Mittwoch, 31. Dezember 2014
Zeit und Raum
zeit ist
über die zeit hinaus denken macht eng
zeit ist jetzt
unabhängig vom zeitdenken bewege ich mich in der weite des raumes
der raum ist die summe meiner möglichkeiten
jetzt.
ich wünsche all meinen lesern einen wunderbaren raum der möglichkeiten jeden moment in der zeit!
danke für eure wertschätzung!
angelika
Dienstag, 30. Dezember 2014
Schreiben für mich allein
tagebuch schreiben, das bedeutet für mich schreiben, ganz allein für mich. virginia woolf sagte einmal sinngemäß, jeder mensch braucht ein zimmer für sich allein. dieses zimmer, diesen zutiefst privaten raum, betrete ich, wenn ich in mein tagebuch schreibe. hier kann ich ganz ich selbst sein, hier kann ich alles tun und lassen, was ich will, hier hat niemand, aber auch niemand zutritt. ich schlage eine leere seite auf und vor mir liegt ein unendlicher raum für meine gedanken und meine gefühle, die ich niemanden anvertrauen kann oder will. hier kann ich dampf ablassen, wenn ich verletzt und wütend bin, hier kann ich klein und groß sein, hier kann ich so frei, so kleinkariert, so ängstlich, so schwach, so stark, so mutig, so doof, so kindisch, so traurig, so froh sein, wie ich mich gerade fühle. dieser raum ist ein sicherer ort, ein ort an dem ich alles loswerden kann, was mich belastet. hier gibt es keine beschränkung, hier darf alles sein, hier darf ich sein. hier findet mein herz einen platz an dem es sich ausschütten kann ohne erwartungen von nichts und niemanden, nicht einmal von mir selbst. hier ist platz für meine tiefsten befindlichkeiten, die ich frei und unzensiert niederschreiben kann. heute morgen habe ich gespürt, wie sehr ich diesen platz vermisse und er mich. es ist gut, ihn wieder gefunden zu haben. wie konnte ich ihn nur so lange unbesucht lassen, dachte ich, als ich alles niedergeschrieben hatte, was mir nach dem aufstehen im kopf herumging. es tut gut, zu wissen, dass ich dieses ritual jetzt wieder aufnehme, jeden morgen, um die beziehung zu mir selbst zu pflegen.
ich erinnere mich an die zeit, als ich sehr allein war. in dieser zeit war mein morgendliches tagbuchschreiben, das was mir kraft gab und mich durch schwere zeiten begleitete. ich konnte über meine sorgen sprechen und die antworten kamen. sie flossen aus der hand, mit der tinte auf das papier und nahmen gestalt an, sie gaben mir schutz und sie gaben mir die zuversicht, die ich brauchte um weiter zu gehen. das tagebuch half mir, als ich an wendepunkten meines lebens stand und immer war es geduldiger als ich. auch das ist es, was es so kostbar macht, seine geduld und seine gutmütige duldsamkeit. schreibend lernte ich den dingen ihre zeit zu geben.
etwas handschriftlich niederschreiben ist in einer zeit, die süchtig nach schnelligkeit ist, eine wunderbare übung der langsamkeit. wenn ich mit der hand schreibe, ist es wie eine meditation. es erdet mich und ich lasse fließen, was in mir ist, beobachte ohne zu bewerten, was ist. ich werde ruhiger und ich werde milder mir selbst gegenüber und das beste - ich baue morgen für morgen eine immer intimere und vertrautere beziehung zu mir selbst auf. das ist gut, denn oft genug komme ich mir abhanden in der schnelligkeit da draußen, den menschen, die mich beschäftigen, der familie, die mich in beschlag nimmt. jeder will und jeder erwartet und ich erfülle und achte darauf, dass es den anderen gut geht und wie schnell gehe ich mir dabei verloren und werde mir fremd, überladen von all dem fremden, das in mein eigenes dringt. das tagebuch rückt mich zu mir selbst wie nichts anderes. das ist heilsam und weil es das ist, empfehle ich es meinen klienten. jene, die meiner empfehlung folgen, lernen es zu schätzen, denn mit der zeit hilft es ihnen zu ihren tieferen schichten vorzudringen und sich so besser zu verstehen und anzunehmen.
