Donnerstag, 31. Dezember 2015

Sinn und Ziel




Solange wir uns anstrengen Ziele zu erreichen, die allein unseren momentanen und ständig wechselnden Bedürfnissen entspringen, haben wir keine tiefe, langanhaltende Motivation, uns fehlt der Lebenssinn. Haben wir ein höheres Ziel, trägt es uns sogar in Krisen wie ein sicheres Boot über den Ozean. Das ist der Unterschied zwischen einem Ziel, das wir uns setzen und einer Lebensaufgabe, die wir erfüllen.


Euch allen einen guten Rutsch und ein SINNvolles, gesundes, gutes neues Jahr!
Danke, dass es Euch gibt.

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Wut




Warum ist es so schwer unsere Wut auszudrücken?
Warum fühlen wir uns schlecht, wenn wir unsere Wut rauslassen?
Viele von uns empfinden sogar aufgrund ihrer Wut, die sie in bestimmten Situationen spüren, Schuldgefühle. Sie denken Wut ist schlecht. Warum? Weil man uns das von klein auf so beigebracht hat.

Als Kinder durften wir nur begrenzt unsere Wut ausleben. Wir haben gelernt sie schlucken oder sie zu verstecken und das bedeutet: wir haben gelernt, ein starkes Gefühl zu unterdrücken. Das heißt aber nicht, dass dieses starke Gefühl nicht da war und nicht, noch oder wieder da sein kann. Unsere Wutgefühle wurden im Keim erstickt. Aber Keime haben die Angewohnheit zu keimen und das tun sie bis in unser Jetzt.

Das hat verheerende Folgen. Die natürlichste Ausdrucksfähigkeit – unser Gefühl, wurde uns verboten und als "böse" stigmatisiert. Es durfte nicht ausgedrückt werden und genauso machen wir es heute – wir schlucken sie runter unsere Wut, solange bis wir im Zweifel daran ersticken.
Aber Wut ist kein schlechtes Gefühl.
Wut ist ein Signal dafür, dass wir zu lange, zu viel geschluckt haben.
Wut ist ein Aufschrei der Seele nach einer tiefen Verletzung.
Wut ist die Folge gefühlter Ohnmacht.
Wut ist blockierte Energie.
Sie ist der Aufruf zu handeln.
Wut ist eine Kraftquelle die nach Form strebt.

Wenn wir die Wut bewusst wahrnehmen, sie zulassen, sie ausdrücken und für uns nutzen, ist sie der Treibstoff, den wir brauchen für längst überfällige Veränderungen im Leben. Sie ist ein Kanal, den wir endlich freimachen für die Trauer, die hinter der Wut steckt.

Wut ist immer auch der Antrieb das zu verändern, was uns nicht (mehr) gut tut.
Wut ist heilsam.

Durch die Wut kommen wir in Kontakt mit unserer Ohmachtsgefühlen und unserer Trauer: Wut ist eine Emotion, mit der uns die Seele zeigen will: Was geschehen ist schmerzt, was mich verletzt hat, was ich verloren habe, was ich vermisse, was ich nicht erreiche, obwohl ich so sehr dafür kämpfe, hat eine große Bedeutung für mich. Wut und Trauer sind zwei Seiten der gleichen Münze. Wut ist eine Form von Trauer, die unterdrückt wird und – Wut ist die Brücke zur Trauer.
Es ist notwendig diese Wut auszudrücken, um an die Gefühle der Trauer heranzukommen und den Schmerz zuzulassen. Erst dann kann die Seele wieder frei atmen. Erst wenn die Wut gefühlt und ausgelebt wurde, kann die Seele sich Zeit zum Trauern nehmen.

Dienstag, 29. Dezember 2015

UNachtsam

Der Kater liegt im Tierkrankenhaus, der beste Freund meines besten Freundes wurde angefahren, sein Auge hängt heraus und sein kleiner Kiefer ist gebrochen. Man hat ihn operiert, er hat Schmerzen und bekommt Morphium. Der Kater erbarmt mich, er sieht zerstört aus, man sieht die Angst in seinen Augen, den Schock und den Schmerz. Er leidet. Ich habe mich für einen kurzen Moment gefragt, ob es nicht besser für den Kater wäre, man hätte ihn eingeschläfert um ihm all das Leid zu ersparen und was danach kommt. Er wird seine kleine Welt mit nur einem Auge sehen und wer weiß, was sein wird mit seinem Kiefer, mit seiner kleinen Seele, die traumatisiert ist. Er wird nie mehr der Kater sein, der er war. Und im nächsten Moment denke ich, wie kannst du so denken, einen Menschen würde man doch auch nicht einschläfern, wenn er sein Auge verliert, sein Kiefer bricht, seine Seele traumatisiert ist und ich schäme mich für diesen Gedanken. Tut mir leid, Kater, er war falsch dieser Gedanke, du schafftst das! Ich bete für dich.

Aber mir wird wieder einmal klar wie zerbrechlich dieses Leben ist, wie es durch einen Augenblick der Unachtsamkeit von uns selbst oder anderen beschädigt oder zerstört werden kann. Ich habe das  oft erlebt. Ich weiß wie es sich anfühlt das Brechen, die Zerstörung, der Schmerz über das, was nicht mehr ist, unwiderbringbar nicht mehr ist. Eine Unachtsamkeit, ein Unfall, eine Krankheit, ein Verlust, ja sogar ein böses Wort zu viel reichen aus, um das Leben von einem Tag auf den anderen zu einem anderen werden zu lassen, um was war zu zerbrechen.

Achtsamkeit ist der Schlüssel, denke ich, für alles was ist und für alles was ich tue. Ich vergesse das oft in der Hektik da draußen. Wie oft gehe ich in Gedanken versunken meine täglichen
Wege, wie oft sage ich unachtsam Dinge, die ich vorher nicht überlege, wie oft mache ich etwas von dem ich weiß, das tut dir jetzt überhaupt nicht gut? Dabei ist es so wichtig auf mich zu achten, so ungut Achtsamkeit zu vergessen, weil ich damit mich selbst vergesse und mein zerbrechliches Leben. Ich bin noch zu oft unachtsam, wir alle sind es, uns selbst gegenüber und denen gegenüber, die uns viel bedeuten. Wir vergessen die Zerbrechlichkeit der Dinge und wir vergessen die Zerbrechlichkeit des Lebens, die des unseren und die der anderen, die uns viel bedeuten. Unachtsamkeit zerstört so vieles, auch Beziehungen zerstört sie, die zu uns selbst und zu anderen und sogar die Liebe.

Ich wünsche dir Glück Kater und Einen, der achtsam mit dir umgeht, dass es den gibt weiß ich.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Das Wertvolle




Ich werde sie heute abschmücken, die Zweige die in diesem Jahr den Weihnachtsbaum ersetzen, den großen Lichterbaum auf den ich immer so viel Wert gelegt habe, wie ich auf so vieles Wert gelegt habe, was seinen Wert verloren hat für mich. Ich werde sie abschmücken und die grünen Tannenzweige ohne Schmuck in der großen Vase stehen lassen, als Zeichen der Zuversicht, weil mir der gauklerische Glanz der Hoffnung nichts genützt hat an diesem Weihnachten, die Hoffnung, dass doch noch alles gut wird, was nicht gut ist. Gut, es soll nicht sein.

Heute morgen frage ich mich, was mir wertvoll genug ist um es in ein neues Jahr mitzunehmen, das anders sein wird als die Jahre zuvor, weil etwas in meinem Leben anders geworden ist. Schleichend anders geworden. Eine schleichende Veränderung, die begann als ich die Stadt verlassen habe, die ich so liebe, weil ich einem folgte, der mich davon überzeugte, ein Umzug sei besser für mich. War es besser für mich? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich habe entschieden, vielleicht weil ich vertraut habe, vielleicht weil etwas in mir dachte, egal wohin du gehst, du nimmst dich mit, du bist dein Heim und das ist in dir drin, also ist es nicht so wichtig wohin du gehst. Ist das so, ist der Ort an dem wir leben nicht so wichtig? Ich weiß es nicht, ich weiß nicht mehr allzuviel an diesem Dezembermorgen, kurz vor dem Jahresende, an dessen Ende ich jetzt allein bin in der fremden Stadt mit der ich mich bis heute nicht anfreunden kann. Ich bin allein wie ich es eigentlich immer war, in mir drin, weil ich das längst begriffen habe, dass wir alle allein sind innen drinnen, solange wir keinen finden, der dieses Innen wortlos begreift und sein Innen wortlos dazulegt, weil es keiner Worte bedarf, wenn so etwas geschieht. Es gab ihn. Das ist lange her, sehr lange und dann haben wir uns verloren und ich mich für eine lange Zeit. Heute morgen weiß ich, dass da noch immer etwas von mir verloren ist in diesem anderen, unwiderbringbar, so als sei ein Stück von mir abgebrochen und in diesem anderen stecken geblieben, als wir uns verloren haben, vor langer Zeit.

