Immer öfter begegnen mir in meiner Arbeit Menschen, die sagen, sie hätten resigniert. Sie beschreiben einen Zustand tiefer innerer Erschöpfung. Sie glauben nicht mehr daran, dass sich ihr Leben oder ihre Beziehungen grundlegend verändern können. Wir Menschen resignieren nicht von heute auf morgen. Resignation ist eine schleichende Entwicklung. Enttäuschungen, Zurückweisungen, Verluste, Schicksalsschläge, chronische Krankheiten und Ohnmachtsgefühle führen nach und nach dazu, dass der innere Glaube an Veränderung zerbröselt.
Wer resigniert fühlt sich ohnmächtig.
Er glaubt, dass das eigene Handeln keinen Unterschied mehr macht.
Wenn wir über längere Zeit erleben, dass sich trotz unserer Bemühungen nichts verändert, entsteht irgendwann das Gefühl: „Egal, was ich tue, es bringt nichts.“ Viele Menschen resignieren nach wiederholtem emotionalem Schmerz, etwa in Beziehungen, in denen sie nicht gesehen, nicht gehalten oder immer wieder verletzt werden. Dauerhafte emotionale oder soziale Unsicherheit kann dazu führen, dass Menschen irgendwann innerlich aufgeben, weil sie keinen Halt mehr spüren. All das führt zu innerer Erschöpfung und wer innerlich erschöpft ist, verliert irgendwann den Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und die Hofnfung gleich mit. Dann entsteht ein Zustand, in dem wir nur noch funktionieren, uns zurückziehen oder in belastenden Mustern und Situationen verharren, weil uns die Kraft fehlt, etwas zu ändern.
Resignation entsteht dort, wo Hoffnung verloren geht, und Hoffnung verlieren wir dann, wenn wir die Verbindung zu uns selbst verlieren. Sie ist ein inneres Aufgeben, ein Sich-Fügen in eine als unveränderlich erlebte Situation.
Nicht zu resignieren bedeutet nicht, immer stark zu sein oder niemals zu zweifeln. Es bedeutet vielmehr, trotz Schmerz und Schwäche die Verbindung zu uns selbst nicht aufzugeben. Der Weg aus der Resignation beginnt nicht im Außen, sondern in der Beziehung zu uns selbst. Er beginnt damit, dass wir unsere Gefühle wieder ernst nehmen, statt sie zu verdrängen. Er beginnt damit, Erschöpfung nicht als Schwäche abzuwerten, sondern als Signal zu verstehen, dass etwas in uns gesehen und verändert werden möchte. Wenn wir am resignieren sind, brauchen wir nicht mehr Härte gegen uns selbst, sondern mehr Selbstmitgefühl, mehr Ehrlichkeit uns selbst gegenüber und innere Zuwendung. Viele Menschen glauben, sie müssten erst stark werden, um etwas verändern zu können. In Wahrheit entsteht Stärke dann, wenn wir beginnen, uns selbst nicht länger zu verlassen. Wenn wir lernen, uns selbst zuzuhören, uns zu schützen, Grenzen zu setzen und Hilfe anzunehmen.
Heilung beginnt dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Nicht zu resignieren bedeutet die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, ohne uns für die eigene Geschichte und unser Sosein zu verurteilen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir entscheiden müssen, ob wir in der Ohnmacht stecken bleiben oder beginnen, uns sanft und langsam aus ihr herauszubewegen. Heilung geschieht nicht in großen Momenten. Sie beginnt ganz klein: mit einem ehrlichen Gedanken, einem klaren Nein, dem Eingeständnis der eigenen Erschöpfung und der Entscheidung, uns selbst nicht länger aufzugeben, für was oder wen auch immer. Wenn wir bereit sind, wieder in Beziehung zu uns selbst zu treten, ist Hoffnung möglich. Nicht zu resignieren heißt letztlich, die Hoffnung für uns selbst nicht zu verlieren.
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de
Link zum Buch:

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen