Freitag, 4. September 2026

Trügerische Sicherheit und der innere Boykotteur

Malerei: A.Wende

 

Dass wir genau wissen, was wir wollen oder was gut für uns wäre, und dennoch das Gegenteil tun, gehört zu den schmerzhaftesten Widersprüchen der menschlichen Psyche. In uns lebt dieser innere Boykotteur, der sich anfühlt wie eine autodestruktive Kraft. Aber in Wahrheit ist er jedoch kein bösartiger Saboteur, sondern ein fehlgeleiteter Beschützer.

 

In der Psychologie verstehen wir Selbstsabotage als einen unbewussten Abwehrmechanismus, der uns vor einer Bedrohung bewahren soll, die unser bewusster Verstand nicht als solche wahrnimmt. Wenn wir tiefer blicken und uns fragen, wovor wir eigentlich so große Angst haben, stoßen wir meist auf das Paradoxon, dass es nicht das mögliche Scheitern ist, was uns blockiert, sondern die tiefsitzende Angst vor den möglichen Konsequenzen des Gelingens. Erfolg, Veränderung und das Erreichen unserer wahren Ziele hat einen Preis und dieser bedeutet immer auch Abschied vom Vertrauten. Wir sind dann gezwungen die Komfortzone zu verlassen, Verantwortung zu tragen und uns den Risiken des potenziellen Nichtgelingens auszusetzen. Die vertraute Misere, so unglücklich sie uns auch macht, bietet dem Gehirn eine trügerische Sicherheit. Hier wissen wir genau, was uns erwartet. Dass diese Sicherheit trügerisch ist, blendet es aus. Trügerische Sicherheit ist lediglich ein Sekundärgewinn, der nichts ändert und alles beim Alten lässt.  

 

Gegen den inneren Boykotteur vorzugehen, erfordert paradoxerweise genau das Gegenteil von dem, was wir instinktiv tun möchten. Statt Härte und Abwehr braucht es Mitgefühl und strategische Klugheit. Da es sich bei der Selbstsabotage um einen unbewussten Schutzmechanismus handelt, bewirkt Druck von außen meist nur, dass der verängstigte Anteil im Inneren noch mehr Gegendruck erzeugt und die Blockade verstärkt.

 

Der erste und wichtigste Schritt zur Veränderung besteht darin, uns innerlich von diesem Verhalten zu distanzieren. Anstatt uns selbst zu verurteilen, hilft es eine beobachtende Haltung einzunehmen und zu erkennen, dass hier lediglich ein Teil der eigenen Persönlichkeit aktiv ist. Und mit diesem Teil können wir in den Dialog treten. Immer wenn die Sabotage einsetzt, sei es durch Aufschieben, Vermeiden, das Provozieren von Konflikten oder innerem und äußeren Rückzug, können wir innehalten und diesen Anteil innerlich direkt ansprechen.

Wir können ihn fragen: „Wovor hast du gerade solche Angst und wovor willst du mich beschützen?“

Das nimmt dem Mechanismus die unbewusste Dynamik und holt die zugrundeliegende Angst ins Licht des Bewusstseins.

 

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