Ich habe wieder etwas verloren was mir wertvoll und wichtig war. Ich bin traurig. Es ist eine stille Traurigkeit, die auf mir liegt, eine wissende Traurigkeit, wie ich sie so noch nicht gefühlt habe. Es ist traurig still in mir, so still wie die Wohnung in der fremden Stadt, wo ich am Morgen nur die Vögel höre und das Geräusch meines Herzens, das immer wieder Aussetzer macht, weil es angebrochen ist von all dem Traurigen was war in den Jahren bis hierher. Ich muss gut auf es aufpassen, sagt es mir, zwischen Klopfen und Aussetzen. Dieses Mal meint es mein angebrochenes Herz ernst und ich weiß das. Ich werde aufpassen, verspreche ich ihm und gut acht geben, dass ich es mir nicht vollkommen zerbrechen lasse. Wie das geht? Ich lerne. Ich lerne, dass es keinen Sinn macht an etwas festzuhalten, auch nicht an Menschen. Schon gar nicht an Menschen. Ich lerne zu nehmen was kommt und gehen zu lassen, was gehen will und soll, den sonst würde es bleiben, weil es zu mir gehört. Ich lerne den Worten der Menschen keinen Glauben zu schenken sondern allein ihren Taten. Ich lerne, dass Stille und innere Kraft niemals außerhalb, sondern immer nur in mir selbst zu finden sind. Ich lerne, dass Kämpfen um etwas oder um jemanden Kraftverschwendung ist, dass jedes Ankämpfen mir Kraft raubt, die mir an anderer Stelle fehlt. Ich lerne das Loslassen von dem, was ich denke zu wollen und ich lerne zu akzeptieren, dass ich immer bekomme was ich brauche, auch wenn ich das erst einmal nicht haben will. Ich lerne zu vertrauen in mich selbst und das Leben, das es gut mit mir meint, in einem Moment in der Zeit, in dem mein Vertrauen in einen Menschen erschüttert ist. Ich lerne, dass es nur eins im Leben gibt auf das ich Einfluss habe: mich selbst. Ich lerne, ich bin das Wertvolle, das ich mitnehme in das neue Jahr.






Samstag, 26. Dezember 2015

Wissen Sie was Weihnachten ist?




ich habe ihm die hand gereicht, als er mir so traurig und verloren schien. er hat sie genommen für einen moment in der zeit. aber dann hat er mich wieder zurückgewiesen, weil er eine andere hand gefunden hatte, um sich zu trösten. das hat mich verletzt, sagte sie.
und dann am heiligen abend, da wusste ich, dass er allein war und ich dachte, kein mensch sollte am weihnachtsabend allein sein, wenn es eine hand gibt, die sich ihm reichen kann und ich reichte sie ihm um ihm zu zeigen, dass ich ihm vergebe. aber er wies mich wieder zurück. 
sie weinte. ich bin heillos verblödet, ich begreife es nicht, ich lasse mich immer wieder verletzen.

nein, sie sind nicht heillos verblödet, antwortete ich.
die hände, die wir geben, müssen nicht genommen werden. 
wissen sie was weihnachten ist?

wir feiern die geburt christi, antwortete sie.

ja, nickte ich, und weihnachten ist die erinnerung daran, dass jesus zu uns gekommen ist und uns als christus die kraft der vergebung gezeigt hat.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Stille Nacht, unheilige Nacht

 



das ist für alle, denen weihnachten kein fest der freude ist. für alle, die sich nichts sehnlicher wünschen, als dass die besinnlichen tage schnell und möglichst unmerklich an ihnen vorüberziehen.
stille nacht, heilige nacht ... dudelt es schon wochen vor der heiligen nacht über die lautsprecher der kaufhäuser und ich frage mich: was ist uns noch heilig in dieser welt? 

da draußen weht ein eiskalter wind, den nicht einmal der stern von bethlehem erwärmen könnte und mir ist als warteten wir noch immer auf den heiland, der aber nie mehr kommen wird um hier unten wieder heil zu machen, was wir menschen zerstört haben im laufe der geschichte. die unschuld, welcher es bedarf um mir diese hoffnung weiter zu bewahren ist mir längst verloren gegangen. ich habe zu viel gesehen, zu viel erlebt, ich sehe tag für tag all die schicksale um mich herum, die mich zum weinen bringen. weltschmerz? nein. menschenschmerz ist es, der mich traurig macht und meine zuversicht schrumpfen lässt.  

warum lässt gott all das leiden in der welt zu?, fragte mich neulich eine klientin, der schlimmes widerfahren ist. ich antwortete ihr, dass es nicht gott ist, der für das leiden verantwortlich ist, sondern der mensch selbst. für mich ist gott der vater, der seinen kindern das leben schenkt und ihnen mitgibt, was sie brauchen um ein menschenwürdiges leben zu führen, aber seine kinder schaffen das nun einmal nicht, manche weil sie es nicht wollen und manche weil sie es nicht können. da ist jeder vater machtlos, auch der im himmel. gott ist der schöpfer und nicht der macher unseres lebens. das machen wir schon selbst und nicht immer zu seinem und unserem wohlgefallen. wir selbst sind es, die sich ein gutes leben oder eben ein ungutes leben schaffen, letztlich auch durch die fehler die wir machen. aber wir machen sie aufgrund dessen, dass wir menschen sind und damit sind wir eben auch fehlbar. manche von uns machen mehr, manche weniger fehler und mir scheint, die mit den wenigen fehlern sind die glücklicheren unter uns. der, der ohne fehler ist, ist mir noch nicht begegnet.

fehler, ganz gleich ob wir sie bewusst oder absichtlos machen, haben immer auswirkungen. manche dieser auswirkungen sind nicht korrigierbar. solche auswirkungen gibt es in zerbrochenen familien und es sind vor allem die kinder, die darunter leiden. es ist sicher kein fehler wenn sich menschen trennen, deren zusammenleben nur noch eine qual ist, aber es ist ein fehler, wenn zwei erwachsene nach der trennung zu feinden werden und kein gutes haar am anderen lassen. damit lassen sie ihre kinder mit absicht leiden. es sind viele kinder, die dieses weihnachten und schon viele andere weihnachten in der zerrissenheit zwischen mutter und vater erleben -  immer ist da einer, der fehlt, wie sollen sie sich da ganz fühlen? dieser schmerz lässt sich nicht wegfeiern, er lässt sich nicht wegschenken, er liegt wie eine schwere kratzige decke über unzähligen kinderherzen, egal wie alt sie sind. das sind fehler, die vermeidbar sind und werden sie nicht vermieden, sind sie nicht mehr gut zu machen. 

es ist all das nicht mehr gut zu machende das schmerzt. es sind die verluste im leben, die wir erleiden, die schmerzen, die wir uns gegenseitig zufügen und das schmerzt, besonders an weihnachten. warum ist das so? weil wir da besinnlicher werden, weil wir langsamer unterwegs sind, wenn nach der ablenkung des einkaufsrauschs und der festlichen vorbereitungen die stille um sich greift, der sich die meisten so gern entziehen durch ihre rege geschäftigkeit. in der stillen nacht klappt es nicht mehr mit dem davonlaufen und mit dem beschäftigt sein. in der stille werden sie laut, all die unschönen, schmerzhaften dinge, die wir im glitzerlicht der geschmückten einkaufsstraßen in einkaufstüten verpacken. ihr könnt euch nicht freikaufen!, schreien sie uns an.
nein, in den seelen vieler menschen und in den seitenstraßen des lebens glitzert es nicht. da ist es dunkel, beängstigend dunkel, so dunkel, dass es den stern von bethlehem bräuchte um das licht wieder leuchten zu lassen, aber wie gesagt, der ist schon lange nicht mehr am himmel erschienen.
die, die für die weihnachten kein fest der freude ist - davon gibt es so viele. der großvater im pflegeheim, der seine frau verloren hat und jetzt selbst krank und hilfsbedürftig ist und umsonst auf den besuch der kinder wartet, die junge frau, die von der mutter verstoßen wurde, weil sie so, wie sie sie gern gehabt hätte, nicht ist, da ist der junge mann, der seinem vater nicht verzeihen kann, dass er nicht der vater ist, den er sich gewünscht hat, da ist die mutter, die ihrem sohn helfen will, und erleben muss, dass der sohn das nicht will, das sind all die gebrochenen herzen, die ihren glauben an die liebe verloren haben, all die belogenen und betrogenen, deren werte zerbrochen sind,  da sind all die menschen, die im gefängnis sitzen, da sind die unzähligen menschen, die kein dach über dem kopf haben, an weihnachten nicht und das ganze jahr nicht, das ist der mann, der seinen job verloren hat und nicht weiß, wie er die familie ernähren soll, da ist die frau, die schon lange keinen job mehr hat und jeden tag alleine da sitzt in ihrer ärmlichen wohnung und resigniert wartet, dass zeit vergeht, da ist die junge mutter, die die diagnose krebs hat und vielleicht ihr letztes weihnachten erlebt. und da sind all die wohlhabendenden leute, die sich immer mehr vom immer gleichen kaufen und nie satt werden während andere verhungern und da sind all die, die an den bettelern am straßenrand vorbeigehen und sie keines euros würdigen, ganz zu schweigen von all den geprügelten, hungernden, verwahrlosten kindern in der ganzen welt für die weihnachten nichts, aber auch nichts bedeutet.

das ist doch jeden tag so, das sehen wir doch jeden tag um uns herum und im glotzkasten. also - warum fällt manchen von uns all das an weihnachten so besonders schwer in die seele? vielleicht, weil uns mit der geburt des heilands ein versprechen gemacht wurde, ein versprechen, das nicht eingelöst wurde. welch ein fataler nicht korrigierbarer fehler der menschen, die es zu verhindern wussten, damals als einer kam und uns zeigte, was ein mensch sein könnte. 

versuchen wir es, tun wie es -  fangen wir bei uns selbst an, jeden einzelnen tag, nicht nur an weihnachten - besinnen wir uns.

euch allen schöne weihnachten.




