Samstag, 25. Mai 2019

Erkennen Ergreifen Entwickeln zu unserem Wohle und zum Wohle unseres Planeten


Foto: www


Was können wir tun um bewusster zu werden, um unsere seelische und körperliche Energie freizusetzen und unsere Lebenkraft zu stärken?
Woher kommt die Angst vor dem Anschauen und Annehmen schwieriger Themen?
Warum verdrängen, wehren wir ab, halten wir aus oder kämpfen auf die falsche Weise gegen Gefühle, Krisen und Probleme, wenn diese Wege doch eigentlich keine Auswege sind?
Warum verschließen wir so gerne die Augen vor Dingen, die wertvolle Möglichkeiten für unsere Entwicklung bedeuten könnten - individuell und kollektiv?

Es klingt banal, aber wir haben es nicht anders gelernt. Wir haben nicht gelernt, echte Verantwortung für uns selbst zu übernehmen - weder für unsere Gesundheit, noch für unsere Seele, noch für unseren Lebensweg, noch für unsere Umwelt.

Niemand hat uns gezeigt, dass Verantwortung keine Last ist, sondern etwas Kraftvolles und Schönes sein kann, das unsere Freiheit ausmacht. Ebensowenig haben wir gelernt, dass Entwicklung nicht mit dem Erwachsensein aufhört, dass sie viel mehr ist als der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten gemäß unserem Bildungssystem und der gesellschftlichen Rechts-und Moralbegriffe. Wir haben gelernt zu funktionieren - im Sinne des Systems, nicht aufzufallen, nicht aufzubegehren, nicht aktiv dagegen zu gehen, wenn die Dinge im Argen liegen.

Wir sind geprägt von erlebten Beziehungen, deren Muster wir verinnerlicht haben und immer wieder abspulen - über Generationen hinweg. Neunzig Prozent dessen, was wir denken und tun wirkt unbewusst, zehn Prozent bewusst. Es regiert die gelernte, die kollektiv und individuell erfahrene Gewohnheit und ich gebe zu - gegen den Strom zu denken, zu handeln und zu leben ist nicht leicht.

Wenn wir uns aber all diese Zusammenhänge bewusst machen, wenn wir verstehen, dass Gewohnheiten und Konditionierungen, die wir unbewusst leben, unsere Lebenskraft schwächen, wenn wir das erkennen und wirklich begreifen, dann können wir damit beginnen, unser verborgenes Potenzial zu entdecken und die Chance ergreifen es zu entfalten. Dabei werden wir feststellen, dass sich entwickeln aus den alten Mustern heraus hin zu dem, was wir wirklich sind - nämlich freie Geschöpfe mit Schöpferkraft - das Leben zu einer interessanten und spannenden Aufgabe machen kann.

Wir werden die heilsame Erfahrung machen, dass das Anschauen, das bewusste Annehmen und Bearbeiten unserer persönlichen Themen das Leben bereichert, weil das aktive und bewusste Umgehen mit diesen Themen wirksame Energien freisetzt und Entwicklung in Gang setzt.

Das macht entschieden mehr Sinn und Freude, als passiv im Strom der Zeit mitzuschwimmen. Das macht bewusste, verantwortungsvolle, mutige Menschen, die mit diesem Planeten ebenso fürsorglich und achtsam umgehen wie mit sich selbst.

Namaste

Donnerstag, 23. Mai 2019

Vergeblichkeit




Du hast geliebt.
Du hast vertraut.
Du hast gegeben.
Du hast verstanden.
Du hast verziehen.
Du hast wieder und wieder Chancen gegeben.
Du hast vieles ausgehalten.
Du hast gehofft, dass es irgendwie, irgendwann besser wird.
Wenn schon nicht gut, dann wenigstens besser.
Du hast gehofft, dass deine Liebe, deine Fürsorge, dein Bleiben, dein Halten, dein Tun die Dinge ändern wird.
Du hast gebetet, dass die Dinge besser werden.

Du hast alles dir Mögliche gegeben.
Du hast dein Bestes gegeben.
Du bist geblieben.
Du hast gewartet.
Geduldig, unter Tränen, in Verzweiflung, in Erschöpfung.
Du hast es längst gewusst und nicht aufgegeben.
Weil du schon so viel Kraft investiert hast.
Weil du nicht glauben wolltest, dass es Vergeblichkeit gibt.
Du hast noch fest gehalten, als es nichts mehr festzuhalten gab.
Als dir schon alles entglitten war.
Weil du es nicht wahr haben wolltest, dass es Dinge und Menschen gibt, die sich niemals ändern.
Dir dir immer weh tun werden.
Die gar nicht spüren was dir weh tut.
Die nur an sich selbst und ihr Guttun denken.
Nur an sich selbst und ihre Bedürfnisse denken.
Denen du nicht bedeutest, was sie dir bedeuten und was du ihnen gerne bedeuten würdest.

Du hast es nicht wahr haben wollen.
Du hast dir etwas vorgemacht.
Du hast dir eine Illusion gemacht.
Und weiter festgehalten.
Weil du es nicht wahr haben wolltest.
Weil es weh tut das Loslassen.
Weil sie so weh tut die Wahrheit.
Weil du dachtest, dass du sie nicht aushalten kannst, die Wahrheit.
Du kannst sie aushalten.
Du wirst es wissen, wenn du aufhörst dich selbst zu belügen.

Sonntag, 19. Mai 2019

Das Loch in der Mitte


 
Zeichnung: A.W.



Innere Einsamkeit ist wie ein Loch in der Mitte.
Groß und dunkel und leer.
In dieser Mitte suchst du instinktiv Halt.
Aber du findest dort nichts.
Dort ist nur das Loch.
Dort ist nur die Leere. 
Dort ist nur die Dunkelheit.
Das lässt dich den Halt verlieren.

Was ist mit dem Loch in der Mitte?
Es lässt sich nicht füllen.
Weil da von Kindheit an etwas fehlt.
Das Urvertrauen, das dir nicht geschenkt wurde.
Es fehlt.
Das ist das Loch.
Das ist die Leere.
Das ist das Dunkel.
Ändere die Sicht.
Mangel erzeugt mehr Mangel.
Fülle erzeugt mehr Fülle.
Achte nicht zu viel auf das, was fehlt.
Achte auf das, was du bist, hast, was du liebst, was du schaffst, was dich (er)füllt.
Schließe Freundschaft mit dir.
Und ...
langsam, ganz langsam darf sich das Loch schließen.

Samstag, 18. Mai 2019

LERNEN



Das Leben ist ein langer Weg des Lernens und der Selbstakzeptanz.
Jeder Schritt den wir auf dem Weg machen, ob er leicht oder schwer ist, ist ein Gehen dem Tod entgegen. Aber jeder Schritt ist Leben.
Je mehr ich mir der eigenen Endlichkeit bewusst bin, desto kostbarer ist die Lebendigkeit, die ich spüre. Und das auch an Tagen an denen es mir nicht gut geht, an denen ich mich anstrengen muss, weil ich manchmal müde bin angesichts dessen was alles im Argen liegt in den Menschen und der Welt in der wir leben und in meinem eigenen Leben, das untrennbar mit allem verbunden ist. Aber es ist wie es ist.  Verändern kann ich nur das, was in meinem Einfluss- und Gestaltungsbereich liegt. Hier tue ich Tag für Tag das Beste was mir möglich ist.

Mithilfe der Achtsamkeit und der Meditation mache ich die Erfahrung, wie viel Kraft darin liegt, den Prozess persönlichen Wachstums mit einem Handeln zu verbinden, das die eigenen Werte beinhaltet. Irgendwann gab mir ein lieber Mensch den Hinweis auf die ACT, die Akzeptanz- und Commitment -Therapie, die die Aspekte von Achtsamkeit, Bereitschaft, Werten und Akzeptanz verbindet. Ich habe mich intensiv damit beschäftigt und mir ist vieles klar geworden. Ich habe  einiges was ich zuvor in meiner Arbeit für sinnvoll und hilfreich gehalten habe hinterfragt und indem ich ACT für mich selbst anwendete, habe Dinge erkannt und verinnerlicht, die ich früher nicht zulassen wollte. 

