Montag, 11. November 2019

Was wir nicht lieben können

Foto: Angelika Wende


Uns selbst verstehen, wie schwer das ist. Uns selbst in all unseren Ambivalenzen begreifen, wie schwer das ist. Und wie schwer das ist, den anderen zu begreifen, wenn wir uns selbst schon nicht begreifen. Wie wirkliche Nähe fühlen? Wie sie halten?
Nähe zu uns selbst. Wirkliche Nähe, die nichts auschließt von dem, was uns ausmacht, dem, der wir sind mit all dem Fremden in uns, das sich über das vertraut Bekannte legt und irritiert.

Uns selbst nah sein verlangt viel von uns selbst. Uns selbst in dieser Nähe lieben ist schwer. Uns lieben mit all dem, was wir nicht verstehen und, weil wir es nicht verstehen, ablehnen - nicht lieben können. Lieben ist schwer wenn ich nicht weiß, was ich liebe. "Wir lieben was uns gleich ist", schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht "In Sand geschrieben".

Ja, was uns gleich ist verbindet uns, schafft Nähe. Doch manchmal trennt es uns, das Gleiche, weil wir uns erkennen im Spiegel des Gleichen - uns, mit dem, was wir nicht lieben an uns.

Sonntag, 10. November 2019

Warum bleiben einfacher ist als gehen


Foto: Angelika Wende

Glücklich sind wir längst nicht mehr. Wenn ich genau überlege gibt es im letzten Jahr kaum Momente in denen ich mit ihr glücklich war.  Wir streiten oder schweigen uns an, wir sind genervt, manchmal sind wir sogar respektlos zueinander. Glücklich, nein glücklich bin ich nicht. Aber ich schaffe es nicht zu gehen.
Mein Klient schaut mich an: Bin ich zu feige um mich zu trennen? 

Eine gute Frage.
Diese Frage stellen sich so manche von uns, wenn eine Beziehung sich nicht mehr gut anfühlt. Aber wie mein Klient, sind wir nicht in der Lage uns einzugestehen: Die Beziehung ist am Ende angelangt. Es geht nicht mehr. Wir müssen uns trennen.
Und dennoch tun wir es nicht.

Ist bleiben also besser als gehen?

Besser nicht, aber einfacher.
Besser sicher nicht, denn wer bleibt schon gerne dort, wo er sich nicht mehr geborgen, verstanden, gesehen, respektiert, begehrt, lebendig und geliebt fühlt? Dort wo ein täglicher Kleinkrieg herrscht, der immer neue Schauplätze aufmacht, auf denen sich die Enttäuschung, die Wut und die Trauer über das längst verlorene Glück der Zweisamkeit entlädt. 
Keiner von uns. Und trotzdem, es ist kaum zu glauben wie viele Menschen mit ihrer Beziehung unzufrieden sind und bleiben.

Manche legen sich einen Liebhaber oder eine Geliebte zu. Kleine Fluchten um den großen Ausstieg nicht vollziehen zu müssen. 
Trostpflaster für ein totes Liebesleben emotional und sexuell. Es wird gelogen und betrogen um auszuhalten, was nicht aushaltbar ist, es wird erträglich gemacht, was nicht erträglich ist. Würden wir gehen, müssten wir uns entscheiden. 
Wer sich nicht entscheidet, entscheidet sich trotzdem. Er bleibt.

Wer bleibt, bleibt aus Angst.  
Angst vor diesem Moment wo er aussprechen könnte was wahr ist, nämlich, dass er nicht mehr glücklich ist, sich nicht mehr wertgeschätzt, nicht mehr gesehen, nicht mehr geliebt fühlt und selbst nicht mehr wertschätzt, sieht und liebt. Angst vor dem Moment der Stille, die dann eintritt und den Diskussionen, die der Stille folgen.
Und dann die große Stille, die rießige Leere, die der Erleichterung folgt, wenn der andere weg ist. Das wollen wir nicht aushalten.
Wir fürchten uns vor der Einsamkeit, die dem Alleinsein folgen könnte, für immer vielleicht. 
Dass da noch mal ein Mensch kommt, der wirklich zu uns passt? Daran zu glauben fällt schwer. Die Erfahrung sagt: Es wird nicht viel besser, allenfalls anders.
Bleiben scheint also besser als Einsamkeit, das Schreckgespenst, das uns in den Käfig unguter Beziehungen einschließt und uns das Verlassen des Käfigs schwer macht.

