Freitag, 1. Februar 2013

fragment

 


in stücke zerborstenes
ein weh
namenlos
mit tausend namen
grundlos
mit tausend gründen
der wille zu verstehen
nicht wissen trotz wissen

wenn ... dann

wenn dann.
wenn wir das und das tun 
oder nicht tun ...
dann.

dann ist was?

dann ist das eine oder das andere.
wenn, ja dann, aber nur dann.
und wenn nicht, was dann?

dieses wenn 
eine aufforderung
eine vorraussetzung von etwas
ein ausschluss von etwas
klingt nach erpressung 
auch das.

wenn dann ...

ja was ist denn
wenn dann?

dann wenn du ....dann 
aber erst dann oder nur dann.

mann, macht dieses wenn dann druck.





Donnerstag, 31. Januar 2013

Gedankensplitter 46



wenn ich aufhöre für alles worte finden zu wollen, 
beginnt das wunder der stillen möglichkeiten.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Aus der Praxis - Gedanken über das Innere Kind




"Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst."
Hermann Hesse


Das Innere Kind. Wir alle haben diesen Begriff schon einmal gehört oder gelesen. Aber nicht alle von uns haben eine genaue Vorstellung davon, was der Begriff bedeutet, obwohl wir alle ein inneres Kind in uns tragen, egal wie alt wir sind.Jedes innere Kind in jedem von uns ist anders und vor allem, es macht sich bei jedem von uns anders bemerkbar. So verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind unsere inneren Kinder.

Der Begriff Inneres Kind kommt aus dem Reich der Psychologie und ist noch gar nicht so alt.

Andererseits gibt es eine lange Tradition in der Psychologie und in der Psychoanalyse, sich mit den inneren Zuständen der Kindheit zu befassen. Es ist das zentrale Charakteristikum aller psychodynamischen Ansätze, die Bedeutung unserer Kindheit und vor allem die inneren Bilder unseres Kindseins zusammen mit den inneren Bildern unserer Eltern zu beleuchten.

Schon der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung schloss den Erfahrungsraum des Kindes in seine Arbeit mit ein. Er sprach vom „göttlichen Kind“ in uns. Jung betonte, dass die frühen inneren seelischen Wirklichkeiten einen entscheidenden Einfluss auf das Erwachsenendasein haben. Der Dialog mit den inneren Kindanteilen war für ihn ein wichtiger Zugang zum Unbewussten.

Vor ca. fünfzehn Jahren schrieben Erika J. Chopich und Margaret Paul das Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind" und machten den Begriff populär. Auch das Buch "Versöhnung mit dem inneren Kind" von Thich Nhat Hanh ist ein bekanntes Werk über die heilende Kraft der Achtsamkeit für unser inneres Kind.

Ursprünglich jedoch basiert das Modell des Inneren Kindes auf dem psychologischen Konzept der Psychosynthese, zu deren Entwicklung der Italiener Roberto Assagioli beigetragen hat. Assagioli war ein Schüler von Freud, bis er sich von ihm abwandte und zum Pionier der transpersonalen Psychologie und Psychotherapie wurde. Der Psychiater und Psychotherapeut entwickelte mit der Idee der Psychosynthese ein Modell des Menschen, das Körper, Geist und Seele umfasst.

Bereits im Jahre 1910 wies Assagioli auf die Mängel des Freudschen Triebmodells hin. Er war der Überzeugung, dass, solange man den Menschen nur als ein von seinen Trieben gesteuertes Wesen betrachte, er in seiner komplexen Ganzheit nicht erfasst werden könne. Assagioli erkannte die Realität der Seele an und zwar als wesentlichen Teil der menschlichen Struktur. Er war überzeugt davon, dass der Mensch in seiner Essenz eine Seele ist und darüber hinaus eine Persönlichkeit besitzt, mit vielen Teilen, die er Teilpersönlichkeiten nannte.

Ein bekanntes Zitat Assagiolis lautet:
„Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.
Ich habe Gefühle, aber ich bin nicht meine Gefühle.
Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht meine Wünsche.
Ich habe einen Geist, aber ich bin nicht mein Geist.
Ich bin ein Zentrum aus reinem Bewusstsein.“

Assagioli ging es in seiner Arbeit darum, zu vermitteln wie der Mensch in Distanz zu dieser Persönlichkeit und ihren Teilen gehen kann, mit dem Ziel, sich davon zu disidentifizieren.

