Sonntag, 24. April 2016

Was am Gesetz der Resonanz so gefährlich ist


Das Gesetz der Anziehung oder das Prinzip der Resonanz besagt: Gleiches zieht Gleiches an. Es behauptet, wie alle Konstruktionen um Wirklichkeit zu verstehen und zu erklären, dass die Energie unserer Gedanken Schwingungen hat, die sich im Außen manifestieren und auf den, der sie in sich trägt, je nach Qualität seiner gedachten Gedanken, zurückfallen. Es besagt, dass wir bewusst oder unbewusst anziehen, was uns geschieht. Das Gute und das Ungute. Mit anderen Worten: Dir geschieht wie du denkst und fühlst. Und darum gibt es nur dich selbst, der seine Welt erschafft.  Du bist es, der deine Welt beherrscht mit der Macht deiner Gedanken und du beherrscht deine Welt nicht nur, du kannst sie auch verändern, wenn du nur richtig denkst. Das Universum erfüllt dir dann all deine Wünsche. Das Gesetz der Anziehung wird somit als Werkzeug aufgefasst, mit dem jeder sein Leben nach seinen Wünschen und Vorstellungen gestalten kann. Ja, und wer ungut denkt, der hat Pech gehabt. 
Seinen Ursprung hat  der Begriff Gesetz der Anziehung im Jahr 1877 in einem Buch der Okkultistin Helena Blavatzky. 
Seitdem wurde der Begriff wiederholt von esoterisch orientierten Menschen  und Gruppierungen aufgegriffen. Richtig populär wurde das Gesetz 2006 durch den Film The Secret, nach dem Buch von Rhonda Byrne. Zitat: Das Gesetz der Anziehung gilt generell, für alles und alle. Es gilt für alles, das existiert. Jeder Gedanke, den wir denken, jedes Gefühl, das wir fühlen, zieht ähnliche oder gleichartige Gedanken und Gefühle an. 

Einige Beispiele:
Hast du kein Geld, denkst du, dass du es nicht verdient hast. Hast du keinen, der dich liebt, bist du nicht in der Liebe, hast du keinen Erfolg, denkst du, dass du ihn nicht wert bist, erfährst du Böses, denkst du Böses, erfährst du Gutes, denkst und fühlst du Gutes. Das Universum reagiert quasi auf deinen Gedankenbefehl und schickt dir prompt alles eins zu eins zurück.
Also achte auf deine Gedanken. 

Ganz neu ist diese Theorie nicht. Schon in der Bibel steht: "Euch geschehe nach Eurem Glauben."  
Glaube versetzt Berge. Wenn wir an uns glauben, können wir Unglaubliches vollbringen. Und wenn wir an Gott glauben, finden wir die Kraft alles zu überstehen. Das ist die Kraft, die der Glaube schafft. Das Gesetz der Resonanz aber will uns Glauben machen, dass wir alles mit der Macht unserer gedachten Gedanken steuern und herbeiführen oder eben anziehen. Und das ist etwas gänzlich anderes, als der Glaube an Gott oder an uns selbst. 
Glaubt man dem Resonanzprinzip könnte man glauben: Nun, das ist sie also – die (Er) Lösung für alles Leid dieser Welt. Nur seltsam, dass die Menschheit, wenn das so einfach funktioniert, nicht endlich mit dem Umsetzen beginnt. Es wissen doch nun wahrlich genug Menschen vom Resonanzprinzip. Vielleicht sind die Menschen ja klüger als so mancher Resonanzgläubige denkt.

Das Gefährliche an diesem Prinzip ist: Es führt zur Entstehung einer Mentalität, die grundsätzlich dem Opfer die alleinige Verantwortung übergibt.
Du bist verprügelt worden? Selbst verantwortlich, du hast es angezogen, weil du Angst oder aggressive Gedanken hast. Du hast Krebs? Selbst verantwortlich, du hast kranke Gedanken oder du bist nicht in der Selbstliebe. Du hast keinen, der dich liebt? Deine Verantwortung – du schwingst nicht in der Liebe, sondern in der Angst, weil - die Angst ist das Gegenteil von Liebe.
An dieser Stelle frage ich mich gerade: Welche Mutter hat keine Angst um ihr Kind, wenn es zum ersten Mal allein in den Kindergarten oder in die Schule geht oder wenn es als Teenager nachts unterwegs ist. Vertraut sie der Liebe nicht, ist sie nicht in der Liebe? Sie hätte doch sonst keine Angst. Und wenn dann tatsächlich ihrem Kind etwas zustößt, dann ist sie dafür verantwortlich, weil ihre Angst es angezogen hat?

Die Kinder, die im Krieg sterben, was ist mit ihnen, was tragen sie in sich, umd das anzuziehen? Oder sind es die Schwingungen der Erwachsenen um sie herum, die Krieg machen und weil sie in deren zerstörerischer Resonanz mitschwingen, müssen sie sterben. Dieses Gesetz wirft alles Menschliche über den Haufen. Es kann sogar unmenschlich machen. Denn wir werden, wenn wir ihm folgen, weder Mitgefühl noch sonst eine Regung von Barmherzigkeit haben, wenn uns einer begegnet, dem gerade ein Unglück geschehen ist. Wir werden zu ihm sagen: "Du hast das angezogen",  und uns im Zweifel schnell vom Acker machen, denn dieser Mensch hat negative Schwingungen, mit denen er das Unglück angezogen hat, und damit wollen wir nicht in Resonanz treten, denn es vergiftet unsere positive Schwingung.  

