Dienstag, 31. März 2020

Ein leerer Raum

Selbstportrait: A.W.


Aufhören mit dem Aktivsein, aufhören mit dem Machen, langsamer machen. Entschleunigen, mich aus der Welt zurückziehen, runterkommen, zur Ruhe kommen.
Ach, wenn doch endlich Stille wäre.
Wie oft ich das gedacht habe.Wie oft ich mir das gewünscht habe. Und manchmal habe ich das dann getan. Ich habe mich herausgenommen aus dem Machen. Am Anfang meines Rückzugs empfand ich eine seltsame Leere, nichts was ich tun muss, nicht was mich fordert, niemand, der etwas von mir will. Nach einer Weile kam dann Fülle. Eine Fülle von Gedanken und Gefühlen, denen ich mir plötzlich bewusst wurde, denen ich nicht ausweichen konnte, die ich nicht mehr verdrängen oder kompensieren konnte.

All das was vorher war, meine Arbeit, meine Aufgaben, meine Pflichten, meine Bezugspunkte – alles fehlte und es stellte sich eine innere Unruhe ein. Ich hatte auf Klarheit und Ruhe gehofft, stattdessen fand ich Chaos und Verwirrung. Der Raum, den ich nur mit mir selbst bewohnte, ohne Einfluss der Außenwelt, führte mitten hinein in meine Traurigkeit, meine Verletzbarkeit, mene Schwäche, meinen Schmerz, meine Ängste, meine Fragen nach dem Sinn. All das was ich, während ich da draußen aktiv war, nicht spürte, all das, was ich vermieden hatte anzuschauen, lies sich nicht mehr übersehen und überfühlen. Mein Geist fand nichts woran er sich aufhängen konnte – außer in meiner Innenwelt. Es fühlte sich an als wäre ich aus dem Licht in den Schatten getreten. In der Leere war es dunkel und nicht wie ich erhofft hatte hell, ruhig, still und friedlich.

Mein Rückzug führte mich mitten hinein in meine innere Welt und ich war enttäuscht, denn was meine Sehnsucht sich so schön gemalt hatte, war alles andere als schön.
Ich war genau dort gelandet wo meine Schatten sich vor mir aufbauten und mich aufforderten endlich hinzuschauen. Ich habe hingeschaut, ich bin den Weg in das Dunkel gegangen. Ich bin ihn gegangen, den Weg zu mir selbst zu der, die ich auch bin, wenn alles andere wegfällt. Ich habe mich auf den Weg gemacht mein inneres Chaos aufzudecken und endlich hingeschaut, mich durchschaut um Einsicht zu erlangen in das was ich fühle, wirklich fühle.

Die Leere begriff ich, ist keineswegs ein leerer Raum und sie ist nichts, was wir gedanklich erschaffen können. 
 Sie ist der Raum in dem wir uns unserer selbst gewahr werden. Sie ist der Raum der Licht in unser Dunkel bringt. Se ist der Raum in dem wir uns selbst sehen und zusehen.
Sie ist der Raum in dem wir fühlen wie sich Traurigkeit anfühlt, wie sich Wut anfühlt, wie sich Verlust anfühlt, wie sich Enttäuschung anfühlt, wie sich Alleinsein und Einsamsein anfühlt. Sie ist der Raum in dem unsere Emotionen zum Objekt unserer Wahrnehmung werden - Selbstwahrnehmung.

"Emotion selbst ist eine radikale und sehr starke Art des Erwachens", schreibt die buddhistische Nonne Pema Chödrön.
Und so habe ich es erfahren. Ich bin erwacht, ich habe mich selbst erkannt, mich selbst gefunden mit allem was ich an mir selbst mag und nicht mag, mich - ganz - mit all dem was ich bin und was ich nicht bin, was ich sein will und nicht sein kann. Mit meinem Licht und mit meinen Schatten.
In der Leere habe ich Fülle gefunden.
Und langsam, ganz langsam, stellte sich Ruhe ein.

Namaste Ihr Lieben
Möget Ihr gesund sein.

