Freitag, 24. Januar 2014

Aus der Praxis - Die Ursachen der mangelnden Abgrenzung






Wer gut für sich sorgen kann, der kann eines auch gut: Er ist in der Lage sich abzugrenzen, er ist in der Lage Ja zu sagen zu sich selbst und dem Raum, den er braucht, körperlich, geistig und seelisch. Wer sich abgrenzen kann sagt nicht Ja, wenn er Nein meint, er steht für sich selbst und seine Bedürfnisse ein, er schützt  und artikuliert sie. Das hört sich gar nicht so schwer an, ist es aber für viele Menschen. Wie oft sagen wir Ja, wo wir Nein sagen müssten, weil wir genau wissen, mit diesem, leicht dahingesagten Ja tun wir uns selbst nichts Gutes. Leicht gesagtes ja? Ja, weil das Nein viel schwerer zu sagen wäre.

Warum ist das so? Woran liegt es, dass ein Mensch sich nicht abgrenzen kann?

Der Urgrund für die Unfähigkeit uns abzugrenzen liegt in unserer Biografie. Ein Umfeld in dem die kindlichen Grenzen massiv überschritten werden, in dem es genötigt wird Dinge zu tun, die es nicht tun will, legt den Grundstein dafür, dass das Kind nicht lernt seine Integrität zu wahren. Wer als Kind mit Erwachsenenmacht, bis hin zum Missbrauch, konfrontiert wurde, erlebt Grenzüberschreitung. Dazu gehört auch der scheinbar harmlose Satz: „Du musst lieb sein.“

Kinder, die Grenzverletzungen erfahren haben, lernen nicht die eigenen Grenzen überhaupt wahrzunehmen. Sie verinnerlichen Übergriffigkeit als etwas, das zu ihrem Lebensgefühl gehört. Obwohl sie spüren, dass da etwas nicht stimmt, denn es fühlt sich ungut an, ja sogar bedrohlich, wenn Grenzen seelisch oder körperlich immer wieder verletzt werden, fehlen Ihnen die Mittel, um sich als kleiner Mensch gegen die Großen zur Wehr zu setzen. Jede Form von Übergriffigkeit ist ein gewaltsames Eindringen in die kleine Seele. Sie schreit innerlich. Es ist ein erstickter Schrei, der nicht hinaus darf, der stecken bleibt und sich verwandelt, in ein Gefühl von Ohnmacht. Ich kenne dieses Gefühl. Noch heute, wenn mir jemand körperlich oder seelisch zu nahe tritt, kommt es hoch. Dann spüre ich es wieder, dieses erstickte Nein und es aussprechen ist eine Überwindung, die mir noch immer nicht leicht fällt. Aber, wann ist es mir zu nah? Wann erwartet jemand etwas von mir, was ich nicht erfüllen will. Es ist schwer, das im selben Moment zu erkennen. Und selbst wenn ich es erkenne und spüre, das will ich jetzt nicht, ist es schwer das auch zu artikulieren. Der Versuch auf die eigene Grenze hinzuweisen, löst Schuldgefühle aus, er löst das Gefühl aus, das darf ich nicht. Heute weiß ich - weil dieses Nein nicht erlaubt war, als ich Kind war.

Menschen, die sich schwer abgrenzen können fehlt Selbstsicherheit. 
Sich seiner selbst sicher sein, dazu gehört die Fähigkeit, uns unserer eigene Bedürfnisse bewusst zu sein, sie aussprechen und zu leben. Die Fähigkeit uns abzugrenzen gehört zu einer gesunden sozialen Kompetenz. Diese soziale Kompetenz ist ein Entwicklungsprozess. Sie basiert auf Lernerfahrungen, welche jene, die sich nicht oder nur schwer abgrenzen können, nicht machen durften. Wer als Kind Grenzüberschreitungen erlebt hat, dem fehlt ein stabiles Selbstwertgefühl. Er hat sich als wertlos erlebt, so wertlos, dass man sein Selbst nicht achtete. Seine Erfahrung ist die des Machtlosen in einer Abhängigkeitsbeziehung von Erwachsenen, der Schritt in Selbstständigkeit und Autonomie, ein wesentlicher Schritt für das Selbstwertgefühl, konnte nicht gemacht werden. Sich selbst gestalten, den eigenen Impulsen nachzugehen, ohne Schuldgefühle, selbst wenn die Eltern davon nicht begeistert waren, wurde nicht erlernt. Doch genau diese Lernerfahrung ist die entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung einer selbstbewussten und selbstsicheren Persönlichkeit. Schon kleine Kinder brauchen einen eigenen geschützten Raum und Dinge, die für andere unantastbar sind. Wenn diese Individualbereiche, diese Grenzen, in der Erziehung nicht respektiert wurden, fällt es ihnen später schwer sie zu schützen oder gar zu erkennen. 

