Samstag, 22. Januar 2011

Einsam ....

Ich sah sie an, meinen Blick auf ihr Gesicht geheftet, ihren ängstlichen Blick in den meinen verschränkend. Sie wollte es sagen, sie tat es nicht, quälte sich mit einem Unausprechbaren. Sie nahm einen Schluck Kaffee, nicht ohne zuvor wieder und wieder den Milchschaum mit dem Löffel verrührt zu haben. "Ich bin einsam". Ich sprach es aus, für uns beide.

Sie hielt die Tasse vor ihre Brust wie ein zu kleines Schild vor der Rüstung, die sie trug, die längst Risse bekommen hatte. " Einsam", sagte ich noch einmal. "Allein es auszusprechen dieses Wort, das wir wie ein Unwort behandeln trennt mich von den Menschen." Sie lächelte, bereit den Widerstand aufzugeben. Er wog schwer, das Lächeln leicht. Ich lächelte zurück.

"Ich frage mich warum, wo doch so viele einsam sind und immer mehr", sagte ich. "Man darf es sein", antwortete sie mit leiser Stimme wie ein schüchternes Mädchen, einer Stimme, die es zart machte das Gesicht der Frau in meinem Alter, "aber man darf es nicht aussprechen."

"Vielleicht ist es so, weil das Aussprechen, dessen was ist, es deutlich macht, so deutlich, dass wir es anschauen müssen. Wer mag schon das Unschöne anschauen, auch wenn es nur ein Spiegel ist, indem sich das Eigene reflektiert".

Du bist eben mutig, sagte sie. "Ich bin nicht mutig", sagte ich, nur weil ich nicht aufhöre in den Spiegel meiner zerrissenen Innerlichkeit zu blicken. Auch wenn die, die das bemerken, und es nicht als Angriff auf ihr Seelenheil begreifen, mir das sagen. Ich bin nicht mutig, ich bin es nur müde geworden wegzuschauen, denn auch das kostet Kraft, die ich nicht mehr habe."

Sie sah mich an, sich wieder in die Rüstung zurückziehend. "Es macht mir aber Angst, mich anzuschauen, das ist nicht gut." "Wer sagt das?", fragte ich sie. "Alle sagen das." Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie Alle vertreiben. "Und was meinst Du?", wollte ich wissen. "Ich weiß es nicht". Wieder rührte sie in ihrem Kaffee, als ließe sich darin etwas versenken, was längst an der Oberfläche klebte.

"Ich habe mich daran gewöhnt, an den Widerschein der einsamen Frau, die mich an jedem Morgen anblickt, an jedem Abend und in all den anderen Momenten, in denen ich in den Spiegel schaue. Ich sage zu mir selbst: Ich weiß, das bist du auch, Moira, da drinnen bist du das auch , neben all dem anderen was du bist, und ich erkenne dich, weil ich dich erkannt habe, so gut es mir gelungen ist, in fast fünf Jahrzehnten Leben."

"Du sprichst mir dir selbst?". Sie lächelte wieder, erstaunt und nicht mehr zart. " Wir haben eine Beziehung, ich und ich. In einer guten Beziehung spricht man miteinander", sagte ich. "Ja, es ist vielleicht gut zu sprechen", kam zurück und mit diesem Ja, vielleicht ein Nein, das sich aufbäumte gegen das kleine Ja, vielleicht. Ganz groß war es, dieses Nein. So groß, dass ich es aufgab ihre meine Einsamkeit erklären zu wollen, die mit der ihren nicht zu vergleichen war.

Freitag, 21. Januar 2011

Ich weiß ...........

Es ist die Dummheit, die grenzenlose Dummheit, die mich schmerzt, sagte die Frau zu dem Mann, den sie nicht kannte. Der Mann schwieg, nickte mit dem Kopf.

