Montag, 1. Juni 2026

Zwischenwelt

 

                                                             Foto: A.Wende


Du spürst ein Fehlen von Sinnhaftigkeit, als wärst du für niemanden mehr der Mensch, der du einst warst. Du weißt nicht mehr, wer du eigentlich bist. Weder für dich selbst noch für den verbliebenen Teil deiner Familie und deiner Freunde.
Du weißt nicht, wie du nach all den Verlusten jemals heilen sollst. Du versuchst es herauszufinden, doch du steckst völlig fest. Du bist antriebslos, emotional aufgewühlt und voller Trauer. Du ziehst dich in dich selbst zurück. Du weißt nicht mehr, wem du noch vertrauen kannst – dabei warst du sein Mensch, der vertraute und sich sicher fühlte. Du weißt nicht, wie du den Weg zurück nach Hause zu dir selbst, finden sollst.
 
Es fühlt sich an, als säßest du in einer Zwischenwelt – zwischen dem Leben, das war, und dem Leben, von dem du nicht weißt, wie es sein könnte. Du versuchst, dich daran zu erinnern, wer du bist, doch du weißt es nicht mehr.
Du weißt auch nicht, wer du sein wirst.
Die alten Muster, vertraute Verhaltensweisen und Strategien, funktionieren nicht mehr. Neue hast du noch nicht gefunden. Es ist, als säßest du in einem Kokon und wartetest darauf, aus ihm auszubrechen. Doch selbst dafür fehlt die die Kraft.
Eine alte Geschichte ist zu Ende gegangen, und es gelingt dir nicht, deine Geschichte aus einer völlig neuen Perspektive weiterzuschreiben.
Du kämpfst mit deiner Ungeduld. Mit Angst und Unsicherheit.
Du machst dir Druck, obwohl du weißt, dass gerade jetzt vor allem Geduld gefragt wäre. Du bist es leid, so viel Zeit in einem Zustand zu verbringen, in dem sich nichts bewegt. Leid, festzustecken, ohne auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben, wie das nächste Kapitel aussehen könnte.
Du bist müde. So unendlich müde.
Und trotzdem ist da etwas in dir, das noch nicht aufgegeben hat.
 
Vielleicht ist es genau diese Hoffnung, die dich durch die Zwischenwelt trägt. Nicht laut, nicht kraftvoll, sondern leise und beharrlich. Sie erinnert dich daran, dass nicht alles verloren ist, auch wenn du den Weg gerade nicht sehen kannst.
Vielleicht geht es im Moment nicht darum, zu wissen, wer du sein wirst. Vielleicht reicht es, darauf zu vertrauen, dass du dich Stück für Stück neu entdecken darfst. Dass Heilung nicht bedeutet, zu dem Menschen zurückzukehren, der du einmal warst, sondern Raum für den Menschen zu schaffen, der du werden kannst.
 
Der Kokon ist kein Gefängnis. Die Zwischenwelt ist nicht das Ende der Welt, sie ist ein Ort der Verwandlung. Und auch wenn sich heute noch alles starr und still anfühlt, bedeutet Stille nicht, dass nichts geschieht. Tief in dir arbeitet etwas. Es ordnet, es heilt, es lässt los und bereitet vor.
Du kennst das nächste Kapitel deiner Geschichte noch nicht. Aber dass du noch hier bist, dass du trotz allem weitersuchst, hoffst und fühlst, ist vbereits der erste Satz davon.
Und vielleicht wirst du eines Tages zurückblicken und erkennen, dass diese Zwischenwelt nicht das Ende war, sondern der Ort, an dem du begonnen hast, dir selbst neu zu begegnen.
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Freitag, 29. Mai 2026

„Wie kann es sein, dass ich wieder bei etwas Ähnlichem lande?“

 

                                                                  Zeichnung: A.W.


Eine ehemalige Co-Abhängige trennt sich von ihrem suchtkranken Partner. Kurz darauf lernt sie einen Mann kennen. Sie verliebt sich in ihn und später stellt sich heraus, dass der Vater des neuen Partners schwerer Alkoholiker ist.

Sie fragt: „Wie kann es sein, dass ich wieder in etwas Ähnlichem lande?“

Das wirkt tatsächlich seltsam oder fast schicksalhaft, psychologisch ist es aber gut nachvollziehbar. Menschen mit Co-Abhängigkeitsmustern entwickeln oft unbewusst eine starke Vertrautheit mit bestimmten Dynamiken -  emotional instabile Beziehungen, Verantwortung für andere übernehmen, Retteridentifikation, ständige Wachsamkeit, Misstrauen sich selbst und anderen gegenüber, Scham – und Schuldgefühle, Angst vor Ablehnung und Verlust. 

 

Wenn jemand sich aus einer Beziehung mit einem alkoholkranken Partner oder von einem suchtkranken Familenmitglied löst, verschwinden diese inneren Muster nicht automatisch sofort. Dann kann es leicht passieren, dass man sich kurz darauf wieder zu Menschen hingezogen fühlt, deren Lebensumfeld ähnliche emotionale Strukturen enthält, selbst wenn die neue Person selbst gar nicht alkoholabhängig ist.

Alkoholismus ist eine Familienkrankheit. 

Sie ist ein systemisches Geschehen, nicht weil alle Familienmitglieder alkoholabhängig sind, sondern weil sich das gesamte emotionale System an die Sucht anpasst. Diese Muster können noch lange wirken, selbst wenn später kein Alkohol mehr im Alltag existiert. Genau darin liegt auch die Tragik von Alkoholismus: Die Krankheit betrifft nicht nur die konsumierende Person. Sie prägt das ganze System – also alle, die mit dem Süchtigen zu tun haben, sie prägt Beziehungen, Bindungsstile und das emotionale Klima über Generationen hinweg. Ein Vater mit schwerer Alkoholabhängigkeit bedeutet, dass der Sohn bestimmte Überlebensstrategien gelernt hat, die einem ehemaligen Co-Abhängigen vertraut vorkommen. Das heißt nicht automatisch, dass die neue Beziehung „ungesund“ ist, oder dass man bewusst ein Konstrukt sucht, das mit Alkoholismus zu tun hat. Aber es kann bedeuten, dass das Nervensystem und das Bindungsmuster noch auf „ vertraute emotionale Landschaften“ reagieren.

Unbewusstes erkennt Unbewusstes blind.

Menschen erkennen oft nicht gleich den Grund warum sie einander anziehend finden, sondern sie spüren etwas Vertrautes im emotionalen Grundgefühl. Das läuft blitzschnell, intuitiv und unbewusst ab. Unsere Bindungs- und Beziehungsmuster wirken selten logisch oder bewusst gewählt. Deshalb können sich zwei Menschen stark voneinander angezogen fühlen und erst später merken - beide kennen Chaos aus Beziehungen, beide übernehmen zu viel Verantwortung, beide fühlen sich für die Gefühle anderer zuständig, beide wollen sich kümmern, helfen oder retten. 

 

Das „blind“ daran ist der Punkt: Das Unbewusste sucht eher Vertrautheit als emotionale Gesundheit.  

