Montag, 19. Juni 2017

Glück?





Mein Glück, dein Glück, unser Glück? Wir wissen, dass es so nicht funktioniert. Keiner macht den anderen glücklich. Glück ist ein Vermögen, das in unserem Wesen angelegt ist oder nicht. Vielleicht ist der Mangel an diesem Vermögen das größte Unglück.

Dienstag, 13. Juni 2017

Ja zu dir selbst



Foto: AW

Hör du auf über den Kopf zu leben, versuch mal nicht den Starken zu spielen, wenn du schwach und zerbrechlich bist, probier mal nicht über Konzepte zu denken, die dir Macht über deine Gedanken versprechen, trau dich mal wirklich zu fühlen, was du fühlst. Steig aus Beziehungsverstrickungen aus in denen du das Opfer bist und lerne nein zu sagen.

Sag endlich ja zu dir selbst. Schau hin, sieh dir an, was passiert wenn du nicht lebst was in dir angelegt ist, wenn du in einer Selbstlüge gefangen herumläufst, wenn du in deinem Kopf verhaftet bist, immer an die Erwartungen der anderen denkst und wie du sie erfüllen kannst und dein eigenes Fühlen und Wollen unterdrückst. Egal was du fühlst und was du bist: Du bist richtig und nicht falsch. Nimm dir das Recht, der Mensch zu sein, der du bist. Sag: „Ich bin was ich bin und ich darf sein, was ich bin", und tu endlich was du willst. Und wenn du das allein nicht schaffst, hol dir Hilfe.

Mittwoch, 7. Juni 2017

Aus der Praxis – Der Hunger nach Leben



Malerei: A. Wende

Wenn wir unseren Gaben und Talenten keine Aufmerksamkeit schenken gehen sie verloren und wir mit ihnen. Unsere Gaben sind unser inneres Gold, sie sind das, was uns zum Leuchten bringt, wenn wir sie ins Leben rufen. Viele Menschen wissen nicht einmal was ihre Gaben sind. Um sie zu entdecken brauchen wir eine bewusste Wahrnehmung über uns selbst. Wir müssen sehen und erkennen, was da in uns an Gold verborgen liegt und es dann hervorholen. Tun wir das nicht töten wir die kreative Lebensenergie in uns ab. Wir fühlen uns innerlich leer. Durch Bewusstsein über uns selbst finden wir einen Ausweg aus der inneren Leere, die uns erfasst, wenn wir kreative Lebensenergie über Jahre unterdrücken, indem wir unsere Talente brachliegen und verrotten lassen.

Vielleicht müssen wir erst einmal tief schürfen um das Gold in uns zu finden. Viele finden das zu mühsam. Sie suchen im Außen was sie so sehnsüchtig vermissen ohne zu ahnen, dass das was sie vermissen in ihnen selbst schon eine Ewigkeit auf sie wartet. Menschen geraten in ihrer Suche nach erfüllender Lebensenergie nicht selten auf den Holzweg. Der Hunger nach Leben wird mit Süchten und anderen Ersatzbefriedigungen zu stillen versucht. Aber das macht nicht satt. Es schreit nach immer mehr aus dem hohlen Bauch. Der Hunger bleibt und am Ende verderben sie sich sogar den Magen mit all dem Ungesunden, das sie ersatzweise in sich hineinstopfen. Es schmeckt auch nicht wirklich gut und man verdirbt daran, je öfter und je länger die ungesunde Kost geschluckt wird. 

Bei manchen Menschen geht das soweit, dass sie sich immer wieder in ungesunde Beziehungen zu Menschen verstricken, die es weder gut mit sich selbst meinen, noch gut mit dem anderen. Diese Verstrickungen sind nichts anderes als der Selbstmissbrauch einer leeren Seele, die verzweifelt nach Fülle sucht. Nur um nicht mit sich selbst klar kommen zu müssen lassen sich viele von uns auf Beziehungen ein, die zu nichts anderem taugen als einen Partner zu haben und dem Alleinsein zu entkommen. Egal ob er säuft, uns schlecht behandelt, egal ob er wertschätzt was wir sind und was wir tun, wir lassen uns einfangen, weil uns das immer noch besser erscheint, als uns die Mühe zu machen uns im eigenen Seelenhaus umzuschauen und zu erforschen wonach wir wirklich hungern. Und dann wird geklagt, dass man unglücklich ist und immer immer an den oder die Falsche gerät. Aber es ist nicht die oder der Falsche, es ist genau der, den wir brauchen um uns die Augen zu öffnen über den Menschen, der wir selbst sind. Nämlich ein, seelisch ausgehungerter Mensch, der nicht weiß, was gut für ihn ist und was ihn verdirbt.

Wie oft höre ich Frauen und Männer frustriert und mit bitterbösen Worten über ihre Partner herziehen noch während sie in einer Beziehung mit ihm stecken. Sie jammern und klagen, sie wollen Mitleid, sie fühlen sich als Opfer eines Narziss, eines Alkoholikers oder gar eines Psychopathen. Sie finden pathologische Diagnosen für den anderen ohne sich selbst und ihren Anteil in der Kollusion zu hinterfragen. Dabei richten sie sich ein in der Beziehung und hoffen, dass es irgendwann besser wird, wenn der Andere sich doch endlich mal ändern würde, sie hoffen auf ein Wunder, das nie geschieht oder dass der Nächste kommt, der es besser für sie macht. Bereit die Selbstmisshandlung beharrlich zu ignorieren und was in ihnen sie zulässt und füttert, verlegen sie sich darauf alles Ungelebte, alles Unschöne, alles Leid auf den Partner zu projizieren, der Schuld hat daran, dass sie so unglücklich sind. Ja, sie sind unglücklich, aber sie machen sich selbst dazu. Keiner kann uns unglücklich machen, wenn wir es nicht zulassen, wenn nicht aufwachen und sagen: Ich stehe dafür nicht mehr zur Verfügung!

Über sich verfügen zu lassen scheint einfacher, denn dann kann man weiter die Rolle des armen Opfers spielen und muss nicht handeln. Man bleibt wo man ist, weil man Angst vor dem hat, was sein könnte wenn man geht. Gehen würde bedeuten zu sich selbst zurückgehen zu müsssen, in die eigene Leere, in die eigenen Schatten, in die eigene Unfähigkeit sich das zu geben, was man vom anderen nicht bekommen kann. Für sich selbst zu sorgen scheint für diese Menchen dem Untergang gleich zu sein. Menschen die so leben haben ihre Selbsterhaltungskraft abgegeben und sie wissen nicht wie sie zu ihr zurückfinden. Zu lange haben sie ihre Kraft verchwendet an Dinge oder Menschen, die sie innerlich nicht voll machen konnten. Artig und fügsam wie ein verängstigtes Kind, das alleine nicht spielen kann, weil es sich tödlich mit sich selbst langweilt, haben sie sich verbraucht und sich ihrer vitalen Lebensenergie berauben lassen. Das zu erkennen ist schmerzhaft und der notwendige Schritt in die Freiheit wird oft deshalb nicht einmal versucht, geschweige denn gewagt. Wird er aber nicht getan, werden diese Menschen den inneren Halt vollkommen verlieren. Sie werden zu Marionetten eines fremdgesteuerten Lebens, in dem sie niemals zufrieden und erfüllt sind.

Vielen Frauen und Männern im fortgeschrittenen Alter steht die Gram über ein ungelebtes Leben ins Gesicht geschrieben. Sie haben alle Weichheit verloren. Sie blicken verhärmt und mit bitteren Zügen aus trüben Augen und man sieht ihnen die grenzenlose Enttäuschung an. Sie haben sich aufgegeben. Sie haben ihre Gaben und Talente, ihre weibliche und ihre männliche Kraft geopfert auf dem Altar einer sinn-und trostlosen Hoffnung, dass ein anderer es für sie gut macht.

Tatsache ist, keiner kann es für uns gut machen. Jeder Versuch in diese Richtung muss scheitern. Der notwendige Weg führt nicht hin zum anderen, er führt hin zu uns selbst. Diese Weg fordert eine klare Entscheidung, nämlich die bisherige Lebenshaltung aufzugeben und eine bessere zu finden. Das geht nur dann, wenn wir bereit sind hinzusehen und zu erkennen: Wir sind nicht das Opfer anderer, wir sind Täter an uns selbst. Ja, es kann sein, dass sich dann ein tiefes Loch auftut, es kann sein, dass wir dann zuerst einmal im Niemandsland stehen in dem uns dieser Niemand ICH begegnet. Der Mensch, der uns am Nächsten ist und den wir so beharrlich ignorieren, weil wir uns insgeheim vor ihm fürchten. Genau davor nicht zurückzuschrecken ist der Moment indem wir beginnen unserer eigenen Kraft zu vertrauen und unsere Gaben zu erforschen um das zu finden, was unseren Hunger nach Leben stillt: Unser inneres Gold. Und das dauert eine ziemlich lange Zeit.