Montag, 30. März 2020

AUF JEDE EBBE FOLGT EINE FLUT

Foto: www

Es geht manchmal einfach ums Aushalten.
Es gibt manchmal kein Pflaster und kein Mittelchen, das unseren Schmerz wegmacht. Wir haben keine andere Wahl als auszuhalten was ist.
Ja, das ist eine schwere Übung, wenn man begreift, dass man das, was ist, nicht ändern kann, es nur aushalten kann.
Aushalten in der Gewissheit: Es geht vorbei.
Es ist ein Drama und es geht vielleicht nicht gut aus, aber es geht zu Ende. 


Lassen wir los was wir nicht ändern können und konzentrieren wir uns darauf für unser Wohl zu sorgen und für das Wohl der Menschen, die wir lieben.
Wir sind mehr als die Ungewissheit, die Angst, die Befürchtung, der Kummer, das Leid. Wir sind am Leben und wir haben Liebe in uns, unabhängig von dem, was um uns herum geschieht.

Liebe ist stärker als Angst.

Mit einer furchtsamen Haltung schließen wir uns von unserer Lebendigkeit ab. Lassen wir los von der Vorstellung wie das Leben nach unseren Wünschen verlaufen soll. Das Leben beweist es uns gerade - es ist eine Illusion, wir haben nichts unter Kontrolle.
Die Leere, das Loch, das Unbekannte ist ein Niemandsland, durch das wir ganz alleine gehen. Aber genau dieses Niemandsland, dieser leere Raum birgt Potenzial.
Dann, wenn wir es sehen, wenn wir es zulassen wollen.

Geben wir den inneren Widerstand auf, der alles nur noch schwerer macht und sich nur gegen uns selbst richtet.
Erkennen wir die Bodenlosigkeit an, die sich vor uns auftut - jetzt.
Es ist wie es ist.
Es bleibt nichts wie es ist.
Das geht vorrüber.
Lösen wir uns von der Fixierung auf eine Vorstellung von Sicherheit. Besinnen wir uns auf unsere Kräfte und was uns möglich ist und tun wir das Mögliche.

Vertrauen wir auf die Gezeiten - auf jede Ebbe folgt eine Flut.
"Hacke Holz und hole Wasser", sagt man im ZEN.

Sonntag, 29. März 2020

Gedankensplitter



Selbstportrait A.W.

Kunst ist eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung, eine Methode auf dem Weg der Suche nach dem Wesentlichen, was Menschsein ausmacht. Kunst machen ist der Antrieb dieses Wesentliche auszudrücken, ihm Gestalt zu geben und die Welt zu durchdringen.
Kunst ist auch Eigentherapie. 
Sie hilft uns auszudrücken, was Worte nicht vermögen.
Sie dient dazu, Inneres ins Außen zu bringen. 
Das Außen, das auf das Innere einwirkt, sucht nach Ausdruck.
Kunst dient der Verarbeitung auf emotionaler Ebene.
Dasein, Sein ... Eingehendes und Ausgehendes im Wechselspiel. Das Sehen, das Wahrnehmen, das Fühlen, einem Tor gleich, das sich öffnet und wieder schließt.
Und immer ist da die Möglichkeit sich wieder zu öffnen, all dem, was möglich ist, im Meer der Möglichkeiten.
So viele Tore, die sich durchschreiten lassen, hinter denen sich Geheimnisse verbergen und ergründen lassen. Portale, die zum Betreten der inneren Welt einladen...
Eine Welt voller Unwägbarkeiten, eine Welt des Fremden und des Numinosen - auch das. 

Samstag, 28. März 2020

Flatten the Curve of Fear

Foto: www



Ich frage mich wie geht es Euch, wie geht es euch emotional, körperlich, geistig?
Ich frage mich, was macht das, was da gerade geschieht, mit uns Menschen?
In den Gesprächen mit meinen Klienten, die ich jetzt nur noch online führen kann, ist Angst das große Thema geworden. Alle haben Angst, auch die, die versuchen sie nicht zuzulassen, auch die, die das Beste aus dem jetzigen Zustand machen, haben Angst.

