Foto: A.W.
Wenn du das Land verlässt, in dem wir gemeinsam lebten,
mein Sohn,
nimmst du mehr mit als einen Koffer.
Du nimmst die Erinnerungen mit
an unsere gemeinsamen Jahre, unsere Gespräche,
unsere Nähe in all den stillen und lauten Momenten.
Ich bleibe zurück
mit diesen Erinnerungen
mit einem Herzen,
das zugleich schwer und weit ist.
Schwer, weil ich dich ziehen lasse.
Weit, weil ich weiß, dass dein eigener Weg dich ruft und du ihm folgst.
Da ist Trauer, da ist Vermissen
die Sorge, dich nicht mehr nah bei mir zu wissen, nicht mehr schnell für dich da sein zu können, wenn du mich brauchst.
Da ist eine leise Angst, wie dein Alltag aussehen wird in einem fremden Land.
Wer deine Sorgen hört,
wer dein Lachen sieht,
wer dich auffängt, wenn es schwer wird.
Ich weiß, du bist bereit für diesen Weg.
Vielleicht nicht für alles, was dir begegnet,
aber bereit genug, um deinen eigenen Weg zu gehen,
das Vertraute hinter dir zu lassen, Neues zu entdecken,
zu wachsen.
Ich bleibe hier.
Und ich bin nicht bereit für diesen Abschied.
Ich bin hier mit dem Teil in mir, der dich schmerzhaft vermisst, der trauert. Und einem anderen Teil, der stolz auf dich ist und deinen Mut, deinem Herzen zu folgen.
Egal, wie weit du gehst,
egal, wie weit entfernt das Land ist, das jetzt dein Zuhause ist,
es ist derselbe Mond, den wir sehen in der Nacht.
Wenn du das Land verlässt, mein Sohn,
lasse ich dich nicht los, ich lasse dich frei,
in Liebe.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen