Montag, 14. Juli 2025

Unsere eigene Geschichte

 

Die meisten Menschen tragen ihre Wunde mit sich herum, als wäre sie die Person, die sie sind, und erkennen nicht, dass es nur die Wunde ist, die sie mit sich herumtragen. Sie sind so damit identifiziert, dass sie sich nie fragen, ob es einen Ausweg gibt, oder sie sind davon überzeugt, dass es ihn nicht gibt und sich die Mühe nicht lohnt, ihn zu finden.
Dabei haben wir alle haben die Chance zu erfahren, wer wir wirklich sind, jenseits der Geschichten unserer Kindheit, wenn wir uns auf den Weg machen.
 
Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Wunden, die einzigartig sind.
Daher hat jeder Mensch seinen eigenen Weg, um zu genesen. Was für den einen hilfreich ist, ist es für den anderen nicht. Was bei einem wirkt, wirkt beim anderen nicht. 
 
Heilung ist eine sehr persönliche Reise.
Sie erfordert die Bereitschaft unseren ureigenen Weg zu finden.
Dann, wenn wir ihn gehen, wird es unsere eigene Geschichte.
 
 

Alles, was uns passiert, kann zu einem Segen werden.
Wenn wir ein Trauma oder Schmerzen erleiden, ist das für uns das Schlimmste auf der Welt. Aber wenn wir den Schmerz verarbeitet haben, wird er zu etwas, das uns Kraft gibt. Er wird zu etwas, das uns als Wegweiser und Lehrer dient.
 
Wir alle sind hier, um einander zu helfen zu heilen. Wenn ich nur einem Menschen helfen kann, sich besser zu fühlen, dann folge ich meiner Bestimmung. 
 
 

 
 
 
 
 
Angelika Wende

Sonntag, 13. Juli 2025

Schatten

 



Du denkst du hast etwas abgeschlossen und deine Lektion gelernt. Du denkst, das wird dir nie mehr in ähnlicher Weise passieren und wähnst dich immun. Und dann holt dich die Erinnerung, mitsamt allen Gefühlen, in Gestalt des Ähnlichen wieder ein. Du denkst, das kann doch nicht wahr sein. Du bist verwirrt und spürst wie dich das, was du abgeschlossen zu haben glaubtest, wie magisch anzieht.
Und dann begreifst du: Es gibt Dinge und Menschen, die dich immer magisch anziehen werden, das wird sich nicht ändern. Da ist etwas in dir, was damit in Resonanz geht, was so intensiv ist, dass es dich reizt. Da ist dieser Teil in dir, nenn es Schatten, den du nicht los wirst, weil es eben ein Teil deines Ganzen ist. Der bleibt. Was sich aber ändert, ist deine Reaktion darauf.
Du lässt die Finger davon, auch wenn es dich magisch anzieht.
Du widerstehst der Versuchung und backst dir ein Ei drauf.

Samstag, 12. Juli 2025

Aus der Praxis: Gewalt in Beziehungen

 

                                                                 Malerei: A.Wende



Die Gewalt ist ein Bereich undurchdringlicher Dunkelheit des Menschseins, den wir niemals vollständig begreifen werden. Der Mensch ist zu allem fähig, zu Liebe und Mitgefühl ebenso wie zur Grausamkeit und zur Zerstörung.

Wenn die Gewalt spricht, schweigt das Argument.
Menschen können zu gewalttätigen Monstern werden. Darin zeigt sich die dunkle Seite ihres Menschseins. Gewalt ist eine für jeden von uns zugängliche Handlungsoption. Wo Gewalt ausgeübt wird gibt es Täter und Opfer. 

 

Gewalt, egal ob es emotionale, psychische oder körperliche Gewalt ist, wirkt auf den Körper, sie hinterlässt tiefe Spuren an Körper und Seele. Gewalt verletzt und verursacht Schmerzen ud Leid. Wenn uns Gewalt widerfährt ist nichts wie zuvor. Für den Täter ist es das Gefühl von Allmacht, das er empfindet, für das Opfer ist es das Gefühl absoluter Ohnmacht.

 

Gewalt in Beziehungen verändert die Bedingungen unter denen Menschen einander begegnen, denn nach der Gewalttat ist nichts mehr wie es zuvor war.

