Mittwoch, 12. Juni 2013

es ist möglich


Spirale des angepassten Menschen



immer beginnt es so: ich weiß ich nicht genau, was ich wirklich will.
dann tue ich das, was die anderen von mir erwarten.
dann wächst der innere widerstand.
ich verliere mehr und mehr energie.
ich fühle mich erschöpft.
dan kommen die schuldgefühle, weil ich spüre, dass ich mir selbst etwas schuldig bleibe.
dann kommt die resignation und ich mache weiter das, was die anderen von mir erwarten.
doch dann habe ich das gefühl das falsche zu tun und ich mache ständig etwas falsch.
die innere unruhe wächst.
nichts gelingt mehr.
das gefühl für das, was mir wichtig ist, verschwindet.
ich verliere das wichtigste.
ich verliere mich selbst.


Montag, 10. Juni 2013

Vergessenes

viele menschen vergessen mit welchem kraftaufwand und wieviel selbstzweifeln sie dahin gekommen sind, wo sie stehen. wenn sie dann da stehen, wo sie stehen, tun sie vor anderen so, als sei der lange weg ein spaziergang gewesen. damit ist anderen, die auf noch auf dem weg sind, nicht geholfen, mit der wahren geschichte schon. 


warum? 

weil sie mut macht.

Sonntag, 9. Juni 2013

Blaue Denkfetzen






Tiefes Blau zieht ins Untergründige, auf den Grund der Seele – als Farbe der Ewigkeit, der Ganzheit und des Immateriellen. Das Blau als Utopie, als Sehnsuchtsträger. Im Gegensatz zu Schwarz, das Loch in welches man fällt, ist Blau die Weite in der man schwebt, der Himmel, das Meer, der Sog ins Unendliche.


Das Blau im Blauen hängt mit dem Quantum zusammen. Je mehr Blau, desto tiefer und doppeldeutiger die Farbe. Dicht ist sie schwer und physisch nah. Noch dichter, ist sie voller Geheimnisse, wie das Geheimnis der Luft und des Wassers, das in den Raum des Numinosen zieht.


„Denn das Nichtsein ist unendliche Leere, und leerer Raum ist blau, und es gibt nichts Schöneres und tröstlicheres als Blau. Sicher liebte Novalis, nicht zufällig Blau, das Blau, das er auf all seinen Wanderungen suchte.“, schreibt Milan Kundera.


Tiefblau suggeriert Tiefe. Eine Tiefe die sich mit dem füllt, was wir in ihr sehen, was wir in sie hineindeuten, die wir füllen mit dem Eigenen und, aufgrund unseres kollektiven Gedächtnisses, mit all den Bedeutungen die wir unbewusst oder bewusst verinnerlicht haben.


Ich denke oft in Blau. Ich kenne den Blues, die Melancholie, diese tiefe schmerzliche Gefühl, das einhergeht mit der Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich mit der Vergänglichkeit aller Dinge gedanklich in Berührung gehe, wenn ich Tränen darüber weine, dass auch ich und die, die ich liebe, vergänglich sind. „Das Vergnügen traurig zu sein“, wie Victor Hugo es nannte. Gäbe ich ihm eine Farbe so wäre es blau.


Laotse lachte und sagte: Der Weise liebt das Blau.

Montag, 3. Juni 2013

Aus der Praxis ... Under Pressure



Schon als Kinder hat man uns beigebracht, die Zähne zusammenzubeißen.

"Da musst du jetzt durch, das schaffst Du schon, Du darfst jetzt nicht schwächeln." Worte wie diese diese klingen vielen von uns heute noch in den Ohren, wenn wir unter Druck stehen, es eigentlich nicht mehr aushalten und nur noch die Reißleine ziehen möchten. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, fühlen, dass wir längst am Ende unserer Kraft angelangt sind, aber was da aus uns heraus spricht, ist lauter und mächtiger als das Gefühl, das uns mahnt - hör auf, du kannst nicht mehr. Ruh Dich mal aus!

Das Gefühl sagt ganz klar - mach dir keinen Druck. Die kindliche Prägung tönt - da musst du durch. Die Folge: Wir sind in Konfliktspannung. Das Gefühl und der programmierte Verstand kämpfen miteinander. Die Erfahrung zeigt - letzterer gewinnt fast immer. Also beißen wir die Zähne zusammen und gehen weiter, geradewegs in unser Verderben.

