Donnerstag, 14. August 2014

Aus der Praxis - Was ist Selbstbewusstsein




Selbstbewusstsein hat nichts mit Erfolg, Geld, Macht, materiellen Dingen, der Anzahl deiner Freunde, deinem Partner oder irgendwelchen äußeren Dingen zu tun. Selbstbewusstsein wird nicht angeboren und es wird nicht vererbt. Selbstbewusstsein ist das Bewusstsein eines Menschen über sich selbst als denkendes und fühlendes Wesen, es ist das Vertrauen in dich selbst und der Glaube an deine Fähigkeiten und deinen Wert als Mensch. Es bedeutet zu wissen, dass du dich selbst halten kannst, auch wenn alles andere wegfällt.


Selbstbewusstsein bedeutet zu spüren, wer du in deinem im tiefsten Wesen bist und welche Stärken und Schwächen, Verletzungen und Potenziale in dir wohnen. Es bedeutet die Verantwortung für dein Denken, Fühen und Handeln zu übernehmen. Es bedeutet dir deiner eigenen Biografie bewusst zu sein, sie zu verstehen und schließlich zu akzeptieren.
Es bedeutet gut mir dir allein sein zu können und zu wissen wer du bist, auch ohne die Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer. Es bedeutet Fehler zu machen und dich nicht dafür zu verurteilen, sondern sie als Lektionen zu begreifen. Es bedeutet für das zu stehen, woran du glaubst und deinen Glauben nicht zu verraten. Es bedeutet nein zu sagen, wo du nein meinst und ja zu sagen wo du ja sagen kannst. Es bedeutet dich nicht zu verbiegen für irgendein "um", sondern dir selbst treu zu bleiben gegen alle Widerstände. Es bedeutet deine eigene Wahrheit zu kennen, sie auszusprechen und nach ihr zu leben.

Es bedeutet auch zu wissen, woran du noch arbeiten kannst. 

Es bedeutet vor allem, dich selbst zu achten und zu lieben in deiner Ganzheit als der Mensch, der du bist. Selbstbewusstsein kommt allein aus dir selbst und deshalb kann mangelndes Selbstbewusstsein nur durch die Arbeit an dir selbst verändert werden.



"Du selbst zu sein, in einer Welt die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft."

Ralph Waldo Emerson

Freitag, 8. August 2014

Aus der Praxis – Die Angst vor neuen Erfahrungen


Der Mensch ist ein handelndes Wesen, das von seinen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Empfindungen dominiert wird. Alle Erfahrungen, die wir in unseren Leben gemacht hat, verdichten sich zu einem begrenzten Feld von Wahrnehmung. Dieses Feld wird zu unserer Realität. Entsprechend dieses Wahrnehmungsraumes fühlt, denkt, bewertet und handeln wir. Das nennt man Selbstkonzept.

Das Bewusstsein über uns selbst, über unsere Fähigkeiten, unsere Potenziale und Eigenschaften, über unsere Stärken und unsere Schwächen lernen wir in der Kindheit durch die Botschaften unserer Bezugspersonen.

Aber schon bevor ein Kind sprechen lernt und Sprache überhaupt verstehen kann, erfährt es durch die Art, wie die Eltern es behandeln, ob es geliebt wird oder nicht. Die Botschaften der Bezugspersonen, ob nonverbal oder verbal, prägen das Selbstkonzept eines Kindes, vom ersten Moment an, wo es auf der Welt ist. 

Ein positives Selbstkonzept entsteht durch Liebe und Anerkennung. Wer beides als Kind nicht erfahren hat, leidet ein Leben lang unter einem instabilen Selbstkonzept.

Ein Mensch mit einem überwiegend positiven Selbstkonzept ist offen für neue Erfahrungen, die ihn bereichern. Menschen mit einem negativen Selbstkonzept dagegen versuchen ihr unsicheres Selbstkonzept zu verteidigen um das Wenige, das sie haben, zu schützen. Sie haben Angst vor jeder neuen  Erfahrung, denn diese könnte ihr Selbstkonzept gefährden und noch mehr in Frage stellen. Neues wird von diesen Menschen als bedrohlich empfunden und deshalb abgewehrt. Sie bleiben im innerseelischen Raum der Kindheitsbotschaften und der Glaubensmuster, die man ihnen über sie beigebracht hat, stecken, unfähig diesen Raum zu erweitern, den man ihnen damals gesteckt hat. 