Früher dachte ich es sei hilfreich das eigene innere Erleben zu verändern. Ich dachte man muss etwas Belastendes wegmachen oder loswerden, damit man sich besser fühlt. Heute weiß ich, es geht genau darum nicht. Es liegt eine ungeheure Befreiung darin, diesen sinnlosen inneren Kampf aufzugeben und mein Herz zu öffnen für alles was in mir ist und mich dem mit Selbstmitgefühl zuzuwenden. Es liegt eine ungeheure Befreiung darin die Gedanken und Gefühle zu akzeptieren und sie da sein zu lassen ohne mich jedoch mit ihnen zu identifizieren oder ihnen zu viel Glauben zu schenken. Ich habe gelernt mich selbst und meine dysfunktionalen Gedanken immer mehr in Ruhe zu lassen. Ich beobachte den inneren Kampf und bin bereit ihn sein zu lassen. Ich habe mein inneres Erleben so wie es ist zu achten gelernt, ohne es wegmachen zu wollen, ohne mich dafür anzuklagen, mich schlecht zu fühlen oder mich zu verurteilen weil ich etwas immer noch nicht auf die Reihe kriege, obwohl ich doch wissen müsste wie es geht. 

Anstatt dem inneren Kampf zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, habe ich gelernt mich nach meinen Werten auszurichten und so gut es mir gelingt danach zu handeln.
Ich gehe auf die Dinge zu, die mir wichtig sind und lasse das beiseite, was mir nicht wichtig sind. Ich tue das was mir wichtig ist und wähle bewusst, was das ist. Das bedeutet manchmal Verzicht auf etwas um etwas für mich Wichtigeres zu erfahren. Es bedeutet auch unnötigen Ballast abzuwerfen und auf einen gewissen äußeren Luxus zu verzichten. Ich habe die Bereitschaft das zu tun, weil mir meine Zeit für mich und mit mir wichtiger ist als Dinge zu besitzen.  Mein Focus liegt mehr und mehr auf dem was jetzt ist und wie ich das was im Jetzt ist nach meinen Werten gestalte und damit umgehe.
Ich habe begriffen: Es geht nicht darum das innere Erleben zu ändern, es geht darum durch Handeln das Leben zu ändern.
Das zu erfahren biete ich den Menschen an, die meine Unterstützung suchen.

Freitag, 17. Mai 2019

RESIGNATION

Foto. A.W.

Es gibt Krisen die sind ist hart, und manchmal sind sie lange hart.
Scheitern ist hart.
Trennungen sind hart.
Verluste sind hart.
Verletzungen sind hart.
Schwere Krankheiten sind hart.
Sterben und Tod sind hart.
Das Leben ist hart genug und eigentlich brauchen wir diese besondere Härte nicht auch noch.
Nur, dass wir nicht in der Hand haben, was uns geschieht.
Das anzuerkennen ist hart.

Wenn es richtig hart kommt, müssen wir auch gar nichts tun um da wieder ganz schnell rauszukommen, sondern erst einmal nur zulassen: die Trauer, den Schmerz, die Wut, die Verzweiflung, die Angst. All das sind Gefühle die da sein dürfen, Prozesse, die von alleine geschehen.

Manchmal ist Rückzug erforderlich, um unsere Wunden zu lecken.
Manchmal ist Verdrängen eine bestimmte Zeit erforderlich, um im Alltag überlebensfähig zu bleiben.
Aber dann irgendwann ist es Zeit uns dem zu stellen was ist.
Und das zu tun was notwendig ist, damit es uns wieder besser geht.
Denn jede dauerhafte Vermeidung schränkt nicht nur unseren Aktionsradius ein, sie führt, je länger sie anhält, in eine Negativspirale, weil wir uns selbst immer weniger zutrauen.
Indem wir Gefühle und Gedanken abwehren und Handlungen vermeiden, werden wir nicht nur unfreier, wir werden auch immer schwächer.
Und am Ende resignieren wir.

Resignation ist ein Zeichen dafür, dass wir uns selbst aufgeben.
In der Resignation haben wir alle Hoffnung und jeden Glauben an uns selbst, das Leben und die Menschen verloren. Wir ertragen nur noch was ist, egal wie schlimm es ist.

Wir übergeben uns dem Leiden.
Wir sehen uns als unrettbar verloren.
Wir machen dicht.
Wir nehmen nichts mehr an und wehren alle Hilfe und alle Liebe, die man uns geben will ab, weil sie ja sowieso nichts nützt.
In der Resignation erstarrt das Leben.
Das Gefühl dafür das eigene Leben gestalten zu können existiert nicht mehr.
Wir sind tot im Leben.

Einem Menschen aus dieser Lage herauszuhelfen ist schwer.
Manchmal ist es unmöglich.
Das ist hart. Sehr hart, wenn wir diesen Menschen lieben.
Aber wir dürfen eins nicht vergessen: Wir haben keine Macht über andere.
Das anzuerkennen ist Demut.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Raum lassen

Foto:A.W.

Nach Innen schauen
Das Wahrgenommene nicht zu ernst nehmen.

Du hast ein Gefühl
Du bist nicht dieses Gefühl
Ein Gefühl ist ein Gefühl
und sonst erst einmal nichts.
Ein Gedanke ist ein Gedanke
sonst erst einmal nichts.

Du bist viel mehr als dieses Gefühl.
Mehr als dieser Gedanke.

Lass den Raum frei in dem es möglich wird genau hinzuschauen.
Mit Interesse hinzuschauen um zu erkennen was sich genau in dir abspielt.
Hinschauen, beobachten.
Schauen ohne Angst vor deinem inneren Erleben.
Lass dir Raum um zu entscheiden ob und wie du auf deine Gedanken und Gefühle reagieren willst.






Montag, 13. Mai 2019

Verloren


Foto: A.W.
ich habe meine liebe zu dir verloren
irgendwo zwischen anfang und ende
irgendwo zwischen hoffen und kämpfen
irgendwo zwischen kommen und gehen
irgendwo zwischen verstehen und verzeihen
ist sie klein und kleiner geworden
und ich bin größer geworden
größer als die kleine liebe
ich lasse ich sie bei dir
und gehe zurück zu mir

Samstag, 11. Mai 2019

Ich will ja, aber ich kann nicht.



Foto: A.W.

Das Leben bringt uns immer wieder an Punkte, an denen wir mit unguten Situationen, Schicksalsschlägen und Krisen umgehen müssen. Das Leben bringt nicht nur Freude und Schönes, es bringt uns auch Leid und Schmerz, Krankheiten und Verluste. Das ist das Leben und keiner von uns bleibt verschont. Die einen trifft es mehr, schwerer und häufiger, die anderen weniger schwer und seltener.

Ich kenne Menschen, die so krank sind, dass sie ohne Sauerstoffgerät nicht mehr atmen können. Ich kenne Menschen, die immer wieder schwere Depressionen oder Panikattacken haben. Ich kenne Menschen, die Ihr Liebstes verloren haben. Ich kenne Menschen, die unheilbar krank sind. Ich kenne Menschen, die alles verloren haben was ihnen wertvoll und wichtig war.

All diese Menschen kämpfen um mit dem klar zu kommen was ist. Sie wollen weiter machen. Sie wollen, dass es besser wird als es ist, sie wollen ihr Leben gestalten – trotzdem. Trotzdem es schwer ist, trotzdem jeder neue Tag eine Herausforderung voller Hürden ist, trotzdem ihr Alltag ein ständiger Kampf ist und trotzdem sie Schmerzen haben. Diese Menschen haben mein ganzes Mitgefühl, meine Menschenliebe und meine Hochachtung. Sie haben meinen Respekt, weil sie nicht aufgeben, weil sie das Leben trotz allem als kostbares Geschenk zu schätzen wissen und weil sie etwas haben, was vielen fehlt: Demut, Akzeptanz und die Bereitschaft Verantwortung für sich selbst zu übernehmen gegen alle Widerstände.