Er war davon überzeugt, dass der Mensch vom Zentrum des Bewusstseins aus, fähig sei, die einzelnen Teile seiner Person, also Körper, Geist, Seele, Gefühle und Gedanken, aber auch die vielen verschieden Rollen, die er im Laufe des Leben spielt und seine Verhaltensmuster zu erkennen um zu verändern. Ihm ging es um die Bewusstwerdung von schädigenden unbewussten Inhalten, um schließlich zu einer größeren Klarheit über das eigene Wesen zu gelangen. So ordnete er die Persönlichkeit dem Personalen Selbst oder dem Ich zu, in dem auch der Wille und damit die Fähigkeit zur Wahl angesiedelt sind. Und damit einhergehend - die Wahl bewusst und selbstbestimmt zu leben und zu handeln.

Unser Inneres Kind ist nur eine unserer vielen Teilpersönlichkeiten.
Es haust, wie viele dieser Teile unseres Selbst, im Unterbewusstsein. Von da aus agiert es und beeinflusst, je nach unserer individuellen Erfahrung, unser Leben als Erwachsene.

Das innere Kind ist machtvoll, besonders wenn es ein verletztes und/oder ein ungeliebtes inneres Kind ist.

Typisch für dieses Kind sind ein impulsives Verhalten und eine geringe Frustrationstoleranz. Schon die kleinste Kritik, die kleinste Zurückweisung können enorme, für andere unangemessene Reaktionen auslösen. Hat ein Mensch als Kind wenig Liebe und Beachtung, Schmerz oder sogar Missbrauch erlebt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Erwachsene sein inneres Kind unbewusst ablehnt, weil er diese vernichtenden Erfahrungen nicht wieder fühlen will. Das als schmerzhaft Erlebte wird verdrängt.

Aber alles Verdrängte kommt auf den seltsamsten Wegen nach oben, wenn es abgeschnitten bleibt und nicht bewusst wird. Es ist nur verbannt in das Reich der inneren Schatten und führt dort ein mitunter zerstörerisches Eigenleben.

Im Prinzip ist das innere Kind ein Schattenaspekt unserer Persönlichkeit.

Es ist das Ungelebte, das Unverarbeitete und Verdrängte, es ist der Mangel und der Schmerz dessen, was wir als Kind erfahren haben, was uns angetan oder vorenthalten wurde und das, was uns über uns selbst zu denken und zu fühlen beigebracht wurde. Meistens durch die eigenen Eltern oder nahe stehende Bezugspersonen.

Durch das Abschneiden der schmerzhaften Gefühle, die wir als Kind erlebt haben, wird jedoch auch das Empfinden positiver Gefühle verhindert und Gefühle des Ungeliebtseins, der Leere, der Wut, der Trauer und der inneren Einsamkeit manifestieren sich. Es kommt zu keinem tiefen Kontakt mit uns selbst. Aber ein tiefer Kontakt zu Anderen ist ohne Verbindung zu uns selbst nicht möglich. Andererseits werden eigene Wünsche und Gefühle unterdrückt, in der unbewussten Hoffnung geliebt zu werden, wenn man sich den Erwartungen anderer anpasst.

Das ist ein Teil des Dramas des inneren Kindes, basierend auf der Wunde des Ungeliebten. Es ist das Kindheitstrauma derer, die Liebe ohne Bedingungen, niemals erfahren haben.

Unser inneres Kind ist zum einen das Symbol für unsere Verwundbarkeit und zum anderen der Ursprung für unsere Angst als Erwachsene wieder verletzt und zurückgewiesen zu werden. Es steht für unsere Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung und der Akzeptanz, wir in Ordnung sind, genauso wie wir sind. Aber zugleich ist es auch der Teil in uns, der positiven Anteile unserer Person wie Spontaneität, Neugierde, Lebendigkeit, das Spielerische, Schöpfertum und die Fähigkeit, ganz im Moment sein zu können.

