Mittwoch, 20. November 2019
Selbstschutz
"Dieser Mensch ist verletzend, schamlos und ohne Feingefühl."
Wenn wir das erkennen, können wir wegschauen und uns abwenden.
Wir müssen uns nicht fragen, warum er ist, wie er ist.
Es ist nicht unsere Augabe ihn zu verstehen.
Wir müssen nicht versuchen, ihn auf sein verletzendes Verhalten hinzuweisen, in der Hoffung ihn zu verändern.
Es ist nicht unsere Aufgabe.
Es ist unsere Aufgabe uns vor Verletzung zu schützen.
Es ist unsere Aufgabe auf uns achtzugeben.
Das ist genug.
Montag, 18. November 2019
Entscheiden
![]() |
| Foto: www |
Wir alle kennen das belastende Gefühl, uns nicht entscheiden zu können.Wir quälen uns Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre. Wir denken hin und her, wir wollen es so wie es ist nicht mehr haben, wissen aber nicht wie wir es haben wollen oder wie wir es so ändern könnten, dass wir es besser haben.
Hör auf deinen Bauch!, sagen manche.
Aber ist das immer die beste Wahl, das Gehirn auszuschalten und dem Bauchgefühl zu vertrauen?
Nein, denn auf das Bauchgefühl allein ist nicht immer Verlass.
Warum ist das so?
Hier spielt das Unterbewusstsein mit und das ist tricky. Wenn wir nur auf den Bauch hören vergessen wir dabei, das wir uns im Zweifel von unbewussten Ängsten und Assoziationen beeinflussen lassen.
Um dem Bauchgefühl vertrauen zu können und es in unsere Entscheidung miteinzubeziehen, ist es von großer Bedeutung, sich in der eigenen Gefühlswelt richtig gut auszukennen. Das bedeutet sich der eigenen Gefühle bewusst zu sein. Das ist gar nicht so einfach, denn, und das erlebe ich auch sehr oft in der Praxis: Vielen Menschen fällt es schwer, die eigenen Gefühle überhaupt wahrzunehmen und sie richtig einzuschätzen, geschweige denn sie in Worte zu fassen.
Aus guten Gründen also hat der Mensch also beides: Gefühl und Verstand. Das Geheimnis guter Entscheidungen liegt darin beides miteinzubeziehen.
Die erstaunliche mentale Leistung unseres Verstandes ist in der Lage sich Situationen vorzustellen, bzw. zu imaginieren, zu denen unsere Entscheidung führen könnte. Er ist sogar dazu fähig abzuwägen, wie man sich dann fühlen würde.
Wer allerdings weder im Gefühl oder im Verstand ein Ja oder ein Nein findet, findet zu keiner Entscheidung. Er verirrt sich in seinen Wahlmöglichkeiten. Er hat weder im Herzen noch im Kopf Klarheit. Er bleibt also entscheidungsunfähig. Das ist fatal, denn das führt dazu, dass er in ständiger Konfliktspannung lebt. Ein enormer Stress für die Psyche.
Wie entscheiden die meisten Menschen?
Die meisten Menschen neigen bei Entscheidungen dazu, die vertrautere Alternative zu wählen. Forscher haben die Hirnströme von Versuchspersonen in Entscheidungssituationen gemessen.
Das Ergebnis: Das Gehirn überprüft in Sekundenschnelle welche Alternative ihm bekannter vorkommt, bevor es weitere Informationen überhaupt hervorholt. Das Vertraute beeinflusst also zunächst einmal jede Entscheidung, die wir treffen, auch wenn rational wenig oder nichts dafür spricht. Das erklärt, warum viele von uns dazu neigen, alles beim Alten zu lassen oder bei ihren Entscheidungen auf das Altbewährte zurückzugreifen. Das Hormon Dopamin, belohnt das Gehirn sogar noch dafür, die vertraute Option wiedererkannt zu haben und unser Hirn schüttet es fleißig aus.