Samstag, 3. Juni 2017

Wenn ich dich nehme, dann nehme ich dich so wie du bist.




Manchmal sind wir so hungrig nach Zuwendung, dass wir sie nehmen, egal woher wir sie kriegen können. Wir sehnen uns danach gesehen zu werden. Am Meisten sehnen wir uns danach, als der Mensch gesehen und angenommen zu werden, der wir sind. Das ist ein zutiefst menschlicher Wunsch. Wir möchten, dass man uns mag wie wir sind und wir möchten als der einzigartige Mensch geachtet und wertgeschätzt werden, der wir sind.

Wir alle sind einzigartig. Keiner ist wie der andere, jeder hat seine eigene Persönlickkeit, jeder ist ein kleines Wunder Mensch. Und jeder von uns hat seine ureigene Geschichte. Viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst, wenn sie einander begegnen und sich kennen lernen. In dieser einzigartigen Geschichte ist ein Wesen verborgen, dass so viele Schalen hat wie eine Zwiebel. Wenn ein Mensch uns wirklich zugeneigt ist, wird er sich die Mühe machen, all diese Schalen behutsam aufzublättern um uns als Ganzes verstehen zu lernen. Er wird beobachten, fragen, zuhören, sich langsam vortasten und sich kein Bild von uns machen, bis er nur annähernd einen vagen Eindruck hat von all dem, was uns ausmacht. Er wird uns nicht vergleichen mit Menschen, die er vor uns kannte oder die er im Jetzt kennt. Er wird sich nicht fragen, wie wir werden könnten und was aus uns werden könnte oder was nicht. Er wird unsere Einzigartigkeit achten und ein liebevolles Interesse daran verspüren, sie in ihrer ganzen Tiefe kennenzulernen. So beginnen Liebesgeschichten. So bleibt Liebe. So kann Liebe wachsen.

Im richtigen Leben ist das, was ich da beschreibe vielen von uns nicht vergönnt. Oder es ist uns einmal vergönnt und wenn das so war oder ist ist das das Kostbarste was uns widerfahren kann. Viele von uns erleben wieder und wieder Begegnungen, die ganz anders sind. Begegnungen, die über die Faszination einen Strohfeuers nicht hinausgehen und uns traurig zurücklassen. Es ist selten, dass wir einem begegnen, der uns sieht ohne seine Gedanken und Vorstellungen über uns zu konstruieren, einer, der uns nicht in eine Schublade steckt  und uns nicht aufteilt in schwarz und weiß, in "das mag ich an dir und das nicht". Das nicht zu tun ist auch nicht möglich, das wäre wirklich zu viel verlangt.

Wir alle belegen den anderen mit dem Eigenen, mit Erfahrungen und Erinnerungen, mit Wünschen, Vorstellungen, Erwartungen oder was auch immer. Vor allem belegen wir einander mit Projektionen und Übertragungen. Und ja, auch ich bin nicht frei davon. Aber, so hart es klingt: damit ist der Käse schon gegessen. Futsch die Illusion, so gesehen, so genommen zu werden, wie wir nun einmal sind. Und dann bleibt uns nur der Rückzug zu uns selbst. Wir gehen zurück in unsere Einzigartigkeit, die so nicht genommen werden konnte vom anderen.

"Wenn ich dich nehme, dann nehme ich dich so wie du bist", sagte einmal einer zu mir.
Das klang ziemlich arrogant in meinen Ohren. Will ich denn den anderen entscheiden lassen, ob er mich nimmt? Wer bin ich denn, abhängig von diesem "wenn, dann"? Nimmt der mich erst wenn er für sich entschieden hat, ob er mich nimmt, weil ich bin wie ich bin und er in der Lage ist mich so zu nehmen? Diese Aussage machte mich ziemlich wütend. Ich habe tagelang über diesen Satz nachgedacht und schließlich kam ich zu dem Schluss.
Da ist etwas sehr Wahres dran. Ich kann den anderen nur nehmen, wenn ich ihn nehmen kann wie er ist. Alles andere wäre genau das, was wir nicht wollen, nämlich als der genommen zu werden, der wir nicht sind. Ich will das nicht.




Montag, 29. Mai 2017

Aus der Praxis – Raus aus der Hilflosigkeitsfalle


 
Malerei: A. Wende

Hilflosigkeit ist ein mieses Gefühl. Ein Gefühl, das viele von uns kennen, aus der Kindheit zum Beispiel oder aus einer Erinnerung heraus, die wir, weil das Gefühl der Hilflosigkeit so übermächtig war, jederzeit wieder abrufen können.