Und dann ist da ja noch das liebe Geld, das man dann selbst verdienen müsste, der Luxus und die Bequemlichkeit die man dann aufgeben müsste. 
Da sind vielleicht die Kinder die darunter leiden und die Probleme von Kindeswohl und Kindessorge.  Nein, dann lieber bleiben und dem anderen und sich selbst weiter etwas vormachen oder weiter kalte oder heiße Kriege führen, die auf Dauer unendlich müde machen und das Leben und die Gesichtszüge immer bitterer. Von der Gesundheit ganz zu schweigen.

Es ist viel was Menschen in Kauf nehmen anstatt sich selbst gegenüber ehrlich zu sein. Nur, wer sich selbst gegenüber nicht ehrlich ist belügt den anderen genauso wie sich selbst.

Wir bleiben weil bleiben einfacher ist als gehen und weil das Verlassen der Komfortzone um einiges bedrohlicher erscheint als das Erlangen des eigenen Seelenheils durch die Gestaltung des eigenen Lebens. Zugegeben: Das ist auch nicht einfach.
Aber ist das ein Grund dort zu bleiben wo das Klima vor Lug und Betrug energetisch verdorben ist, wo Jammern, Klagen und Beklagen Dritten gegenüber die Mittel der Wahl sind um sich von all den destruktiven Gefühlen zu entlasten, die so eine abgelebte oder eine destruktive Beziehung mit sich bringt?
Ja. In der Tat. Für viele ist es das.
Viele bleiben. Sie bleiben solange es noch den kleinsten Benefit gibt
Sie erfinden hunderte von Ausreden um das Kleine nicht als das zu erkennen was es in Wahrheit ist – die eigene Kleinheit. Die mutlose Kleinheit, die feige Kleinheit, die große Angst vor dem Unbekannten, dem Loslassen, dem auf sich selbst gestellt sein, die dazu bringt, das eigene Leben zu vergeuden, weil die Bereitschaft fehlt es in die Hand zu nehmen und es wahrhaftig den eigenen Werten nach zu leben und zu gestalten und zwar mit allen unschönen Konsequenzen.
Mit Liebe hat Bleiben hier nichts mehr zu tun.

Übrigens: Liebe und Beziehung sind nicht eins.
Ich kann einen Menschen lieben und feststellen – wir passen nicht zusammen.
Ich kann erkennen: Bei aller Liebe, wir sind dermaßen konträr in allem was wir tun, wollen und leben. Unsere Werte und Bedürfnisse sind nicht kompatibel, wir schauen nicht in die gleiche Richtung.

Liebe allein genügt nicht um miteinander ein gutes Leben zu haben.

Das ist ein Irrglaube.
Und ein Grund warum viele Beziehungen scheitern, die aus Liebe Beziehung machen.
Die Liebe nutzt sich im alltäglichen Kampf nämlich langsam aber gründlich ab.
Und da wo nur Beziehung ohne Liebe ist, nutzt sich die Seele langsam aber gründlich ab.








Donnerstag, 7. November 2019

Eigenverantwortung oder: Wo es Verantwortung gibt, gibt es keine Schuld.



Aquarell: Angelika Wende

Es gibt Menschen, die ständig anderen die Schuld geben. Es ist wie ein Reflex, egal was schief läuft, sie zeigen mit dem Finger auf den anderen. Der andere ist nicht okay, der andere ist Schuld am Streit, der andere hat den Fehler gemacht, die Welt ist ungerecht, die Politiker sind Idioten und und und. Anstatt den eigenen Anteil zu suchen, ihn zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen ist die innere Haltung: Schuld hat immer das Außen.

Wenn du mit dem Finger auf andere zeigst, zeigen drei Finger auf dich!