Ein Kind, das nicht es selbst sein darf, das sich nicht seinem Wesen entsprechend entfalten darf, verliert das Gefühl für sich selbst. Es dissoziiert, es spaltet das Unerträgliche ab, eben weil es unerträglich ist, es zerbricht in Stücke, die innere Stabilität seines kleinen inneren Hauses zerbirst, es kennt sich nicht mehr aus, weiß nicht wer es ist und wer es nicht ist. Es verliert das Gefühl für sich selbst. Jedes Kind will geliebt werden, darum wird es die Wünsche der Eltern zu erfüllen suchen und sogar Übergriffe ertragen. Das erklärt auch warum misshandelte und missbrauchte Kinder nicht von ihren Eltern weg wollen - sie lieben sie, auch wenn diese Liebe sie zerstört, es ist die einzige, die sie haben. Sie zählt mehr als alles und mehr als Selbstschutz. Die Eltern zu verlassen, die Liebe zu den Eltern zu verlieren, würde für diese Kinder den Sturz ins Bodenlose bedeuten. 

Die Fähigkeit zur Abgrenzung ist die Vorrausetzung für Selbstschutz. 

Ich möchte das nicht, klingt einfach. Doch allein dieser Satz führt bei vielen, die sich schlecht abgrenzen können, zu einem schlechtem Gewissen. Selbstwertgefühl und das daraus erwachsende Gefühl von Selbstsicherheit, ist zu wissen wer wir sind, was wir brauchen und damit die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse und Rechte auszusprechen und zu leben. Einem Menschen aber, dessen Widerstandskraft früh gebrochen wurde gelingt es nur schwer für sich einzustehen. Er hat eine Vulnerabilität, die ihn hochempfindlich macht, im Hinblick auf psychische Belastungen und im Hinblick auf das Nein sagen, denn auch das wäre für ihn eine psychische Belastung. 

Sie, die selbst verletzt wurden, wollen niemanden verletzen und tun es doch. Darin liegt die Paradoxie des erlernten Musters. Sich nicht abgrenzen können und selbst die Grenzen anderer zu überschreiten, das ist die andere Seite der Medaille. Wer Übergriffigkeit und Grenzverletzung erfahren hat, hat dies als Introjekte verinnerlicht. Er neigt selbst dazu unbewusst die Grenzen des anderen zu überschreiten. Introjekte sind Eigenschaften der Eltern. Als Kind übernehmen wir diese. Die Folge – wir behandeln uns als Erwachsene genauso, wie es die Mutter oder der Vater getan haben. Und wir suchen uns instinktiv andere, die uns ähnlich behandeln.

Abgrenzung ist demnach ein Kraftakt gegen die eigene Konditionierung und die unbewusst verinnerlichten Introjekte.
 
Dazu kommt: Das fehlende Selbstwertgefühl, die mangelnde Selbstsicherheit führen letztlich zum mangelnden Vertrauen, das Leben allein und autonom bewältigen zu können. Daher kommt der Impuls ständig die Erwartungen anderer Menschen erfüllen oder sogar erspüren zu müssen. Die zur Abgrenzung Unfähigen ertragen vieles aus der Angst heraus eine komplette Ablehnung ihres Menschseins zu erfahren. Eine Erwartung nicht zu erfüllen gibt ihnen das Gefühl, „ich bin ein schlechter Mensch“, sie fühlen sich schuldig, wenn sie Nein sagen sollten. Sie ertragen keine Zurückweisung und es fällt ihnen selbst schwer andere zurückzuweisen.