Und dann gibt es die, die sich dem Leben verweigern, weil es nicht gut zu ihnen ist oder ihnen etwas genommen hat. Die es auch schwer haben, vielleicht sogar sehr schwer oder gar nicht schwer und sich trotzdem beklagen. Wenn man ihnen sagt: „Du hast es in der Hand dein Leben zu gestalten, du kannst entscheiden wie du mit dem umgehst was dir wiederfahren ist, auch wenn es nicht leicht ist“, dann kommt: „Ich will ja, aber ich kann nicht.“

Ja, wir alle können an den Punkt kommen wo uns alles zu viel ist, wo wir gefühlt nicht mehr können. Dann ist es völlig okay eine Weile nichts zu tun, uns auszuruhen und zu verarbeiten was unerträglich geworden ist.

Aber es gibt auch die, die partout auf dem “Ich will ja, aber ich kann nicht” beharren.
Ganz gleich wie viel Hilfe man ihnen anbietet, ganz gleich wie oft man ihnen zuhört, sie tröstest, sie unterstützt – es bleibt bei diesem: "Ich will ja, aber ich kann nicht".
Diese Einstellung ist der größte Bremsklotz, den ein Mensch sich selbst in den Weg legen kann, was seine persönliche Entwicklung angeht.

„Ich kann nicht“ ist ein absolutes Killerargument.
Es ist das Argument, dem du kein anderes mehr entgegensetzen kannst und musst.
Schluss, aus, fertig!
Ich kann nicht.
Und alles bleibt wie es ist.
Egal wie beschissen es ist.
Egal wie beschissen es noch werden kann.

Und das ist jetzt für alle, die nicht todkrank sind und nicht absolut hilflos aus welchen Gründen auch immer und die sagen sie wollen, aber sie können nicht:
Du könntest einmal ganz still werden, ehrlich in dich gehen und dich fragen:
Kann ich wirklich nicht oder will ich vielleicht nicht?
Du könntest dich fragen:
Was kann ich noch?
Worauf oder woran verschwende ich Tag für Tag Energie, die ich sinnvoller und zu meinem Wohle einsetzen könnte?
Was passiert mit mir wenn ich weiter „Ich kann nicht“ sage?
Ganz einfach: Du entziehst dich der Verantwortung, für dich selbst und dein Leben.
Auf diese Weise begrenzt du dich selbst.

Du könntest dich weiter fragen:
Was muss ich nicht tun, wenn ich sage" ich kann nicht"?
Wofür ist mein „Ich kann nicht“, eine Ausrede?
Wozu ist diese Ausrede gut?
Für meine Disziplinlosigkeit?
Meine Trägheit?
Meine Ignoranz mir selbst gegenüber?
Um mich weiter als Opfer fühlen zu können, dem Unrecht geschehen ist?
Um es mir weiter bequem in meinem Sumpf zu machen?
Damit sich andere um mich kümmern?
Damit ich weiter in den Tag hineinleben kann und mich nicht bewegen muss, weil mir das zu anstrengend ist?

Bin ich zu undiszipliniert und zu faul um etwas zu tun, was mir sicher helfen könnte?
Was blockiert mich?
Habe ich Angst?
Angst vor der Anstrengung und der Mühe die eine Veränderung mich kosten würde?
Angst mich aus meiner Komfortzone heraus zu bewegen?
Angst vor der Veränderung, deren Ausgang ich nicht kontrollieren kann?
Angst davor ungute Gewohnheiten aufzugeben, die mir das Leben scheinbar erleichtern?
Angst vor dem Scheitern?

Was bedeutet das eigentlich genau, wenn ich sage, dass ich nicht kann?
Weiß ich vielleicht nicht wie es gehen könnte?
Habe ich zu wenig Informationen?
Oder habe ich ausreichend Informationen und bin zu bequem um sie anzuwenden?
Könnte ich mir Hilfe suchen, damit ich können kann?
Habe ich alle Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft, die meine Lage verbessern könnten?
Bin ich überhaupt bereit Hilfe anzunehmen, die mir angeboten wird oder der sage ich von vornherein, das nutzt sowieso nichts?

Habe ich dysfunktionale Gedanken, die ich ohne sie zu hinterfragen glaube?
Habe ich das Vertrauen in mich selbst und das Leben verloren?
Bin ich vielleicht sogar lebensmüde?
Dann ist es höchste Zeit dir professionelle Hilfe zu suchen!

Du könntest dich weiter fragen:
Wie sieht mein Leben im Jetzt und in naher Zukunft aus, wenn ich dabei bleibe, dass ich nicht kann?
Komme ich weiter?
Und: Wohin komme ich, wenn ich so weiter mache?
Und zum Schluss:
Was wäre anders, wenn ich anstatt „Ich kann nicht“ „Ich werde nicht“ sage?
Dann hast du eine klare Entscheidung getroffen, nämlich: „Ich will nicht“.
Und dann bist du ehrlich zu dir selbst geworden.
Dann könntest du eine neue Entscheidung treffen mit:
„Ich könnte ...“

Freitag, 10. Mai 2019

Wenn sich eine Identität abgelebt hat

Foto: A.W.

Wir Menschen neigen dazu alles in Schubladen zu stecken, auch uns selbst.
Zum einen gibt uns das Halt und das Gefühl von Kontrolle, zum anderen macht es uns genau dieses Halt suchen und Kontrollieren wollen schwer Veränderung zu akzeptieren.
Aber das Leben ist Veränderung.
Aha, ja das weiß ich doch, das ist doch jedem klar, könntest du jetzt sagen.
Ja, aber Wissen heißt noch lange nicht was ich weiß zu fühlen und schon gar nicht es zu bejahen.

Menschen leiden nicht selten daran, dass sie Veränderungen partout nicht zulassen können.
Sie haben sich ein Bild gemacht von dem, der sie sind oder zu sein glauben.
Ich bin so.
Ich bin reich.
Ich bin schwierig.
Ich bin erfolgreich. 
Ich bin dies und das.
Ich bin stark.
Ich bin, ich bin, ich bin ...

Und wehe diese Ich bin - Überzeugungen kommen ins Wanken. Dann kommt Angst. Dann kommt Verunsicherung, dann kommt Haltlosigkeit. Dann wird schnell alles getan um das alte ICH BIN wieder herzustellen. Gelingt das nicht, schleicht nicht selten die Sinnkrise auf leisen Sohlen ins "Ich bin-Leben".

Wir alle neigen dazu unsere Identität über das zu definieren, was oder wer wir zu sein glauben. Wir sind dieses Ich weil wir diesen Job haben, diese Lebensweise, diese Familie, diesen Partner und all die anderen Dinge, die wir als tragende Säulen in unserem Lebens im Laufe unserer Biografie erschaffen haben.
Was aber wenn sie zu wackeln beginnen?
Was, wenn das alte Ich-Konzept nicht mehr funktioniert, weil vielleicht eine oder mehrere Säulen wegbrechen? Dann ist es Zeit diese Ich-Konzept zu hinterfragen und zu verändern.
Dazu gehören Mut und Ehrlichkeit uns selbst gegenüber.
Die meisten Sätze, die mit Ich bin ... anfangen, beziehen sich auf soziale Rollen und Lebensumstände. Und die sind nicht konstant, sie verändern sich. Manchmal schleichend, manchmal mit einem Schlag.
Früher war ich Fernsehmoderatorin, heute bin ich Coach.
Früher war ich abhängig von vielem, heute bin ich weitgehend autonom.
Früher war ich getrieben, heute bin ich gelassener.
Meine alten Selbstdefinitionen musste ich immer wieder aufgeben, weil ich Rollen aufgeben musste und Lebensumstände sich veränderten.
Ich sagte mir dann jedes Mal: Fuck, aber okay, es ist wieder mal an der Zeit dich neu zu erfinden.

Um uns neu zu erfinden ist es notwendig, das alte Ich-Konstrukt ziehen lassen. Ganz einfach deshalb, weil es sich abgelebt hat. Abgelebt durch die Veränderungen, die wir durchlebt haben. 
Manche Menschen kämpfen aber gegen das Abgelebte ihrer Identität. Sie können nicht loslassen, was sie längst verlassen hat. Sie bauen innerlich einen so großen Widerstand auf, dass sie sich schließlich in einem Niemandsland befinden in dem sie immer wieder der beunruhigenden Frage begegnen: Wer bin ich denn jetzt noch?

