Samstag, 8. Dezember 2018

ENTSCHEIDUNG FÜR UNSER INNERES KIND



Malerei: A. Wende

Dann wenn wir die Entscheidung getroffen haben, die Verantwortung für das ehemals leidende Kind in uns zu übernehmen, wollen wir dieses Kind, das wir waren, verstehen.
Wir wollen sein Leiden anerkennen und es nicht länger verleugnen oder abspalten.
Wir wollen dieses verletzte Kind, das voller Angst und ohne Halt ist, mitfühlend und liebevoll annehmen und ihm eine Orientierung geben.
Wir wollen ihm zeigen, dass nicht die ganze Welt ihm Schmerz zufügen will, dass nicht alle Menschen ihm weh tun wollen, und dass Liebe nicht gefährlich ist.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Was solls


Foto: A. Wende
 
Erinnerung ist trügerisch. Manchmal ist sie das und wir, im Glauben sie ist was sie ist. Momente zurückholen ins Jetzt und mit helleren Farben überziehen als sie waren in Wirklichkeit, damals als sie waren. Und sich daran festhalten wollen, an dem, was nicht zu halten war und vergangen. Tröstlich. Das Untröstliche tröstend. Und weitermachen und dabei zurückschauen. Zurückfühlen wie gut es doch war und wie schön und das Jetzt so leer ohne das Gute und Schöne. Träumen, tagträumen und wünschen, es wäre noch so wie am Anfang, als wir fühlten, wieder tief fühlten, was so selten ist im Gefühl und so kostbar.
Und es erhöhen in der Erinnerung, weil das Jetzt so schal ist und leblos an manchen Tagen in denen nichts geschieht, nur das Immergleiche vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Gelebte Zeit über das Jetzt ziehen und nicht im Moment sein. Wieder und wieder in Trance nach hinten reisend und Sehnsucht im Jetzt, die brennt. Ins Herz brennt. Und Angst zu verbrennen am Glück, das es einmal gab und zerbrach am Leben, das fließt und wegfließen lässt. Immer. Alles. Trauer und Schmerz und wissen, es war und wird nicht wieder sein. Nie mehr sein, so wie es war. Nicht austauschbar, nicht ersetzbar, nicht wiederholbar. Nachschlag gibt es nicht. Illusionen hast du dir gemacht. Du weißt es. Was solls, schön wars. Und nichts bereuen und ein: Du würdest es wieder tun.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Scheitern


Anhand deines Scheiterns kannst du Rückschlüsse auf dich selbst ziehen, indem du dich fragst:
Was habe ich gelernt und wie wende ich das Gelernte künftig an?
Inwiefern habe ich durch das Scheitern etwas gewonnen?

Dienstag, 4. Dezember 2018

Gedankensplitter


 
Foto: Dirk Arlt


Viele kleine Verletzungen reißen im Laufe der Zeit eine große Wunde und sie reißen alte Wunden wieder auf. Jede einzelne Verletzung ist wie ein kleiner Nadelstich, der uns anpickst um uns zu warnen, uns nicht noch mehr weh tun zu lassen. Aber wir reagieren nicht, in der trügerischen Hoffnung, dass es irgendwann doch gut wird oder zumindest besser. 

Also halten wir durch - solange bis die Wunde aufreißt und wir vor Schmerz nicht mehr können. Manchmal muss der Leidensdruck so hoch werden um endlich den Mut zum Aufbruch zu fassen, um endlich die Brille abzusetzen, die die Realität vernebelt, eine Realität, die schon immer da war, die wir aber nicht klar sehen wollten. Wir müssen uns zurückholen, was wir verloren haben – unsere Würde. Einfach ist das nicht. Aber es ist noch schwerer das Leben klaren Blickes für etwas zu verschwenden, was zu immer mehr vom Gleichen führt: Leiden. Das ist zum Fürchten.
 