Das zu verändern, diesen Raum zu erweitern, empathisch, verstehend und mit viel Geduld, ist eine der großen Aufgaben, wenn eine Persönlichkeitserweiterung und damit ein stabileres, positiveres Selbstkonzept das Ziel sind.




Donnerstag, 7. August 2014

verändert



ich habe sie gesehen, die gesichter der mütter und väter, die ihre kinder verloren haben, für eine lange zeit oder für immer.


ich habe sie gesehen, die ohnmacht, die angst, die verzweiflung
und die tränen, die ins nichts flossen.
ich habe es gefühlt, das grenzenlose leid dieser kinder.
ich habe es selbst erlebt wie es ist, das zu fühlen.
es hat mich verändert.

Gedankensplitter




es ist schön einen vernächlassigten garten zum erblühen zu bringen.
ich wünschte es gelänge mir mit der seele des menschen, den ich am meisten liebe.
aber ein mensch ist kein garten.

Mittwoch, 6. August 2014

Aus der Praxis - Energievampire und wie du sie erkennst

 
Wenn dir an einem bestimmtem Ort oder in Gegenwart eines bestimmten Menschen jedes Mal elend zumute ist, ist das ein klares Zeichen, dass du es mit dem Phänomen des Energiesaugens zu tun hast. Was die Orte angeht: Eine Sage berichtet, dass der römische Bauherr Vitruv wusste, Orte haben Energie. Bevor er eine Stadt errichten ließ, setzte er eine Herde Kühe auf den Baugrund. Wenn sie nach dem Grasen gute Milch gaben, wusste er, das ist ein guter Ort zum bauen. Kluger Mann dieser alte Römer, heute würde man sagen er war mit den Energien des Universums verbunden. So ist das mit den guten Orten und ähnlich ist es mit den Menschen, die uns ein guter Ort sind, oder eben nicht.

Menschen, die uns gut tun geben uns Kraft. In ihrer Nähe fühlen wir uns lebendig, voller Energie und Freude. Aber wir alle kennen das Gefühl, wie es ist, wenn wir mit einem Menschen zusammen sind und uns dabei unwohl, matt und irgendwie ausgepowert fühlen. Das Gefühl hält sogar oft noch an, wenn wir uns von diesem Menschen wieder entfernt haben, wir fühlen uns körperlich und seelisch schwach und geistig total energielos. Wenn wir das spüren, sind wir das Opfer eines Energieräubers geworden. Man nennt sie auch Energievampire, das klingt noch gruseliger.

Energievampire sind unter uns, immer und überall, und ihre Opfer sind meist hochemotionale, empathische, sensible und hilfsbereite Naturen. Energievampire haben einen sicheren Instinkt dafür, wo sich das Zapfen lohnt. Den brauchen sie auch, denn sonst würden sie auf Dauer nicht überleben. Sie leben nämlich von der Lebenskraft anderer, wie echte Vampire vom Blut ihrer Opfer. 

Energievampire sind in Wahrheit bedauernswerte Kreaturen, aber Bedauern für andere kennen sie wiederrum nicht. Sie saugen bis ihr Opfer nichts mehr zu geben hat und zwar gierig und gnadenlos. Allein beim Schreiben dieser Sätze wird mir schon ganz schwach zumute, ich gehe gerade innerlich die Liste derer durch, die bei mir zapfen.

Das sollte jeder tun, wenn er dieses Gefühl von Schwäche und Unwohlsein bei oder nach Begegnungen mit einem Mitmenschen spürt. Der Körper lügt nicht, er hat seismographische Antennen und sendet Signale, die wir leider, dank unserem Verstand, nur allzu gern ignorieren.

Fakt ist: Das Zusammensein mit Energievampiren macht krank und zwar nicht nur körperlich, sondern auf allen Ebenen, also auch den Geist und die Seele. Und das ist sehr ungesund. Am Ende hat man selbst soviel Lebenskraft verloren, dass man unweigerlich auch zum Untoten mutiert.