Kein Wunder also, dass wir oft Entscheidungen treffen, die wir nur aus einem einzigen Grund treffen: Es fühlt sich vertraut an.
Willkommen in der Komfortzone! Hier fühlen wir uns sicher, auch wenn sie sich noch so beschissen anfühlt. In der Komfortzone fühlen wir uns zuhause, während das Verlassen der Komfortzone die Angst vor dem Ungewissen schürt.
Vielen Menschen fällt es daher schwer Entscheidungen zu treffen, die ihr Leben aus dieser Zone herauskatapultieren könnten. So banal es klingt: Das Vertraute fühlt sich weniger riskant an, auch wenn es rational vielleicht exakt das Gegenteil ist und auf Dauer der Seele schadet.
Doch nicht immer führt das zu einer guten Entscheidung.
Was wenn Gefühl und Verstand einander widersprechen? Dann kommt es zur psychischen Kraftprobe.
Hier macht es erst einmal Sinn auf einem Blatt Papier jeweils die Vorteile und die Nachteile der einen wie der anderen Entscheidung aufzuschreiben.
Das kappt nicht immer. Das kann Stress machen, dann nämlich wenn der Bauch Angst hat und der Verstand genau weiß, dass diese Angst zwar begründet sein mag, aber es so wie es ist eben keine Situation mehr ist, die uns gut tut. Stress wiederum ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, um klare und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Daher sollten wir Stress bei der Entscheidungsfindung vermeiden. Er kann Entscheidungen negativ beeinflussen und zu unüberlegtem Handlungen führen.
Stressige Situationen überfordern uns. Sie können dazu führen, dass wir zu schnell und unklug reagieren. Zudem blockiert Stress das Denken.
Rationale Entscheidungen sind dann nicht mehr möglich. Wir flüchten, greifen an oder erstarren. Keine gute Lösung um gut zu entscheiden.
Um klug zu entscheiden ist es wichtig zur Ruhe zu kommen und aus der Ruhe heraus Klarheit zu gewinnen.
Wichtige Lebensentscheidungen sind schwer zu treffen, dennoch ist langes Nachdenken nicht immer hilfreich. Das führt nicht selten zu Entscheidungsfrust.
„Ich kann mich nicht entscheiden“, höre ich oft und ich kenne es auch von mir selbst.
Bei Entscheidungsfrust spielt Verlustangst die größte Rolle. Wenn wir uns für das Eine entscheiden, verlieren wir das Andere und wir schließen damit diverse andere Möglichkeiten aus. Wir Menschen sind so gestrickt: Wir spüren eher dem Verlust nach, als auf das Unbekannte neugierig zu sein. Genau das führt jedoch häufig zu Entscheidungen, die lediglich mit kurzfristigen Belohnungen einhergehen. Nach dem Motto: Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Und das sogar wenn uns der Spatz ständig auf die Hand kackt.
Um sinnvolle Entscheidungen zu treffen, sollten wir sie also nicht zu lange aufschieben. Je länger wir über eine Entscheidung nachdenken, umso mehr für und wider Gründe fallen uns ein, die auf die Entscheidung Einfluss nehmen.
Wir verlieren den Überblick bis wir gar nicht mehr wissen, was wir wollen. Wir trudeln orientierungslos im entscheidungslosen Raum und verlieren nach und nach unsere Selbstbestimmung und unserer Selbstwertgefühl. Im Zweifel verlieren wir sogar uns selbst.
Keine Entscheidung bereuen wir mehr als die, nichts getan zu haben. Und: Wer sich nicht entscheidet für den entscheiden andere oder das Leben.
Übrigens: Manche Entscheidungen können auch mit einem Kompromiss gelöst werden.
Sonntag, 17. November 2019
Alleinsein, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
![]() |
| Malerei: Angelika Wende |
"Ist aber das Schwere wirklich schrecklich und das Leichte herrlich?