Was uns als Kind vertraut war kennen wir am Besten. 

In einer Art Wiederholungszwang versuchen wir daher als Erwachsene Vertrautes wiederherzustellen auch und paradoxerweise gerade, wenn es ungut war. Aber es ist uns vertraut. Wer Grenzverletzung erlebt hat, signalisiert als Erwachsener: Du darfst meine Grenzen zu überschreiten. Er signalisiert Schwäche, die andere instinktiv spüren und ausnutzen. Und wieder und wieder wird erlebt, was als Kind erlebt wurde. Ein Teufelskreis.

Grenzüberschreitungen haben mit Nähe zu tun, mit einem sehr nahe, einem zu nah.
 
Echte Nähe aber ist etwas anderes, sie basiert auf einem gegenseitigen Entgegenkommen und ist niemals einseitig. Nähe bei einer Grenzüberschreitung macht Angst. Ein Kind, das von seinem Vater oder der Mutter wider Willen ständig geknuddelt wird, das immer wieder die elterlichen Bedürfnisse nach Nähe erfüllen muss, erlebt keine echte Nähe, es erlebt einen Übergriff. Und es wird später Angst vor jeder Art von Nähe haben, die es sich nicht von sich aus wünscht und zulassen will. Dass diese Menschen Schwierigkeiten nicht nur mit sich selbst, sondern auch in Beziehungen haben, ist nicht verwunderlich. Sie tanzen mitunter lebenslang die Schritte, die man ihnen beigebracht hat. Ein Tanz, der von einer extremen Nähe -und Distanz - Choreografie lebt, ein Tanz, dem ihm das Dahingleiten, die Leichtigkeit des Seins, fehlt.


Wie ist die zu erreichen? Der erste Schritt ist, wie immer, sich bewusst zu machen welcher Choreografie wir folgen und uns zu beobachten, wie wir uns dabei fühlen. Sicher werden wir dann nicht sofort Nein sagen können, wo wir Nein meinen, aber wir werden achtsamer unserem leicht dahin gesagten Ja gegenüber, achtsamer auf unsere eigenen Grenzen.


Kommentare:

  1. Mein alter Therapeut sagte immer: Jedes Töpfchen find´t sein Deckelchen- und: Man sucht sich`s, wie man`s daheim hatte.....
    Was für ein guter Text, den ich soeben von Ihnen las. Danke schön!

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  2. recht hatte er, dein alter therapeut :-)

    danke für deine wertschätzung!

    herzlich,
    angelika

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  3. Ein sehr guter Beitrag und genau mein Thema! Darf ich diesen Beitrag in einem Forum posten? https://de-de.facebook.com/pages/Kriegsenkel/183077965224088

    Freundliche Grüße

    M. Bandosz

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  4. ja, sicher darfst du das.
    danke für deine wertschätzung.

    herzlich,
    angelika

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  5. Sehr schöner Text und eine wirklich gute Seite, die ich hier entdeckt habe ;-)
    Yo, das Thema "Grenzen" ist eine spannende Sache..und was nicht immer leicht ist zu erlernen..v.a. wenn es als Kind nicht "richtig" gelernt wurde.
    Was für eine Kunst es doch ist, zu erkennen..bis wann es ein "sich abgrenzen" ist..und ab wann ein "andere ausgrenzen". Mir fällt es zuweilen noch recht schwer..und noch wackelt das Seil auf dem ich da tanze...
    Doch wie meine Oma immer zu sagen pflegte "Kommste übern Hund, dann kommste auch übern Schwanz"..in diesem Sinne.."gute Aussichten" ;-)

    Liebe Grüße
    Emine Yalcin

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  6. Hallo, ich möchte gerne lernen mich besser innerlich abzugrenzen. Kennen Sie zu diesem Thema Literatur, die Sie mir empfehlen könnten.