Hilflosigkeit entsteht dann, wenn es aus einem Problem scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Hilflosigkeit ist ein Gefühl, das wir kaum aushalten können. Hilflosigkeit macht uns klein, sie macht uns ohnmächtig, sie nimmt uns die Kontrolle und wir werden uns der Bodenlosigkeit der eigenen Existenz fühlbar bewusst. Sogar der Körper reagiert. Wir sind unfähig klar zu sehen und zu denken, wir können uns nicht mehr konzentrieren, alles verschwimmt zu einer unseligen Melange aus Kraftlosigkeit und innerer Unruhe. Das Herz rast, uns wird schwindelig, wir haben Magenschmerzen, die Muskeln sind permanent angespannt und im Kopf fühlt es sich an als seien alle Hirnwindungen in Watte gepackt. Eine bleierne Müdigkeit macht jede Bewegung zu einem Kraftakt. Der Focus verengt sich und wir nehmen nichts mehr wahr außer dem, wovor wir Angst haben. Hoffnungslosigkeit macht sich breit und der Mut geht verloren. Wir sehen und fühlen nur noch existentielle Bedrohung. Wir wissen nicht mehr wo wir ansetzen sollen, wir haben gefühlt keine Handlungsoptionen mehr. Es ist als hätte sich vor uns eine undurchdringliche Wand aufgebaut. Diese Wand heißt Angst. Es ist die Angst unterzugehen. Was dann einsetzt ist Erstarrung. 
Das ist fatal. Denn genau das Gegenteil würde uns jetzt aus der Hilflosigkeitsfalle heraushelfen.  Bewegung nämlich. Aber genau dazu ist der, der im Tal der Hilflosigkeit festsitzt, nicht mehr in der Lage.

Er ist im Zweifel nicht einmal mehr dazu fähig eine helfende Hand zu ergreifen, wenn sie sich ihm bietet. Er steckt fest in seiner Lähmung und hat allen Antrieb verloren. Er hängt in der Vergangenheit fest, als alles doch so viel besser war. Er klebt förmlich an der Vergangenheit und betrauert das verlorene Leben, das unabänderlich vorbei ist. Er wehrt sich mit jeder Faser gegen das was ist, und damit macht er alles noch schlimmer. Im schlimmsten Falle gibt er sich auf. Das ist der Gipfel der Hilflosigkeit: Sich in die Ohnmacht hineinfallen lassen. 

Was dann?
Dann kann es geschehen, dass Menschen sich aufgeben. Dass sie alles Vertrauen in sich selbst, in andere, in das Leben verlieren. Sie ergeben sich ihn ihr Schicksal und werden zerfressen von Wut und Hass gegen die Welt, die ihnen so unsagbar Schmerzhaftes antut. Irgendwann verliert sich sogar die Wut, sie wandelt sich in Verbitterung, in Selbstzerfleischung, in Selbstablehnung und am Ende in Selbstzerstörung. Sucht und Depression sind die Folgen. Im schlimmsten Falle endet eine solche emotionale Krise im Selbstmord. 

Aber ist das eine Lösung,  auch wenn es scheinbar keine Lösung mehr gibt. 
Gibt es nicht einen anderen Weg?
Es gibt immer einen anderen Weg, vorausgesetzt, dass man ihn zu sehen gewillt ist und der Spirale der Selbstzerstörung noch nicht vollkommen anheim gefallen ist. Denn dann geht nichts mehr.

Sicher gibt es Situationen von Hilflosigkeit aus denen es kein Entrinnen gibt. Dann nämlich, wenn wir Opfer von Gewalt werden, wenn es ans Sterben geht oder wenn etwas, das mächtiger ist als wir, was immer es auch sei, unser Leben in der Hand hat. Aber davon spreche ich hier nicht. Ich spreche von der Hilflosigkeit mit der wir alle irgendwann einmal oder sogar mehrmals im Leben Bekanntschaft machen. Ich spreche von der Art von Hilflosigkeit, die sich einstellt, wenn wir etwas verlieren, was uns ausgemacht hat, etwas, das die Säulen unserer Existenz bedeutet hat und das ist für jeden von uns etwas anderes. Ich habe es erlebt, mehr als ein Mal, dass mir genommen wurde, was ich zu sein glaubte, was ich besaß und worüber ich mich definiert habe und was ich liebte. Ich kenne das Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht, ich kenne den Schmerz und ich kenne die Angst. Ich weiß wie sich das anfühlt und ich weiß, wie es sich in diesem Zustand lebt: Man lebt am Rande der Verzweiflung. Und weil ich es kenne, weiß ich auch, dass es immer einen Weg heraus gibt, vorausgesetzt, man will da raus. 
 
