Montag, 11. April 2016

Aus der Praxis – Über das Ich und das Ganze




Foto: AW

Das Ich blendet, giert nach Anerkennung, manipuliert und überschätzt sich gnadenlos. Es nimmt sich enorm wichtig und macht sich enorm wichtig und dabei weiß es nicht, wo seine Grenzen liegen und wie abhängig es von dem ist, was da vorgeht wo sein Ganzes ist. Sein Verhalten zielt immer darauf ab, gut dazustehen und Kritik oder gar Scheitern zu vermeiden. Es erfindet Geschichten und lügt bis sich die Balken biegen. Es überschätzt sich selbst und verschließt sich selbst im Käfig des Narzissmus.

Es hält sich für besser als es ist und vermeidet tunlichst, diese Maskerade zu beenden, die ein anderer Teil des Ganzen im Grunde längst durchschaut hat. Aber es verschließt die Augen und wird blind. Das Ich will seinem Mythos von der eigenen Größe treu bleiben und vermeidet alles, was diesen ins Wackeln bringen könnte. 
Wer das Ich durchschaut, entdeckt mit ihm auch die Selbstlüge. 

Wer will das schon?

Das will der, der zu sich selbst kommen will.

Um uns selbst zu erkennen, müssen wir nicht nur unsere Gedanken und unsere Gefühle, sondern vor allem unser Verhalten beobachten also das Ganze. 
Und nicht zu vergessen: Wir müssen auf die Intuition achten.


Freitag, 8. April 2016

Aus der Praxis - Derjenige der uns herabwürdigt, tut dies immer wegen eigener Probleme





Es gibt immer Menschen, die uns einreden wollen, dass wir so wie wir sind, wie wir denken, wie wir reagieren oder handeln, nicht ok sind. Diese Menschen geben uns bei jeder Begegnung das Gefühl falsch zu sein. Sie werten uns ab. Sie tun das, weil wir so, wie wir sind, nicht in ihren Denkrahmen passen. Sie werten uns ab, weil wir für sie nicht passend sind. 
Immer wenn wir es mit diesen Menschen zu tun bekommen, haben wir ein ungutes Gefühl, wir fühlen uns schlecht nach der Begegnung mit ihnen und beginnen an uns zu zweifeln. Wir fühlen uns so, wie wir uns als Kind gefühlt haben, als man uns vermittelt hat: So wie du bist, bist du falsch. Wir sind aber nicht falsch, falsch verhalten sich die, die uns dieses Gefühl geben wollen. 

Wenn man uns in der Kindheit das Gefühl gab, wir seien wertlos, dann sind solche Gefühle sehr tief in uns verwurzelt und können immer wieder getriggert werden, besonders von jenen Menschen, die uns nahe stehen. 

Im Kontakt mit einem Menschen, der uns abwertet oder mit Angriffen überhäuft, werden diese Gefühle reaktiviert und wieder vertieft, wir werden wie durch einen Sog nach hinten in unsere alten Wunden gezogen. Indem er uns das Gefühl gibt: Du bist nicht ok!, weckt er die Schuldgefühle, die man uns schon in der Kindheit gab. Schuldgefühle hindern uns daran, uns selbst zu akzeptieren und uns Fehler zu verzeihen - das führt wiederum zur Selbstabwertung. Wann immer wir solchen Attacken ausgesetzt sind, werden wir schließlich zu der Überzeugung gelangen, dass wir völlig falsch oder wertlos sind.

Solange wir nicht gelernt haben, uns selbst ok zu fühlen, so wie wir sind, mit allem was wir sind, sind wir für diese Menschen eine Zielscheibe für ihre Projektionen, ihren Frust und ihre eigenen verdrängten Themen. 
Es hilft uns, wenn wir begreifen: Derjenige der uns herabwürdigt, tut dies immer wegen eigener Probleme. 
Nun ist es nicht immer möglich diese Menschen zu meiden, oder gelassen weg zu hören - aber es ist möglich, dass wir lernen uns selbst zu schützen. Das bedeutet, uns abgrenzen zu lernen.

