Samstag, 26. Juli 2025

Wie Wachstum aussehen kann

 

                                                                     Foto: A.Wende


 
Ich kann das nicht – Ich lerne noch
Das ist viel zu schwer – Es wird leichter werden, wenn ich dranbleibe
Ich habe Angst – Ich gehe mit der Angst
Ich darf keine Fehler machen – Durch Fehler lerne und wachse ich
Ich kann nicht mehr – Ich versuche einen anderen Weg
Ich weiß nicht wie es geht – Ich kann lernen wie es geht
Ich bin fühle mich nicht gut genug – Ich kann lernen mich besser zu fühlen
Ich kann nichts ändern – Ich kann lernen es zu ändern
Ich vertraue mir nicht – Ich kann lernen mir zu vertrauen
 
 
 

Freitag, 25. Juli 2025

"Be water, my friend"

 

                                                                 Foto: A. Wende

 

Bruce Lee's "Be water, my friend

ein Satz, den ich immer mehr fühlen kann.

Nichts kann ich erzwingen.

Nichts kann ich wegmachen, was nicht wegzumachen ist.

Nichts kann ich geben, was mir nicht gegeben ist.

Nichts kann ich einfordern, was nicht zu mir will.

Nichts festhalten, was mich verlassen will.

Nichts verdrängen, was ist und gesehen werden will.

Nicht dem Widerstand leisten, was angenommen werden will. 

Nicht fight and flight.

Nicht push and pull.

Es geschehen lassen.

Im Fluss sein.

Flexibel bleiben.

Mich nicht versteifen, sondern angemessen reagieren auf das, was jetzt ist.

Mich wie das Wasser, das sich jeder Form anpasst, anpassen. 

Be water my friend ... 

Donnerstag, 24. Juli 2025

Eine erschütternde Wahrheit

 

                                                                  Foto: A.Wende


Du lebst Jahre in der Überzeugung, dass alles, was du weißt, alles was dich und dein Leben ausmacht, wahr und echt ist. Du vertraust auf den oder die Menschen um dich herum, du fühlst dich sicher und gehalten und bildest deine Überzeugungen auf der Grundlage ihrer Worte und Taten. Doch eines Tages kommt der Moment des Erwachens in Gestalt einer erschütternden Wahrheit, die alles in Frage stellt, was dein Leben ausmachte. Du erkennst, alles, was du für wahr gehalten hast, alles woran du geglaubt hast, alles worauf du deine Identität gebaut hast, war nichts weiter als eine Illusion. Diese Entdeckung reißt dir den Boden unter den Füßen weg. 
 
Da ist Fassungslosigkeit. Ein überwältigender Schock. Der Verstand wehrt sich gegen die Realität, versucht verzweifelt sie zu begreifen und irgendwie einzuordnen, während das Herz vor Schmerz schreit. Du wurdest belogen, betrogen und verraten. Du dachtest, dass alles echt war und du fragst dich: Wie konnte ich nur so blind sein? Wie naiv, wie dumm und wie gutgläubig war ich? Was habe ich verdrängt? Wem kann ich jetzt noch vertrauen?
Und vor allem fragst du dich: Wie kann ich mir selbst noch vertrauen?
Das ist das Schlimmste am Verrat, er lässt dich an dir selbst zweifeln. Du hast das Gefühl, dass du dich nicht einmal mehr auf dich selbst und deine Wahrnehmung verlassen kannst. Du hast in einer Welt gelebt, die nicht wahrhaftig war. Du hast in einer Welt gelebt, die eine Lüge war. Sie war nicht echt. Und jetzt weißt du es und du weißt nicht mehr was und wem du überhaupt noch glauben kannst. Du weißt nicht einmal mehr ob du jemals wieder vertrauen kannst. Das ist die tiefste Wunde, die ein Verrat hinterlässt: Die Welt ist ein unsicheres Gebiet geworden.
Nie mehr, sagst du dir, wirst du so naiv sein, nie mehr wirst du so blind vertrauen. Und du legst einen Panzer um dein Herz. 
 