Dazu gehört, dass man akzeptiert, dass es ist wie es ist. Dass man akzeptiert, das man manches im Leben, was einem Sinn und Halt gab aufgeben muss und es zurücklassen muss in der Vergangenheit wo es unwiderruflich als Erinnerung seinen Platz bekommt. Das ist bitter, das ist traurig, das kann uns in Momente der Verzweiflung stürzen und es kann sehr lange dauern bis man wir es betrauert und überwunden haben. Und es kann sein, dass diese Wunde niemals heilt. Auch damit lässt sich leben.

Wer aber in der Hilflosigkeit stecken bleibt verwehrt sich diesem Prozess. Er steckt fest wie ein trotziges Kind, das partout nicht begreifen will, dass es seinen Willen nicht bekommt. Das will, dass alles sein soll wie es war, dass die Dinge bleiben sollen wie sie sind. Dies ist eine kindliche absolute Forderung, die uns das Leben nicht erfüllt. "Du kannst nichts erzwingen, also lerne das zu akzeptieren!" Das lehrt uns die Hilflosigkeit. Wenn wir uns dagegen wehren, lehnen wir die Verantwortung ab mit dem was ist klarzukommen, auch wenn es höllisch weh tut. 

Wer in der Hilflosigkeit stecken bleibt, bleibt gewissermaßen im Trotz stecken, er trotzt dem, was das Leben von ihm fordert, Wandlung nämlich. Trotz ist eine paradoxe Anpassung. Im Trotz verschafft sich der Trotzende die Illusion unabhängig zu sein. Er gaukelt sich vor seinen Willen durchzusetzen gegen das was ist, indem er nein dazu sagt. Das ist verhängnisvoll, denn das Nein zu dem was ist, bedeutet nicht Unabhängigkeit von dem was ist, es ist Abhängigkeit von dem was ist und führt in die Erstarrung. Nichts geht mehr, die Ohnmacht siegt und der Untergang ist besiegelt. Hilflosigkeit fordert uns auf etwas zu tun. Sie fordert uns auf zu erkennen, was genau uns denn hilflos macht. Und meist ist es nicht das Problem an sich, sondern das, was wir darüber denken.

Es gibt immer Lösungen. Solange wir leben. Das muss der Hilflose erst einmal anerkennen und annehmen wollen.  Dann muss er schweren Herzens in Kauf nehmen, dass Lösungen nicht unbedingt den Königsweg bedeuten, sondern vielleicht erst einmal der kleine mit Dornen bewachsene Weg, den er beschreiten muss um aus seinem Dilemma herauszufinden. Abstriche machen, kleine Brötchen backen, Verzicht üben und mit dem klar kommen was noch da ist. Dazu gehört eine große Portion Demut. Auch das lehrt uns die Hilflosigkeit. 

Solange wir die Aufmerksamkeit auf das richten was uns hilflos macht, kommen wir nirgendwohin. Betrachten wir die Hilflosigkeit als Aufgabe, stellen wir uns damit einer Herausforderung die uns das Leben stellt. Wir entscheiden uns für den mühseligen Aufgang anstatt uns dem Untergang zu überlassen.




Sonntag, 28. Mai 2017

Zu viel Angst



Malerei: A. Wende

Sie redeten.
Zerredeten.
Redeten sich die Angst ein und die Angst aus.
Und immer wieder ein: Das mit uns kann nicht gehen
Und vielleicht war es so, dass es nicht gehen konnte.

Zu viel Angst.
Wo Angst ist, kann Liebe nicht fließen.
Wo Angst ist, ist Enge und keine Bewegung.

Ein Wegrennen manchmal, dann.
Vor Einander wegrennen.
Vor sich selbst wegrennen.

Und dann wieder das Gefühl des Hingezogenseins.
Einer zum Anderen hin.

Warum sonst redeten sie?
Redeten.
Stundenlang.
Tag für Tag.

Warum reden und nicht aufhören, weil es doch nicht gehen konnte?
Angst.
Angst vor dem was sein könnte -
dann, wenn es nicht gehen konnte.