Das verletzte innere Kind aber kann all diese positiven Anteile nur begrenzt ausleben. Es ist wütend, es ist traurig und es fühlt sich schuldig, aufgrund der bis ins Erwachsenenalter unbewusst wirkenden Introjektion derer, die ihm Schmerzen oder Böses zugefügt haben.

Introjektion bedeutet, dass eine äußere Realität, also Objekte und/oder Objektqualitäten in das eigene seelische Innere einverleibt werden. Dies führt zu einer Identifizierung mit exakt den Eigenschaften dieses Objekts oder seiner Qualitäten. Die Folge ist eine lebenslange innere Zerrissenheit, ein innerer Kampf indem das Kind sich hilflos und ohnmächtig fühlt und seine ganze Kraft darauf verwendet sich zu befreien.

Die Psychoanalytikerin Luise Reddemann schrieb einmal: „Was in der Vergangenheit versäumt wurde, können später weder der Partner noch Freunde oder Kollegen und die eigenen Eltern wiedergutmachen. Man kann sein inneres Kind sozusagen nicht anderen Menschen auf den Schoß setzen.“

Wie aber wirkt das verletzte innere Kind in unserem Leben?

Wer ein ungeliebtes, verletztes inneres Kind in sich trägt, schreit ein Leben lang unbewusst oder bewusst nach Wiedergutmachung. Er fordert ein, was ihm als Kind verwehrt oder was in ihm zerstört wurde. Im Grunde aber schreit dieses Kind nach bedingungsloser Liebe, eine Liebe, die es in sich selbst nicht spürt, weil es sie nicht erfahren hat.

Menschen die ein verletztes inneres Kind in sich tragen sind der festen unbewussten Überzeugung, dass sie sich selbst nicht glücklich machen können und dass sie Schmerz und Ablehnung nicht aushalten können. Das führt auch dazu, dass sie dazu neigen andere für ihr  Leid verantwortlich zu machen, sie zu kontrollieren und zu manipulieren. Sich selbst entzieht das innere Kind hingegen jeglicher Kontrolle, es schreit nach Abgrenzung, obwohl es sich gleichzeitig nach nichts mehr sehnt, als nach Nähe und dem Gefühl geliebt zu werden.

Kinder, die wenig Liebe und Anerkennung erfahren haben, die seelisch oder körperlich missbraucht wurden, haben als Erwachsene ein geringes Selbstwertgefühl und sie spüren sich selbst nur begrenzt.

Sie haben Nachholbedarf. Ihr Verlangen ist es, mangelnde Anerkennung und Liebe als Erwachsener von anderen zu bekommen und zwar in Beziehungen und Partnerschaften. Aber weil man als Kind ihre Grenzen immer überschritten, oder sie nicht geachtet hat, können sich nur schwer abgrenzen, sie suchen Nähe und können sie nur schwer aushalten. Sie sind immer auf der Hut, denn das Zulassen von emotionaler oder körperlicher Nähe bedeutet im Zweifel wieder eine neue Verletzung.

Zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Angst vor neuen Verletzungen leben sie in einem Niemandsland. Sie fühlen sich niemals angekommen und nie angenommen, wobei eins das andere bedingt – wer sich nicht angenommen fühlt ist ein Heimatloser in sich selbst und heimatlos in der Welt. Da sind immer die Wunden der alten Verletzungen und die kleinste Zurückweisung genügt, um wieder den alten Schmerz des Kindes zu spüren. Das Grundgefühl dieser Menschen ist: Ich bin nicht liebenswert. Ich kann niemandem vertrauen und er vertraut und glaubt nicht einmal sich selbst.

Aus der Angst heraus nicht liebenswert zu sein sind sie schnell bereit die Erwartungen der Anderen zu erfüllen, um erneute Zurückweisung, oder Liebesentzug zu vermeiden. Nicht selten führt das zu Abhängigkeit, vor allem vom Partner und manchmal sogar von den eigenen Kindern. Das Klammern an andere Menschen ist ein Ausdruck von Angst. Die Angst vor Verlust und die Angst vor der Einsamkeit. Beziehungen dieser Art sind nicht gesund und was Partnerschaften angeht, selten dauertüchtig. Kommt es zur Trennung wird das Glaubensmuster - ich bin nicht liebenswert, nicht gut genug - bestätigt. Ein Teufelskreis! Ein Leid ohne Ende.

