Sonntag, 25. Januar 2026

Zeit

 



Seit ich in Rente bin habe das Gefühl, die Zeit rast. Nicht, weil mein Leben so voll ist, sondern weil es sich irgendwie leer anfühlt. Es ist als würden mir die Tage wie Sand durch die Finger rinnen. Ich stehe auf, mache die immer gleichen Dinge, erledige dies und das, um die Zeit totzuschlagen. Am Abend bin ich müde und weiß nicht wovon. Wenn ich dann auf den Tag zurückblicke, ist da kein klarer Anfang und kein klares Ende. Nur das ewig Gleiche. Da ist nur eine verschwommene Strecke Zeit, die vergangen ist. Ich frage mich, ob die Zeit schneller geworden ist oder ob ich aufgehört habe, richtig da zu sein. In mir so eine innere Unruhe und zugleich ist da eine Leere, die sich nicht füllen lässt. Alles rast an mir vorbei. Nichts setzt sich fest, nichts bleibt. Alles gleitet weiter, und ich mit. Früher hatte meine Zeit Gewicht. Sie war erfüllt. Sie hat Spuren in meiner Erinnerung hinterlassen. Jetzt ist sie irgendwie leblos. Das Beunruhigende ist nicht nur, dass die Zeit, die mir noch bleibt, so schnell vergeht, ich habe das Gefühl ich vergehe mit ihr. Das macht mich traurig und irgendwie macht mir das auch Angst. Was kann ich nur tun?
Diese Frage stellt mir ein Klient. 
 
Wir alle kennen das Gefühl: Je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit.
Aber so ist es nicht. Objektiv vergeht die Zeit immer gleich.
In unserer subjektiven Wahrnehmung hängt unser Zeitempfinden davon ab, wie viele bedeutungsvolle Erlebnisse wir in der Zeit haben, wie wir sie wahrnehmen und abspeichern. Das Vergehen der Zeit fühlt sich nicht schneller an, weil wir älter werden oder alt sind, sondern weil das Leben im Alter oft gleichförmiger und routinierter wird, weil es weniger Neues gibt, das wir erleben. Klingt paradox, ist aber so. Wenn ich wenig Neues erlebe, wenn ich die immer gleichen Routinen abspule, kommt mir das Vergehen der Zeit schneller vor. Ein eintöniger, langweiliger Tag an dem nichts Besonderes geschieht, fühlt sich zäh an, im Rückblick aber habe ich das Gefühl als sei der Tag einfach so verflogen.
 
Unser Gehirn misst nicht in Zeit, sondern in Erlebnissen.
Viele Erlebnisse, viele neue Eindrücke schaffen viele Erinnerungen und die Zeit wird als erfüllt und länger empfunden. Je weniger geschieht, je unerfüllter an Neuem, je leerer an Inspiration, je weniger neue Herausforderungen und je weniger Begeisterung, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen, weil das Gehirn kein Futter bekommt, was es speichern kann und worauf es dann in der Erinnerung zurückgreifen kann.
Kurz: Je mehr wir erleben, desto länger erscheint uns das Vergehen der Zeit. Je weniger wir erleben, desto schneller erscheint uns das Vergehen der Zeit.
 
Was kann mein Klient tun?
Er muss nichts ändern. Er muss nicht krampfhaft dafür sorgen ständig Neues zu erleben. Eigentlich muss er fast gar nichts ändern. Er hört nur auf, sich selbst weiter zu übergehen. Es beginnt damit, dass er sich erlaubt einfach (da) zu sein. Er zwingt sich nicht mehr, die Leere zu füllen. Er sitzt mit ihr. Das ist am Anfang vielleicht unangenehm, aber ehrlich - es ist wie es jetzt ist.
Mit der Zeit wird er spüren, dass die Zeit dort langsamer wird, wo er nicht mehr flieht, wo er keinen inneren Widerstand mehr leistet, wo er nicht mehr meint, es muss etwas Besonderes passieren. Er kann damit beginnen kleine Dinge bewusst wahrzunehmen und die Dinge bewusst und achtsam zu tun.
Das scheint wenig, aber es ändert viel.
Er darf aufhören seine Tage danach zu bewerten, ob sie erfüllt waren. Er fragt nur: Bin ich wirklich anwesend? Bin ich präsent im Moment? Bin ich achtsam bei dem, was ich tue? Nehme ich wahr, was ich tue?
Und diesem Moment hat Zeit plötzlich Gewicht. Sie rast nicht mehr so. In diesem Gewahrsein vergeht sie langsamer. Und mit der Zeit kann mein Klient vielleicht spüren: Zeit braucht nur mich. Und die Leere wird erfüllter. Er ist wieder bewusst Teil und Gestalter seiner eigenen Zeit.
Die Zeit nimmt ihn nicht mehr einfach nur mit.
Und das ist viel.
 