Das schwerste Gewicht beugt uns nieder, erdrückt uns, presst uns zu Boden. In der Liebeslyrik aller Zeiten aber sehnt sich die Frau nach der Schwere des männlichen Körpers. Das schwerste Gewicht ist also gleichzeitig ein Bild intensivster Lebenserfüllung. Je schwerer das Gewicht, desto näher ist unser Leben der Erde, desto wirklicher und wahrer ist es. Im Gegensatz dazu bewirkt die völlige Abwesenheit von Gewicht, dass der Mensch leichter wird als Luft, dass er emporschwebt und sich von der Erde, vom irdischen Sein entfernt, dass er nur noch zur Hälfte wirklich ist und seine Bewegungen ebenso frei wie bedeutungslos sind.
Was also soll man wählen? Das Schwere oder das Leichte?"
Worte aus Milan Kunderas "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
Ja, was soll man wählen? Und ist es wirklich so wie Kundera schreibt?
Sind wir ohne die völlige Abwesenheit vom Gewicht der Begleitung, so weit entfernt vom irdischen Sein, dass wir nur halb sind, frei und bedeutungslos?
Manchmal fühlt es sich so an. Dann wenn wir verlassen wurden vom Geliebten oder ihn verlassen haben. Ja, dann fühlen wir uns halb, frei und bedeutungslos. Wir sind wieder allein ohne diesen Einen, der uns beim Leben zusieht. Ungesehen fühlen wir uns bedeutungslos.
Kundera hat Recht. In diesen Moment ist das so. So habe ich es erlebt, einige Male schon, als das schwere Gewicht fort war. Da legt sich Schmerz über das Gefühl des Freiseins. Da fühlt sich halb an was ein Ganzes war. Da spürte ich sie, diese „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“.
Alleinsein ist eine Kunst, die wir nicht sofort wieder beherrschen, wenn wir es lange nicht waren.
Immer mehr Menschen sind allein. Die Vereinzelung nimmt zu. Viele Menschen können dem Alleinsein nicht entgehen. Das ist traurig, denn jeder von uns braucht einen Gefährten. Menschen, die von sich behaupten, dass sie ihr Leben gern alleine leben scheinen stark zu sein.
Sie sind es geworden. Sie mussten es lernen, weil da ab einem Moment in der Zeit niemand mehr war, der blieb und keiner mehr kam um zu bleiben. Sie sind es geworden, weil sie müde wurden von den vielen Verlusten und Verletzungen, die Beziehungen mit sich bringen können. Sie haben gelernt damit zu leben, dass da kein Lieblingsmensch ist, der ganz nah ist, ganz vertraut, ganz zugewandt, keiner der mit ihnen in die gleiche Richtung schaut, der sie sieht, der sie liebt, der für sie da ist und für den sie da sein können. Sie mussten lernen alleine zu gehen. Viele von uns müssen alleine gehen. Einzeln. Halb. Frei.
Einzelgängertum ist Zeitgeist. Es ist das Symptom einer schizoid- narzisstischen Gesellschaft.
Die meisten Einzelgänger haben diese Lebensform nicht selbst gewählt.
Kein Mensch ist gern für immer mit sich allein. Niemand ist eine Insel. Wir alle brauchen Augen, die sich liebend auf uns legen. Wir alle brauchen das Gesehenwerden, das Geliebtwerden, das Verstandenwerden. Wir brauchen eine Hand, die sich in die unsere legt. Wir brauchen zärtliche Berührungen. Es ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis teilen zu wollen, was wir zu geben haben und zu empfangen was ein anderer Mensch zu geben hat. Sich etwas anderes vorzumachen ist Selbstschutz um den Schmerz des Alleinseins nicht spüren zu müssen. Alleinsein kann zu Einsamkeit werden, wenn es zu lange andauert. Und da kann ich mir selbst noch so viel Bedeutung zuschreiben, meine Freiheit noch so sehr lieben und feiern - die Sehnsucht nach einem Gefährten bleibt.
Und das ist okay. Und nein, es ist kein Zeichen mangelnder Selbstliebe.