Das Alte ist weg, das Neue will kommen, darf aber nicht, weil das Alte ja so schön und toll und bequem war. Das schafft einen immensen inneren Konflikt. Nicht selten führt dieser in eine Depression oder ist Nährboden für Ängste und Panikattacken.
Der Verlust der alten Identität wiegt dann so schwer, dass sich der Mensch nicht mehr in sich selbst zurechtfindet. 
"Das bin nicht mehr ich", diesen Satz höre ich oft in den Sitzungen, begleitet von einem Gesichtsausdruck, der Traurigkeit und Unsicherheit zeigt. Manchmal fließen Tränen.
Ja, sage ich dann, das ist nicht mehr das Ich für das sie sich gehalten haben. Und das ist okay.
Meist trifft mich dann ein verwunderter Blick aus dem Ungläubigkeit blitzt. Das soll okay sein?
Zunächst fällt es schwer dieses: "Es ist okay", zu akzeptieren.
Das ist normal. Denn könnten wir das, hätten wir ja kein Problem mit der Aufgabe unserer alten Identität und unserer vertrauten Selbstdefinition. Aber jeder Widerstand ist zwecklos. Das Leben zeigt uns: Diese Selbstdefintiton passt nicht mehr in unser Jetzt.

Die Zerbrechlichkeit dieses Aspektes unseres Ichs kann bedrohlich sein und zu einem sehr kräftezehrenden inneren Kampf führen um die Selbstdefinition aufrechtzuerhalten.
Da fehlt dann nämlich etwas. Etwas das gewohnt war, etwas, das uns wichtig war, etwas, das uns die Basis gab auf der wir uns geerdet und getragen fühlten. Nur, dieser Kampf gegen die Veränderung ist nicht nur ungeheuer anstrengend, sondern aussichtslos.
Beständigkeit ist auf dieser Ebene des Ichs nicht zu finden.
Beständigkeit finden wir in dem, was wir das Selbst nennen. Jenem tiefen inneren Kern, dessen Qualität mit Worten schwer zu definieren ist. Das Selbst ist das, was uns von Innen hält, wenn alles Gewohnte, alle Konzepte, alle Definitionen über uns selbst wegfallen.
Und dieses Selbst weiß auch, dass unsere Identität nicht von bestimmten Rollen oder Konstrukten abhängig ist. Dieses Selbst ist eine Ebene in einer anderen Dimension unsere Psyche an die heranzukommen gar nicht einfach ist. Das Selbst liegt hinter unseren Gedanken und Vorstellungen. Und dort sind wir. Aber wir finden uns selbst nicht so leicht, eben weil wir diese Selbstdefinitionen machen, eben weil wir uns an Identitäten festhalten, die wir einmal erschaffen haben.
Das Selbst hat keine Bilder oder Vorstellungen von "Ich bin".
Es ist. Und Punkt. Erst mal.

Aber zurück zur abgelebten Identität. Worum geht es?
Es geht darum an der Idee von dem, der wir gestern waren, nicht weiter festzuhalten und die Veränderung zu erlauben. Und es geht darum neugierig auf das zu sein, was wir auch sein können.
Dazu ist es notwendig uns von unserem alten Ich zu verabschieden. Uns bei ihm zu bedanken und es ziehen zu lassen. Das mitzunehmen was uns im Jetzt nützlich sein kann und sein zu lassen was nicht mehr in unsere Gegenwart passt. Identität ist nichts Festgeschriebenes. Alles was wir über uns sagen und von uns halten ist wandelbar, weil es dem Wandel unterliegt wie alles im Leben. Und auf Wandel folgt wieder Wandel. Jeder Widerstand ist zwecklos. Also lassen wir zu, was sich wandeln will.
Und nicht als Opfer der Umstände, sondern als Erfinder und Gestalter unserer Identitäten. 
Erfinden wir uns neu, wieder und wieder. Ich finde das spannend. 
















Dienstag, 7. Mai 2019

Damit es mir besser geht

Foto: A. Wende

In diesem Moment tue ich etwas damit es mir besser geht.
Moment für Moment arbeite ich daran.
Ich mache mir keinen unnötigen Stress indem ich auf das große Ziel schaue.
Ich gehe kleine Schritte.
Manchmal sind sie mühsam.
Manchmal sind sie schwierig.
Manchmal sind sie unangenehm.
Manchmal fühle ich mich unsicher.
Manchmal bin ich ängstlich.
Manchmal bin ich traurig.
Manchmal zweifle ich.

Aber ich habe die Bereitschaft weiter zu gehen.
Schritt für Schritt.
Dabei umgebe ich mich mit Dingen und Menschen, die mir gut tun und beseitige Unwesentliches und das, was mir nicht gut tut.
Dabei räume ich auf.
Innen und Außen.
Dabei übe ich mich in Achtsamkeit.
Ich gehe.
Schritt für Schritt.
Weil ich den Entschluss gefasst habe etwas für meinen inneren Frieden zu tun.
Das ist mir wichtig.
Ich bin mir wichtig.
Gute Beziehungen sind mir wichtig.
Und weil es mir wichtig ist, lerne ich nicht aufzugeben.
Ich lerne, es funktioniert, wenn ich etwas dafür tue.
Moment für Moment.

Sonntag, 5. Mai 2019

Männliche Gewalt und warum Frauen das zulassen



Foto: A. Wende

Männer die Frauen Gewalt antun sind Menschen, die andere zerstören müssen. Sie müssen herabwürdigen um Macht zu gewinnen, weil sie sich klein und machtlos fühlen. Sie empfinden weder Mitgefühl noch Achtung für den anderen. Sie respektieren ihn nicht, weil sie sich selbst verachten.

Wieso lassen Frauen Gewalt zu?
Die Perversion, denn genau das ist Gewalt, fasziniert am Anfang, bevor das zuschlagen beginnt, so paradox und absurd das klingt. Die Gefährlichkeit wird nicht erkannt. Bisweilen wird sie sogar banalisiert oder entschuldigt. Die Quälerei etabliert sich. Das Opfer wird destabilisiert. Allmählich beginnt die schleichende seelische Zerstörung. Das Opfer verliert sein Gefühl für seinen Wert als Mensch. Es wird demontiert, seiner Individualität beraubt. Es verliert seine Selbstachtung.

Genau das ist das Ziel des Täters, den anderen zu zerstören, indem er ihn an sich selbst zweifeln lässt.  
Das Opfer ist mehr und mehr verwirrt. Es glaubt sogar die Gewalt verdient zu haben, weil es sich nicht richtig verhält. Egal was es tut, alles ist falsch und wird ihm vom Täter angelastet.
Das Opfer wird permanent abgewertet und manipuliert. Es wird stigmatisiert. Die Gewalt, sei sie emotional oder körperlich, meist ist es beides, wird als Reaktion auf seine Schlechtigkeit gerechtfertigt und verargumentiert: „Das hast du verdient!“ „Du bist selbst schuld!“

Das Opfer gerät völlig aus der Fassung. Es ist nicht mehr im Besitz seiner geistigen Kräfte. Der Widerstand ist gebrochen.
Ein dermaßen systematisch erniedrigter und geschlagener Mensch verliert all seine Selbstschutzmechanismen. Er vergisst wer er ist und wer er vor der Misshandlung war.
Der Zeitpunkt um den perversen Kreislauf zu verlassen ist überschritten. Das Opfer fügt sich in sein „Schicksal“. Es sieht keinen Ausweg und erträgt nur noch. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes seelisch und körperlich zerschlagen.
Ohne Hilfe von außen gelingt selten ein Ausbruch.

Samstag, 4. Mai 2019

Verachtung




Foto: A.Wende

Eine verächtliche Gebärde, ein verächtlicher Ton, verächtliche Blicke, verächtliche Worte geben uns das Gefühl von Minderwertigkeit.
In der Verachtung blickt der andere mit Geringschätzung auf uns herab. Verachtung spüren ist ein desaströses Gefühl. Wir fühlen Scham.
Verachtung, ist eine Emotion, die aus Ekel und Ärger erwächst. Verachtung ist ein narzisstisch-aggressiver Affekt. Ihm zugrunde liegt das Gefühl besser zu sein als der andere. Verachtung ist eine Form der Bestrafung.

