andere niemals, sie bleibt, solange ich lebe, also sollte ich sie ab jetzt noch besser beobachten und sie genau in dem moment dabei ertappen, wenn sie mir wieder den kampf ansagt und mich genau darauf nicht mehr einlassen. ich werde es üben. mal sehen wie sie reagiert ...
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Abschied
es kommt der tag, da müssen wir liebgewonnene gewohnheiten, dinge oder orte hinter uns lassen, die uns lange zeit das gefühl von sicherheit gaben. das bedeutet, dass wir uns verabschieden müssen. abschied nehmen von dem, was unser bisheriges leben ausmachte, ist schwer. sich von vertrautem trennen müssen ist für viele menschen, mich eingeschlossen, ein gefühl als müsse man sich von seinem bisherigen selbst verabschieden, es fühlt sich an als zerreiße man innerlich, als breche etwas von uns ab, was uns stabilität und halt gab. ein teil des ganzen geht verloren.
aber verlieren wir, wenn wir etwas verlieren, wirklich ein stück unserer selbst oder verlieren wir nur eine vorstellung, die wir von uns selbst und unserem leben hatten und mit der wir uns über eine lange zeit eingerichtet haben?
der verstand sagt: ganz gleich, was du verlierst oder hinter dir lassen musst, solange es dinge sind, kann dich das nicht zerbrechen, denn dinge sind ein rein äußererlicher besitz, dinge haben keinen einfluss auf dein sein. das, was du nicht verlieren kannst ist allein das, was dich von innen hält, das, was dich als mensch ausmacht. dazu gehören deine träume ebenso wie dein glaube an die eigene wahrheit, deine tiefsten überzeugungen und dazu gehört was du liebst.
aber ist es wirklich so einfach wie der verstand meint? nein, so einfach ist es nicht, weil dinge und orte den kontext ausmachen in dem unser gewohntes leben stattfand, weil sie ausdruck des eigenen inneren sind, ausdruck dessen, was uns ausmacht. sie sind etwas, was wir nach unseren vorstellungen und bedürfnissen im außen gestaltet haben um es zu bewohnen - körperlich, geistig und seelisch. sie geben uns geborgenheit.
keiner von uns ist frei von äußeren gerüsten. wir sind nicht frei von den räumen, die wir in unserem leben eingerichtet und bewohnt haben, sie sind unsere umgebung, das womit wir uns umgeben, weil wir es uns so einmal so ausgesucht und nach unserem denken und fühlen gestaltet haben.
wenn wir verlieren was unser gerüst war kann das gefühl zu fallen uns vollkommen überwältigen. wir fallen aus unserem vertrauten rahmen. uns wird etwas genommen und wir wissen genau, wir müssen es loslassen, weil wir absolut keine andere wahl haben. zum beispiel wenn wir den job verlieren oder wenn wir die wohnung, in der wir jahre unseres lebens unser heim hatten, aufgeben müssen, weil wir die miete nicht mehr zahlen können oder weil sie uns gekündigt wird. das sind materielle verluste und trotzdem verlieren wir mehr als nur ein ding, wir verlieren einen wesentlichen teil unseres lebenskonzeptes, einen raum, in dem unser selbst sich entfaltet hat und sich geborgen fühlte. das ist mehr als ein bruch, das fühlt sich an wie ein knacks, das ist für manchen sogar sogar ein kleiner persönlicher weltuntergang.
was dann?
was fordert das leben von uns, wenn uns solche verluste widerfahren?
es fordert uns auf hineinzuspüren warum wir das, was wir gerade verlieren, loslassen müssen.
ich glaube, wir verlieren nichts zufällig. hinter jedem verlust steht eine entwicklung, die lange zeit vor dem tatsächlichen verlust ihren anfang hatte und ihren lauf nahm.
alles was wir an selbstkonzepten und deren äußerer gestaltung verlieren, weißt darauf hin, das da etwas nicht mehr stimmig war, dass da etwas mitschwang, was schon lange zu uns sagte - du musst etwas verändern, bevor es eng wird. aber wider besseren wissens haben wir nichts verändert, wir haben unsere innere stimme und all die bedenken und mahnungen ignoriert, in der hoffnung - es wird schon gut gehen. und dann geht es nicht mehr gut. es wird von außen, vom schicksal oder durch den einfluss anderer verändert. damit ändert es sich für uns und uns bleibt nichts anderes übrig als uns dem zu ergeben. das ist ein gefühl der ohnmacht. wir sind nicht mehr die, die handlungsunfähig sind, andere handeln für uns oder das schicksal schlägt zu und wir fühlen uns wie der spielball äußerer kräfte.
wenn wir es nicht ändern, ändert es sich für uns und zwar damit wir aufwachen und in bewegung kommen, genau das, was wir schon viel früher hätten tun sollen und nicht getan haben.
hätte ich nur, denken wir dann. aber wir haben nicht, weil wir nicht konnten, denn sonst hätten wir. und dann müssen wir können. wir müssen sehen, wie wir die herausforderung vor die uns die veränderung stellt, bewältigen. nach dem schock, nach dem schmerz des verlustes im besten falle. aber manchmal lässt uns das leben nicht einmal diese schonzeit, manchmal müssen wir von einem tag auf den anderen etwas hergeben woran unser herz hängt. wir glauben vielleicht, das schaffen wir nie, wir haben keine kraft um sie der ohmacht, die der verlust mit sich bringt, entgegen zu setzen. ich kenne dieses gefühl gut, weil ich es oft erlebt habe und weil ich es gerade wieder erlebe.
aber wie schaffen wir loszulassen?
wir schaffen es, wenn wir nicht in der ohnmacht verharren, wenn wir uns fragen: was will das leben jetzt von mir? wozu ist das gut, was da gerade geschieht, was daran ist sinnvoll und richtig für mein weiteres leben? was ist das geschenk, das in dieser situation verborgen liegt, die möglichkeit, die der verlust mit sich bringt?
das leben straft uns nicht ab, weil wir etwas versäumt haben, es nimmt uns nichts, was wir uns nicht schon längst selbst genommen haben. jedem abschied, der uns wie von außen auferzwungen scheint ist längst ein innerer abschied vorausgegangen, wenn auch unbewusst.
auch wenn es sich anders anfühlt - das leben will, dass wir das alte überholte verlassen um der mensch zu werden, der über das alte hinaus in uns angelegt ist und sich weiter entfalten will. und das tut weh. die franzosen haben wunderbare worte dafür:
partir c ´est toujours un peu mourir.
jeder abschied ist ein kleiner tod im leben, aber er ist zugleich eine neugeburt, solange wir leben.
Abonnieren
Posts (Atom)