Mittwoch, 23. Dezember 2015

Die Gier der Bedürftigkeit




Die Bedürftigkeit hält es mit sich selbst nicht aus, daran erkennst du sie.
Sie ist gierig, sie will sich sofort Ersatz holen für das, was sie verloren hat.
Tatsache ist aber, das uns jede Form der Gier schwächt.
Sie bewirkt, dass wir ständig auf der Suche sind und niemals bei uns selbst ankommen, und niemals zufrieden sind.


Montag, 21. Dezember 2015

Den Schmerz veredeln



Oh ja, ich kenne die Liebe, sagen wir mal besser, was ich dafür gehalten habe. Die Anfänge mit den Schmetterlingen im Bauch, die rosarote Brille, die den dicksten Frosch in einen Prinzen verwandelt. Dieses: Endlich der Richtige! Für wen? Für mich, oder für das verletzte Kind in mir, das mit schlafwandlerischer Treffsicherheit wieder einen fand, der in seinen Wunden bohrte, für das Kind, das sich angenommen und angekommen fühlen wollte und dann spüren musste, es wiederholt nur den alten Schmerz in einem neuen untauglichen Versuch am untauglichen Objekt. 

Ich kenne es, das allmähliche Verblassen der Selbsttäuschung und der bedürftigen Projektionen. Ich kenne die Dunkelheit, die sich über das schöne, vom Gegenüber angelegte Bildnis legt, ich kenne die Dunkelheit der einsamen Nächte, neben dem Fremden, den ich für vertraut hielt. Ich kenne den Moment als ich schmerzhaft erfahren musste, was der weise Buddha einmal so leichthin gesagt hat: Alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Das ist so verdammt wahr, wie es weh tut. Und ich kenne das Hoffen, dass es besser wird, die immer neuen Versuche, es besser zu machen. Und den kristallklaren Augenblick des Gewahrseins -  egal was du versuchst - es wird nicht besser, weil es das nicht werden kann, weil es nur eine weitere Lektion ist, auf dem Weg zu dir selbst und dem, was du zu tun hast – dich selbst bedingungslos lieben lernen. Ich kenne diesen inneren Kritiker, der fies grinst und mir zuflüstert: Das wirst du niemals schaffen, wie auch, man hat dir niemals gezeigt wie das geht.

Grausam diese Momente und doch nicht grausam genug um sie nicht zu vergessen und sie nach der Trauerphase über den Verlust des Liebesobjekts, wieder mit dem nächsten untauglichen Objekt zu wiederholen. In Wahrheit aber wusste ich es immer, ich wusste immer schon am Anfang wie das Ende aussehen würde, wenn ein anderer Bedürftiger meinen Weg kreuzte und ich mein Herz öffnete um mit ihm gemeinsam zu versuchen das zu heilen, was ich nur in mir selbst heilen kann. Nein, der Schmerz hat mich nicht weise gemacht, ich bin wieder hereingefallen in den Ablenkungsversuch von mir selbst und dem Job, den ich partout nicht erledigen wollte. Ich weiß das alles, und ich kann das anderen vermitteln, aber wie heißt es so schön: You teach best, what you most have to learn. Ich lerne noch. Aber da ist dieses Wundgefühl, die zerfranste Seele, die sich so sehr nach einer anderen Wunde sehnt, die sich doch im tiefen Mitgefühl bitte liebevoll zu der meinen legen möge, um meine alte Wunde zu besänftigen. Aber es gab keinen Verband, es gab neue Wunden, die sich zu der alten legten, und die blutete am stärksten von allen, aufgerissen von einem, der diese alte Wunde auch trug, ein Verletzter, der nur wieder verletzen kann, auch das wusste ich von Anfang an. Ich habe niemals einen Mann verlassen, keinen. Bis heute. Ich habe verlassen, was mir nicht gut tat, zum ersten Mal habe ich verlassen, und es fiel mir schwer, weil ich dachte, dieses Mal wäre es doch zu schaffen, weil ich um die alte Wunden weiß. Ich hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass es doch noch heil wird in mir, im anderen, zusammen heil werden, gedacht, wenn jeder sich erst einmal eine Weile um sich selbst kümmert. Dann vielleicht, habe ich gedacht, dann wird alles gut.

Aber dieses Mal war ich blind wir nie zuvor, vielleicht weil ich in die Jahre gekommen bin und der Gedanke an die Einsamkeit im Alter ein Schreckgespenst vor meinem Seelenfenster gemalt hat. Ja, dieses Mal bin ich mit meiner bedürftigen Hoffnung so knallhart gegen die Wand gefahren wie ich es nicht mal bei meinem schlimmen Autounfall erlebt habe. Das tat körperlich weh, aber dieser Knall zerreißt mir das fast das Herz. Weil ich wieder vertrauen wollte, nicht zu denen gehören wollte, die der Liebe nach allen enttäuschten Versuchen keine Chance mehr geben. Ich lerne gerade wieder eine harte Lektion, weil ich es immer noch nicht kapiert hatte. Tja, jetzt stehe ich da, sprachlos vor den leeren Worten, die mir gegeben wurden, Worte von der ewigen Liebe, die man für mich habe, die immer sein wird, weil ich die größte Liebe seines Lebens sei. So groß, dass sich diese großen Worte noch keine zwei Monate nach der Trennung als die größte Lüge entlarven, der ich jemals auf den Leim gegangen bin, der mir die Worte gab, tröstet sich bereits anderweitig.

Das tut weh, so weh, dass es die zerfranste Seele auseinanderreißt. Das ist ein so gewaltiger Riss, durch mein Ego, das nicht fassen kann, dass ich, die große Liebe, so schnell austauschbar bin. Aber wie das mit dem Ego so ist – es ist dumm und arrogant. Es ist nicht hilfreich, was es mir vorgaukelt, denn ein Teil in mir weiß genau: Ich bin nicht austauschbar, ich bin wertvoll, ich bin liebenswert, ich bin so viel mehr als dieses verletzte Ego, das sich aufbläst und hassen will, weil man es belogen hat (pardon - es sich hat belügen lassen). Die Erwachsene in mir weiß: Ich bin auch dieses kleine Mädchen, das es nicht besser wusste in welchen Schmerz es wieder hineinlief, weil ich es nicht gut genug beschützt habe, weil ich ihm das verwehrt habe, was es so dringend braucht – meine bedingungslose schützende achtsame Liebe. Die werde ich ihm jetzt geben, damit diese schmerzliche Bedürftigkeitsfalle ein Ende nimmt. Und nein! Ich werde nicht im Käfig trüber Gedanken und des Selbstmitleids hocken bleiben. Meine Trauerphase wird rekordmäßig kurz sein, denn ich werde Ordnung schaffen. Entmüllen, was ich nicht mehr brauche. Das reinigt nicht nur die Wohnung, das macht auch den Kopf und die Seele frei. Ich werde Platz schaffen für neue Projekte, die mit Verlieben erst mal nichts zu tun haben. Ich werde den Schmerz veredeln. Das kann ich wirklich gut, nur -  dieses Mal nehme ich mein kleines Mädchen in mir auf Schritt und Tritt mit. Und ich werde tanzen mit ihr, das habe ich ihr schon so lange versprochen.
 


Samstag, 19. Dezember 2015

Aus der Praxis – Achtsamkeit: Von der Identifikation mit dem Alten zum Leben im Jetzt

Gefühle wie Wut und Hilflosigkeit entstehen in Beziehungen immer dann, wenn unser Gegenüber etwas in uns hineinprojiziert, was wir nicht sind oder was wir nicht getan haben.
Nun könnte man sagen, ja das machen wir irgendwie doch alle ab und zu.
Nein, das machen wir nicht alle.
Diese unguten Gefühle entstehen nämlich nur dann in uns, wenn das Gegenüber (oder wir selbst), nicht fähig ist, sich auf eine echte Kommunikation einzulassen und seinen Teil anzuerkennen.
Manche Menschen können das nicht. Ihre Wahrnehmung von sich selbst ist so verzerrt, dass es ihnen nicht gelingt die Projektion zurückzunehmen und sie dadurch aufzulösen.
Sie sind nicht bei sich selbst. Sie sind dazu nicht bereit, weil sie unbewusst in einer Opferhaltung leben. Dann sind wir machtlos. Wer nicht bereit ist seine Wahrnehmung in Frage zu stellen, ist nicht bereit für eine Einigung. Wenn wir unsere Beziehungen verbessern wollen gelingt das nur, wenn jeder der Beteiligten bereit ist seine Selbstwahrnehmung zu hinterfragen, sonst ist eine Einigung nicht möglich.