Diese Vertrautheit fühlt sich zunächst wie Chemie, Tiefe, Seelenverwandtschaft oder Schicksal, selbst wenn die zugrunde liegenden Muster später schwierig werden. Das heißt nicht, dass jede Verbindung zwischen zwei co-abhängigen Menschen zwangsläufig problematisch ist. Wenn beide reflektiert sind, wenn sie wissen wo sie selbst aufhören und der andere anfängt, wenn sie Eigenverantwortung übernehmen, ihre Muster erkennen und sich gesund abgrenzen kann daraus sogar etwas sehr Bewusstes entstehen.

 

Nur wenn wir Muster erkennen, entsteht überhaupt erst Wahlfreiheit.

Entscheidend ist, dass die alten Dynamiken nicht unbemerkt übernommen werden, dass man sie erkennt und nicht in Automatismen zurückfällt, z.B. indem man den anderen Co-abhängigen retten will, wie ehemals den alkoholkranken Partner oder das suchtkranke Familienmitglied.

 Solche Muster können gleichzeitig plausibel und irgendwie unheimlich wirken. Fakt ist: Viele ehemalige Co-Abhängige spüren eine starke Anziehung zu Menschen mit schwierigen Familiengeschichten. Sie haben dann das Gefühl, besonders verstanden zu werden, lassen sehr schnell intensive emotionale Nähe zu oder sie spüren den Impuls, wieder emotional Verantwortung zu übernehmen. 

 

Der entscheidende Punkt um nicht in die Wiederholungsfalle zu geraten ist Wachsamkeit und Selbstbeobachtung. Das heißt: Habe ich heute Grenzen? Kann ich meine Bedürfnisse äußern? Kann ich ein klares Nein sagen, ohne mich schuldig zu fühlen? Muss ich retten oder reparieren? Fühlt sich die Beziehung ruhig und sicher an oder intensiv und vertraut-chaotisch? Kann die andere Person Verantwortung für sich selbst übernehmen und tut sie das auch in ihren Handlungen? Gibt es eine Divergenz zwischen Worten und Handlungen?

Das Problem ist also nicht „Der Vater des Mannes ist alkoholkrank, sondern – erkennt die Frau ihre Muster und die Dynamik in der neuen Beziehung? Kommunikationsstil, emotionale Reaktionen, Bedürftigkeit, Anpassungsverhalten, Unsicherheit, Fürsorglichkeit, Distanz-Nähe-Muster usw.

 

Gerade Menschen mit Co-Abhängigkeits-Erfahrungen haben häufig ein sehr feines Gespür für bestimmte emotionale Dynamiken. 

Nicht im Sinne von: „Oha, der Vater ist Alkoholiker“, sondern eher: Mit dieser Person fühle ich mich sofort verbunden. Sie versteht mich auf eine besondere Weise. Sie ist empathisch, sie wirkt verletzlich. Ich möchte sie beschützen. Menschen aus suchtbelasteten Familien senden oft, ebenfalls unbewusst, bestimmte Signale: starke Anpassung, Harmoniebedürfnis, Schwierigkeiten mit Grenzen, emotionale Wachsamkeit, Verantwortungsgefühl für andere, Angst vor Konflikten oder vor Verlassenwerden. 

 

Das kann sich gegenseitig „bekannt“ anfühlen, lange bevor jemand über Alkoholismus spricht. Also nicht der Alkoholismus im System selbst wird erkannt, sondern die vertraute emotionale Struktur dahinter. Erst später erkennt man dann die Parallelen. Beziehungen entstehen in den meisten Fällen eben nicht über bewusste Entscheidungen, sondern über alte emotionale Prägungen, Nervensystem, Bindungserfahrungen und Vertrautheit.

 

Deshalb fragen sich Menschen nach einer toxischen oder co-abhängigen Beziehung: „Wie kann das sein, ich lande immer wieder in ähnlichen Dynamiken, obwohl die Menschen völlig anders sind.“

Es ist weder Schicksal noch Pech, es passiert unterhalb der bewussten Ebene.

 

 

 

Donnerstag, 28. Mai 2026

„Spring – und das Netz wird sich auftun.“

 

                                                                            Foto: A.W.

 
 
„Spring – und das Netz wird sich auftun.“
Dieser Satz wird dem Schriftsteller John Burroughs zugeschrieben. Es ist einer jener Sätze, die nicht erklären, sondern herausfordern. Dieser Satz spricht von einem inneren Teil in uns, der ahnt, dass Vertrautes und Sicherheit allein kein erfülltes Leben hervorbringen.
Manchmal stehen wir am Rand unseres bisherigen Lebens wie an einer Klippe. Hinter uns liegen Erfahrungen, Gewohnheiten, scheinbare Sicherheiten, Beziehungen oder Orte an denen wir leben und all das fühlt sich nicht mehr gut an. Vor uns liegt nichts Sichtbares. Kein Weg, kein Geländer. Es fühlt sich an als stünden wir vor einem riesigen Abgrund. Wir blicken hinein und wissen – wir müssen springen, denn wenn wir es nicht tun, wird nichts besser, sondern eher schlechter. Genau dort beginnt die eigentliche Bedeutung des Satzes: „Spring – und das Netz wird sich auftun.“
 
Dieser Sprung hat nichts mit Leichtsinn zu tun. Er verlangt vielmehr eine tiefe Form des Vertrauens. Nicht das Vertrauen darauf, dass nichts schiefgehen wird, sondern das Vertrauen darauf, dass wir im Fallen Fähigkeiten an uns entdecken, die uns im sicheren Stand verborgen bleiben. Wer immer nur wartet, bis alle Risiken ausgeschlossen sind, wird niemals erfahren, wer er hätte werden können.
 
Wir alle verbringen einen großen Teil unseres Lebens damit, Netze zu suchen, bevor wir springen. Und manche von uns wagen es nie. Wer den Mut hat zu springen, verzichtet auf die Gewissheit vor der Entscheidung, die Antworten vor dem Aufbruch, die Garantie vor dem Risiko. Das Leben aber folgt selten dieser Ordnung. Unsere entscheidenden Erfahrungen entstehen oft erst, nachdem wir den Mut hatten, zu springen. Erst im Sprung zeigt sich, was uns tragen kann. Vielleicht sind es Menschen, die erst jetzt erscheinen. Vielleicht ist es die eigene Kraft, die erst im Augenblick der Unsicherheit geboren wird. Vielleicht ist das Netz auch die Erkenntnis, dass selbst ein Scheitern nicht das Ende bedeutet. Denn oft ist nicht der Sturz das Gefährlichste, sondern ein Leben, das aus Angst besteht oder dem zersetzenden Gefühl im falschen Leben zu sein, am falschen Ort, mit den falschen Menschen. 
 
