Freitag, 26. Oktober 2018

Wie wir dem alltäglichen Wahnsinn entkommen





„Komm du schaffst es, eins...zwei...drei. Noch einmal komm schon, du kannst es, du musst es schaffen! Mann, das hier macht mich fertig, ich kann nicht mehr. Was soll ich denn noch alles machen? Ich bin doch seelisch völlig am Ende, jeden Tag kommt das gleiche auf mich zu, jeden Abend geht es mir dreckig, weil die mich nicht wie einen richtigen Menschen behandeln. Die Schmerzen werden von Tag zu Tag schlimmer, ich weiß nicht, wie ich das noch länger durchstehen soll. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich muss es einfach schaffen, doch ich habe keine Kraft mehr. Ich darf nicht schwach werden, da muss ich durch.“
Dies ist ein Monolog aus Georg Büchner "Woyzeck", den ich kürzlich herausgesucht habe, weil ich Stoff für eine Lesung zum Thema: "Alltäglicher Wahnsinn" suche.
Viele von uns können Woyzecks kräftezehrenden Kampf nachfühlen.

Verstrickung, Ruhelosigkeit, Stress, Streit, Ziellosigkeit, Rastlosigkeit, Krisen, Probleme im Innen und Außen – das ist der alltägliche Wahnsinn in dem wir alle stecken.   
Wenn wir darin verstrickt sind, sind wir wie kleine verletzte Kinder, voller Angst, Zweifel, Mut - und Hilflosigkeit. Je ängstlicher und hilfloser wir uns fühlen, desto mehr produzieren wir Verstrickung, Zweifel und Angst. Wir geraten in einen Teufelskreis des Unheilsamen, wo wir uns doch nach dem Heilsamen sehnen. Aber je stärker sich die Kraft des Unheilsamen in uns selbst und unserem Leben manifestiert umso verlorener sind wir. Die Zuversicht jemals aus diesem Teufelskreis herauszufinden schwindet. Wir ergeben uns in das was ist und irgendwann geben wir uns selbst auf, wir machen weiter wie alle anderen um uns herum.
Aber die Sehnsucht nach dem besseren Leben bleibt. Und je länger sie unerfüllt bleibt, desto schmerzhafter wird sie.
Es liegt allein an uns selbst das zu ändern. 

Wir suchen Halt und Klarheit, wir suchen Heilung und Frieden und dennoch erschaffen wir mit unseren immer gleichen destruktiven Gedanken, Gefühlen und Handlungen immer mehr vom Unheilsamen.
Darum ist des so hilfreich unsere Gedanken bewusst zu beobachten und sie zu überprüfen ob sie gut für uns sind oder uns Schaden zufügen. Damit beginnt die Übung der Achtsamkeit. Mit ihr begeben wir uns auf den Weg zur Bewusstheit. Wir können aus dem alltäglichen Wahnsinn erwachen, wenn wir das wollen. Wir entscheiden uns dagegen. Wir öffnen uns für die Bereitschaft unser Leben auf das Heilsame auszurichten. Wir entscheiden uns für Bewusstheit.

Bewusstheit bedeutet nichts anderes als auf das eigene Denken und Verhalten zu achten. 
Und das können wir üben.
Je öfter und je disziplinierter wir die Übung des Achtsamseins machen, desto klarer und bewusster werden wir uns über uns selbst. Wir erlernen über das achtsame Beobachten unserer Gedanken in jeden Moment zu erkennen, was uns krank macht und was uns zu einem heilsamen Leben verhilft. Wir halten inne und reflektieren. Wir beobachten was ist, was wir fühlen und was wir denken. Wir verfangen uns nicht in der Energie destruktiver Bilder und Gedanken indem wir sie unterdrücken, abwehren oder verstärken. Wir lassen sein was ist und beobachten. 
Und dann entscheiden wir, wie wir handeln wollen. 
Wir sind nicht mehr fremdgesteuert sondern Herr unseres Geistes.
Das zu lernen ist schwer. Es zu leben ist eine tägliche und lebenslange Übung.
Aber für mich der Weg dem alltäglichen Wahnsinn zu entkommen. 
Wir können die Welt nicht retten, wenn wir selber wahnsinnig sind - und damit meine ich zuallererst unsere eigene kleine Welt.
Darum ist es so wichtig die tiefe Einsicht zu akzeptieren, dass wir alleine und sonst niemand die Verantwortung dafür haben, was wir (in uns) erschaffen und was wir in die Welt geben wollen. 

Die entscheidende Frage, die du dir bei bei allem was du tust stellen könntest:
Will ich in Frieden (mit mir selbst und anderen) leben oder im Krieg und ist das was ich denke und tue im Einklang mit meinem Ziel ein heilsameres Leben zu leben? 

Namaste Ihr Lieben



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Kommentare:

  1. Hallo Angelika!

    Als ich achtsam für meine Gedanken wurde, war ich in der Lage, sie überhaupt einmal zu hinterfragen. Und als ich mir meiner negativen Gefühle richtig bewusst wurde (ich habe sie sonst immer verdrängt), konnte ich sie erst reflektieren und letztendlich immer weiter auflösen. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Weg immer nur durch den Schmerz hindurch führt - und das gelingt eben nur mit Achtsamkeit.

    Vielen Dank für deine wertvolle Inspiration und den Reminder!

    Liebe Grüße, Mel

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