    Danke und Gruß

    A. Min

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  7. hallo, da gibt es einige bücher. aber irgendein buch über abgrenzug zu lesen hilft wenig. die frage ist: wo, wann, in welchen situationen, in welcher art von beziehungen können sie sich nicht abgrenzen? und wenn sie das für sich einmal herausgefunden haben, dann kann ich ihnen ein buch, das ihnen weiter hilft, empfehlen. LG aw

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  8. Ich bin männlich, Vater 3er Kinder und kann mich gegenüber meiner Mutter nicht gut abgrenzen. Sie hat wohl im Namen der "Liebe" und um mich und meine 3 Geschwister zu beschützen Grenzen massiv überschritten. Ein Nein wurde ständig mit einem Schuldgefühl beantwortet. Können Sie mir dafür ein Buch empfehlen?
    Danke im Voraus und Danke für den guten Text!

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  9. http://www.amazon.de/Wenn-Mütter-sehr-lieben-Mutter-Sohn-Beziehung/dp/3170291289/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1443246271&sr=1-2&keywords=Mutter-Sohn-Beziehung
    "Wenn Mütter zu sehr lieben" von Karl Haag

    Alles Gute für Sie!
    Herzlich,
    Angelika Wende

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  10. Ich bin durch meine genaue Horoskopberechnung zu der Problematik " mangelnde Abgrenzung" gelangt. Das stimmt total. Wie ist das möglich? Alles stimmte, ich bin erstaunt.

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  11. Ich bin auf den Begriff der mangelnden Abgrenzung, durch eine genaue Horoskopberechnung gekommen. Genau das stellt mein Problem dar. Ich wußte nicht was es ist, habe es dadurch jetzt für mich erkannt. Danke für Ihre Beschreibung, sie haben es prima erläutert und mir sehr geholfen.

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  12. Interessanter Text, der mir etwas bedeutet.
    Wie kann man denn da tiefer einsteigen? Zum Beispiel mit was für einem Buch?

    Viele Grüße,
    André

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  13. http://www.amazon.de/nicht-wenn-nein-sagen-willst/dp/344217368X/ref=sr_1_14?s=books&ie=UTF8&qid=1447744905&sr=1-14&keywords=abgrenzung

    viele grüße,
    angelika

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  14. Boah. Wie heftig mein ganzes System reagiert, wenn ich das lese! Kaum auszuhalten. Und doch will ich mit aller Kraft jene verteidigen und in Schutz nehmen, welche mich die Choreographie gelehrt haben. Was aber am Allerschmerzhaftesten ist: Meine Kinder tragen alles weiter in ihr Leben, was ich nicht aus Bewusstheit erlöst habe. Wie schrecklich ist denn das? Und wie kann ich diese Verantwortung tragen?
    Ich muss hier anonym schreiben, alles andere macht mir Angst. Danke, dass hier der Pfad so kristallklar gezeichnet ist. Herzlich, g.

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  15. Sehr interessanter Artikel. Ich dachte immer, dass ich eine liebevolle Kindheit hatte, aber wohl nicht. Meine Therapeutin meint, ich brauche sehr sehr lange, bis ich meine Grenzen ziehe (Personen können sich viel bei mir erlauben, bis ich sie aus meinem Leben schmeiße). Sie sagte, wie können Sie die Grenzen bei anderen wahren, wenn man ihre Grenzen nicht gewahrt hat. Ich kann ihr nicht ganz folgen. Welche konkrete Kindheitserlebnisse verursachen denn so ein Verhalten. Wie gesagt, ich bin die jüngste von 4 Kinder, das Nesthäkchen und ich nahm immer an, dass meine Kindheit gut war. Pustekuchen.
    Wie bekomme ich heraus, wie bekomme ich heraus, was schief lief?

