Dienstag, 30. Oktober 2018

So wie wir sind, sind wir wertvoll



Foto: AW

Das Gefühl von Wertlosigkeit ist schwer auszuhalten. Oft ist es leichter diese Wertlosigkeit, die durch Erfahrungen in der Kindheit entstanden ist, "auszuagieren" und von anderen immer wieder neue Liebesbeweise und Anerkennung einzufordern.
Werden diese Forderungen wieder und wieder nicht erfüllt verstärkt sich das Gefühl von Wertlosigkeit. Die eigentliche Wunde, die grundlegende Verletzung, wird dadurch nicht geheilt. Es findet keine Integration statt. Im Gegenteil: jede Art von Abwehr gegen die Tiefe des Gefühls verhindert Integration.
Das Gefühl wird stärker, immer stärker, bis wir endlich aufhören es abzuwehren und bereit sind es wirklich zu fühlen. Dann erst kommen wir in echten Kontakt mit uns selbst. Der alte Schmerz bricht hervor. Endlich darf er sein. Endlich schafft er sich Raum in dem wir ihm mit Selbstmitgefühl begegnen können. So wird aus Wut Trauer, aus Forderung Akzeptanz, aus innerem Kampf innerer Frieden.
Wir dürfen bedauern was war.
Wir erkennen an was wir fühlen.
Damit erkennen wir uns selbst an, so wie wir sind, mit allem, was wir sind.
Und so wie wir sind, sind wir wertvoll.

Montag, 29. Oktober 2018

Jeder Verrat kann uns verwandeln


 
Malerei: A. Wende

Es gibt kein Allheilmittel für den Umgang mit dem Schmerz, der durch Verrat und Betrug entsteht. Aber eine beobachtende Haltung einzunehmen kann uns helfen die Dinge anders zu betrachten, auch wenn damit der Schmerz nicht weganalysiert werden kann. Doch es besteht ein Unterschied zwischen blindem Schmerz und Schmerz, der mit Erkennen, Akzeptanz, Erforschen und Einsicht einhergeht. Letzterer hat eine verwandelnde Wirkung.

Ohne uns bewusst zu machen, warum wir betrogen wurden, tendiert das Betrogen Werden dazu sich zu wiederholen. Mit anderen Akteuren und gleichem Drehbuch.
Wenn wir betrogen wurden müssen wir erkennen, wir sind immer noch wir selbst, egal wie sehr wir versuchen, unser Leben neu zu ordnen. Und das gilt es zu akzeptieren. Ebenso wie es gilt zu akzeptieren, dass wir verraten wurden. Das hört sich einfach an, ist es aber nicht. 
Akzeptanz geschieht nicht einfach so, sie zeigt als erstes den inneren Widerstand auf: Das will ich so nicht erleben! Das ist menschlich. Aber wenn wir begreifen, dass Akzeptanz nicht bedeutet, dass wir nichts tun sollen um unsere Lage zu verbessern, können wir vielleicht ein wenig entspannen und sagen: Jetzt ist es so und nicht anders. Und: nichts beliebt wie es ist.

Dann beginnen wir zu Erforschen indem wir uns mit dem inneren Thema, nämlich der Frage, was der Betrug mit uns selbst zu tun hat, befassen. Tun wir das nicht, werden wir die gleichen inneren Überzeugungen über uns selbst behalten und die gleichen Muster in der nächsten Beziehung wieder durchspielen.Vielleicht passt ein anderer Mensch besser zu uns, doch letztlich müssen wir zuerst mit den Schatten unserer eigenen Psyche klar kommen und Unerledigtes erkennen und bearbeiten, damit wir nicht wieder ähnliche Erfahrungen anziehen.

Jeder Verrat kann uns, sind wir dazu bereit, verwandeln.
Aber zunächst: Was ist Verrat?
Verrat ist das Mittel, durch das unser Fantasiebild und unsere Illusionen, die wir uns bezüglich eines anderen gemacht haben, entlarvt werden, damit wir die Selbsttäuschung erkennen und damit wir erkennen, wer der andere auch ist, fernab unserer inneren Bilder, Übertragungen und Projektionen.
Wer ist dieser Mensch, der uns verraten hat? Ist das der Mensch, der unser Vertrauen verdient hat und verdient er es weiter? Ist er überhaupt vertrauenswürdig und vertraut er sich selbst? Und was bedeutet es für uns das zu erkennen? Was bedeutet das für unsere Beziehung zu uns selbst und jene zu diesem und anderen Menschen? Wo vertrauen wir uns selbst nicht? Und wo sind wir selbst nicht vertrauenswürdig? Das verhilft uns zu tiefer Einsicht darüber wo wir in unserer Entwicklung diesem Moment der Zeit stehen. 

