Sonntag, 14. Oktober 2018

Ohne Ausnahme

Foto: AW


Wenn wir bedürftig sind akzeptieren wir die bedürftige Seite in uns.
Wir verdammen sie nicht.
Wir verurteilen sie nicht.
Wir schämen uns ihrer nicht.
Wir wollen sie nicht wegmachen.

Wir lassen zu, was in uns ist.

Wir lassen zu, dass wir einen Teil in uns haben, der Menschen braucht, die uns Zuwendung schenken.
Wir lassen zu, dass wir diese kindliche Seite in uns tragen, die sich nach Liebe, Halt, Nähe, Wärme und Geborgenheit sehnt.

Wir lassen zu, anstatt abzuspalten, abzuwehren oder zu kompensieren.

Wir hören auf uns einzureden, wir sind schwach in unserer Bedürftigkeit.
Wir hören auf uns hinter unserer Stärke zu verstecken.
Wir hören auf uns einzureden, wir sind nicht liebenswert in unserer kindlichen Verletztheit.
Wir sagen ja zu diesem bedürftigen Kind in uns.

Wir sagen uneingeschränkt: ja.

Wir sind empfänglich für uns selbst und andere.
Wie erkennen unsere Bedürfnisse an.
Wir erkennen die Bedürfnisse anderer an.
Alle ohne Ausnahme.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Das Trauma Betrug



Zeichnung: Angelika Wende

Es tut weh, es tut sogar verdammt weh. Es ist ein Gefühl, als würde einem der Boden unter den Füßen weggezogen. Es ist eine seelische Erschütterung, die uns von einem Moment auf den anderen in eine dunkle, fremde Welt stößt, in der wir uns aufzulösen scheinen und alles, was wir für vertraut und sicher gehalten haben, zu einer fragwürdigen Größe wird. Wir verlieren den Halt, die Seele schreit vor Schmerz und findet keinen Trost - der geliebte  Mensch, den man so gut zu kennen glaubte, dem man nichts Schlechtes zugetraut hat, hat uns betrogen. Ein Mal, mehrmals, über Wochen oder über eine lange Zeit hinweg. Wir haben nichts davon gewusst. Vielleicht haben wir es gespürt, aber unserem Gefühl nicht vertrauen wollen, vielleicht haben wir dem Partner aber auch gesagt, dass sich da etwas seltsam anfühlt und sind beruhigt worden und haben uns beruhigen lassen, weil wir das so gerne wollten – beruhigt sein und sicher und im Vertrauen uns wiegen dürfen. Aber es war eine Lüge, man hat uns Sand in die Augen gestreut und wir haben dem Sand mehr Glauben geschenkt als uns selbst und unserer Intuition und ihn uns aus den Augen gerieben, weil uns Vertrauen so gut gefällt. Kein Mensch will betrogen werden. Und dennoch geschieht es, der Betrug gehört zum Verhalten des Menschen wie das Lügen. Mittlerweile gibt es sogar Seitensprungagenturen in dem der, der den Partner betrügen will, ohne großen Aufwand findet, was er sucht.

Der Mensch ist unberechenbar und kennen werden wir den anderen nie. Er bleibt ein Fremder, den wir uns vertraut gemacht haben. Der Glaube, den anderen zu kennen, ist eine Illusion. Das Reich der inneren Schatten ist so groß und so dunkel, dass sich sogar der erfahrendste Analytiker bisweilen wundert, was es da so alles an Ungutem zu finden gibt.
Wenn es etwas gibt, das kein tief fühlender Mensch erleben möchte, dann sind es Betrug und Lüge von dem Menschen, den er von Herzen liebt. Eine solche Erfahrung kann die die innere und die äußere Welt zerstören. Sie zerstört unser Selbstbild, sie zerstört das Bild, das wir vom anderen haben und sie zerstört die Geborgenheit der Welt, die wir mit ihm teilen. Sie zerstört den gesunden Boden auf dem gelebt und geliebt wurde und hinterlässt verbrannte Erde. Wie soll da noch einmal etwas wachsen und wohin und wenn wieder etwas wächst – ist es dann nicht eine Pflanze, die ein zersetzendes nachaltig wirkendes Gift in sich trägt?