Verachtung ist mangelnde Liebe
Verachtung trennt.
Spüren wir die Verachtung eines anderen oder verachten wir selbst den anderen wird Nähe unmöglich.
Mit der Verachtung endet die Liebe.

Wer anderen mit Verachtung begegnet fühlt sich selbst wertlos, innerlich leer und einsam.
Ihm fehlt liebende Güte – für sich selbst und damit für andere. Wer keine Liebe spürt achtet andere nicht.
Er achtet nicht einmal sich selbst.
Er hat kein Gefühl für Würde und achtet daher die Würde anderer nicht. Es gibt sie, diese Menschen. Es gibt sie immer und überall. Die Lektion, die uns ihre Verachtung lehrt ist Selbstachtung.
Diese Menschen bedürfen unseres Mitgefühls.
Aber was viel wichtiger ist: Die Begegnung mit diesen Menschen bedarf des Mitgefühls mit uns selbst.

Freitag, 3. Mai 2019

Blind

Foto: A.Wende

Wie es scheint, können wir kaum anders als das, was wir wahrnehmen unbewusst durch den Filter unserer eigenen Erfahrungen laufen zu lassen. Dabei übersehen und überfühlen wir die Dinge wie sie wirklich sind.
Das zeigt sich oft daran, dass wir an anderen genau das bemängeln, was wir an uns selbst nicht leiden können.
„Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“
Wozu führt das?
Wir verstehen einander nicht
Wie entfernen uns voneinander.
Wir verletzen uns gegenseitig.
Blind für das Eigene
Blind für den anderen.

Donnerstag, 2. Mai 2019

Unterscheiden

Foto: A.W.

Vielleicht denken wir unser Zusammenleben wäre besser, wenn der andere sich ändern würden. Vielleicht wäre das auch so.
Aber das geschieht nicht.
Wir hoffen und versuchen und machen und tun und reden und erklären und bitten und bleiben unglücklich.
Es geschieht nicht.

Veränderung beginnt nicht beim anderen.
Wir haben keine Macht über andere.
Veränderung beginnt einzig und allein bei uns selbst.

Wenn wir wieder einmal unglücklich sind, weil wir andere verändern wollen und uns traurig, niedergeschlagen oder hilflos fühlen, weil es nicht gelingt, können wir innehalten und nachdenken und uns auf diese Worte von Rainold Niebur konzentrieren:
"Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."
„...die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Dienstag, 30. April 2019

Nichtwissen



Foto: A. Wende

Dem Nichtwissen entspringen Fragen.
Je tiefer und bedeutsamer die Fragen, umso größer ist das Nichtwissen.
Das schwer Zugängliche ist Nichtwissen.

Es kann uns unruhig machen.
Es kann uns unsicher machen.
Es kann uns aus der Balance heben.
Nicht wissen was ist.
Nicht wissen was wird.
Nicht wissen was wir tun sollen.
Nicht wissen was wir wirklich wollen.

Und wir suchen nach Antworten.
Und wir wollen sie schnell.
Wir haben Schwierigkeiten das Nichtwissen auszuhalten.
So viele Schwierigkeiten, dass das Nichtwissen zu einem Problem werden kann.
Wir wissen nicht und haben zusätzlich ein Problem mit dem Nichtwissen.

Was, wenn wir bei den Fragen verweilen, anstatt schnelle Antworten zu wollen ... ?


Zeichnen
















Freitag, 26. April 2019

Das Leben ist endlich



Foto: A.W.

Die Angst vor dem Tod beschäftigt viele Menschen.
Der Tod ist das einzig Sichere was uns im Leben begegnet. Wir alle wissen unser Leben ist endlich. In manchen Lebensphasen, besonders in Lebenskrisen steht uns der Gedanke an den Tod deutlich vor Augen. In der Depression ist er sogar unser ständiger Begleiter. Der Gedanke an den Tod macht uns die Vergänglichkeit der Dinge schmerzhaft bewusst und er macht uns Angst.
Dennoch, wir planen und handeln obwohl wir nur kurze Zeit hier sind.
Das verlangt Mut und Vertrauen. 
Je öfter unser Vertrauen im Leben gebrochen wurde, desto schwerer ist es weiter zu vertrauen.
Wir haben Menschen vertraut, die uns sagten, sie lieben uns und wurden betrogen.
Wir haben an Menschen geglaubt, die sagten, sie glauben an uns und wurden enttäuscht.
Wir haben Menschen unsere Loyalität geschenkt und wurden verraten.

Menschen, Mitmenschen gehören zum Leben. Unser menschliches Miteinander ist Leben. 
Wir brauchen einander wie die Luft zum Atmen. Jeder Vertrauensbruch fühlt sich an wie ein kleines bisschen Sterben, ein Tod im Leben. Jeder Vertrauensbruch sägt am Baum des Vertrauens. Ast für Ast fällt ab. Manche von uns sind wie ein Stamm ohne Äste. Die Wurzeln verhungern. Das Vertrauen, das uns erdet wird brüchig. Am Ende fühlen wir uns entwurzelt - wir spüren Bodenlosigkeit.
In dieser Bodenlosigkeit irgendwo Halt finden ist schwer.
Wir machen die Begegnung mit dem Sterben im Leben.
Wir nehmen Abschied von dem Glauben, wir könnten uns an irgendetwas tatsächlich festhalten.
Wir erkennen die Wahrheit: Wir können es nicht.
Wir schmecken die Bodenlosigkeit und sie ist bitter auf der Zunge.
Wir sehen sie mit aller Klarheit.

Jetzt können wir bewusst eine Wahl treffen: Ja, das Leben ist bodenlos.
Ja, das Leben ist endlich.
Es wird mit dem Tod enden. Dem meinen und dem meiner Lieben, aber ich kann trotzdem jeden Moment hieneinspringen und mein Leben leben, im Gewahrsein wie kostbar es ist. Ich kann jeden einzelnen Moment bewusst (er) leben, eben weil ich weiß, dass alles vergänglich ist.
Ich kann weiter vertrauen, weil es mir gefällt zu vertrauen.
Ich kann die Bodenlosigkeit akzeptieren anstatt ihr Widerstand zu leisten.
Ich kann vertrauen, dass ich niemals tiefer falle als in Gottes Hand.

Mittwoch, 24. April 2019

Die Furcht der Befürchtung


Foto: A.Wende

Die Furcht der Befürchtung
macht verkrampft
erlaubt uns nicht entspannt zu sein
schickt uns in die Zukunft
erlaubt uns nicht im Jetzt zu sein
färbt Denken und Fühlen dunkel
ändert nichts an dem was wir befürchten

Wenn die Furcht der Befürchtung über uns kommt
können wir sie aufmerksam betrachten
Im aufmerksamen Betrachten bleiben wir im Augenblick
Präsent
Gegenwärtig

Furcht ist nicht Jetzt
Furcht ist Projektion in eine Zukunft, die nicht ist.

Sonntag, 14. April 2019

Beziehung heilt nicht den inneren Mangel



Zeichnung A.W.
Je höher unsere Bewusstseinsstufe ist, desto mehr wissen wir was wir brauchen und was nicht, desto weniger machen wir Kompromisse, die unseren Bedürfnissen nicht entsprechen, auch wenn dies bedeutet wir leben allein, für eine Weile oder grundsätzlich. Ich kenne einige kluge und kreative Menschen, die alleine leben weil es ihnen nicht gelingt gleichgesinnte Menschen zu finden und sie lieber auf Gesellschaft verzichten mit der sie nichts Wesentliches teilen können, als ihre kostbare Zeit mit Oberflächlichkeiten und Zerstreuungen, die ihnen nichts geben, zu verschwenden. Diese Menschen können ihr Alleinsein genießen. Das ist ein Gefühl innerer Freiheit.