Dennoch bleiben viele Opfer von Gewalttätern in diesen Beziehungen.

Sie versuchen die Gewalt als Ausnahmehandlung des anderen zu rationalisieren, sie versuchen sie wegzuerklären um ihre Fassungslosigkeit zu domestizieren.

Sie versuchen den, der ihnen Gewalt angetan hat, zu verstehen.

Sie suchen nach Rechtfertigungen, nach Erklärungen, nach Entschuldigungen für den Täter. 

Sie wenden sich dem Täter und seinen Absichten und Motiven zu und nicht den eigenen Gefühlen.

 

Die Intention des Täters verstehen zu wollen gehört immer zum Erleben des Opfers.

Das liegt daran, dass wir Menschen nicht nur auf Handlungen reagieren, sondern nach den dahinterliegenden Absichten fragen.

Wir fragen uns: Ist die Gewalt, die mir angetan wurde, absichtsvoll oder versehentlich geschehen, aus dem Affekt heraus oder mit Vorsatz?

Ist die Gewalt mit Erniedrigung und Demütigung verbunden?

Was habe ich getan, dass mir Gewalt widerfährt?

Womit habe ich den Täter vielleicht provoziert?

Was hat er für Probleme?

Welche Umstände haben es ihm ermöglicht, seine Hemmungen abzulegen?

Was wird durch die Gewalt mitgeteilt?

All das hat einen Einfluss darauf, wie eine Gewalttat bewältigt wird und wie Menschen auf sie antworteten.

 

In der Definition des Soziologen Heinrich Popitz ist Gewalt „eine Machtaktion, die zur absichtlichen Verletzung anderer führt, gleichgültig, ob sie ihren Sinn im Vollzug selbst hat, als bloße Aktionsmacht, oder, in Drohungen umgesetzt, zu einer dauerhaften Unterwerfung, als bindende Aktionsmacht führen soll“.

In dieser Definition liegt die Antwort: Bei jeder Art von Gewalt geht es um Machtausübung über andere. Darin liegt der Ursprung von Gewalt: "Ich erhebe mich mächtig über dich und versetze dich in Ohnmacht."

 

Wer ohnmächtig ist, ist hilflos, gelähmt, handlungsunfähig, erstarrt.

Er ist manipulierbar und kontrollierbar.

Er ist seiner Ich – Stärke und seinen Selbstwertes beraubt. Er ist in seiner Würde verletzt.

Er ist Opfer.

Ein Opfer, das begreifen muss, dass Gewalt aus einem Macht- und Kontrollbedürfnis resultiert.

Das wissen muss: Aggressoren nutzen Gewalt als Mittel, um Kontrolle über ihre Opfer auszuüben und ihre eigenen Unsicherheiten oder Probleme zu kompensieren.

Das wissen muss, dass es normal ist, sich nach einem gewalttätigen Vorfall verwirrt, ängstlich, beschämt oder machtlos zu fühlen.

Das wissen muss: Es gibt keine Rechtfertigung und keine Entschuldigung für Gewalt – sie ist ein NO GO in jeder Art von Beziehungen. Sie ist maximale Grenzüberschreitung.

 

Wenn wir Opfer von Gewalt wurden, egal ob es körperliche, emotionale, psychische oder sexuelle Gewalt war, ist es immens wichtig über unsere Gefühle zu sprechen, unsere Gefühle, Gedanken und Erfahrungen, als real anzuerkennen, ohne sie zu bewerten oder zu verurteilen. Es geht darum uns auf uns selbst zu konzentrieren und auf unsere innere Welt und nicht auf den Täter. Es geht darum, das Gefühl der Demütigung und der Scham, die viele Opfer von Gewalt empfinden, dahin zurückzugeben wo sie hingehören -  zum Täter.

Es geht darum zu erkennen: Es war nicht mein Fehler und nicht meine Schuld.

Denn, egal was ich gesagt oder getan habe, Gewalt ist niemals eine gerechtfertigte Antwort.

Sie ist inakzeptabel und zerstörerisch.

 

Eine Gewalterfahrung zu verarbeiten kann dauern, denn Gewalt ist, weil sie verletzt und Schmerzen verursacht, eine fortwährende Irritation von Körper, Geist und Seele und eine Herausforderung für das Begreifen des Unfassbaren.  