Es ist dieses Gewahrsein, das sich in mir ausbreitet wie eine schleichende Krankheit, dass nichts sich ändern wird. Sie lächelte bitter. Sie hatte nicht bitter werden wollen, auch nicht für Augenblicke, immer hatte sie Bitterkeit in Gesichtern gehasst. Diese nach unten gezogenen Mundwinkel der Enttäuschung, die die Jahre eingraben und nicht mehr rückgängig machen, Massenspuren im grauen Gesichtergemisch.

Der Mann blieb still. Abwartend. Sie sehen das Wesentliche nicht, sagte die Frau, weil sie nur sich selbst sehen, sich selbst in dem Mikrokosmos, den sie ihr eigen nennen. Diese eigene Befindlichkeit, die nicht hinüberreicht zu einem anderen, auch nicht zu dem, was größer ist als sie selbst. Es schmerzt mich, sagte die Frau und dass sie nicht wisse, ob sie ein Misanthrop werde, oder noch etwas wie Liebe für die Menschen empfinden sollte.

Das Kleine ist ihnen wichtig und dass sie Zerstreung finden im Banalen. Manchen reicht nicht einmal das, dann ist es der Exzess. Es war immer so, also warum etwas erwarten. Wie sinnlos es ist, dieses Erwarten, dessen was nie war und nie sein wird.
Die Frau weinte, weil sie das Weinen nicht verlernt hatte.

Der Mann schwieg weiter. Ohne Worte malten sich Gedanken auf seiner Stirn. Die Frau, fähig zu lesen, verstand seine Wortlosigkeit. Er kannte das Gefühl des Enttäuschten. In diesem Moment waren sie eins ohne es bleiben zu müssen.

Es ist die Gier, sagte die Frau, die Gier ist die schlimmste der Todsünden. Sie sind ihr verfallen. Einem Haben wollen, das den Verlust bereits in sich trägt. Wissen sie nicht, dass sie nichts mitnehmen können, was mit Geld bezahlt wurde. Sie wunderte sich, dass sie es nicht wussten, nicht einmal es zu denken fähig waren. Der Mann nickte wieder. Und es ist der Neid des nicht Verstehens dessen, was mehr erfordert als das Banale - dieses "so hat Leben zu sein." Die Gier und der Neid auf die anderen, die anders sind, wiederholte die Frau. Sie senkte die Lider, tränenverklebt.

Der Mann sah sie lange an, dann nahm er ihre Hände und legte sie auf sein Herz.
Ich weiß, sagte er, ich weiß wie es schmerzt.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Ich und ich

Die Vorstellung, dass wir viele Ichs haben sollte mich beunruhigen.

Sie tut es nicht.

Da ich es von mir selbst schon lange weiß, habe ich mich damit abgefunden.

Ich weiß darin liegen viele Möglichkeiten, auch die von Zerrissenheit.

All diese Ichs sind wie Splitter eines zerborstenen Spiegels.

Es ist nicht möglich ihn zu einer Ganzheit zu bringen.

Wir haben nicht nur ein einziges Leben, wir haben viele, unzählige Ebenen und Unterebenen und die Metaebene, die versucht die Balance zu halten.

Es ist eine künstliche Ganzheit, die wir zu schaffen versuchen und die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens rechtfertigt sich allein durch den Anspruch an Stabilität und Klarheit.

Die vielschichtigen Ebenen sind der Grund dafür, dass es die eine Wahrheit nicht in gibt, nicht in der Welt und nicht in uns.

Das Wissen darum macht es mir nicht leichter, macht es nicht leichter zu vertrauen.

Vielleicht ist das der tiefere Grund, weshalb mir Vertrauen schwer fällt.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Wirklichkeiten ...