    Vielen Dank

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  16. Wahnsinn!! Der Text ist so gut und so wahr.
    Ich selbst konnte die Abgrenzung zu meinen Eltern schaffen. Was allerdings einen 2jährigen Kontaktabruch erforderte. Nun nehme ich sie so, wie sie sind und habe alles verziehn.
    Mein EXPartner ist 30 und lebt wieder bei seinen Eltern, weil er dort mit ihnen eine Firma hat. Wir finden gerade wieder zusammen, haben aus unseren Fehlern gelernt und unser 4 jähriger Sohn freut sich. Jedoch hatten die wieder so massiven Stress miteinander, weil er mich bei der Erziehung unterstützt. Und sie machen mich verantwortlich, weil sie sich streiten. Dabei hab ich nichts getan oder gesagt. Er hält so einen Streit kaum aus. In der Vergangenheit ist er immer wieder eingeknickt und hat das gemacht, was sie wollten, hat alles ertragen. Nun will er nicht mehr. Er weiß aber nicht, wie er es ihnen beibringen soll. Er ist total überfordert und ich selbst habe Bedenken, dass er vielleicht unsere neue Beziheung aufgibt nur um mit ihnen in Frieden leben zu können....die Frage ist jetzt.....was kann ER tun und was kann ich tun??????


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  17. ich hatte 2013 einen Gehirnschlag. Ich lebe allein habe aber Freunde. Die sich um mich kümmern.Ich bin 61 Jahre alt und werde nie wieder Arbeiten. ich bin zu 50 schwerbeschädigt. ich kann meine rechte Seite nicht mehr bewegen. Aber da ich Linkshänder bin kann ich ich auch schreiben.

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  18. Ich bin hier aus Zufall gelandet...Niemals hab ich mich erkannter gefühlt und niemals hätte ich diese treffenden Worte gefunden, für das was mich ausmacht...Danke, für eine weitere Erkenntnis meiner Selbst und das in Worte kleiden meiner Gefühle.
    Ich fühle zum ersten Mal, dass jemand GENAU weiss, was ich fühle und dass es wohl irgend jemandem GENAU so geht wie mir...
    Danke!

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  19. Ein wundervoller, sehr verständlicher, nachvollziehbarer Text und eine hervorragende Erklärung! Genau das Problem, habe ich mit jemanden erlebt...jetzt weiß ich, warum. Danke!

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  20. Danke.. Das war ein erster Einblick und es passt genau. Nach Hinweis meiner Therapeutin habe ich das Thema Abgrenzung nun schon mal wahrgenommen. Und was ich hier lese...passt genau.

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  21. Dieser Text ist sehr gut geschrieben. Habe mich angesprochen gefühlt und ich kämpfe genau mit diesen Schuldgefühlen gegenüber einer Freundin, weil ich zum ersten Mal "Nein" gesagt habe.

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  22. Dieser Kampf ist ein sinnloer Kampf gegen dich selbst!
    Jedes Nein hat einen Grund. Das ist, was ist.

    Alles Liebe

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  23. Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich könnte heulen, so intensiv sind meine Empfindungen beim lesen! Genau mein Thema. Hoffentlich lerne ich es, mich selbst als wichtigsten Menschen zu sehen und zu dem zu stehen, was mich ausmacht! Alles Gute!

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  24. Das ist lernbar! Ich weiß es aus eigener Erfahrung.

    Alles Gute, Monika!

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  25. Hallo, sehr schöner Artikel. Ich kann mich sehr gut abgrenzen, aber mein Partner kann das nicht. Hat eine 25jährige Ehe mit einer Narzisstin hinter sich, hat glücklicherweise den Absprung geschafft. Mir fällt aber auf, dass er auch anderen gegenüber (Schwester, Cousine...) nicht seine Meinung sagen kann. Er meint, er ärgert sich über Dinge, Situationen, aber spricht sie nicht an. Gibt es dazu ggf. auch ein Fachbuch? Ich weiß halt nicht, ob ich das auf sich beruhen lassen soll oder die Situationen thematisieren soll. Geht tw. auch um mich. Herzliche Grüße

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  26. Hallo,

    sprechen ist immer der beste Weg!