Vielen Menschen gelingt es aber nicht Abstand zu sich selbst zu nehmen. Sie sind verstrickt in ihre Erfahrungen, die ihr Denken und Fühlen beherrschen, auch wenn das Erfahrene schon lange vorbei ist. Aus diesen emotionalen Verstrickungen heraus reagieren und handeln sie.

Auch wenn wir Erinnerung sind, muss das nicht heißen, dass wir keine Möglichkeit haben diesen Erinnerungen die Macht über uns zu nehmen. Dann nämlich, wenn wir klar sehen, dass das Alte alt ist, dann wenn wir erkennen wollen -  es ist vorbei, das ist nicht unser Jetzt. Wir glauben nur, dass es jetzt so ist, wie es immer war und was wir glauben danach handeln wir und danach geschieht uns.

Wir alle sind dermaßen daran gewöhnt unseren Erinnerungen Glauben zu schenken, dass sie es sogar schaffen können unser Leben zu überschatten. Sie übernehmen das Steuer. Aber das sind nicht wir in diesem Moment in der Zeit, der da steuert - es ist etwas Altes in uns, das es noch nicht besser gelernt hat.

Der einzige Weg um aus der Erinnerungsfalle zu entkommen ist Achtsamkeit. Achtsamkeit auf das was gerade ist - jetzt in diesem Moment und zwar auf das, was wirklich ist und eben nicht auf unsere Interpretationen dessen was ist.

Achtsamkeit entsteht aus der Position des Beobachters in uns selbst. 

In der Achtsamkeit gelingt es uns, uns beobachtend zu distanzieren und zu erkennen welchen alten Tanz wir da wieder zum hundertsten Mal aufführen. Er heißt: Identifikation mit unserem verletzten Anteil, der so alt ist wie wir selbst. Diese Identifikation findet so lange automatisch statt, bis wir gelernt haben unser Bewusstsein zu schulen, bis wir gelernt haben achtsam zu sein. Und das heißt nichts anderes als uns selbst zu beobachten bei dem, was wir uns selbst antun und bei dem, was wir anderen antun. Damit aus dem Antun ein Guttun wird - für uns selbst und damit für andere.

Freitag, 18. Dezember 2015

Dein Weg





wenn du verlassen hast, was dich verlassen hat
rückt das eigene herz wieder in den mittelpunkt deines lebens.
es kennt die wahrheit:
folge mir und vertraue –
durch dein wesen findst du deinen eigenen weg.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Du hast das Gute verdient


Ich habe das Leben seit ich denken kann als eine Entwicklung angesehen, die von der Geburt bis zum Tod einen Sinn macht. In meiner Sicht von Welt gibt es keine Zufälle, alles was uns begegnet, hat einen Sinn und zwar genau den Sinn, den wir ihm geben. Was uns widerfährt sind Aufgaben und Lektionen, die das Ziel haben, uns zu dem zu machen der wir sind, uns dahin zu führen, was unserem Wesenskern entspricht. Ich bin davon überzeugt, jeder Mensch hat eine AufGABE, seine ureigene Aufgabe in der Welt, die sich auf seine Begabungen gründet, und ich glaube, dass jeder Mensch vom Universum geleitet und geführt wird, hin zu seiner Bestimmung, wenn er es zulässt. Für mich ist das Schicksal eine Kraft, die dann korrigierend eingreift, wenn wir den falschen Weg einschlagen und die Zeichen nicht sehen.

Das Schwierige an den Zeichen ist, dass wir sie oft nicht richtig zu deuten wissen. Wir interpretieren sie so wie wir sie zu verstehen glauben oder verstehen wollen. Geprägt von den Erfahrungen, die wir machen, unterscheidet sich die Wahrnehmung der Menschen individuell stark voneinander, jeder von uns deutet Welt druch die Brille seiner Erfahrungen, die er von Anfang an macht. Wir denken und fühlen im Grunde aus einem Fundus von Erinnerungen. Die Sicht der Dinge ist immer abhängig vom Auge des Betrachters und was sein Auge sieht und ins Innere aufnimmt wird immer bestimmt von dem, wie er Welt begreifen gelernt hat. Deshalb ist es so schwer die Zeichen ohne diese konditionierte Bewertung von Welt zu deuten und zu verstehen.

Heute Morgen, nahm ich ein Buch von Paolo Coelho aus dem Regal und schlug es an irgendeiner Stelle auf. Zufälligerweise war es genau die Stelle wo es um die Zeichen geht. Ich las: „Zuerst glauben wir an nichts, oder wenig, dann zweifeln wir, denken wir hätten uns geirrt, darauf erscheint uns alles ein Zeichen – und erst viel später, wenn dir ein Zeichen auf deinem Weg mehrfach begegnet, ohne dass du es gesucht hättest, begreifst du, dass du es mit einer Sprache zu tun hast, die jenseits der Realität liegt. Das Zeichen ist eine Sprache. Es ist ein Alphabet, das du perfektionierst, um mit der Weltenseele zu sprechen, mit Gott. Es ist individuell und du lernst es indem du dich irrst.“

Ich habe mich oft geirrt und darum habe ich oft die gleichen Fehler gemacht. Ich habe sie gemacht, weil ich es nicht besser wusste und nicht besser konnte. Den größten Fehler, den ich gemacht habe, habe ich immer weiter gemacht, ich habe mich selbst lange Zeit nicht gut behandelt und heute weiß ich, dieser Fehler zieht viele andere nach sich. Ich weiß aber, indem man sich den wesentlichen Fehler anschaut, das was man wieder immer tut und was einem nicht gut tut, begreift man mit der Zeit, dass alle Wiederholungen von Erfahrungen die uns in immer neuer Gestalt begegnen, Zeichen sind, die uns auf unseren wesentlichen Fehler aufmerksam machen wollen. Es ist ein langer Prozess, bis man wird sich bewusst wird, wo der Urgrund der Dinge liegt, der wie eine Quelle all das sprudeln lässt, was zu allem, was wir erfahren haben geführt hat und immer wieder hin führt zu dem, was wir erfahren.

Die Quelle unseres größten Fehlers ist, dass wir Menschen uns selbst nicht genug zu lieben, nicht genug wertschätzen. Weil uns das nicht gelingt, behandeln wir uns nicht gut. Ich kenne Menschen, die sogar in Momenten des größten Glücks und der intensivsten Freude diesen destruktiven Teil in sich hören, der ihnen zuflüstert: „Das hast du nicht verdient!“ Das Glück und die Freude verwandelten sich so in Angst das Schöne und Gute wieder zu verlieren. Ich habe mit dieser Überzeugung über mich selbst im Leben viel verloren. Aber es wurde mir nicht genommen, ich habe es mir selbst genommen. Ich habe Dinge und Umstände gestaltet, ich habe mir Ziele gesetzt und sie sogar verfolgt, und als ich sie vor Augen hatte, sie ganz nah an der Erfüllung waren, habe ich sie zerstört, unbewusst aus der Überzeugung heraus: „Das hast du nicht verdient!“ Sie hat gesiegt, die Andere in mir, der Teil in mir, der es mir nicht erlaubt hat, der mich den großen Fehler machen ließ, das Gute nicht anzunehmen, weil ich es ja seiner Ansicht nach nicht verdient habe.

Menschen bauen auf und zerstören. Es ist ein Trieb, so sind wir angelegt. Aber manchmal zerstören wir aufgrund unbewusster Überzeugungen das Gute. Aber wir sind auch so angelegt, dass wir uns das Unbewusste bis zu einem gewissen Grad bewusst machen können. Wir haben einen Verstand und wir besitzen die Fähigkeit zu entscheiden. Das bedeutet wir haben die Wahl. Unabhängig vom großen Plan, haben wir die Möglichkeit zu wählen, auch wenn sich am Plan vielleicht dadurch nichts ändert. Das Entscheidende ist der Versuch, der Wille zu kämpfen und sich nicht wehrlos einem Schicksal unterzuordnen, von dem wir glauben, so ist es für uns bestimmt, weil wir es nicht besser verdient haben.

Vielleicht ist es ja gerade der Plan, dass wir lernen aus all den vermeintlichen schicksalhaften Geschehnissen, dass wir gerade durch sie aufgefordert sind unser Schicksal zu wandeln. Ein Mensch bei dem alles glatt läuft, dessen Leben kaum Höhen und Tiefen hat, wird sein Schicksal nicht wandeln wollen. Er lebt, wahrscheinlich ohne viel darüber nachzudenken, im Einverständnis mit dem Plan, den das Universum für ihn bestimmt hat. Jeder aber, dem das Universum Schweres auferlegt, jeder, den es immer neu Leid erfahren lässt, hat vielleicht genau die Bestimmung dieses Leid zu wandeln. Wenn er es nicht immer wieder versucht, verliert die Weltenseele das Interesse.