Wo ist der Weg aus diesem Teufelskreis?

Zurück zu Assagioli: Zum Beobachter unserer inneren Welt von Gefühlen und Gedanken werden.

Viele von sind als Kind verletzt worden, durch Missachtung, negative Bewertungen, Beschimpfungen, Liebesentzug und Demütigungen bis hin zu emotionalem oder körperlichen Missbrauch. Aber nicht jeder von uns identifiziert sich ein Leben lang mit seinem verletzten inneren Kind. Wer sich mit diesem inneren Kind überwiegend identifiziert, hat es schwer „erwachsen zu werden“ - und damit meine ich, diesem verzweifelt nach Liebe schreienden Kind zu „entwachsen“ und sich wie ein erwachsener Mensch zu verhalten.

Aber was ist erwachsen?

Im Gegensatz zum Kind, dessen Existenz abhängig ist von der Fürsorge und Liebe seiner Eltern und anderen Bezugspersonen, ist der Erwachsene unabhängig. Er kann für sich selbst sorgen. Er ist in der Lage, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, er hat einen Willen und – was ihm als Kind nicht möglich war – er kann und er darf wollen und er kann das Gewollte auch in Handeln umsetzen. Er darf selbstständig handeln und er darf für sein Wohlergehen selbst sorgen. Ein Erwachsener ist fähig ohne die permanente Anerkennung und die Zuneigung von anderen zu überleben, ohne sich seiner gesamten Existenz gefährdet zu fühlen -  er ist emotional unabhängig.

Aber ist emotionale Unabhängigkeit überhaupt möglich?

Zweifellos ist lieben und geliebt werden entscheidend und wichtig um ein erfülltes Leben zu leben. Aber es gibt eben auch Zeiten im Leben, wo wir das nicht haben. Zeiten, in denen die Liebe zu einem Anderen abwesend ist. Zeiten, in denen wir allein sind mit uns selbst. Emotional allein. Und dann sind wir nicht anhängig an andere und in der Konsequenz unabhängig von deren emotionaler Zuwendung.

Allein mit sich selbst, das ist für keinen Menschen leicht aber für das verletzte innere Kind ist es ein Gefühl, das ihm den Boden unter den Füßen wegreißt. Denn das Glaubensmuster des Kindes ist: Ich muss geliebt werden, sonst kann ich nicht überleben. Wenn dieses Glaubensmuster vorherrscht sind wir unfrei – nicht nur in uns selbst, sondern in jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Wir sind, wie als Kind, abhängig von Anderen und damit manipulierbar. Wir projizieren auf den Partner eine Art Ersatzelternteil und fordern unbewusst diese eine Liebe, die wir niemals bekommen haben. Das überfordert jeden Menschen, denn diese Forderung kann niemals erfüllt werden, weil sie alt ist und mit dem Partner nichts zu tun hat - es ist die kindliche Sucht nach Liebe und Anerkennung durch die Eltern. Wird sie nicht erfüllt, bleibt sie ein Leben lang ein Fass ohne Boden.

Wer will so leben?

Die Arbeit mit dem inneren Kind bedeutet den Willen zu haben den "inneren Erwachsenen" zu entwickeln. Sie bedeutet: Unser inneres Kind zu suchen um zu erkennen, welches innere Kind in uns wirkt, wie es sich fühlt, wie es agiert, um es zu identifizieren um uns schließlich zu disidentifizieren.

Ein mitunter lebenslanger, schmerzhafter Prozess. Dazu gehört auch unserem verletzten inneren Kind selbst die Wertschätzung und Anerkennung zu geben, die es vermisst hat.

Dazu gehört: Immer wieder aufs Neue Distanz einzunehmen – was bedeutet: Die Gefühle und die Ängste des inneren Kindes wahrzunehmen und sie als das zu erkennen, was sie sind – alte Gefühle der Verwundung, der Sehnsucht und des Schmerzes. Es bedeutet, diese Gefühle auszuhalten, sie nicht zu verdrängen sondern zuzulassen, ohne sich überfluten zu lassen. Das ist schwer.