Verrat rüttelt massiv an unserer Angst verlassen zu werden. 
Je größer diese Angst ist, desto intensiver sind die Verlassenheitsgefühle, die wir als Kind erlebt haben. Das Kind in uns hat diese Angst bis in unser Jetzt gespeichert. Der Verrat reißt also nicht nur eine neue Wunde, er reißt eine alte Wunde auf. Und damit zeigt er uns, dass wir den Umgang mit dem Verlassenwerden noch zu bearbeiten haben. Tatsache ist: Verlasssen werden und Verluste gehören zum Leben. Können wir das heute aushalten, oder sind da noch immer die Hillflosigkeit, die Angst und die Verzweiflung des inneren Kindes, das davon überzeugt ist, es geht unter wenn ein vertrauter Mensch es betrügt, hintergeht und damit vielleicht auch aus seinem Leben geht? 
  
Verrat bricht alte Muster, Überzeugungen und Verhaltensweisen auf. 
Jeder Betrug, den wir erleben, zeigt uns auf welche Weise wir uns selbst betrügen und wo wir uns selbst verraten.
Er zeigt uns durch die Zurückweisung, das Hintergehen und die Demütigung des Veräters, wo wir lernen müssen uns abzugrenzen und wo wir selbst  uns demütigen, hintergehen und zurückweisen. Was ist Zurückweisung anderes als dass jemand eine Grenze zieht, die wir als unerträglich und schmerzhaft emfinden, weil wir notwendige Grenzen um unsere Integrität zu schützen, selbst nicht zu ziehen vermögen?

Die schwierige und schmerzhafte Lehre dieser Erfahrung zeigt uns also, was in uns selbst auf einer bestimmten Ebene noch nicht entwickelt ist. Haben wir die Lektionen begriffen, dann ist es egal, ob wir die alte Beziehung wieder aufnehmen oder sie verlassen. Etwas in uns hat sich verändert.
Um die Bezieheung trotz des Verrats wieder aufzunehmen braucht es außer dem echten Bedauern des Verräters das Verzeihen des Verratenen. Er muss vergeben können. Aber vergeben ist eine schwere Aufgabe, wenn das Herz verwundet ist und das Ego mehr als angekratzt. Überall lesen und hören wir: Vergebung ist immer eine Erlösung und zwar zuallererst für uns selbst. Vergebung heißt: inneren Frieden fnden. Ein großmütiger Mensch vergibt. 

Aber, müssen wir um ein guter Mensch zu sein vergeben?
Vergebung, kommt sie nicht aus dem Herzen heilt den Schmerz der Wunde nicht.
Wir können Vergebung nicht künstlich erzeugen, wenn wir verraten und verletzt worden sind. Wir können nur daran arbeiten, das zu erkennen und zu integrieren, was zu unserer eigenen Psyche gehört. Vergebung ist eine Gnade, die nicht durch den Akt des Wollens herbeigeführt werden kann. Ist es nicht bitter, sich selbst sagen zu hören, "Ich vergebe Dir", nicht weil es aus tiefstem Herzen kommt, sondern weil wir versuchen, auf diese Weise den Menschen, der uns verletzt hat, wieder zurückzubekommen oder weil wir unbewusst versuchen uns selbst zu beweisen, dass wir es wert sind noch immer von ihm geliebt zu werden, obwohl unsere Liebe zu ihm durch den Verrat vielleicht sogar verloren ist., oder weil wir Angst haben allein und verlassen zurückzubleiben? Vergeben aus diesen Motiven heraus bedeutet: Wir identifizieren uns weiter mit dem, was wir hatte und sehen nicht, was wirklich ist. Und damit fügen wir uns neuen Schmerz zu.