Manchmal ist es eine leise Angst, manchmal ist sie laut, manchmal ist sie so beherrschend, dass der Alltag kaum noch oder nicht mehr zu bewältigen ist. Das ist besonders schlimm, gerade bei Menschen, die schon vorher mit der Angst leben mussten, weil sie eine generalisierte Angststörung haben, Phobien, Hypochondrie oder eine Zwangsstörung. Diesen Menschen jetzt zu helfen ist ein Kraftakt für sie und für mich.
Flatten the Curve of Fear.
Das ist, was ich seit Ausbruch der Pandemie Tag für Tag versuche und so traurig es ist, es gelingt mir nicht immer.

Dieser Zustand ist etwas, was wir so noch nie erlebt haben.
Da draußen ist eine Krankheit, die wir nicht kennen, die aufgrund ihrer Neuartigkeit eine Bedrohung darstellt, für jeden Menschen, besonders aber für Menschen, die köperlich schwach und/oder alt sind.

Das wissen wir. Und wir wissen, sie wird uns nahezu alle treffen, schenken wir den Virologen Glauben. Wir kommen da nicht unbeschadet raus, auch das wissen wir. Viele von uns werden die Infektion wegstecken wie eine Erkältung, manche nicht. Natürlich macht das Angst. Und diese Angst ist real. Genauso real wie die Angst vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch unseres Systems.
Er ist bereits im vollem Gange. Manche von uns erfahren das gerade hautnah. Das Virus bedroht mehr als unsere körperliche Gesundheit, es bedroht unsere gesamte Existenz. Manche mehr, manche weniger. Natürlich macht das Angst. Und auch diese Angst ist real. Nichts ist mehr wie zuvor und nichts wird danach sein wie es war. Das ist das Einzige was wir mit Sicherheit sagen können.
Wir gehen individuell und kollektiv in ein unbekanntes Niemandsland.
Auch das macht Angst. Und auch diese Angst ist real.

Wir haben es mit der Angst zu tun bekommen und die große Angst, die unter all den Ängsten liegt, die jetzt aufbrechen ist die Angst vor Verlust, Sterben und Tod.
Inmitten dieser Angst wird uns genommen, was wir als Menschen brauchen, wenn wir Angst haben – die Nähe anderer Menschen. Wenn wir Angst haben suchen wir physische Nähe und diese findet für viele von uns nicht mehr statt. Wir sind isoliert, die Psyche findet keinen Halt,
denn nicht jeder hat seine Liebsten bei sich. Viele Menschen sind jetzt allein mit ihrem zutiefst menschlichen Bedürfnis nach Gehalten werden, nach Geborgenheit, nach Trost und gelebter Unterstützung. Menschen, die krank sind, sind jetzt allein, Menschen müssen allein sterben.

Das ist schlimm, das ist sogar sehr schlimm.
Aber was noch viel schlimmer ist: Die Angst der Menschen wird Tag für Tag von den Medien aufgegriffen und potenziert. Wir werden bombadiert mit angstmachenden Informationen. Die Angst wird aufgeheizt, die Flamme wird am Lodern gehalten. Die Angst wird in täglichen Dosen gefüttert.

Sie wird medial ausgeschlachtet mit Videos und Bildern, die immer das Schrecklichste aller Szenarien abbilden, mit Worten wie tödlich das Virus ist.
Es kann tödlich sein – das ist was wirklich ist.
Es wird nicht alle töten. Ja, aber die Alten wird es töten, unsere Mutter, unsere Großmutter im Zweifel. Nein, es wird nicht alle alten Menschen töten.

Die Angst wird gehypt, sie ist hysterisch und sensationslüstern.
Wir werden überflutet mit Bilder und Worten, die die Wahrnehmung verzerren und uns immer weiter in die Angst hinein manipulieren.
Diese, die Apokalypse inszenierende mediale Kommunikation schadet den Menschen, die eh schon genug Schaden erleben und sie ist in höchstem Maße inhuman.
Sie ist unheilsam und macht das, was unsere jetzige Realität ist, noch bedrohlicher als sie ist.

Und nein, ich rede hier nichts klein, aber ich rede groß, was uns klein macht und kleiner – die Unverantwortlichkeit der Medien. Ich rede groß, dass Fakten nicht sachlich transportiert werden, sondern in einem Maße in eine Richtung gehen, die Angst und Panik schürt.
Das finde ich erschreckend und äußerst gefährlich - und zwar nachhaltig für alle Menschen, ob groß oder klein, jung oder alt.