Samstag, 16. November 2019
Dr. Jeckyll und Mr. Hyde
![]() |
| Zeichnung: Angelika Wende |
„Wenn er betrunken ist beschimpft er mich aufs Übelste und schreit mich an. Er nennt mich Hure, Schlampe und Schlimmeres. Er beschwert sich, dass ich gemein und unfair zu ihm bin und alles kaputt mache. Er sucht immer etwas, an dem ich Schuld sein könnte und macht mich nieder. Am nächsten Morgen ist er zerknirscht und entschuldigt er sich. Er sagt mir wie lieb er mich hat und das ich eine wunderbare Frau sei. Ich halte das nicht mehr aus. Ich will wirklich nur, dass er sich ändert. Ich würde gerne wissen, was in Ihm vorgeht?"
„Versuche immer, wenn du nüchtern bist, das zu sagen was du gesagt hast, als du betrunken warst. Das wird dich lehren, deinen Mund zu halten“, soll Ernest Hemingway einst gesagt haben. Ob das der alkoholkranke Schriftsteller immer beherzigt hat. Wir wissen es nicht.
Alkohol enthemmt. Manche Menschen verändern wenn sie getrunken haben ihr Wesen. Bei manchen ist diese Wesensveränderung weitaus dramatischer als bei anderen.
Alkohol kann positive Gefühle freisetzen, aber auch negative.
Alkohol wirkt auf jedes Gehirn anders. Manche macht lustig, andere depressiv, manche aggressiv und streitlustig. Manche spielen im Verlauf des Rausches hemmungslos alle emotionalen Klaviaturen durch, die die Psyche hergibt. Diese Menschen machen sich keine Gedanken über ihr betrunkenes Verhalten und die Konsequenzen, die es hat. Sie sprechen im Rausch die abscheulichsten Dinge aus. Worte, die ihnen im nüchternen Zustand niemals über die Lippen kommen würden. Sie sind verbal aggressiv, sie attackieren, beleidigen und demütigen ihr Gegenüber auf übelste Weise. Manche werden gewalttätig. Meistens trifft es ihnen nahestehende Menschen. Oft ist es der Partner, der zum Mülleimer für allen Frust und zum Fußabtreter für alle destruktiven Gefühle wird.
Man sagt: Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Zumindest sagen sie ihre Wahrheit.
Aggressive Betrunkene sind absolut hemmungslos. Sie sagen in ihrer Suff-Wut was ihnen gerade in den Sinn kommt und sprechen es unzensiert aus. Sie reißen dumme Witze über den anderen, machen sich über ihn lustig oder führen ihn vor.
Im fortschreitenden Rausch verwandeln sich ihr Wesen von einem Dr. Jeckyll in die dunkle Seite des Arztes: In den bösartigen Mister Hyde. Dieser Sauf-Typus verändere sich dramatisch. Er wird unvorsichtig, feindselig, aufbrausend oder weinerlich. Er kann Grenzen nicht mehr einschätzen und verletzt andere ohne Rücksicht auf deren Gefühle.
Nüchtern folgt die Reue.
Wie meine Klientin es schildert: "Er ist zerknirscht, sagt er meint es nicht so", er entschuldigt sich. Das ändert aber nichts.
Es macht etwas mit dem Betroffenen. Er wird verunsichert. Er fragt sich: Ist das, was er im Suff ausgesprochen hat, was er in Wahrheit denkt und fühlt? Verdrängt er all das, was er dann rauslässt, sonst im Alltag? Ist er dieser beleidigende, bösartige, Gift spuckende Mr. Hyde sein wahres Wesen, das er sonst gut verbirgt?
Fakt ist: Alkohol löst kein Verhalten aus, das nicht schon im Menschen angelegt ist. Er verstärkt es.
Aggressive Betrunkene sind mit sich selbst und ihrem Leben chronisch unzufrieden. Im Tiefsten wertschätzen sie sich selbst nicht. Sie verachten sich vielleicht sogar. In jedem Falle aber haben sie eine große Wut in sich aufgestaut, die sie im nüchternen Zustand kontrollieren können und die dann, wenn sie enthemmt sind, wie ein Vulkan ausbricht. Die verdrängten destruktiven Emotionen sind unter Alkoholeinfluss nicht mehr zu beherrschen.