Andere Menschen können das nicht. Sie empfinden das Alleinsein als einen Zustand dunkler Einsamkeit, immer kurz davor in tiefe Depression verfallen oder sie zu haben. Menschen, die Alleinsein und nicht in Beziehung sein, nur schwer ertragen können sind Erwachsene, die von ihrem inneren Kind auf eine höchst unschöne Weise beherrscht werden. Meist sind es die gespeicherten kindlichen Gefühle der Zurückweisung, des Verlassenseins, der Ausgrenzung aus einer Welt, in der wir uns als Kind alleine nicht zurechtfinden, die im Alleinsein getriggert werden. Vielleicht ist es dieses Gefühl durch ein einmaliges Erlebnis entstanden, vielleicht aber auch durch viele Erlebnisse, in der Abweisung empfunden wurde.

Für die im limbischen System unsere Gehirns gespeicherten Gefühle ist es nicht von Bedeutung ob wir tatsächlich nicht angenommen und geliebt wurden oder ob wir das nur so empfunden haben. Die inneren Überzeugungen: „Ich bin nicht gewollt, ich habe keinen Platz, mich will keiner, ich bin nicht liebenswert", lassen sich nicht wegdenken, eben weil sie auf gespeicherten Gefühlen beruhen, die damals genau so gefühlt wurden.

Menschen, die das Alleinsein als schmerzhaft empfinden sind immer darauf bedacht in Beziehung zu sein. Kaum ist eine Beziehung zu Ende suchen sie schnell die nächste. Die ist dann meist auch nicht von langer Dauer. Beziehungen zerbrechen schnell, wenn es nicht um Liebe und Fülle geht, die dem anderen entgegengebracht wird, sondern um die Kompensation inneren Leere und innerer Einsamkeit.

Der Mangel des inneren Kindes soll von einem anderen weggemacht werden, sprich: Die innere Leere soll gefüllt werden, die innere Einsamkeit durch Zweisamkeit nicht mehr gespürt werden. Eine Erwartungshaltung die darauf wartet, dass von Außen gelöst wird, was innerlich im Argen liegt.
Nur dass das nicht geht. Genau das zeigt die gelebte Realität solcher Beziehungen meist ziemlich schnell. Dies führt dann zur Bestätigung der unguten inneren Überzeugungen, die ja noch immer da sind, weil sie nicht bewusst sind. Das Drama geht in den nächsten Akt. Ist die Trennung vollzogen kommt es zur Bestätigung und Verfestigung folgender destruktiver Überzeugungen: “Ich werde benutzt, keiner liebt mich. Ich bin zu anstrengend, der andere lässt mich fallen. Ich bin wirklich nichts wert und das obwohl ich mich aufgeopfert habe und alles für den anderen getan habe." Dies ist eine bittere Interpretation des Ganzen, die leider nicht wahr ist, auch wenn Betroffene das zutiefst glauben.
Wahr ist, Liebe kann man nicht bekommen, wenn man damit einen Zweck verfolgt, nämlich die innere Leere füllen zu wollen.

Wer leer ist hat nichts zu geben und das spürt der andere instinktiv und wendet sich irgendwann ab. Oder anders herum, wenn Menschen, aus einem Mangel heraus agieren, wird ihr inneres Loch niemals gefüllt werden können. Enttäuscht wenden sie sich dann von dem ab, der ihnen die Fülle, die sie so dringend brauchen, nicht geben kann. Ein Teufelskreis ohne Ende. Es sei denn wir beginnen uns uns selbst zuzuwenden, sprich diesem verstörten Kind im Schatten unserer Seele, das nichts mehr braucht als einen, der es endlich sieht in seinem Drama.

Dieses Kind braucht einen starken reifen inneren Erwachsenen, an den es sich wenden kann, der es endlich wahrnimmt und es ernst nimmt und der es an der Hand nimmt und mit ihm in seine tiefsten Ängste und seine dunkelsten Gedanken hinabsteigt.
Dieser reife innere Erwachsene muss herausgebildet werden, denn es gibt ihn noch nicht. Es gibt den, der dem Kind im Schatten blind folgt. Also muss dieser erst einmal sehend werden.
Damit beginnt die innere Kind Arbeit, die wenn sie getan ist, einen Weg in die Freiheit bahnt.

Mittwoch, 10. April 2019

Sein

Foto: A.W.
 
Widersprüchliches
brüchiges
zerbrechliches
fragwürdiges Sein.
Auch das akzeptieren.
Macht das Leben leichter.

Dienstag, 9. April 2019

Wahrheit ist auch ...

Foto: A.W.

Die Wahrheit ist nicht immer Klarheit.
Die Wahrheit ist auch Zweifel.
Ist auch Zerissensein.
Ist auch unsicher sein.
Ist auch keinen Fluchtweg finden.
Ist auch weglaufen und nicht wissen wohin.
Ist auch vor der Wand stehen, wo kein Fluchtweg mehr bleibt.

Die Wahrheit ist auch ausweichen.
Ist auch, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist und das Nichtwissen, was genau nicht stimmt.
Ist auch Angst und aus Angst keine Worte finden oder Worte verdrehen und Unwahrheiten sagen.

Die Wahrheit ist auch Unsicherheit und Kopflosigkeit.
Ist auch auch sinnloses Bemühen Linderung zu finden, wenn alles schmerzt.
Ist auch der Versuch sich vom eigenen Leben abwenden zu wollen.
Ist auch Schmerz vermeiden wollen und wegsehen.
Ist auch wissen was du willst und wissen, dass du es es nicht bekommen kannst.
Ist auch wissen, dass etwas mit dir nicht stimmt und nicht wissen wo im Kern der Fehler steckt.

Die Wahrheit ist auch das Bild, das du von dir selbst hast zerbröckeln zu sehen.
Ist auch Ursprünge, Ursachen und Lösungen nicht zu sehen.
Ist auch dich mit der Unwahrhaftigkeit anzufreunden.

Samstag, 6. April 2019

Wer bin ich?



Foto: A. W.

Wer bin ich?
Ein Mensch, der sein Leben als einen Weg inneren Wachstums begreift, der Hingabe an ein Ideal lebt, das vielleicht sogar bewusst als Utopie erkannt wird, aber trotzdem und unter großen Opfern diese Utopie weiter verfolgt, wird nicht aufgeben.
In seinem Innersten ist er weitsichtig und zuversichtlich.
Er weiß, dass früher oder später ein Wandel eintreten wird, wenn auch nur in ihm selbst.
Er hat Beziehungen aus denen er in irgendeiner Weise lernen kann, auch wenn dies manchmal mit Schmerz einhergeht. Er findet auch in diesen Beziehungen eine Bereicherung für sein eigenes Leben und Anstöße für seine Entwicklung.
Er braucht weniger das Lernen aus Büchern. Er hat genug gelesen. Er weiß, er lernt unendlich viel mehr aus den Beziehungen zu Menschen, in denen ihm der Abgleich mit seinen eigenen Überzeugungen möglich wird und die Konfrontation mit den eigenen Grenzen, die ihn dazu bewegt, sich immer neu zu definieren um zu wachsen.
Er weiß, dass lieben und geliebt werden das größte Geschenk ist und vielleicht sogar der höchste Sinn des Lebens. Er wird die Liebe hüten, leben und pflegen. Er handelt in Liebe.
Er weiß, die Antwort auf die Frage: "Wer bin ich?" findet er in seinem Handeln und Wirken.

Donnerstag, 4. April 2019

Lieben und geliebt werden




Einen Tag vor meinem sechzigsten Geburtstag stellt sich mir wieder einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ich bin der festen Überzeugung, dass einer der größten sinnstiftendenden Faktoren im Leben ist, geliebt zu werden.
Ein sinnlos empfundenes Leben ist meist die Folge einer Kindheit ohne Liebe. Daher geht das Empfinden der Sinnhaftigkeit des Lebens mit einer liebevollen Bindungserfahrung in der frühkindlichen Phase einher. Das Gefühl geliebt zu werden, gibt uns das Gefühl, dass es gut ist in der Welt zu sein. Wer dieses Gefühl als Kind nicht erfahren durfte fühlt oft eine große innere Leere, die mit nichts zu füllen ist.

Würde man mich fragen, was ist für dich der Sinn des Lebens, dann wäre meine Antwort: Der Sinn des Lebens ist lieben und geliebt werden.