Wir haben die Wahl. Ob wir ein Schicksal annehmen und daran zerbrechen oder ob wir das, was uns gegeben ist, anschauen und überlegen, was wir daraus machen können. Wenn wir glauben keine Wahl zu haben fühlen wir uns hilflos und ausgeliefert. Wenn wir glauben, es nicht verdient zu haben, das uns Gutes und Schönes widerfährt, wird es uns nicht wiederfahren, ja, wir werden es vielleicht nicht einmal erkennen, wenn es direkt vor uns steht. 

Was können wir also tun, um  aus einem solch destruktiven Gedankengebäude herauszutreten? Es hilft destruktive Gedanken über uns selbst, immer wenn sie auftauchen, zu hinterfragen, es hilft sich bewusst zu machen: Ich habe den Gedanken, es nicht verdient zu haben und diesen zu überprüfen und uns zu fragen: Ist das wirklich wahr und wer in mir denkt das denn? Bin das wirklich ich, der das denkt? 

Es hilft sich die Umstände anzuschauen, die dazu geführt haben, dass die unguten Dinge in unser Leben traten. Befassen wir uns damit, werden wir feststellen, dass ähnliche, sich wiederholende Denkweisen zu schädlichen Handlungsweisen und damit zu unguten Erfahrungen und Erlebnissen führen. 

Wer immer die gleichen Verhaltensmuster wiederholt wird immer das Gleiche erfahren. Es hilft sich zu fragen: Welche Haltung, welche Gedanken, welche Gefühle führten in meinem Leben zu Handlungen, die zu unglücklichen, destruktiven, scheinbar aussichtslosen Situationen in meinem Leben geführt haben? Wo liegt ihre Gemeinsamkeit? Und vor allem: Wovon bin ich, was mich selbst betrifft, im Tiefsten überzeugt?

Durch meine eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen mit anderen Menschen, deren Leben auch nicht fehlerlos und schmerzfrei verläuft, habe ich begriffen, dass alles, was wir tun aus der Verstrickung von Beziehungen entsteht.

Die Beziehungen zu anderen und vor allem die Beziehung, die wir zu uns selbst haben, sind wesentlich für das, was uns im Leben begegnet. Ich denke, um die Beziehung zu anderen zu verstehen, um gute Beziehungen mit anderen zu leben, ist es wichtig zuerst die Beziehung, die wir zu uns selbst haben zu klären, denn sonst scheitern unsere Beziehungen zu anderen auf immer ähnliche Weise und immer wieder. Die Beziehung zum eigenen Selbst klären und sie zum Guten wenden, uns selbst davon zu überzeugen, dass wir Gutes verdient haben, ist vielleicht eine lebenslange Aufgabe, sicher aber ist es einen immer neuer Versuch wert. Und da sind wir wieder an diesem Morgen - ich und die Andere in mir - bei einem neuen Versuch.

Montag, 14. Dezember 2015

Keiner guckt mehr nach mir ...



keiner guckt mehr nach mir. oh oh, das höre ich so oft von frauen meines alters. sie leben allein, sie gehen ihrer arbeit nach, sie verbringen ihre zeit mit den wenigen freundinnen und freunden, die, wie sie, übrig geblieben sind, was man auch beziehungslos nennt. hört sich selbstbewusster an, wie ich finde. sie gehen in cafes und ins theater, zum sport oder sonstwo hin, wo menschen zusammenkommen, um ihre zeit mit sozialen kontakten zu füllen um die einsamkeit der wohnung, in die sie abend für abend heimkehren, nicht täglich in wiederholungschleife spüren zu müssen. hab ich, seit ich alleine bin, auch versucht, das mit dem soziale kontakte knüpfen, ist aber nicht so meins. ich bevorzuge, wenn ich ehrlich bin, meine eigene gesellschaft, auch wenn ich mich manchmal nicht ganz so gut leiden kann, wie ich das möchte, aber damit muss ich klar kommen, ich habe geduld mit mir selbst. es sind frauen wie ich, die das mit dem "keiner guckt mehr nach mir" glauben. sie machen das beste daraus und mit der zeit gelingt ihnen das, jeder auf ihre weise auch und das ist gut so. ich zolle jeder einzelnen von ihnen meinen respekt.

aber die überzeugung: " keiner guckt mehr nach mir", die ist nicht gut, auch wenn ich feststellen muss, da ist was dran, nach mir gucken auch nicht mehr so viele, vor allem die nicht, nach denen ich gern gucke. das mittelalter des weiblichen geschlechts ist in der tat kein spaziergang für die betroffenenen. aber war es das jemals, war es je ein spaziergang, bei dem am rande des weges alle die standen, von denen wir hofften, dass da einmal der drunter steht, der uns ausguckt, auf das wir mit ihm glücklich werden für immer und ewig?

anstrengend war das, für mich jedenfalls, darauf zu achten wer mich anguckt, damit ich den richtigen nur ja nicht übersehe. es waren allerdings dann, wenn das rosarot der verliebtheitsbrille beim genauen hingucken nach und nach verschwand und eine leichte grautönung annahm, oft die gefühlt falschen, die ihre guckenden augen auf mich gelegt hatten und mich mit ihren tiefen blicken von mir selbst weg brachten und doch - es waren wohl schon die richtigen, denn von jedem von ihnen habe ich lernen dürfen, was ich mir in mir selbst noch anzugucken habe. dafür danke ich an dieser stelle allen verflossenen für die lektionen, die ich dank ihnen lernen durfte und für das gute, das sie mir geschenkt haben. ich habe in all meinen in beziehung gelebten jahren viel gelernt, über mich und die männer, über die erotische liebe und über das, was liebe ist und was sie nicht ist. das ist für mich auch ein teil vom leben lernen, bei allem was mich das leben so gelehrt hat und hoffentlich weiter lernen lässt. ich will nämlich alt werden, eine goldige oma will ich werden, das habe ich meinem sohn versprochen. wie dem auch sei, heute ist mir das seltsamerweise ziemlich wurscht, wer noch nach mir guckt, obgleich ich immer dafür sorge, dass ich mich, beim mich selbst angucken, anguckenswert finde. irgendwann verguckt sich auch bestimmt wieder einer in mich, wenn ich das wieder will, und bis dahin vergucke ich mich in mich selbst für eine lange weile und genieße, dass mich keiner anguckt, weil er etwas von mir will und diese schöne ruhe, die mir das gibt.

ich muss nichts mehr erfüllen um des angeguckt werdens, ich muss nur noch das, was ich mir selbst als wollen vornehme und das ist zu allererst meine arbeit, die ich liebe. das ist gut für mich selbst sorgen, was ich immer dann vernachlässige, wenn sich einer in mich verguckt und ich das auch tue, also andersrum, wenn ich mich in einen vergucke. zum gut für mich sorgen gehört, dass ich meine ruhe genieße und mache, was mir gut tut. malen zum beispiel und schreiben und mein qi gong am morgen und am abend ab und an die märchen auf you tube gucken, die ich schon als kind geliebt habe und ich genieße es ungemein, dass mich beim gucken keiner anguckt, wenn ich so schön am regredieren ins kind in mir bin. kein kind interessiert sich dafür wenn es spielt ob einer guckt, es hört sogar auf in sich selbst vertieft zu spielen wenn man es dabei anguckt. ach, nicht angeguckt zu werden hat etwas wunderbar entlastendes, es hat etwas von freiheit, frei sein vom gefallen müssen, um angeguckt zu werden, um zu landen, irgendwo, nur wieder nicht bei mir selbst.
mal gucken, wie lange mir das gut tut...


Ein übler Nachgeschmack

 

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat einmal gesagt: "Es gibt schlicht und einfach schwierige, gestörte Menschen, die einem Team schwer zusetzen können. Es gibt den Armleuchter und den echten Schuft und denjenigen, der eine zerstörerische Kraft entfaltet." 

Auch eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist ein Team. In Beziehungen ist es schwer zu unterscheiden, ob nur einer der Partner eine zerstörerische Kraft entfaltet, oder ob das Zusammenwirken beider dazu führt. In der Regel ist das so. Der eine drückt unbewusst immer die empfindlichen Knöpfe des anderen. Die Kunst ist das zu erkennen und jeder für sich hat so die Chance sich zu entwicklen und seine empfindlichen Stellen zu bearbeiten. Das führt im besten Falle zum individullen Wachstum und zum Wachstum der Beziehung. Sobald aber ein Partner immer darauf besteht, dass ja immer zwei zu jedem Problem gehören, lenkt er von sich selbst und seinem Anteil ab. Er missbraucht das zum Allgemeingut der Beziehung gewordene WIR-Argument um sich nicht mit seinem eigenen Anteil auseinandersetzen zu müssen und um sich zu verteidigen. Damit blockiert er die Klärung seines Anteils und ist damit genau derjenige, an dem allein es liegt, dass es nach und nach zur Zerstörung der Beziehung kommt und letztlich zum Scheitern.


Es liegt nicht immer alles an beiden.