Zu viel Alkohol tut keinem gut. Und – er tut keiner Beziehung gut. Er ist der Beziehungskiller Nummer eins.
Es geht ja nicht nur um einen Moment in der Zeit in dem all die verletzenden Dinge gesagt oder getan werden, die der Betrunkene selbst vielleicht am nächsten Tag, dank Blackout, längst vergessen hat. Es geht um all die Momente, die sich Rausch für Rausch wiederholen – schmerzhafte Momente, die jener, der verletzt wurde, nicht vergessen kann.
Kein Mensch vergisst Demütigungen und Beleidigungen. Verletzende Worte treffen – mitten in die Seele. Das wirkt auf das Selbstwertgefühl und es wirkt auf die Beziehung wie ein zersetzendes Gift.
Dieses Gift wirkt gründlich und nachhaltig in der Seele des Attackierten. Er verliert das Vertrauen in sich selbst, weil er das mit sich machen lässt. Er verliert das Vertrauen in den anderen und in die Sinnhaftigkeit der Beziehung. Auch wenn sich der Trinker am nächsten Tag entschuldigt und Reue zeigt: Das Gesagte lässt sich aus Kopf und Herz nicht mehr löschen. So wie der Zweifel sich nicht löschen lässt.
Wo gegenseitige Wertschätzung, Zuneigung, Liebe und Vertrauen sein sollten, sind Geringschätzung, Ablehnung, Wut und Misstrauen der Boden der Beziehung. Dieser Boden ist verdorben.
Ich frage meine Klienten: Was bringt ihnen nun dieses Wissen?
Wird sich dadurch etwas ändern?
Wird er sich dadurch ändern?
Ich sage: Es gibt da zwei Personen. Sie könnten ihn fragen, was kann er ändern kann und will.
Aber die entscheidende Frage ist: Was können sie für sich ändern, falls auf der anderen Seite keine Bereitschaft ist?
Sie weint, sagt, sie muss darüber nachdenken.
Mittwoch, 13. November 2019
Ein klarer Geist
![]() |
| Foto: Alexander Szugger |
Du hast dich aufgerieben an Problemen, die andauern und sich nicht lösen lassen. Das schlägt sich auf deine Stimmung nieder. Du bist müde. Du fühlst dich ausgesaugt, deprimiert, leer und verbraucht. Dir fehlt die Luft zum Atmen. Du zerbrichst dir Kopf und Herz ohne eine Besserung der Situation zu erreichen. Dein Alltag zieht an dir vorbei, ohne dass du ihn wirklich beherrscht. Du funktionierst nur noch. Jeden Tag rennst du los wie ein Hamster im Rad. Am Abend legst du dich erschöpft ins Bett, du schläfst schlecht und am nächsten Morgen wiederholt sich alles. Endlosschleife.
Zeit, die Reißleine zu ziehen und dir Ruhe zu gönnen, dich aus diesem System eine Weile zurückziehen und Abstand zu gewinnen. Tust du das nicht, bleibst du gefangen im Rhythmus des Lebens. Mach dir klar: Ohne Ruhe zu finden wirst du es nicht schaffen herauszufinden.
Nimm dir Zeit Bilanz zu ziehen.
Was tut dir nicht mehr gut?
Was belastet dich schon eine gefühlte Ewigkeit?
Was überfordert dich?
Was tust du lieblos und ohne Freude?
Wo behandeslt du dich selbst lieblos?
An was oder wen verschwendest du deine Lebenskraft?
Was willst du wirklich?
Nimm dir jetzt Zeit für dich, erleichtere deinen Terminplan, nimm dir eine Auszeit um Dinge zu tun, für die du dir schon zu lange keine Zeit mehr genommen hast. Organisiere deine Zeit neu, um Zeit für dich zu haben. Die scheinbar „verlorene“ Zeit wirst du wieder gewinnen.