Sonntag, 2. Dezember 2018

I am





I think, therefore I am
Descartes

I ought, therefore I can
Immanuel Kant

I want, therefore I am
Leo Tolstoy

I rebel, therefore I am
Albert Camus

I think that I think, therefore I think than I am
Ambroise Birece

Sometimes I think, sometimes I am
Paul Valery

Samstag, 1. Dezember 2018

Krisenintervention





Es ist nicht schön wenn man einsehen muss, dass ein Lebenskonstrukt oder eine Beziehung sich überlebt haben. Und es ist schmerzlich den eigenen Anteil daran zu erkennen. Aber, wenn wir den Willen und die Bereitschaft haben uns der eigenen Verantwortung für unser Leben zu stellen, können wir grundlegende Verbesserungen bewirken. Das geht nicht von jetzt auf gleich. 

In Krisenzeiten zeigt sich auf wen oder was wir uns verlassen können, auf wen oder was wir vertrauen können, was uns hält und was uns Kraft raubt und das Leben erschwert. Wir suchen Klarheit und ziehen Resümee in welchem Bereich unseres Lebens sich die Dinge abgelebt haben oder zerrüttet sind. Wir erkennen in welchen Lebensbereichen wir richtig gehandelt haben, wo wir uns einer Illusion hingegeben haben und welche Bereiche uns lähmen oder sogar blockieren. Wir lassen los was uns nicht mehr gut tut. Je mehr wir vom Unguten loslassen, desto mehr Druck entweicht aus unserem Inneren. Die innere Anspannung wird weniger. Blockaden lösen sich auf und wir schaffen Raum für Klarheit. 

Krisenintervention geschieht durch die bewusste Konzentration auf das Wesentliche, durch das Fokussieren auf das, was weiterhin nützlich ist und gut ist und durch das Optimieren dessen, was in unserem Leben Substanz hat - Innen wie Außen.
 
Krisenintervention geschieht durch geduldiges Arbeiten an uns selbst. Sie braucht Disziplin und Durchhaltevermögen,  auch wenn es schwer ist und wir manchmal glauben, es nicht zu schaffen. Sie braucht Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge.

In dem Moment, in dem wir bereit sind die volle Verantwortung zu übernehmen beginnen wir an einer realistischen Lösung unseres Problems zu arbeiten. Dann haben wir die Kraft, Klarheit zu finden und Möglichkeiten zum konstruktiven Handeln. 

Wenn wir wissen was unsere Werte sind und was unser höheres Ziel ist, werden wir die Bereitschaft aufbringen loszulassen, was mit diesen Werten und diesem Ziel nicht vereinbar ist, auch wenn es schmerzt. Wir werden unsere Energie in das geben, was uns nützlich ist, uns Freude macht und Sinn gibt. Wir werden dankbar Ja sagen zu dem was hilfreich ist und ein bewusstes Nein zu dem, was destruktiv oder dysfunktional ist. Und ja, dazu braucht es Mut. Und es braucht Zuversicht, die den Mut stützt, Schritt für Schritt, wieder und wieder, in guten und besonders in schweren Momenten. 
Diese Zuversicht können wir finden, indem wir erkennen, was das Leben ist – eine ständiges Werden und Vergehen, ein Weg mit Höhen und Tiefen, ein Lernprozess, dessen tieferer Sinn es ist zu uns selbst zu finden und zwar zu dem Menschen, der wir sein möchten.

Freitag, 30. November 2018

GEBEN


Geben ohne erwarten.
Geben weil es ein Bedürfnis des Herzens ist.
Bei dir selbst bleiben im Geben.
Geben ohne nehmen zu wollen.
Was du gibst, bekommst du zurück.
Immer, auch wenn es dauert.
Manchmal siehst du nicht was dir gegeben wird, weil du dich abgetrennt fühlst, verraten, nicht erkannt, allein in deinem Mikrokosmos.
Dann kommen die Geister der Selbstbespiegelung, der unerfüllten Bedürfnisse, der schmerzhaften Enttäuschungen, der sinnlosen Erwartungen, der traurigen Bedürftigkeit.
Und du schenkst ihnen deine ganze Aufmerksamkeit und sie wachsen.
Und mit ihnen die Verzweiflung.
Lass sie nehmen.
Warum nicht?
Lass sie sein wie sie sind, die, die nur nehmen.
Sie nehmen dir nichts.
Fülle ist in dir selbst, man kann dir nichts nehmen.
Erfüllung ist geben.
Geben ist Erfüllung.