tagbuch schreiben bringt nicht zuletzt klarheit und es hilft proritäten zu setzen. es entschleunigt das leben und nordet ein, da wo ich mich selbst nicht mehr einnorden kann. es zeigt mir, was wirklich in mir vorgeht, wenn alle masken abfallen, wenn alle rollen ungespielt bleiben und die worte ohne vorsicht in aller wahrhaftigkeit und völlig schamlos meinem innersten entgleiten dürfen. die seiten hören mir still und achtsam zu wie kein mensch es vermag, sie tragen einen gedanken immer wieder vor, sie helfen mir bis in den letzen winkel meines lebens vorzudringen, bis auch er meine ganze aufmerksamkeit hat. dann stelle ich fest, was ich ändern muss, was sich gut anfühlt und was sich nicht mehr gut anfühlt und vor allem, wofür es zeit ist, es in die tat umzusetzen. die seiten wissen wann ich feststecke und sie entwirren so manchen knoten in meinem leben. in der stille des schreibens mit der hand fließt das leben nicht mehr an mir vorbei, es fließt durch die seiten zu mir zurück bis ich wieder erkenne, was im lauten des alltags untergeht. es bewahrt mich davor im außen unterzugehen. es ist mein rettungsring im meer der fremdbestimmung, der mich herauszieht und im zweifel vor dem ertrinken rettet. all das und viel mehr lebt in diesem schreiben. und weil es darin lebt, werden die schreibenden lebendiger, je konsequenter sie dieses ritual vollführen. ich werde dieses ritual nicht mehr lassen, auch weil ich weiß, dass in den ersten minuten nach dem aufwachen der zeitraum des tages ist, indem die verteidigungsmechanismen des egos nicht aktiv sind und wir den impulsen, die aus dem unterbewusstsein hochsteigen, so nah sind wie in keiner anderen stunde des tages. wir menschen sind am wachsten in dieser zeit und damit aufmerksam für die botschaften aus der tiefe unseres unterbewusstseins die gehört werden wollen.
Montag, 29. Dezember 2014
Sonntag, 28. Dezember 2014
Sehnsucht
soll ich oder soll ich nicht, frage ich mich gerade. soll ich mir die mühe machen und dieses alte jahr, das sich in wenigen tagen dem ende zuneigt, revue passieren lassen, noch einmal zurück in die gegenwart holen, was passiert ist? nein, ich will nicht. ich will auf das blicken, was nicht passiert ist.
das ist eine herausforderung und irgendwie gar nicht so einfach, denn dann muss ich auf meine wünsche schauen und auf meine bedürfnisse und zwar auf die, die sich nicht erfüllt haben, eben auf das, was nicht passiert ist und hätte passieren können, hätte ich so vieles andere nicht passieren lassen und meine wünsche und bedürfnisse aufmerksamer betrachtet, als ich es tat. davon abgesehen, das leben passiert, auch ohne mein zutun, mein wünschen und meine bedürfnisse. aber dennoch, es ist nicht so, es ist nicht nur so, denn bei allem, was passiert, ohne meinen einfluss, habe ich doch die möglichkeit mein leben zu gestalten und damit habe ich einfluss auf so manches, was passiert. habe ich ihn genutzt, habe ich das gestaltet, was ich gestalten will, habe ich getan, was wichtig ist und wertvoll für mich und die, die mich begleiten und die ich begleiten darf? ich habe vieles gestaltet und vieles einfach passieren lassen. vielleicht ist das gar nicht so schlecht oder sogar klug, denn wer bin ich denn, alles gestalten zu wollen nach meinem bilde, das ich mir mache, von meinem kleinen leben. das leben macht, was es will, das hat es mir allzuoft bewiesen und ich habe mich gefügt und versucht in allem das gute zu finden, auch wenn es mir nicht gefallen hat, immer mit dem gedanken, du kannst nicht bekommen, was du dir wünscht, aber das göttliche prinzip weiß, was du brauchst.
doch heute an diesem verschneiten sonntagmorgen, kurz bevor das jahr sich dem ende zuneigt, spüre ich eine große sehnsucht in mir, die ich nicht benennen kann. und wenn ich tief in mich hinein blicke, sind da zwei sehnsüchte in mir, der einen folge ich, indem ich tue, was ich liebe und der anderen, der namenlosen, folge ich nicht, weil ich sie eben noch nicht greifen kann. dennoch ist sie da, die namenlose, in mir und sie brennt wie eine kleine flamme, aus der ein helles feuer werden kann, irgendwann, wenn ich ihren namen kenne. das unbestimmte, das namenlose, das in dieser sehnsucht verborgen liegt, ist nicht passiert, und vielleicht ist es gott sei dank nicht passiert, sonst wäre vielleicht etwas passiert, was dieses alte jahr zu etwas anderem gemacht hätte, als es für mich war, nämlich ein gutes jahr.
also bleibe ich weiter eine schülerin und spreche eines der kraftvollsten mantren: "ich weiß es - noch - nicht." aber ich weiß, schon hinter der der nächsten wegbiegung kann sich der name meiner sehnsucht zu erkennen geben.
Samstag, 27. Dezember 2014
für das all ein sein
wir alle sind im innersten allein. wenn wir das nicht als schlecht bewerten, ist das der beginn der wichtigsten erkenntnis des lebens überhaupt und die basis von der aus wir lernen können, uns selbst unser bester mensch zu werden.
Sich selbst betrachten
wer vor ihnen nicht davonläuft wird eine menge lernen.
nicht nur unsere ungeliebten, auch unsere ungelebten seiten und potentiale verstecken sich in den schatten. wenn sie nicht gesehen werden verkümmern sie in der tiefe unserer eigenen dunkelheit.
schattenarbeit heißt vor allem also auch: zu erkennen was in uns gelebt werden will.
Freitag, 26. Dezember 2014
Zwei Arten
es gibt zwei arten der bewegung, die innere und die äußere.
die innere ist die des menschen, der sich selbst sucht,
die äußere ist die des menschen, der sich selbst in anderen sucht.
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