Wir wollen Kontrolle, Berechenbarkeit, Absicherung. Das ist menschlich, aber zugleich ist es auch das, was uns davon abhält etwas Neues zu wagen. Doch die entscheidenden Augenblicke eines Lebens entziehen sich fast immer der vollständigen Planung. Alles Wesentliche beginnt mit einem Schritt, dessen Ausgang unbekannt ist.
Der Mensch wächst nicht durch Gewissheit, sondern durch Wagnis.
Jeder wirkliche Neubeginn trägt dieses Wagnis in sich – der Sprung ins Unbekannte, ohne die Sicherheit, dass wir aufgefangen werden. Der Sprung ins Ungewisse ist kein irrationaler, leichtsinniger Akt, sondern der Moment, in dem wir über uns selbst hinauswachsen. Er ist ein Schattensprung. Er ist die Weigerung, innerhalb der Grenzen zu leben, die die Angst gezogen hat. Und vielleicht besteht Weisheit nicht darin, niemals zu fallen, sondern darin zu erkennen, dass das Leben selbst oft erst im Fallen seine verborgenen Netze offenbart.
Dennoch ist der Sprung beängstigend.  Wer springt, braucht verdammt viel Mut, denn er akzeptiert die Möglichkeit des Aufschlags. Und genau darin liegt eine tiefe innere Freiheit: zu verstehen, dass ein verfehlter Versuch weniger tragisch ist als ein Leben, das keins ist und aus Furcht niemals begonnen wurde. Nicht jeder Sprung endet sanft. Doch jeder Sprung verändert den Menschen, der ihn wagt.
 
Das Wesentliche im Leben ist nun mal selten berechenbar.
Liebe entsteht nicht aus Kontrolle. Sinn nicht aus Absicherung. Wachstum nicht aus Gewohnheit. Erkenntnis nicht aus Stillstand. Freiheit nicht im Käfig.
 Ein Mensch wächst nicht dort, wo alles sicher ist, sondern dort, wo er bereit ist, sich dem Ungewissen auszusetzen. Vielleicht ist das Netz am Ende nichts anderes als das Leben selbst, nicht sichtbar, solange wir am Rand stehen, und erst erfahrbar in dem Moment, in dem wir den Mut finden zu springen.
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Montag, 25. Mai 2026

Schreiben kann viel für uns tun

 


 

Eine Klientin entdeckte für sich das expressive Schreiben nach James Pennebaker. Als sie von der Methode las, entstand in ihr die Hoffnung, dass sich traumatische Erfahrungen durch radikal ehrliches Schreiben emotional lösen könnten. Die Vorstellung, den Schmerz endlich vollständig ausdrücken zu können, erschien ihr wie ein möglicher Weg zur Befreiung.

Das expressive Schreiben nach dem US-Psychologen James Pennebaker ist eine wissenschaftlich belegte Methode, um belastende Gedanken, Traumata oder Stress abzubauen. Durch das freie, unzensierte Aufschreiben der eigenen Gefühle lassen sich emotionale Blockaden lösen, die mentale Gesundheit stärken und der Schlaf verbessern. Fragmentierte Erinnerungen, die noch nicht zu einer Geschichte geformt wurden, erfordern fortlaufend kognitive Ressourcen, um unterdrückt und verwaltet zu werden. Sie niederzuschreiben, ihnen eine Gestalt zu verleihen, scheint hingegen Kapazitäten freizusetzen. Das, wofür man noch keine Worte gefunden hat, ist nicht bloß emotional unvollendet.

Sie begann intensiv zu schreiben. Zunächst in einem Tagebuch, später immer umfassender. Schließlich entstand aus ihren Aufzeichnungen ein ganzes Buch, in dem sie ihre traumatischen Erfahrungen detailliert beschrieb. Sie hielt Erinnerungen fest, rekonstruierte Situationen, benannte Gefühle, analysierte Zusammenhänge und versuchte, dem Erlebten sprachlich eine Form zu geben.

Irgendwie erwartete sie: „Wenn ich endlich alles ausdrücke, bin ich frei.“ Doch am Ende des Schreibprozesses stellt sie fest, dass sich der innere Schmerz nicht aufgelöst hatte. Die Erinnerungen existieren weiterhin, ebenso die emotionale Belastung. Sie erlebte dies als tief enttäuschend und sagt:  „Ich habe meine Traumata in einem ganzen Buch aufgeschrieben. Nichts. Es hat sich nicht gelöst.“

Im weiteren Verlauf unserer Sitzungen Verlauf wird deutlich, dass traumatischer Schmerz häufig nicht allein durch sprachliche Verarbeitung verschwindet. Das Problem liegt dabei  nicht in fehlender Erinnerung oder mangelnder Einsicht. Im Gegenteil: Die Klientin kannte ihre Geschichte und was sie mit ihr gemacht hat bis ins Detail. Dennoch blieb etwas in ihr unverändert verletzt.

Heißt das jetzt, Schreiben hilft nichts? Nein, das heißt es nicht. Ich bin absolut für das Schreiben. Schreiben ist eine Form von Therapie. Schreiben ist heilsam.

 

Schreiben kann

Ordnung schaffen,

Zeugenschaft geben,

Sprachlosigkeit beenden,

Eingedrücktes ausdrücken,

Erinnerung strukturieren.

Kohärenz herstellen,

Kreativität fördern,

Selbstausdruck, Selbstbewusstsein und Selbstkenntnis fördern,

belastende Gedanken und Stress abbauen,

emotionale Blockaden lösen,

die mentale Gesundheit stärken.

Schreiben kann so viel für uns tun.

 

Aber Trauma ist nicht nur Erinnerung, die wir in Worte fassen. Es zeigt sich auch im Nervensystem, in körperlichen Alarmreaktionen, in Scham- und Schuldgefühlen, in Ängsten, Hilflosigkeit, Erstarrung, Rückzug, Selbstisolation, Misstrauen, innerer Übererregung und tief verankerten Beziehungserfahrungen. Und es ist möglich, dass eine Methode einfach nicht zu uns passt. Das ist kein persönliches Versagen, es sagt nur, dass jeder von uns etwas anderes braucht um zu genesen. Was dem einen hilft, hilft dem anderen eben nicht.

Meine Klientin erkannte allmählich: Man kann ein Trauma intellektuell vollständig verstanden haben und dennoch emotional und körperlich darin feststecken. Das Schreiben hat ihre Erfahrungen zwar strukturiert und sprachlich zugänglich gemacht, den Schmerz und die Angst, hat es jedoch nicht beseitigt. Es hatg Ordnung geschaffen und der Sprachlosigkeit etwas entgegengesetzt, aber keine tiefe Erlösung gebracht. Besonders schmerzhaft war für sie die Erkenntnis: „Jetzt habe ich alles vollkommen beschrieben und es tut trotzdem weh.“Sie hatte gehofft, dass maximale Ehrlichkeit und radikale Konfrontation irgendwann zur Befreiung führen würden. Stattdessen muss sie erkennen, dass Trauma sich nicht einfach „wegschreiben“ lässt.

Im weiteren Verlauf unserer Gespräche verändert sich ihre Vorstellung von Heilung. Heilung bedeutete nun weniger: „Der Schmerz verschwindet“, sondern: Meine Erinnerungen überwältigen mich weniger oft, mein Körper findet Phasen der Ruhe, ich bin nicht permanent im Alarmzustand, es gibt wieder Momente von Freude und Lebendigkeit, ich kann wieder Entscheidungen für mich selbst treffen und der Schmerz bestimmt nicht mehr jede Minute meines Bewusstseins.