Es ist auch schwer, das innere Kind zu umarmen anstatt es zu beschuldigen, es zu kritisieren und es zu vernichten, wenn es sich meldet, oder es nicht endlos zu bejammern und zu bemitleiden.

Dazu gehört Mitgefühl - was bedeutet, mit diesem Kind zu fühlen - und zwar als Erwachsener und nicht in der Rolle des Kindes. Denn Mitleid und vor allem Selbstmitleid ist eine Spirale nach unten, es ist immer potenziertes Leid.

Warum nicht mit dem Kind in uns sprechen und ihm immer wieder sagen: Du bist liebenswert, du hast Gutes verdient, dem inneren Kind Gutes tun und mit ihm zu spielen.

Es hilft, sich unserer Introjekte bewusst werden und sie so schwer es fällt, zu integrieren und nicht abzuspalten, oder auf andere zu übertragen. Und vor allem – es hilft - anzunehmen was ist.

Annehmen was ist, bedeutet: Verantwortung zu übernehmen für uns selbst und unser Schicksal. Und das gelingt nur dann wenn wir dem, was uns widerfahren ist, einen Sinn verleihen können. Wenn wir fest daran glauben, dass jede Erfahrung uns zu dem Menschen macht, der wir sind.

Jede Erfahrung, gerade die schmerzhaften lassen uns innerlich wachsen, sie lassen uns, wenn wir es zulassen, er - wachsen. Sie lassen uns reifer, empathischer und verständnisvoller werden - für die eigenen Mängel; Nöte und Sehnsüchte und die anderer.

Es macht also Sinn unserem "inneren Kind" einen "inneren Erwachsenen"  zu Seite zu stellen. Das ist ein langer Prozess und er erfordert Mut und Selbstbeobachtung. Er bedeutet auch unterscheiden zu lernen, wann unser inneres Kind die Kontrolle übernimmt und unser Leben mit seinen negativen Glaubensmustern boykottiert.

Die Arbeit mit dem inneren Kind, mit dem Ziel Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, ist mit viel Angst verbunden.

Am Anfang dieses Prozesses steht die Entscheidung uns selbst lieben zu lernen und der feste Wille, dem Alten, der Vergangenheit zu entwachsen, wie gesagt - erwachsen zu werden, trotz der Angst und der tiefen Trauer über das nie Erhaltene, die Liebe, die uns verweigert wurde. Und schließlich auf diese Liebe zu verzichten.
Und anzuerkennen – ja in mir ist etwas „kaputt“. Das zugeben zu können, vor sich selbst und anderen, bedeutet sich selbst die Erlaubnis geben, das was weh tut fühlen fühlen zu dürfen. Bei vielen Menschen schafft das enorme Entlastung.

Es gibt Menschen, die das nicht können oder nicht wollen, Menschen, die in ihrer Verletzung, ihrer Trauer und in ihrer Wut stecken bleiben. Sie verletzen damit selbst immer wieder ihr eigenes inneres Kind. Sie lassen zu, dass anerzogene Glaubensmuster sie beherrschen. Sie fordern Rache und Vergeltung für das, was das Leben oder die Eltern ihnen angetan haben oder ihnen schuldig geblieben ist.

Nur werden die (vermeintlich) Schuldigen diesen Ausgleich in den seltensten Fällen herstellen. Weil sie nicht können, nicht wollen oder weil sie sich keiner Schuld bewusst sind.

Diesen Menschen, oder gar dem Leben etwas abzuverlangen zerreisst den, der das will. Er bleibt Opfer über die Zeit der Tat hinaus. Er ist ein ewiger Gefangener der mutmaßlichen oder wirklichen Täter und er ist auf immer gefangen im Introjekt. Er behandelt sich selbst genauso schlecht, wie er als Kind behandelt wurde und wird so letztlich zum Täter an sich selbst.

Der Volksmund sagt: Rache schaufelt immer zwei Gräber.

Mit dem Wunsch nach Rache und Vergeltung gelingt es nicht, das innere Kind zu besänftigen und schon gar nicht es liebevoll anzunehmen. Es wird immer wütender, immer verzweifelter und einsamer. Es findet niemals Ruhe und der Erwachsene findet niemals zu sich selbst und seinen schöpferischen Möglichkeiten.