In diesem Chaos liegt das Gefühl von Verlust.
Der Verlust von Vertrauen, Glauben, Sicherheit, Liebe und der Annahme, dass deine Welt ein sinnvolles, zusammenhängendes Ganzes ist. Mit der Zeit wandelt sich dieses innere Chaos in Trauer. Trauer um die Beziehung(en), die auf falschen Annahmen aufgebaut waren, Trauer um die Zeit, die du in einem illusionären Leben verbracht hat. Trauer um dein „altes Ich“, dessen Identität auf einer Lüge basierte. Diese Trauer kann sich wie ein Schatten über alles legen und ein tiefes Gefühl der Verlassenheit und inneren Einsamkeit hervorrufen. Du verkriechst dich vielleicht, ziehst dich in die selbstgewählte Isolation zurück, willst mit den Menschen und der Welt da draußen nichts mehr zu tun haben. Du fragst sich, ob du diese Enttäuschung jemals überwinden wirst oder ob du für immer in dieser dunklen Erkenntnis gefangen bleibst. Du fragst dich vielleicht sogar, ob es besser gewesen wäre, mit einer Lüge weiterzuleben, wenn dadurch der Schmerz weniger wäre.
Wut kann aufkeimen. Wut auf dich selbst, dass du so blind gewesen bist, Wut auf die, die dich jaherlang in die Irre geführt haben. Diese Wut kann eine kathartische Energie freisetzen. Anklagen, vielleicht Rachegefühle oder den Drang, dich von diesen Menschen, die dich verletzt, belogen und betrogen haben, die dein Vertrauen und deine Liebe missbraucht haben für immer zu verabschieden. 
 
Wie kommst du über eine solche Erschütterung hinweg?
Fakt ist: Die Wahrheit ist ans Licht gekommen und sie verändert dich und dein Leben.
Fakt ist: Lieber eine brutale Wahrheit als weiter die ahnungslose Marionette einer Lebenslüge zu sein, die an Fäden hängt, die andere für dich führen.
Fakt ist: Die Wahrheit macht frei, auch wenn du das jetzt noch nicht glauben kannst.
 
Du könntest ewig Fragen nach dem Warum stellen.
Warum hat man dir das angetan?
Aber keine Erklärung, keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung wird deinen Schmerz lindern. Nichts davon kann ungeschehen zu machen sein, nichts dein verlorenes Vertrauen reparieren. Es ist verloren, weg, nicht mehr da. Nur du bist noch da und dieser Schmerz, der dich innerlich zerreißt.
Weine es raus, weine um das, wovon du dachtest, dass es wahrhaftig war, weine um den Verlust, den du erlitten hast. Lass deine Wut raus, schrei, fühle, was immer du fühlst, aber hör auf nach einer Erklärung zu suchen. Hör auf dich selbst zu fragen, was du anders hättest machen können, hör auf dir die Schuld zu geben oder dich dafür zu schämen, dass du vertraut und geliebt hast.
Der Verrat sagt absolut nichts über dich aus.
Er sagt alles über den oder die, die dich verraten haben. Es war ihre Entscheidung, nicht deine. Es lag nicht in deiner Macht. Und es hat absolut nichts mit dir und deinem Wert als Mensch zu tun.
Was in deiner Macht liegt ist, wie du die Lüge bewertest und wie du auf sie antwortest. Letztendlich liegt es an dir, wie du mit dem, was dir widerfährt, umgehst. 
 
Die Entdeckung einer Lüge hat nicht nur destruktive Auswirkungen. 
Die Wucht dieser Kränkung kann ein Katalysator für dein persönliches Wachstum sein. Sie zwingt dich dazu, genauer hinzusehen und dein Leben und deine inneren Überzeugungen zu hinterfragen. Sie ist eine Möglichkeit deine Grenzen zu erforschen und sie setzen zu lernen, nicht aus Angst, sondern aus Selbstachtung und dem Gefühl für deine Selbstwürde, wenn du das bisher nicht konntest. Sie kann zu einer komplexeren, authentischeren Wahrnehmung der Welt führen. Sie kann dazu führen deine eigene innere Wahrheit zu suchen und neue Beziehungen zu gestalten, die auf Ehrlichkeit und Vertrauen basieren.
 
Jeder Lüge, jeder Verrat ist eine Chance.
Sie birgt die Möglichkeit dankbar zu sein, nicht für das, was du erleben musstest, sondern dafür, was du daraus lernen darfst, dafür, dass du jetzt weißt, was du nie mehr akzeptieren und nie mehr mit dir machen lässt. Du kannst daran wachsen, du kannst klarer, stärker und mutiger werden und lernen für dich einzustehen.
Du bist viel stärker als das, was man dir angetan hat.
Du wirst darüber hinauswachsen. Du wirst eine neue Identität erschaffen – frei von Lügen. Und das Gift der Lüge wird nach und nach aus deinem Leben verschwinden. Du wirst nicht mehr das ohnmächtige Opfer fremder Mächte sein, sondern selbstermächtigt. Du wirst es überleben, auch wenn es weh tut, auch wenn es dauert. Du schaffst das. 
 
Jede entlarvte Lüge, jeder Verrat ist eine Möglichkeit das gebrochene Fundament deines Lebens neu zu gestalten, um eine Gegenwart zu schaffen, die authentisch und wahrhaftig ist.
Eine Lüge kann deine Welt erschüttern, doch die Wahrheit, hat die Kraft, sie wieder neu aufzubauen. Im Prozess der Neugestaltung deines Selbst kann eine innere Stärke hervortreten, die das Leben in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt. Auch wenn es dauert, auch wenn du es jetzt nicht gauben kannst, am Ende des Prozesses wartet die Freiheit du selbst zu sein. 
 
 
"Die Wahrheit ist eine unzerstörbare Pflanze. Man kann sie ruhig unter einem Felsen vergraben, sie stößt trotzdem durch, wenn es an der Zeit ist."
Frank Thiess
 
Angelika Wende

Mittwoch, 23. Juli 2025

Die Magie liegt in der Mitte

 

                                                       Malerei: A.Wende

 

Kann man trotz der Trauer lächeln? Trotz einem gebrochenen Herzen Freude empfinden? Trotz der Angst Selbstvertrauen haben? Trotz verletzt sein stark sein? Sich verloren fühlen und sich trotzdem sicher fühlen? Traumatisiert und selbstbewusst sein?

Man kann.

Scheinbar widersprüchliche Gefühle können aufgrund der Komplexität menschlicher Emotionen nebeneinander bestehen. Gefühle können koexistieren. Wir Menschen können eine Reihe von Emotionen gleichzeitig erleben, auch wenn sie widersprüchlich erscheinen.

Dies geschieht, wenn verschiedene Aspekte einer Situation unterschiedliche emotionale Reaktionen hervorrufen oder wenn vergangene Erfahrungen, innere Überzeugungen, Bedürfnisse und Wünsche in uns kollidieren.

Scheinbar widersprüchliche Gefühle zu empfinden ist vollkommen normal, das eine schließt das andere nicht aus.

 

Ein dumpfer Geist trennt und schließt aus.

Ein weiser Geist weiß um den Mittelweg.

Die Magie liegt in der Mitte.

 

Dienstag, 22. Juli 2025

Verluste

 



Ich lebe, ich bin noch da, aber tief in mir fühlt es sich an, als sei etwas abgeschnitten. Ich spüre keine Freude mehr, ich habe kein Gefühl mehr von Lebendigkeit, ich fühle mich wie betäubt, innerlich bin ich leer, mein Herz ist schwer.
Diese Worte höre ich oft in der Arbeit mit Menschen und oft ist dieser Zustand Folge eines Verlustes. Dabei spielt es keine Rolle was verloren ist, entscheidend ist die Bedeutung, die das Verlorene für uns hatte. Je mehr Sinn es in unserem Leben hatte, desto schmerzhafter ist der Verlust.
 
„Verluste gehören zum Leben“, kennen wir alle, den Satz. Aber im Zustand der Trauer und der Orientierungslosigkeit, die ein großer Verlust nach sich zieht, hilft er uns nichts. Auch die Aufforderung das Unabänderliche loszulassen hilft uns nichts.
Wir fühlen uns lost, verloren, ohne den Anker, den das Verlorene für uns bedeutete.
Wir alle brauchen einen Anker, etwas an dem wir uns festhalten können. Am besten wir selbst sind dieser Anker, aber auch das ist so leicht gesagt.
Überhaupt, all das leicht Gesagte ist nicht leicht lebbar.
 
Der Kopf kann uns hundert Mal einsagen, was gut für uns wäre, das Gefühl kommt nicht mit.
Wie soll ich fühlen, was ich denke?
Es funktioniert nicht.
Gedanken sind das eine, Gefühle sind das andere.
Gedanken und Gefühle beeinflussen einander und manchmal sind sie im Widerstreit miteinander.
Ich kann mir Akzeptanz und Loslassen nicht denken.
Ich kann es geschehen lassen.
Und dieses Geschehen lassen braucht Zeit.
Und manchmal braucht es viel Zeit.
Je größer der Verlust, desto mehr Zeit braucht es um damit klarzukommen. In der Zwischenzeit ist da genau der Zustand, den ich oben beschrieben habe.
Und den gilt es auszuhalten.
 
Nicht drängen, nicht etwas von uns selbst erwarten, wozu wir noch nicht fähig sind. Nicht drängen lassen.
Es da sein lassen, auch wenn es sich nicht gut anfühlt.
Damit leben, auch wenn es sich nicht gut anfühlt und von der Illusion ablassen, dass alles, was schmerzt, schnell wieder gehen muss. Egal in welcher belastenden Situation wir sind, der größte Fehler ist uns zu drängen, dass es schnell weggehen soll.
 
Wir können nicht heilen, wenn wir vor unserem Schmerz weglaufen. Der einzige Weg geht durch ihn hindurch. Wir müssen mit unserem Schmerz sitzen. Vielleicht sogar länger als uns lieb ist. Aber, der Schmerz, den wir jetzt fühlen, ist nicht das Ende unserer Geschichte. Er ist ein Teil unserer Geschichte. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er weniger wird. 
 