Trauma erschien ihr schließlich weniger wie eine Geschichte, die gelöst werden muss, sondern wie eine reale Verwundung. Eine körperliche Narbe verschwindet schließlich auch nicht vollständig, nur weil wir ihre Geschichte exakt erzählen können. Zudem wurde ihr klar, dass sie das intensive Schreiben über die schmerzhafte Vergangenheit lange Zeit sehr nah an der Verletzung gehalten hat, fast wie in einer dauerhaften Wiederaktivierung des Traumas. Verarbeitung bedeutet nicht immer zwangsläufig maximale Konfrontation und ewiges Durcharbeiten. Wenn sich ein Trauma nicht lösen kann, löst es sich nicht. Auch das dürfen wir anerkennen. Und das bedeutet nicht wir haben versagt. Es bedeutet, da ist etwas maximal Erschütterndes geschehen, das wir nicht loswerden und mit dem wir zu leben lernen müssen, was wir in unsere Ganzheit integrieren müssen, statt ewig mit allen Mitteln dagegen anzukämpfen.

Langsam gelang es meiner Klientin, innerlich etwas anderes zu erfahren:
„Ich muss diesen Schmerz nicht lösen.“ Sie hat das nicht als Heilung erlebt, sondern als das Ende eines permanenten inneren Kampfes. Der Schmerz ist nicht verschwunden. Aber er beginnt allmählich, seine absolute Macht über sie zu verlieren.

Heilung bedeutet nicht unbedingt und immer vollständige emotionale Reinigung, sondern die Fähigkeit, neben dem Schmerz wieder uns selbst und das Leben wahrnehmen zu können und es zu gestalten. Meine Klientin schreibt weiter, ohne Erwartungen damit zu verknüpfen.

 

Kontakt: aw@wende-praxis.de

 

Freitag, 22. Mai 2026

Die Seele hungert nicht nach Perfektion, sondern nach Wahrheit




Viele Menschen leidet nicht zuerst an der Welt, sondern an sich selbst. An den Stimmen in ihrem Inneren, die niemals verstummen. An den Erinnerungen, die sie festhalten, den Geschichten über sich selbst, die sie sich wieder und wieder erzählen, an den Erwartungen, die sie an sich selbst, an andere und das Leben haben, an den Annahmen darüber wie die Dinge zu sein haben und an der Sehnsucht, jemand anderes sein zu wollen als der, der sie sind.

Die meisten Menschen verbringen ihr Leben damit, vor sich selbst zu fliehen. Sie suchen Ablenkung und Betäubung, verlieren sich im Denken statt im Fühlen, im Vergleichen, im Ehrgeiz, im Haben, in Beziehungen, in Selbstidealisierung oder in Projektionen auf andere. Alles scheint leichter, als still zu werden und dem eigenen Inneren zu begegnen. Denn dort wartet oft etwas Unangenehmes: Unsicherheit, Angst, Leere, Einsamkeit, Schmerz, Trauer oder das Gefühl, nie genug zu sein und nie genug zu haben. Sie bauen Fassaden, während in ihnen etwas Zerbrechliches um Anerkennung und Frieden ringt. Das Tragische daran ist, dass viele erst dann merken, wie fremd sie sich selbst sind, wenn die Maske Risse bekommt.

Wir alle tragen die Fähigkeit in uns, uns selbst zu erschaffen, aber auch, uns selbst zu zerstören. Vielleicht liegt genau darin das tiefste Leiden - dass der Mensch gleichzeitig derjenige ist, der Heilung sucht, und derjenige, der sich selbst immer wieder verletzt.

Die Seele hungert nicht nach Perfektion, sondern nach Wahrheit. Wahrheit bedeutet, sich selbst ohne Ausreden zu sehen. Das ist schwerer, als gegen jede äußere Krise zu kämpfen.

 

Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Donnerstag, 21. Mai 2026

Alt genug für die Schublade

 



 
Gestern bei der Physiotherapie lächelt mich der Therapeut breit an und sagt: „Für ihr Alter sehen sie noch verdammt gut aus.“
Ups!, Ich lächle irritiert, atme kurz ein und aus und sage: „Hm, interessant!, für mein Alter?“ 
Ihm rutscht das Lächeln aus dem Gesicht.
 
Was will er mir mit dem Satz sagen, und was sagt der Satz wirklich?
Er klang fast wie ein Kompliment, aber eben nur fast. Seine Stimme war warm, die Situation entspannt, sein Verhalten überaus charmant. Aber der Satz hat etwas in mir ausgelöst. Nicht laut, nicht dramatisch, eher wie ein kleiner innerer Stich, eine Mikrokränkung.
Während der Satz oberflächlich Anerkennung ausdrückt, ist da noch etwas anderes - eine Einordnung. Nicht einfach „Sie sehen gut aus“, sondern „sie sehen noch gut aus, trotz ihres Alters. Noch gut. Heißt das, eigentlich müssten sie in ihrem Alter hässlicher aussehen? Genau dieses „trotz“ ist der Stich. Es schränkt das Gesagte ein, es verschiebt es aus der Ebene einer direkten Wahrnehmung in eine Bewertung innerhalb einer Norm. Gutes Aussehen wird nicht als unmittelbare Eigenschaft meiner Person beschrieben, sondern als etwas, das im Vergleich zu meiner Altersgruppe beurteilt wird.
Mal ehrlich. Welche Frau will so was hören, egal wie alt sie ist? Das klingt wie eine Herabsetzung mit rosa Blümchen verziert. 
 
Jungsein ist der Maßstab für gutes Aussehen, vor allem was uns Frauen betrifft. Die Abwertung älterer und alter Frauen in unserer Gesellschaft ist nichts Neues und zeigt wie tief diese Abwertung ins kollektive Gedächtnis eingebrannt ist, es zeigt, dass Frauen noch immer mehr als Männer an altersbedingten Schönheitsnormen gemessen werden. Wer als Frau alt ist hat das gesellschaftlich gesetzte Verfallsdatum überschritten. Alt sein ist übel und wer als Frau nicht jünger und besser aussieht, als sie alt ist, wird sowieso unsichtbar. Attraktivität ist etwas für junge Frauen in den Köpfen der meisten Zeitgenossen.
 
Der Satz ist sozial grob. Ein echtes Kompliment klingt schlicht so: „Sie sehen gut aus.“ Punkt. Der Zusatz bewertet, relativiert und kategorisiert. Ich spüre am Abend, als ich mein altes, noch, gut aussehendes Gesicht, abschminke, wie mich das getroffen hat. Nicht, weil ich mich selbst nicht realistisch sehe, aber ich wurde durch eine Brille gesehen, die mich in eine Schublade einordnet. Vielleicht war es nicht seine Absicht. Vielleicht war es sogar als freundliches Kompliment gemeint. Aber Wirkung und Absicht sind nicht dasselbe. Und die Wirkung war, dieses Gefühl nicht wirklich gesehen zu werden - als weibliches Individuum.

Mittwoch, 20. Mai 2026

Wenn Konflikte ungelöst bleiben – vom Versuch der Verständigung zum inneren Frieden

 


Konflikte sind ein Bestandteil menschlichen Zusammenlebens.
Sie können in allen Lebensbereichen auftreten, sei es im persönlichen Umfeld, am Arbeitsplatz oder in der Politik. Konflikte entzünden sich an Gegensätzen. Konflikte leben aus Spannungen zwischen polaren Ansichten und Sichtweisen. Konflikte resultieren aus Dissonanzen. Sie entstehen, wenn unterschiedliche Empfindungen, Überzeugungen, Ziele, Interessen, Bedürfnisse oder Werte aufeinandertreffen und nicht im Einklang miteinander stehen. Konflikte gibt es in Beziehungen mit anderen oder in uns selbst. 
 