Dein Erfolg, gleich welcher Art, hängt von deiner Fähigkeit ab einen klaren Geist zu haben.
Verwendet eure Lebenskraft dazu, aus den Umständen, die auf euch zukommen, eine Einheit mit eurem Leben zu gestalten und die Dinge an ihren richtigen Platz zu setzen.
Dogen Zenji
Montag, 11. November 2019
Was wir nicht lieben können
![]() |
| Foto: Angelika Wende |
Uns selbst verstehen, wie schwer das ist. Uns selbst in all unseren Ambivalenzen begreifen, wie schwer das ist. Und wie schwer das ist, den anderen zu begreifen, wenn wir uns selbst schon nicht begreifen. Wie wirkliche Nähe fühlen? Wie sie halten?
Nähe zu uns selbst. Wirkliche Nähe, die nichts auschließt von dem, was uns ausmacht, dem, der wir sind mit all dem Fremden in uns, das sich über das vertraut Bekannte legt und irritiert.
Uns selbst nah sein verlangt viel von uns selbst. Uns selbst in dieser Nähe lieben ist schwer. Uns lieben mit all dem, was wir nicht verstehen und, weil wir es nicht verstehen, ablehnen - nicht lieben können. Lieben ist schwer wenn ich nicht weiß, was ich liebe. "Wir lieben was uns gleich ist", schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht "In Sand geschrieben".
Ja, was uns gleich ist verbindet uns, schafft Nähe. Doch manchmal trennt es uns, das Gleiche, weil wir uns erkennen im Spiegel des Gleichen - uns, mit dem, was wir nicht lieben an uns.
Sonntag, 10. November 2019
Warum bleiben einfacher ist als gehen
![]() |
| Foto: Angelika Wende |
Glücklich sind wir längst nicht mehr. Wenn ich genau überlege gibt es im letzten Jahr kaum Momente in denen ich mit ihr glücklich war. Wir streiten oder schweigen uns an, wir sind genervt, manchmal sind wir sogar respektlos zueinander. Glücklich, nein glücklich bin ich nicht. Aber ich schaffe es nicht zu gehen.
Mein Klient schaut mich an: Bin ich zu
feige um mich zu trennen?
Eine gute Frage.
Diese Frage stellen sich so manche von
uns, wenn eine Beziehung sich nicht mehr gut anfühlt. Aber wie mein Klient,
sind wir nicht in der Lage uns einzugestehen: Die Beziehung ist am Ende
angelangt. Es geht nicht mehr. Wir müssen uns trennen.
Und dennoch tun wir es nicht.
Ist bleiben also besser als gehen?
Besser nicht, aber einfacher.
Besser sicher nicht, denn wer bleibt
schon gerne dort, wo er sich nicht mehr geborgen, verstanden, gesehen,
respektiert, begehrt, lebendig und geliebt fühlt? Dort wo ein täglicher
Kleinkrieg herrscht, der immer neue Schauplätze aufmacht, auf denen sich die
Enttäuschung, die Wut und die Trauer über das längst verlorene Glück der
Zweisamkeit entlädt.
Keiner von uns. Und trotzdem, es ist kaum zu glauben wie
viele Menschen mit ihrer Beziehung unzufrieden sind und bleiben.
Manche legen sich einen Liebhaber oder
eine Geliebte zu. Kleine Fluchten um den großen Ausstieg nicht vollziehen zu
müssen.
Trostpflaster für ein totes Liebesleben emotional und sexuell. Es wird
gelogen und betrogen um auszuhalten, was nicht aushaltbar ist, es wird
erträglich gemacht, was nicht erträglich ist. Würden wir gehen, müssten wir uns
entscheiden.
Wer sich nicht entscheidet, entscheidet sich trotzdem. Er bleibt.
Wer bleibt, bleibt aus Angst.