Und damit ist sie eine Traumatische Erfahrung, die bewältigt werden muss, um zu genesen. 

Für Opfer von Gewalt ist es wichtig sich Hilfe zu suchen, um die Dynamik zu verstehen und sich nicht allein oder schuldig zu fühlen. Erst dann kann es m.E. Sinn machen das Verhalten des Aggressors zu kontextualisieren und zu validieren, um das Opfer emotional zu entlasten.

 

Wenn uns Gewalt widerfahren ist können wir es nicht ändern. 

Wir müssen es verarbeiten, so gut wir können, aber wir können Vorkehrungen treffen, die künftig Menschen davon abhält, Gewalt gegen uns auszuüben.

 

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

 

Angelika Wende

www.wende-praxis.de

 

 

Mittwoch, 9. Juli 2025

Ein neues Drehbuch

 



 
Das Gelingen eines therapeutischen Prozesses ist der Punkt an dem der Mensch als Autor seines Lebens ein neues Drehbuch zu schreiben beginnt. Es unterscheidet sich vom alten Drehbuch dadurch, dass es weniger rückwärtsgewandt in der Vergangenheit spielt, sondern vielmehr ein Entwurf auf das Jetzt und die Zukunft hin ist. Es ist weniger verhaftet und gefangen in kindlichen Gefühlen, Mustern und Überlebensstrategien, weniger verstrickt in Selbstlügen und innerseelischen Konflikten, Mythen der alten Geschichten und infantilem Wunschdenken, freier von belastenden und quälenden Wiederholungen, sondern erwachsener und reifer, akzeptierender, selbstverstehender, gelassener, klarer und selbstbewusster, mehr der Wirklichkeit im Jetzt und der eigenen inneren Wahrheit zugewandt.

Montag, 7. Juli 2025

Alter Schmerz

 
 
                                                   
Malerei: A.Wende
 
 
 
Wir holen uns immer wieder in Dosen den alten Schmerz zurück, den wir am meisten loswerden wollen.
Die alte Trauer, die alte Wut, die alte Schuld, die alte Ohnmacht, die alte Scham, die alte Angst unserer Kindheit.
Wir tun das solange und so oft, bis wir innerlich bereit sind ihn nicht mehr zu verdrängen, abzuwehren, auf äußere Schauplätze zu verlagern, in ihn unheilsamen Beziehungen zu verpacken, zu dissoziieren oder zu kompensieren.
Wir tun das solange bis wir bereit sind ihn endlich zu fühlen und zu verarbeiten um ihn loslassen zu können.

Samstag, 5. Juli 2025

coming home von Lars Amend

 



„Das größte Geschenk, das wir unseren Eltern machen können, besteht darin, gesunde Beziehungen zu führen, ein gesundes Zuhause aufzubauen und gesunde Kinder zu erziehen. Nur so können wir den Kreislauf des Schmerzes durchbrechen, alte Traumata auflösen und ihre Weitergabe an die nächste Generation verhindern.“
Das ist ein Satz aus dem Buch „coming home“ von Lars Amend, der mich besonders berührt hat, weil er Recht hat. Und es ist nicht nur das größte Geschenk für unsere Eltern, es ist auch das größte Geschenk, das wir uns selbst machen können und unseren Kindern. Ich habe mich oft gefragt, ob mir mir das für meinem Sohn gelungen ist. Vor langer Zeit habe ich ihn einmal gefragt, ob er sich geliebt fühlt, ob er mit seinem Leben zufrieden ist und ob er es liebt. Er sagte ja. Es hat mich entlastet, das zu wissen, denn nichts war mir, seit ich Mutter wurde, wichtiger als das Familentrauma für ihn aufzulösen und ihn vor den dunklen Schatten meiner Ursprungsfamilie zu bewahren. 
 
„Coming home“ ist ein kluges, intensives und sehr persönliches Buch in dem sich der Autor nach dem Tod seiner Mutter fragt, was im Leben wirklich von Bedeutung ist. Er fragt nach seiner Bestimmung, nach dem Paradies und wo es zu finden ist, ob unsere Lebensgeschichten ein gutes Ende nehmen können und welche Möglichkeiten in unserer Hand liegen. Das Buch berührt Fragen, die viele von uns beschäftigen. Und es erinnert daran, dass Wissen bedeutet, die richtigen Fragen zu stellen.
 