    Herzlich,
    Angelika Wende

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  27. Hallo Angelika,

    Ich erkenne mich und meine Situation in deinem Text. Ich bin jetzt 38 Jahre alt und wurde von klein auf gemeinsam mit meinen anderen 4 Geschwistern durch unseren Vater seelusch und körperlich misshandelt. Meine Therapeutin bezeichnete meinen Vater als einen "Saddisten". Er hat uns mit einem Gürtel bis zu unserem 15-ten Lebensjahr regelmäßig ausgepeitscht. Als Erwachsener mache ich jetzt genau das durch worüber du schreibst. Kommt es zu einer Grenzverletzung, überfällt mich eine schreckliche und bedrohliche Angst. Aber ich wehre mich trotzdem, die Angst ist dabei ein Begleiter. Wenn ich einem Menschen Grenzen setze, überkommen mich Schuldgefühle und auch Gefühle des Erfolges, mich gewehrt zu haben. Ich leide offiziell unter einer Angststörung. Körperliche Synptome sibd kalte Füße und eine Reizblase. Ich weiss das das die Auswirkungen meiner seelischen Verfassung sind. Kannst du mir ein Buch empfehlen, was zu meiner Lebenserfahrung passt?

    Danke dir im Voraus

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  28. Vergiftete Kindheit: Elterliche Macht und ihre Folgen
    Taschenbuch von Susan Forward

    Vielleicht hilft es Dir zu verstehen ...

    Alles Liebe
    Angelika

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  29. Hallo Angelika,

    deinen Text finde ich sehr gut. Auch auf mich trifft er voll zu. Ich bin 35 Jahre alt und war von klein auf der mütterlichen Kontrolle ausgesetzt. Sämtliche Probleme, und somit auch Entscheidungen wurden mir abgenommen. Ich hatte dann in meiner Jugendzeit 10 Jahre lang Essstörungen.Ich schaffte es nicht sich gegenüber meiner Mutter abzugrenzen. Nun bin ich verheiratet und bin mit meinem Mann in eine Dooppelhaushälfte gleich neben den Schwiegereltern gezogen (auf Wunsch meines Mannes). Und jetzt wiederholt sich das Ganze mit den Schwiegereltern. Mir kommt es vor als gäbe es hier gar keine Grenzen, was nur mein Empfinden ist. Essstörungen sind kein Thema mehr, dafür flüchte ich in Alkohol und betäube mich, um es in diesem Haus auszuhalten. Ich weiß nicht wo ich mit der Abgrenzung ansetzen soll. Hättest du für mich eine Buchempfehlung?? Danke

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  30. Hallo Anonym,

    solange du dich in den Alkohol flüchtest werden dir keine Bücher helfen können. Solange du dich betäubst wirst du keinen Ausweg finden.

    Solange das Thema Alkohol in deinem Leben eine Rolle spielt ist das das Thema, das Priorität hat.
    Nur wenn wir klar sind gelingt Hilfe und Veränderung.


    Angelika Wende

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  31. Sehr geehrte Frau Wende,
    der Text passt ins kleinste Detail zur meiner Biographie.Ich habe eins der schlimmsten Grenzüberschreitung in Form von Mißbrauch erfahren. Es passt alles auf mein Verhalten. Ich würde deswegen gerne mehr erfahren, wie Sie es geschafft haben, aus diesen Teufelskreis der Angst und nicht abgrenzen zu können heraus gekommen sind. Mit der eigenen Beobachtung beginnt es, aber wie geht es dann weiter?! Würde mich sehr über weitere Vorgensweisen freuen und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen

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  32. Das ist jahrelange Arbeit an sich selbst.
    Das ist Psychoanalyse.
    Das ist niemals mit der Selbstbeobachtung aufhören.
    Das ist die Akzeptanz - genau das ist mein Leben.
    Das ist aus der Opferrolle aussteigen.
    Das ist sich selbst gut behandeln und sich keinem mehr auf den Schoß setzen.
    Das ist Liebe zum Leben udn zu sich selbst mit allem, was uns ausmacht.
    Das ist am Ende für mich, das weitergeben, was ich gelernt und erfahren habe - nämlich, dass es einen Weg heraus gibt zu einem selbstgeschusterten Leben, wenn man es will und viel Geduld hat.

    Und so viel mehr ...

    Namaste

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  33. Sehr schöner Text in dem ich mich absolut wiederfinde. Leider aber auch meinen fünfjährigen Sohm, der sich vor allem anderen Kimdern gegenüber gar nicht abgrenzen kann. Ich habe immer sehr darauf geachtet seine Grenzen zu respektieren, habe aber scheinbar doch einiges falsch gemacht. Wie kann ich ihm nun helfen, das gerade zu bügeln solange er noch so jung ist?