Warum machen Menschen das?
Schuldzuweisungen entlasten im ersten Moment. Schuldzuweisungen lassen uns vor uns selbst in einem besseren Licht dastehen, aber vor allem gibt es kein besseres Mittel als Schuldzuweisungen um sich vor Selbstreflexion und Eigenverantwortung zu drücken.
Wenn wir anderen die Schuld zuschieben müssen wir uns nicht mit uns selbst auseinandersetzen, weder mit unseren Handlungen, noch mit unserem Verhalten. Wir sind „unschuldige“ Opfer. Wir sind nicht verantwortlich für unsere Lage und müssen also auch nichts tun um sie zu verändern. Der andere ist oder hat das Problem, das eigentlich das unsere ist. Und so sind wir scheinbar fein raus.
Tatsächlich aber geben wir dadurch Eigenmacht ab.
Die anderen haben Macht über uns, denn wir sind durch dieses Verhalten passiv und wer passiv ist, ist unfähig am Problem oder an der Situation etwas zu verändern. Sind wir passiv sind wir abhängig von der Reaktion des anderen. Wir sind verdammt zu reagieren anstatt zu agieren.
Tatsache ist: Was immer auch in jeder Art von Interaktion geschieht, dass wir immer auch selbst “schuld” sind. Wobei ich hier lieber das Wort „selbstverantwortlich“ wähle. Wo es Verantwortung gibt, gibt es keine Schuld.

Wir haben immer einen Anteil an dem was ist, auch wenn wir nichts tun.
Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun, schreibt Molière. Denn auch nichts tun ist eine Handlung und eine Entscheidung, die wir treffen. Ob wir streiten, ob wir Probleme in der Beziehung haben, ob wir den Job verlieren, ob wir Raubbau mit unserem Körper oder unserer Seele betreiben oder ob wir verlassen werden – es hat immer etwas mit uns selbst zu tun. Zumindest lassen wir es zu, dass andere oder die Umstände etwas mit uns machen, wenn wir nichts machen. Meist aber tragen wir selbst aktiv etwas zur jeweiligen Problemsituation bei. Wer das erkennt wird nicht zum Spielball des Außen. Er wird sich nicht wie ein hilfloses Kind der Fremdbestimmung überlassen.

Eigenverantwortung - manchen Menschen fällt genau das schwer. Sie wollen lieber in der kindlichen Haltung – die anderen sind schuld – stecken bleiben.
Sie wollen nicht erwachsen werden, denn das würde bedeuten, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Puh, das ist ja anstrengend, da spiele ich doch lieber weiter. Nur das dass nicht ewig gut geht, denn irgendwann kommt das Leben und sagt: Nö du, so geht das nicht. Schau mal hin was du alles verkackt hast. Und jetzt räum mal auf, sonst wird das nix mehr oder sogar noch unguter als es eh schon ist. Übernimm endlich mal Verantwortung für dich selbst!
Eigenverantwortung heißt anzunehmen, dass wir immer irgendwie beteiligt sind, bei allem was uns widerfährt. Eigenverantwortung bedeutet: Uns um uns selbst und die Gestaltung unseres Lebens aktiv zu kümmern.

Eigenverantwortung übernehmen heißt auch: Den einen eigenen Anteil an der jeweiligen Situation erkennen und sich dementsprechend zu verhalten.
Es heißt sich erwachsen zu verhalten und aufzuhören die Fehler, das Unglück oder die Schuld im Außen zu suchen und zu dem stehen was wir zum Problem beigetragen haben und nach Lösungen zu suchen. Wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen finden wir die mit Sicherheit nicht. Im Gegenteil – wir verschärfen damit jedes Problem.

Immer bei uns selbst beginnen – das bedeutet Reife.

Namaste

Dienstag, 5. November 2019

Der Weg zur Genesung


Foto: pixabay


Du willst genesen?
Was immer das auch für dich bedeutet, der Weg ist das Ziel.

Der Weg ...

1.    Such dir Hilfe 
Hilfe suchen bedeutet, sich von der Vorstellung zu verabschieden mit der Situation alleine klarzukommen. Das heißt: Zu erkennen, dass sich deine Lage trotz aller Anstrengungen nicht verbessert.
Gestehe dir ein, wie schlimm es wirklich ist.
Hilfe kann Geld kosten oder bezahlt werden, z.B. von der Krankenkasse.
Entscheidend für deine Genesung ist, dass du dort wo du Hilfe suchst ein gutes Gefühl hast – d.h. dass die Chemie zwischen dir und dem Helfenden stimmt. Das ist Vorrausetzung für eine heilsam wirkende Beziehung.