Mit jeder Identifikation wollen wir etwas festhalten was einmal gut war und es nicht mehr ist, in der Hoffnung, dass es wieder gut wird. Wir haften an an etwas, weil wir Angst haben loszulassen. Das ist verständlich, aber nicht gesund, denn damit betrügen wir uns wieder selbst und wir betrügen damit den anderen. Vergeben funktioniert nur dann, wenn wir aus tiefstem Herzen vergeben können. Wenn wir das nicht können, bleibt der Schmerz bestehen und die „Bestrafung“ des Verräters wird immer weiter gehen. Die Beziehung wird zum Schlachtfeld, in dem es keinen Gewinner, sondern lediglich zwei Verlierer gibt - es findet kein Wachstum statt. 

Freitag, 26. Oktober 2018

Wie wir dem alltäglichen Wahnsinn entkommen





„Komm du schaffst es, eins...zwei...drei. Noch einmal komm schon, du kannst es, du musst es schaffen! Mann, das hier macht mich fertig, ich kann nicht mehr. Was soll ich denn noch alles machen? Ich bin doch seelisch völlig am Ende, jeden Tag kommt das gleiche auf mich zu, jeden Abend geht es mir dreckig, weil die mich nicht wie einen richtigen Menschen behandeln. Die Schmerzen werden von Tag zu Tag schlimmer, ich weiß nicht, wie ich das noch länger durchstehen soll. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich muss es einfach schaffen, doch ich habe keine Kraft mehr. Ich darf nicht schwach werden, da muss ich durch.“
Dies ist ein Monolog aus Georg Büchner "Woyzeck", den ich kürzlich herausgesucht habe, weil ich Stoff für eine Lesung zum Thema: "Alltäglicher Wahnsinn" suche.
Viele von uns können Woyzecks kräftezehrenden Kampf nachfühlen.

Verstrickung, Ruhelosigkeit, Stress, Streit, Ziellosigkeit, Rastlosigkeit, Krisen, Probleme im Innen und Außen – das ist der alltägliche Wahnsinn in dem wir alle stecken.   
Wenn wir darin verstrickt sind, sind wir wie kleine verletzte Kinder, voller Angst, Zweifel, Mut - und Hilflosigkeit. Je ängstlicher und hilfloser wir uns fühlen, desto mehr produzieren wir Verstrickung, Zweifel und Angst. Wir geraten in einen Teufelskreis des Unheilsamen, wo wir uns doch nach dem Heilsamen sehnen. Aber je stärker sich die Kraft des Unheilsamen in uns selbst und unserem Leben manifestiert umso verlorener sind wir. Die Zuversicht jemals aus diesem Teufelskreis herauszufinden schwindet. Wir ergeben uns in das was ist und irgendwann geben wir uns selbst auf, wir machen weiter wie alle anderen um uns herum.
Aber die Sehnsucht nach dem besseren Leben bleibt. Und je länger sie unerfüllt bleibt, desto schmerzhafter wird sie.
Es liegt allein an uns selbst das zu ändern. 

Wir suchen Halt und Klarheit, wir suchen Heilung und Frieden und dennoch erschaffen wir mit unseren immer gleichen destruktiven Gedanken, Gefühlen und Handlungen immer mehr vom Unheilsamen.
Darum ist des so hilfreich unsere Gedanken bewusst zu beobachten und sie zu überprüfen ob sie gut für uns sind oder uns Schaden zufügen. Damit beginnt die Übung der Achtsamkeit. Mit ihr begeben wir uns auf den Weg zur Bewusstheit. Wir können aus dem alltäglichen Wahnsinn erwachen, wenn wir das wollen. Wir entscheiden uns dagegen. Wir öffnen uns für die Bereitschaft unser Leben auf das Heilsame auszurichten. Wir entscheiden uns für Bewusstheit.

Bewusstheit bedeutet nichts anderes als auf das eigene Denken und Verhalten zu achten. 
Und das können wir üben.
Je öfter und je disziplinierter wir die Übung des Achtsamseins machen, desto klarer und bewusster werden wir uns über uns selbst. Wir erlernen über das achtsame Beobachten unserer Gedanken in jeden Moment zu erkennen, was uns krank macht und was uns zu einem heilsamen Leben verhilft. Wir halten inne und reflektieren. Wir beobachten was ist, was wir fühlen und was wir denken. Wir verfangen uns nicht in der Energie destruktiver Bilder und Gedanken indem wir sie unterdrücken, abwehren oder verstärken. Wir lassen sein was ist und beobachten. 
Und dann entscheiden wir, wie wir handeln wollen. 
Wir sind nicht mehr fremdgesteuert sondern Herr unseres Geistes.
Das zu lernen ist schwer. Es zu leben ist eine tägliche und lebenslange Übung.
Aber für mich der Weg dem alltäglichen Wahnsinn zu entkommen. 
Wir können die Welt nicht retten, wenn wir selber wahnsinnig sind - und damit meine ich zuallererst unsere eigene kleine Welt.
Darum ist es so wichtig die tiefe Einsicht zu akzeptieren, dass wir alleine und sonst niemand die Verantwortung dafür haben, was wir (in uns) erschaffen und was wir in die Welt geben wollen. 