Was uns in Wahrheit weglaufen lässt, ist nicht die Liebe, in der wir schwingen, sondern die nackte Angst. Die Liebe nämlich würde diesem Menschen Hilfe schenken und ihn nicht verantwortlich, bzw, schuldig, für sein Unglück sprechen. 
Der Gedanke – jeder ist für das, was ihm widerfährt, selbst verantwortlich, ist perfekt dazu geeignet Schuldgefühle zu machen - und zwar jedem, der, weil er Mensch ist, auch einmal nicht so liebevolle Gedanken hegt oder Wut spürt oder sonst ein menschliches Gefühl, das keine positive Schwingung hat. Dieses Gesetz trennt und zwar in Gut und Ungut. Und es hält eine Konstruktion von Liebe hoch, Liebe als Mittel zum Zweck, was mit Liebe nichts zu tun hat. 
Und Liebe trennt nicht – für die Liebe ist alles eins.

Das Resonanzprinzip macht blind, es macht uns blind für die Komplexität der menschlichen Psyche und der Seele. Es macht blind für die Ursachen und Faktoren, die eine Situation oder einen Menschen in seiner Ganzheit ausmachen. 
Zugebenermaßen – es ist viel einfacher zu sagen, das hast du selbst angezogen, weil du denkst, wie du denkst, als sich mit einem Menschen und seinen Tiefen, seinen Ängsten und seinen Blockaden auseinanderzusetzen, die für ihn nicht hilfreich sind. Er muss nur lernen anders zu denken und das Universum liefert prompt bessere Tage. Nein, Ihr Lieben, so einfach ist es nicht. Jeder von uns hat selbstschädigende, wenig hilfreiche Denkmuster und destruktive innere Überzeugungen, die es zu finden gilt um sie anzuschauen, zu überprüfen und durch hilfreichere zu ersetzen – aber das ist ein Prozess und dieser braucht Zeit und liebevolle Zuwendung, Verstehen und Empathie. Und nicht den Fingerzeig: Denk anders und alles ist gut. Und schon gar nicht den latenten Vorwurf – dir geschieht das, weil du nicht in der Liebe bist, sondern im Mangel oder in der Angst. 

Ich kann nur ändern, was ich begreife und auch dann geht das nicht sofort, es bedarf der Erkenntnis, der Umsetzung und es bedarf Zeit. Der Weg zur Meisterschaft des eigenen Lebensweges ist ein langer Weg und kein Gedankenmachtspiel und er ist unberechenbar.
Wer Meditation praktiziert kann ein Lied davon singen, wie schwer es ist  die Gedanken einfach sein zu lassen, sie nur zu beobachten und nicht zu bewerten. Zum Leben gehört alles. Alles darf sein. Beim Resonanzprinzip geht es immer um Bewertung und um Verurteilung, die sich unter dem Wort "Eigenverantwortlichkeit" versteckt: „Weil du das gedacht hast, deshalb ...".  Weil du nicht in der Liebe bist, geschieht dir ...“

Die Mahnung an die Liebe wird benutzt um Menschen zu bekehren. Aber Liebe will nicht bekehren, sie will nichts - sie ist. Sie ist auch niemals ein Instrument um etwas zu erreichen oder um Menschen zu manipulieren. Liebe lässt sein – sie lässt alles sein und kennt keine Bewertung.
Wie blind für das was Leben ist, ist dieses Prinzip. Und sonderbarerweise, schaut man einmal genauer hin, wenn man denn das Glück hat einem radikalen Vertreter des Prinzips zu begegnen, hat doch dieser Mensch selbst so manches nicht vom Universum bekommen, was er sich wünscht oder sich mittels der Macht seiner Gedanken hindenkt.
Seltsam oder?

Der Mensch und seine Gedanken- und Gefühlswelt, seine Seele, seine Psyche und sein Körper sind ein heiliges Rätsel.  
Die Seele ist in ihrer Tiefe bis heute nicht erforscht worden. Weil sie das vielleicht gar nicht will, weil es da etwas gibt, das größer ist als wir und das sich nicht steuern und schon gar nicht mittels Gedanken manipulieren und kontrollieren lässt und macht, was wir wollen.

Wo bleibt die Demut, wo die Achtung für das, was größer ist als der Mensch und dessen Wille geschieht, ob wir das wollen oder nicht? Sie ist versumpft in einem großen Industriezweig der Bücher, Ratgeber, CD´s  und Seminare zum Thema Resonanz anbietet und Millionen Umsätze macht. Womit? Mit der Angst der Menschen, die sich nicht dem Fluss des Lebens und nicht der Liebe des Schöpfers anvertrauen, sondern die Kontrolle wollen über das Leben selbst. Das Bedürfnis nach Kontrolle hat nur eine Ursache: Angst.
Die Geschichte und jede menschliche Biografie zeigt uns – wir haben nicht alles unter Kontrolle. Wir besitzen nicht die Allmacht, weder über unsere Gedanken, noch über andere und schon gar nicht über die Liebe.