Real Irreal Surreal

Eine subjektive Reflexion



Der Schweizer Schriftsteller Etienne Barilier gab in den Neunzigern ein Buch heraus mit dem Titel „Die künstliche Geliebte“. Der Protagonist, ein junger Mann, sehnt sich nach der einen wahren Liebe in Gestalt der idealen Geliebten, die die Welt mit all ihren Erscheinungen durch und mit seinen Augen sieht, die das Gleiche wie er fühlt und denkt. Nachdem er diese Sehnsucht in der Realität mit keiner Frau stillen kann erschafft er sich eine künstliche Geliebte nach seinem Ebenbild. Mit der Zeit jedoch entwickelt die künstliche Frau ein Eigenleben. Sie beginnt ihre eigene Wirklichkeit wahrzunehmen und zu erschaffen. Der junge Mann zerbricht an der Erkenntnis, dass nicht einmal das von ihm selbst erschaffene Wesen ein identischer Teil seines „in der Welt seins“ ist. Die Geschichte endet in abgrundtiefer Verzweiflung und schließlich in Zerstörung.

„Der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit ist die gefährlichste aller Selbsttäuschungen. Es gibt sie nicht, diese eine Wirklichkeit, es gibt vielmehr zahllose Wirklichkeiten, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger objektiver Wahrheiten sind“, schreibt der Philosoph und Psychoanalytiker Paul Watzlawick in seinem Werk „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“. Er kommt zu dem Schluss, das der Glaube, dass die eigene Sicht der Wirklichkeit die Wirklichkeit schlechthin bedeute eine gefährliche Wahnidee sei, eine Anmaßung, ja gar die „think crime“ der menschlichen Existenz.

Ist es möglich, ist dieses "Gedankenverbrechen" der Urgrund für das Leiden in der Welt?
Ist es unsere subjektive Sicht, die uns leiden macht, die Unfähigkeit der Akzeptanz der Dinge, wie sie sind. Aber was, wenn die Dinge nicht sind, was sie sind, es niemals sein können, wenn es dieses objektiv Seiende nicht gibt, wenn das Seiende eine nichtfassbare Größe ist, wenn jedes Ding nur der Widerschein dessen ist, was sich in uns spiegelt und wir uns wiederum in ihm? Dann gibt es nur subjektive Annahmen und keine Wirklichkeit. Dann gibt es kein Richtig und kein Falsch, dann gibt es das Individuum in seinem Hineingeworfensein in die Welt, den Schmerz des Getrenntseins und die ewige Suche nach Wahrheit. Eine Suche, die mit der Frage beginnen könnte: Was ist Realität? Was ist real und damit in unseren Augen wahr? Ist Wirklichkeit, wie Watzlawick behauptet, etwas individuell Konstruiertes oder ist sie eine messbare, bestimmbare, überprüfbare, beweisbare, allgemeingültig existierende verbindliche Größe? Ist Wahrheit, wie Heidegger sagt, niemals an sich, von selbst vorhanden und als solche entzifferbar, sondern erstritten?

War die Vorstellung von Wirklichkeit früher so konzipiert, dass man, ob ihrer Härte, dagegen stieß so ist sie heute mehr und mehr ein fließendes, zerfließendes Gebilde, das sich in Frage stellt sobald wir Fragen stellen, schon weil wir selbst in Frage gestellt werden, sobald wir realisieren. Die reale Welt und das reale Ich, von dem wir längst wissen, dass auch dieses aus vielen Ichs besteht, erweist sich als subjektiv interpretatives Substrat aus dem wogenden Meer der Möglichkeiten, welches der Mensch selbst herausfischt.