Abgrenzen gelingt uns, wenn wir aufhören uns einzureden, wir seien nicht liebenswert, wenn wir aufhören an uns selbst zu zweifeln und uns selbst, unseren Gedanken und Gefühlen Vertrauen schenken. Dann sind wir nicht mehr empfänglich für Angriffe und Abwertungen von anderen und dann wissen wir auch: Sie meinen nicht uns. Wer uns wirklich meint, meint es gut mit uns, er will uns nicht verletzen, er will uns verstehen, er fühlt mit uns, ohne zu werten und ohne zu verurteilen. Er ist einfach da, in liebevoller Aufmerksamkeit. Und es fühlt sich gut an.

Donnerstag, 7. April 2016

And that makes the difference ...



Manche denken die Liebe und die Bedürftigkeit bedingen einander. 
Es sind Bedürftige, die ihren Mangel für Liebe halten und die Liebe in ihrem Wesen nicht verstanden haben, weil ihr Ego rücksichtslos will.
Liebe aber ist niemals rücksichtslos und sie fordert nicht.

Liebe denkt immer an den anderen. 
Die Bedürftigkeit denkt nur an sich selbst.

Mittwoch, 6. April 2016

Eine Persönlichkeit



Malerei: AW

Eine Persönlichkeit zu sein bedeutet, authentisch und echt zu sein.
Es bedeutet, der zu sein, der ich bin, zu fühlen, wie ich fühle, zu denken, wie ich denke, zu handeln, wie ich handle und für all das die Verantwortung zu tragen.

Es bedeutet nach dem zu suchen, was ich brauche, anstatt zu erwarten, dass andere es mir geben.
Es bedeutet, meine Wahrheit zu suchen, sie zu finden und sie auf ihren Wert für mein Leben zu überprüfen und meine Biografie dabei nicht außer Acht zu lassen.

Eine Persönlichkeit zu sein bedeutet: Die Wahrheiten anderer zu achten und sie nicht zu zerpflücken, weil sie zu der meinen nicht passen oder weil ich glaube, die Wahrheit mit dem Löffel gefressen zu haben.
Es bedeutet: Andere nicht zu belehren, was richtig zu sein hat und was nicht, nur weil ich das so sehe.
Eine Persönlichkeit zu sein bedeutet, nicht, ja zu sagen, weil andere es wollen oder zu nicken, weil wir andere nicht vergrätzen wollen oder meinen sie zu brauchen.

Eine Persönlichkeit weiß: Nichts gibt mir das Recht, einen anderen zu beurteilen und etwas über ihn wissen oder gar etwas besser wissen zu wollen, als er selbst. Nichts gibt mir das Recht, mich über andere zu stellen und sie zu korrigieren, sie zu belächeln oder in die Ecke zu stellen, in der ich sie sehe, weil das für mich passend erscheint. Nichts gibt mir das Recht, zu erwarten, dass ein anderer zu sein hat, wie ich das gerne hätte, dass er gut findet, was ich gut finde, richtig, was ich richtig finde, fühlt, was ich fühle, ja sagt, zu dem was ich denke.

Eine Persönlichkeit zu sein, heißt, für sich selbst zu stehen, für sich selbst einzustehen und die Persönlichkeit anderer ebenso zu respektieren wie meine eigene.

Eine Persönlichkeit hat keine Maske nötig und muss keine Rolle spielen, um andere zu beeindrucken.

P.S.

Für alle Klugscheisser ...
das hat mich dann doch gejuckt, wenn einer meint, er müsse mir sagen, was (meine) Wahrheit ist ...






Dienstag, 5. April 2016

Aus der Praxis - Auf Manipulation achten

"Ach es ist nichts, ach, es geht schon, ach, ich würde dir das ja gern erzählen, aber ich lasse es lieber..."