Montag, 1. April 2019

Versöhnung mit der Endlichkeit




Kreativität ist wie das Leben Gegenpol zum Tod. Gegenpol zur Nichtbewegung, zum Stillstand. Tot ist tot. Rein physisch gesehen. Sterben ist auch im Leben möglich: „Wer es nicht kennt dieses stirb und werde, ist nur ein trüber Geist auf dieser Erde“, so etwa, frei nach Goethe. Manch einer stirbt unzählige Tode im Leben. Wozu? Um sich selbst immer wieder neu zu erschaffen? Können wir sterben üben? Sicher nicht. Loslassen vielleicht. Auch das ist eine schwere Übung. 

Aber was ist der Tod? Tod ist: Nichts ist mehr. Ich glaube nicht an Himmel und Hölle, auch nicht an Wiedergeburt. Das sind Konzepte um die Angst vor der Endlichkeit kleiner zu machen. Ich glaube an das Leben und den Versuch es so zu leben, dass ich am Ende sterben kann, ohne sagen zu müssen: „Ich hatte ein ungelebtes Leben.“ Ich glaube nicht an einen Nachschlag post mortum, ich glaube ich an Kreativität. Dadurch, dass sie Gegenpol zum Tode ist bedingen Kreativität und Tod, besser das Gewahrsein des Todes, als letzte Instanz des Lebens, einander. 

Im Ausleben seines kreativen Potenzials ist der Mensch selbst Schöpfer. Damit ist er Gott am nächsten. Kreieren, etwas erschaffen, aus uns selbst heraus, entspricht dem schöpferischen Prinzip. Auf diese Weise versöhnen wir uns mit der Endlichkeit in jenen Zeitspannen, wenn wir im Flow sind. Erschaffen ist ein sich wiederholender Prozess, ein immer neuer Versuch des kreativen Menschen der Versöhnung mit dem Hineingeworfensein in das Sein und das Nicht mehr sein.
"Muss ich denn sterben um zu leben?", singt Falco, kurz vor seinem Tod, als habe er ihn geahnt. Der Tod, die Katharsis des Künstlers? 

Etwas erschaffen entspringt dem Motiv etwas von sich selbst zu hinterlassen - nach dem Tod, ein mich Überlebendes. Ein Versuch des Geistes und der Seele dem Vergessen werden zu entrinnen, der Flüchtigkeit der Existenz ein Schnippchen zu schlagen. ES überlebt mich. ES dauert an, wenn ich nicht mehr bin. Ist Kreativität nicht der lebenslang währende Versuch dem Tod die Stirn zu bieten? Ein Machtspiel mit etwas, das Größer ist als wir, ein Kampf mit einem unbezwingbaren Gegner. Der Tod ist absolut. Ob er somit vollkommen ist, wer weiß das schon? Er ist das große numinose Etwas, das wie nichts anderes verbunden ist mit der Angst. Angst lähmt, Angst ist Starre. Tod ist Starre. Die Angst vor dem Tod ist der Boden aller Angst. Das Ungewisse macht uns Angst. Der Tod ist das absolute Ungewisse und zugleich die absolut einzige Gewissheit, die es gibt. Mit Gewissheit erreicht uns das Ungewisse des Todes. Er ist gewiss wie der Wandel und die Veränderung. Sterben und Tod, der letzte Wandel, die letzte Veränderung. Es gibt kein Entfliehen. 

Ich spekuliere erfolglos. Was weiß ich vom Tod und was maße ich mir an zu glauben. Alles Glauben und Denken in seine Richtung sind Krücken um ihm das Antlitz milder zu malen. Kopfgeburten, nichts weiter. Ich weiß nichts. Also... Kreativität als Versöhnung mit der eigenen Endlichkeit? Ein Agreement im besten Falle. Ein sagen können: Ich habe gelebt, ich habe mein Leben gestaltet, ich war Schöpfer in meinem Lebens. Und am Ende? Trete ich meinem Schöpfer gegenüber? Lächelnd vielleicht. Einverstanden vielleicht mit meiner Endlichkeit und dem was darüber hinaus von mir bleibt. Versöhnt das?




Samstag, 30. März 2019

Feststecken


Wenn die Umstände so sind, dass weder Widerstand vorhanden ist, der sich überwinden ließe, noch die Dinge von selbst nachgeben, sondern alles zäh und träge ist wie Schlamm, wird jede Bewegung gelähmt.
Wir stecken fest.
Dann bleibt uns nichts anderes übrig als uns dem Leben gegenüber hingebend zu verhalten.
Wir tun das indem wir inne halten, uns zurückziehen, zur Ruhe zu kommen und darauf vertrauen, dass sich die Dinge von selbst zu unserem Wohl lösen.

Donnerstag, 28. März 2019

Ablenken

Foto: Claudia Krug, Malerei A.W.

Wenn die Gedanken kommen, die unguten, die dysfunktionalen, dann ablenken.
Wenn die Angst kommt, die unausprechliche, die wabernde ohne Gesicht, dann ablenken.
Wenn die Trauer kommt, die alte, die ohne Namen, dann ablenken.
Wenn die Melancholie kommt, die schwarze, die tiefe, dann ablenken.
Wenn die Wut kommt, die ohnmächtige, die gewaltige, dann ablenken.
Wenn die Verzweiflung kommt, die bodenlose, die innerlich zerreissende, dann ablenken.
Wenn der Schmerz kommt, der unausgesprochene, der nagende, dann ablenken.

Wie lange und wie oft willst du dich noch ablenken?




























Dienstag, 26. März 2019

Autophobie, die Angst vorm Alleinsein


Foto: A.W.

Ich halte es mit mir allein nicht aus. Es macht mir Angst allein zu sein. Aus dieser Angst heraus bleibe ich in Beziehungen, die mir nicht gut tun, die mir sogar schaden. Ich habe solche Angst davor allein zu sein, dass ich mich immer wieder auf faule Kompromisse einlasse und leide. Ich will das nicht mehr. Ich kann so nicht mehr leben. Ich gebe mich völlig auf, ich mache Dinge, die ich nicht will, ich verrate mich selbst und ich mag mich selbst nicht mehr, weil ich das tue. Ich tue das, ich sehe mir selbst dabei zu, wie ich es tue und kann nicht damit aufhören. 

Die Klientin, die das sagt, ist am Ende ihrer Kraft.
Sie ist innerlich zerrissen. Sie befindet sich in einer Phase der Lähmung die sie davon abhält zwischen zwei Möglichkeiten zu wählen. Sie findet es unmöglich sich zu positionieren, weder klar für ein Ja noch für ein Nein. Die Angst vor der Entscheidung, die sie zu treffen hat, nämlich die Trennung von ihrem Partner, nimmt sie vollkommen ein. Also trifft sie lieber keine, als eine in ihren Augen schlechte Entscheidung. Sie glaubt nur wählen zu können zwischen Pest und Cholera. Verlässt sie die ungesunde Beziehung ist sie allein, was sie nicht auszuhalten vermag, bleibt sie in der Beziehung, verleugnet sie sich weiter selbst und wird seelisch und/oder im Zweifel sogar körperlich krank. 

Ich bitte sie mir zu sagen, was ihr zu dem Begriff Alleinsein einfällt.

Alleinsein, das ist das Gefühl du gehörst nicht dazu, weil du nicht okay bist. Alleinsein, das fühlt sich an wie Zurückweisung. Du bist aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Du gehörst nicht dazu. Das macht mir Todesangst. Alleinsein macht mir Todesangst.


Aber sie wissen, dass sie am Alleinsein nicht sterben, sage ich. 


Ja, ich weiß das, antwortet sie. Ich war oft genug allein in meinem Leben, aber immer wenn ich allein bin bekomme ich Panikattacken. Ich werde hypochondrisch. Ich denke beim kleinsten Bisschen ich werde unheilbar krank. Das ist wie ein Karussell in meinen Kopf, das sich ständig um die Angst vor Krankheit und Tod dreht. 


Beschreiben Sie mir bitte das Gefühl, sage ich. 