Angst hat drei Reflexe zur Folge: Flucht, Starre oder Angriff und je nach Persönlichkeit wird einer davon auftreten oder alle im Wechsel.
Angst macht krank.
Angst wird zur Krankheit, wenn sie ungewöhnlich lange anhält, die Betroffenen sie nicht mehr kontrollieren können und für Außenstehende keine objektive Ursache erkennbar ist.
Angst löst die gleichen körperlichen Reaktionen aus wie Stress. Angst ist Stress: Der Hypothalamus kontrolliert unter anderem die Cortisolbildung, die den Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel reguliert. Der Cortisonspiegel steigt. Die Nebenniere produziert vermehrt Adrenalin und Noradrenalin, die die Energiebereitstellung des Körpers beschleunigen: Herzfrequenz und Blutdruck steigen, dadurch werden die Muskeln stärker durchblutet, das Gehirn jedoch wird quasi gleichzeitig ausgeschaltet. Der Atem wird schneller und trotzdem haben wir das Gefühl, dass er flach wird, dass wir schlechter Luft zu bekommen. Manche Menschen bekommen Magenschmerzen, wenn sie Angst haben, sie erbrechen oder es kommt zu Durchfall. Angst führt zu Schweißausbrüchen, Harndrang, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaf-, Ess- und Konzentrationsstörungen, Herzrhythmusstörungen und sie erhöht die Infektanfälligkeit.

Was wenn die Angst und die Panik weiter geschürt wird?
Angst explodiert oder sie implodiert.

Aus dem Gefühl von Angst, die wir nicht in den Griff bekommen, erwachsen andere Gefühle. Es kann beim einen zu Ohnmacht, Apathie oder Verzweiflung kommen, bei anderen zu Wut und Aggression, besonders dann wenn Menschen isoliert sind, oder permanent auf einem Raum aufeinandersitzen und keine Fluchtmöglichkeit mehr haben oder wenn sie keinen Ausweg mehr sehen.

Wem nützt diese Vergiftung auf mentaler Ebene?
Wem nützen die dramatischen Bilder?
Wem nützt die Beschreibung der Todesqualen?
Wem nützen Schlagzeilen wie: „Tödlich oder es geht um Leben und Tod“
Oder „Jetzt trifft es auch die Jungen“?

Was ist das für eine Sprache, was sind das für Botschaften an Menschen, die jetzt Halt und Zuversicht brauchen?
Das was die Medien angesichts einer solchen Krise veranstalten ist unverantwortlich im Sinne der Menschlichkeit.
Stay home! Ja, mein unbedingtes ja
Flatten the Curve! Ja, mein unbedingtes ja.
Aber genauso elementar notwendig:
Flatten the Curve of Fear !

Die Menschen finden in diesem Wahnsinn keinen Halt mehr - und wenn der Mensch den Halt verliert wird er unberechenbar.

Wie können wir mit der Angst und Panikmache umgehen?
Indem wir bewusst mit den Information umgehen und die Zeit, die wir damit verbringen sie zu lesen, reduzieren. Vermeiden wir um unserer Seele willen, alle giftigen Infos die nur eins wollen: Drama schaffen.

„Das Entscheidende ist, wie gut man durchs Feuer geht“, schrieb Charles Bukowski.
Und das entscheiden, Gott sei Dank, immer noch wir selbst.

Namaste
Möget Ihr gesund sein.

Angelika Wende
www.wende-praxis.de

Freitag, 27. März 2020

Sich selbst ernst nehmen



Foto: Alexander Szugger


Viele Menschen glauben „heil sein“ bedeutet keine Probleme mehr zu haben, keine Ängste, keine Trauer, keine Wut mehr zu fühlen. Aber all das nicht mehr fühlen zu wollen ist krank, im Sinne von gefühllos sein. Das ist der Wahnsinn der Normalität, der Wahn vom perfekten dauerhaft glücklichen Menschen.