 
Wenn Du Dich in diesem Text wiederfindest, kannst Du mir gern schreiben. Wir finden heraus, wie es Dir gelingt achtsamer und bewusster mit Deiner Lebenszeit umzugehen.
Kontakt: aw@wende-praxis.de
Angelika Wende

Samstag, 24. Januar 2026

Der Feind in uns selbst

 



Wann immer wir uns selbst anklagen, wann immer wir uns selbst kritisieren, wann immer wir uns klein machen, wann immer wir sagen: "Ich bin nicht genug, nicht wertvoll genug, nicht liebenswert genug", trennen wir uns von uns selbst.
Wir erschaffen einen Feind in uns selbst.
Wir sind jenseits der Liebe.
Die Seele wird nicht durch Selbstanklage befreit.
Die Seele wird durch Selbstannahme und Liebe befreit. 
 
 
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

 

Freitag, 23. Januar 2026

Dankbarkeit

 

                                                           Zeichnung: Harald Keim
 
 
Dankbarkeit drängt sich nicht auf. Sie verlangt nichts.
Sie entsteht in den kleinen Momenten, im Atmen, im Dasein, im Wissen, dass nichts selbstverständlich ist. Dankbar sein heißt nicht, dass alles perfekt ist. Es heißt, das Gute wahrzunehmen, auch neben dem Schweren. Dankbarkeit verändert den Blick, weg vom Wollen, weg vom Mangel, hin zum Genug. Und manchmal ist genau das genug.
Dankbarkeit zeigt sich im Annehmen dessen, was war und was ist. Sie lebt in Erinnerungen, die bleiben dürfen und in Momenten der Stille. 
Dankbarkeit bedeutet, das eigene Leben mit Milde zu betrachten – mit allem, was gelungen ist und allem, was unvollkommen blieb. In dieser stillen Anerkennung wächst Frieden. 
Nicht laut, nicht fordernd, sondern leise und sanft.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Lebensreflexion – achtsam die eigene Geschichte betrachten

 



Lebensreflexion – achtsam die eigene Geschichte betrachten

 

Im Leben fragen wir uns manchmal: „War es das jetzt?“
„Warum habe ich so und nicht anders entschieden?“
„Was habe ich erreicht – und was ist noch offen?“
„Was möchte ich noch erleben, bewirken oder gestalten?“

Manche Menschen suchen einfach einen empathischen, achtsamen Zuhörer, um ihre Geschichte zu erzählen. Andere möchten herausfinden, welchen Sinn ihr Leben bisher hatte und wie es weitergehen kann, wenn alte Orientierungspunkte verloren gegangen sind.

 

Dazu biete ich die Lebensreflexion an.

 

Die Lebensreflexion ist eine Form der Biografie- und Erinnerungsarbeit.
Meine Rolle ist die eines einfühlsamen Gegenübers: Ich höre achtsam zu, stelle behutsam Fragen und unterstütze Sie dabei, Ihrer eigenen Lebensgeschichte Sinn und Bedeutung zu verleihen. Auch belastende oder tragische Ereignisse können so neu eingeordnet, verstanden und verarbeitet werden. Beim Erzählen können bisher unerkannte Zusammenhänge sichtbar werden, Wertschätzung für das Vergangene entstehen und es darf sich eine heilsame Perspektive auf Ihr Leben zeigen. So können eigene Stärken, Potenziale und Fähigkeiten klar erkannt und bewusst für die Zukunft eingesetzt werden.