Die Dinge sind abhängig vom Auge des Betrachters.
Niemals nehmen wir an den Erscheinungen, zu deren Bildung unsere Sinne angeregt werden, Wirklichkeit wahr. Sobald zu den Erscheinungen der Gedanke oder das Gefühl tritt kommt eine neue Tönung hinzu. Die Sinne können uns die Wirklichkeit nicht geben, sondern umgekehrt ist sie etwas, das wir den Sinnen geben. Wirklichkeit ist eine Beziehung des Geistes zum Geheimnis des Seins. Doch ist durch die reine Sichtbarkeit des Inhalts der Wirklichkeitsakzent noch nicht gegeben, sondern die sich einstellenden Affekte, die durch die sichtbare Qualität der Dinge ausgelöst werden schaffen unsere Realität.
Schon Kant postulierte, dass alles, was wir über unsere Sinne empfangen, durch unser Nervensystem gefiltert wird. Dort wird es neu zusammengesetzt und liefert uns ein Bild, das wir Realität nennen. Der Mensch modelliert sich seine Welt danach, was seine Sinne und sein Bewusstsein ihm an Begreifen erlauben. Was er nicht fühlen, schmecken, hören, riechen und sehen kann, nimmt er nicht wahr. Es kommt in seiner Welt nicht vor. Selbst das Abstrakte muss als Zeichen begriffen werden, um es in die eigene Welt zu integrieren. Unsere individuelle Welt ist niemals die Welt, wie sie an sich ist.

Alles Schimäre, weiter nichts, eine bloße Vorstellung von objektiver Realität, eine Fiktion, die von unserem in Begriffen und Kategorien denkenden Verstand herrührt? 

In der Tat sind sogar Ursache und Wirkung, Raum und Zeit Konzeptualisierungen, Gefühlskonstrukte, die zu Gedanken und Handlungen werden und keine Gebilde die es „da draußen“ gibt. Der Mensch ist nicht fähig über die von ihm selbst erarbeitete Version einer Realität hinauszublicken und zu sehen was wirklich ist. Wir können sie nicht erfassen, die Wesenheit der Dinge, die vor der Reproduktion durch unseren Wahrnehmungsfilter und unseren Verstand existiert. Das ursprüngliche Gebilde, das Kant als Ding bezeichnete, bleibt uns auf ewig unerkannt. Es war Schopenhauer, der zustimmte, dass wir das „Ding an sich“ nie erkennen können, aber erweiternd hinzufügte, dass eine entscheidende Quelle über die Informationen wahrgenommen werden, der menschliche Körper ist. Der Körper als materielles Objekt existiert in Zeit und Raum. Der Körper besitzt ein tiefes inneres Wissen, ein Wissen, das nicht auf einem verstandesmäßigen Begriffssystem und auch nicht auf dem Wahrnehmungssystem basiert – sondern allein von den Gefühlen herrührt. Schopenhauer war seiner Zeit voraus mit der Annahme, dass es zwei Arten von Wissen gibt, ein gefühlsmäßiges, instinktives und ein verstandesmäßiges, begriffliches Wissen. Er wusste, dass dieses gefühlte Wissen weitaus elementarer ist als das begriffliche. Lange vor Sigmund Freud wusste er um die Existenz der unbewussten Kräfte in der psychischen Struktur, um das verdrängte Unterbewusste, das nicht ins Bewusstsein einbricht. Und er war der Ansicht, dass im Bereich künstlerischen Produzierens die unbewussten Antriebe primärer sind als die bewussten: "...Obgleich sie nicht in Begriffe gefasst werden können, vermitteln sie sich direkt und ohne Worte, sie kommunizieren sich auf dem Wege der Kunst.“ 
Der Gewinn: Das Abenteuer Wirklichkeit.

In diesem Raum gibt es keine unmögliche Objektivität, sondern eine reine Produktion von Subjektivität. Dies entspricht auf der psychologischen Ebene einem Prozess der Subjektivierung, der Selbstfindung, in dem das Subjekt Kontrolle über sich zu erlangen versucht. Es ist so Subjekt der Selbstkonzeption, der Freiheit und der emanzipatorischen Selbsterhebung. Jedoch erfährt es sich in diesen affektiven Turbulenzen selbst in Konfliktspannung. Denn als Subjekt der Selbsterfindung und Selbsterhebung beginnt es sich inmitten des Chaos eines historischen, politischen und kulturellen Zusammenhangs aufzurichten. Es beginnt zu rebellieren gegen das, was aus ihm ein Produkt fremder Willens- und Wahrheitsbegriffe macht.