Ich habe das Gefühl unterzugehen, mich zu verlieren. Das ist ein körperlicher Schmerz, so als würde ich innerlich zerreißen. Da ist das Gefühl in einem unendlich großen ungeschützten Raum zu sein, wo keiner mehr ist außer mir. Nichts was mir Halt gibt. Ich sinke. Ich trudele im Leeren. Der Raum hat keinen Anfang und kein Ende. Keinen Fixpunkt. Ich muss sterben. Genauso fühlt sich das an.
 

Die Klientin empfindet Alleinsein als existentielle Bedrohung. Im Verlauf unserer Sitzungen kamen wir der Angst meiner Klientin auf die Spur. Sie leidet an Autophobie.

Die Angst vor dem Alleinsein wird in der Psychologie als Autophobie bezeichnet.  

Der Begriff beschreibt die Angststörung allerdings nur sehr ungenau. Denn gekoppelt an die Angst vor dem Alleinsein ist auch die Angst vor Ablehnung, Trennung und Verlust. Und zwar immer dann besonders, wenn Betroffene in einer Partnerschaft leben und eine zu enge emotionale Bindung an den anderen haben. 
Mit dieser emotionalen Abhängigkeit einher, gehen Verlustangst und die Angst davor keine Liebe und keine Aufmerksamkeit mehr zu bekommen. Das starke Bedürfnis nach Halt und Zuneigung läuft ins Leere. Für einen Autophobiker bedeutet das: Ich bin verloren, wenn ich nicht gesehen und nicht geliebt werde. 

Wir alle haben das Bedürfnis zu einem anderen zu gehören, den Wunsch nach Liebe und Zuneigung. Menschen, die all das nie oder nicht ausreichend bekommen haben, brauchen es umso mehr. Daran ist nichts Schlimmes. Es macht auch keinen Sinn sich dafür zu verurteilen oder zu schämen. Bedürfnisse wollen anerkannt werden. Bei meiner Klientin jedoch wirkt die Nichterfüllung ihrer Bedürfnisse wie ein kalter Entzug.
 

Für Menschen, die die Angst vorm Alleinsein nicht kennen ist dies absolut nicht nachvollziehbar. Und für Menschen, die diese Angst haben, ist es schambesetzt mit anderen darüber zu reden. Daher sind sie mit ihrem inneren Drama oft sehr allein. Was die Angst natürlich verstärkt. Sie leiden unvorstellbar.

Von einer Autophobie spricht man dann, wenn die Angst vor dem Alleinsein mit Leid verbunden ist.   

Betroffene erleben das Alleinsein als Bedrohung. Mit sich selbst allein fühlen sie sich ausgeschlossen aus dem sozialen Gefüge und absolut hilflos. Die Angst wird dann sogar körperlich spürbar. Sie sucht sich Ausdruck in Panikattacken. Herzrasen, Schmerzen oder Druck auf der Brust, permanent erhöhter Puls, Herzrhythmusstörungen und schnelle Atmung sind nur einige körperliche Symptome. Auf der emotionalen Ebene kommt dann die Angst vor Auflösung, Krankheit und Tod hinzu.

Menschen die unter Autophobie leiden haben in der Kindheit emotionale Ausgrenzung, verbale und körperliche Demütigung, Missbrauch, Vernachlässigung, Verlassen werden von einer wichtigen Bezugsperson oder Verlust durch den Tod einer nahen Bezugsperson erfahren.   

Mit  ihren Gefühlen waren sie sich selbst überlassen Es gab keinen Halt. Es gab niemanden, der ihnen half diese Gefühle zu verarbeiten. Es gab keinen menschlichen Bezugspunkt an dem sie sich orientieren konnten. Sie mussten mit dem was ist selbst fertig werden, was sie als Kind natürlich nicht konnten. Sie waren geistig und emotional komplett überfordert. In der Folge versuchen Menschen, die diese existentiell bedrohliche Erfahrung machen mussten, ihr späteres Leben entsprechend so zu organisieren, dass sie das Alleinsein meiden indem sie dafür sorgen immer in einer intimen Beziehung zu sein. Wobei das nicht bedeutet, dass sie nie allein sein können. Sie können durchaus Zeit gut mit sich alleine verbringen, vorausgesetzt sie befinden sich in einer Beziehung. Sie brauchen immer mindestens eine nahe Bezugspersonen als seelischen Halt, den sie als Kind nicht hatten. Nicht selten geraten diese Menschen daher in eine emotionale Abhängigkeit. 
Aber je abhängiger sie werden, desto größer wird die Verlustangst. 
Sie klammern sich an den anderen als ginge es um ihr Leben. Jede Zurückweisung, jede Ablehnung von Seiten des anderen fördert die negativen Gefühle bis hin zur ausgeprägten Panik. Der unselige Kreislauf beginnt: Je mehr sie sich an den anderen klammern, desto mehr verlieren sie an Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Sie passen sich den Bedürfnissen und Erwartungen des anderen an, nur um nicht allein sein zu müssen. Sie verlieren sich selbst im anderen. Sie geben sich auf, weil sie unbewusst glauben allein unterzugehen. 
Das Fatale ist: Die Betroffenen spüren und wissen meist wie unangemessen ihre Gefühle und ihr Verhalten sind, aber die alte Angst des Inneren Kindes vor Verlust und Alleinsein ist mächtiger als jedes Wissen.

Negative Erfahrungen und unverarbeitete Erlebnisse aus der Kindheit sind Auslöser der Autophobie.  Diese Erfahrungen wurden tief im limbischen System des Gehirns abgespeichert. Aufgrund dessen sind diese Gefühle weiterhin vorhanden und nehmen fatalen Einfluss auf das Leben.

Die Erinnerungen an die längst vergangenen und eigentlich abgeschlossenen Erfahrungen kommen immer wieder hoch sobald eine ähnliche Situation wie damals eintritt. Die alte Angst wird zur Panik im Jetzt. Genau wie es meine Klientin erlebt und beschreibt. Fehlt der emotionale Anker, fällt sie in eine existentiell bedrohliches Loch.

Wie helfen? 
Meine Klientin, die kein Urvertrauen mitbekommen hat, muss lernen sich selbst zu vertrauen. Sie muss lernen Stärke und Halt in sich selbst zu finden. Sie lernt, dass ihre Angst alt ist und nicht wahr. Sie lernt, dass sie heute erwachsen ist und nicht mehr das verlassene hilflose Kind, das sie einst war 
Das ist ein langer Weg.
Es reicht bei weitem nicht aus zu wissen, woher die Angst vor dem Alleinsein kommt. Sicher ist es in den meisten Fällen sinnvoll, ursachenorientiert vorzugehen und die traumatischen Erfahrungen zu bearbeiten und zu verarbeiten. Dies ist ein wichtiger erster Schritt um bewusst Distanz zu den Angstgefühlen einnehmen zu können, aber entscheidend ist: Es geht für meine Klientin darum fühlen zu lernen, dass sie alleine nicht untergeht.  
  
Ich gebe Ihr Hausaufgaben. 
Sinnvoll ist es sich jedes Mal, wenn die Angst kommt zu fragen: Wie groß ist gerade meine Angst vor dem Alleinsein und welche Reaktionen (körperlich, emotional, Handlung) folgen darauf?
Es ist hilfreich die Antworten auf diese Fragen in einem Angsttagebuch festzuhalten und dieses solange zu führen, bis eine Besserung  verspürt wird. Je öfter und je länger sie die Zeit des Alleinseins aushält und sich der Angst stellt, mit ihr arbeitet und erkennt, dass keine reale Gefahr droht, desto mehr lässt die Angst nach. 

Um mit dem Alleinsein besser leben zu können ist es notwendig Bindung nicht nur zu einem Menschen aufzubauen, sondern sich ein soziales Netz zu schaffen. Hilfreich ist vor allem auch die Arbeit mit dem verletzten Inneren Kind, das nie gelernt hat, dass da jemand ist, wenn es sich fürchtet. Dieses Kind muss erfahren, dass es nicht allein ist, dass es gehalten wird und zwar von einem starken inneren Erwachsenen. Diesen gilt es zu wecken und zu stärken. Es ist möglich, auch wenn es Zeit, Übung und Geduld braucht.