Wer sich mit Energievampiren einlässt bleibt auf der Strecke. Wenn es soweit ist, spürt das der Vampir und sucht sich sein nächstes Opfer. Manche haben sogar mehrere Anzapfstellen, wo sie sich die lebensnotwendigen Saft für ihre blutleere Seele holen.

Und da sind wir schon beim Wesen der Vampire angelangt. Sie sind blutleer, sie sind leidenschaftslos, sie sind innen taub. Dort wo andere Gefühle haben ist eine große Leere. Anstatt sich mit ihrer Gefühlswelt ernsthaft und tief auseinanderzusetzen, töten sie ihre Emotionen ab. Sie schützen sich vor Schmerz, Angst, Wut und Trauergefühlen ebenso wie vor Freude, Lust, Leichtigkeit und Leidenschaft. Sie haben ihr Herz verschlossenen und den Schlüssel schon sehr früh verloren. Energievampire sind meist verletzte Kinder, die im Status ihrer lieblosen Kindheit stecken geblieben sind. Sie sind innerlich tot, weil sie damals alle Gefühle abtöten mussten um emotional zu überleben. 

Man könnte jetzt wirklich Mitgefühl haben oder sogar tiefes Mitleid und genau das haben ihre Opfer dann auch: Mitleid. Das führt dazu, dass sie mitleiden und sich aussaugen lassen bis sie selbst leiden. An dieser Stelle eins: Mitgefühl ist gut, Mitleid ist ungut, denn es ist immer  doppeltes Leid.

Durchdrungen von innerer Leblosigkeit sind die Vampire unterwegs in einem Leben, dem der Sinn fehlt. Dabei wirken sie oft extrem souverän, ruhig, über den Dingen stehend und abgeklärt. Sie sind gut getarnt, deshalb ist es auch so schwer sie auf den ersten Blick zu erkennen. Sie wirken im Grunde genauso wie Fürst Dracula, eine imposante Erscheinung, wäre da sein blutsaugendes Nachtleben nicht und seine fürchterliche Angst vor dem Tageslicht, die ihn wie ein panisches Kind in den Sarg flitzen lässt.

Emotionale Vampire gibt es in vielen Ausführungen. Jene zum Beispiel, die ihr ganzes Leben dem Drama widmen. Sie sind voller Ängste, haben kein Vertrauen in sich selbst und andere und schon gar nicht in Gott und die Welt. Sie sind auf der Schattenseite zuhause und tun alles dafür, das diese Seite niemals vom Licht beleuchtet wird. Sie hängen sich mit ihrer Angst an andere und suchen ständig Trost und Hilfe. Sie sind wie kleine Kinder, die sich alleine nicht raus trauen, sie brauchen den anderen, der sie an der Hand nimmt oder besser noch vorausgeht, um zu sehen, ob die Luft rein ist. Eine weitere Gattung der Blutsauger ist die der Manipulatoren. Sie schaffen es mühelos, dem Opfer das Gefühl zu geben, das es ohne sie nicht leben kann, sie machen andere von sich abhängig, indem sie alles für sie tun und angeblich nichts zurückhaben wollen. Dabei wissen sie instinktiv, dass ständiges Geben dazu führt, den anderen in die Schuld zu setzen, ihn ohnmächtig zu machen, damit er bleibt, obwohl er spürt, dass ihn das zerstören wird. Sie halten ihr Opfer klein und so fühlt es sich irgendwann auch – zu klein um selbst noch etwas auf die Reihe zu kriegen.

Alle Energievampire haben nur einen Antrieb: Sie wollen ihren Durst nach fremder Lebensenergie stillen. Und im Grunde haben sie alle etwas gemeinsam: Sie haben nichts, was sie von Innen hält, keinen Traum, keine Vision, keine Ziele, die sie mit Liebe und Leidenschaft verfolgen. Sie sind ohne Herzblut und genau das saugen sie bei anderen gierig ab.

Aber wie erkennen wir sie?
Wie gesagt: Wenn dir in Gegenwart eines bestimmten Menschen mindestens drei Mal schwach und elend zumute ist, dann weißt du, dass ist das Zeichen, dass du einem Energievampir begegnet bist.