Ich mag das Buch. "coming home" ist ein heilsames Buch für alle, die auf dem Weg nach Hause zu sich selbst sind.

Freitag, 4. Juli 2025

Aus der Praxis: Die Psychologie der Angst vor Veränderungen

 



Wenn wir mit unserer Situation unzufrieden sind, sei es im Beruf, in der Beziehung, mit unserer Umgebung, unserer Gesundheit, unserem Lebenssinn oder weil wir das Gefühl haben zu stagnieren, kurz – wenn wir spüren so wie es ist, ist es nicht mehr gut, kommt der Wunsch nach Veränderung. Wir sagen: Wir sind bereit und dann, wenn wir ins Handeln kommen müssen, kommt Angst. Wir fürchten die ersten Schritte, wir haben Angst vor dem, was uns erwartet.
Die Angst vor Veränderungen ist tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Ein zentraler Aspekt der Angst vor Veränderungen ist die Ungewissheit. 
 
Gemäß der Uncertainty Reduction Theory Charles Berger und Richard Calabrese, die in den 1970er Jahren entwickelt wurde, suchen wir Menschen nach Vorhersehbarkeit und Stabilität im Leben. Jede Veränderung, ob gewollt oder ungewollt, bringt die vertraute Stabilität ins Wanken. Sie bringt unvorhersehbare Ergebnisse mit sich. Auch wenn wir eine bestimmte Entscheidung treffen, die wir für notwendig halten - wir wissen nicht was kommt, wir haben keine Kontrolle über das Ergebnis und den Ausgang und das kann zu erheblichem emotionalem Stress führen. In der Psychologie gilt das Bedürfnis nach Kontrolle als grundlegendes menschliches Bedürfnis. Wenn wir das Gefühl haben, die Kontrolle über unsere Umgebung, unser Leben oder unser Schicksal zu verlieren, empfinden wir Angst. Wir Menschen haben ein natürliches Bedürfnis, Unsicherheit zu reduzieren, unsere soziale Umgebung zu verstehen und Vorhersagen über das Verhalten anderer zu treffen. Je größer das Gefühl von Kontrolle desto sicherer fühlen wir uns. Je geringer das Gefühl von Kontrolle, desto unsicher und ängstlicher fühlen wir uns. Und umgekehrt: je größer die Angst, desto größer das Bedürfnis nach Kontrolle. Veränderung geschieht, sie ist ein Prozess der nicht unserer Kontrolle unterliegt. Wir müssen uns darauf einlassen und darauf vertrauen, dass es gut geht. Und hier gilt – je weniger Vertrauen ein Mensch hat, desto größer ist die Angst und das Bedürfnis nach Kontrolle.
 
Ein weiterer Grund für die Angst vor Veränderung ist die emotionale Bindung an bestehende Strukturen, Menschen, Gewohnheiten oder Routinen. Die Bindungstheorie besagt, dass sichere Bindungen einen essentiellen Einfluss auf die emotionale Entwicklung und das Wohlbefinden eines Individuums haben. Bei Veränderungen kann die Angst vor dem Verlust dieser Bindungen zu emotionalem Stress führen. Daher fürchten viele Menschen, dass sie durch Veränderungen vertraute Beziehungen verlieren könnten.
 
Kognitive Verzerrungen, wie die Negativitätsverzerrung – die Tendenz, negative Informationen stärker zu gewichten als positive – spielen bei der Angst vor Veränderung ebenfalls eine Rolle. Diese Verzerrungen können dazu führen, dass wir uns auf die potenziellen negativen Konsequenzen einer Veränderung fokussieren, anstatt die Vorteile zu erkennen. Dieser Mechanismus ist eng mit der Vermeidungstendenz verbunden, einem Abwehrmechanismus, der dazu führt, unangenehme Situationen oder Entscheidungen zu vermeiden.
 