Seit Anbeginn der Psychoanalyse vor gut hundert Jahren, mit dem Ziel die seelische Landkarte des Unbewussten zu erschließen, wurde die Macht der Gefühle zum Thema empirischer Wissenschaften. Körper und Geist bilden eine Einheit, Empfinden, Fühlen und Denken sind untrennbar miteinander verbunden. Die verschiedenen geistigen Prozesse finden zwar in unterschiedlichen Regionen des Gehirns statt, sind aber miteinander verflochten und bedingen sich gegenseitig. Wie also soll das gehen Gefühle, die nicht sein dürfen, wegzudenken, ohne diese Einheit massiv zu stören, ohne dabei krank zu werden?

Gefühle und Empfindungen vermitteln zwischen bewussten und unbewussten Prozessen. Das bedeutet – nur über meine Gefühle komme ich zu mir selbst, zu dem Menschen, der ich bin – ich werde mir meiner selbst bewusst. Die Grundlage dieses Selbstbewusstseins ist das Empfinden im eigenen Körper.

Der Grundsatz des französischen Philosophen Descartes "Ich denke, also bin ich" hat sich längst überholt. Er steht im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen international bedeutender Hirnforscher und dieser Grundsatz lautet: "Ich fühle, also bin ich".

Wer sein Denken und Fühlen zugunsten einer Identifikation mit den Erwartunge und Maximen einer Gesellschaft verwerfen muss, wird im Zweifel zeitlebens von einem unbewussten inneren Selbsthass begleitet sein, der sich von innen nach außen frisst, ein Hass, der das Gefühl für sich selbst vernichtet und damit auch das Gefühl für Andere. Mit dem Negieren der eigenen Gefühlswelt geht folgerichtig auch das Mitgefühl zugrunde, ein Grund warum die Gesellschaft in der wir leben, auf Dauer nicht überlebensfähig sein wird wie sich gerade zeigt.

"In unserer Kultur sind am erfolgreichsten die", schreibt der Psychologe und Autor Arno Gruen "die am meisten von ihren Gefühlen und von der Fähigkeit zum Mitgefühl abgeschnitten sind. Wir glauben, wenn wir zu jemandem sagen "Das schmerzt mich", sind wir schon unterlegen.
Das stimmt aber nicht. Es zeigt vielmehr, dass wir stark genug sind, es zu sagen, ohne dem anderen damit ein Unterwerfungssignal zu geben."

Wirkliche Stärke bedeutet wahrhaftig sein, es bedeutet zu dem zu stehen wer und was wir sind, mit allem was uns ausmacht. Die Betonung liegt auf allem – also aller Gefühle und aller Gedanken, die wir haben. Stärke bedeutet auch aufhören zu können, wenn man spürt, dass man schwach ist, sich sich selbst zuwenden und was gefühlt wird ernst zu nehmen. Uns ernst nehmen.

Stark sein bedeutet nicht wegzusehen, nicht sich zu verstecken vor dem was da in uns ist, oder es uns schön oder wegzureden und damit uns selbst und etwas vorzugaukeln.

Sich selbst ernst nehmen, das ist authentisch.
Authentizität bedeutet echt zu sein, ehrlich und wahrhaftig zu sein. Mit anderen Worten: unser Denken, unser Fühlen und unser Handeln stimmen überein.

Ein sich seiner selbst bewusster Mensch lässt seine Gefühle zu, er achtet sich selbst, er quält sich nicht mit einem krampfhaften positiven Denken müssen, er macht sich selbst und anderen nichts vor, um den Schein des „alles ist gut“ oder "alles wird gut" zu wahren. Ein selbstbewusster Mensch weiß, dass das Zulassen aller Gefühle ihn zu dem führt, was wir alle als Kind einmal konnten, nämlich – zu fühlen was ist und damit wahrhaftig sein.

Unheilsam ist alles, was wir mit Macht verdrängen. Alles Verdrängte holt uns an irgendeiner Stelle wieder ein, es fordert die Beachtung, die im zusteht. Deshalb beginnt Heilung da, wo wir das Ganze fühlen dürfen, und nicht indem wir Gefühle, die in uns sind, abwehren, verdrängen, schönreden oder abspalten.

Namaste
Möget Ihr gesund sein.

Donnerstag, 26. März 2020

Wenn das Leben dir Zitronen beschert, mach´ Limonade daraus.