Die Selbstaufrichtung des Subjekts ist ein Widerstand gegen die Herrschaft der allgemeingültigen Realitätsdefinitionen. Es wehrt sich gegen die Dingwerdung oder Verdinglichung seines Seins durch die Bewegungen, die Sinn- und Wertstiftungen der Geschichte, mit dem Ziel sich von dieser Geschichte lösen ohne den allgemeinen Geschichtsraum, dem es angehört, verlassen zu können, aber um der eigenen inneren Wahrheit Ausdruck zu verleihen, ihr zu folgen und sich als Mensch zu individuieren. Was Foucault Subjektivierung nennt zielt auf dieses Werden, das sich Selbstwerden, das Subjektwerden, die Autokonstitution des Individuellen – die Authentizität der Persona. Die innere Wahrheit als Maßstab.

Sein und Schein im Dialog um das Seiende zu hinterfragen. Was scheint wie es ist und was ist nicht wie es scheint? Was ist wirklich?

Wir „hören“ was wir glauben und „sehen“ wozu wir Resonanz haben. Was ist Leben, was ist es anderes als das Wahrnehmen der Dinge, welche vom Außen ins Innere sich drängen, um durch den Filter Körper, Geist, Seele Ausdruck im eigenen Sein in der Welt zu finden? Was ist Leben anderes als ein Meer von Möglichkeiten aus dem wir das für uns Stimmige herausfischen - um was zu gewinnen?Halt? Woran sich halten, wenn wir nicht wissen was wahr ist und was nicht? An uns selbst auf dem Weg einer authentischen Selbstverwirklichung? Eine Möglichkeit ...

Ich frage mich ob es etwas was Zeichen gibt und wenn es sie gibt, wie kann ich mir sicher sein, dass ich sie richtig deute? Ist es möglich, dass ich aufgrund der Zeichen konstruiere und aus mir selbst heraus eine Realität erschaffe, die nicht wahr ist. Was ist Wahrheit? Gibt es sie außerhalb des wissenschaftlich Beweisbaren? Ist sie, was die Gefühlswelt angeht nicht überprüfbar, niemals? Was, wenn jede einzelne individuelle Wahrheit wahr ist – was dann? Was kann ich glauben? Was ist real?

Aber vielleicht ist das gar nicht die Frage. Die Frage ist möglicherweise: was ist wirklich von Bedeutung?

Weiter träumen

Manchmal gehe ich in der Mittagspause in das kleine Cafe um die Ecke. Eigentlich nicht so sehr um etwas zu essen, sondern, weil ich weiß, dass sie das ist. Jeden Tag um die gleiche Zeit sitzt sie am gleichen Tisch, abseits von den anderen Menschen. Vor sich ein Essen und einen Kaffee. Auf dem Stuhl neben ihr liegt der vom Vergehen der Zeit abgenutzte Beutel aus gewobenem Teppich. Er ist alt wie sie. Irgendwann hat sie mir erzählt sie sei achtzig Jahre alt. Man sieht es in ihrem Gesicht, das aussieht wie das faltige Antlitz einer Porzellanpuppe mit traurigen wässrigblauen Augen.

Sie rührt mich an, berührt etwas in mir, was ich nicht benennen kann. Vielleicht ist es diese Traurigkeit, geboren aus einem schweren Verlust, die sich zu der meinen legt, oder es ist die Vorstellung ihr zu gleichen irgendwann, dann.

Ich weiß, dass sie sich freut, wenn ich komme. Nicht, dass sie es sagt, sie sagt wenig, was in irgendeiner Weise mit Gefühlen zu tun hat. Aber ich sehe ihre Freude am kurzen Aufblitzen eines Lächelns, das ihre herunterhängenden Mundwinkel für einen Augenblick nach oben zieht. Dann ist sie schön für diesen kleinen Augenblick und das gefällt mir.