Die entscheidende Frage, die du dir bei bei allem was du tust stellen könntest:
Will ich in Frieden (mit mir selbst und anderen) leben oder im Krieg und ist das was ich denke und tue im Einklang mit meinem Ziel ein heilsameres Leben zu leben? 

Namaste Ihr Lieben



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Identifikation


Foto: A.W.
 
Egal womit du dich identifizierst: Mit deinen Gedanken, deinen Gefühlen, deiner Identität, deinen Vorstellungen, deinen Erfahrungen, deiner Geschichte, deiner Situation, deinen Problemen, deinem Job, deiner Beziehung, deinem Besitz – Identifikation schafft Abhängigkeiten und Ängste.

Alles was du als ICH oder MEINS betrachtest bereitet den ungesunden Boden für Anhaftung.

Je stärker wir anhaften, desto größer ist die Abhängigkeit und desto größer ist die Angst loszulassen oder zu verlieren was ICH oder MEINS ist. Sobald wir damit aufhören uns zu identifizieren, sobald wir beginnen, tiefer zu blicken und uns fragen:
"Bin ich das wirklich?", enthüllt sich uns eine neue Art der Freiheit. Wir begreifen das Augenblickshafte unserer Identität. Wir erkennen: Wir sind mehr als ICH und MEINS.


Dienstag, 23. Oktober 2018

Es geht um Bereitschaft





"Ich will ja, aber irgendwie kann ich nicht. Ich will eine Veränderung, aber ich schaffe ich es nicht." Das höre ich oft und das kenne auch ich. Wir wollen etwas tun, wir wissen wir müssen sogar etwas tun, weil es so wie es ist nicht bleiben kann und die ganze Zeit spüren wir diesen inneren Schwellenhüter, der sich vor uns aufbaut wie eine Wand und uns beim Wollen verharren lässt.

Warum ist das so?
Es ist so, weil etwas wollen nicht ausreicht um aus einem Vorsatz ein Handeln werden zu lassen.
Es geht nicht allein darum ob wir etwas wollen, es geht darum, ob wir innerlich bereit sind, zu tun, was notwendig ist, um eine Veränderung anzugehen und unser Leben zum Besseren hin weiter zu bewegen, und es geht darum ob wir bereit sind dabei zu erfahren, was geschehen wird und was wir dabei fühlen werden. Es geht um die Bereitschaft diese Gefühle zu akzeptieren auch wenn sie unangenehm oder schmerzlich sind.

Es geht um die Bereitschaft sich auf das zarte Pflänzchen des Ungewissen einzulassen und es geht um das Vertrauen, dass wir mit dem Neuen, was uns begegnet umgehen können.
Mir hilft dann der Satz: Egal was kommt, ich werde damit fertig.

Namaste Ihr Lieben

Montag, 22. Oktober 2018

Gedankensplitter



Malerei: A. Wende

Wenn du nach langem Suchen erkannt hast, dass kein anderer 
deine tiefsten Bedürfnisse, Sehnsüchte, Träume und Wünsche 
erfüllen kann, 
lernst du dich auf dich selbst zu verlassen.
Das ist der Beginn einer tragenden lebenslangen Beziehung.
Ich nenne es Selbstliebe.

Freitag, 19. Oktober 2018

Heute





Konzentriere dich auf das Jetzt.
Bemühe dich um Zuversicht.
Akzeptiere was Jetzt ist und wisse -  nichts bleibt wie es ist. 
Blicke achtsam auf das, was sich heute zeigt.
Konzentriere dich auf das Nächstliegende. 
Mach eine Bewegung nach der anderen.
Bemerke deine Fortschritte und wertschätze sie.

Tu heute das Notwendige, um dahin zu gelangen wo du morgen sein willst.

Übe dich im Vertrauen.
Bemühe dich um Klarheit. 
Handle mit Bedacht.
Heute.