Reife, bewusste Menschen erkennen ihren eigenen Anteil und setzen sich damit auseinander. Sie erkennen auch, dass wenn eine Beziehung nicht mehr funktioniert, sie einen ebenso gewichtigen Anteil am Scheitern tragen wie der Partner. Reife Menschen sehen ein, dass eine Beziehung scheitern kann. Und wenn sie gescheitert ist, werden sie auf eine faire Weise, respektvoll und achtungsvoll mit dem Anderen umzugehen versuchen, wenn die Enttäuschung, der erste Schmerz und die erste Wut und alle anderen unguten Gefühle über das Scheitern befriedet sind. 

Unreife Menschen bleiben in der narzisstischen Kränkung stecken. 

Sie ertragen es nicht, dass man sie nicht mehr liebt, sie fühlen sich zurückgewiesen, sie tragen es dem Anderen nach, dass es schief ging, sie halten ihm demonstrativ ihre Verletztheit vor, sie tun alles um den Anderen zu zeigen wie mies es ihnen mit der Trennung geht, wie mies der Andere sie angeblich behandelt hat und sie behandeln den Anderen über das Ende der Beziehung hinaus mies. 

Das ist bitter. Es ist bitter weil es so kein gutes Ende gibt, sondern ein übles. Und genau das bleibt dann am Ende – der üble Nachgeschmack. Er bleibt in der Erinnerung kleben und überdeckt damit auch all das Gute, was es in einer Beziehung gab und im Partner. Das ist ungut für Beide und es zieht eine Liebesbeziehung im Nachhinein in den Dreck. Es hinterlässt zwei Verwundete, die mit dieser neuen Wunde, die sich zu all den alten legt, in die nächste Beziehung gehen werden.

Wie kann er, sie so sein? Was habe ich die ganze Zeit nicht gesehen, was ist das wahre Gesicht, dessen, den ich einmal liebte? Habe ich mich so täuschen lassen, stimmt meine Wahrnehmung nicht, war das alles eine Illusion, ein Bild, das ich mir gemalt habe? Seine Freundlichkeit, seine Zugeneigtheit, sein Bemühen um mich, sein Kümmern, sein Helfen in schwierigen Situationen, seine Arme, in denen ich mich gehalten und sicher fühlte, sein:  „Ich werde dich immer lieben“ - war das alles unecht, eine Projektion? 

Diese Fragen bleiben bei dem, der am Ende der Beziehung mies behandelt wird. Er fühlt sich wie ein Objekt, das man ausspuckt, weil es Bedürfnisse nicht mehr erfüllt, weil es nicht mehr zu haben und nicht mehr verfügbar ist. All diese Fragen führen zu einem Vertrauensbruch der Liebe selbst gegenüber, oder besser dem, was Menschen für Liebe halten.

Liebe - was ist das? 

Ich weiß es nicht. Aber ich weiß eins: Wahre aufrichtige Liebe ist frei von Bedürftigkeit, frei vom Bedürfnis den Anderen besitzen zu wollen, sie ist bedingungslos. Sie will nichts, sie empfängt, was man ihr freiwillig schenkt und schenkt ebenso freiwillig wieder, sie stellt keine Bedingungen.

Wenn aber am Ende einer Liebe nur noch das verletzte Ego herrscht, wenn die Kränkung des Scheiterns alles ist was bleibt, war es keine Liebe. Die Liebe zu einem Menschen bezieht sich nicht darauf, was er mir gibt oder nimmt, sie ist einfach und sie bleibt über das Ende einer Beziehung hinaus, auch wenn sie darüber trauert, dass sie verloren ist, wird sie niemals angetrieben von dem Gedanken – ich kann mit dem anderen nicht mehr. Sicher, sie kann dem anderen nicht mehr geben, was er erwartet und was er braucht, aber sie wird bleiben und das sehen, was am anderen über die erotische Verbindung hinaus liebenswert, kostbar und achtungswürdig ist und sie wird den anderen weiter mit Achtung und Wertschätzung behandeln. Wahre Liebe wandelt sich, sie wird zur Menschenliebe, dem Menschen gegenüber, der es einmal wert war mit ihm eine Zeit zusammen zu leben und diese Lebenszeit mit ihm zu teilen. 

Wer das nicht kann, kann nicht lieben. Vor allem - er kann sich selbst nicht lieben und den anderen damit auch nicht als Menschen, der Menschenliebe verdient hat, auch wenn er nicht mehr zu uns gehört.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Aus der Praxis – Festhalten und Loslassen




Unsere eigene kleine Welt ist ein immerwährender Akt des Festhaltens.
Dieses Festhalten schafft und erhält diese Welt.
Ein Festhalten geboren aus der Angst heraus, die Welt verschwindet, wenn wir aufhören festzuhalten.
Dieses ängstliche Festhalten ist der Grund, warum Menschen sich vor Veränderungen fürchten.
Loslassen ist der Rückzug von dem was dir vertraut ist, von dem, was du deine Welt nennst.
Loslassen bedeutet diese Welt zu verlassen.
Ohne die Angst verlassen zu sein.

Notiz für mich selbst

Mitgefühl und die Liebe zu anderen Wesen, denen wir helfen wollen, entwickelt sich aus der Fähigkeit den eigenen Schmerz anzunehmen, um daran zu wachsen. Bedingungsloses Mitgefühl für andere zu empfinden, ist die Vorrausetzung um Menschen zu helfen. Bei manchen Menschen ist die Sehnsucht nach Erlösung so stark, dass sie sie nicht nur für sich selbst, sondern für alle wollen.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gedankensplitter


 


Zu lange in einem unbefriedigenden Leben verharren bedeutet mit dem Wahnsinn tanzen, es zu verlassen, heißt gesunden Menschenverstand zeigen.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Angst ist das Gegenteil von Liebe

Ich habe es nie geglaubt, aber heute weiß ich, dass es wahr ist: Angst ist das Gegenteil von Liebe.
Liebe macht weit, Angst macht eng.
Angst führt dazu, dass wir genau das erleben, wovor wir Angst haben, weil wir aus dem Gefühl der Angst heraus handeln. 
Angst zieht Angst an.
Angst ist eine Mauer, die uns von uns selbst, vom anderen und schließlich von der Liebe trennt. 
Und so wird die Angst zur lieblosen Wirklichkeit...





Samstag, 5. Dezember 2015

Gedankensplitter



zu lange in einem unbefriedigenden leben verharren bedeutet mit dem wahnsinn tanzen, es zu verlassen, heißt gesunden menschenverstand zeigen.

All-eins sein




Das Gefühl der Einsamkeit entsteht dann, wenn wir vor dem Alleinsein weglaufen. Solange wir unser Alleinsein nicht akzeptieren und es als etwas Ungutes empfinden, werden wir uns einsam fühlen. Wir werden immer nach dem anderen suchen, der die innere Leere füllen soll. Und immer wieder feststellen, dass es nicht gelingt.

In deinem Innersten bist nur du selbst. Kein anderer kann dieses Innere füllen, so wie kein anderer dich glücklich machen kann. Nur du selbst kannst das tun. Wenn du bereit bist, das zu akzeptieren, beginnst du Fülle und Glück aus dir selbst zu beziehen. Dann beginnt das All-Eins sein.

All-Eins zu sein bedeutet eins sein mit dem All, ganz sein. Darum geht es beim bewussten Alleinsein - um die Abwesenheit von Zerstreuungen, um das Fernsein von Ablenkungen, die es uns unmöglich machen All-Einssein zu empfinden. Alleinsein ist heilsam für die zerfranste Seele, es ist der Zustand, den es braucht um die Stimme des Selbst zu hören.

Freitag, 4. Dezember 2015

Aus der Praxis – Über den Hass

Hass ist ein Gefühl, ein sehr starkes Gefühl. Es gehört zu uns wie alle anderen Gefühle. Jedes Gefühl ist ein Zeichen von Lebendigkeit. Jedes Gefühl das wir unterdrücken, schwächt unsere Lebensenergie.Wie die Angst und die Wut will der Hass uns etwas mitteilen. Er sagt uns etwas über unsere Verletzungen, er zeigt uns wie tief sie sind, wie schmerzhaft und wie brennend in der Seele. Es macht keinen Sinn den Hass zu unterdrücken, es macht keinen Sinn so zu tun, als würden uns Verletzungen nichts ausmachen, es macht keinen Sinn uns gelassen zu geben, wo wir es gefühlt nicht sind. Es macht keinen Sinn zu vergeben, wenn die Seele nicht bereit dazu ist. Wenn wir das tun, weil wir das Gefühl von Hass als etwas Schlechtes abspalten, verraten wir uns selbst. Hassgefühle, die angenommen werden geben uns die Kraft uns gegen das uns widerfahrene Unrecht zur Wehr zu setzen und für uns selbst einzustehen, anstatt das Unrecht zu schlucken.