Wenn uns alte Wahrheiten beherrschen erreichen uns neue heilende Wahrheiten nicht.

Aber was macht es so schwer eine neue, bessere Wahrheit in unser Leben zu lassen?

Es ist unser Unterbewusstsein, es ist der Schatten, den wir verdrängen und ausschließen aus unserem Bewusstsein. Der Schatten, der unser Leben genau darum überschattet, weil wir ihn nicht ins Licht holen. Wir spüren ihn und weil es weh tut, schauen wir ihm nicht ins Gesicht. Aber ihm ins Gesicht schauen, dem inneren Kind Gehör verschaffen, ist der Weg auf dem es uns gelingt den alten Schmerz zu fühle und zu heilen. All das was sich schlecht anfühlt anzuschauen bedeutet damit aufzuhören uns selbst etwas vorzumachen und es ist der Anfang zu dem zu stehen, was auch in uns ist – das Dunkle, die Angst, die Trauer, der Schmerz und die Wut. Es anzuschauen und ernst zu nehmen was wir sehen bedeutet zu weinen und die Wut auszudrücken, die Angst anzuschauen und ja, sie zu fühlen, anstatt sie zu unterdrücken, weil wir glauben all das darf nicht sein. All das darf sein! Und wenn es sein darf, verurteilen wir uns nicht länger für diese Gefühle. Das ist der erste Schritt zur Befreiung unseres inneren Kindes – es darf sein.

Die innere Wahrheit des Erwachsenen, wenn das innere Kind angenommen wird, ist: Ich bin für mich selbst, für mein Wohlergehen, mein Wohlbefinden, meine Zufriedenheit und mein Leben jetzt selbst verantwortlich. Ich habe den Willen, den Mut, die Kraft und die Macht es zu versuchen und danach zu handeln. Ich lasse zu und nehme an, was an Gefühlen in mir ist, die guten und die unguten, denn ich weiß um meine Schatten und ich weiß alle Teile in mir sind mein Ganzes. Spalte ich einen Teil von mir ab, bin ich nicht ganz.

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist ein langer schmerzhafter Weg an dessen Ende die Versöhnung steht, mit dem, was das Leben uns aufträgt und es ist die Akzeptanz dessen, was das Leben uns zu lösen aufgibt.

Menschen, die ihr inneres Kind erlöst haben erkennt man auch daran, dass sie vom Wohlwollen und der Zuneigung anderer nicht mehr abhängen. Das bedeutet nicht, dass sie andere nicht mehr brauchen, aber sie sind fähig sich das, was sie brauchen selbst zu geben. Nicht geliebt oder abgelehnt zu werden, bedeutet für sie nicht mehr die Zerstörung ihrer Existenz.

Wenn wir unser inneres Kind erlöst haben, nehmen wir dieses Kind selbst auf den Schoß, wenn es das braucht. Und wir haben gelernt unser Kind zu beachten und es zu fragen - was brauchst DU, mein Kind - jetzt?

 


(c) Angelika Wende

Sonntag, 27. Januar 2013

Befriedigend







Für alle von uns kommt eine Zeit, in der wir mehr als zu anderen Zeiten auf unser Leben zurückblicken. Wir beginnen unsere bisherigen Erfahrungen zu bewerten und wir versuchen zu verstehen, was sie für uns und unseren weiteren Lebensweg bedeuten.

Wir suchen den roten Faden, das, was in uns angelegt ist und sich entfalten will. Wir spüren - wenn nicht jetzt, wann dann? Wir suchen unsere wahre Lebensaufgabe, die unserem Leben mehr Fülle und Tiefe verleiht als das, was uns lange als erfüllend erschien oder genügte. Ist diese Zeit gekommen, genügen uns Meinungen und Sichtweisen oder gar Bestätigung und Anerkennung von Anderen nicht mehr. Wir haben den Drang mit uns selbst ins Reine kommen, ein Drang, der sich durch nichts unterdrücken lässt - weder durch Angst, noch durch Vernunft. Die Angst so weiter zu machen wie bisher wird sogar größer als die Angst vor Veränderung.

Sind wir nach dieser Analyse mit unserem Leben nicht zufrieden, ist es unvermeidlich, Lebensumstellungen und tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen. Wir spüren, um mit uns selbst im Frieden zu sein, müssen wir vielleicht sogar eine völlig neue Richtung einschlagen, die eine größere persönliche Be-friedigung verspricht.

Ein Leben ist dann befriedigend, wenn es uns gelingt, unserem ureigenen Wesen und unserer Individualität Ausdruck zu verleihen, wenn es uns gelingt, unserer eigenen Wahrheit zu vertrauen und ihr zu folgen, denn nur das schenkt uns inneren Frieden.

Es braucht Zeit und es braucht viel Zeit, in der wir mit uns alleine sind, um Klarheit über das zu gewinnen, was wir wirklich brauchen um ein erfülltes Leben zu leben. Wir wissen, wenn wir jetzt nicht beginnen uns selbst stärker zu leben, sind späterer Kummer und Leid vorprogrammiert.

Wenn wir nicht fähig sind zur rechten Zeit radikale Veränderungen vorzunehmen, um unserem Leben eine Perspektive zu verleihen, die uns wachsen lässt, bleiben wir unzufrieden. Wir irren friedlos durch die Tage bis unsere Zeit gekommen ist für immer zu gehen.

Dissoziation



zerrissen im gemeinsamen 
zurückgeworfen in das eigene
zerrissen in mir selbst


Samstag, 26. Januar 2013

Aus der Praxis - Erfüllte und unerfüllte Beziehungen




Wenn wir eine Beziehung eingehen, entsteht etwas gemeinsames Neues. Über dieses Neue machen wir Erfahrungen, über die Welt und über uns selbst.

Wir erkennen im Spiegel unseres Gegenübers, wer wir sind und wo wir stehen, was uns ausmacht und was wir entwickeln können, um ein ganzer Mensch zu werden. Ohne Beziehungen gäbe es die Möglichkeit für Gefühlserfahrungen, inneres Wachstum und Selbsterkenntnis nicht. In einer erfüllten Beziehung wachsen Partner aneinander und gemeinsam. Sie sind zusammen stärker und bewegen mehr als jeder für sich allein.

Eine erfüllte Beziehung setzt voraus, dass jeder zunächst mit sich selbst gut zurechtkommt, ehe er imstande ist, eine Partnerschaft einzugehen.
Nun gibt es Menschen, die nicht oder nur begrenzt dazu fähig sind, sich selbst zu erkennen und zu fühlen. Wer sich selbst nicht spürt, wer in sich selbst keine Zufriedenheit und keinen erfüllenden Sinn findet, wer nicht sein eigenes inneres Haus bewohnt, in dem er sich mit sich selbst in bester Gesellschaft fühlt, wird unbewusst oder sogar bewusst, immer versuchen das Unverwirklichte im Eigenen in einem Anderen zu finden, mit dem Ziel die eigenen inneren Mängel zu kompensieren und damit auszugleichen. Nicht selten verfügen diese Menschen über die Fähigkeit, genau diese Mängel gegenüber anderen zu verstecken, und Gefühlsmenschen für ihre eigenen Bedürfnisse zu benutzen. Sie sind so durchdrungen von innerer Leere, dass sie, um zu überleben, den anderen brauchen. Wo das "sich selbst genügen" fehlt, herrscht Mangel und Mangel sucht immer nach Erfüllung. Mit anderen Worten: Diejenigen, die mit sich selbst die schlechteste Beziehung führen, suchen sie am intensivsten im Außen.

In jeder Beziehung entstehen Gefühle. Wo Gefühle entstehen, fließt Energie von einem zum anderen und zurück. Lebensenergie. Aber Energie steht nicht unendlich zur Verfügung. Sie ist begrenzt und sie muss immer wieder aufgefüllt werden.

Die größten Energieschenker sind unsere Beziehungen. Und gleichzeitig können sie die größten Energieräuber sein.
Dann nämlich wenn zwei Menschen wesensmäßig nicht zueinander passen. In diesem Fall können sie, auch wenn sie es noch so sehr wollen, nicht wirklich miteinander in Beziehung treten. Wer seelisch-geistig oder auf körperlicher Ebene zu weit voneinander entfernt ist, wird niemals Erfüllung miteinander erleben. Es fehlt der harmonische Gleichklang der Seelen.