Wie er einen Betrug empfindet und damit umgeht kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Aber ein Betrug, ganz gleich, ob er verziehen wird, weil man einen Menschen, den man liebt nicht aufgeben will, wirkt nach. Vor allem beim Betrogenen. Er fühlt sich als Opfer, beschämt und ohnmächtig der Tat und den Folgen der Tat ausgeliefert.
Eine solche Erfahrung macht etwas mit der Psyche. Sie erschüttert das Gefühl für die eigene Identität. Selbstzweifel, Wertlosigkeitsgefühle, Wut, Hass, Rachegefühle, Schmerz, Trauer und Verzweiflung  fragmentieren sogar die stärkste Seele. Vertrautes wird fremd – der Partner, die gemeinsamen Erinnerungen, das Jetzt, der Blick auf eine gemeinsame Zukunft wird relativiert und Misstrauen nimmt den Platz ein, wo zuvor Vertrauen und Glaube an den anderen und an die Beziehung herrschten. 

Nicht selten kommt vom Betrüger der Satz: „Es war doch nur Sex. Der Sex hatte nichts mit meinen Gefühlen zu dir zu tun.“
Sexualität ist eine Sprache der Liebe.
Sie geht tief hinein in die menschliche Existenz. Sex ist mehr als eine Begegnung und ein Abagieren zweier Körper. Bei Tieren ist das so, ein reines Ausagieren der Triebe. Das Tier ist unfrei. Es muss seinem Instinkt folgen. Der Mensch aber hat nicht nur ein Herz und einen Bauch, er hat auch eine Vernunft: Er ist frei seinen Trieben zu folgen oder nicht. Er kann entscheiden. Es geht beim Sex um die Begegnung zweier Menschen, insofern ist ein banaler Satz wie „Sex ist nur Sex", unsäglich, weil Sexualität immer den ganzen Menschen umfasst.
 Zwei Menschen haben sich versprochen treu zu sein, einander zu achten, wertzuschätzen udn sich nicht zu verletzen. 
Einen solchen Satz akzeptieren? Nein, das ist kein Ausdruck  von Liebe, es ist Ausdruck der Verachtung von Liebe.

Wie soll man das verzeihen?
Und wenn, mit dem Verzeihen, falls es gelingt, geschieht nicht zugleich das Vergessen. So etwas vergisst man nicht. 
Da sind die Bilder im Kopf vom Partner und dem mit dem er uns betrogen hat, Bilder, die Abneigung hervorrufen können und Abscheu vorm anderen. Da wird das Anfassen des vertrauten Körpers seiner vertrauten Selbstverständlichkeit enthoben, das kommen Gedanken auf wie: War der oder die Andere schöner, zärtlicher, leidenschaftlicher, besser als ich? Da kommen Selbstzweifel und Schuldgefühle auf. War ich vielleicht der Grund, habe ich nicht genug gegeben oder zu viel? Was an mir ist falsch? Was habe ich getan, damit man mir das antut? Da ist die Scham beschämt und beschmutzt worden zu sein. Und da bleibt die große Frage: Warum hast du das getan? Da ist so viel Enttäuschung, so viel Fassungslosigkeit, so viel Wut, so viel Trauer und Schmerz.  

Wie tief und wie nachhaltig der seelische Schmerz ist, wenn der Partner einen Betrug begeht, zeigt eine Studie der Universität Göttingen.
3334 betrogene Männer und Frauen beantworteten einen umfangreichen Fragenkatalog des Psychologen Ragnar Beer. Das Ergebnis: Menschen, die von ihrem Partner betrogen wurden, leiden unter ähnlichen Symptomen wie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung. So haben, laut der Studie, vier von fünf befragten Frauen noch nach sechs Monaten so genannte intrusive Gedanken: Wieder und immer wieder sehen sie die quälenden Einzelheiten vor ihrem inneren Auge - wie ihr Mann eine andere küsst, sie berührt, verführt. Bei Männern sehen die Zahlen ähnlich aus.  „Ein Betrug ist ein Trauma, ähnlich wie Vergewaltigungsopfer oder Unfallzeugen durchleben die Betrogenen die Situation immer wieder, so der Psychologe Ragnar Beer.

Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht als eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis.
Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen in Träumen oder Albträumen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit und das Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Vegetative Übererregtheit, Schlafstörungen und Ängste, bis hin zu Panikattacken, sind keine Seltenheit. Aber auch alte Ängste und alte Verletzungen können durch den Betrug wieder hoch kommen. Das erschwert die Verarbeitung dessen, was im Jetzt ist. Es kommt zu einer Retraumatisierung, der betroffene Mensch ist out of order.

Betrogen werden ist also nichts, was sich mit einem: „Es tut mir leid“ schnell wieder gut machen lässt. Ein Betrug ist eine folgenschwere emotionale Verletzung und eine schwer zu bewältigende Aufgabe für die Seele des Betrogenen, und er ist eine Herausforderung für die Beziehung, will man sie überhaupt weiter führen.
Ich frage mich, was wenn der, der betrügt all das vorher wüsste, würde er dann anders handeln? Die Erfahrung meines Lebens und meine Erfahrung mit Menschen sagt: Leider nein.

Was du als Betrogener tun kannst:
Dein seelisches Wohlergehen hängt nicht davon ab, ob oder wie bald du dem anderen verzeihst. Er hat dich verletzt, er hat nicht an dich gedacht und daran was er dir zufügt. Es geht jetzt nicht darum dem anderen zu verzeihen, sondern jetzt geht es allein darum, wie liebevoll und fürsorglich du mit dir selbst umgehst. 

Wir können Vergebung nicht erzwingen, wir müssen uns zuerst unseren eigenen Gefühlen zuwenden. 
Und das bedeutet: Diese Gefühle zu durchleben und sie auszuhalten. Das Letzte was du brauchen kannst, ist, dass du wieder in die Verdrängung oder in die Abwehr gehst. Tust du das, sagst du NEIN zu dir selbst. Du behandelst dich genauso lieblos wie der andere dich behandelt hat. Fakt ist: Er war nicht loyal. Fakt ist: Er hat in Kauf genommen, dich zu verletzen. Wenn du verletzt worden bist, dann sei solange wütend, traurig, verzweifelt, depressiv wie du es fühlst. Weine, sei wütend, schrei und hab dabei Mitgefühl mit dir selbst. Behandle dich selbst so mitfühlend und liebevoll wie du ein Kind behandeln würdest, das diese Gefühle hat.
Sag dem Kind nicht: Jetzt ist aber genug!, oder: Du musst dich jetzt endlich mal beruhigen.
Sag ihm auch nicht, dass es verzeihen muss, damit es ein guter Mensch ist.
Dein Schmerz kann sich nur auflösen, wenn du dir erlaubst absolut ehrlich zu dir selbst zu sein und das bedeutet, dass du aufhörst etwas von dir zu verlangen, was du gerade nicht kannst. 
Es geht vorbei. Alles geht vorüber.








Montag, 8. Oktober 2018

Sonntag, 7. Oktober 2018

Es ist okay



Malerei: A. Wende

Wenn du so verletzt bist, dass du schreien könntest, dann schrei.
Es ist okay.
Wenn du so traurig bist, dass du zerfließen könntest, dann zerfließe.
Es ist okay.
Wenn du so enttäuscht bist, dass du den Glauben verlieren könntest, dann verliere ihn.
Es ist okay.
Wenn du so verletzt bist, dass du verzweifeln könntest, dann verzweifle.
Es ist okay.
Wenn du dich so elend fühlst, dass du kotzen möchtest, dann kotz es aus.
Es ist okay.
Wenn du so angstvoll bist, dass du dich verkriechen könntest, dann verkrieche dich.
Es ist okay.
Wenn du so einsam bist, dass du heulen könntest wie ein Wolf, dann heule wie ein Wolf.
Es ist okay.