2.    Sich helfen lassen braucht Zeit 
Ungeduld ist kontraproduktiv. 
Probleme die schon lange bestehen lösen sich nicht "as soon as possible".
Das funktioniert nicht. 
Es funktioniert auch nicht, dass es einer für dich macht. 
Der Einzige, der es für dich gut machen kann, bist du, indem du die Bereitschaft hast genesen zu wollen, indem du verinnerlichst und umsetzt, was der Helfende dir an Impulsen anbietet und was davon dir als hilfreich erscheint.
Es liegt an dir selbst wie lange der Prozess dauert.
Hab Geduld mit dir selbst, alles braucht seine Zeit.

3.    Erste Hilfe: Akzeptanz
Du musst nicht gleich deine Beziehung verlassen, deinen Job kündigen, radikal dein Leben ändern um deine Lage zu verbessern.
Deine Probleme lösen sich dann, wenn du innerlich bereit bist und nicht wann du es willst.
Die erste Hilfe heißt: Akzeptanz.

Akzeptanz ist nicht Resignation, ist nicht aufgeben, ist nicht "alles schlucken", sich alles gefallen lassen. Ist nicht Schwäche und Passivität.
Im Gegenteil. Akzeptanz ist die Bereitschaft zu fühlen was es im Leben zu fühlen gibt und zwar alle Gefühle, ob angenehm oder unangenehm, ohne zu verzagen.
Akzeptanz lässt sich als Loslassen verstehen. Wer sagt uns denn, dass wir gegen alles was uns nicht passt, was wir nicht haben wollen, was wir nicht fühlen wollen, was wir nicht bewältigen oder besiegen können, kämpfen müssen?
Das zermürbt auf Dauer. 
Durch die Fähigkeit Situationen, Gefühle oder Dinge erst einmal so wie sie jetzt gerade sind "sein" zu lassen (Akzeptanz), ohne sich darüber aufzuregen, ohne sofort reagieren zu müssen, ohne sie sofort ändern zu wollen.
So wird Kraft frei, die du nutzen kannst, um Dinge in Angriff zu nehmen, die zunächst unerreichbar scheinen. Akzeptanz bedeutet den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen, nicht nach dem ersten Impuls zu handeln, der uns in den Sinn kommt. Akzeptanz bedeutet: Ruhe zu bewahren um aus dieser gewonnenen Ruhe heraus Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen. 


4.     Deine eigene Genesung hat absolute Priorität.
Sie erfordert dein ganzes Engagement.
Jetzt geht es darum, dich selbst absolut ernst zu nehmen.
Die Sitzungen bei deinem Coach oder deinem Therapeuten kommen an erster Stelle, sie sind wichtig. Nimm sie ernst. Damit nimmst du dich selbst ernst. 
Jetzt geht es um deine Selbstfürsorge und dass du es dir wert bist. So wert wie dein liebster Mensch es dir wäre.
Jetzt geht es darum alles was hilfreich ist umzusetzen, auch wenn es Mühe macht und du dich manchmal überwinden musst.
Um deinen Genesungsprozess zu unterstützen darfst du zum Exprten deiners Themas werden. Lies Bücher darüber. Such dir eine Selbsthilfegruppe. 
Akzeptiere, dass dieses neue Wissen auch schmerzhaft sein kann. Aber: Es ist schmerzhafter alles beim Alten zu lassen.
Nicht wegsehen, hinsehen macht die Seele frei.

5.    Wie steht es um deine Bereitschaft?
Die Frage nach deiner „Bereitschaft zur Veränderung“ wird dir auf dem Weg immer wieder begegnen. Wenn du einknickst, überlege dir: 
Wie hoch ist meine Offenheit diesen Weg zu gehen?
Bis zu welchem Grad bin ich bereit den Weg zu gehen mit all seinen unberechenbaren Folgen und Konsequenzen?
Bin ich bereit alles zu fühlen, was an Gefühlen da ist?
Bin ich bereit alles zu lassen, was dazu dient diese Gefühle zu verdrängen? 
Dazu gehören Alkohol, Drogen, Esssucht, Kaufsucht. Also alles was dazu dient die Angst vor den eigenen Gefühlen zu verdrängen. 
Solange du „betäubt“ bist, bist du nicht aufnahmefähig und nicht bei klarem Verstand. Solange wird sich nichts ändern.