Manche Konflikte sind lösbar, andere nicht. Sie schwelen weiter.
Um Konflikte wirklich abschließen zu können, ist es notwendig, uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Dazu gehört Bereitschaft - die Bereitschaft sich überhaupt damit auseinandersetzen zu wollen um eine Einigung zu finden. Was aber wenn es diese nicht gibt? Wenn der andere mit dem wir im Konflikt sind, partout nicht bereit ist eine Lösung zu finden?
Dann bleibt nur ein schmerzhafter Teil des Konflikts sichtbar -
dass Konflikte nicht allein daran scheitern, wie man miteinander spricht, sondern daran, dass mindestens eine Seite gar keine gemeinsame Lösung will.
Ein Konflikt braucht nicht nur Gegensätze, sondern auch einen gemeinsamen Raum, in dem beide bereit sind, sich wertschätzend zu begegnen. Fehlt diese Bereitschaft, verändert sich die Natur des Konflikts. Dann geht es nicht mehr um Verständigung, sondern um Abgrenzung, Macht, Vermeidung, Kontrolle, Rückzug oder Selbstschutz.
 
Wir können einen Konflikt niemals vollständig allein lösen, aber wir können lernen, den eigenen Anteil daran zu klären und abzuschließen. 
Das bedeutet anzuerkennen, dass man den anderen nicht zwingen kann, die eigene Erwartung an Einsicht oder Versöhnung loszulassen, es bedeutet zu unterscheiden zwischen „den Konflikt lösen“ und „mit dem Konflikt leben lernen“ und manchmal auch zu akzeptieren, dass eine Einigung nicht mehr möglich ist. Fehlt die Bereitschaft des anderen, sich überhaupt auf eine Auseinandersetzung einzulassen, Verantwortung zu übernehmen oder eine Verständigung zu suchen, bleibt das Gefühl zurück, festzustecken, zwischen Hoffnung, Enttäuschung und dem Wunsch nach einem Abschluss, der nicht kommt. Manche Konflikte enden daher nicht mit Verständigung, sondern mit einer Entscheidung. Wir gehen in Distanz, wir ziehen eine Grenze, wir nehmen bewusst Abstand und sagen: "Dafür stehe ich nicht mehr zur Verfügung!" Wir verzichten darauf weiter um etwas zu kämpfen, was nur gemeinsam lösbar wäre. Wir lassen es sein und lassen innerlich los, was nicht in unserem Einflussbereich liegt. 
Das ist keine Niederlage. Es bedeutet, wir erkennen an: Beziehung braucht Gegenseitigkeit und Wertschätzung, auch in der Konfliktlösung.
 
Dennoch ist die Auseinandersetzung damit wichtig. 
Nicht mehr, um den anderen zu verändern, sondern damit der Konflikt in uns selbst nicht dauerhaft weiterwirkt.  
Ungelöste Konflikte verschwinden nicht einfach, sie brodeln weiter im Inneren. Sich mit einem ungelösten Konflikt auseinanderzusetzen bedeutet deshalb: nicht mehr nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, sondern nach unserem eigenen inneren Umgang damit.
Der erste Schritt besteht darin, die Realität anzuerkennen. Es wird keine gemeinsame Lösung mehr geben. Solange wir innerlich darauf warten, dass der andere Einsicht zeigt, auf uns zugeht, sich erklärt oder verändert, bleiben wir in den Konflikt verstrickt. Anerkennen bedeutet nicht, das Verhalten des anderen gutzuheißen. Es bedeutet, aufzuhören, gegen etwas anzukämpfen, was wir nicht kontrollieren können.
 
Es ist wichtig, die eigene Verletzung ernst zu nehmen.
Hinter ungelösten Konflikten liegen oft Gefühle von Enttäuschung, Kränkung, Wut, Ohnmacht, Trauer, Schuld, Groll, Bitterkeit oder Resignation. Viele Menschen versuchen, diese Gefühle zu verdrängen indem sie nur rational auf den Konflikt schauen. Doch Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass wir sie ignorieren oder verdrängen. Gefühle wollen wahrgenommen und gefühlt werden. Erst wenn wir uns ehrlich eingestehen, was uns verletzt hat, kann die Verarbeitung beginnen.
Dazu gehört auch, den eigenen Anteil am Konflikt zu betrachten, nicht im Sinne von Schuldzuweisung, sondern als Selbstklärung. Welche Erwartungen hatte ich? Wo wurden meine Grenzen verletzt? Warum trifft mich dieser Konflikt so tief? Welches Thema, das lange schon in mir gärt, wurde dadurch berührt? Welche Erfahrung, die ich von früher kenne, wiederholt sich? Und: wie gehe ich mit der Zurückweisung um? 
 
Wir haben keine Macht über andere Menschen.
Den anderen können wir nicht verändern, unseren eigenen Umgang mit der Situation jedoch schon.
Besonders schwer wird es dann, wenn wir innerlich weiter auf etwas hoffen, das der andere uns nie geben wird: Verständnis, Einsicht, eine Entschuldigung, Anerkennung, Wertschätzung oder Gerechtigkeit. Solange diese Erwartungen bestehen bleiben, bleibt auch der Konflikt lebendig. Innerer Frieden entsteht erst dann, wenn wir akzeptieren, dass wir bestimmte Antworten niemals bekommen werden, dass es Dinge gibt, die nicht lösbar sind. 
 
Manche Konflikte machen neue Grenzen notwendig.
Wir geben den Kampf auf. Wir gehen in Distanz. Wir grenzen uns ab. Abgrenzung bedeutet nicht Ablehnung, aber sind sie notwendig, um uns selbst zu schützen. Letztlich geht es darum, dem Konflikt einen Platz im eigenen Leben zu geben, ohne ihn ständig neu innerlich auszutragen.
Nicht jeder Konflikt endet mit einer Versöhnung. Manche enden damit, dass wir aufhören, innerlich weiter Krieg zu führen gegen das, was unveränderbar ist. Wir akzeptieren was ist. Und diese Akzeptanz bedeutet nicht zu vergessen oder gutzuheißen, was ist. Es bedeutet lediglich, dem Konflikt nicht länger die Macht zu geben, unseren inneren Frieden dauerhaft zu belasten. Nicht jeder Konflikt ist lösbar, aber ein innerer Abschluss ist möglich, wenn wir die Bereitschaft haben sein zu lassen, was nicht sein soll.
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende.praxis.de



Montag, 18. Mai 2026

Fremde Haut

 

                                                                                 Malerei: A.Wende

 
„Ich kann eben nicht aus meiner Haut“, sagt sie, als ich sie zum gefühlt hundertsten Mal bitte, mir zuzuhören, mich nicht ständig zu unterbrechen und während wir reden nicht aufs Handy zu schauen.
 
Die Haut, aus der sie nicht raus kann, will sie anderen abreißen.
Andere haben keinen Willen.
Andere sehen nicht, wo es langgeht.
Andere begreifen nicht, was sie verändern müssten.
 