Tu es.
Es ist okay.
Tu es für den Moment, in dem du es brauchst.
Tu es im Wissen: Das sind Momente.
Momente vergehen.

Tu es im Wissen: Du bist viel mehr als diese Momente.
Viel mehr als deine Verletzung.
Mehr als deine Trauer.
Mehr als deine Enttäuschung.
Mehr als deine Angst.
Mehr als deine Einsamkeit.

Du bist Du.
Und das ist viel.
Das ist sehr viel.
Viel mehr als Momente.



Samstag, 6. Oktober 2018

Einfach mal sein lassen



Zeichnung: A. Wende

Manchmal muss man einfach mal sein lassen, was ist.
Manchmal muss man einfach mal abwarten und lassen was ist.
Manchmal muss man einfach mal ja sagen zu dem was ist.
Manchmal muss man einfach mal fließen lassen, was ist.
Manchmal muss man einfach mal loslassen was ist.
Manchmal muss man einfach mal festhalten an dem was ist.
Auch wenn man keine Ahnung hat was wird.

Freitag, 5. Oktober 2018

Ich rate vom Raten ab.

Zeichnung. A. Wende

Ratschläge sind Schläge.
Diesen Spruch haben wir alle schon einmal gehört. Immer und überall werden Ratschläge gegeben. Eltern raten ihren Kindern, Bekannte raten Bekannten, Freunde raten Freunden, und wissen besser, wie wir mit etwas umgehen sollen, müssen. Gute Ratschläge sind gut gemeint, aber sie helfen dem, der sie bekommt, gar wenig oder gar nicht.
Warum?
Weil jeder Mensch anders tickt. Weil keiner die Empfindungen des Anderen spüren kann. Verstehen ja, spüren nein. Verstehen aus seiner Sicht von Welt, aus seinem Erfahrungshorizont heraus, aus seiner Gefühlswelt heraus. Einander verstehen und einen anderen fühlen, ist ein himmelweiter Unterschied. Auch mit noch so großer Empathie gelingt es uns nicht, die Gefühle des Anderen in gleicher Feldstärke zu fühlen und uns in seinen seelischen Zustand oder in sein konkretes Problem einzufühlen.

Jeder von uns hat eine andere Sicht und eine andere Empfindung der Dinge, bewertet Erfahrungen, Situationen und Erlebnisse anders.
Wer rät, steckt nicht drin im Dilemma. Er hat Abstand und das ist genau das, was dem, der Sorgen und Probleme hat, fehlt. Was für den Einen kein Problem ist, ist für den Anderen eine schwere Belastung, die die Seele quält oder ihn verzweifeln lässt.
Da hilft es nichts, zu sagen: Du musst das so und so machen, nur weil man selbst es so und so machen würde. Unser Mitmensch kann es nicht machen wie wir es machen würden, eben weil er ein Anderer ist. Ich weiß aus Erfahrung, dass damit sogar bisweilen eine Gegenreaktion erzeugt wird. Der mit Rat Geschlagene wendet sich ab. Oder der Ratschlagende, weil sein guter Rat nicht befolgt wird, ist beleidigt und wendet sich ab.

Was braucht eine Mensch, der feststeckt, der Sorgen hat, oder gar verzweifelt ist?
Er braucht es ernst genommen werden. Es hilft ihm nicht, dass sein Problem beratschlagt wird. Was dieser Mensch braucht, ist Achtung vor seinem Gefühl, Verständnis für seine Lage, Annahme als der, der er ist und er braucht Trost. Er braucht das Vertrauen, dass er auf seine Weise, in seinem Tempo und in seiner Gangart sein Problem lösen wird. Damit achten wir den Anderen in seinem Anderssein und lassen ihm die Zeit und den Raum, die er braucht, um im Leben seinen ureigenen Weg weiter zugehen. Wir lassen ihm das Seine, auch wenn er in unseren Augen auf dem Holzweg ist, und sind einfach da. Wir hören achtsam zu, wir stellen vielleicht Fragen, wenn er zustimmt, um ihm zu helfen seine eigenen Antworten zu finden. Wir be-und verurteilen nicht, was wir überhaupt nicht beurteilen können. Auch ein: Das wird schon wieder! hilft dem Verzweifelten nichts. Darum mag ich solche Sätze auch nicht. ich bin sogar allergisch dagegen, übrigens auch gegen den Satz: Alles wird gut!
Woher wollen wir das wissen?