Angst vor
diesem Moment wo er aussprechen könnte was wahr ist, nämlich, dass er nicht mehr
glücklich ist, sich nicht mehr wertgeschätzt, nicht mehr gesehen, nicht mehr geliebt fühlt und
selbst nicht mehr wertschätzt, sieht und liebt. Angst vor dem Moment der
Stille, die dann eintritt und den Diskussionen, die der Stille folgen.
Und dann die große Stille, die rießige Leere,
die der Erleichterung folgt, wenn der andere weg ist. Das wollen wir nicht
aushalten.
Wir fürchten uns vor der Einsamkeit, die dem Alleinsein folgen könnte, für immer vielleicht.
Dass da
noch mal ein Mensch kommt, der wirklich zu uns passt? Daran zu glauben fällt schwer. Die
Erfahrung sagt: Es wird nicht viel besser, allenfalls anders.
Bleiben scheint also besser als Einsamkeit,
das Schreckgespenst, das uns in den Käfig unguter Beziehungen einschließt und
uns das Verlassen des Käfigs schwer macht.
Und dann ist da ja noch das liebe Geld,
das man dann selbst verdienen müsste, der Luxus und die Bequemlichkeit die man
dann aufgeben müsste.
Da sind vielleicht die Kinder die darunter leiden und die Probleme von Kindeswohl und Kindessorge. Nein, dann lieber bleiben und dem anderen und sich
selbst weiter etwas vormachen oder weiter kalte oder heiße Kriege führen, die auf Dauer
unendlich müde machen und das Leben und die Gesichtszüge immer bitterer. Von der Gesundheit ganz zu schweigen.
Es ist viel was Menschen in Kauf nehmen
anstatt sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Nur, wer sich selbst gegenüber nicht
ehrlich ist belügt den anderen genauso wie sich selbst.
Wir bleiben weil bleiben einfacher ist
als gehen und weil das Verlassen der Komfortzone um einiges bedrohlicher erscheint als das Erlangen des eigenen Seelenheils durch die Gestaltung des
eigenen Lebens. Zugegeben: Das ist auch nicht einfach.
Aber ist das ein Grund dort zu bleiben
wo das Klima vor Lug und Betrug energetisch verdorben ist, wo Jammern, Klagen
und Beklagen Dritten gegenüber die Mittel der Wahl sind um
sich von all den destruktiven Gefühlen zu entlasten, die so eine abgelebte oder
eine destruktive Beziehung mit sich bringt?
Ja. In der Tat. Für viele ist es das.
Viele bleiben. Sie bleiben solange es noch den
kleinsten Benefit gibt.
Sie erfinden hunderte von Ausreden um das Kleine nicht
als das zu erkennen was es in Wahrheit ist – die eigene Kleinheit. Die mutlose
Kleinheit, die feige Kleinheit, die große Angst vor dem Unbekannten, dem Loslassen, dem auf sich selbst gestellt sein, die dazu bringt, das eigene Leben zu vergeuden,
weil die Bereitschaft fehlt es in die Hand zu nehmen und es wahrhaftig den eigenen Werten nach zu leben und zu gestalten und zwar mit allen unschönen Konsequenzen.
Mit Liebe hat Bleiben hier nichts
mehr zu tun.
Übrigens: Liebe und Beziehung sind
nicht eins.
Ich kann einen Menschen lieben und
feststellen – wir passen nicht zusammen.
Ich kann erkennen: Bei aller Liebe, wir sind dermaßen konträr in allem was wir tun, wollen und leben. Unsere Werte und
Bedürfnisse sind nicht kompatibel, wir schauen nicht in die gleiche
Richtung.
Liebe allein genügt nicht um
miteinander ein gutes Leben zu haben.
Das ist ein Irrglaube.
Und ein Grund warum viele Beziehungen
scheitern, die aus Liebe Beziehung machen.
Die Liebe nutzt sich im alltäglichen
Kampf nämlich langsam aber gründlich ab.
Und da wo nur Beziehung ohne Liebe ist,
nutzt sich die Seele langsam aber gründlich ab.
Abonnieren
Posts (Atom)