Die anderen — die sollen aus ihrer Haut raus, wenn es nach ihr geht. 
Sie selbst kann es eben nicht.

Sonntag, 17. Mai 2026

„Du musst dir nur selbst Zuwendung und Aufmerksamkeit geben und schon klappt das mit der Heilung."

 

                                                                 Foto: A.Wende

 
„Du musst dir nur selbst Zuwendung und Aufmerksamkeit geben und schon klappt das mit der Heilung."
Sätze wie diese sind flache Antworten der Ratgeberpsychologie auf innere Prozesse, die psychisch und körperlich sehr viel komplexer sind.
 
Warum funktioniert das nicht?
Weil „Zuwendung und Aufmerksamkeit“ allein oft nicht das berühren, was in uns verletzt wurde. Heilung ist nicht nur eine bewusste Entscheidung, sondern auch ein Vorgang des Nervensystems, der Beziehungserfahrungen und innerer Prägungen.
 
Wenn unser Körper oder unsere Psyche über lange Zeit Stress, Angst, Unsicherheit oder emotionale Überforderung erlebt haben, bleibt unser System in einem dauerhaften Alarmzustand. Dann reagieren wir nicht aus innerer Sicherheit heraus, sondern aus Anpassung, Schutz oder Überleben. In solchen Zuständen reicht Verständnis und innere Zuwendung allein nicht aus.
Viele von uns verstehen ihre Muster sehr gut. Wir wissen, warum wir uns zurückziehen, warum wir Angst vor Nähe haben oder uns selbst ständig abwerten. Und trotzdem verändert dieses Verstehen oft zunächst wenig. Denn psychische Verletzungen sitzen nicht nur im Denken, sondern auch im Körper, in emotionalen Reaktionen und in tief verinnerlichten Beziehungserfahrungen.Deshalb braucht Heilung wiederholte neue Erfahrungen nicht nur liebevolle Gedanken.
Sie braucht Sicherheit im Kontakt mit anderen Menschen.
Viele Wunden entstehen in Beziehungen und zeigen sich später auch dort wieder - in Angst vor Ablehnung, im Gefühl wertlos zu sein oder nicht zu genügen, in Misstrauen oder in emotionaler Überanpassung. Deshalb geschieht Heilung nicht ausschließlich allein, sondern auch in Beziehung. Gesehen, verstanden und emotional gehalten zu werden kann verändern, was reine Selbstbeobachtung und Selbstzuwendung nicht erreicht. Das Nervensystem braucht Selbstregulation und Co-Regulation um sich wieder sicherer zu fühlen. 
 
Heilung braucht die Fähigkeit, Gefühle tatsächlich zuzulassen.
Viele von uns analysieren sich selbst sehr genau und bleiben dennoch innerlich abgeschnitten von ihrer Trauer, von Wut, Scham, Angst oder Einsamkeit. Gefühle zu verstehen ist nicht dasselbe wie sie zu fühlen.
 
Heilung braucht Zeit.
Unser Nervensystem lernt durch Wiederholung. Eine einzelne positive Erfahrung reicht oft nicht aus, wenn über Jahre etwas anderes gelernt wurde. Erst durch wiederholte Erfahrungen von Sicherheit, Verbindung oder Selbstwirksamkeit beginnt sich innerlich langsam etwas zu verändern.
Selbstzuwendung anfangs sogar unangenehm sein.
Manche von uns geben sich Aufmerksamkeit und plötzlich tauchen Leere, Schmerz oder innere Unruhe auf. Wir versuchen freundlich mit uns zu sein, aber ein anderer Teil in uns glaubt diese Freundlichkeit nicht. Wir gehen in die Ruhe, meditieren oder ziehen uns zurück und merken, dass sich Stille nicht beruhigend, sondern bedrohlich anfühlt.
Das bedeutet nicht, dass wir „falsch heilen“. Oft zeigt sich darin nur, wie sehr unser System gelernt hat, angespannt, wachsam oder selbstkritisch zu sein.
Für manche Menschen fühlt sich echte Nähe zu sich selbst deshalb zunächst ungewohnt oder sogar unsicher an. Besonders dann, wenn sie früh lernen mussten, Gefühle zu unterdrücken, stark zu sein, zu funktionieren oder wenig emotionale Sicherheit erlebt haben. Solche Muster werden mit der Zeit oft Teil der eigenen Identität und wirken irgendwann selbstverständlich.
 
Heilung braucht Geduld mit uns selbst.
Alte Verletzungen verschwinden nicht automatisch, nur weil wir sie verstehen oder freundlich mit uns sein wollen. Unser Nervensystem kann dauerhaft auf Alarm stehen. Aufmerksamkeit auf uns selbst kann Schmerz sogar sichtbarer machen. Dann wird es zuerst schlimmer statt besser.
Viele von uns verwechseln Selbstzuwendung mit Kontrolle:
„Wenn ich alles richtig mache, muss es besser werden.“ Aber Heilung verläuft nicht linear.
Es funktioniert nicht, obwohl wir aufmerksam mit uns sind, weil wir innerlich weiterhin hart und abwertend zu uns sind oder im Überlebensmodus bleiben. Wir können uns beobachten, ohne uns wirklich sicher zu fühlen. 
 
„Zuwendung und Aufmerksamkeit für uns selbst“ allein berührt nicht das eigentliche Problem.
Sätze wie: „Liebe dich einfach selbst, dann heilt alles“, klingen wie ein Hohn, besonders für diejenigen, die es nicht schaffen, sich selbst zu lieben. Und sie sind nicht wahr.
Heilung funktioniert nicht wie ein Schalter, auf dem „Selbstliebe“ steht und den wir einfach anknipsen können. Trauma, Ablehnung, Angst, Überforderung, alte Erfahrungen, Depressionen, Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Süchte oder psychiatrische Erkrankungen reagieren nicht auf liebevolle Gedanken uns selbst gegenüber, um sich einfach in Wohlgefallen aufzulösen.
Viele Menschen suchen nach dem einen Moment, in dem endlich alles „richtig“ wird. Aber Heilung fühlt sich oft eher unspektakulär an. Und nicht alle Wunden verschwinden komplett. Darum geht es auch nicht — es geht darum, sie zu integrieren und zu lernen, mit ihnen zu leben und mit ihnen umzugehen. Dann kann sich das Verhältnis zu uns selbst verändern.
 
Heilung bedeutet nicht, dass alles verschwindet.
Es bedeutet einen anderen Umgang mit dem eigenen Schmerz zu entwickeln. Zu lernen, sich selbst nicht nur zu kontrollieren oder zu optimieren, sondern sich langsam sicherer im eigenen Inneren zu fühlen. Und vor allem gehört dazu die Erkenntnis, dass Heilung nicht linear verläuft. Es gibt Fortschritte, Rückfälle, Phasen von Hoffnung und Phasen von Erschöpfung. Nicht weil wir versagen, sondern weil psychische Prozesse selten geradlinig funktionieren.
 