Kommentare:

  1. Ich stimme dem sehr zu. Das Resonanzgesetz ist wirksam, aber nicht die alleinige Ursache für die Kreationen unseres Lebens. Es gibt kollektive, übergeordnete Gedankenmuster, es gibt Seelenpläne und karmische Energiefelder und vermutlich noch andere Faktoren, die wir noch nicht kennen. Und selbst wenn jemand ein Unglück mit seinem Denken kreiert hat, gibt das niemandem das Recht, zu urteilen. Denn zur Veränderung der eigenen Gedanken benötigt man Liebe und Kraft. Diese erwächst aus Mitgefühl und menschlichem Beistand, aus Trost und einem gemeinsamen Aushalten der Gefühle.

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  2. Herzlichen Dank....schon so lange kämpfe ich da gegen an und weigere mich dieses "selber Schuld " zu akzeptieren....genau so wie der unabänderliche Seelenplan, welchen wir angeblich vor geburtlich abgeschlossen haben!!! Wie kann ich für etwas die eigenverantwortung übernehmen, wenn ich die Verträge nicht kenne, welche ich angeblich abgeschlossen habe!!!

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  3. Ich finde, man sollte von allem, das Beste nehmen. Man kann von Tao, Buddha, Jesus, Secret, von den Subkulturen, sich selbst und allen Beteiligten, lernen. Man sollte detalliert, lokal UND global, kosmisch, denken können. Erst dann ist man so etwas, wie "erleuchtet", jedoch niemals unfehlbar. Ein wahrhaft lebenslagenr Prozes. Chris, ck-bruckner@gmx.de

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  4. Ich finde das nicht zutreffend und ich denke auch das man auch wenn Menschen sich die Begebenheiten selber erschaffen das man trotzdem ins Mitgefühl gehen kann, das eine schließt das andere nicht aus. Ursache und Wirkung!

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  5. Solange man Vorstellungen von Schuld und Sühne anhängt, Begriffe wie Gut und Böse benutzt, Vorwürfe macht, bewertet, verurteilt etc. und dies vermischt mit Ideen von Eigenverantwortung und Liebe, wird sich keine Klarheit einstellen. Eigenverantwortlichkeit ergibt sich aus dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Es ist ein neutrales Prinzip. Der Begriff Schuld hingegen und die damit verbundene emotionale Last stammen aus Religionssystemen mit strafenden Göttern. Es ist ein Unterschied ob ich etwas als gut und böse bezeichne oder als sinnvoll und nicht sinnvoll, bzw. heilend und leidbringend verstehe. Maximale Eigenverantwortlichkeit bedeutet, dass ich die Folgen der Ursachen erlebe die ich selber gesetzt habe. Das kann mir niemand abnehmen und das muss ich aushalten. Andererseits bedeutet es aber auch maximale Freiheit, denn ich habe es selbst in der Hand welche Samen ich säe und in welche Richtung ich gehe. Durch Mitgefühl für alle Wesen, einschließlich sich selbst, ist es möglich die Falle von Arroganz und egozentrischer Selbsterhöhung zu vermeiden. Außerdem ist Angst nicht das Gegenteil von Liebe. Angst ist nichts "Schlechtes" sondern zunächst einmal ein völlig normales und gesundes Gefühl mit dem ein fühlendes Wesen auf eine Bedrohung reagiert und das es dazu veranlasst sich davor zu schützen. Die Schwelle ab wann Angst empfunden wird und in welchem Maße ist individuell verschieden und abhängig vom Erfahrungshorizont. Wird dieser erweitert, werden sich Ängste reduzieren und umgekehrt. Wenn Ängste irrational und krankhaft werden, dann können sie zum Gegenteil von Liebe führen, weil die damit verbundene Verwirrung nach außen projeziert wird. Der Anspruch keine Angst haben zu dürfen ist an sich irrational und kontraproduktiv. Es geht immer darum Ängste bewusst zu machen, sie zu reflektieren, die Ursachen zu betrachten und aufgrund dessen zu entscheiden.

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  6. Schauen wir in die Augen all jener, die einen wie großen Anteil an deren Mühsal im Leben auch immer ins Außen projizieren, also einen Teil oder die ganze Schuld abwälzen.
    Schauen wir dann in die Augen derer, welche die Verantwortung für das eigene Leben umfassend und aufrichtig selbst übernehmen.
    In den Heiligen Schriften steht geschrieben 'Menschen sind, damit sie Freude haben können'.
    Es liegt an der Wahl von jedem einzelnen, wieviel Freude er im und am Leben haben möchte.
    Ich empfehle Selbstverantwortung. Das IST der Seelenplan, da wir alle den freien Willen bekommen haben, in den sich noch nicht einmal Gott (mit welchem Namen er weltweit auch versehen sein mag) einmischt. Es wäre sonst kein freier Wille!

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