Foto: www

Ich habe in meinem Leben viele Krisen erlebt. Sie waren nicht ohne. Es hat mich viel Stärke und Kraft gekostet sie jeweils zu bewältigen. Etwas hat mir immer geholfen, so banal es jetzt vielleicht für manchen klingen mag, es war der Satz: "Wenn das Leben dir Zitronen beschert, mach´ Limonade daraus.“

Ich finde diese positive Sichtweise sehr hilfreich.
Dieser Satz beinhaltet nicht nur eine Haltung von Dankbarkeit, in ihm steckt auch ein Aufruf an unsere Kreativität, an unsere Fähigkeit Probleme zu lösen, denn genau das ist Kreativität - sie ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und dabei nützlich oder brauchbar ist, neu und brauchbar für die jeweilige Situation in der wir uns befinden.

Kreativität ist Lebenskunst.
Und genau die ist jetzt gefragt, von uns allen. Denn viele von uns verlieren das Fundament auf dem unser Leben gebaut war. Es wackelt oder es bricht ganz zusammen. Wir werden auf vieles was uns vertraut war, vielleicht sogar auf das, was unsere monitäre Existenz war - die Arbeit, die Firma, die Art der Selbstständigkeit, verzichten müssen. Wir werden vielleicht sogar auf viele Überzeugungen, die wir über unser selbst, über andere oder das Leben hatten, verzichten müssen, weil sie der Realitä nicht mehr stand halten oder ihr nicht mehr angemessen sind. Wir werden umdenken müssen - alle.

Wir alle sind Lebenskünstler, wenn wir das nur begreifen.
Und zur Kunst des Lebens gehört so viel mehr, als wir es bisher erfahren haben oder uns bewusst war. 
Wenn wir  erkennen, dass wir, ganz gleich in welcher Lage wir sind, immer noch etwas gestalten können, erfahren wir, dass wir in dieser Haltung wieder in die eigene Macht kommen anstatt uns als hilflose Opfer der Situation zu fühlen. Egal was geschieht, solange wir und die, die wir lieben, gesund bleiben, ist alles zu bewältigen was uns das Leben an Zitronen zukommen lässt.

Auch das Ungute hat seine guten Seiten. Ich muss mir aber dessen bewusst sein, um sie finden zu können. In dem Moment wo wir uns auf die Suche begeben, werden wir finden - jeder für sich, was die Krise an Gestaltungsmöglichkeiten für ihn selbst und sein Leben in sich trägt.

Möget Ihr es für Euch finden.

Mittwoch, 25. März 2020

Tipps für alle, die jetzt allein sind


Foto. www

Auch für Singles und Alleinlebende ist diese Zeit eine emotionale Herausforderung. Es ist schwer den ganzen Tag auf sich selbst gestellt zu sein und mit sich selbst in einem Raum zu hausen. Manchen gelingt das gut, andere leiden schwer unter der Isolation. Sie haben nur sich selbst, sie sind vollkommen auf sich selbst zurückgeworfen. Das kann das Gefühl von Einsamkeit machen, das kann das Gefühl einsam zu sein verstärken, das kann an den Nerven ziehen, das kann Angst machen und alte Ängste potenzieren, das kann lähmen und im schlimmsten Falle depressiv machen oder Depressionen verstärken. 
Dann ist es Zeit sich professionelle Hilfe zu holen. 

Alle anderen, die es gut mit sich selbst aushalten und ihr eigener bester Freund sind, kommen besser klar, aber auch sie knicken machmal ein, auch sie haben gute und schlechte Tage.
Aber es gibt vieles was hilfreich ist um die Zeit  besser zu überstehen. 
Und vielleicht ist diese Zeit ganz mit uns selbst alleine, eine Zeit, in der wir erkennen, dass die Wirklichkeit etwas anderes ist als die Welt unserer Gedanken, Gefühle und Empfindungen. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen der Welt der Gedanken und dem was wir Wiklichkeit nennen. Er liegt darin,  dass sich die Realität im Hier und Jetzt abspielt. Vielleicht erkennen wir was uns mit allen Dingen verbindet, und dann fühlen wir, dass wir in Wahrheit nie allein sein können, denn alle Dinge sind Teil von uns und wir sind Teil aller Dinge. 
 
Hifreich ist ...