Heilung ist ein komplexer, individueller Prozess.
Eine psychische Erkrankung ist kein Mindset, sie ist ein schmerzhafter Kampf im Inneren des Gehirns und des Körpers.
Selbstliebe ist etwas, das sich langsam entwickeln kann, wenn unser inneres System beginnt, Sicherheit, Verbindung und Vertrauen zu erleben. Heilung ist langer Weg, der bei jedem Menschen anders verläuft und in dem jeder etwas anderes braucht, um heilen zu können.
Wenn sich auf diesem Weg irgendwann Selbstliebe einstellt, ist das etwas Wundervolles. Aber sie ist oft das Ende des Weges und nicht der Anfang.
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Samstag, 16. Mai 2026

Gute Gespräche verbinden den Verstand. Tiefe Verbindung verbindet Herzen

                                                                   Foto: A.Wende
 


“The Heart is a lonely hunter with only one desire! To find some lasting comfort in the arms of anothers fire… driven by a desperate hunger to the arms of a neon light, the heart is a lonely hunter when there's no sign of love in sight”, schreibt Carson McCullers in “The Heart is a Lonely Hunter”.
So viele einsame Herzen da draußen. So viele Menschen, die sich nach gehalten werden, nach Liebe sehnen und sie nicht finden, oder sie hatten und verloren haben. So viele Menschen da draußen und trotzdem - der oder die eine findet sich nicht. So viele Begegnungen, Gespräche und doch keine Verbundenheit spüren.
And the Heart stays a lonely Hunter.
 
Sicher, es gibt Menschen mit denen man sich gut unterhalten kann, aber es entsteht keine tiefe Verbindung. Es gibt gute Gespräche über gemeinsame Interessen, ähnliche Gedanken oder man hat einen ähnlichen Humor. Man redet miteinander, versteht die Ansichten des anderen und fühlt sich geistig angeregt. Das kann durchaus angenehm sein und es kann kurzfristig ein Gefühl von Nähe erzeugen, bleibt aber auf der Ebene des Austauschs. Sich gut unterhalten zu können bedeutet vor allem, dass die Kommunikation funktioniert. Dass Gedanken, Interessen oder auch der Humor passen.
Aber da fehlt etwas!, sagt das Herz. 
 
Es fehlt Resonanz.
Resonanz geht tiefer. Sie entsteht, wenn wir uns innerlich vom anderen erreicht und berührt fühlt und den anderen innerlich berühren. Dann, wenn nicht nur die Worte passen, sondern auch das Gefühl dahinter. Dann, wenn wir spüren, dass etwas in unserem Inneren antwortet und mitschwingt. Dann entsteht das Gefühl von Echtheit und emotionaler Nähe. Wir fühlen uns gesehen, verstanden, nicht mehr allein mit dem, was wir empfinden. Es braucht kein ständiges reden, auch ohne Worte wird tiefe Begegnung spürbar. Resonanz ist so viel mehr als Harmonie oder gleiche Interessen. Sie ist das Erleben, wenn zwei Menschen sich gegenseitig wirklich berühren, emotional, menschlich, unausgesprochen. Wir verstehen nicht nur, was der andere sagt, sondern spüren ihn auf einer tieferen Ebene. Wir müssen uns nicht verstellen, wir müssen nicht performen - wir fühlen einander, wir fühlen uns gesehen und angenommen. Wir liegen einander am Herzen. Das macht für mich eine Begegnung bedeutungsvoll. 
Fehlt sie, bleibt das Herz ein einsamer Jäger.
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Freitag, 15. Mai 2026

Wird es je wieder gut?

                                                                  Foto: A.Wende



Meine Klientin sieht mich aus traurigen Augen an: „Wird es je wieder gut?“
Die Frage hat mich tief berührt. Vielleicht, weil sie so schlicht war. Keine theoretische Frage, keine Analyse, nur dieser eine Satz. Eine Frage, die Menschen oft dann stellen, wenn sie erschöpft sind vom Schmerz. 

Und für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie eine Mutter, deren Kind verzweifelt und traurig vor ihr steht. Die Mutter, die am liebsten sofort Trost schenken würde, Sicherheit, Gewissheit, eine Zukunft ohne Schmerz. Etwas in mir wollte sagen: Ja, es wird wieder gut.
Aber ich konnte es nicht.
Ich habe geantwortet:
„Ich weiß es nicht. Manches wird sicher wieder gut. Und manches nicht.“

Früher hätte ich vielleicht „ja“ gesagt. Hätte gesagt, dass die Zeit vieles heilt, dass neue, bessere Wege entstehen, dass Menschen stärker und wandlungsfähiger sind, als sie glauben. Und auch das stimmt manchmal. Aber je länger ich Menschen begleite, je mehr im Leben ich erfahre, desto vorsichtiger bin ich geworden mit schnellen Antworten. Besonders vorsichtig bin ich mit Versprechen, besonders jenen, die ich nicht einlösen kann, weil es nicht in meiner Macht liegt.

Nicht alles heilt. Nicht jede Wunde schließt sich.
Es gibt Verluste, die bleiben. Lebensträume, die nicht zurückkehren. Manche Erfahrungen hinterlassen Narben, die nicht verschwinden, sondern Teil unserer selbst werden.
Und doch bedeutet das nicht zwangsläufig Hoffnungslosigkeit.
Vielleicht liegt das Problem im Wort „wieder“. Als müsste das Leben zu einem früheren Zustand zurückkehren, damit es wieder gut werden kann. Aber oft geschieht etwas anderes: Das Alte kommt nicht zurück, Zerbrochenes bleibt zerbrochen, Vertrauen bleibt zerstört, eine Liebe endet, Menschen verlassen uns oder gehen verloren und dennoch entsteht mit der Zeit etwas Tragfähiges. Nicht dasselbe Glück. Nicht dieselbe Unbeschwertheit. Nicht derselbe Mensch, der wir waren, aber eine andere Form von Leben, eine andere Identität.
Wachstum.
Reife.
Würde.
Innerer Frieden.
Wahrhaftigkeit.
Sanftheit, Geduld und Mitgefühl mit uns selbst.
Selbstliebe.

Gottes Geschenk an uns sind Möglichkeiten und die gibt es solange wir leben. Anders als wir es uns vorgestellt haben, anders als wir es gerne hätten.

Menschen fragen oft: „Wird alles wieder gut?“ Vielleicht weil sie sich nach Gewissheit sehnen. Nach jemandem, der sagt: Du wirst nicht fallen. Du wirst nicht zerbrechen. Es wird alles Sinn ergeben. Aber niemand kann das ehrlich versprechen.
Was wir tun können, ist etwas anderes: die Unsicherheit gemeinsam aushalten. Nicht sofort beruhigen. Nicht vorschnell retten wollen. Sondern da bleiben ohne die Leere sofort füllen zu wollen. Aushalten. Neben der Angst, neben der Trauer, neben dem Nichtwissen. Aushalten, dass keine schnellen Antworten existieren.
Vielleicht war genau das in diesem Gespräch wichtig. Nicht meine Antwort als solche, sondern dass die Frage Raum bekommen durfte.
„Manches wird wieder gut. Und manches nicht.“
In diesem Satz liegt Schmerz. Aber auch Hoffnung. Das Leben und wir selbst müssen nicht vollkommen heil sein, um weiterzugehen. Und vielleicht ist Menschsein genau das - mit dem Unvollkommenen und dem Nichtwissen leben zu lernen, ohne das Vertrauen zu verlieren.