Wahr ist: 
Im Moment ist für den, der das Problem hat, nichts gut und das „Alles wird gut!“ Zukunftsversprechen ändert seinen Gefühlszustand in keiner Weise. Wir sind schließlich im Moment, oder?
Es gibt auch den Spruch: Das Leid ist so groß wie die Schultern, die es tragen müssen. Und der ist sehr wahr. Manche Menschen sind nicht so hart im nehmen wie andere. Wie hart einer im Nehmen ist hängt auch von seiner Resilienz ab. Das ist die angeborene Widerstandsfähigkeit (aus dem lateinischen - abprallen) welche die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen bezeichnet. Je höher die Resilienz eines Menschen ist, desto fähiger ist er Bedingungen auszuhalten und zu durchleben, unter denen ein anderer zerbrechen würden. Der resiliente Mensch braucht auch keine Ratschläge, er vertraut sich selbst und seiner Fähigkeit die Dinge zu durchleben, auch wenn sie schwer sind. Übrigens wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind: Eine intakte Familiensituation, ein gut ausgebildetes Urvertrauen, emotionale Intelligenz und die proaktive Herangehensweise an Probleme und Krisen. Das ist nicht jedem gegeben. Wer dies nicht hat erträgt weniger als andere.

Du bist du. Ich bin ich.
Alle Antworten liegen in uns selbst.

Sie offenbaren sich dann, wenn es an der Zeit ist. Und nicht dann, wenn wir das wollen. Manchmal müssen wir mehrere Runden auf der Achterbahn des Lebens drehen bis wir wissen, was gut und was ungut für uns ist. Und manchmal will irgendetwas in uns auch das Ungute, da Drama, erfahren und durchleben.

Unsere Seele will wachsen und die Wege, die sie wählt sind bisweilen unergründlich.
Man muss und kann nicht alles verstehen. Und manchmal gibt es auch keine Lösung oder es gibt sie erst nach langer Zeit. Das zu akzeptieren ist nicht jedermanns Sache, aber hilfreich, denn auch das ist das Leben. Nicht zu wissen, nicht sofort zu wissen und nicht sofort die ultimative erlösende Antwort zu finden.

Mit Ratschlägen wollen wir schnelle Lösungen für andere konstruieren, aus unserem Erfahrungsschatz heraus. Die Erfahrung sagt: Es macht keinen Sinn. Es macht Sinn, anstatt zu ratschlagen, einfach da zu sein, zu begleiten, auch wenn wir das Fühlen und Denken des Anderen für uns selbst nicht nachvollziehen können. Ohne beleidigt zu sein, dass der Andere nicht macht, was wir ihm sagen, weil es doch gut für ihn wäre. Er kann es nicht. Er muss es auch nicht können. Er kann das, was er kann - mit den Informationen, die er zu genau diesem Zeitpunkt hat, als der Mensch, der er zu diesem Moment in der Zeit ist.

Einander achten und einander trösten, das öffnet Herzen.
Das Trösten haben viele Menschen verlernt. Trösten bedeutet: Sich wirklich um ein Verstehen des anderen zu bemühen und das Eigene Gefühlte und Gedachte herauszulassen, sich dem Anderen aufmerksam zuzuwenden, ihn ernst zu nehmen und in seinem Leid anzunehmen. Das ist viel anstrengender und zeitintensiver als ein guter Ratschlag. Das dauert länger als einen Moment und bedeutet - das Eigene nicht mit dem Fremden zu vermischen. Es bedeutet, dem Anderen sein Anderssein zu lassen, auch wenn wir es für uns nicht begreifen können.

Namaste Ihr Lieben