Das bedeutet nicht, dass wir uns die Erlaubnis geben sinnlos und zerstörerisch zu hassen, es bedeutet, dass es selbstschädigend ist sich selbst zu belügen indem wir die eigenen vitalen Gefühle nicht ernst nehmen und sie vor uns selbst nicht zulassen und anerkennen. Verleugneter, unterdrückter Hass sucht sich immer Projektionsflächen im Außen und zwar dort, wo er in Wahrheit nicht hingehört oder er frisst sich ins eigene Innere. Beim Hass geht es wie bei allen abgespaltenen Gefühlen um Integration. Erst dann können wir uns entscheiden zu vergeben, uns selbst und anderen. Und manchmal müssen wir nicht vergeben, wir können es loslassen um frei zu sein.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Alter und neuer Schmerz





Der schlimmste Schmerz, den ein Mensch fühlen muss, um gefühlsmäßig ehrlich zu sich selbst werden und seiner eigenen Wahrheit ist Gesicht zu sehen, ist die Erkenntnis, dass er niemals geliebt wurde, damals als Kind, als er bedingungslose Liebe am meisten brauchte. Dieser Schmerz, wird er nicht angenommen und durchlebt, führt zu immer neuen Wiederholungen im späteren Leben, in jeder sogenannten Liebesbeziehung. Er wird die anziehen, die uns wieder Schmerz bereiten. Mit anderen Worten: Verdrängter Schmerz wird solange neuen Schmerz anziehen bis er endlich angenommen und im eigenen Inneren durchlebt wird. 




Gedankensplitter




Das Problem mit den Menschen ist, 
dass sie das Menschliche vergessen.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Gespräch ohne Antwort

Was macht sie so traurig, fragte ich sie.
Wissen sie, antwortete sie, ich möchte einfach erzählen, alles erzählen, solange bis ich ausgeredet habe, bis ich müde bin vom Erzählen. Ich will keine Antworten und keine Fragen und keine Deutungen über mein Erzähltes, kein: "Ich spüre, dass du, ich denke, dass du, ich weiß, dass du ..."
Sie möchten, dass man ihnen zuhört, sagte ich.
Ja, sagte sie, nur das.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Aus der Praxis – Eine starke Beziehung




Ein wesentlicher Aspekt unserer eigenen Kraft ist die Fähigkeit, sich unserem Bedürfnis nach Liebe selbst zuzuwenden, indem wir lernen, wie wir uns viele Bedürfnisse selbst erfüllen können, anstatt zu glauben oder zu erwarten ein anderer müsse das für uns tun.

Wir können lernen uns den kindlichen Bedürfnissen nach Zuneigung zuzwenden, indem wir beginnen die Stimme unseres inneren Kindes zu hören, seine Bedürfnisse ernst zu nehmen und diesem Kind in uns gute Eltern zu sein, bessere als wir vielleicht hatten. Wir müssen lernen gut zu diesem Kind zu sein, es zutiefst lieben, ihm Dinge sagen, die seinen Selbstwert und sein Vertrauen stark machen, es schützen und behüten und es nicht dafür tadeln, wenn es uns manchmal mit seinem Trotz, seiner Wut, seiner Angst, seiner Traurigkeit und seiner Einsamkeit überfällt, wenn wir es doch gerade nicht brauchen können.

Dieses Kind ist ein wesentlicher Teil von uns, es ist zugleich der verletzbarste und der stärkste Teil in uns, denn dieses Kind hat überlebt bis heute, trotz allem, was ihm widerfahren ist. Es verdient unsere Liebe, unsere Achtung und es verdient unsere Zuwendung. Es braucht Liebe und es braucht Anleitung um uns nicht zu dominieren. Wir müssen ihm verständlich machen, dass es nicht alle seiner Bedürfnisse immer erfüllt bekommt, es muss verstehen lernen, dass es Zeiten gibt, in denen es auch mal allein ist und dass es sich nicht an Jemanden zu binden braucht, um sein Bedürfnis nach Zuneigung erfüllt zu bekommen und dass es das bedauern darf, aber nicht daran zerbricht, weil wir für es da sind.

Eine starke Beziehung zu unserem inneren Kind macht uns stark. Mit diesem Kind, für das wir jeden Tag da sind, sind wir niemals allein.



Abschied



Diptychon, Mischtechnk, 2015

Samstag, 28. November 2015

Im Sumpf






Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir das Gefühl haben, festzustecken. 
Probleme scheinen unlösbar, wir sind blockiert und absolut handlungsunfähig, wir wissen nicht, was zu tun ist, wir können nichts entscheiden, wir stecken fest. 
Wir fühlen uns als würden wir in einem Sumpf feststecken, der uns bei jeder Bewegung weiter nach unten zieht.
Dann ist es hilfreich genau das zu akzeptieren. 
Es ist Zeit still zu halten und uns in Geduld zu üben.

Wir könnten uns sagen: Sei einfach, sei ruhig, beobachte bewusst und verschaffe dir Klarheit darüber, was in diesem Moment in der Zeit in deinem Leben gerade geschieht. Eine ruhige, bewusste, beobachtende Sicht auf das Jetzt nimmt uns den Druck unbedingt etwas tun zu müssen und schenkt uns Zeit zum Auftanken. In der Zeit des stillen Beobachtens sammeln wir die Kraft, die wir brauchen, wenn wir uns bewusst geworden sind, wie wir unser weiteres Leben gestalten wollen.


Freitag, 27. November 2015

Der Krieg und die Angst


Es herrscht Krieg, um uns herum herrscht Krieg, in der Welt herrscht Krieg. Deutschland zieht in den Krieg. Am Abend des 26. November haben wir es durch die Medien erfahren, Deutschland schickt Soldaten in den Krieg. Wieder sind es viele junge Männer, die ihr Leben riskieren um "Ordnung" zu schaffen, dort wo keine Ordnung herrscht, dort wo Gewalt, Hass, Mord und Totschlag herrschen und sinnloses Töten niemals aufhören wird, es sei denn, man würde diese Teile des Planeten wegzaubern können.

Ordnung schaffen werden sie nicht, nicht unsere Soldaten, nicht die Soldaten anderer Länder, jeder der einen klaren Verstand besitzt, weiß das. Mit mörderischen Kriegen schaffen wir keine Ordnung, wir schaffen nur weiter Zerstörung. Deutschland stellt sich dem Aggressor entgegen und wird selbst zum Aggressor - offen jetzt, Waffen liefern wir schon lange. Wer Gewalt sät wird Gewalt ernten und am Ende wird er sie ausüben.

Mich hat keiner gefragt, was ich über diesen Krieg denke, den wir jetzt führen, keiner hat mich gefragt, ob ich das will. Uns alle hat keiner gefragt, wir haben unsere Rechte längst abgegeben an Politiker, die für uns und über uns entscheiden. Sie machen Krieg, überall auf der Welt machen sie Krieg, ohne die zu fragen, die darin töten sollen oder getötet werden oder dabei zuschauen müssen.
Nicht die Menschheit ist im Krieg, die Machtgierigen, die Fanatiker, die Wahnsinnigen machen Krieg und wir haben nichts, aber auch nichts in der Hand gegen diese Wahnsinnigen. Wir sind ohnmächtig, wir, die nicht gefragt werden, und hilflos gegen die Wahnsinnigen, die eine Welt in Angst und Schrecken versetzen und Leichenberge und unendliches Leid schaffen.

Mein Sohn will nach Frankfurt auf ein Konzert, sagt er, und dass sein bester Freund nicht mitgehen will, er hat Angst vor einem Anschlag. Mein Sohn hat keine Angst, er sagt, wenn es mich treffen soll, trifft es mich, egal wo ich bin. Ich gebe ihm Recht, ich empfinde es ebenso. Ich bin froh, dass er sich von der Angst nicht lähmen lässt.

Aber sie ist da die Angst, bei uns allen, in uns allen, sie legt sich zu der Angst, die in uns ist vor dem Leben, das immer schwieriger wird, dem Existenzkampf, der immer gnadenloser wird, zu der Angst, die wir seit Kindesbeinen in uns tragen, auch bei denen, die sich nicht von ihr lähmen lassen. Die Angst wuchert wie eine giftige alles zerfressende Pflanze, überwuchert unser Leben, unseren Glauben an das Gute, bedroht unsere Hoffnung, raubt unsere Zuversicht, sie überwuchert die Liebe, wenn wir nicht achtsam sind.Wenn die Angst siegt haben sie gewonnen, die Machtgierigen, die Fanatiker, die Wahnsinnigen.

Ja, wir dürfen sie haben die Angst, sie ist berechtigt, diese Welt steht vor einem riesigen Abgrund, den wir nur mit Mut überwinden können, dem Mut, trotz der Angst weiter zu gehen, weiter zu machen, mit der Kraft der Liebe.

Diese Liebe bedeutet mehr als Worte, sie bedeutet für mich eine große Verantwortung uns selbst gegenüber und all denen, denen wir sie schenken können, jeden einzelnen Moment in der Zeit indem wir gegen die Energie der Zerstörung das Einzige setzen, was wir noch haben: Vertrauen in das Gute und es tun, wo immer wir können, wann immer wir können - jeden einzelnen Tag. Nur so entkommen wir der Angst und der Ohnmacht, nur so wird sich dieser Krieg nicht von Außen in unser Inneres fressen.

Ich lasse das nicht zu!

Dienstag, 24. November 2015

Alte Wunden




Der andere kann uns nur an der Stelle verletzen, 
wo eine alte Wunde noch nicht verheilt ist.