In Japan gibt es die Kunst des Kintsugi, bei der zerbrochene Keramik mit einem Lack aus Gold oder Silber veredelt wird. Anstatt Zerbrochenes wegzuwerfen, werden die Risse sichtbar gemacht und veredelt. Die Narben erzählen die Geschichte des Objekts, die Schönheit der Unvollkommenheit statt der Perfektion. Mit unserem Leben ist es ähnlich. Wenn wir lernen, unsere Krisen, Verletzungen, Brüche und Narben nicht als Makel zu betrachten, sondern als Teil unserer Geschichte, entsteht etwas Neues. Nicht trotz der Risse, sondern mit ihnen.

Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de

Donnerstag, 14. Mai 2026

Der alte Schmerz des ungeliebten Kindes

 


Frühe Erfahrungen von Nicht-Gesehenwerden, emotionaler Unsicherheit, emotionalem und körperlichem Missbrauch, fehlender Zuwendung, Zurückweisung und Liebe hinterlassen Spuren, die sich nicht einfach wegdenken oder wegtherapieren  lassen. Dieses innere Erleben bleibt im Nervensystem und damit in unseren Beziehungsmustern gespeichert als sehnsuchtsvolle Erwartung von echter Nähe und tiefer Verbundenheit.

Der Schmerz des ungeliebten Kindes löst sich nicht durch Verstehen und Einsicht allein, sondern durch wiederholte neue Erfahrungen in Beziehung. Wenn wir immer wieder erleben, dass Nähe Verletzung bedeutet bleibt der Schmerz und verfestigt sich. Erleben wir aber über längere Zeit, dass Nähe verlässlich und emotional sicher sein kann, beginnt sich das alte innere Modell langsam zu verändern. Das heißt nicht, dass der Schmerz gelöscht wird aber er verliert nach und nach seine Intensität.

Entscheidend ist der Aspekt von Dauer und Verlässlichkeit. Einzelne positive Begegnungen reichen nicht aus, um tief verankerte Muster zu verändern und emotionale Wunden zu heilen. Erst Stabilität, Konsistenz, Vertrauen und Wiederholung schaffen emotionale Sicherheit.  Das ist die Grundlage dafür, dass sich alte Schutzmechanismen lockern können. Der alte Schmerz wird so langsam überschrieben und kann sich damit nach und nach auflösen

Nicht das Verstehen heilt allein, sondern das wiederholte Erleben von Beziehungen, die tragen.

Dienstag, 12. Mai 2026

Innere Spannung

 


Wir Menschen sind gleichzeitig bewusst und unbewusst.
Wir wissen vieles und verdrängen es.
Wir fühlen etwas und handeln dagegen.
Wir erzählen uns sich selbst und anderen Geschichten, die teilweise wahr sind und teilweise nicht.
Wir sind ein Konglomerat gleichzeitig aktiver innerer Zustände und innerer Teile, die sich oft widersprechen.
Nicht alles, was innerlich vor sich geht, wird bewusst wahrgenommen und zugelassen. Besonders Schuld, Scham, Wut oder Begehren werden oft abgespalten oder umgedeutet. Das schützt zwar kurzfristig vor Schmerz, langfristig aber führt zu es zur Inkongruenz zwischen Selbstbild und Verhalten.
Problematisch wird es besonders dann, wenn die innere Spannung nicht gespürt wird und keine Integration möglich ist.

Montag, 11. Mai 2026

Humor ist, wenn man trotzdem lacht


 
 
In jedem Lachen steckt eine kleine Erkenntnis“, schreibt der Philosoph Yves Bossart seinem Buch „Trotzdem lachen. Eine kurze Philosophie des Humors“. Das Buch zeigt wie uns Humor hilft, einen Schritt zurückzutreten und uns selbst infrage zu stellen. „Denken und Lachen – beides sind Strategien, mit der Welt zurande zu kommen, sie auf Distanz zu halten“, so Bossart. 
 
Humor heißt nicht Probleme zu vergessen oder die Dinge ins Lächerliche zu ziehen. 
Humor bedeutet vielmehr, dass wir selbst in schweren Zeiten noch einen Grund finden zu lachen, mit anderen, aber auch über uns selbst. Wer das kann akzeptiert die eigene Unvollkommenheit. Er erkennt, dass Fehler, Schwächen, Krisen und peinliche Momente zum Leben gehören. Vielleicht ist Humor sogar eine kleine Form von Freiheit - wir müssen die Welt und uns selbst nicht allzu verbissen betrachten, nicht alles und auch uns nicht allzu zu ernst nehmen, es muss nicht alles immer passen, wir müssen nicht perfekt sein. Über sich selbst lachen zu können bedeutet das Menschsein mit Milde zu betrachten.
 
Wir leben in einer Zeit voller Unsicherheit: Kriege, Krisen, Leistungsdruck, Überforderung wohin man sieht und die ständige Flut negativer Nachrichten prägen unseren Alltag. Die Welt und viele Menschen werden wird immer ernster. Gerade brauchen wir deshalb die kleinen Momente des Humors, nicht als Flucht vor der Realität, sondern als eine besondere Art, ihr zu begegnen – mit einem „trotzdem“ Lachen.
 
Humor verändert sicher nicht die Welt, aber er kann unseren Blick auf sie ändern. Wenn wir lachen, wenn wir die Dinge mit Humor nehmen, erkennen wir für einen Moment, dass wir Menschen sind – unvollkommen, verletzlich und gleichzeitig erstaunlich resilient und stark. Humor erinnert uns daran, dass das Leben nie vollkommen kontrollierbar ist. Vieles läuft anders, als wir es planen. Darin liegt das Absurde des menschlichen Daseins und das kann man mit auch mit Humor sehen.
 
Humor verbindet uns mit anderen.
Wenn wir gemeinsam lachen, verschwinden für einen Moment in der Zeit Unterschiede, Sorgen oder Konflikte. In einer Welt, die mehr und mehr von Spaltung geprägt ist, entsteht durch Humor etwas Seltenes udn Kostbares: Nähe und Verbindung. Vielleicht lachen Menschen deshalb schon seit Jahrhunderten selbst in den dunkelsten Zeiten, weil das Lachen zeigt, dass Hoffnung noch existiert.
 
Humor hat auch etwas Mutiges.
Zu lachen, obwohl das Leben schwer ist, ist Widerstand gegen Verzweiflung. Es bedeutet, uns nicht völlig von Ängsten, Befürchtungen und Sorgen bestimmen zu lassen. Humor kann in schwierigen Zeiten ein kleines Licht im Dunkel aufblitzen lassen. Den Humor nicht zu verlieren ist eine Haltung zum Leben. Humor hilft uns, das Ernste und Schwere zu tragen, ohne zu verbittern, zu grollen oder daran zu zerbrechen. Vielleicht liegt gerade darin seine tiefere Bedeutung: Dass wir trotz aller Unsicherheit, trotz aller Krisen und trotz unserer eigenen Unvollkomenheit weiterhin lachen können – und dadurch menschlich bleiben.
 
 
"Der Humor ist der Regenschirm der Weisen."
Erich Kästner
 
 
Angelika Wende
Kontakt: aw@wende-praxis.de