6.    Eigenverantwortung
Hör auf andere für deine Lage verantwortlich zu machen.
Ja, andere haben dich verletzt und verletzen dich und werden dich verletzen.
Aber es ist nicht hilfreich und auch ein Ding der Unmöglichkeit zu versuchen das Verhalten anderer zu kontrollieren oder zu verändern. 
Du hast keine Macht über andere Menschen. 
Wir alle haben nur die Macht uns selbst zu verändern. 
Und auch das ist kein leichtes Unterfangen.
Ein Großteil des Leids entsteht dadurch, dass wir versuchen zu kontrollieren, zu bestimmen, zu erwarten was andere tun sollen, damit wir uns besser fühlen. 
Keiner dieser Versuche war je erfolgreich. Oder?

7.    Akzeptiere das Chaos als Teil deiner Genesung
Sobald wir beginnen uns selbst und damit unser Leben zu ändern wird zunächst Einiges durcheinander geraten.
Alte Muster werden bewusst gemacht und hinterfragt. 
Neue Muster dürfen erfasst, gelernt und integriert werden. 
Destruktive Glaubenssätze werden erschüttert und zu neuen, hilfreichen gewandelt.
Das dauert. Dein Gehirn muss umlernen.
Das Chaos ist normal.
Die Angst ist normal.
Rückschritte sind normal.
Hinfallen ist normal.
Wieder aufstehen und weitermachen. 
Du wirst auch für die anderen nicht mehr berechenbar sein.
Du veränderst dich nämlich.
Das kann dazu führen, dass du dir Kritik und Angriffe von deinen Mitmenschen anhören musst. Bemühe dich nicht dich zu erklären, versuche nicht dich zu rechtfertigen oder zu verteidigen. Lass die alten Spielchen sein.
Lass sie reden und wende dich ab.
Wenn du dich nicht abwenden kannst, nimm es mit Gelassenheit.
Du gehst deinen Weg.
Du brauchst keine Zustimmung anderer und auch nicht ihre Anerkennung.
Wer dich liebt und wertschätzt, wer dir Gutes wünscht, wird dich auf deinem Weg wohlwollend begleiten und unterstützen.

8.     Erinnere dich an das, was du gerne tust und fördere es
Dich selbst fördern ist wie ein Kind fördern. Schau was du liebst, was du gerne tust und tu es. Tu es und mache mehr davon. Tu es und lerne mehr darüber.
Oder probiere etwas Neues aus. Geh raus in die Welt mit offenen Augen und offenem Herzen. 
Lerne mehr für dein eigenes Wohl zu tun, als für andere.
Mach dir klar was dir gut tut.
Und tu jeden Tag etwas davon.
Indem du dich selbst förderst bekommst du mehr und mehr ein Gefühl dafür wer du bist, was du kannst und was du wirklich willst.
Wer seine Fähigkeiten kennt und sie fördert und ausschöpft, beginnt sich selbst zu verwirklichen. Er wird er-wachsen.
Erwachsen bist du, wenn du die Verantwortung für deine Möglichkeiten, deine Entscheidungen, deine Gefühle, deine Gedanken, deine Handlungen und dein Leben übernimmst. 

9.    Du darfst auf gesunde Weise egoistischer sein
Egoistisch werden ist eine notwendige Übung um dich aus der Opferrolle zu befreien. Das bedeutet nicht selbstsüchtig sein, gleichgültig oder gemein sein. Es bedeutet: Du setzt dich an erste Stelle anstatt an die letzte.
Manche werden dir Egoismus vorwerfen, weil du dann dann nicht mehr tust, was sie von dir wollen. Dann erinnere dich daran, dass du ab jetzt zuerst tust, was für dich gesund ist. Und es ist nicht gesund zu tun was andere von dir wollen, denn auf diese Weise hast du dich selbst verloren.
Jetzt geht es um dich.
Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. 
Nur wenn du gut für dich selbst sorgst und gut zu dir bist, kannst du gut für andere sorgen und gut für andere sein.
Selbstmitgefühl ist der Schlüssel zum Mitgefühl und nicht andersrum. 