Was ist dann zu tun?
Du könntest ganz schnell wegrennen. Aber die Erfahrung sagt, an der nächsten Ecke wirst du genau wieder so einem Energievampir in die Fänge laufen. Also könntest du dich fragen, was in dir es ist, dass solche Vampire bei dir andocken können. Du könntest dich fragen, wie es mit deiner Abgrenzungsfähigkeit steht, deinen unerledigten Schuldgefühlen aus der Vergangenheit und deiner Liebesfähigkeit und Fürsorge für dich selbst. Und dann könntest du daran arbeiten, bevor du versuchst den Vampir zu befriedigen, indem du ihm das gibst, was du selbst so nötig brauchst: Deine liebevolle Lebensenergie.

Übrigens: Energievampire sind nicht alle hoffnungslosen Fälle, aber sie müssen selbst begreifen, dass das, was sie tun auf Dauer nicht zum Seelenheil führt, sondern nichts weiter ist, als eine sinnleere Existenz auf Kosten anderer. Sie müssen allerdings den Mut haben Licht in ihr eigenes Dunkel zu bringen. Eine fast übermenschliche Herausforderung, scheuen sie doch nichts mehr als selbiges.











Dienstag, 5. August 2014

AUS DER PRAXIS – Die Macht der Erinnerung verstehen und sie entmachten




Jedes Mal, wenn wir mit einer Erinnerung an eine belastende Situation konfrontiert sind, gibt es einen auslösenden Reiz, den man Trigger nennt. Viele der Millionen Reize, die unser Gehirn abgespeichert hat, können durch Dinge ausgelöst werden, die dem ursprünglichen Reiz auch nur im mindesten ähnlich sind. Alle alten Verletzungen sind im Limbischen System des Gehirns abgespeichert und warten darauf, abgerufen zu werden.

Wenn wir als Kind oder irgendwann später in unserem Leben etwas seelisch oder körperlich sehr Belastendes erlebt haben, hat unser Gehirn eine Vielzahl an Reizen (Triggern) abgespeichert, die mit dieser Belastungssituation zusammenhängen. Werden wir nun mit einem ähnlichen Reiz konfrontiert, warnt uns unser Gehirn automatisch, damit wir nicht wieder in die gleiche Situation zu kommen.

Wenn wir getriggert werden fühlen wir uns „wie damals“ als es passierte und wir reagieren „wie damals“, obwohl die aktuelle Situation nicht wirklich mit der alten Verletzungssituation zu vergleichen ist. 
Das Gehirn versucht uns so vor Schmerz zu schützen. Wir reagieren wie damals entweder mit Angst, Lähmung, Widerstand, Rückzug oder Flucht aus der Situation. Das Fatale ist, dass das Gehirn in Momenten wo es solche Reize wahrnimmt, nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden kann. Mit anderen Worten: Für unser Gehirn sind wir immer noch so alt wie damals.

Wir sind Erinnerung und wir reagieren aus Erinnerung heraus.

Aber wir sind dennoch nicht der Sklave unserer Vergangenheit, denn wir können unserem Gehirn beibringen: Du bist heute nicht mehr so klein und du bist heute nicht so hilflos, wie du es damals warst, das ist etwas Altes, das ist vorbei. Wir können unser Gehirn mit neuen Informationen füttern. Wir können lernen, ihm beizubringen, dass wir heute erwachsen sind und die Möglichkeit haben, gut für uns zu sorgen. Wir können unserem Gehirn den Unterschied zwischen Damals und Heute beibringen, selbst wenn wir traumatisiert sind. Wir können neue, heilsame Erfahrungen zulassen. Es dauert bis das Gehirn umlernt, aber es ist möglich. Es ist möglich, in die eigene Kraft zu kommen, sie zu spüren und einsetzen, denn wir können lernen zu unterscheiden, wer in uns reagiert – das innere Kind, unsere alten destruktiven Glaubensmuster und Verletzungen oder der Erwachsene, der wir jetzt sind. Der Erwachsene ist lernfähig. Und mit jedem Lernschritt erfährt er mehr und mehr: Ich bleibe nicht in der Erinnerung stecken, ich bleibe nicht im Käfig destruktiver Gedanken und Überzeugungen sitzen, ich bleibe nicht im Dunkel meiner Erinnerungsbilder zurück, die immer wieder neuen Schmerz verursachen - ich kann etwas tun um meine Gegenwart positiver zu gestalten, auch wenn es dauert.