In der Psychologie gibt es die sogenannte Salutogenese. Entwickelt wurde
sie von dem jüdischen Psychologen Antonovsky während der Behandlung der
Opfer des Holocaust. Er stellte fest, dass obwohl alle die gleichen
schrecklichen Erfahrungen machen mussten, manche stärker und andere
seelisch zerstört waren. Gleiches entdeckte der Arzt und Psychiater
Viktor Frankl, der das KZ überlebte und aufgrund seiner Erfahrungen die
Logotherapie entwickelte. Heute sprechen wir von Resilienz, wenn
Menschen auch angesichts des Schrecklichen, das ihnen widerfährt, nicht
zerbrechen.
Das alles sind Konstruktionen die dabei helfen
sollen zu verstehen warum manche von uns stärker werden und andere
schwächer, ob der Leiderfahrungen, die uns alle im Leben treffen. „Das
Leid ist so groß, wie die Schultern die es tragen müssen“. Ein Satz der
zu oben Erwähntem passt und es für mich ganz gut runterbricht auf
wenige Worte.
Was dem einen den Lebensmut und die Kraft raubt, ist für den anderen Antrieb weiterzumachen, trotzdem.
Für mich ist es genau dieses „Trotzdem“ was Menschen nicht aufgeben
lässt. Dem was ist ins Auge blicken und ihm trotzen, indem man
weitergeht, obwohl es ein verdammt schweres Gehen ist. Dieses Trotzdem
ist kein Trotz, der sich in Widerstand zeigt, es ist etwas völlig
anderes. Wer ein Trotzdem hat, hat eine entscheidende innere Ressource,
die ihn nährt, auch wenn er im tiefsten Tal wandelt und die dunkle Nacht
der Seele kein Ende zu haben scheint. Diese Ressource ist die innere
Sicherheit die Fähigkeit zu besitzen Krisen und Leiderfahrungen
bewältigen zu können. Was dieser Mensch weiß und annimmt ist, dass
Leben eben auch Leid bedeutet und alles was ihm widerfährt Anreiz zum
seelischen Wachstum sein kann, wenn er es denn dazu nutzt.
Ein
solcher Mensch ist das Gegenteil eines verwöhnten Menschen. Er ist nicht
wie der verwöhnte Mensch der Auffassung, das Leben muss immer schön
lieb und gut zu ihm sein, weil er unbewusst der infantilen Haltung
anhaftet, er habe es verdient. Wir haben nichts verdient, weder das
ewige Glück, noch das ewige Leid und Schmerz und Verluste schon gar
nicht. Es geht nicht ums Verdienen. Es geht darum zu begreifen, dass das
Leben voll ist von Möglichkeiten, und alle, aber auch alle, können uns
ereilen. Es gibt Zufälle, es gibt ein Schicksal und es gibt Fehler und
Fehlentscheidungen, die wir auf unserem Lebensweg machen, und dieses
ganze Konglomerat und noch viel mehr, beeinflusst unser Leben. Mit
verdienen hat das absolut nichts zu tun. Das Leben, auch wenn Verfechter
des positiven Denkens oder Bücher wie „The Secret,“ uns glauben machen
wollen, es sei allein das Konstrukt unserer Gedanken, ist nicht,s was wir
absolut in der Hand haben. Sie irren auch wenn sie uns glauben machen
wollen, wer gut ist, dem widerfährt nur Gutes oder wer liebt, dem
widerfährt nur Liebe. So ist es nicht, sagt die Erfahrung von Millionen
Menschen auf diesem Globus.
Wer glaubt, er sei der alleinige
Schöpfer seines Lebens blendet aus, was er nicht sehen will, weil es
seine Allmachtsfantasie aufs Empfindlichste stört: Leben geschieht und
wir haben die Wahl wie wir auf das, was geschieht antworten. Und jede
Antwort ist für den, der sie gibt, erst einmal richtig, richtig im Sinne
seines Selbstverständnisses, seiner Erfahrungen, seiner
Konditionierungen, seiner Überzeugungen und Glaubensmuster, seiner
Resilienz und seiner Fähigkeit „trotzdem ja zum Leben zum sagen“, wie es
Frankl in seinem gleichnamigen Buch nennt. Dieses Ja zu dem was ist,
ist entscheidend um aus dem, was ist, das für uns zu gestalten, was uns
hilft weiter zu gehen auf unserem Lebensweg.
Was aber wenn das Leid zu groß ist für die Schultern, die es tragen müssen?
Wenn Menschen ihr Leben von Kindheit an als brüchig und unsicher
erfahren, fühlen sie sich mitunter ein Leben lang als würden sie auf
unsicherem Boden gehen. Sie haben kein Vertrauen in sich und kein
Vertrauen in Welt. Sie haben es schwer ihr Leben zu gestalten und fühlen
sich als Opfer der Umstände. Sie kennen Gefühle von Unsicherheit und
Hilflosigkeit, aber haben wenig Zugang zu Gefühlen wie Freude,
Zuversicht und Leichtigkeit. Meine Erfahrung ist: Hilft man diesen
Menschen ihre Biografie im Rückblick zu verstehen, finden sie oft doch
noch einen Weg ihr Leben in die Hand zu nehmen und zu gestalten,
trotzdem es nicht so ist, wie sie es gern hätten. Vorausgesetzt da ist
ein Wille es zu tun. Und kann ich es alleine nicht, dann kann ich mir
Hilfe holen.
Namaste Ihr Lieben