Achtsamkeit praktizieren
Du musst dafür nicht auf dem Kissen sitzen und meditieren.
Tu einfach alles was Dir hilft im Jetzt zu bleiben. 
Achte auf das, was du im Moment tust. Tu es sehr bewusst. Ob das Arbeiten, Lernen, Kochen, Malen, Schreiben oder Musikhören ist – mach es bewusst, was bedeutet: Nimm ganz bewusst wahr, was du gerade tust.
Bleib im Jetzt.
Je mehr du dich auf Dinge fokusierst die du nicht kontrollieren oder vorhersehen kannst, je mehr du Szenarien einer unbekannten Zukunft durchspielst, desto mehr fütterst du Sorgen und Ängste. 

Wenn du merkst, dass du ins Grübeln gerätst - sag laut Stopp und wende dich wieder achtsam dem zu, was du gerade tust. Wenn du spürst, dass Panik hochkommt – setz sich hin und atme ruhig ein und aus oder sprich laut mit dir selbst wie zu einem Kind sprechen würdest, dass sich fürchtet oder höre dir eine beruhigende Meditation an. 
Manchen hilft auch Bewegung:  Geh nach Draußen und mache ganz bewusst einen Schritt nach dem anderen. Schau in den Himmel – ein Blick nach Oben kann vieles relativieren.
Lächle ... 

Bewegen
Sorge dafür, dass Du nicht den ganzen Tag nur am Schreibtisch oder auf dem Sofa herumsitzt. Beweg dich. Mach Yoga, Stretching, Qi Gong, Gymnastikübungen oder leg deine Lieblingsmusik auf und tanze.
Geh nach draußen an die frische Luft. Am besten zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag. Das hilft damit dir nicht die Decke auf den Kopf fällt.
Bewegung und Sonnenlicht aktivieren den Stoffwechsel, das Immunsystem und steigern die Durchblutung. Du atmest Sauerstoff und bewegst dich unter freiem Himmel.


Schlaf
Ein ruhiger gesunder Schlaf  ist für den Regenareirungsprozess unseres Organismus notwendig und damit wichtig für das Immunsystem. Wenn du Einschafstörungen hast überlege, was Du so vorm Einschafen tust, welche Informationen du dir zuführst welche Rituale du hast und ob sie hilfreich sind um Einschlafen zu können. Alles was emotional aufregt ist es jedenfalls nicht.

Gesund essen
Du bist, was du isst, sagt ein Sprichwort. 
Achte auf darauf, dass du heilsame Nahrung zu dir nimmst. Falls du das bisher nicht getan hast, jetzt ist die beste Gelegenheit damit zu beginnen.

Struktur
Routinen, Gewohnheiten und Struktur spielen in Stresszeiten eine wichtige Rolle. Es ist hilfreich eine Tagesstruktur beizubehalten oder eine neue zu installieren.
Routine und Struktur geben uns das Gefühl von Selbstwirksamkeit, Autonomie und vor allem: Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unseren persönlichen Alltag.  Das Gefühl Kontolle zu haben, auch wenn sie nur begrenzt ist, ist ein wirksames Mitel gegen Ängste. 
Eine Tagesstruktur hilft auch gegen Antriebsmangel und depressive Verstimmungen.

Kontakt
Echte Nähe lässt sich nicht virtuell ersetzen. Aber für viele Alleinlebende ist sie im Moment einfach nicht lebbar. Daher ist Kontakt mit nahen Menschen, Familie und Freunden über Telefon, Facetime oder Sykpe die einzige Möglichkeit, die jetzt bleibt, und die solltest du täglich nutzen. 

Sei dir bewusst worüber du sprechen willst.
Sprich nicht ständig mit jedem über die Krise, das führt dazu, dass man sich gegenseitig hochschaukelt. Sprich darüber wie es dir geht, wie du dich fühlst und über das, was dich belastet. 
Tausch dich aus, frag wie andere mit der sozialen Isolation umgehen, inspiriert euch gegenseitig und schenkt euch Zuversicht und Kraft.

Wenn du Ängste hast, sprich sie aus. 
Was sich nicht ausdrückt , drückt sich ein. 
Nimm deine Gefühle wahr, nimm sie ernst, lass sie da sein und sprich sie aus.