 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Freitag, 18. Juli 2025

Die Vorstellung des Nichts im Tode

 




Seit meinem Stromschlag denke ich wieder einmal mehr über den Tod nach, der ja kommen wird, auch wenn er mich jetzt noch nicht haben wollte. Und ich denke an das Konzept vom ewigen Leben, an das viele Menschen glauben und an das ich nicht glaube. Mir stellt sich bei dem Konzept vom ewigen Leben immer wieder die Frage: Warum sollte dieses zeitlose unzerstörbare Zuhause existieren?
Weil der Mensch nicht willens oder fähig ist, sich selbst als vergänglich zu sehen, seiner Zerstörbarkeit und seiner eigenen Sterblichkeit ins Auge zu blicken, nicht willens anzuerkennen, dass es Lebendiges gibt, das leblos und tot werden kann, sich auflösen kann, vergehen kann, zu Staub werden kann, zu Nichts?

Das Nichts.
Der Mensch kann sich das Nichts nicht vorstellen.
Dazu reicht die Vorstellungskraft des menschlichen Gehirns nicht aus. Er kann sich nicht vorstellen wie es ist, wenn es überhaupt nichts gibt. Er kann sich das Nichts nicht vorstellen, denn könnte er es, wäre es ja wieder etwas und nicht Nichts.

So sucht er seine Rettung vor dem Unvorstellbaren in der Vorstellung vom ewigen Leben, vom zeitlosen unzerstörbaren Zuhause des Selbst. Für mich ist diese Vorstellunge die Abwehr der Angst vor dem eigenen Tod, dem Eingehen ins Nichts. Man könnte sagen: eine omnipotente Strategie der Verleugnung des eigenen Verschwindens ins Nichts.
Ich glaube, je einverstandener man mit dem gelebten Leben ist, desto weniger hat man Angst um die Nichtexistenz des eigenen Selbst und desto weniger wird man sich an die Vorstellung eines zeitlosen unzerstörbaren Zuhauses klammern.

Wenn alles Wandel und Veränderung ist, gibt es auch kein festes und kein ewiges Selbst, an das es sich zu klammern lohnt. Dieses Anklammern des Menschen an etwas, das er als sein unzerstörbares Selbst betrachtet, ist eine der Wurzeln des Leidens.
Wie sagte Frida Kahlo einmal: "Ich erwarte freudig den Ausgang – und hoffe, nie wieder zurückzukehren."
Das hoffe ich auch. 

Und bis dahin ... Viva la Vida!


Donnerstag, 17. Juli 2025

Carpe Diem


 
Ich renoviere gerade meine Wohnung. Während ich die Fliesen im Bad streiche, sehe ich die alte Lampe über dem Spiegel, die ich für tot halte. Ich beschließe sie anzuschließen, um zu sehen, ob sie noch funktioniert.
Zack! Ein lauter Knall und ein Gefühl, als würde ein Blitzeinschlag direkt in meiner Hand zünden. Mein Herz rast, ich zittere am ganzen Körper und denke: „Wow, das war´s jetzt.“
Mit Herzklopfen, zitternd und schwindelig, befrage ich Dr. Google, was ich machen soll. Ist ja sonst keiner da, den ich fragen kann. Der meint: Auch nach einem kleinen Stromschlag soll man unbedingt den Arzt rufen und sich gründlich durchchecken lassen. Insbesondere das EKG gibt Aufschluss über Herzrhythmusstörungen.
Hm, ich rufe ja nicht so gern den Notarzt, was ein Act, aber als ich an mein Herz denke, das so bedrohlich klopft und an meine angeborene dritte Leitung zu viel, die schon ohne Stromzufuhr ab und zu außer Takt gerät und wie irre losrast, hab ich es doch gemacht. In drei Minuten war er da.
In die Augen geleuchtet, EKG gemacht. „Alles gut“, meint er und ich soll mich 24 Stunden beobachten und sofort wieder anrufen, falls es mir schlechter geht und, ich solle doch in Zukunft die Sicherung rausdrehen, bevor ich mich am Strom vergehe.
Tja, wie blöd kann man sein.
Jedenfalls, ich habe großes Glück gehabt. Ich bin noch am Leben und sehr dankbar, dass ich es noch bin und für die zündende Erinnerung: Das Leben kann verdammt schnell vorbei sein. Das wusste ich zwar schon immer, aber gefühlt ist es was anderes.
Also, Carpe Diem, mach das Beste aus jedem Tag, du weißt nie, wie lange du es noch kannst.

I am still here and that is everything.