Veränderung geht einher mit der Frage des freien Willens.
Können wir wollen, was wir sollen?" ist eine zentrale Frage der Kantischen Ethik. Der amerikanische Neurobiologe Robert Sapolsky behauptet in seinem Buch „Determined“, dass es keinen freien Willen gibt. Er sagt, dass es kein einziges Verhalten gibt, das völlig unabhängig ist von jeglichem Einfluss durch Genetik, Hormone, sozioökonomische Bedingungen, Umwelt und der persönliche Geschichte eines Menschen und dass man, wenn es um den freien Wille geht, die Verknüpfungen zwischen all diesen Daten berücksichtigen muss. 
Weiter behauptet er, dass der freie Wille nicht aus dem Nichts entsteht, sondern dass es sich vielmehr um Feedback-Schleifen handelt, um Rückkopplungsmechanismen im Hirn, die eine Form der metakognitiven Überlegung und letztendlich des Willens ermöglichen und dass Menschen zudem biologisch gesehen unterschiedliche Gehirne haben, um auf Metakognitionen einzuwirken. Kurz: Je nachdem wir unser Gehirn funktioniert, können wir mehr oder weniger wollen was wir wollen.
 
Soziale Normen und Erwartungen haben ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf die individuelle Bereitschaft zur Veränderung. Viele von uns sind bestrebt, sich den Erwartungen ihres Umfelds, ihrer Freunde, der Familie und der Gesellschaft anzupassen. Diese Dynamik wird durch den „Bandwagon-Effekt“ verstärkt, der besagt, dass die meisten Menschen vornehmlich Entscheidungen im Einklang mit dem Verhalten der Mehrheit treffen, um Akzeptanz und Zugehörigkeit zu finden. Hier kommt die Angst vor Zurückweisung, Ablehnung oder sozialer Ausgrenzung ins Spiel. 
 
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es, und da ist viel dran. Uns allen fällt es schwer Gewohnheiten abzulegen, und das aus mehreren Gründen:
Gewohnheiten sind im Gehirn fest verankert. Sie werden durch wiederholtes Verhalten verstärkt und bilden neuronale Pfade, die leicht aktiviert werden, was zur Automatisierung führt. Gewohnheiten bieten Sicherheit und Komfort. Veränderungen dagegen erfordern Anstrengung und sind mit Unsicherheit und emotionalem Stress verbunden. Um das zu vermeiden bleiben viele lieber in ihrer Komfortzone, die ist vertraut und bequem, auch wenn sie unheilsam oder selbstschädigend ist.
Eine wesentliche Rolle spielt hier das Belohnungssystem. Gewohnheiten sind häufig mit positiven Gefühlen oder Belohnungen verbunden, was es schwierig macht, sie aufzugeben, selbst wenn sie zerstörerisch sind, wie z.B. alle Arten von Süchten.
Zudem sind unsere Gewohnheiten Teil unseres Selbstbildes.
Die Änderung einer Gewohnheit kann als Bedrohung für die eigene Identität empfunden werden, was den Prozess zusätzlich erschwert. Gewohnheiten können auch durch das soziale Umfeld beeinflusst werden. Wenn Freunde oder Familie bestimmte Gewohnheiten pflegen, ist es schwierig, sich davon zu distanzieren oder zu lösen.
Das Aufgeben von Gewohnheiten erfordert zudem neue Fähigkeiten und Strategien. Der Lernprozess kann anstrengend und herausfordernd sein, er erfordert Beständigkeit und Geduld und eine gewisse Frustrationstoleranz, wenn es nicht auf Anhieb klappt, daher geben die meisten auf.
 
Die Angst vor Veränderungen ist ein komplexes Phänomen, das tief in psychologischen Mechanismen und menschlichen Bedürfnissen verwurzelt ist. Wenn uns Veränderung nicht gelingt, kann das viele Ursachen haben. Dann macht es Sinn herauszufinden, was uns maßgeblich daran hindert. Indem wir uns unserer Ängste und Blockaden bewusst werden und diese hinterfragen, können wir lernen, Veränderungen beewusst anzugehen, im Wissen: Veränderung ist für unser Wachstum notwendig.
 
Meine Erfahrung sagt:
Menschen ändern sich nur dann, wenn sie sich ändern wollen,
wenn die Bereitschaft sich ändern zu wollen hoch ist und wenn sie ein Ziel vor Augen haben, dass ihnen Belohnung verspricht.
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de