Sonntag, 22. November 2015

Gedankensplitter

einem aggressor entkommt man nicht. im besten falle kann man etwas von ihm über sich selbst lernen. das ziel einens aggressors ist es immer den anderen zu quälen, ihn zu verletzten, ihn zu entwerten, ihn zu demütigen, ihn zu verderben, ihn dazu zu bringen, dass er sich schudig und schlecht fühlt. der einzige sieg, den man über einen aggressor haben kann, besteht darin nicht so zu werden wie er.

Samstag, 21. November 2015

Freitag, 20. November 2015

Was ich ändern kann


Ich kann meine Vergangenheit nicht ändern.
Ich kann nicht ändern, was mir widerfahren ist.
Ich kann nicht ändern, dass mich Menschen verletzt haben. 
Ich kann nicht ändern, dass ich Menschen verletzt habe.
Ich kann meine Familie, meinen Partner und meine Mitmenschen nicht ändern.
Aber ...
mit Akzeptanz, Verständnis und Klarheit kann ich die unschönen Erlebnisse und Erfahrungen meines Lebens anders betrachten und damit ihre Wirkung auf mich verändern.
Und damit verändert es sich für mich zum Besseren.

Donnerstag, 19. November 2015


Liebe und Schmerz
Laudatio zur Ausstellung von Angelika Wende
von Joachim Braun

14.11.2015 – 14.01.2016
Frauenfriedenskirche Frankfurt am Main




„Warum malst du?“ – Angelika Wende diese Frage zu stellen, ist, als würde man jemandem die Frage stellen, warum er atme. „Ich male“, sagt sie, „weil Worte nicht reichen. Meine Bilder sind die Folgen meiner Erfahrungen, meiner Lebensspur. Meine Suche ist meine Aufgabe: zu tragen und zu lösen, was mir widerfährt und aufgetragen wird. Mein Antrieb ist die Achtung vor dem Geschenk meines Lebens.“[1]
Neben Sprache und Beratung von Menschen sind Malerei und Fotografie Angelika Wendes Leidenschaft. Aus eben jener inneren Notwendigkeit heraus, die der Maler Christian Felder so beschrieben hat: „Angelika Wende ist keine staatlich lizenzierte Künstlerin. Sie hat keinen Abschluss einer Kunsthochschule vorzuweisen. Doch sie hat etwas das vielen ,Meisterschülern’ fehlt: innere Notwendigkeit. Der Trieb die Ereignisse der Welt malerisch zu verarbeiten ist tief in ihr verwurzelt. In jedem Zyklus werden wir mit einer ungeschönten aber auch zugleich unumstößlich notwendigen Bildwelt konfrontiert. Diese lockt durch ihre Intensität. Wendes ,Müssen’ ist deutlich sichtbar. Sie wirft ihre Leidenschaften in die Waagschale, kämpft um jedes Bild und erzeugt etwas, das in der Kunst unbezahlbar bleibt: Authentizität.“[2]

Immer geht es im Schaffen von Angelika Wende um Menschen, um die Gründe und Abgründe menschlicher Existenz. Wir sehen Figuren, als Einzelne, Paare, zu dritt. Existenzen, zurückgeworfen auf sich selbst, auf der Suche nach Ergänzung und Ganzheit. Gesichter, die nach innen schauen und auch den Blick des Betrachters nach innen ziehen, auslotend, was in der Tiefe des eigenen Selbst einen Interpretationsraum eröffnet.
„Liebe und Schmerz“ – der Titel dieser Ausstellung ist inspiriert von ihrem Ort. Die Idee der Frauenfriedenskirche entstand fast genau vor 100 Jahren, mitten im Ersten Weltkrieg. Unter dem Eindruck des Kriegsleids ergriffen Frauen aus allen Teilen Deutschlands, die den Tod ihrer Partner und Söhne auf den Schlachtfeldern betrauern mussten, die Initiative zum Bau einer nationalen Gedenkstätte, als Denkmal für die Toten und als Mahnmal für den Frieden. Bei der Einweihung der Kirche 1929, in ihrer Ansprache zum Festakt, sagte Maria Heßberger als Vertreterin des Katholischen Deutschen Frauenbundes: „Wir katholischen Frauen haben diese Kirche erbaut als Ausdruck unseres großen, gewaltigen Schmerzes ... Die Frauenfriedenskirche soll aber auch ein Ausdruck unserer großen dankbaren Liebe sein für diejenigen, die ihr Leben hingaben, um unser Leben zu schützen.“[3] Ausdruck des Schmerzes und zugleich der Liebe - gerade angesichts der aktuellen Bilder aus Paris scheint dieses Junktim aktueller denn je. Und mir scheint es, im wahrsten Sinne des Wortes, not-wendig, davon zu schreiben, zu dichten, zu komponieren – und zu malen.

Die Wahl dieses ungewöhnlichen Ortes für diese Ausstellung hat noch eine zweite Brücke zum Schaffen von Angelika Wende. Frauenfrieden ist eine Marienkirche, geweiht der Mater Dolorosa (Schmerzensmutter). In der klassischen Gestalt der Pietá, wie sie auch in der Krypta von Frauenfrieden, gestaltet von Ruth Schaumann, zu finden ist, verbindet sich das Leiden Christi mit dem Leiden Mariens, der bereits in den ersten Kapiteln des Lukasevangeliums aus dem Mund des greisen Simeon geweissagt wird: „Durch ihn (deinen Sohn) werden viele aufgerichtet und viele zu Fall kommen ... Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2, 34f.). Der Crucifixus leidet körperlich, die Dolorosa seelisch – ein ohnmächtiges Leiden um des eigenen Kindes willen. Körperlicher Schmerz ist selten beeinflussbar, seelischer schon eher. Maria als unsagbar Leidende hat dennoch das Größere gesehen. Mütterlich, Leben schenkend hat sie Verantwortung für das Leben übernommen, ihre Ohnmacht überwunden, ohne daran zu zerbrechen.




Angelika Wendes Werke sind Ausdruck eben dieser Erfahrung. Ihre Figuren sind Psychogramme, künstlerische Ausgestaltungen innerer Seelenzustände. Das Wesentliche daran ist das Unsichtbare, Nicht-Gemalte, Abgespaltene, Verdrängte. Wir sehen weibliche Gestalten, zumeist Köpfe, die verletzt und verwundet sind. Nicht selten fehlt das eine Auge, als ob etwas nicht wahrgenommen, nicht gesehen werden dürfte. Schmerz ist vielgestaltig: Trauer, Angst, Wut, Verlust, Traurigkeit, Liebeskummer, Ohnmacht ... 


Gesichter stehen miteinander in Beziehung und sind sich doch verloren und fremd. Trotz des großen Schmerzes sind Wendes Köpfe irgendwie dennoch schön. Es ist eine fragile Schönheit – so wie die vieler Menschen, die gelitten haben und trotzdem die Liebe nicht verloren haben. Es ist eine tiefe und zugleich sehr berührende Liebesfähigkeit, die das geknickte Rohr nicht zerbricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht (Jes 42, 3).



Die Liebe zu sich selbst und zur Schöpfung zu behalten – als große Herausforderung gegen Hass und Selbstzerstörung. Als Joseph Beuys 1976 seine Installation „Zeige deine Wunde“ vorstellte, sagte er dazu: „Zeige deine Wunde, weil man die Krankheit offenbaren muss, die man heilen will ... Eine Wunde, die man zeigt, kann geheilt werden." Das Kunstwerk bleibe nicht bei der Verwundung stehen. Es enthalte, so Beuys, darüber hinaus „Andeutungen, dass die Todesstarre überwunden werden kann […] etwas […], das, wenn man genau hinhört, einen Ausweg weist.“[4]

 
Eine Wunde, die man zeigt, kann geheilt werden. Die Sehnsucht nach dieser Heilung, dem Ganzwerden durch die letzte Annahme seiner selbst, mag eine starke, treibende Kraft im Schaffen von Angelika Wende sein, die von sich selbst sagt: „Ein starker Glaube hat mich im Leben getragen.“[5] 
Es ist bemerkenswert, dass sich in den jüngsten ihrer Bilder, die teilweise in dieser Ausstellung erstmalig zu sehen sind, ihre Art zu malen weiterentwickelt hat. Ihre Bilder werden klarer, realistischer, weniger kompromissbereit, ihre Farben weniger gebrochen, eindeutiger, tiefer. Was klärt sich gerade in diesen Bildern? Was wird tiefer? Die Erkenntnis, dass nur die Liebe fähig ist, den Schmerz zu heilen? Die Klarheit einer Antwort? Oder doch eher die Sehnsucht nach dieser Antwort? Oder der, der sich uns mitteilt und sie mit uns teilt? Wer Augen hat zu sehen, der sehe!
Joachim Braun 







[1]  Gespräch mit Angelika Wende am 28. September 2015 in ihrem Wiesbadener Atelier.
[2]   Christian Felder, auf: www.angelikawende-kunst.de
[3]    Greta Krabbel (Hrsg.): Frauenfriedenskirche. Den Gefallenen des Weltkrieges. Düsseldorf 1935, 27.
[4]  Süddeutsche Zeitung, 26./27. Januar 1980.
[5]  Wende, Gespräch, a. a. O.