Deine Wünsche und Bedürfnisse sind wichtig. Nimm sie wahr. Nimm sie ernst.
Auf dem Weg der Genesung wirst du so lernen deiner inneren Stimme zu vertrauen. Du wirst mehr und mehr deine Werte erkennen und dein Handeln danach ausrichten.
Deine innere Stimme wird dir sagen, was du brauchst und was dir gut tut.
Sie wird dir sagen, was dir nicht mehr gut tut.
Du wirst lernen auf dich zu reagieren bevor du auf andere und deren Erwartungen reagierst. Du wirst lernen dich selbst zu schützen.
Du wirst keine Lebensenergie in schädliche Beziehungen und Situation hineingeben.
Du wirst Achtung vor dir selbst gewinnen und dich wertschätzen lernen. So wirst du unabhängiger von der Wertschätzung anderer.
Du wirst dir deiner selbst bewusst.
Du wirst erfahren, dass du so wie du bist, liebenswert bist.
Für dich selbst und damit auch für andere.
Das ist der Schlüssel zu einem gesünderen Leben.


Genesung ist ein Prozess, der durch nichts zu bescheunigen ist.
Genesung ist ein sich selbst entfaltender Prozess.
Genesung ist ein sich selbst verstärkender Prozess.  
Gensung ist ein Abenteuer mit Risiken und Nebenwirkungen.
Die Heldin, der Held bist du. 

Namaste








Samstag, 2. November 2019

Hurt people hurt people



Foto: Angelika Wende

All das gesagte der Verletzungen, die sie sich zugefügt haben, ungewollt. Verletzung weitergegeben ungewollt. Absichtslos.

An den Erwartungen scheitern wir, an jenen, die wir an andere stellen. Am gut Gemeinten, gemeint im Glauben dem anderen gut zu tun, scheitern wir. Den anderen sein lassen fällt schwer.
Und immer der Versuch zu verstehen.
Aber das Verstehen nützt nichts, wenn es nicht gefühlt ist.
Die Kluft zwischen ich und du: das Fremde im anderen. Das Fremde bleibt fremd, trennt. Kompromisse sind kein dauerhafter Kitt. Er weicht auf, sobald die Gegensätze sichtbarer werden mit der Zeit.

Letztlich scheitern wir am Unvereinbaren in uns selbst.

Schon das Eigene widerstrebt dem Eigenen. Immer ist es da eins, das dem anderen widerstrebt. Wünsche legen sich nicht in Wünsche wie die Blätter einer Blume, selbstverständlich und füreinander geschaffen. Ist niemand für den anderen geschaffen? Alles Arrangements, mehr oder weniger funktionsfähig.

Will ich mich arrangieren?
Wenn da zwei sind die wollen, wenn das Eine Wollen das andere Wollen nicht einschließt, nicht gleich macht, weil gleiches Wollen unmöglich ist. Was wir für den anderen wollen, wollen wir doch nur für uns, geben ihm den Namen des anderen. Wollen Gutes, aber das Gute ist relativ und gut Gemeintes auch Ungutes, manchmal. 

Am zu vielen Wollen für den anderen zerbricht der andere im Zweifel. Setzt sich zur Wehr eine Weile. Dann ein Aufgeben, ein Gehen zu sich selbst zurück.

Wir wissen woran wir scheitern.
Wissen nicht, wie es aufhalten, weil das Wollen größer ist, als die Achtsamkeit, die Rücksicht, der Respekt der Grenzen wahrt. Achtsam.

Grenzüberschreitend eindringend in das fremde Land des anderen, im selbstsüchtigen Wollen. Sehnsucht nach eins Werden, ganz sein durch den anderen. Ein untauglicher Versuch etwas zu Einem zu machen was Zwei ist und immer Zwei bleibt.
Das Ganze bist du. Du in all deinen Teilen bist ganz. 

Wir scheitern an Grenzverletzungen.
Aus Grenzverletzungen entstehen alle Verletzungen.
Achtsamkeit.
Uns achtsam sein lassen, den anderen achtungsvoll sein lassen, nichts wollen.

Es ist die Einsamkeit in uns selbst, an der wir leiden.

Das Erkennen der Unteilbarkeit des Innersten und die Nichtakzeptanz, dass es so ist und niemals anders sein kann.
Schmerzhafte Einsicht.
Wir wollen Schmerz vermeiden.
Schmerz, der wieder neuen Schmerz schafft.
Es ist der Widerstand gegen das eigene Schmerzende, der den Schmerz vergrößert in uns selbst. Dann, ungewollt weitergegeben, schafft er Schmerz im anderen.
Hurt people hurt people.

Nie passt unser Wollen für den anderen, wenn es nicht sein Wille ist.
Nein, wir wollen uns nicht verletzen und doch tun wir es.