All das sind Andeutungen, das sind Klagen über ein Problem, hoffend, dass wir uns des Problems annehmen, dass wir es es lösen, es mittragen, es abnehmen. Andeutungsweise werden wir hineingezogen in das Dilemma des Anderen. Das ist Manipulation.

Es sind Andeutungen, die zum Ziel haben, uns in etwas hineinzuziehen. Sie erwecken unser Mitleid, vielleicht Schuldgefühle, vielleicht unser Helfersyndrom, vielleicht unsere Verantwortungsgefühl für den Anderen und sein Dilemma. Und wir stecken in der Falle. Wir fühlen uns nicht gut, wir fragen nach, wir wollen helfen - wir ziehen uns die Schuhe an, die man uns vor die Füße stellt und beginnen darin zu laufen. Wir haben keine Macht über andere Menschen, auch nicht über ihre Probleme - und das vergessen wir, vor lauter Mitgefühl, vor lauter Schuldgefühl, vor lauter Verantwortungsgefühl.
Und wir gehen schwer in den Schuhen, die uns nicht passen.

Das Ziel der Andeutungen, das Ziel der Klage ist erreicht - wir funktionieren im Sinne des Klagenden.

Die Andeuter, die Klagenden sollten wir nicht unterschätzen - sie wissen, was sie tun.
Sie sind nicht die armen Opfer, die wir retten müssen. Sie sind sich bewusst, was sie wollen.
Sie verfolgen ihre Ziele, nicht die unseren - es geht um sie.

Die Liebe würde so nicht handeln.

Wenn jemand etwas von uns will, und es nicht klar und ehrlich sagt, müssen wir nicht, wie aus einem Reflex heraus, in seinem Interesse reagieren und uns eine Last aufladen, die uns niederdrückt, nur damit der andere es leichter hat.

Wir müssen lernen in Liebe für uns selbst zu handeln um uns vor Manipulation und emotionalem Missbrauch zu schützen. Und das heißt: Den Andeutungen nicht erliegen, sondern bei uns bleiben, in Liebe und Selbstschutz, achtsam für uns selbst - in Selbstliebe.


Montag, 4. April 2016

Gedankensplitter

Wenn du entscheidest ist es immer so, dass du in diesem Augenblick nicht alle Antworten hast, denn der vor dir liegende Weg, für den du dich entschieden hast, bleibt dir solange unbekannt, bis du ihn gehst und deine Schritte auf ihm zurückgelegt hast. Dann erst wirst du erfahren ... und zwar nicht ob richtig oder falsch, sondern etwas Neues über dein Leben.

Samstag, 2. April 2016

Widerstand ist die Schwester der Selbstlüge



Foto: AW

Ganz gleich wie dunkel, wie unangenehm unsere Gefühle sind - wir werden sie nicht los, indem wir uns ihnen widersetzen oder sie verdrängen. Im Gegenteil, sie werden nur mächtiger. Sie werden uns erschöpfen. Sie werden in uns rumoren, uns im Zweifel auf lange Sicht krank machen. Wenn wir Gefühle unterdrücken, unterdrücken wir uns selbst.
 
Unsere Gefühle verdrängen, nicht spüren oder durch andere ersetzen zu wollen (z.B. Trauer und Schmerz durch Wut, Liebe durch Hass) bedeutet: Wir verschließen wir uns dem, was wirklich ist.

Verdrängte Gefühle verändern die Situation nicht.
Widerstand drückt uns in uns selbst, Widerstand drückt uns an die Wand des eigenen Inneren. Widerstand ist die Schwester der Selbstlüge.

Wir erkennen, was wir lernen müssen erst dann, wenn wir den Mut haben uns ehrlich mit unseren Gefühlen auseinanderzusetzen und das heißt: sie ernst nehmen, sie annehmen, egal wie unangenehm sie sind.