Wenn du niemanden zum Reden hast, scheue dich nicht dir Hilfe zu suchen.
Therapeuten bieten Gespräche jetzt vermehrt Online an. In dringenden Fällen gibt es die Telefonseelsorge. Schon ein Gespräch kann sehr hilfreich sein.

Abgrenzung
Vermeide es den ganzen Tag negative Nachrichten zu sehen oder zu hören. Lies keine Horrornachrichten. Schon gar keine, die schon in der Schlagzeile das Wort: tödlich" benutzen.
Solche Worte machen unbewusst etwas mit dir und das ist nichts Gutes.
Setze Informationsgrenzen und sorge für Balance in der Auswahl deiner Informationen. 
Lass dich nicht geistig zumüllen.
Lege einen bestimmten Zeitpunkt am Tag fest an dem du dich informierst. Am Besten nicht am Abend. Mit schlechten Nachrichten im Kopf schläfst du schlecht.
Lies bewusst auch positive Nachrichten – das weitet den Focus in alle Richtungen des Lebens. Das Ungute wird nicht überlastig. 
Lies mal wieder ein gutes Buch.

Die Dinge sind nicht was sie sind, sie sind das, was Du daraus machst.
Du kannst dir den ganzen Tag sagen: Ich bin unfrei, eingesperrt, ich habe keine Ablenkung mehr, ich kann nicht mehr tun, was ich voher getan habe und jammern.
Das ist absolut nicht hilfreich und verstärkt das Gefühl der inneren Enge und damit Ängste. Es führt dazu, dass du dich selbst hochschaukelst und die die Decke gefühlt auf den Kopf fällt. 
Es ist wie es ist - wir können es jetzt nicht ändern.
Du könnstest dir aber vorstellen, dass du dich für eine Weile in deine Welt zurückgezogen hast um dich auszuruhen von all dem Stress der letzen Jahre und um Kraft zu schöpfen. Du könntest dir sagen: Ich nutze dese Zeit um zu mir selbst zu finden oder um mit mir selbst gut zu sein.


Selbstfürsorge
Gerade jetzt ist es elementar wichtig, gut für dich selbst zu sorgen um seelisch und körperlich bei Kräften zu bleiben.
Lies Bücher über Selbstfürsorge oder informiere dich im Netz.
Schau was für dich funktioniert und überfordere dich nicht, wenn es dir nicht gleich oder nicht immer gelingt.
Schau dir an, was in deinem Leben nicht mehr stimmig ist, was unheilsam ist und schon lange nach Veränderung ruft. Das ist die beste Zeit ehrlich zu dir selbst zu werden.

Tagebuch schreiben
Schreiben ist selbstwertdienlich. Das weiß ich aus meiner eigenen Erfahrung und aus den Erfahrungen vieler meiner Klienten, denen ich das Schreiben ans Herz lege. Sie alle empfinden es als hilfreich. Und genau das ist es: Hilfreich in allen Lebenslagen.

Wer über sein Leben und seine Gefühle schreibt, findet Klarheit und mehr zu sich selbst. Schreiben ist der Schlüssel zu unserem Gefühlsarchiv. Schreiben hilft uns selbst besser zu verstehen. Schreiben ist ein Werkzeug, die eigenen Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte zu hinterfragen und Neues an uns zu entdecken, Potentiale auszubilden und ungute Glaubensmuster zu hinterfragen. Über das eigene Leben zu schreiben, ist ein wundervoller kreativer Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Schreiben ist Selbstausdruck und löst so innere Blockaden. 


Schreiben ist deshalb so hilfreich, weil sich in Krisen der Blick verengt: Alle Türen scheinen verschlossen, alles Schöne fällt aus unserer Wahrnehmung heraus, die Welt zeigt sich Grau in Grau. Schreiben ist ein Weg um aus dem inneren Gefängnis auszubrechen.
Bei Krisen, Krankheiten, Schicksalsschlägen, Trennungen und Verlusten hilft es, sich den Schmerz von der Seele zu schreiben. Schreiben kann ein Ventil sein. Schreiben hilft, Lebenskrisen als Chance zu begreifen und konstruktiv damit umzugehen.

Stärke dein Immunsystem
Füttere dich mit allem was heilsam ist und verzichte auf das Unheilsame. 

Und vergiss nicht ... Alles, alles geht vorrüber. 

Namaste