Dienstag, 29. Oktober 2019

Sucht und Co-Sucht - eine unheilsame Verstrickung


Malerei: Angelika Wende
 

Sucht ist eine schwere Krankheit, die man stoppen aber nicht heilen kann.
Weder der Süchtige, noch der co-abhängige Mensch kann ohne engmaschige psychologische Unterstützung seine Sucht stoppen und genesen.
Sich von der Sucht lösen bedeutet in ein tiefes Loch zu fallen.
Es bedeutet Entzug mit allen Angstgefühlen und allen seelischen und körperlichen Schmerzen.
Entzug bedeutet für Beide, für den Süchtigen ebenso wie für den Co-abhängigen, den Verzicht auf das Suchtmittel. Um gesund zu werden müssen sich beide vom Suchtmittel verabschieden und sich auf sich selbst konzentrieren.

Vom Suchtmittel zu lassen ist ein Ritt durch die Hölle.
Wenn jemand süchtig ist, egal ob nach einer Droge oder nach einem Süchtigen, darf er die Sucht nicht weiter ausleben, wenn er gesunden will.
Jede therapeutische Intervention ist nutzlos solange weiter konsumiert wird.

Der Alkoholiker
Wenn jemand alkoholsüchtig ist, ist der Alkohol das Problem.
Das bedeutet er muss zuerst entgiften und abstinent sein, bevor er mental überhaupt fähig ist an sich zu arbeiten. Es ist sonst ein Ding der Unmöglichkeit an irgendeinem anderen Problem zu arbeiten. Er wird, solange er trinkt, keine positive Veränderung erfahren, ganz einfach weil er nicht klar im Kopf ist. Die weit verbreitete Annahme man müsse die Ursachen für die Sucht aufdecken um die Sucht zu stoppen ist falsch.
Der Grund für das Trinken liegt schlicht und einfach darin, dass der Mensch alkoholkrank ist.
Daher muss das Problem Alkohol als erstes angegangen werden.


Der Co-abhängige
Auch der Co-abhängige wird wie der Abhängige nicht gesunden, solange er mit dem Suchtmittel, in diesem Falle dem Abhängigen, verhaftet ist, weil die Verstrickung durch Aufrechterhaltung des Dramas weiter besteht.
Er muss sich aus der Abhängigkeit lösen, bevor er sein eigenes Leben wieder in den Griff bekommen kann.
Auch er muss also zunächst abstinent sein, um positive Veränderungen überhaupt angehen zu können.
Das bedeutet für den Co-abhängigen: Kalter Entzug.
Das klingt hart. Für Süchtige der blanke Horror.
Genau deshalb ist es so schwer Süchtigen zu helfen, denn das Schlimmste was man ihnen in ihrer Welt nehmen kann ist die Droge.

Samstag, 26. Oktober 2019

Vergiftet



Malerei: Angelika Wende

 Jeder Mensch trägt Licht und Schatten in sich. Jeder, ohne Ausnahme. Entscheidend ist, ob er sich dessen bewusst ist und was er mit den sich widerstrebenden inneren Anteilen anfängt. Welche er füttert und welche er in seinem Leben und in seinen Beziehungen auslebt. Je mehr Ungutes und Giftiges es in unserem inneren und äußeren Leben gibt, desto vergifteter wird unser Inneres.

Ein Zeichen innerer Vergiftung ist das Wachsen der Angst.
Angst lähmt, Angst macht eng, Angst führt zu Süchten, zu Panik. Angst führt in ein Leben, das immer weniger Raum für Liebe und Freude lässt.
Je höher die Dosis Gift in der eigenen Psyche, dazu gehören Gier, Hass, Verblendung, Neid, Missgunst, Völlerei, Hochmut, Ich-Wahn, Sucht, Lug und Betrug, desto größer die Angst.
Je größer die Angst, desto leidvoller ist das Leben.

Ein vergiftetes Leben führt in eine Spirale nach Unten.
Aus Selbstvergiftung wird Beziehungsvergiftung, wird Lebensvergiftung, wird Zerstörung - auf allen Ebenen des Seins.

Wir dürfen achtsam sein, wenn die Angst wächst und hinschauen aus welchen Giften sie sich nährt.
Es ist nie zu spät den gesunden Anteil in uns zu füttern.