Einmal als ich sie traf, sie sah mich nicht gleich beim Hereinkommen, war es schon da, dieses Lächeln. Über einen Brief gebeugt schien es den Augenblick zu überstehen. Als sie mich bemerkte, begrüßte sie mich und faltete mit ihren schmalen, von Altersflecken und feinen Rissen überzogenen Händen den Brief zusammen um ihn in ihrem Beutel verschwinden zu lassen. Für einem Moment dachte ich, sie gestört zu haben und sprach das Gefühl aus. Nein, ich habe sie nicht gestört sagte sie, den Blick nicht auf mich, sondern auf den im Beutel versunkenen Brief gerichtet.

Eine ganze Weile sah sie mich schweigend lächelnd an. Dann schüttelte sie den Kopf mit den weißen Locken und es brach aus ihr heraus: "Sie werden mich für eine verrückte alte Frau halten, aber ich habe einen Liebesbrief geschrieben." Ich hätte sie aus lauter Rührung am Liebsten in den Arm genommen, tat es aber nicht und fragte sie: "An wen?" " Ich bin verliebt", antwortete sie. "Er weiß es aber nicht. Ich habe ihm diesen Brief geschrieben. Und wissen sie was, ich werde ihn nicht abschicken."

"Aber warum denn nicht?" fragte ich sie. "Ach, Mädchen", ihr Gesicht zeigte plötzlich wieder diese tiefe Traurigkeit: "Wenn ich den Brief abschicke wird alles anders." "Was wird anders?", fragte ich sie. "Nun, er könnte es lächerlich finden, oder er könnte mir zurückschreiben."" Das wäre doch schön, wenn er ihre Gefühle erwidert", sagte ich. "Sehen sie, das weiß ich eben nicht und darum ist es viel besser, so wie es jetzt ist. Ich kann weiter träumen. Und das ist schön."

Montag, 17. Januar 2011

Veränderungen

Warum fürchten wir uns vor Veränderungen, wo wir doch wissen, dass nichts im Leben sicher ist ausser der Veränderung.

Warum glauben wir, die Veränderung könne etwas zerbrechen, in uns oder in unserem Leben.

Gewohntes zu verlassen, es aufzugeben ist schwer. Doch wenn alles bleibt wie es ist, dann bleibt auch das, was wir nicht mehr wollen, wie es ist.

Veränderung ist kein Zerbrechen, sie ist ein Ausbrechen.
Ein Ausbruch aus dem was ist.

Veränderung ist kein Richtungswechsel.
Sie ist die Richtung selbst, in der sich das Leben bewegt.

Veränderung ist die Absicht des Lebens weiter zu gehen ...

Veränderung beinhaltet Möglichkeiten, die wir ohne sie versäumen würden.

Sonntag, 16. Januar 2011

Es macht Sinn ...

Wenn wir alles, was von jemand anderem kommt, bei ihm lassen, verstricken wir uns nicht mit ihm.
Verstrickung ist ohne Sinn, unsinnig.
Sie bringt uns nicht weiter, keinen Schritt zu uns selbst.
Sie bringt uns von uns weg, weil wir uns um das andere kümmern und dafür eine Menge Energie aufwenden.

Es macht Sinn, diese Energie zu verwenden um mit uns selbst ins Reine zu kommen.
Es ist sinnvoll die anderen zu lassen, sie denken zu lassen, was sie wollen.
Es macht Sinn, zu erkennen, was das unsere ist und zu dem Unsrigen zu kommen.

Es macht Sinn den Weg zu sich selbst zu gehen um an dem Punkt anzukommen an dem diese Sehnsucht nach den Du aufhört, vergessen ist. Wer bei sich selbst ist braucht den Spiegel, die Projektionsfläche des anderen nicht mehr.

Und das bedeutet nicht, das wir dann glücklich und einsam durch das Leben gehen.
Es bedeutet, dass wir dann wirklich beim anderen sein können.