Eine gute Partnerschaft bedeutet Energiegewinn und nicht Energieverlust. 
Eine erfüllende Beziehung bedeutet Energiegewinn auf allen drei Ebenen: geistig, seelisch und körperlich. Ist diese Harmonie nicht gegeben führt das zur schleichenden Lebensverarmung der Beteiligten. Das Leben wird ärmer an Zeit, Energie, Kreativität und Freude. Es verliert sukzessive die Kraft zur Selbstentfaltung und zum konstruktivem Handeln. Diese Lebensverarmung tritt ein durch ein ständiges Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Diese bleiben jedoch unerfüllt und ungelebt. Was bleibt sind die Erwartungen an den Partner.

Dies Art von Beziehung entzieht Lebensenergie. Um das zu erkennen, gilt es, die eigene Sensibilität zu schulen, um die feinen Nuancen des Energieraubes wahrzunehmen. Unser Gefühl lügt nicht, ebenso wenig wie unser Körper. Sie melden verlässlich alle Art von Unstimmigkeiten. Wenn der Verstand Unstimmigkeiten meldet, kann er es erklären oder sich zurecht denken, wie wir es haben wollen, wenn die Intuition Unstimmigkeiten meldet, können wir es nicht erklären, aber wir spüren tief im Inneren: Hier stimmt etwas nicht.

Dann ist es an der Zeit sich zu fragen: Was stimmt nicht und vor allem - was raubt mir Energie?
Nach unzähligen vergeblichen Versuchen, dem Partner wirklich auf allen Ebenen nahe zu kommen, fühlt man sich seelisch ausgeblutet. Man fühlt sich unverstanden, ungeliebt, allein gelassen und versinkt in Gefühlen der Trauer, der Frustration, der Wut und der inneren Einsamkeit.

Manche Menschen können diese Gefühle nicht aushalten und machen sich selbst und dem anderen etwas vor. Sie tun so, als ob die Beziehung intakt wäre. Doch so kommt es zu keiner Entwicklung, es kommt zur Stagnation mit den immer gleichen Streitigkeiten und Vorwürfen, ohne dass sich etwas zum Besseren wendet. Am Ende bleiben Beide auf der Strecke. Keiner von Beiden kommt zum wirklichen Leben, weil sie ihre eigene innere Welt und die Scheinwelt der Beziehung nicht hinterfragen und wenn, dann eben nur oberflächlich und in der Hoffnung, dass es eines Tages besser wird. Es wird nicht besser. Am Ende sind alle Energien verbraucht.

Negative Gefühle wie Ärger, Wut, Schuldgefühle, Ohnmacht, Frustration, emotionaler Stress und die tiefe Enttäuschung die aus solchen Beziehungskonstrukten resultieren, machen unglücklich, alt und auf und auf Dauer krank. All dies sind  eindeutige Zeichen und Symptome dafür, dass die Beziehung Lebensenergie raubt. Der Partner wird zur Belastung, zum Stressfaktor, zum Zeiträuber und zum Energieräuber, zur Belastung. In diesen Fällen bedeutet die Beziehung eine Lebensverarmung.

Eine erfüllende Beziehung ist eine lebensbereichernde Gemeinschaft, die das Wachstum und die Potentiale und die Verstärkung der Kraft beider Partner zur Folge hat. In einer erfüllenden Beziehung braucht der eine den anderen nicht, um sich zu füllen, seine inneren Mängel zu kompensieren oder seine Wünsche zu erfüllen.  
In einer erfüllenden Beziehung erfüllt sich all das von selbst. Auch wenn es der größte Traum vieler Menschen ist, sich mit jemandem zu verbinden, um gemeinsame Träume und Pläne zu verwirklichen - entscheidend ist, dass jeder sein eigener Mensch ist, dass die innere Reife, die Träume und Lebenspläne des Partners mit denen der eigenen Seele korrespondieren und das lässt sich nicht hinbiegen.