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  34. Das kann ich so pauschal nicht sagen ohne Ihren Sohn zu kennen. Jedes Menschenkind ist anders und braucht andere Werkzeuge damit es ihm besser gelingt sich abzugrenzen.

    Wenn es Sie und das Kind sehr belastet könnten Sie sich professionelle Hilfe suchen.

    LG Angelika Wende

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  35. uups... erwischt! Danke für den tollen Text, der ganz mein Thema ist. Dabei ist das Nein aussprechen eigentlich gar nicht so schwierig, aber das Aushalten der Reaktionen des Gegenübers und das Aushalten des dadurch entstehenden schlechten Gewissens umso mehr. Und im Bewusstsein dessen falle ich immer wieder zurück in meine Vermeidungsstrategie und sage doch Ja, wo eigentlich ein Nein gemeint ist.

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  36. Ich bin 37 Jahre und komme von meinem Eltern-Problem nicht los. Meine Eltern behandeln mich seit Kindertagen wie eine willenlose Marionette, die nur ihren Wünschen dienen muss. Wenn sie nicht bekommen, was sie wollen, werde ich mit Liebesentzug erpresst. Erpressung und Zwang, Wutanfälle und verbale Aggression sind ihre probaten Mittel. Aber egal, was ich mache, ich, wie ich bin, genüge nie, sie sind nie mit mir zufrieden. Ich empfinde sie selten als liebenswert und fühle mich dann auch nicht als liebenswert. Ich versuche mich zu wehren, meine Grenzen aufzuzeigen, in Distanz zu gehen. Trotzdem kehre ich immer wieder zurück, sehne mich nach ihrer Zuneigung, sauge sie auf, wie ein trockener Schwamm, bettel fast danach. Demütigen mich teils. Lasse mich in ihre Welt voller Probleme reinziehen, mich involvieren. Bin der Psycho Mülleimer meiner Eltern, so wie es immer war. Werde, vll selbst übergriffig?! Dann ist die Distanz dahin und alles geht von vorne los. Habe immer furchtbare Angst vor ihren unerfüllbaren Erwartungen, lasse mich dann aber doch wieder darauf ein. Am Ende ist wieder alles wie am Anfang, ich bin mega verletzt, wütend, ausgenutzt, verachtet. Undgehebin Distanz. Auch wenn ich im Beruf auf solche autoritären, narzistischen Vorgesetzten treffe, habe ich dieselben Abgrenzungsschwierigkeiten, habe ich Angst, meine Meinung zu sagen, mich zu wehren, bin ich eher diplomatisch, schwach, ängstlich, anbiedernd. Mir fehlt oft die Souveränität und Selbstsicherheit, dann weiß ich nicht, wie sollte ich mich um meinetwillen besser verhalten. Ich weiß oft nicht, wann ich taff reagieren darf oder was angemessen wäre. Ich bin von meinen Eltern nie körperliche schlecht behandelt worden, aber seelisch . Ich habe sehr große Angst, auch so aggressiv, autoritär, tyrannisch, übergriffig und launisch zu sein und zu werden, wie meine Eltern. Oder andersherum devot, ängstlich und unterwürfig zu sein. Ich habe nun eine Verhaltenstherapie begonnen. Wo ich das Gefühl habe, man nimmt das und mich nicht ernst und ich das Gefühl habe, ich bin verrückt/ich spinne und steigerte mich da rein. Das verunsichert mich sehr. Ich habe eh schon Probleme, auf meinen inneren Kompass zu hören. Bin ich mit der Verhaltens-Therapie auf dem richtigen Weg? Ich hatte immer das Gefühl, dass mir die Distanz vor meinen Eltern, am besten tut. Das löst aber nicht mein konditioniertes Verhalten, mit dem ich unglücklich bin bzw werde. Können Sie mir einen Ratschlag geben? MfG Chacha

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  37. Hallo Chacha, ich gebe keine Ratschläge, ich arbeite mit Menschen, die Probleme haben. Sie könnten sich einen Therapeuten suchen, bei dem Sie das Gefühl haben angenommen und verstanden zu werden.

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