Egal was passiert ist, egal ob wir gerade einen Menschen verloren haben und eigentlich Zeit zum Trauern brauchen, egal, ob wir gerade Stress mit dem Partner haben und unsere Beziehung bedrohlich auf der Kippe steht, egal ob wir gerade einen Schicksalschlag erlitten haben oder wir längst wissen, dieser Job, den wir da machen, ist rein gar nichts für uns - wir machen weiter, gnadenlos dem wichtigsten Menschen in unserem Leben gegenüber - uns selbst.

Pflicht, so hat man uns gelehrt, ist die erste Pflicht im Leben, und wir haben die Pflicht, die unsere zu erfüllen. Das heißt dann Verantwortung übernehmen.

Wem gegenüber eigentlich?  Den anderen, die das von uns erwarten, oder uns selbst gegenüber, die wir uns Schwäche nicht zugestehen dürfen, damit wir gut da stehen - vor den anderen und/oder vor uns selbst?  Das ist zweifacher Druck, den wir uns machen. In Wahrheit ist es sogar dreifacher Druck, denn wir machen unseren Gefühlen Druck. Wir unterdrücken sie und damit unterdrücken wir das, was die vertrauenswürdigste Instanz in uns ist -  unsere  Gefühle. Aber wir haben gelernt sie zu missachten und alle machen mit, weil sie es auch gelernt haben.

Aber was haben wir da gelernt? Wir haben gelernt uns selbst zu missachten und uns in Folge selbst zu missbrauchen. Zu welchem Zweck?
Frage: Macht uns das glücklicher, zufriedener, reicher?
Nächste Frage: Woran macht uns die Missachtung der eigenen Gefühle reicher? An Erfolg, an Geld, an Zeit, an Anerkennung, an Liebe?

.... dies ist die Stelle zum Nachdenken.

Wir machen weiter und der Druck steigt weiter,  da drinnen. Aber - wie´s da drinnen aussieht geht niemand was an, nicht mal uns selbst?

Am Ende fühlen wir uns vom eigenen Inneren erdrückt. Und dieses Gefühl macht noch mehr Druck. Druck erzeugt Angst und Angst macht eng. So eng, dass der Druck keine andere Wahl hat als innerlich zu implodieren. Es zerreisst uns, wir symptomatisieren auf körperlicher und/oder auf seelischer Ebene.

Bevor es soweit ist, sollten wir uns Folgendes vor Augen halten: Die Intensität des Drucks, den wir spüren, ist der Gradmesser für die Intensität des Dranges, der sich aus uns befreien will. Druck, der nicht in Drang verwandelt wird, sich nicht in Lebensenergie ausdrückt, drückt sich ein und zerbricht unser Innerstes. 

Das, was uns Druck macht, ist nichts anderes als die Lebendigkeit in uns, die endlich leben will.


Sonntag, 2. Juni 2013

Ungewissheit




unter gewissheit verstehen wir eine sichtbare bestätigung, ein zeichen von aussen. wir halten es schwer aus, in der ungewissheit zu sein. aber manchmal müsssen wir die ungewissheit annehmen und achten, ohne uns auf spekulationen zu versteifen. manchmal haben wir keine wahl - wir müssen sie aushalten, die absolute leere des wissens. 

wenn wir sie aushalten und annehmen, wird sie irgendwann fast unbemerkt einer gewissheit weichen. alle ungewissheiten sind chancen, eine herausforderung an das vertrauen, das alles zu unserem besten geschieht. 

der ungewissheit mit demut begegnen heißt: wir wissen, dass sie ein wissen in sich birgt, das uns im jetztigen moment überfordern würde. ungewissheit will uns nicht quälen, sie will uns weich machen um zu empfangen, was sein soll.

wenn wir lernen die dinge einfach geschehen zu lassen, sie hinnehmen als einen notwendigen schritt auf unserem lebensweg, wenn wir aufhören zu analysieren und sinnlos zu spekulieren, wenn wir  der stille raum lassen den raum in uns selbst zu öffnen, wenn wir das, was wir fassen wollen fließen lassen, es sein lassen, ohne korrigerend einzugreifen, wenn wir in zeiten der ungewissheit das beste für uns selbst tun - ergibt sich alles andere von selbst. 

wenn wir nicht auf bestätigungen und erwiderungen von außen warten, sind wir nicht von bestätigungen und erwiderungen anderer abhängig. 

die bestätigung und die erwiderung in uns selbst führt ins vertrauen zu uns selbst.

Schlüssel



ich kann nicht fühlen, was du fühlst
ich begreife dein innerstes nicht.

wie soll ich hingreifen in das land deiner seele
wo ich das meine nicht greifen kann.

du bist mir ein rätsel.
ich bin mir ein rätsel.
 niemals bin ich der schlüssel für das deine.
das meine zu entschlüsseln
ist genug.