Im Kern geht es darum, Vergangenheit und Gegenwart zu integrieren, sie zu verstehen und anzunehmen.


Wie Erik H. Erikson es formulierte:„Die Entwicklungsaufgabe am Ende des Lebens besteht darin, Integrität zu erreichen – die eigene Biografie anzunehmen. Die Zusammenfassung und Bewertung unseres gelebten Lebens ist der Schlüssel zu Versöhnung und Akzeptanz. Und Akzeptanz ist der Schlüssel zu innerem Frieden.“

 

Erzählen Sie Ihre Geschichte, ordnen Sie Belastendes neu und entdecken Sie Ihre Stärken.

 

Wenn Sie Interesse haben oder Fragen zur Lebensreflexion, lade ich Sie herzlich zu einem kostenfreien Erstgespräch ein.

Ich freue mich auf Sie!

 

Kontakt: aw@wende-praxis

Mob. +49 171.9322364

 

Montag, 19. Januar 2026

Neues Wissen in neuen Lebensphasen

 



Hab keine Angst. Dieses Mal fängst du nicht bei null an, sondern mit Erfahrung.
Sitmmt das?
Nicht ganz.
Es wäre eine Täuschung zu glauben Neues allein mit Altem bewältigen zu können. Es wäre eine Täuschung, wenn man glaubte, was früher einmal funktioniert hat, funktioniert weiter.
Für manche Übergänge im Leben, besonders für neue Lebensphasen, brauchen wir mehr als alte Erfahrung.
Übergänge bedeuten: wir müssen lernen uns an etwas Unbekanntes anzupassen.
Wir müssen lernen eine neue Identität zu erschaffen. Identität verändert sich in neuen Lebensphasen, es ist geradezu ihr Wesen, dass sie sich in einem ständigen Prozess der Veränderung befindet. Da ist das Leben, das gelebt wurde und das Leben, das noch gelebt werden will. Wir brauchen neues Wissen und neue Werkzeuge um mit dem Unbekannten umgehen zu lernen, um uns neu zu orientieren, Unsicherheiten abzubauen und unsere Identität neu zu definieren.
 
 
„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“
– Laotse

Sonntag, 18. Januar 2026

Schritte

 



 

Wenn du etwas verändern willst, sei so sanft, geduldig, liebevoll und ermutigend mit dir selbst, wie du es mit einem kleinen Kind wärst.

Du machst Schritte, Tag für Tag, egal wie groß oder wie klein sie sind.

Manchmal stolperst du.

Manchmal fällst du hin.

Manchmal ruhst du dich aus vor dem nächsten Schritt.

Und du stehst wieder auf, wie dieses Kind.

Und du gehst weiter.

Es gibt Rückschritte und es gibt Fortschritte.

Du machst Schritte.

Das ist es, was zählt. 

Und jeder dieser Schritte zählt.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Selbstverrat

 



 

Du kannst ein unheilsames Muster nicht ändern, indem du es mit dem Verstand
erkennst.

Um zu heilen, musst du fühlen.

Und um zu fühlen, darfst du deine Gefühle nicht vermeiden.

Du musst dich ihnen zuwenden und durch Erleben lernen.

Wissen entsteht durch Analyse. Erkenntnis entspringt dem Verstand.

Heilung entsteht durch Fühlen, was der Verstand vermeidet.

Wenn dein Verstand die Macht über dein Herz hat, unterdrückst und ignorierst du deine wahren Gefühle.

Du vermeidest die Wahrheit, weil du dich ihr nicht stellen willst und bleibst in deinem Muster gefangen.

Du verrätst dich selbst, wenn du deine innere Wahrheit ignorierst.

Deine Seele spürt, wenn du dich selbst verrätst. 
Sie wird dich immer wieder mit schmerzhaften Situationen konfrontieren. 
Sie wird dich solange leiden lassen, bis dein Leiden so groß wird, 
dass du bereit bist dich deiner Wahrheit zu stellen. 
Schmerz ist ein Lehrer, der solange auftaucht bis du begreifst: 

Aus Selbstverrat kann nichts Wahrhaftiges entstehen.

 

 

Link zum Buch: https://buchshop.bod.de/die-magie-beginnt-in-uns-angelika-wende-9783819246388